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Albrecht Schmidt Credo ergo Cogito iCh glaube, also denke iCh. Glaubensstationen von Kathryn Kuhlman bis zur charismatischen erneuerung heute

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Impressum Albrecht Schmidt Credo ergo cogito Ich glaube, also denke ich. Glaubensstationen von Kathryn Kuhlman bis zur charismatischen Erneuerung heute © 2013 GGE Verlag Arbeitskreis für Geistliche Gemeinde-Erneuerung in der Evangelischen Kirche e.V. Schlesierplatz 16 34346 Hannoversch Münden ISBN 978-3-9816293-0-9 Titelbild: kallejipp/photocase.com Umschlaggestaltung und Satz: Katja Lehmann, kulturlandschaften.com Druck: Gustav Winter, Druckerei und Verlagsgesellschaft, Herrnhut 2


Albrecht Schmidt

Credo ergo Cogito

ich GlAube, AlSo denKe ich. Glaubensstationen von Kathryn Kuhlman bis zur charismatischen erneuerung heute

GGE verlag

Geistliche Gemeinde-Erneuerung in der Evangelischen Kirche

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inhalt

KApitel 1

Die 1960er Jahre

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KApitel 2

Der Stich

13

KApitel 3

Ins Sein sprechen, segnen

19

KApitel 4

Kathryn Kuhlman

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KApitel 5

Heiliger Geist in Jerusalem

33

KApitel 6

Gehe in die Moschee

41

KApitel 7

Der Geist geht mit

49

KApitel 8

Das Liebesnetz

59

KApitel 9

Hinter dem Eisernen Vorhang

67

KApitel 10

In der DDR

79

KApitel 11

Der Knoten

93

KApitel 12

Der Tumor

97

KApitel 13

Auferstehung in Zeitlupe

107

KApitel 14

Hiob

111

KApitel 15

Nervus recurrens – Wo war er denn vorher?

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inhalt

KApitel 16

Nervus recurrens propheticus – Die Induktionsschleife Gottes

123

KApitel 17

Die Griechen

127

KApitel 18

Weltwissen

131

KApitel 19

Himmel und Hölle

135

KApitel 20

Fegefeuer

141

KApitel 21

Fegefeuer hier, Vollmacht

143

KApitel 22

Der „Sündenfall“

145

KApitel 23

Tod und Evolution

147

KApitel 24

Die Geistliche Gemeinde-Erneuerung

151

KApitel 25

BIs ins dritte und vierte Glied, ein Fleisch

155

KApitel 26

Das zweite Gesicht

159

KApitel 27

Die Telefonnummer Gottes

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KApitel 28

Der Name

165

KApitel 29

Das letzte Kapitel

167

KApitel 29

Anhang

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Helmut trömel

Würdigung Wer Albrecht Schmidt seinerzeit nicht kennengelernt hat, sollte ihn dringend mithilfe dieses Buches kennenlernen. Er, der Architekt, hat nicht nur viele zukünftige evangelische Pfarrer während ihres Studiums in Tübingen mit den Gaben des Heiligen Geistes bekannt gemacht, er hat uns auch von dem Wirken Kathryn Kuhlmans und von Corrie ten Boom erzählt. Durch seine wichtigen Impule hat er die Arbeit Geistlichen Gemeinde-Erneuerung in der evanglischen Landeskirche in Württemberg entscheidend mitgeprägt. Aber lesen Sie selbst. Sie werden unversehens in ein Stück der neueren Kirchengeschichte eingeführt und werden dabei dem Heiligen Geist begegen, der auch noch heute wirkt! Und Sie werden merken, dass hier ein echtes „Original“ erzählt, wie Gott ihn immer wieder überraschend geführt hat. Er segne auch Sie! Helmut Trömel im November 2013, GGE Württemberg

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Kapitel 1

die 1960er Jahre Die Zeit liegt inzwischen schon soweit zurück, dass wir sie nicht mehr direkt in Erinnerung oder sie auch gar nicht mehr miterlebt haben. Deshalb sollen nur die Hauptschlagworte erwähnt werden: Freiheit durch Umsturz und durch Enthemmung. Rote-Armee-Fraktion, Fememorde / Steigerung: Haschisch, Heroin / Selbstverwirklichung der Frauen, Feminismus. Freie Mode, freier Sex, freie Abtreibung / Gegenreligion. Magische Praktiken, Satanismus. Wie tief die Auswirkungen in unsere Gesellschaft drangen, sehen wir leicht an dem Phänomen, dass heute kein Redner und keine Rednerin mehr ihre Zuhörer und Zuhörerinnen ansprechen kann, ohne außer dem Oberbegriff „Redner“, „Zuhörer“ auch noch die weiblich gebildete Form (Zuhörerinnen) dranzuhängen. Das geht hinunter bis zu den Schülern und Schülerinnen. Das scheint zum Glück eine rein deutsche Manie zu sein, denn im Englischen – wie im Plattdeutschen – geht das gar nicht, da ist eine solche Unterscheidung überhaupt nicht vorhanden. Wenn also mal Englisch unsere Umgangssprache sein wird, ist diese Marotte per se überholt. Eine andere, unbeachtete Sache ist die Frauentracht. Da wissen wir z. B. von den Mennoniten oder den Holländern in Staphorst, dass die Frauen biblisch gebunden sind, eine bestimmte Tracht zu tragen, die z. B. Röcke vorschreibt, und diese von bestimmter Länge, sowie Haartracht und Haube auf dem Kopf. Das waren jene 68er Jahre, ab denen immer mehr Frauen sich die lästig werdenden langen Haare abschnitten und ebenso die lästigen langen Röcke vertauschten mit Hosen. Damals wurden gegen diese Modeerscheinungen wichtige Bibelverse angeführt (von Männern) – aber wie man sieht, ohne Erfolg. Ich sehe auch keine zwingende Bibelstelle. Genauso, wie es im Koran keine zwingende Stelle für die Kopftracht der dortigen Frauen gibt und es dort glaubensmäßig umkämpft wird wie damals bei uns. Wir in unserem Bethanien fielen aus allen Wolken. Fassungslos blickten wir auf das, was sich da vor unseren Augen ereignete. Wo blieb denn Gott? Was richtete unser Beten aus? Eines Tages lasen wir tatsächlich schwarz auf weiß: An einer deutschen Hochschule, auf einer öffentlichen Bühne ist, nicht zu glauben, ein Satanskult nackt vorgeführt worden. Ein Schwein wurde dort geschlachtet und in dessen warmem Blut Sex vollzogen!! Das ging uns aber nun wirklich zu weit! Dagegen mussten wir wirklich etwas tun! Es wurde entrüstet 11


beschlossen, ein Flugblatt dagegen zu verfassen. Die Tatsache eines solchen Gräuels musste doch die Leute wachrütteln. Sie sollten damit zur Buße und zum Einschreiten gebracht werden. Aber was geschah? Mitten in unsere einhellige Entschlossenheit hinein geschah das Wort des Herrn: „Meine Kinder, es ist für Gotteskinder niemals und unter gar keinen Umständen erlaubt, derartige Machenschaften des Teufels auch noch zu verbreiten. Kein Wort! Ihr habt andere Waffen, Liebe, Beten, Segnen. ‚Liebet Eure Feinde.‘ Sich nicht mit weltlichen Mitteln in die Händel dieser Welt einschalten. Habe ich das je gemacht?“ Das traf. Ich war erinnert an mein allererstes Erlebnis in dem Haus am Bergeshang, der zum Schlag erhobene Knüppel sank nieder vor der Liebe Jesu Christi. Abgesetzt vom Getriebe der Welt blickten wir über die nebelgefüllten Täler hinweg zu den klaren Gipfeln der Alpen. Ja, was sollte uns auch stören. Aber die Tsunamiwelle erreichte schließlich auch uns. Es mag inzwischen schon ein 7er vor dem Jahrzehnt gestanden haben, da hörten wir eines Tages, ein Tal weiter habe sich eine Gruppe Jugendlicher oben an einem wenig befahrenen Pass niedergelassen, ihre Absicht schien zu sein, weit über der bürgerlichen Schweizer Welt auf Du und Du zur Natur eine ganz neue Art von freiem Leben zu führen. Von landwirtschaftlicher Kommune war die Rede, das in dieser Höhe, das war alles weltfern und utopisch. Der Sommer ging zu Ende, das musste eine Katastrophe werden. Für unseren Hausvater war das nicht nur ein christliches, sondern vor allem ein inneres Problem der Schweiz, und dafür fühlte er sich verantwortlich. Er fand es nötig, mal nachzuschauen, was da los war. Das war auch bitter nötig. Er fuhr mit einem Bruder hinauf und stieß auf etwa ein Dutzend junger Leute, wohl Studenten, die hatten sich dort ohne jede praktische Ausrüstung niedergelassen. Der Genuss der neuen Freiheit sollte das wettmachen. Stattdessen zeigten sich bereits Krankheiten, auch Geschlechtskrankheiten. Ein Mädchen war sogar schwanger. Die konnten auf keinen Fall da oben in 2.000 m Höhe bleiben. Und es gelang den Brüdern tatsächlich, sie von der Unmöglichkeit zu überzeugen, weiter da oben zu bleiben. Nach und nach kamen sie herunter ins Tal und zu uns, wo ihnen Hilfe für ihre Gebrechen und seelsorgerliche Hilfe zuteil wurde. Manche nahmen das dankbar an, andere setzten sich wieder ab. Zum Teil entstanden Bindungen, die heute noch andauern.

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Kapitel 2

der stiCh Von jetzt ab fuhr ich, manchmal sogar mit der Familie, öfters zu diesen erbauenden Gemeinsamkeiten in dem Bethanien. Aber in der Nähe von Stuttgart wohnte auch eine Schwester, und um dieser Gemeinsamkeit willen lud auch diese ab und zu Geschwister ein. Sie wohnte nicht weit von einem Dorf namens Möttlingen. Da blieb es also nicht aus, dass wir einmal dorthin fuhren und von dem furchtbaren Geisterkampf erfuhren, in den der Pfarrer Johann Christoph Blumhardt hier vor 150 Jahren geriet und den er schließlich mit Jesu Hilfe siegreich beenden konnte. Da wird man mit hineingezogen in die große Auseinandersetzung Gottes mit seinem Erzwidersacher, und man erlebt, wie die Geister des Widersachers Menschen nicht nur an der Seele, sondern auch am Leibe angreifen und quälen können. Und dass diese Möglichkeit sogar im weiteren Leben nach dem leiblichen Tode besteht (Buch J. Ch. Blumhardt, „Der Geisterkampf von Möttlingen“). Erfahrungen von dieser Transzendenz machten wir auch in unserem „Bethanien“. Es wurde bald sichtbar, dass jedes der „Sprech“-kinder, wie sie genannt wurden, ein eigenes Profil, einen eigenen Schwerpunkt hatte. Bei dem einen war es der Heilsplan Gottes, um den es letztlich ging, beim anderen die Liebe unseres Heilands Jesus Christus, beim dritten Seelsorge usw. Bei mir, an meinem Herzen, klopfte der Heiland auch an, dass ich sprechen sollte. Nun bin ich aber vom Beruf her ein solcher Verstandsmensch, dass ich ihm sagte: „Bitte, ich möchte vorher wissen, um was es geht und nicht Wörter und Sätze aussprechen, von denen ich nichts weiß.“ Nobel wie er ist, ging er darauf ein . Er gibt mir vorher jedes Mal die Überschrift, das Thema oder den ersten Satz an. Vor allem in der Seelsorge gibt er mir meist einen optischen Eindruck, einen Gegenstand. Von dem aus entwickelt er dann die seelische Situation des Ratsuchenden. Wenn ich dann absichtlich an etwas ganz anderes denke und das mir intensiv vorstelle, die Wahrnehmung (Gesicht) sich aber nicht vertreiben lässt, dann weiß ich, sie ist nicht von mir, sie ist vom Herrn. Es schienen jetzt einige, ein Bruder und zwei Schwestern, die Lizenz oder den Auftrag zu haben, dass auch andere geistliche Wesen durch sie sprechen durften. Diese stellten sich durch den Ton ihrer Sprache und durch das, was sie uns sagen wollten und durften, immer als solche heraus, die, obwohl nicht mehr im Leibe, Nöte hatten und unsere Belehrung brauchten. Namen nannten sie nicht, es fragte sie auch 13


niemand danach. Es schien, als seien es Verstorbene, die in ihrem Leben versäumt hatten, sich um ihren Heilsweg zu kümmern und Jesus als ihren Erlöser anzunehmen. Diese gaben ihre Ausweglosigkeit kund und anscheinend ließ der Herr es zu, dass sie hier von gestandenen Gläubigen auf den Weg zu ihm geführt wurden, denn dann gingen sie wieder. Einfach war das nicht immer. Eines fällt mir allerdings im Nachhinein auf: Ich kann mich nicht erinnern, dass jemals die Muttergottes zu uns gesprochen hätte, auch nicht durch die gläubigen Katholiken. Auch hat sich nie ein Heiliger gemeldet, auch kein Erzengel oder hohes Geisteswesen, welches uns geistliche Geheimnisse hätte vermitteln wollen. Unser Gegenüber war und blieb der dreieinige Gott selber. An einem Abend ereignete sich Folgendes: Ziemlich zu Beginn hatte eine Schwester ausgesprochen, heute wolle der Herr einem von uns einen Stich in sein Herz versetzen. Dies wurde mit Achtung aufgenommen, wenn sich auch niemand erklären konnte, wie das zu verstehen sei. Nach dem üblichen Ablauf Gebete, Lobpreis, Gottesworte, durfte sich auch ein Jenseitiger melden. Dessen Reaktionen waren aber so abweisend, ja widerspenstig, dass der Bruder, der ihm Rede und Antwort stand, unwillig wurde und ihn zurechtwies. Das war erzieherisch sicher richtig, bei mir aber spürte ich wieder dieselbe Liebe wie ich sie damals im Blockhaus oben am Berg gespürt hatte. Ich sprach also in dieser Wärme zu ihm. Und das zeigte Erfolg. Er ließ sich an Jesus Christus als seinen Heiland und Erlöser weisen und war schließlich auch bereit, ihn anzunehmen. Dann ging er wieder. Da passierte es, dass es mir plötzlich und unerwartet wie ein Stich ins Herz fuhr. Alle im Raum spürten das. Mir war, als würde mein Herz größer und größer, wie ein riesenhafter Medizinball. Dabei wurde mein ganzes Sein eine einzige Vibration. In diesem Augenblick wusste ich, ich bin als letztes gar nicht dieser Mensch aus Fleisch und Blut, ich – und alles Seiende – ist nichts weiter als Schwingung, Energie, und das aus Gott, der Ur-Kraft („denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit“). Und diese Kraft, ohne Materie, füllte den Raum. Auch meine Tochter, ein junger Teenager, hat sie gespürt, sie saß etwa zwei Meter von mir entfernt. Von da ab habe ich an meinem Herzen, wo auch immer das medizinisch sein mag, eine Stelle, an der ich spüre, wenn der Herr jemandem erlaubt, sich an mich um Hilfe zu wenden. Die Kardiologen können allerdings nicht das Geringste finden, was eine solche Reaktion hervorrufen könnte. Unser medizinisches Herz ist also nicht dasselbe, wie unser biblisches, geistliches Herz, jedoch mit unserem Zentralnervensystem nehmen wir beide wahr, (auch andere). 14


Als Architekt kontrolliere ich jeden Tag meine Baustellen. Von der letzten fahre ich eines Tages nach Hause, der Stress ist vorbei. Da spüre ich, wie wenn mir plötzlich jemand im Nacken sitzt und sich da festkrallt. Jedem dieser Jenseitigen sage ich als erstes: „Suche Jesus und sein Licht, alles andre hilft dir nicht!“ Denn eines ist klar, ohne die Zulassung Jesu Christi darf niemand zu mir kommen. Diese grundlegende Weisung hat oft schon ihre Wirkung. Hier nicht. Er fuhr fort, mich körperlich zu belästigen, und beim Fahren zu behindern, dass ich in einen Feldweg abbiegen musste. Da blieb ich zwischen den hohen Kornfeldern stehen und stellte den Motor ab. So, was willst du?! Obwohl er keine Antwort gibt, weiß ich natürlich, was los ist. Er ist drüben im Jenseits, das ist aber nicht für jeden der Himmel, an manchen hat der Widersacher aufgrund seiner Lebensweise ebenfalls Ansprüche, und die macht er nicht gerade liebenswürdig geltend. Aber dieser hier scheint noch so viel hoffnungsvolles „Guthaben“ aufzuweisen, dass er vom Herrn noch eine Chance bekommt. Da krallt er sich nun fest, damit er nicht abgeholt wird. Als erstes mache ich ihm klar, dass er von mir selbst nichts erhalten kann (das soll ja niemand meinen, sonst wird er ihn nicht mehr los). Alles was er braucht, ist die Liebe Jesu Christi, das weiß er vielleicht noch: „Auf Golgatha hat er aus Liebe alle deine Verfehlungen, Sünden auf sich genommen. Bekenne und gib sie ihm. Er wird sie dir abnehmen und dir dafür seine Liebe und seinen Frieden schenken.“ Ich weiß, das braucht er, nicht mehr und nicht weniger. Es mag lange dauern, aber weil Jesus das hier zugelassen hat, ist mir sicher, dass er, vielleicht sogar nach Stunden, Jesus annehmen wird. So geschieht es. Ich spüre es. Dann geht er. Jetzt gehört es sich, dass er dem Heiland, seinem Erlöser, einen Dank abstattet. Da er das natürlich nicht geübt ist, sage ich ihm, komm, jetzt knien wir nieder und danken dem Herrn, dass er durch sein Opfer auf Golgatha dich dem Satan aus den Klauen gerissen hat. Du bist frei, vor Zeugen. Und wenn der Widersacher je wieder etwas von dir will, dann sage du ihm, geh, weiche von mir, du hast nichts mehr mit mir zu schaffen. Ich bin jetzt ein Gotteskind und berechtigt, dir das zu befehlen. Amen! Das ist wichtig, denn der Teufel versucht es immer wieder, auf die verschiedenste Weise. Und du bist ein freier und souveräner Mensch. Das weiß der Teufel, denn im Paradies hat er selbst dem Menschen diese Freiheit angedient. Jetzt muss (muss!) er das respektieren. Übrigens ist das nicht etwa etwas Neues, im Gegenteil, es ist nichts weiter als die Formel „Ich widersage dem Teufel!“ Sie ist bei Taufe und Abendmahl in den Liturgien der Konfessionen enthalten. Alle Generationen vor uns haben sie so gesprochen, von den alten Germanen 15


an, als sie zum Christentum bekehrt wurden, durch die katholische Kirche hindurch bis zur lutherischen. Wir dürfen uns nicht wundern, was passiert, wenn wir sie außer Acht lassen. Aber nicht nur das, warum haben wir weithin nicht die geringste Kenntnis vom Weiterleben nach unserm Tod? War das immer so? Wir sollten doch als Christen über das Jenseits Bescheid wissen. Oder müssen wir das den Esoterikern überlassen? Keineswegs, sehen wir uns nur unsere alten Kirchen an. Sie sind voll von Darstellungen des Jenseits, vom Augenblick, wo die Seele hinübergeht bis zum Endziel. Und heute? Ein bekannter evangelischer Kirchenprediger hat mir gesagt, an Orte wie Himmel und Hölle, an ein Fegefeuer oder gar den Teufel glaubt er nicht, das sind nur Gedankenbrücken für die Menschen, real gäbe es die nicht. Mit dieser Auffassung war er nicht einmal allein, sie ist mir des Öfteren bei evangelischen Pfarrern begegnet, nicht aber bei Katholiken. Sollte das einen Grund haben? Vielleicht schon in Martin Luther? Warum ergriff Martin Luther überhaupt das Wort? Gegen den Ablasshandel. Nicht nur für Luther, sondern für alle Menschen lautete damals die Existenzfrage: Wie bekomme ich einen gnädigen Gott? Die Bibel ließ ja keinen Zweifel daran, dass alle Heilsgeschichte zum Schluss auf das Jüngste Gericht zulief. Und eine Rettung davor konnte es nur durch die Kirche geben, genauer gesagt durch den Stellvertreter Christi auf Erden. Und der gab jetzt die Gelegenheit dazu. Zwar können schlechte Taten oder Werke nur durch gute Taten oder Werke ausgeglichen werden, aber wenn einer sein letztes Geld hergibt, wenn das kein gutes Werk ist! So konnten die Ablasshändler die Menschen überzeugen dass es besser sei, ihr letztes Geld herzugeben, als in ihren Sünden zu verharren. Und, ihr könnt nicht nur für eure eigenen Sünden Ablass erhalten, ihr könnt sogar Verstorbene aus dem Fegefeuer befreien, Eltern, Großeltern, Onkel, Tanten, verstorbene Kinder. Für jede Person erhaltet ihr Sündenablass, mit Brief und Siegel, vom Bischof. Was konnte man sich mehr wünschen. Der Slogan lautete: Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele vom Fegefeuer in den Himmel springt. Mit diesem Handel hat Luther aufgeräumt. Darüber hat der Papst/Bischof sich deutlich von ihm (Bann) und den reformatorischen Kirchen getrennt, den Petersdom aber trotzdem zu Ende gebaut. Für die Evangelischen hingegen war nicht nur der Handel mit dem Fegefeuer erledigt, sondern dieses selbst auch. Als ein solches Wort steht es in der Bibel auch nicht drin, wohl aber hat Paulus uns über die Tatsache und Funktion dieses Purgatoriums, wie es lateinisch heißt, deutlich ins Bild gesetzt. Er warnt uns, die Sache nicht zu leicht 16


zu nehmen: Der Grund, auf den wir unser Sein aufbauen, ist allein Jesus Christus. Auf diesem Grund führen wir den Bau unseres Lebens auf. Im Jenseits wird dieser Bau dem Feuer ausgesetzt, dann wird sich seine Beschaffenheit zeigen. Der Mensch selbst aber wird als Lohn zwar seine Bestrafung erhalten (so im Griechischen), aber durch eben dieses Feuer wird er auch gerettet (1. Kor. 3,11-15). Dies also ist die Aufgabe des Purgatoriums/Fegefeuers. Vielleicht war die Naivität unserer Gruppe in Konfessionsdogmatik der Grund, warum der Herr ausgerechnet bei uns die Verstorbenen Belehrung finden ließ, die sich in der entsprechenden Situation befanden zwischen ihrem leiblichen Tod und dem endgültigen Finden und Beschreiten des Weges zu Jesus Christus. Ich stelle aber fest, dass sehr oft bei unserer späteren Seelsorge Beziehungen zu Verstorbenen mitspielen. Da sind diese Kenntnisse eine Hilfe.

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Kapitel 3

ins sein spreChen, segnen Noch einmal zurück zu dem Verstorbenen, der mir im Nacken saß. Er hat mich, obwohl selbst ohne Leib, bis ins Körperliche hinein so belästigt, dass ich nicht mehr in der Lage war, in diesem Berufsverkehr mein Auto zu fahren. Als ich dann zwischen den Kornfeldern stand und ihn belehren konnte, tat ich das zunächst, wie wir wohl alle getan hätten, ohne Stimme. Da er nicht mehr leiblich war, sollte er zur Verständigung doch auch meine leibliche Stimme nicht benötigen, gefunden hatte er mich ja auch ohne sie. Ich war sicher, dass ich ihm genau das gesagt hatte, was er, was seine Seele brauchte, Jesus. Trotzdem ließ er nicht nach. Ich wusste mir keinen Rat. Was tat ich schließlich? So wie man bei jemand, der nicht hören will, von allein lauter spricht, so erhob ich jetzt meine Stimme und sprach laut zu ihm. Und das wirkte. Er hörte es, er begriff es, er verarbeitete es, sein Griff ließ nach. Er bekam, was er brauchte, er verschwand. Ich atmete auf. Bevor ich wieder auf die Ausfallstraße zurückfuhr, hatte ich etwas entscheidendes begriffen: das Sprechen. Dinge denken und Dinge sprechen, das sind geistlich gesehen zwei völlig verschiedene Ebenen. Wir können in Gedanken ganze Philosophien, Theologien, Entwürfe entwerfen, es bleibt in uns. Durch das physische Aussprechen aber wird es aus uns heraus und ins Sein gebracht. Durch Medien wie Luft, Telefon, Tonträger kann es dokumentiert und produziert werden. Und, so lernte ich, es wirkt sogar ins Körperlose zurück. Was hat es auf sich mit dem Sprechen? Ist es etwa erst das Sprechen, was den Menschen zum Menschen macht und vom Tier unterscheidet? Verständigen können Tiere sich untereinander, aber „sprechen“, das können sie nicht. Auch wenn sie verschiedene Laute, bei manchen möchte man fast sagen Buchstaben, haben, so ist doch nie daraus eine „Sprache“ geworden, mit welcher sie Gedanken ausdrücken, formulieren, variieren und dem anderen mitteilen können, so wie ich soeben den Hilfe suchenden Verstorbenen nur durch „Sprache sprechen“ zu Jesus Christus weisen konnte. Für die Wissenschaft ist die trennende Stufe zwischen Nichtmensch und Mensch dann überschritten, wenn man Spuren findet, die belegen, dass er mit seinem Mitmenschen gesprochen und kultische Formen entwickelt, Tote begraben, Seelen begleitet und Götter verehrt hat. Es scheint also Mensch/Kult/Sprache eine zwingende Einheit zu sein. Dann müsste also auch die Sprache darin eine Funktion, eine 19


unverzichtbare Bedeutung haben. Und so ist es auch. Wie, auf welche Weise hat Gott Himmel und Erde und alles, was darinnen ist, geschaffen? ER SPRACH. Und nachdem er es ins SEIN gesprochen hatte, dann benannte er es noch, also sprach er wieder. Als er als Abschluss den Menschen schuf nach seinem Bilde, seinem Vorbilde, da musste der auch das können, was Gott tat, „sprechen“. Arbeiten musste er nicht, wohl aber etwas tun, das Einzige, was Gott von ihm wollte, er, der Mensch solle allen Tieren nach Gattungen ihren Namen geben, und Gott wollte sogar wissen, wie er sie benennen würde. Wir sind heute alle Städter geworden. Aber wir sollten vielleicht noch wissen, dass der Bauer allen seinen Kühen und Pferden einen Namen gibt, mit ihnen redet und die ihn verstehen. Es ist dem Menschen eingeboren, wir können selbst die Probe machen. Bringen wir unserer kleinen Tochter oder Sohn ein kleines Hündchen mit und fragen, wie soll es denn heißen? Sie werden nicht zögern und ihm sofort einen Namen geben, dann auch mit ihm reden und, wie die Bibel es ausdrückt, über es herrschen. Natürlich hätten wir – und im Paradies war es zunächst auch so – nur gutsprechen sollen, nur dann nämlich bleiben wir auf der geistlichen Ebene, die Gott dafür vorgesehen hatte. Das Sprechen, das wir auf dieser Ebene wie eine Zwiesprache mit Gott und seiner Schöpfung halten, bezeichnet die Bibel als eulogein, lat. bene-dicere, deutsch „wohlsprechen“. Das ist ein ungewohntes Wort, daher wählt die Bibel für das Sprechen des Menschen zu Gott „Lobpreisen“ und für das Gottes zu den Menschen „Segnen“. Infolgedessen finden wir es in der Bibel zur Hälfte als „loben und preisen“, zur Hälfte als „segnen“ wieder. Im Brief an die Epheser verwendet Paulus dasselbe Wort in ein und demselben Vers zweimal, in den beiden Bedeutungen (Eph. 1,3: „Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat...“). Wir haben schon gehört, dass in den Andachten unserer Gruppe Gott im Mittelpunkt stand, aber dass es uns auch ein Anliegen war, unsere Mitschöpfung zu hüten und zu pflegen. Darum ergab es sich, dass wir zum Ende den empfangenen Segen gleich weitergaben an die Mitmenschen, die wir in Not wussten, an die in unserer Familie, die in unserer Kirche, in unserem Land, auf unserem Kontinent, auf der ganzen Welt. Zusammen sprachen wir: „Es werde Licht in den Herzen aller dieser Menschen auf Erden, im Namen unseres Heilands Jesus Christus!“ Danach vergaßen wir aber nicht die Naturreiche, wie der Herr sie geschaffen und aufsteigend entwickelt hatte, das Mineralreich, das Pflanzenreich, das Tierreich. Wie, auf welche Weise der Schöpfer alles wie „zu sich hin“ führen werde, darüber machten wir uns keine 20


Gedanken, aber dass wir ihm bei dieser Rückführung helfen wollten, und als Gotteskinder wohl auch konnten, das war uns bewusst. Mir selber war es jedenfalls ein Anliegen, deshalb unterließ ich es nie, auch in den Kreisen, die ich gelegentlich hielt, und jedenfalls im eigenen Haus, zum Schluss immer dieses Segensgebet zu sprechen. Und ich meine, ich darf es nicht für mich behalten, was ich dabei erlebte: Die Schwester, in deren Haus bei Stuttgart wir uns immer wieder zusammenfanden, hatte einen Dackel, einen wirklich schönen Langhaardackel mit prachtvoll gewelltem Haar. Er war bereits etwas betagt, und wenn wir unsere Andacht hatten, lag er auf der niedrigen Brüstung des Blumenfensters, die über der Heizung immer schön warm war. Er lag die ganze Zeit ruhig da, niemand nahm Notiz von ihm. Als wir zum Schluss den Segen hinaussandten, waren alle aufgestanden und bildeten einen Kreis. Was geschah? In gerade dem Augenblick, als ich zum Tierreich kam und gerade den Vierbeinern den Segen zusandte, da kam der Dackel von seinem warmen Platz herunter und kam in unseren Kreis hinein, setzte sich vor mich auf seine Hinterbeine und machte Männchen zu mir. Das fiel ihm schon etwas schwer, denn er musste sich aus Altersgründen zwischendurch immer wieder auf seine Vorderpfoten herunterlassen. Alle sahen wir erstaunt diesen Dank für die Wohltat an. Er hatte sich den Segen für sein Tierreich abgeholt. (Es war der Dackel von Trudel aus Merklingen). Bei uns zu Haus, wenn wir die Zeit hatten, sprach ich am Ende einer kurzen Besinnung ebenfalls diesen Segen. Wir konnten aber keinen Kreis bilden, wir standen uns nur zu zweit gegenüber, meine Frau und ich. Jedenfalls war es doch ein Segenssender. Wir hatten die Tür zur Küche wohl einen Spalt offen stehen gelassen, da kam doch genau beim Tierreich unsere Katze hereinspaziert, stellte sich mitten zwischen uns und genoss deutlich und dankbar, wie da ein Segen über sie floss. Dann ging sie wieder, denn der Segen für das Pflanzen- und das Mineralreich, der war für sie nicht zuständig. Etwas besonders Eindringliches erlebten wir einmal im Haus einer Schwester in der Steiermark. Wir saßen im Zimmer zu dritt an dem Tisch, dessen offene vierte Seite der Gartenterrasse zugewandt war, die Tür stand des schönen Wetters wegen offen. Wir hatten eine gute Zeit mit unserem Herrn gehabt und ich ging zum Segen. Und noch bevor ich bei der Natur angekommen war, kam doch eine Taube durch die offene Tür hereingeflogen, geradewegs auf unseren Tisch zu und setzte sich mir gegenüber auf die Lehne des freien Stuhles. Dabei ist sie aber nicht etwa erst im Zimmer herumgeflattert, wie Vögel sonst es tun, sondern direkt auf diesen Stuhl, wo wir nun also mit ihr zu viert ringsherum einen 21


Kreis bildeten. Als wäre es nichts Besonderes, sprachen wir unseren Segen weiter in die Schöpfung und die Welt hinein. Als wir zu Ende waren, sagte unsere Taube ade und flog auf dem direkten Weg, wie sie gekommen war, wieder hinaus in die Natur. Ist das nicht schön? Die Schwester hat uns beteuert, sie wohnt schon lange in diesem Haus – das sie von ihrer Tante Hilde Kucher in Admont geerbt hat – aber eine Taube ist ihr da niemals hereingeflogen. Anscheinend wissen die Tiere besser als wir selber, welche Wichtigkeit unser Sprechen hat. Wenn wir dazu geschaffen sind, ins Sein zu sprechen, dann sollten wir das auch tun. Der Schöpfer hat uns das, wie wir sehen, nicht umsonst gegeben. Unser Sprechen sollte aber ein Wohlklang, ein Benedicere, ein Segen sein. Das verstehen nicht nur Menschen, sondern auch Hunde, Katzen, Tauben und sicher, wie wir auch sahen, noch andere. Was würde Franz von Assisi dazu sagen?

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