Ursula und Manfred Schmidt
Hรถrendes Gebet Grundlagen und Praxis
GGE verlag Geistliche Gemeinde-Erneuerung in der Evangelischen Kirche
Hรถrendes Gebet | 1
Impressum Ursula und Manfred Schmidt Hörendes Gebet. Grundlagen und Praxis ²BERARBEITETE UND ERWEITERTE .EUAUlAGE © GGE-Verlag Arbeitskreis für Geistliche Gemeinde-Erneuerung in der Evangelischen Kirche e.V., 3CHLESIERPLATZ (ANN -ÌNDEN WWW GGE DEUTSCHLAND DE www.gge-verlag.de )3". Satz und Gestaltung: Katja Gustafsson, www.kulturlandschaften.com Titelbild: Manfred Schmidt Druck: Gustav Winter, Druckerei und Verlagsgesellschaft mbH
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Inhalt
6ORWORTE Einleitung ...................................................................................................9 'OTT SPRICHT $ER -ENSCH m ,EIB 3EELE UND 'EIST .OCH MEHR !NTHROPOLOGIE 7IE KANN ICH HÇREN m $AS %MPFANGEN 7AS BEDEUTEN DIE %INDRÌCKE m $IE !USLEGUNG :UM 5MGANG MIT "ILDERN UND 3YMBOLEN 7AS FANGE ICH DAMIT AN m $IE !NWENDUNG %IN -ODELL m $ER '·STEABEND (ÇRENDES 'EBET IM !LLTAG $ER 3CHRITT IN DIE &REIHEIT 'OTTES 7AHRHEIT ÌBER MICH HÇREN 7ENN 'OTT NICHT SPRICHT 7ACHSTUM 0ROPHETISCHES 2EDEN IN DER 'EMEINDE !NMERKUNGEN !NHANG Hörendes Gebet | 3
Vorworte Das Reden Gottes konkret und direkt wahrnehmen 7IE REDET 'OTT HEUTE +ANN ICH DIE 3TIMME 'OTTES ÌBERHAUPT HÇREN UND WAHRNEHMEN 7IE EREIGNET SICH 0ROPHETIE $IESE 'RUNDFRAGEN CHRISTLICHER %XISTENZ WOLLEN "EACHTUNG kNDEN UND SORGF·LTIG BEANTWORTET WERDEN UND DAS NICHT ALLEIN IM "EREICH CHARISMATISCHER 0RAXIS UND &RÇMMIGKEIT Als theologisches Bekenntnis, insbesondere im Umfeld reformatorischer Theologie, wird stets festgehalten, dass Gott redet und wir Menschen auf Gottes Wort zu hören und ihm zu gehorchen haben. In Jesus Christus offenbart sich Gott selbst und in der Heiligen Schrift können wir Gottes Wort wahrnehmen. Aber WO SIND DIE KONKRETEN %RFAHRUNGEN DASS 'OTT AUCH HEUTE NOCH SPRICHT 7O UND WIE KÇNNEN -ENSCHEN DAS 2EDEN 'OTTES KONKRET UND DIREKT WAHRNEHMEN 7IE GESCHIEHT &ÌHRUNG UND ,EITUNG DURCH DEN (EILIGEN 'EIST %BEN IN DIESEM "EREICH leisten das Buch und die entsprechenden Seminare über das „Hörende Gebet“ von Ursula und Manfred Schmidt Grundlagenarbeit. Sie gehen das Thema theologisch RElEKTIERT BIBLISCH BEGRÌNDET UND ANTHROPOLOGISCH RELEVANT AN (INZU KOMMEN zahlreiche Anleitungen für die konkrete Praxis im gemeindlichen Leben. Dabei wird verantwortlich und gut über die prophetische Dimension des biblischen Glaubens nachgedacht. Bei der GGE-Westfalen haben die Seminare „Hörendes Gebet“ deutliche Segensspuren hinterlassen. Die Erfahrungen waren ausnahmslos positiv: Es wurden dabei NICHT NUR DIE INTELLEKTUELLEN &RAGEN DER 4EILNEHMENDEN BERÌCKSICHTIGT SONDERN auch konkrete und teilweise überwältigende Erfahrungen mit der Praxis des „Hörenden Gebetes“ gemacht. Menschen waren zutiefst angerührt und bewegt, DA SIE ERLEBEN DURFTEN DASS 'OTTES 2EDEN NICHT NUR FÌR ANDERE GILT SONDERN AUCH sie selbst trifft, indem es ermutigt, herausfordert, korrigiert und Perspektiven vermittelt. Ich kann dieses Buch und die Seminare zu diesem Thema uneingeschränkt empfehlen und freue mich über die breite Aufnahme in sehr verschieden geprägten christLICHEN 'EMEINSCHAFTEN DIE DIESE ERWEITERTE .EUAUlAGE NOTWENDIG GEMACHT HAT Pfarrer Udo Schulte, Rahden, Vorsitzender der GGE-Westfalen
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Fundierte biblische Lehre t)CH SAH INNERLICH EIN "ILD VON EINEM GRÇ‘EREN 2AUM $ER 2AUM WAR VERWAIST -ITTEN IM 2AUM STAND EIN 4EEKESSEL %S WAR EIN GRO‘ES $R·NGEN HINEIN IN DIESEN VERWAISTEN 2AUM g $IESEN %INDRUCK HATTE EINE JUNGE &RAU EMPFANGEN ALS WIR W·HREND EINES 3EMINARS ZUM t(ÇRENDEN 'EBETg FÌR MICH BETETEN UND HÇRTEN $IE JUNGE &RAU KANNTE MICH nicht. Sie konnte nicht ahnen, wie sehr dieses Bild in meine momentane Situation HINEINSPRACH :U DEM :EITPUNKT DES 3EMINARS STANDEN WIR ALS 3CHWESTERN DER Jesus-Bruderschaft im Begriff, uns in den kommenden Monaten neu in Gnadenthal zu sammeln. Damit war auch die Wiederinbetriebnahme der großen Küche verbunden, die seit vielen Jahren verwaist war. So wurden mir das gemeinsame Beten und Hören in der Stille und die Worte der anderen zu einer starken Ermutigung, auf dem eingeschlagenen Weg des Glaubens weiterzugehen. Umgekehrt waren auch die anderen Gruppenteilnehmer sehr ermutigt, dass Gott wirklich heute spricht, wenn wir Ihn darum bitten und uns Seinem Wirken öffnen, ohne selbst etwas machen zu wollen. Auch in Gnadenthal haben wir mittlerweile mehrere Seminare mit Ursula und Manfred Schmidt durchgeführt. Sie führen uns in ihrer ruhigen und angenehmen Art, durch fundierte biblische Lehre und konkrete Anweisungen, den Gott vor Augen, der von Seinem Wesen her ein Gott ist, der spricht. Durch Sein Wort hält Er alles am Leben. So auch uns. Auch wir können voll Vertrauen erwarten, dass Er uns heute durch Bilder, Bibelworte oder Liedverse Weisung geben will und uns so von innen her immer neu erschafft und lebendig macht. /FT WAR ICH ERSTAUNT ÌBER DIE :UVERSICHT DIE 5RSULA UND -ANFRED VERMITTELTEN ALS sie uns in das Abenteuer der kleinen Übungsgruppen schickten, um gemeinsam das „Hörende Gebet“ zu üben. Und noch erstaunter war ich, dass Gott so konkret erfahrbar wurde, als wir uns in der Stille Seinem Heiligen Geist öffneten. Menschen, die sich nicht kannten, mit UNTERSCHIEDLICHEN 0R·GUNGEN UND !LTER EMPkNGEN "ILDER UND 7ORTE FÌREINANDER die oft genau in die Situation des Einzelnen hineinsprachen. Es gab viele Momente der Ergriffenheit über unseren Gott, der so nahe ist, sich uns mitteilt und uns für unsere Mitchristen zum Segen werden lässt. Sr. Michaela Klodmann, Jesus-Bruderschaft Gnadenthal Hörendes Gebet | 5
Eine Fülle von praktischen Hilfestellungen „Es ist doch eigenartig. Ich glaube auch an Gott, aber ich habe wirklich Schwierigkeiten seine Stimme zu hören!“ Mein Gegenüber ist ein gestandener Mann, der viele Jahre im Segen für die Gemeinde gewirkt hat. Wir kommen ins Gespräch. Ja, es stimmt, Jesus, der gute Hirte hat seinen Jüngern verheißen, DASS SIE SEINE 3TIMME HÇREN *OH 5ND DA GIBT ES AUCH IMMER WIEDER DIESEN tINNEREN &RIEDEN DER HÇHER IST ALS ALLE 6ERNUNFTg 0HIL $ENNOCH bleibt eine Unsicherheit. Die Bibel aber ist voll von herausfordernden AusSAGEN DASS 'OTT OFFENBAR ZU DEN UNTERSCHIEDLICHEN :EITEN IMMER WIEDER ZU seinen geliebten Menschen gesprochen hat. Im Alten Testament geschieht das vorrangig durch die von Gott erwählten Propheten. Im Neuen Testament wird uns auch von prophetisch begabten Menschen berichtet, etwa von Agabus oder den Töchtern des Philippus. Waren das nur Ausnahmen oder vielleicht noch die letzten Ausläufer aus altTESTAMENTLICHER :EIT 3ICHER NICHT DENN GERADE DIE :UNAHME DES 0ROPHETISCHEN ERH·LT DURCH DIE VOM !POSTEL 0ETRUS IN SEINER 0kNGSTPREDIGT ZITIERTEN Worte aus dem Prophetenbuch Joel eine herausragende Bedeutung. „Und es wird geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, dass ich von meinem Geist AUSGIE‘EN WERDE AUF ALLES &LEISCH UND EURE 3ÇHNE UND 4ÇCHTER WERDEN WEISsagen, und eure jungen Männer werden Gesichte sehen, und eure Ältesten werden Traumgesichte haben und sogar auf meine Knechte und auf meine Mägde werde ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie werden WEISSAGEN !PG %S IST SCHON BEMERKENSWERT DASS GERADE DIESES 7ORT ZUR $EUTUNG DES 0kNGST ereignisses herangezogen und überliefert wird, zumal in dem Bericht über die !USGIE‘UNG DES 'EISTES !PG NICHT AUSDRÌCKLICH VON PROPHETISCHEN •U‘ERUNGEN DIE 2EDE IST $IE 6ERMUTUNG DASS DIE PROPHETISCHEN 'ABEN WIE das Wort der Weissagung, das Wort der Erkenntnis, oder auch die prophetisch geprägten Deutegaben, wie die Unterscheidung der Geister oder auch die Auslegung von Sprachengebet, mit dem Abschluss des biblischen Kanons auch aus der Kirchengeschichte verschwunden seien, lässt sich weder kirchenhistorisch belegen, noch wird eine solche Annahme biblisch zu begründen sein. Die viel zitierte Aussage des Paulus „Denn wir weissagen stückweise, wenn aber das Vollkommene kommt, wird das, was stückweise ist, weggetan werden“ +OR B IN DIESER 7EISE AUSZULEGEN HALTE ICH SCHLICHTWEG FÌR EINE VERH·NGNISVOLLE &EHLINTERPRETATION $AS 6OLLKOMMENE DEUTET VIELMEHR AUF DIE 6 | Hörendes Gebet
Wiederkunft und den neuen Himmel und die neue Erde Gottes hin. So lange werden Prophetie und auch die anderen vom Geist Gottes gewirkten Gaben in der Gemeinde Jesu Christi wirksam sein. -IT GRO‘ER &REUDE DÌRFEN WIR FESTSTELLEN DASS DURCH EIN NEUES INTENSIVES 7IRKEN DES (EILIGEN 'EISTES WIE WIR ES MIT DEM !UFBRECHEN DER PkNGSTKIRCHlichen und charismatischen Bewegungen in den letzten Jahrzehnten erleben konnten, auch die prophetisch geprägten Geistesgaben neu freigesetzt wurden. Hierdurch wurden und werden bis heute unzählige Menschen und Gemeinden gesegnet. Leider ist es hier und da auch zu einem unreifen Umgang mit DER 'ABE DER 0ROPHETIE GEKOMMEN 0ROPHETISCH BEGABTE &RAUEN UND -·NNER haben die Gaben missbraucht und sie nicht im Einklang mit der Heiligung und ohne Einbindung in eine gute intakte christliche Gemeinschaft praktiziert. Umso mehr schätze ich die Hilfestellung, die durch die vorliegenden Ausführungen von Ursula und Manfred Schmidt hier weitergegeben werden. Sie zeigen eine Hilfe auf, wie auch in Gemeinden die Praxis des „Hörenden Gebetes“ unter Einsatz der prophetischen Gaben wirksam werden kann. Die VIELEN %RFAHRUNGEN DIE SIE HIER SAMMELN KONNTEN FÌHREN ZU EINER &ÌLLE VON praktischen Hilfestellungen. )N DER "RAUNSCHWEIGER &RIEDENSKIRCHE HABEN WIR NACH GLEICHEN 'RUNDLAGEN EINEN $IENST t(ÇRENDES 'EBETg EINGEFÌHRT :UN·CHST HABE ICH EINIGES AN BIBLIscher Lehre weitergegeben, wie Gott redet und wie wir es lernen können, seine Stimme zu hören. Nicht jeder Christ hat auch eine ausgeprägte prophetische Begabung, aber jeder kann es mehr und mehr lernen, auf Gott zu hören. Sodann habe ich auch über die prophetische Gabe gelehrt. Aus diesen SemiNARABENDEN HAT SICH EINE $IENSTGRUPPE VON ETWA 0ERSONEN GEBILDET DIE wöchentlich den Dienst des „Hörenden Gebetes“ anbietet, besonders auch für Menschen, die Hilfe brauchen, um Gott zu hören. Dieser Dienst besteht nunMEHR SEIT ÌBER FÌNF *AHREN IN DER 'EMEINDE 7EIT ÌBER -ENSCHEN HABEN ihn inzwischen in Anspruch genommen. Wir sind immer wieder dankbar, dass Gott nicht aufhört, auch heute noch zu uns zu sprechen. Ich freue mich sehr, dass Ursula und Manfred Schmidt ihr Wissen und ihre Erfahrungen über das „Hörende Gebet“ in diesem Themenheft weitergeben. Ich wünsche allen Lesern, dass sie neu Mut empfangen, auf die Stimme des GUTEN (IRTEN ZU HÇRENÜ $ENN DARAN HABE ICH KEINEN :WEIFEL 'OTT SPRICHT AUCH heute noch. Es ist an uns, das Hören auf seine Stimme neu zu lernen. Pastor Dr. Heinrich Christian Rust, Friedenskirche Braunschweig Hörendes Gebet | 7
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Einleitung 1. Von Gott und den Menschen %S GIBT IM !LTEN 4ESTAMENT EINE GEWALTIGE 6ERHEI‘UNG FÌR DIE :EIT IN DER 'OTT etwas Neues beginnt, das alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt. Diese Verheißung greift eine uralte Sehnsucht im Volk Gottes auf, die einmal mit folgenden Worten beschrieben wird: Wenn nur das ganze Volk des Herrn zu Propheten würde, wenn nur der Herr seinen Geist auf sie alle legte! (4.Mose 11,29) Von Anfang an wird deutlich, dass das Volk Gottes immer wieder ins Stolpern kommt und scheitert, weil es Gott nicht reden hört – oder nicht hören will. Deshalb beruft Gott im Alten Testament immer wieder Einzelne dazu, ihm ihr ,EBEN GANZ ZU WEIHEN UM SEIN 2EDEN ZU HÇREN UND DAS 'EHÇRTE ZU VERKÌNDEN Ein Großteil des Alten Testaments besteht aus den Worten und Bildern, die diese Menschen wahrgenommen haben. Gewöhnlich werden sie „Propheten“ genannt, ein Begriff, der für viele von uns etwas ganz Außergewöhnliches bezeichnet. Doch eigentlich handelt es sich dabei um etwas ganz Schlichtes: ein Mensch „hört“ Gottes Stimme, und sagt dann das, was er gehört hat, den anderen weiter. Das 7ESEN VON t0ROPHETIEg HAT ALSO ZUN·CHST EINMAL ÌBERHAUPT NICHTS MIT DER :UKUNFT ZU TUN WIE MAN SICH DAS LANDL·UkG GERNE VORSTELLT SONDERN DAMIT DASS JEMAND wahrnimmt, was Gott redet, und dann den Mut aufbringt, das seiner Umgebung weiterzusagen, selbst wenn es ihn persönlich Opfer kostet. Wenn man es sich genauer überlegt, dann ist dieser Vorgang natürlich gar nicht so „schlicht“, wie gerade behauptet. Die Aussage, Gott zu hören, mag uns als Christen vielleicht vertraut klingen, aber sie ist im Grunde eine unglaubliche ProVOKATION -AN BRAUCHT NUR FOLGENDEN 4EST ZU MACHEN %RZ·HLEN 3IE EINEM lÌCHTIgen Bekannten am Gartenzaun, dass Gott zu Ihnen geredet hat – und beobachten 3IE DABEI SEIN 'ESICHTÜ .UR ·U‘ERST WOHLWOLLENDE :EITGENOSSEN WERDEN SICH DANN noch die Mühe machen, Sie ernst zu nehmen … Und das ist ja auch verständlich: Der Gedanke, dass der Schöpfer des Universums mit Ihnen – oder mir! – geredet haben soll, verschlägt einem den Atem – hoffentlich! Denn wenn es das nicht tut, dann nehmen wir weder Gott ernst, noch das, was wir soeben behauptet haben. Leider ist das genau das, was man in christlichen Hörendes Gebet | 9
+REISEN INZWISCHEN RECHT H·UkG ANTRIFFT BESONDERS IN DEN SOGENANNTEN tCHARISMATISCHENg ZU DENEN ICH MICH IM ²BRIGEN AUCH Z·HLE -ENSCHEN BEHAUPTEN 'OTT habe ihnen dieses oder jenes gesagt, aber man kann sich dabei des Gefühls nicht erwehren, dass hier eigentlich ihre eigene Persönlichkeit oder, schlimmer noch, ihre eigene unbearbeitete Problematik zu Wort kommt. Es soll auch vorkommen, dass dabei der gesunde Menschenverstand über Bord geworfen wird; in solchen &·LLEN MUSS MAN ALLERDINGS NICHT MEHR LANGE WARTEN BIS DAS GANZE "OOT SINKT $AS kann dann, je nach Situation, komische oder tragische Konsequenzen haben … So gestand zum Beispiel der Mörder der schwedischen Außenministerin Anna Lindh IM *AHR DASS ER BEI SEINER 4AT AUF DIE 3TIMME *ESU HIN GEHANDELT HABE 7ER so eine Behauptung hört, wird sich entsetzt abwenden, und den Gedanken vom 2EDEN 'OTTES FÌR 3PINNEREI HALTEN m NICHT GANZ ZU 5NRECHT Aber zurück zu der eingangs erwähnten Verheißung. Sie spricht von etwas Neuem, das Gott tun wird, etwas Umstürzendem, das alles, was vorher an Beziehung zu Gott dagewesen ist, für immer verändert. Sie spricht davon, dass die Begegnung mit Gott nicht mehr äußerlich im Tempel oder vermittelt durch Propheten oder Priester erfolgen wird, sondern unmittelbar im Innersten jedes einzelnen, der zu Gottes Volk gehört: Das wird der Bund sein …: Ich lege mein Gesetz in ihr Innerstes hinein und schreibe es auf ihr Herz. Ich werde ihr Gott sein, und sie werden mein Volk sein. Keiner wird mehr den andern belehren, man wird nicht zueinander sagen: Erkennt den Herrn!, sondern sie alle, klein und groß, werden mich erkennen. (Jer 31,33-34) Hier trifft das zu, was Jesus mit dem Bild beschrieben hat: Die Schafe erkennen seine Stimme … und sie folgen ihm, weil sie seine Stimme kennen. (Joh 10,3-4) $ESHALB SAGT ER ZU SEINEN .ACHFOLGERN IM "LICK AUF DIE :EIT NACH SEINEM 4OD ALSO AUF DIE :EIT IN DER WIR LEBEN Der Vater wird euch in meinem Namen den Helfer senden, der an meine Stelle tritt, den Heiligen Geist. Der wird euch alles Weitere lehren und euch an alles erinnern, was ich selbst schon gesagt habe. (Joh 14,26) Auch hier wird keinerlei Mittler erwähnt, weder spezielle Propheten noch geistliCHE ,EITER 0ASTOREN 3EELSORGER ODER DERGLEICHEN 3EINE :USAGE GILT ALLEN DENEN DER 10 | Hörendes Gebet
(EILIGE 'EIST GEGEBEN IST $IESE :USAGE DÌRFEN WIR NICHT NUR IN !NSPRUCH NEHMEN WIR MÌSSEN ES SOGAR WENN WIR IN UNSERER :EIT *ÌNGER *ESU SEIN WOLLEN $ANN GILT für uns das, was Jesaja im Blick auf den Diener Gottes so formuliert: Alle Morgen weckt er mir das Ohr, dass ich höre, wie Jünger hören. (Jes 50,4) Also gibt es das doch, dass ich Gottes Stimme hören kann, und nicht nur meinen eigenen Impulsen ausgeliefert bin. Und um das besser zu lernen – denn es ist tatsächlich eine erlernbare Kunst – haben wir dieses Buch geschrieben, das Hilfen für die ersten Schritte eines verantwortlichen Hörens auf Gott gibt. Diesem Buch LIEGT EIN T·GIGES 3EMINAR MIT DEM 4ITEL t(ÇRENDES 'EBETg ZUGRUNDE DAS wir zunächst für unsere Gemeinde entwickelt haben, inzwischen aber in vielen verschiedenen Gemeinden und Gruppen halten. Inspiriert wurde es durch Erfahrungen, die wir schon vor vielen Jahren gemacht hatten: Als einmal ganz kurzfriSTIG EIN 0REDIGER ABSAGTE VERkELEN WIR AUF DIE t.OTLÇSUNGg DIE ,EUTE IN KLEINEN 'RUPPEN HÇREND FÌREINANDER BETEN ZU LASSEN $AS 2ESULTAT WAR VERBLÌFFEND DIE meisten waren tief berührt durch das, was dabei herauskam. Die Notlösung war ein Volltreffer! Das haben wir dann immer wieder einmal gemacht, nicht nur, WENN 0REDIGER AUSkELEN "EI SOLCHEN 'OTTESDIENSTEN HABEN MEIST MEHR ,EUTE etwas für sich persönlich mitgenommen als durch eine normale Predigt. Eine weitere Inspiration stellte das „Prophetische Gebet“ dar, das schon seit vielen *AHREN VON UNSEREN &REUNDEN DER 3TIFTUNG 3CHLEIFE IN DER 3CHWEIZ PRAKTIZIERT WIRD 5ND SCHLIE‘LICH SIND AUCH DIE )MPULSE VON ,EANNE 0AYNE ZUM 4HEMA t(ÇRENDES Gebet“ von unschätzbarem Wert.
2. „Up and out“1 oder: Wegschauen von sich selbst Es gehört zu den verblüffendsten, aber durch die Erfahrung immer wieder bestäTIGTEN 4ATSACHEN /FT F·LLT ES UNS LEICHTER DAS 2EDEN 'OTTES FÌR ANDERE ZU HÇREN als für uns selbst. Bevor wir für uns selbst Gottes Stimme klar hören, müssen wir nämlich in der Lage sein, sie von den anderen Stimmen in uns zu unterscheiden. Das aber lernen wir leichter, wenn wir für Menschen beten, von denen uns wenig bis gar nichts bekannt ist. Hier können sich einfach nicht so viele andere Dinge ins "ILD DR·NGEN $AS HAT ZUM EINEN PSYCHOLOGISCHE 'RÌNDE 5NS SELBST KENNEN WIR recht gut – genauer gesagt: wir meinen es. Wir haben nämlich über Jahre hinweg ein Selbstbild entwickelt, das uns prägt und bestimmt, das aber deshalb noch längst Hörendes Gebet | 11
NICHT RICHTIG SEIN MUSS !U‘ERDEM HABEN WIR ALLE MÇGLICHEN &ILTER VON BEWUSSTEN und unbewussten Vorlieben und Abneigungen, Ängsten und Wünschen in uns AUFGEBAUT DIE ALLZU H·UkG DIE 3TIMME 'OTTES ÌBERLAGERN ZENSIEREN ODER GANZ AUSkLTERN 7IR HÇREN NUR NOCH DAS WAS DIESEN &ILTERN ENTSPRICHT $AZU KOMMT als weiteres großes Problem unser oft verzerrtes Gottesbild. Das führt dann dazu, dass wir von ihm unbewusst nur das erwarten und zulassen, was diesem Bild entspricht. Das ist dann irgendwo auf einer Skala von permanenter Kritik bis zur permanenten geistlichen Verhätschelung und Selbstbestätigung angesiedelt, hat ABER MIT 'OTTES 2EDEN NICHT MEHR VIEL ZU TUN Es gibt aber auch geistliche Gründe, warum wir uns leichter tun, die Stimme Gottes zunächst für andere zu hören. Wenn wir unseren Blick auf Gott richten wollen, müssen wir notwendigerweise von uns selbst wegschauen, was uns nicht so leicht fällt. Allzu oft sind wir nämlich in der „Krankheit der Selbstbespiegelung“2 gefangen. Dieses Wegschauen von uns selbst fällt uns natürlich umso leichter, wenn unser Blick nicht gleich wieder auf uns selbst zurückgelenkt wird („Herr, WAS SAGST DU MIR g SONDERN tDRAU‘ENg BLEIBT BEIM !NDEREN BEI DEM WAS 'OTT ihm sagen möchte. Und dann gelingt auch der nächste Schritt: Wenn wir mehr und mehr darin geübt SIND VON UNS WEG ZU 'OTT AUFZUBLICKEN UND SEIN 2EDEN ZU EMPFANGEN DANN SIND wir immer besser in der Lage, die Stimmen in uns von der Seinen zu unterscheiDEN 5ND DANN HÇREN WIR AUCH SEIN 2EDEN ZU UNS IMMER KLARER So wird das Hören auf Gott zu einem entscheidenden Akt seelischer Gesundung IN UNSERER SELBSTBEZOGENEN :EIT )M 7EGBLICKEN VON UNS SELBST STELLEN WIR UNS DEM GRO‘EN 'EGENÌBER DER DIE 2EALIT·T UND 7AHRHEIT IST UND UNS IN SIE HINEINnehmen möchte.
3. Der Vorteil einer Gruppe )N DEN UNTERSCHIEDLICHSTEN :USAMMENH·NGEN PRAKTIZIEREN WIR DAS (ÇREN AUF 'OTT in kleinen Gruppen von fünf bis acht Teilnehmern. Eine Person bittet die andern, FÌR SIE ZU HÇREN !LLE VERSUCHEN DANN IN EINIGEN -INUTEN DER 3TILLE DAS 2EDEN Gottes für diese Person zu empfangen und teilen anschließend mit, was sie empfangen haben. Solch eine Gruppensituation bietet zwei unschätzbare Vorteile. :UM EINEN KANN ICH MICH ENTSPANNEN .ACHDEM NOCH ANDERE DA SIND DIE EBEN12 | Hörendes Gebet
falls auf Gott hören, liegt nicht mehr der ganze Erwartungsdruck auf mir. Weder MUSS ICH JEDES -AL EINEN %INDRUCK HABEN ES SIND JA NOCH ANDERE DAÜ NOCH MUSS MEIN %INDRUCK GLEICH IMMER HUNDERTPROZENTIG RICHTIG SEIN ICH DARF &EHLER MACHENÜ $ENN DER !USTAUSCH ÌBER DAS WAS JEDER VON UNS EMPFANGEN HAT STELLT EINE WICHTIGE 2ÌCKMELDUNG DAR 3OLLTE ICH DANEBENLIEGEN WIRD DAS DURCH ANDERE Eindrücke sanft ausgeglichen oder korrigiert. Sollte ich richtig gehört haben, dann ist es eine enorme Ermutigung festzustellen, dass andere genau das Gleiche von Gott gehört haben. Manchmal werden auch eigene, mir unverständliche Eindrücke durch die Aussagen anderer erläutert und bekommen plötzlich einen Sinn. So lerne ich allmählich, wie es sich „anfühlt“, wenn Gott zu mir spricht, und lerne, DAS VON MEINEN EIGENEN %MPkNDUNGEN ZU UNTERSCHEIDEN )CH LERNE ABER AUCH EIN Weiteres: das Hören auf Gott habe ich nie im Griff, sondern ich muss mich jedes -AL NEU AUFS 7ASSER WAGEN UND DAS 2ISIKO DES 'LAUBENS EINGEHEN w )N DER 'RUPPE KÇNNEN WIR AUCH LEICHT EINE 2ÌCKMELDUNG VON DER 0ERSON EINHOLEN für die wir gebetet haben. Sie muss die manchmal unterschiedlichen Eindrücke UND )MPULSE SELBST FÌR SICH AUSWERTEN UND KANN DANN &EEDBACK GEBEN WAS IHR wichtig wurde, und was nicht. Das erhöht den Lerneffekt für die Beter ungemein. Manches, was einem zunächst völlig unsinnig vorkommt (und was man nur sagt, WEIL MAN &EHLER MACHEN DARFÜ ERGIBT FÌR DEN %MPF·NGER EINEN TIEFEN 3INN 3O MERKEN WIR DANN RECHT NACHDRÌCKLICH DASS AUCH IN DIESEM :USAMMENHANG 'OTTES Gedanken höher sind als unsere.
4. Der Vorteil der Anonymität Wenn wir das Hören auf Gott lernen wollen, können wir zu einem weiteren „pädagogischen Hilfsmittel“ greifen: Wir beten zunächst für Menschen, die uns möglichst unbekannt sind. Denn hier gilt Ähnliches wie beim Beten für sich selbst: Von Menschen, die wir näher kennen, haben wir uns „ein Bild gemacht“, das dann WIEDER ALS EIN &ILTER WIRKT DER DAS 2EDEN 'OTTES ÌBERLAGERT ZENSIERT ODER GANZ AUSkLTERT (INZU KOMMT NOCH EIN WICHTIGER &AKTOR *E BESSER WIR JEMAND KENNEN UMSO ST·RKER WERDEN UNSERE •NGSTE UND 7ÌNSCHE EINE 2OLLE SPIELEN WENN WIR VERSUCHEN für diese Person zu beten. Im Extremfall kann es dazu kommen, dass wir ihr „unsere Meinung sagen“, unbewusst natürlich und verbrämt als „Eindruck“. %S GILT ALSO DIE 2OLLE VON 6ORURTEILEN 3YMPATHIE ODER !NTIPATHIE MÇGLICHST GERING zu halten – und das gelingt leichter bei jemand, den wir nicht kennen. Deshalb Hörendes Gebet | 13
ist es empfehlenswert, eine Übungssituation in einer Gruppe zu schaffen, bei der der Empfänger des Gebets möglichst wenigen bekannt ist.
5. Eine Form des Orakels? Verschiedene Gemeinden in Deutschland haben nach einem Seminar so einen ANONYMEN t'·STEABENDg ANGEFANGEN -ENSCHEN VON DENEN DIE "ETER NUR DEN Namen kennen, kommen und erhalten persönlich Hörendes Gebet in einer Gruppe von Mitarbeitern. Nun fragen manche: Wenn man andere für sich hören lässt, missbrauchen wir DA NICHT 'OTTES 2EDEN ALS /RAKEL -ACHEN WIR NICHT EINE !RT (ELLSEHEREI DARAUS /DER INSTRUMENTALISIEREN WIR ES FÌR UNSERE :WECKE ODER ZUR "EFRIEDIGUNG UNSERER .EUGIER $IE %RFAHRUNG VON TAUSENDEN SOLCHER 'EBETE FÌR '·STE ZEIGT DASS EINE "EGEGNUNG MIT DEM 2EDEN 'OTTES IMMER AUCH EINE "EGEGNUNG MIT DEM LEBENDIGEN REDENDEN 'OTT SELBER IST %R UND SEIN 2EDEN ENTZIEHEN SICH JEDER )NSTRUMENtalisierung. Er wählt souverän die Themen, über die er zu uns spricht. Und oft GENUG SIND DAS NICHT DIE &RAGEN DIE WIR GERNE BEANTWORTET H·TTEN Immer wieder erzählen uns Gäste nach dem Gebet: „Ich bin mit zwei konkreten &RAGEN GEKOMMEN $AZU HAT 'OTT GAR NICHTS GESAGT !BER ER HAT MIR GEZEIGT WIE SEHR ER MICH LIEBT m UND DAS GEHT VIEL TIEFERÜg (·UkG HÇREN WIR ABER AUCH t'OTT HAT GENAU DAS 4HEMA ANGESPROCHEN DAS MICH ZUR :EIT AM MEISTEN UMTREIBT )HR Beter wusstet doch gar nichts davon!“ Anna kam mehrfach hintereinander zu so einem Gästeabend zu uns. Immer wieder war sie tief bewegt von dem Reden, dem Zuspruch, der Wegweisung Gottes in den Eindrücken der Mitarbeiter. Irgendwann war dann aber Schluss; es kam nichts Neues mehr. Enttäuscht und verärgert ging sie nach dem Gästeabend heim. Am nächsten Tag rief sie aber bei uns an: „Ich weiß jetzt, warum Ihr für mich nichts Sinnvolles mehr bekommen habt. Gott hat mir heute Nacht gesagt, ich soll selber hören lernen!“ Heute ist sie eine Frau, die regelmäßig und sicher die Stimme Gottes in ihrem Alltag hört. 'OTT IST EIN 6ATER DER SICH UM SEINE +INDER KÌMMERT ABER KEINE ANONYME !USKUNFTSSTELLE FÌR &RAGEN $ESHALB KANN DAS (ÇRENDE 'EBET NICHT ZUM 6ORWAND FÌR permanente geistliche Unselbständigkeit werden. Das Hören auf die Stimme Gottes 14 | Hörendes Gebet
mit Hilfe einer Gruppe darf auch nie zum Ersatz für meine eigene Begegnung mit Gott werden. Und den Mund lässt Gott sich schon gar nicht verbieten; er sagt auch $INGE DIE WIR NICHT HÇREN WOLLEN &ÌR UNS HEI‘T DAS 7ENN WIR UNS ALS "ETER NICHT DIE ,AST AUlADEN EINE !NTWORT AUF DIE .ÇTE ODER AUCH NUR 7ÌNSCHE ODER &RAGEN DER -ENSCHEN kNDEN ZU MÌSSEN SONDERN tLEDIGLICHg AUF DAS HÇREN WOLLEN WAS 'OTT heute sagt, dann ist die Gefahr des Missbrauchs des Hörenden Gebets sehr klein. "EIM "ETEN HÇREN WIR AUF 'OTT m NICHT AUF DIE &RAGEN DER -ENSCHENÜ
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1. Gott spricht Wenn wir uns mit den Grundlagen des Hörenden Gebetes beschäftigen wollen, dann müssen wir uns die beiden Kommunikationspartner, nämlich Gott (Kapitel UND UNS SELBST +APITEL N·HER ANSEHEN :UN·CHST ABER MÌSSEN WIR UNS EHRLICH EINGESTEHEN DASS DIE MEISTEN VON UNS IN IHREM (ERZEN OFT TIEFE :WEIFEL EMPkNDEN %S IST DER :WEIFEL OB 'OTT WIRKLICH MIT mir spricht. Er mag mit allen möglichen Leuten reden, aber mit mir eher nicht. 7IESO AUCH 7ENN ICH MEINE IHN ZU HÇREN DANN IST DAS VIELLEICHT DOCH NUR %INBILDUNG &ANTASIE EINE PSYCHOLOGISCHE &ATA -ORGANA $ER :WEIFEL NAGT AN UNS ob Gott im Letzten nicht doch ganz anders ist, unerkennbar und rätselhaft. Ist er NICHT TATS·CHLICH UNENDLICH FERN SO WIE ES VIELLEICHT MEIN 6ATER EINST WAR w )ST nicht das, was er über mich denkt und was er von mir will, letztlich unerforschLICH 5ND DANN IST DA AUCH DAS BEUNRUHIGENDE 'EFÌHL ES IHM NICHT WIRKLICH RECHT zu machen, ihm nicht zu genügen, weshalb er dann auch schweigt und uns uns selbst überlässt … 7ENN WIR SO EMPkNDEN DANN MÌSSEN WIR UNS NEU MIT DER "IBEL BESCH·FTIGEN Denn sie ist letztlich die einzig verlässliche Quelle, die uns Auskunft darüber geben kann, wie Gott wirklich ist. Wenn wir das tun, dann werden wir einige erstaunliche Wahrheiten neu durchbuchstabieren, vielleicht sogar neu entdecken müssenDie eine dieser Wahrheiten hat mit dem ureigensten Wesen Gottes zu tun, wie es in der Bibel deutlich wird. Das Gottesbild des biblischen Glaubens unterscheidet SICH BETR·CHTLICH VON DEM ALLER ANDEREN 2ELIGIONEN $ABEI STICHT EIN -ERKMAL UNTER ALLEN ANDEREN HERAUS $IESES SPEZIkSCHE 7ESENSMERKMAL 'OTTES IST NICHT zufällig, es ist nicht eines unter vielen anderen, sondern es ist das Grundmerkmal seines Wesens überhaupt. Das wird von der ersten Seite der Bibel bis zur letzten sichtbar. In diesem Wesensmerkmal Gottes liegt dann auch der Grund dafür, dass es überhaupt so etwas wie die Bibel gibt. Gemeint ist die für uns heute so unglaubliche Tatsache, dass Gott spricht!
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1. Gott spricht grundlegend – in der Schöpfung Schon auf der ersten Seite der Bibel passiert es. Das allererste, was nach der ÜberSCHRIFT t)M !NFANG SCHUF 'OTT (IMMEL UND %RDEg -OSE ÌBERHAUPT VON Gott berichtet wird, lautet: Und Gott sprach … (1.Mose 1,3) Es wird noch nicht einmal erklärt, wer Gott eigentlich ist, oder wo er herkommt. Er ist schon da, bevor alles losgeht. Und das erste, was es von ihm zu sagen gibt, ist, dass er spricht. Mit seinem ersten Wort geht alles los, die Schöpfung beginnt. Und was er spricht, geschieht auch prompt: „Es werde Licht! – Und es ward Licht.“ Es ist höchst aufschlussreich, dass Gott alles erschafft, indem er es ins Dasein spricht m ANGEFANGEN VOM 5R ,ICHT BIS HIN ZUM LETZTEN 'RASHALM :EHNMAL HEI‘T ES IN DEN SECHS 3CHÇPFUNGSTAGEN t5ND 'OTT SPRACHg :EHNMAL WIRD 'OTT SP·TER AUCH das Wort ergreifen, wenn er am Sinai seinem Volk die grundlegende Ordnung des ,EBENS ANVERTRAUT DIE :EHN 'EBOTE AUF (EBR·ISCH tDIE :EHN 7ORTEg "EI DER Erschaffung der Welt wird oft nach dem Sprechen Gottes noch von einem Handeln berichtet. Das verdeutlicht, dass sein Sprechen immer etwas wirkt. Man kann diese ersten Beobachtungen nicht hoch genug veranschlagen. Hier spiegelt sich nämlich eine Grundwahrheit über Gott: Gott handelt, indem er spricht. Gott spricht – und nur deshalb existiert überhaupt etwas. 7AS IN -OSE ÌBER 'OTTES 2EDEN tAM !NFANGg AUSGESAGT WIRD IST MEHR ALS NUR EINE THEOLOGISCHE "ESCHREIBUNG DES "EGINNS DER 3CHÇPFUNG 7IR kNDEN HIER EIN GANZ GRUNDLEGENDES 2EDEN 'OTTES DAS WIE EINE 'RUNDMELODIE DIE ALLES DURCHzieht, auch im Leben jedes Einzelnen immer wieder hörbar wird. Oder besser: hörbar werden soll, denn oftmals tun wir uns – auch als Christen – schwer, dieses 2EDEN 'OTTES WAHRZUNEHMEN 5ND DENNOCH IST ES UNENDLICH WICHTIG (ÇREN WIR N·MLICH DIESES GRUNDLEGENDE 2EDEN 'OTTES NICHT SO STEHEN WIR IN DER GRO‘EN 'EFAHR SEIN KONKRETES INDIVIDUELLES 2EDEN IN UNSEREM ,EBEN VERZERRT FALSCH ODER ÌBERHAUPT NICHT ZU HÇREN 7IR WOLLEN VERSUCHEN DIESES GRUNDLEGENDE 2EDEN Gottes für uns persönlich zu verstehen:
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Du sollst sein! Und Gott sprach: „Es werde …!“ (1.Mose 1,3) $AS IST DER :USPRUCH UNSERER %XISTENZ 7IR DÌRFEN JA WIR SOLLEN SEIN 'OTT SPRICHT zu mir persönlich „ICH will, dass du bist!“ Niemand darf mir mein Existenzrecht absprechen, weder die Eltern, die mich vielleicht gar nicht wollten, noch irgendwelche anderen Menschen, und schon gar nicht „die Gesellschaft“. Denn Gott selbst hat mich gewollt und erschaffen. Damit bin ich ein für allemal der Verfügungsgewalt anderer entzogen. So dürfen, ja müssen wir immer wieder von Gott HÇREN t)CH HABE DICH GEWOLLT UND GESCHAFFEN .IEMAND DARF DAS IN &RAGE STELLEN +EINER HAT DAS 2ECHT DIR DEIN $ASEIN STREITIG ZU MACHEN DIR DEN 2AUM ZUM ,EBEN zu verweigern!“ 'OTT HAT UNSER ,EBEN SO EINGERICHTET DASS WIR DIESEN :USPRUCH AM !NFANG UNSERES Lebens in besonderer Weise erfahren, nämlich durch unsere Eltern. Kaum halten %LTERN IHR "ABY NACH DER 'EBURT IN DEN !RMEN reden sie mit ihm. Dabei wissen sie ganz genau, dass das Neugeborene keines ihrer Worte „versteht“. Aber darauf KOMMT ES GAR NICHT AN $IESES 2EDEN IST N·MLICH DURCHDRUNGEN VON EINER TIEFEN ,IEBE UND &REUDE ÌBER DAS NEUE ,EBEN IN DER &AMILIE 'ENAU DAS KOMMUNIZIEREN IHRE 7ORTE WAS IMMER SIE AUCH SAGEN IHRE 3TIMME IHRE "ERÌHRUNG IHRE :UWENDUNG 5ND GENAU DAS ERF·HRT DAS "ABY )N DIESEM PERMANENTEN 2EDEN DIESER TIEFEN :UWENDUNG HÇRT ES DIE 3TIMME DES %INEN 6ATERS UND 3CHÇPFERS DER ihm zuspricht: „Du sollst sein!“ Denn Gott hat es so eingerichtet, dass die Eltern für das Neugeborene die Stelle Gottes einnehmen. Tatsächlich kommt in dieser Lebensphase alles von ihnen: Nahrung, Versorgung, Wärme, Annahme, Liebe … ja, das Leben selbst. !LL DAS TRIFFT FÌR EINE EINIGERMA‘EN NORMALE UND tHEILEg &AMILIE ZU ,EIDER MACHEN aber manche Menschen eine ganz andere Erfahrung: Sie haben diese Stimme nie gehört, oder jedenfalls nicht ausreichend oder dauerhaft genug. Die Gründe dafür können höchst unterschiedlich sein. Eltern sind in den ersten prägenden Monaten NICHT PR·SENT GENUG VIELLEICHT IST DIE -UTTER ODER DAS "ABY SCHWER KRANK WAS zum Krankenhausaufenthalt und zur Trennung führt. Oder das Kind wird von Anfang abgelehnt, weil es unerwünscht ist oder das falsche Geschlecht hat; oder es kommt früh in eine Krippe zu wechselnden Bezugspersonen; oder …, oder … %S GIBT EINE 6IELZAHL VON 'RÌNDEN WARUM DIESES 2EDEN IN DEM UNSER TIEFSTES Sein wurzelt, nicht oder nicht ausreichend ankommt. Das kann schwerwiegende
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Auswirkungen auf unser späteres Leben haben. Tief im eigenen Inneren existiert dann ein schwarzes Loch, das wie die schwarzen Löcher im Universum alles Licht verschluckt. Und so fallen wir immer wieder in dieses schwarze Loch, verzweifeln am Leben, am Sinn unserer Existenz, an der Welt und an Gott. Es fühlt sich AN ALS OB WIR IMMER TIEFER STÌRZEN OHNE JE 'RUND UNTER DIE &Ì‘E ZU BEKOMMEN Beten nützt nichts: Gott ist weit weg, Gott ist überhaupt nicht mehr da, es hat ihn vielleicht nie gegeben, das Universum ist leer … Doch es gibt auch eine gute Nachricht: Gott spricht sein „Du sollst sein!“ immer noch zu uns, jeden Tag, jede Stunde, jeden Moment unseres Lebens. Deshalb ist es so wichtig, seine Stimme zu hören und sie wahr-zu-nehmen. Dann werden SEINE 7ORTE DES ,EBENS UNS MEHR UND MEHR SOLIDEN "ODEN UNTER UNSEREN &Ì‘EN schaffen, bis wir es glauben: „Es ist gut, dass ich bin!“
Du bist einzigartig! Und Gott nannte … (1.Mose 1,5) Wieder stehen wir mit dieser Aussage am Anfang unseres menschlichen Lebens. %LTERN GEBEN IHREM .EUGEBORENEN EINEN .AMEN m WARUM EIGENTLICH 5M DEUTLICH zu machen: „Du bist absolut einzigartig. Es gibt niemand wie dich!“ Wieder handeln die Eltern hier an der Stelle Gottes, ob ihnen das bewusst ist oder nicht. Und in diesem „Mit-Namen-angesprochen-Werden“ reifen wir, werden wir zur Person. Unsere Eltern schlagen damit stellvertretend die Brücke hin zu dem Einen 6ATER VON DEM HER ALLES SEINEN .AMEN EMPF·NGT %PHESER Letztlich ist es Gott selbst, der allem und allen einen Namen gibt, auch uns. Letztlich ist es er, der uns unsere tiefste und bleibende Identität zuspricht. Denn der „Name“ ist biblisch der Ausdruck unserer eigentlichen Identität. So gibt Jesus uns EINEN NEUEN .AMEN DEN NUR ER UND WIR SELBST KENNEN /FFENBARUNG m EIN Bild dafür, dass wir neu geworden sind. $AS IST ABER NICHT NUR EINE tGEISTLICHEg 2EALIT·T ES HAT TIEFE !USWIRKUNGEN AUF unser Selbstbild und unsere Beziehungen. Nur dann, wenn wir selbst vernehmen, wie Gott uns unsere Identität zuspricht, werden wir heil. Denn erst dann können wir aufhören, unsere Identität von anderen Menschen einzufordern – und diese DAMIT ZU ÌBERFORDERN ETWA IN DER %HE /DER SIE IN $INGEN WIE %RFOLG -ACHT Geld oder Status zu suchen, und uns so auf Dauer immer zu verlieren.
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Du hast einen Platz! Wir haben in unserem Kulturkreis normalerweise zwei verschiedene Namen, einen Vor- und einen Nachnamen. Darin kommen die beiden Seiten unserer IdenTIT·T ZUM !USDRUCK $ER 6ORNAME SYMBOLISIERT MEINE %INZIGARTIGKEIT UND 5NVERWECHSELBARKEIT INNERHALB DER &AMILIE m DESHALB WIRD NIEMAND MEHREREN SEINER Kinder den gleichen Vornamen geben. Der Nachname hingegen macht deutlich, dass wir uns nicht uns selbst verdanken, sondern Teil eines größeren Ganzen sind. 7IR SIND EINGEORDNET IN EINE KONKRETE &AMILIE MIT IHRER 'ESCHICHTE WIR LEBEN ZU EINER BESTIMMTEN :EIT IN EINEM BESTIMMTEN ,AND IN EINER BESTIMMTEN +ULTUR Genau das ist Gottes Botschaft an mich: „Du bist einzigartig und unverwechselbar – und das in alle Ewigkeit! Und ich habe dir deinen ureigensten Platz in dieser Welt gegeben, der meinem Plan für dich entspricht und den dir niemand streitig machen darf.“
Du bist gut! Und Gott segnete sie … (1.Mose 1,28) Die Grundbedeutung von „segnen“ ist schlicht und einfach „Gutes reden“. Das wird in manchen Sprachen, wie Latein oder Griechisch deutlich; dort heißt segnen wörtlich „gut reden“. Deshalb können in den Sprachen der Bibel „segnen“ und „loben“ mit dem gleichen Wort ausgedrückt werden: „Meine Seele lobe den (ERRN wg 0SALM UND tw DER (ERR segnE DICHg -OSE VERWENden denselben Begriff. Wenn Gott mich segnet, dann bedeutet das, dass er vorbehaltlos zu mir sagt: „Du bist gut!“ Viele Christen tun sich mit diesem Gedanken schwer, denn der Mensch ist ja auch Sünder. Wenn man ihn so einfach „gut“ nennt, käme man vielleicht auf die Idee, das der Mensch Gott gar nicht braucht. Das klingt dann alles verdächtig nach einem modernen Humanismus. Natürlich ist die Bibel nicht naiv: Sie weiß um das Sündersein des Menschen. Aber das wird denen vorgehalten, die DIESE 2EALIT·T LEUGNEN ODER SICH IHR VERWEIGERN !BER DIEJENIGEN DIE UNTER IHRER 3ÌNDE UND IHREN $EkZITEN LEIDEN MÌSSEN EINE TIEFERE 7AHRHEIT HÇREN DASS 'OTT uns „gut“ gemacht hat, und dieses Urteil nicht einfach durch die Sünde zunichte gemacht wird. Er bereut es nicht, uns geschaffen zu haben. Dieses existentielle t'UTSEINg IM 5NTERSCHIED ZUM MORALISCHEN BILDET DIE 'RUNDLAGE FÌR DIE ,IEBE So schreibt der katholische Philosoph Josef Pieper:
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„In jedem denkbaren Fall besagt Liebe soviel wie Gutheißen. Das ist zunächst ganz wörtlich zu nehmen. Jemand oder etwas zu lieben heißt: diesen Jemand oder dieses Etwas ‚gut‘ nennen und zu ihm gewendet sagen: Gut, daß es das gibt; gut, daß du auf der Welt bist!“ 3 Deshalb setzt Gott alles daran, diesen Satz „Du bist gut!“ wieder wahr zu machen. Dafür gibt er alles hin, was er hat: seinen einzigen Sohn. Durch ihn wird dieser Satz in alle Ewigkeit wahr.
Du darfst dich entfalten! Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: „Seid fruchtbar, vermehrt euch und füllt die Erde …“ (1.Mose 1,28) Betrachten wir den Segen, den Gott dem Menschen zuspricht, so sehen wir, dass noch ein weiterer Aspekt hinzukommt: die immer weitergehende Entfaltung DES 'UTEN :UN·CHST IST DAS t3EID FRUCHTBAR UND MEHRT EUCH UND FÌLLT DIE %RDEg natürlich biologisch gemeint – und die Menschheit hat das ja auch sehr erfolgreich umgesetzt. Aber es geht hier auch um etwas noch Tieferes. Gott spricht jedem von uns zu: „Du bist so gut, dass du das nicht für dich behalten sollst! Deine Person, deine Gaben, deine Möglichkeiten sind so gut, dass du sie weitergeben und so zur Entfaltung bringen sollst!“ In einem seiner bekanntesten Gleichnisse, dem von den anvertrauten Talenten, bringt Jesus denselben Gedanken zur Sprache. Der (ERR DER DREI SEINER 6ERWALTER GRO‘E 3UMMEN 'ELD FÌR DIE :EIT SEINER !BWESENheit anvertraut hatte, ist entsetzt, als er sieht, dass einer das Geld nur vergraben HATTE STATT DAMIT ZU WIRTSCHAFTEN m AUS !NGST ES ZU VERLIEREN -ATTH·US FF
Du bist begabt! Du hast eine Aufgabe! Als der Mensch dann erschaffen ist, spricht Gott ihm diesen Aspekt auch ausdrücklich zu: „Macht euch die Erde untertan und herrscht …“ Die alttestamentliche Wissenschaft ist sich einig, dass damit nicht Ausbeutung, sondern die Bewahrung UND %NTFALTUNG DER 3CHÇPFUNG GEMEINT IST &ÌR UNS PERSÇNLICH BEDEUTET DAS DASS jeder nicht nur eine Gabe an die Welt ist, sondern selbst Gaben hat. Und mit diesen Gaben geht die große Aufgabe einher, unsere Welt zu gestalten. Das fängt BEI UNSERER PERSÇNLICHEN ,EBENSWELT ZUHAUSE IN &AMILIE UND "ERUF AN UND GEHT weiter über die Gesellschaft bis hin zur Verantwortung für künftige Generationen
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und die Welt insgesamt. In diesem „Wirken“ kommen wir zur „Ver-wirklichung“ unseres ureigensten Seins.
Du bist mein Gegenüber! Und Gott sprach: „Lasst uns Menschen machen …“ Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau. (1.Mose 1,26+27) Der Mensch wird in der ersten Schöpfungserzählung als letzter von Gott ins Dasein gesprochen, es ist der Höhepunkt des ersten Kapitels der Bibel. Gott geht zunächst MIT SICH ZU 2ATE m ER SPRICHT MIT SICH SELBST $A 'OTT HIER VON SICH IN DER -EHRZAHL SPRICHT tUNSg HAT DIE CHRISTLICHE 4HEOLOGIE HIER IMMER SCHON EINEN (INWEIS AUF die Dreifaltigkeit gesehen, also die Vorstellung, dass Gott in sich mehrere Personen ist. Was aber meint die Tatsache, dass der Mensch zum Ebenbild Gottes erschafFEN IST -AN KANN ES SICH VIELLEICHT SO VERDEUTLICHEN 7ENN ICH IN EINEN 3PIEGEL blicke, dann sehe ich da eine Person, die mir in allem gleicht – außer dass sie zweidimensional ist. Mein Gegenüber macht alles, was ich ihm „vormache“. Und er tritt mir auf Augenhöhe entgegen. Damit nähern wir uns der gewaltigen Aussage dieses Textes: Der Mensch ist von Gott als sein Gegenüber – auf Augenhöhe – erschaffen. Er will ihm in die Augen blicken und sich selbst darin erkennen. Das HEI‘T DER -ENSCH IST VON 'OTT ALS 0ARTNER UND &REUND GEDACHT ALS EINZIGARTIGES Gegenüber, dem nichts sonst in der Schöpfung gleicht. Das ist unsere letzte und tiefste Berufung; dazu sind wir alle erschaffen. Natürlich ist dieses Ebenbild zerbrochen – aber Gott hat es in dem Menschen Jesus wiederhergestellt, der das VOLLKOMMENE %BENBILD 'OTTES IST VGL +OLOSSER m UND IN SEIN "ILD WERDEN WIR VERWANDELT 2ÇMER
Du bist mein Freund! ,ETZTLICH BEDEUTET DIESES 'EGENÌBER &REUNDSCHAFT m DIE EINZIGE "EZIEHUNG DIE NUR AUF !UGENHÇHE MÇGLICH IST $IESE "EZIEHUNG IST ZWAR SEIT DEM &ALL ZERBROCHEN -OSE m ABER *ESUS ERNEUERT SIE "EIM !BENDMAHL SAGT ER SEINEN *ÌNGERN Ich nenne euch nicht mehr Diener, sondern Freunde. (Johannes 15,15) Das gilt unabhängig von der Bedeutung oder Wichtigkeit des Dienstes – egal ob jemand Apostel oder Gemeindemitglied ist, Wirtschaftsboss, Hilfsarbeiter oder 22 | Hörendes Gebet
!RBEITSLOSER $IE LETZTE UND TIEFSTE "ERUFUNG UNSERES ,EBENS IST DIE &REUNDSCHAFT mit Gott. %S GIBT IN DER "IBEL EINE 2EIHE VON "EISPIELEN DIE DIE "EDEUTUNG SOLCH EINER &REUNDSCHAFT VOR !UGEN FÌHREN )N EINEM GEHT ES UM !BRAHAM DER IM (ÇREN AUF Gott alles verlassen und ein neues Leben begonnen hatte. Er ist interessanterweise DIE EINZIGE 0ERSON IN DER "IBEL DIE NAMENTLICH ALS t&REUND 'OTTESg BEZEICHNET wird. Von ihm wird berichtet, wie Gott ihn nach vielen Jahren seines Umherziehens leibhaftig besucht – in Gestalt dreier Männer – und mit ihm TischgemeinSCHAFT H·LT -OSE $ABEI BEKR·FTIGT ER ZUM LETZTEN -AL DIE 6ERHEI‘UNG EINES Nachkommens. Und dann eröffnet er ihm unvermittelt seinen Plan für die Stadt Sodom mit der Begründung: Wie könnte ich Abraham verbergen, was ich tun will? (1.Mose 18,17) Sodom – bis heute sprichwörtliches Beispiel einer völlig verkommenen Gesellschaft – wird zum Untergang verurteilt. Abraham aber, der damit eigentlich nichts ZU TUN HAT STEMMT SICH DEM MIT SEINER HARTN·CKIGEN &ÌRBITTE ENTGEGEN 3IE BLEIBT letztlich erfolglos, weil die Basis dafür nicht gegeben ist. Aber das wirklich ErstaunLICHE AN DIESER 'ESCHICHTE IST 'OTT IST m SOGAR MEHRFACH m BEREIT AUF DIE &ÌRBITTE SEINES &REUNDES HIN SEINE 0L·NE ZU ·NDERN %INE UNGLAUBLICHE 0ERSPEKTIVEÜ •HNliches, diesmal allerdings erfolgreich, geschieht zwischen Mose und Gott: Mose ERBITTET UND ERREICHT DIE 6ERSCHONUNG )SRAELS -OSE !UCH MIT IHM REDET 'OTT tWIE MIT EINEM &REUNDg -OSE Ü $ABEI ZEIGT SICH IM ÌBRIGEN DASS &REUNDSCHAFT EIN $EM ANDERN ·HNLICH 7ERDEN bedeutet. Abraham und Mose sind Gott ähnlich geworden, der immer und immer WIEDER ALS tBARMHERZIG UND GN·DIG LANGSAM ZUM :ORN UND REICH AN 'NADEg BESCHRIEBEN WIRD Z " -OSE 5ND ZWAR SO ·HNLICH DASS SIE IN DIESEM 3INN BETEN !US DEM GLEICHEN 'RUND HAT AUCH *ESUS SEINEN &REUNDEN DIE %RHÇRUNG ihrer Gebete verheißen: Dann wird euch der Vater alles geben, um was ihr ihn in meinem Namen bittet! 3O LAUTET DIE &ORTSETZUNG DES &REUNDESWORTES IN *OHANNES )N SEINEM .AMEN ZU BETEN MEINT JA VIEL MEHR ALS EINE 'EBETSlOSKEL IM ,ETZTEN GEHT ES UM EINE Angleichung an sein Wesen und seinen Willen. !BRAHAM IST DER 0ROTOTYP DES &REUNDES 'OTTES DES -ENSCHEN DER 'OTT HÇRT $AS bestimmt sein ganzes Leben. Jahrzehntelang richtet er sein Leben danach aus, Hörendes Gebet | 23
durch alle Höhen und Tiefen hindurch, und doch bleibt die eine, entscheidende Verheißung Gottes unerfüllt: der eigene Sohn. Als dieser dann endlich nach vielen Irrungen und Wirrungen doch geboren wird, hat das Leben Abrahams seine Erfüllung gefunden. Aber nun kommt es zu einer dramatischen Entwicklung. Gott SPRICHT ERNEUT IN GANZ ·HNLICHEN 7ORTEN WIE BEIM ERSTEN -AL IN -OSE ABER MIT EINER VÇLLIG UNERWARTETEN &ORTSETZUNG Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, dem deine Liebe gilt, den Isaak! Geh ins Land Morija auf einen Berg, den ich dir nennen werde – und opfere ihn dort! (1.Mose 22,2) Diese „Prüfung“ ist so erschütternd, ja brutal, dass wir uns an Abrahams Stelle WAHRSCHEINLICH GEWEIGERT H·TTEN DARIN DAS 2EDEN 'OTTES ZU ERKENNEN %S WIDERspricht allem, was er zuvor gesagt hat. Es macht alle seine Verheißungen und Pläne mit Abraham zunichte. Eher hätten wir darin die Stimme des Versuchers erkannt, als die Gottes. – Abraham aber, geprägt durch ein Leben des Hörens auf Gott und so zum Freund Gottes geworden, erkennt seine Stimme, trotz der unfassbaren Botschaft. Ohne zu verstehen, erschüttert bis ins Mark, macht er sich auf den Weg, steigt auf den Berg, fesselt seinen Sohn, legt ihn auf den selbst gebauten Altar und hebt das Messer. Erst in diesem Moment spricht Gott wieder und gebietet Einhalt: Isaak wird verschont. Es ist die vielleicht erschütterndste Erzählung des !LTEN 4ESTAMENTS UND DOCH kNDET SIE KEINERLEI %CHO NIRGENDWO WIRD SIE ERKL·RT nirgendwo weitergeführt, nirgendwo fruchtbar gemacht. Im Neuen Testament aber gibt es eine Stelle, die verhüllt darauf Bezug nimmt. Als Jesus im Jordan getauft wird, empfängt er den Heiligen Geist und mit ihm seine Berufung zum Messias. Und hier spricht Gott zu ihm: Du bist mein Sohn, dir gilt meine Liebe, dich habe ich erwählt! (Markus 1,11) In diesem Wort klingen drei verschiedene alttestamentliche Stellen an – darunter die von der Opferung Isaaks. In diesem Moment erkennt Jesus: Mein Weg als Messias und Knecht Gottes wird der Weg Isaaks sein: der geliebte Sohn, der einzige, der als Opfer hingegeben wird – für das Leben der Welt. Mit einem Unterschied – am Ende gibt es keine Verschonung, niemand wird den Henkern in den Arm fallen. Entscheidend ist: Es ist die Stimme seines geliebten Vaters im Himmel, die ihm das offenbart. Und hier kommen wir vielleicht der Geschichte von Gott, Abraham und Isaak auf die Spur: Könnte es sein, dass der ewige Gott, der weiß, dass ihm das Opfer seines einzigen, geliebten Sohns bevorsteht, einen Freund GESUCHT HAT DER DIESE FURCHTBARE %RFAHRUNG MIT IHM TR·GT $ER BEREIT IST 24 | Hörendes Gebet
DEN GLEICHEN 7EG ZU GEHEN UND DAS 5NERTR·GLICHE AUF SICH ZU NEHMEN /HNE ZU VERSTEHEN m 'OTT HAT DIESEN &REUND GEFUNDEN 5ND SO WIRD VERST·NDLICH warum Abraham als einziger Freund Gottes genannt wird: er hat Anteil am tiefsten Schmerz Gottes bekommen. &REUNDSCHAFT MIT 'OTT m DAS IST DER TIEFSTE :WECK DAS :IEL MIT DEM DER -ENSCH erschaffen worden ist. Es ist der Inhalt seiner Gottesebenbildlichkeit.
Du hast eine Grenze! Gehen wir nun zur zweiten Erzählung von der Erschaffung des Menschen in -OSE )M 5NTERSCHIED ZUR ERSTEN %RZ·HLUNG LIEGT IHR DARAN AUFZUZEIGEN wieso der Mensch trotz seiner Erschaffung als Ebenbild Gottes so ist, wie er nun einmal ist. Hier werden dann auch neben der Größe des Menschen seine Grenzen und seine Gefallenheit deutlich aufgezeigt. Und Gott sprach: „Von diesem Baum darfst du nicht essen …!“ (1.Mose 2,16) Das Wesen des Menschen und seine Würde liegen darin, dass der Mensch von Gott angesprochen ist, und antworten kann. Als Gegenüber und Partner aber hat er einen eigenständigen Willen, und kann und muss sich deshalb auch verantworten. Gott ernennt den Menschen nicht nur zu seinem Stellvertreter und vertraut ihm die wohlgeordnete Erde an, sondern er gibt ihm auch ein Gebot. Er redet mit ihm und nennt ihm eine Grenze, jenseits derer der Mensch sich selber als Geschöpf und Gegenüber Gottes zerstört.
Du bist nicht Gott! Hier wird es zum ersten Mal deutlich ausgesprochen: Der Mensch ist trotz seiner Hoheit, trotz seines Ebenbildcharakters gerade nicht Gott! Er ist, mit dem obigen Vergleich gesprochen, eben nur ein zweidimensionales Spiegelbild und nicht dreidimensionaler Ursprung; er ist „Abbild“, nicht „Urbild“. Dieser Unterschied ist die entscheidende Grenze. Sie wird durch ein einziges Verbot markiert. Du sollst nicht …! (1.Mose 2,17) %INE EINZIGE ABER WICHTIGE %INSCHR·NKUNG DES tALLES IST EUERg VON -OSE UND Sie zielt auf den Kern des Problems. Denn es ist die Ur-Versuchung des Menschen, Hörendes Gebet | 25
wie Gott sein zu wollen. Ob es sich dabei um Diktatoren handelt, die sich gottgleich verehren lassen, oder um die Anmaßung der modernen gesellschaftlichen Eliten, die sich zum unumschränkten Herrn über die Schöpfung und unser Menschsein aufschwingen wollen, bleibt sich gleich. Letztlich steckt diese Versuchung in uns allen. Das zeigt sich ganz simpel darin, dass jeder von uns der Mittelpunkt seiner Welt (und SEI DIESE NOCH SO BESCHEIDEN SEIN MÇCHTE DEM SICH ALLE UND ALLES UNTERZUORDNEN haben. In der Postmoderne rechtfertigen wir das inzwischen auch philosophisch unter dem Banner der absoluten Selbstbestimmung des Individuums. Gott als absolute Grenze ist zugleich aber auch ein großes Geschenk. Das wird allzu leicht verkannt. Denn wenn ich nicht Gott bin, muss ich es auch nicht sein. Ich bin nicht allzuständig; ich muss nicht alle und alles retten und zum Erfolg FÌHREN m WEDER MEIN EIGENES ,EBEN NOCH DAS MEINER &AMILIE WEDER DIE 'ESELLschaft noch die Welt. Das schafft eine heilsame Balance für die Verantwortung, die Gott mir in allen diesen Bereichen anvertraut hat. Gott bleibt immer noch Gott – was für ein befreiender Gedanke!
Du bist frei! Das „Du sollst nicht!“ Gottes hat aber noch eine weitere wichtige Seite: Gott will, dass ich frei bin! Denn „Sollen“ bedeutet immer auch: Es gibt einen anderen Weg, DEN ICH W·HLEN KANN 'OTT SELBST HAT DIESE &REIHEIT FÌR DEN -ENSCHEN GEWOLLT ER HAT UNS DIE 'ABE UND DIE &·HIGKEIT VERLIEHEN EIGENST·NDIG SEINEN m ODER EINEN ANDEREN m 7EG ZU W·HLEN $IESE &REIHEIT GEHT SO WEIT DASS WIR UNS AUCH VON 'OTT DER 1UELLE UNSERES 3EINS ABWENDEN KÇNNEN .UR EINE SOLCHE TOTALE &REIHEIT macht Liebe überhaupt möglich. Eine Liebe, die sich nicht verweigern, die nicht „Nein“ sagen kann, verdient diesen Namen nicht; sie wäre nichts anderes als Konditionierung. Jesus hat es in einem seiner bekanntesten Gleichnisse so ausgedrückt ,UKAS $ER tVERLORENEg 3OHN BEKOMMT ALLES VOM 6ATER m SELBST DIE Mittel, um von ihm wegzulaufen und sein Leben zu ruinieren. Der Mensch ist also nicht „programmiert“, sondern kann selbst überlegen und wählen, was er will. Dadurch wird er zum freien Gegenüber Gottes – und nur so zu einem echten Partner. Nur so wird er nicht zu einer Marionette. Nur so kann er lieben; nur so kann er ge–„horchen“. Deshalb ist es für uns entscheidend, DEN 2AUM DIESER &REIHEIT UNTER ALLEN 5MST·NDEN ZU BEWAHREN %IN ERZWUNGENER Gehorsam, ein erzwungener Glaube haben nichts mit Gott zu tun; sie verdienen DIESEN .AMEN NICHT "IBLISCHER 'LAUBENSGEHORSAM IST IMMER IN DER &REIWILLIGkeit der Liebe begründet; er ist niemals „blind“, erzwungen oder fremdgesteuert. 26 | Hörendes Gebet