Swen SchĂśnheit
Unter offenem Himmel bauen Begeisterung fĂźr wachsende Gemeinden
GGE praxis Geistliche Gemeinde-Erneuerung in der Evangelischen Kirche
Impressum Swen Schönheit Unter offenem Himmel bauen Begeisterung für wachsende Gemeinden (GGE praxis) 1. Auflage 2006 © Geistliche Gemeinde-Erneuerung in der Evangelischen Kirche D-20095 Hamburg, Speersort 10 © für die Abbildungen auf den Seiten 49, 72, 75, 79, 88, 89, 117, 135 C&P Verlagsgesellschaft D-61479 Glashütten, Limburger Straße 67d ISBN 3-9808340-9-3 Verantwortlich für diese Ausgabe: Katja Lehmann, Lorenz Reithmeier Satz und Gestaltung: 11gen Design, Friedberg Druck: WinterDruck, Herrnhut
Inhalt
Geleitwort von Bischof Abromeit ........................................................................... 6 Vorwort von Dieter Keucher ................................................................................... 7 Wozu noch ein Buch über Gemeindeaufbau? ................................................... 8 1.
Der Kampf um die Zukunft der Kirche ..................................................... 9
1.1
Aus dem Lehrbuch des Lebens ............................................................ 9
1.2
Die Krise als Chance ............................................................................ 15
1.3
Der Ruf nach einer missionarischen Kirche ...................................... 18
2.
Gemeinde biblisch begreifen ..................................................................... 23
2.1
Warum müssen Gemeinden „gebaut“ werden? ................................ 23
2.2
Was meinen wir eigentlich mit „Kirche“?........................................... 24
2.3
Wiederentdeckung der neutestamentlichen Ekklesia ....................... 28
2.4
Kirche als lebendiger Organismus ..................................................... 32
2.5
Wachstum als natürliche Konsequenz ............................................... 37
3. Auf der Suche nach Qualitätsmerkmalen ............................................... 41
3.1
Die neue, die zweite, die dritte Reformation ..................................... 41
3.2
„Natürliche Gemeindeentwicklung“ .................................................. 45
3.3
„Kirche für Suchende“ und „Kirche mit Vision“ ................................ 50
4.
Gemeinde mit Zukunft bauen .................................................................... 55
4.1
Leiterschaft mit Vision ........................................................................ 58
4.2
Glauben weckende Verkündigung ........................................................ 63
4.3
Kleingruppen als Netzwerk ................................................................. 70
4.4
Gemeinde als heilende Gemeinschaft .................................................. 78
4.5
Begleitung auf dem Weg zur Reife ....................................................... 83
4.6
Gaben und Aufgaben im Einklang ....................................................... 88
4.7
Anbetung im Zentrum ....................................................................... 96
5.
Die Schlüsselrolle des Pfarrers beim Gemeindeaufbau ........................... 103
5.1
Als Pfarrer in der Zerreißprobe .......................................................... 103
5.2
Leitung im Neuen Testament ............................................................ 106
5.3
Vom Beispiel Jesu lernen ................................................................... 112
5.4
Paradigmenwechsel im Amtsverständnis ............................................ 116
5.5
Vom Macher zum Mentor ................................................................. 123
6. Aus geistlichen Quellen leben ................................................................. 131
6.1
Spiritualität als Mangelware? ............................................................. 132
6.2
Gemeindeaufbau durch Führung des Geistes ...................................... 135
6.3
Gemeindeerneuerung aus der Kraft des Gebets .................................. 139
7. Ausblick: Auf dem Weg zu einem geistlichen Neuaufbruch? ................... 143 Anmerkungen .................................................................................................. 149 Literaturhinweise ............................................................................................. 158 Über den Autor ................................................................................................ 160
„Als christliche Gemeinde brauchen wir die Wirkkraft des Heiligen Geistes. Er ist der Nährstoff für gesundes Gemeindewachstum. Je mehr wir dabei vertrauen, dass Gott in Christus durch seinen Geist wirklich handelt, umso sichtbarer wird werden, wie die Kirche wachsen kann.“ Dr. Peter Böhlemann
GGE praxis: Unter offenem Himmel bauen – Begeisterung für wachsende Gemeinden
Geleitwort Ein Gemeindepfarrer fragt nach den Grundlagen und der Konzeption für seinen Dienst. Trotz der Beanspruchung durch seine pastoralen Aufgaben und wegen der Notwendigkeit, Strukturen, Anstellungen und Finanzen zurückzubauen, will er wissen, welche Gemeinde Zukunft hat. Er nimmt sich die Zeit, um die Grundprinzipien einer zukunftsträchtigen Kirche herauszufinden (vgl. vor allem Kapitel 4). Auf der Grundlage der Bibel entwickelt Swen Schönheit im Angesicht unserer gegenwärtigen Herausforderungen ein Gemeindeprofil. Es ist entworfen aus den Erfahrungen seiner Großstadtgemeinde, kann aber aufgrund der Elementarität der beschriebenen Prinzipien auch in Klein- und Mittelstädten, ansatzweise auch in den dörflichen Bereich übertragen werden. Pfarrer Schönheit zeichnet das Profil einer Gemeinde als heilende Gemeinschaft – einer Gemeinschaft, in der Beziehungen und Menschen heil werden. Solche Gemeinden brauchen wir. Nach den Impulsen des Rates der Evangelischen Kirchen in Deutschland, im Sommer 2006 veröffentlicht unter der Überschrift: „Kirche der Freiheit. Perspektiven für die Evangelische Kirche im 21. Jahrhundert“ sollen bis zum Jahre 2030 ein Viertel aller Gemeinden Profilgemeinden sein. Sie sollen sich neben den traditionellen Parochial-Gemeinden, die sich durch das Gemeindeleben in einem bestimmten, geografisch beschriebenen Raum konstituieren, aufgrund ihres besonderen geistlich-kulturellen Profils bilden. Der Rat setzt als Ziel, dass im Jahre 2030 ca. die Hälfte der Gemeinden nach wie vor Parochial-Gemeinden sind, ein Viertel Profil-Gemeinden und ein weiteres Viertel so genannte Zielgruppen-Gemeinden, d.h. Gemeinden, die ein Angebot für bestimmte Zielgruppen, wie Jugendliche, Studierende, Berufstätige etc. bieten. Swen Schönheit trägt mit seinem Buch zur Bildung von Profil-Gemeinden auf biblischer Grundlage bei. Dafür ist ihm sehr zu danken und zu hoffen, dass sich viele Pfarrerinnen und Pfarrer und Gemeindeleiterinnen und Gemeindeleiter finden, die sich von ihm anregen lassen. Dr. Hans-Jürgen Abromeit, Bischof der Pommerschen Evangelischen Kirche (Greifswald)
Vorwort Tief bewegt saß ich neulich im Gottesdienst unserer Gemeinde und hörte das Zeugnis einer Frau. Vor acht Wochen hatte sie einen Schlaganfall erlitten und lag bewusstlos auf der Intensivstation. Im Glauben hatten mehrere Gemeindemitglieder an ihrem Bett gebetet. Und nun stand sie vor ihrer Gemeinde und bezeugte, dass alle Körperfunktionen wieder in Ordnung waren. Das Zeugnis dieser Frau ist kein Einzelfall. Staunend erlebt die Gemeinde immer wieder, wie Gott an Einzelnen in seiner Liebe handelt. Gemeinde ist ein Ort der Hoffnung! Davon will auch dieses Buch ein Zeugnis sein. Swen Schönheit vermittelt Freude und Leidenschaft für das „Projekt Gemeinde“. Es ist ihm gelungen, die wichtigsten Ergebnisse der Gemeindeaufbau-Literatur und der Gemeindeaufbau-Praxis aus den letzten 20 Jahren zu verarbeiten. Die Fülle der hier beschriebenen Einsichten und die konkreten Zielvorgaben für den Gemeindeaufbau nach dem Neuen Testament fordern den Leser heraus, neu über Fragen der konkreten Umsetzung nachzudenken. Darum sollten wir mutig um die Führung und Weisheit des Heiligen Geistes bitten und die kompetenten Hilfen in der Praxis erproben. Das Erscheinen dieses Buches fällt nicht nur in die Zeit eines wachsenden Bemühens um Gemeindewachstum, Gemeindeaufbau und Gemeindeerneuerung, sondern es gibt auch hilfreiche Antworten auf den kürzlich von der EKD propagierten „Mentalitätswandel“ in einem viel beachteten Impulspapier. Es ist mein dringender Wunsch, dass die Verantwortlichen der Gemeinden sich herausfordern lassen und die Gunst der Stunde nutzen, um mutige Schritte in die richtige Richtung zu gehen. Die Früchte werden nicht ausbleiben, denn Wachstum entspricht dem natürlichen Wesen von Gemeinde! Als GGE danken wir Swen Schönheit herzlich für die Veröffentlichung in unserem Verlag. Sein Buch entspricht unserer Vision, in der Zukunft verstärkt Seminare zum Thema Gemeindeaufbau anzubieten, damit Ortsgemeinden Erneuerung und Wachstum erleben können. Viele Menschen in Deutschland wurden durch prophetische Impulse Gottes ermutigt, im Glauben Segen für unser Land zu erwarten. Deutschland braucht das authentische Zeugnis von Christen. Jesus Christus hat uns berufen, uns an der Ausbreitung seines Reiches zu beteiligen. In der Gemeinde Jesu Christi wird dieser Auftrag immer wieder konkret. Dieter Keucher, 1. Vorsitzender der Geistlichen Gemeinde-Erneuerung in der Evangelischen Kirche
GGE praxis: Unter offenem Himmel bauen – Begeisterung für wachsende Gemeinden
Wozu noch ein Buch über Gemeindeaufbau? Lange Zeit hatte ich nicht die geringste Lust, Bücher zu schreiben. Die intensiven Jahre der Gemeindearbeit ließen mir selber kaum Zeit zum Lesen. Diverse Bücher, Kassetten und Videos, die mir mit warmen Worten ans Herz gelegt wurden, landeten irgendwo auf dem großen Stapel und wollten mich anklagen. Wozu also der Informationsflut noch Eigenes hinzufügen? Als ich mehr als 15 Jahre Gemeindearbeit vor Ort hinter mir hatte, war es Zeit für einen Einschnitt. Ein „Sabbat-Quartal“ führte mich in die Stille. Die Gemeinde lief erstaunlich gut weiter – auch ohne mich. Und ich bekam Lust am Lesen … und am Schreiben! Daraus wurde eine Studienarbeit über „Gemeindeaufbau mit Zukunft“, die diesem Buch zugrunde liegt. Es ist mein wachsender Wunsch, die eigenen Erfahrungen mit anderen teilen zu können. Die Sehnsucht nach überzeugenden Beispielen lebendiger Gemeindearbeit ist überall spürbar. Gemeindeaufbau wird zur Schicksalsfrage in unserem Land. Uns steht längst nicht mehr „alle Zeit der Welt“ zur Verfügung, um mit verschiedenen Modellen herum zu experimentieren. Die Zukunftsfrage stellt sich mit Dringlichkeit auch für die Gemeinde Jesu! Deshalb dieses Buch: Als herausfordernder Denkanstoß; als Arbeitshilfe für die eigene „Gemeindebaustelle“; als Mutmacher für Pfarrer und Pastoren, Mitarbeiter und engagierte Gemeindeglieder. Der erste Teil umfasst die Kapitel 1 bis 3 und befasst sich mit dem Kampf um die Zukunft der Kirche, mit biblischen Grundlagen und den wichtigsten Denkansätzen für Gemeindeaufbau. Der zweite Teil (Kapitel 4) ist das Herzstück dieses Buches: Hier lade ich Sie ein, mit mir konkrete Schritte in die Praxis zu gehen. Sie können diesen mittleren Teil auch ohne den Vorspann lesen und direkt als „Toolbox“ gebrauchen. Im dritten und letzten Teil (Kapitel 5 und 6) steht die Rolle des Pfarrers zur Diskussion. Geistliche Erneuerung unserer Gemeinden muss die Schlüsselperson einschließen, vielleicht sogar bei ihr ansetzen. Doch weit über das Pfarramt hinaus wird hier ein Leitungsverständnis entfaltet, das Jesus selbst als Maßstab nimmt. Vielleicht stolpern Sie beim Lesen über die zahlreichen Bibelstellen, die in diesem Buch zu Wort kommen. Dahinter steht die Überzeugung, dass uns die Heilige Schrift genügend Leitlinien für die Entwicklung lebendiger Gemeinden gibt, auch wenn sie keinen fertigen Bauplan enthält. Der permanente Hinweise auf die Aussagen der Schrift sollen Sie zugleich auf den Geschmack bringen, selbst zu „forschen, ob sich’s so verhielte“ (Apg 17,11). Ich wünschen Ihnen von Herzen viel Inspiration beim Lesen und Gottes Segen beim Bau an Seiner Gemeinde! Swen Schönheit, Berlin im Sommer 2006
1. Der Kampf um die Zukunft der Kirche
1. Der Kampf um die Zukunft der Kirche Es war im Herbst 1988. Seit Wochen lag meine Bewerbung auf die gewünschte Pfarrstelle beim Konsistorium. Eine zentral gelegene Gemeinde sollte es sein, eine markante neugotische Kirche in der City. Bereits als 15-Jähriger hatte ich dort anlässlich einer „Beatmesse“ gepredigt. Nach langem Warten kam die Absage. Uns blieb nur noch der Weg ins Märkische Viertel, der größten West-Berliner Trabantenstadt. In meinem Herzen lebte damals eine Vision, die über die Gemeindearbeit vor Ort hinausreichte: Wenn ich schon innerhalb der Landeskirche arbeiten würde, meiner geistlichen Heimat seit Kindesbeinen, wollte ich Erneuerung erleben. Unser Volk lag mir am Herzen, nicht nur die Kirche. Missionarische Ausstrahlungskraft müsste Gemeinde haben. „Modelle der Hoffnung“ müssten entstehen, aller Frustration über die Kirche und innerhalb der Kirche zum Trotz … Da trat Wolfram Kopfermann aus der Kirche aus. Wie ein Schlag traf uns die Nachricht als wir gerade an einem Kongress mit John Wimber teilnahmen. Während viele in unserem Land so segensreiche Impulse von unseren amerikanischen Geschwistern empfingen, schien ein hoffnungsvolles Modell innerhalb der Evangelischen Kirche zu zerbrechen. Die Geistliche Gemeinde-Erneuerung verlor nach zehn Jahren ihren Vordenker. Würde Kopfermann eine Austrittswelle auslösen? Würde jetzt eine Welle von Gemeinde-Neugründungen einsetzen? „Ich bin überzeugt, dass viele Christus hingegebene Männer und Frauen, eingenebelt durch ideologische volkskirchliche Schlagworte, einen mühsamen und geistlich verhältnismäßig uneffektiven Dienst in der Landeskirche ausüben, die dem Reich Gottes besser in anderen Gestaltungsformen von Kirche dienen könnten“, formulierte Kopfermann im wenig später erscheinenden Buch „Abschied von einer Illusion“.1 Die Verunsicherung bei uns Berufsanfängern saß tief. Als frühere Studienkollegen trafen wir uns einige Jahre lang regelmäßig, beteten und berieten über unsere gemeinsame Zukunft. Ich war gerade 30 geworden und fragte mich mit meinen Altergenossen: Sollten wir unsere Lebenszeit und -kraft wirklich in ein Unternehmen stecken, das „dem Pluralismus als Totengräber der Gemeinde Jesu Christi“ verfallen ist? Hatte Kopfermann nicht recht, dass die „Volkskirche ihre Zeit gehabt hat, dass wir uns also in einer epochalen Transformation der Gestalt von Kirche in Europa befinden“? Irgendwie saß der Stachel fest und wir ließen uns herausfordern von der Leitfrage: „Geben wir dem Reich Gottes Priorität vor der Kirchenfrage?“2
1.1 Aus dem Lehrbuch des Lebens Ich könnte jetzt eine Reihe von spannenden Biografien auflisten: Von Hasso und Reinhard, von Harald und Udo, die bis heute als „normale“ Pfarrer eine segensreiche
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Gemeindearbeit gestalten; von Andreas, der nach seinem Vikariat die kirchliche Laufbahn verließ, danach Ehe- und Familienarbeit aufbaute und heute unter den Indianern Nordamerikas tätig ist; oder von Hermann, der in Rumänien eine unabhängige Gemeinde aufbaute und viele junge Leute zu Jesus führte. Wir sind in der Tat auf getrennten Wegen weitergegangen. Und wir, meine Frau und ich mit unserer kleinen Tochter landeten also im Märkischen Viertel, wo über 40.000 Einwohner geballt auf einer Fläche von vier Quadratkilometern leben; wo die meisten ihre Beziehung zur Kirche schon seit Generationen verloren haben; wo man als Pfarrer kaum wahrgenommen wird. Bis heute wohnen wir hier, direkt neben einem flachen Kirchsaal, der zwischen Hochhäusern und unter grünen Bäumen kaum auffällt. Nicht einmal ein Turm mit Glockengeläut signalisiert, dass am Sonntag „Kirche“ ist. Vor zwei Jahren war es Zeit für eine größere Atempause. 15 Jahre intensive und inspirierende Gemeindearbeit hatten Kraft gekostet, aber auch den größten Veränderungsprozess mit sich gebracht, den ich jemals miterleben durfte! Die Landeskirche gewährte mir einen Studienurlaub. Beten und sich neu besinnen, das Auswerten und das Aufschreiben der bisherigen Erfahrungen – all das führte zu einer kleinen Studienarbeit über „Gemeindeaufbau mit Zukunft“. Ich nahm Abstand von der Alltagsroutine, kam wieder mehr zum Lesen, Beten und Reflektieren; und ich schaute mich im Land um bei meinen „Brüdern und Schwestern im Amt“. Dabei fand ich viel Ermutigendes und viel Bestätigung: Wir waren mit unserer Gemeindearbeit in Berlin – Gott sei Dank! – überhaupt kein Einzelfall, sondern auf dem Weg mit vielen anderen, die vergleichbare Erfahrungen machten und die ähnliche Schritte gegangen waren. Es gab zwar keine systematische Vernetzung, aber wir waren offenbar Teil einer großen „Lerngemeinschaft“, die – unabgesprochen – zu denselben Einsichten gekommen war wie wir in unserer „geistlichen Oase“ im Märkischen Viertel. Diese Einsichten will ich in diesem Buch gerne mit Ihnen teilen!
Verändertes kirchliches Klima Die kirchliche Landschaft hat seit den 80er Jahren tiefgreifende Veränderungen durchgemacht. Heute steht die Kirche ganz anders mit dem Rücken zur Wand als noch vor einer Generation. Vor allem die Finanzkrise macht nachdenklich. Vieles landet auf dem Prüfstand, was im Grunde Jahrhunderte lang selbstverständlich war. Der „Dienstleister“ Kirche steckt ebenso in der Krise wie die meisten großen Institutionen unserer Gesellschaft. Zugleich befinden wir uns deutlicher denn je in einer Konkurrenzsituation: Unser Volk fragt wieder nach Religion. Die strikt areligiöse und atheistische Welle ist in unserer Gesellschaft längst vorbei, sagen uns die Religionswissenschaftler. Sekten und neuheidnische Kulte blühen und gedeihen. Esoterik und „Lebenshilfe“ aller Art ersetzt in den Buchhandlungen die Regale fürs traditionelle Christentum. Der neue religiöse Boom scheint jedoch an den Kirchen irgendwie vorbeizulaufen. Verunsichert
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1. Der Kampf um die Zukunft der Kirche
stellen wir fest, dass der postmoderne Zeitgenosse alle möglichen spirituellen Quellen anzapft, nur bei uns kommt er nicht vorbei. Der Historiker und Publizist Sebastian Haffner spricht die Meinung vieler aus: „Das Christentum war einmal eine große Macht, aber heute ist es bedeutungslos geworden. Man zollt ihm noch Respekt, aber es hat keine gesellschaftsprägende Kraft mehr.“3 Vielleicht passt die ganze Entwicklung zum Fall der Berliner Mauer. Das marode Wirtschaftssystem der DDR hatte sich selbst überlebt. Die Menschen sehnten sich nach Selbstbestimmung. Ebenso scheint auch die Zeit „kirchlicher Planwirtschaft“ am Ende zu sein, in Ost und West. Das Volk gehört nicht mehr automatisch der „Volkskirche“. Die Menschen beanspruchen auch religiöse Wahlfreiheit. So liegt es genau im Trend, dass seit den 80er Jahren rund 2.300 neue und unabhängige Gemeinden in unserem Land entstanden sind, die Mehrzahl davon charismatisch geprägt.4 Eine enorme Wanderungsbewegung der Christen zwischen Landes- und Freikirchen hat stattgefunden. Man wohnt – städtebaulich gesprochen – sowohl im Altbau wie im Neubau; mancher bevorzugt den sanierten Altbau, mancher jedoch einen stilvollen Neubau. Verbindliche Regeln gibt es nicht mehr. Mitte der 70er Jahre gab Theo Sorg, der später Landesbischof von Württemberg wurde, folgende Einschätzung ab: „Es hat den Anschein, als wären die Tage unserer Volkskirche in ihrer bisherigen Form gezählt, als wären wir … auf dem Wege zur Freiwilligkeitskirche, zur Kirche der Minderheit in der Diaspora.“ 5 Heute formuliert Bischof Hans-Jürgen Abromeit mit Blick auf die Situation seiner Pommerschen Landeskirche: „Unsere Kirche befindet sich im Übergang von einer Nicht-mehr-Volkskirche zu einer Missionskirche.“6 Die für uns alle überraschende Wiedervereinigung ließ den Osten unseres Landes neu ins Blickfeld geraten. Auch dieser Faktor hat das Klima im Raum der Volkskirchen entscheidend verändert. Unsere Hauptstadt Berlin ist von Bundesländern umgeben, die nicht nur bevölkerungsschwach sind, sondern in Europa den niedrigsten Anteil an Kirchenmitgliedern aufweisen (20-23 %). Für Evangelikale überraschend fordern immer mehr Repräsentanten der Evangelischen Kirche in Deutschland einen „missionarischen Aufbruch“. Der dramatische Substanzverlust, vor allem im Nordosten unseres Landes, schreckt auf. Kirche kann nicht mehr auf Tradition beharren, Kirche darf sich nicht länger hinter Kirchenmauern zurückziehen. Die Sehnsucht nach überzeugenden Gemeindekonzepten, durch die unsere Bevölkerung ganz neu erreicht wird, nimmt zu – nicht zuletzt im Bereich der Landeskirchen!
Reich Gottes als oberste Priorität Noch vor Beginn der 90er Jahre stand eine Frage ganz oben auf der Tagesordnung: Ist die „Erneuerung“ bestehender Gemeinden überhaupt eine realistische Möglichkeit? Oder besteht eher die Notwendigkeit zur Gründung neuer Gemeinden – allein schon
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GGE praxis: Unter offenem Himmel bauen – Begeisterung für wachsende Gemeinden
unter missionarischen Gesichtspunkten? Kopfermann hatte mit seiner Einschätzung einen wunden Punkt getroffen. Zahlreiche geistliche Leiter in Ost und West standen unter großer Anspannung, was die Kirchenfrage betraf. Als die Mauer fiel, lagen bei der DDR-Regierung bereits mehr als 20 Anträge für Gemeindeneugründungen! Auch als Pfarrer mit West-Berliner Hintergrund habe ich mich während meiner ersten Jahre in der Gemeinde immer wieder gefragt, ob wir langfristig auf der richtigen Spur waren. Manche neu gegründete und schnell wachsende Gemeinde konnte einem vorkommen wie ein Sportwagen auf der Überholspur, dem man aus der Familienkutsche irritiert hinterher schaut. Doch wir erlebten auch Spannungen und Zerbruch in neuen Gemeinden. Unreifes Verhalten und zwischenmenschliche Zerwürfnisse konnten die „Neuen“ ebenso wie die „Alten“ empfindlich treffen. Der Erfolg schien jedenfalls nicht ausschließlich an der richtigen „Gestaltungsform von Kirche“ (Kopfermann) zu hängen. Gott selbst bestätigte offenbar nicht ausschließlich einen der beiden Wege, den der alten traditionellen Kirchen oder den der Gemeindeneugründung. Doch die Schlüsselfrage der Kirchenkritik Kopfermanns bleibt bestehen – in gewisser Weise für alle Zeiten der Kirchengeschichte: „Geben wir dem Reich Gottes Priorität vor der Kirchenfrage?“ Die Frage, inwieweit sich Gemeinden um sich selbst drehen oder die Ausbreitung der Herrschaft Gottes fördern, stellt sich in jeder Konfession. Kirche als Selbstzweck oder Kirche mit missionarischer Ausstrahlung – diese Frage betrifft alte wie neue Gemeindeformen gleichermaßen. Schon Jesus konfrontierte die Frommen seiner Zeit: „Das Reich Gottes wird euch weggenommen und einem Volk gegeben werden, das die erwarteten Früchte bringt“ (Mt 21,43 – EÜ). Gott hält auch heute Ausschau nach einem „fruchtbaren Volk“ in unserem Land, durch das sein Reich Gestalt gewinnt. Doch die entscheidende Grenze im Koordinatensystem verläuft eben nicht einfach zwischen Volkskirche und Freikirche. Kopfermanns Prognose Ende der 80er Jahre griff zu kurz. Auch traditionelle Freikirchen stagnieren. Selbst mit viel Elan gegründete neue Gemeinden stehen teilweise in der Gefahr zu „verkirchlichen“. Und der geistliche Freiraum innerhalb der landeskirchlichen Landschaft überrascht vielfach. Es gibt mehr Raum, als genutzt wird! Für den deutschsprachigen Raum werden wir uns wohl für längere Zeit auf einen gemeindlichen „Mischwald“ einstellen müssen, bei dem „Jungwuchs zwischen den etablierten Formen des Gemeindebaus wachsen und den schon bestehenden ‚Baumwuchs’ vital ergänzen“ wird (Marco Gmür).7 Entscheidend ist, dass wirklich geistliches Leben heranwächst! Insofern geht es in diesem Buch nicht um Strukturdebatten, sondern um geistliche Qualitätsmerkmale, die für den Raum der Volkskirche ebenso gelten wie für freie Gemeinden. Gemeindeaufbau scheint eine gemeinsame Zukunftsaufgabe zu sein für Repräsentanten eines alten Erbes ebenso wie für die Pioniere des Neuen. Wir erkennen uns zunehmend als Verbündete an derselben geistlichen Front! Und wir begreifen, dass wir von Gemeinde zu Gemeinde unglaublich viel voneinander lernen können – egal aus welchem „Stall“ wir kommen.
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1. Der Kampf um die Zukunft der Kirche
Ermutigende Erfahrungen vor Ort ... 20 Jahre nach meiner Ordination bin ich dankbar, dass Gott mich gerade in diese Ortsgemeinde geführt hat. Hätte ich jedoch permanent erlebt, wie Gottes Reich durch kirchliche Machtstrukturen behindert wird, wie Gemeindeaufbau an ungeistlichen Gewohnheiten und unerfüllbaren Erwartungen scheitert, wäre ich längst nicht mehr hier. Ausgerechnet auf dem kargen Boden unserer West-Berliner Neubausiedlung durften wir erleben, wie gut Alt und Neu zusammengehen: Die volkskirchliche Präsenz als Chance – der geistliche Aufbruch als Antwort. Die Ev. Apostel-Petrus-Gemeinde, an der ich seit 1989 einer der beiden Pfarrer bin, ist genauso alt wie unser Wohnviertel: etwas mehr als 40 Jahre. Diese Zeit ist lang genug, um die Entwicklung von mehreren Generationen zu verfolgen und Geschichte zu dokumentieren. Ich erspare Ihnen beim Blick ins Tagebuch die Schilderung der Kinderkrankheiten. Es gab Zeiten in dieser Gemeinde, die durch menschliche Unzulänglichkeiten erheblich belastet waren. Es gehört zur Wahrhaftigkeit, dass wir als „normale“ Kirchengemeinde ebenso durch Niederungen gegangen sind wie viele andere; dass auch wir drastische Kürzungen im Haushalt hinnehmen und uns von Mitarbeitern verabschieden mussten; und dass wir zusehen konnten, wie die Zahl der Gemeindemitglieder und der Amtshandlungen dramatisch abnimmt. Und dennoch können wir im Rückblick sagen: Die Krise hatte eine reinigende Wirkung. Gemeindeaufbau musste vielfach als Umbau gestaltet werden und war zugleich der Abbau von alten Mechanismen und Mentalitäten, die dem Reich Gottes im Weg standen. Heute freuen wir uns über das gewachsene Profil einer Kirchengemeinde, die sich von der Ortsgemeinde zu einer Regionalgemeinde im Berliner Nordwesten entwickelt hat. Wir sind insbesondere dankbar für π eine klare Ausrichtung am Evangelium in sämtlichen Arbeitsbereichen π eine gewachsene Einheit unter Pfarrkollegen, Mitarbeitern und Gemeindeleitung π eine Fähigkeit zur Integration unterschiedlicher Frömmigkeitsprägungen π eine seit 20 Jahren kontinuierliche, missionarisch geprägte Jugendarbeit π eine Gottesdienstform, in der Raum ist für traditionelle und zeitgemäße Formen π eine Größenordnung von Gottesdiensten mit 200 bis 300 Personen
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GGE praxis: Unter offenem Himmel bauen – Begeisterung für wachsende Gemeinden
π eine selbstständige Entwicklung von Gottesdiensten für Kinder und Jugendliche π einen unkomplizierten Zugang zu Nichtchristen und Menschen auf der Suche π ein tragfähiges Netzwerk von Kleingruppen und Hauskreisen π ein bewährtes Konzept von Glaubenskursen, das auch andere Gemeinden ermutigt π einen starken Stamm von ehrenamtlichen Mitarbeitern in allen Generationen π eine zunehmende Spendenbereitschaft zugunsten unseres Fördervereins In all dem sehen wir Gottes gute Handschrift unter uns. Wir durften über die Jahre buchstäblich zuschauen, wie Jesus sein Wort wahr macht: „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen“ (Mt 16,18 – EÜ). So versuchen wir diesem programmatischen Namen gerecht zu werden: „Apostel-Petrus-Gemeinde“.
… und drängende Fragen Zugleich beschäftigt und beschwert uns der geistliche Zustand unserer Kirche. Wenn Menschen aus den umliegenden Gemeinden unseres Bezirks abwandern, ist dies Ausdruck eines Notstandes. Ihnen eine neue geistliche Heimat bieten zu können (wo sie „Nahrung finden“, wie sie oft sagen), macht dankbar und nachdenklich zugleich: Gleichen wir einer geistlichen „Insel“, während um uns herum zunehmend Land verloren geht? Wohin können und wollen wir als Gemeinde eigentlich wachsen? Wenn einzelne Gemeinden in unserem Land als „Oasen“ empfunden werden und Menschen aus der ganzen Region anziehen, wie kann dann unser ganzes Land noch einmal „bewässert“ und wieder fruchtbar werden? Diesen Fragen müssen wir uns gemeinsam stellen! In gewisser Weise glaube ich sogar, dass die Landeskirchen ihre beste Zeit noch vor sich haben: Sie werden sich zwar reduzieren und teilweise fusionieren müssen, sie werden personell und materiell Federn lassen und sie werden gesamtgesellschaftlich an Einfluss verlieren. Doch die Verkleinerung zwingt sie zur Profilierung – darin liegt die geistliche Chance! Die Kirche in unserem Land mit ihren vielen Tausend Kirchengebäuden ist ein Gefäß, an dem Gottes Geist nicht vorbei gehen wird. Der geistliche Aufbruch, den sich viele für Deutschland wünschen, wird einer „Synergie zweier Bau-
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1. Der Kampf um die Zukunft der Kirche
stile“ gleichen: Neues Leben und neue Ausdrucksformen in teilweise altehrwürdigen Gefäßen … Ich bin gespannt! Immer wieder sind wir im Gespräch mit Gästen von außerhalb oder werden eingeladen, um den geistlichen Prinzipien nachzuspüren, die eine Gemeinde zum Wachsen und zur Reife bringen. Wir glauben, dass Gemeindeaufbau kein Glücksfall ist, sondern viel mit Gehorsam zu tun hat. „Von Gottes Seite her sind alle Mittel, die wir für den Gemeindeaufbau brauchen, bereits vorhanden. Das Problem besteht darin, dass wir von ihnen oft keinen Gebrauch machen,“ meint Christian A. Schwarz.8 Welche Mittel und Wege gilt es denn zu entdecken? In diesem Buch geht es also um Gemeindeaufbau mit Zukunft. Ich möchte Ihnen gerne praktische Werkszeuge an die Hand geben, durch die wir zu effektiven Mitarbeitern unseres Herrn werden können. Denn „die Kirche ist das Bauprojekt Jesu, und er beabsichtigt, in seiner Kirche zu leben. … Wenn unsere Gemeinden auseinander brechen, dann liegt das nicht daran, dass Jesus schlecht gearbeitet hat, sondern weil wir uns die Arbeit unter den Nagel gerissen haben“ (Neil Cole).9 Gemeindeaufbau hat Zukunft und wir sind auf Zukunftskurs, wenn wir bei all unseren Bemühungen in der Schule unseres Herrn bleiben. „Ihr seid Gottes Bauwerk – nicht unseres“ (1 Kor 3,9 – NLB)!
1.2 Die Krise als Chance „Fangt endlich an zu weinen, nehmt Abschied und trauert, dann wird der Blick auch irgendwann wieder klar für das, was vor euch liegt“, meinte der Superintendent des Kirchenkreises in Berlin-Mitte zum Abschluss einer Zukunftskonferenz.10 Der Abschied von der herkömmlichen Form unserer Volkskirche hat längst begonnen: Zusammenlegung von Gemeinden, Aufgabe von Immobilien, Rückgang der Kirchensteuer und Reduktion von Arbeitsplätzen, all das beschäftigt Gremien und Synoden seit geraumer Zeit. Pfarrer müssen sich zunehmend das Handwerk „Krisenmanagement“ aneignen. Die Frage nach Gemeindeaufbau erscheint geradezu als Luxus angesichts der aktuellen Einschnitte. In Deutschland gibt es rund 24.000 katholische und 21.000 evangelische Kirchen. Davon „wird bis 2050 mindestens die Hälfte schließen“, schätzt der Hamburger Politologe Carsten Frerk.11 Der Abbruch der beiden großen Volkskirchen in unserem Land scheint in den kommenden Jahrzehnten eine Dramatik anzunehmen, wie sie für Generationen vor uns kaum vorstellbar war.
Unsere Hauptzielgruppe stirbt aus Hinzu kommt der demografische Wandel in unserem Land, der die Kirchen noch härter trifft. Unter dem Titel „Veränderungen gestalten“ legte die Landeskirche von Sach-
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GGE praxis: Unter offenem Himmel bauen – Begeisterung für wachsende Gemeinden
sen eine schonungslose Analyse ihrer Ausgangslage vor: Während 1950 in Sachsen pro Jahr 81.000 Kinder zur Welt kamen, waren es 1994 nur noch 20.400. Über 100 Schulen wurden bereits geschlossen. Bedrückend ist die Tatsache, dass bei den „Familien der Christen in unserem Land … keine signifikante Abweichung von dieser Lebenshaltung und -auffassung festzustellen“ ist. Entsprechend wird sich die Zahl der gegenwärtig 870.000 Kirchenmitglieder in der sächsischen Landeskirche bis zum Jahr 2020 nochmals um ein Viertel reduzieren. Das Strategiepapier sagt, es sei „angemessen, mit Wundern zu rechnen. Aber sie sind nicht planbar. Wir müssen Gemeindewachstum wollen und alles dafür tun.“12 Nun ist der Gottesdienstbesuch in den Landeskirchen zwar seit Jahrzehnten – auf bescheidenem Niveau – relativ konstant, wie uns die „Vierte EKD-Erhebung über Kirchenmitgliedschaft“ (2003) versichert. Allerdings genügt ein Blick auf die Altersstruktur unserer Gottesdienstbesucher um zu erahnen, dass unsere primäre „Zielgruppe“ die nächsten Jahrzehnte nicht überleben wird. Wir sind gegenwärtig „Zeuge eines einzigartigen“ und irreversiblen „Abbruchsprozesses“. Verfolgt man die Kirchenmitgliedschaft über Jahrzehnte, so fällt auf, „dass die Kirchenaustrittskurve … immer dann nach oben schnellt, wenn äußere politische und wirtschaftliche Ereignisse … dazu Anlass geben.“ Daraus schließt die Studie, „dass die Kirchen – die evangelische ebenso wie die katholische – nicht Herr ihrer eigenen Organisationsentwicklung sind.“13 Wolfgang Ratzmann, Professor für Praktische Theologie an der Universität Leipzig, bringt es auf den Punkt: „Die Kirche hierzulande steht in einem Epochenwechsel“. Dabei bedient sich Ratzmann der städtebaulichen Kategorie des „Rückbaus“, der uns ja in vielen ostdeutschen Städten deutlich vor Augen steht. Ziel ist ein gezielter „Umbau“, wobei man Gemeindeaufbau „nicht als Versuch der Rekonstruktion früherer Kirchlichkeit“ missverstehen sollte!14 An diverse Austrittszahlen haben wir uns inzwischen gewöhnt: Menschen in der Dimension einer Großstadt wie Aachen, Braunschweig oder Chemnitz kehren uns Jahr für Jahr lautlos den Rücken, weil Kirche mit ihrem Leben nichts mehr zu tun hat. Aber schmerzt eigentlich in erster Linie das fehlende Geld, oder sind wir ernsthaft besorgt um „Seelen“, die ohne die Kraft des Evangeliums leben müssen und langfristig ohne Gott verloren gehen?
Führt Abbruch zum Neuaufbruch? Nun ist kaum zu übersehen, wie geistliche Anliegen in den letzten Jahren einen neuen Stellenwert bekommen haben. Im Raum der Landeskirchen wird wieder
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1. Der Kampf um die Zukunft der Kirche
mehr nach Spiritualität gefragt. Glaubensfragen und Glaubensvermittlung für Kirchendistanzierte stehen auf der Tagesordnung. Mission gilt nicht länger als Anliegen evangelikaler Außenseiter. Eigentlich müssten wir miteinander aufstehen und das Evangelium wieder zu den Menschen „an die Hecken und Zäune“ bringen (Lk 14,23), so dämmert es uns. Doch wie steht es um die Substanz in unseren eigenen Reihen? In seinem Buch „Kirche in der Zeitenwende“ schrieb Wolfgang Huber im Jahr 1999: „Die gegenwärtige Krise der Kirche ist eine Orientierungskrise. Orientierung meint im Wortsinn Ausrichtung nach Osten, nach Jerusalem, zum Ort der Kreuzigung und Auferweckung Jesu, Ursprung des Glaubens. Der Ansatzpunkt für die Erneuerung der Kirche liegt darin, dass sie ihre eigene Botschaft ernst nimmt.“15 Tatsächlich haben wir als Kirche nicht nur ein Marketing- und nicht nur ein Sprachproblem, sondern eine handfeste Identitätskrise, die uns seit Jahrzehnten begleitet. „Die Kirche weiß nicht mehr um ihre Mitte“, meint Klaus Douglass in seinem Buch „Die neue Reformation“. „Es gibt kaum eine Frage, über die in der Kirche so weitgehende Uneinigkeit besteht, wie die, was Kirche letztlich zur Kirche macht. Und das kann sich eine Organisation von dieser Größe eigentlich nicht leisten.“ Dabei steckt die Kirche in einem Dilemma: Sofern sie „kundenfreundlich“ sein und die Menschen für sich gewinnen will, läuft sie in Gefahr, sich an den Zeitgeist anzupassen und das Evangelium zu verraten. Sobald sie sich jedoch auf ihr kirchliches „Kerngeschäft“ konzentriert (was immer das sein mag), tut sie dies gewöhnlich in traditionellen Ausdruckformen, die nur noch wenige Menschen ansprechen. Die Kirche leidet – so Douglass – an der „doppelten Krise“, dass sie zunehmend Relevanz einbüßt und sich zugleich ihrer Identität unsicher ist: „Sie erreicht die Menschen nicht mehr und sie weiß nicht mehr um ihre Mitte.“16 Krisen sind aus Gottes Sicht jedoch immer Chancen. Das Alte und Neue Testament sind voll von Zeugnissen, wie Gott mitten im Gericht seine Hand ausstreckt zum Neuanfang und Gnade gewährt. Krisen sind Entscheidungszeiten, weil Gottes Geist beginnt, die Geister zu scheiden und wir klären müssen, in welcher Richtung für uns die Zukunft liegen soll. „Jetzt ist die Zeit, in der das Gericht beim Haus Gottes beginnt.“ (1 Petr 4,17 – EÜ) Dieser Satz scheint gegenwärtig die gesamte Christenheit in der westlichen Welt zu betreffen. Jesus möchte gute „Frucht“ an seinem Weinstock haben, deshalb „reinigt“ und beschneidet er, damit die gesunden Rebzweige „noch mehr Frucht tragen“ können (Joh 15,1-8). Dieser Prozess ist schmerzlich für alle Beteiligten; und wir werden ihn nur dann für uns fruchtbar machen können, wenn wir nicht primär auf Mitgliedszahlen, Gebäudebestand oder Steuermittel starren, sondern die Hand des „Winzers“ hinter den ganzen Umbrüchen erkennen.
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GGE praxis: Unter offenem Himmel bauen – Begeisterung für wachsende Gemeinden
Die chinesische Sprache kann uns hier auf die Sprünge helfen: Das Chinesische hat kein eigenes Schriftzeichen für den Begriff „Krise“, sondern setzt ihn zusammen aus den Begriffen „Gefahr“ und „Gelegenheit“ (Chance). Beide zusammengenommen bedeuten „Krise“.
+ Gefahr
= Gelegenheit
Krise
In der Tat bedeutet jede Krise akute Gefahr, birgt aber ebenso die Chance zur Neuausrichtung in sich. Krisen sind von Gott her immer als Gelegenheiten gedacht. Die Bibel gebraucht dafür die Vokabel „metanoia“, was wir meistens mit „Buße“ übersetzen: Es geht um einen Prozess des Umdenkens und der Umkehr. So muss auch ein geistlicher Neuaufbruch in unseren Gemeinden einhergehen mit der Befreiung unserer Denkstrukturen und mit einer erneuerten Sichtweise: „Ich bete, dass eure Herzen hell erleuchtet werden, damit ihr die wunderbare Zukunft, zu der er euch berufen hat, begreift und erkennt, welch reiches und herrliches Erbe er den Gläubigen geschenkt hat.“ (Eph 1,18 – NLB)
1.3 Der Ruf nach einer missionarischen Kirche Bischof Wolfgang Huber, Ratsvorsitzender der EKD, betonte in den letzten Jahren immer deutlicher, „dass nichts dringlicher ist als Mission. Es muss deshalb die erste Aufgabe der Kirche sein, das Glaubensthema wieder ins Zentrum zu rücken.“17 Der Ruf ist nicht neu, doch die Zeit verlangt mehr Eindeutigkeit von uns. Es war der erste gesamtdeutsche Kirchentag in Wittenberg im Jahr 1848, durch den es zur Gründung der „Inneren Mission“ kam. Evangelisation und Diakonie wurden damals noch als die zwei Seiten einer Medaille verstanden: „Kommen die Leute nicht in die Kirche, so muss die Kirche zu den Leuten kommen, so hat es auch der Herr Christus gemacht, der zu uns gekommen (ist) und nicht gewartet (hat), bis wir zu ihm gekommen (sind),“ mahnte Johann Hinrich Wichern (1808-1881) in einer programmatischen Rede. Die Weigerung des Protestantismus, sich der Aufgabe von Mission und Evangelisation zu stellen, sah Wichern damals als „eine gehäufte … und von Jahrhundert zu Jahrhundert vererbte Schuld.“18 Wenn man dazu noch Worte des Hallenser Theologen Martin Kähler (1835-1912) liest, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts formuliert wurden, könnte man meinen die Zeit wäre stehen geblieben: „Das kirchliche Elend in Deutschland hat seinen Hauptgrund darin, dass wir in Deutschland nie recht missioniert worden sind. Weil man verkannt hat, dass es sich um eine fortdauernde Missionierung handelt,
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ist die Entfremdung der Massen unaufhaltsam weitergegangen. Gerade darum muss jede Generation nicht nur pastorisiert, sondern auch evangelisiert werden. Geistliches Leben ist nicht übertragbar.“19 Einen Einschnitt stellte die EKD-Synode im Jahr 1999 dar. In seinem Grundsatzreferat „Kirche und Mission“ bezeichnete der Tübinger Theologie-Professor Eberhard Jüngel die Evangelisation als „Herzschlag und Atem“ der Kirche: „Wenn die Kirche ein Herz hätte, ein Herz, das noch schlägt, dann würden Evangelisation und Mission den Rhythmus des Herzens der Kirche in hohem Maße bestimmen. … Wer an einem gesunden Kreislauf des kirchlichen Lebens interessiert ist, muss deshalb auch an Mission und Evangelisation interessiert sein. … Wenn Mission und Evangelisation nicht Sache der ganzen Kirche ist oder wieder wird, dann ist etwas mit dem Herzschlag der Kirche nicht in Ordnung.“20 Die Synode in Leipzig hat in der Tat beim Herzen der Kirche angesetzt und den „missionarischen Auftrag der Kirche an der Schwelle zum 3. Jahrtausend“ zu ihrem Schwerpunktthema gemacht: „Von dieser Tagung der Synode geht das Signal aus: Die evangelische Kirche setzt das Glaubensthema und den missionarischen Auftrag an die erste Stelle.“21
Renaissance der Religion Die Jahrtausendwende brachte offenbar in mehrfacher Hinsicht atmosphärische Veränderungen mit sich. „Eine weltweite Renaissance der Religion kennzeichnet den Aufbruch ins neue Jahrtausend“, schrieb „Der Spiegel“ im Jahr 2000.22 Im Jahr 2005 titelte er passend zum Deutschlandbesuch des neuen Papstes: „Gläubige, verzweifelt gesucht“. Exemplarisch für religiöse Grundstimmung zu Beginn des 21. Jahrhunderts sind die Umfrageergebnisse unter 1000 Deutschen: „Zwar glauben zwei Drittel an ein höheres Wesen, doch viele denken an einen Gott, der mit dem des Christentums nichts mehr zu tun hat. … Nur noch ein kleiner Teil der Gläubigen kenne sich im Koordinatensystem des Christentums aus, sagt der Infratest-Werteforscher Thomas Gensicke. … Das Christentum ist vielen nur noch der kulturelle Hintergrund, auf dem die Menschen sich ihre Religion zurechtlegen. Sich auf das christliche Abendland zu beziehen, bedeutet nur noch ‚Abgrenzung zum Islam’.“23 Die Terroranschläge vom 11. September 2001 und danach haben die westliche Welt zutiefst erschüttert und unser Wertesystem in Frage gestellt. Die gigantische Flutwelle in Asien lehrt uns „Demut“ (Bundespräsident Horst Köhler). Doch bei aller Verunsicherung scheinen die Kirchen von solchen Erschütterungen ebenso wenig zu profitieren wie vom Fall der Mauer im November 1989. Katastrophen schrecken die Bevölkerung auf, füllen kurzfristig die Kirchen und rücken die Frage nach Sinn und Ziel unseres Lebens in den Vordergrund. Dennoch bleibt der Glaube hierzulande „Patchwork“, wie „Der Spiegel“ formuliert. Sind wir als Gemeinden darauf vorbereitet, fragenden und verunsicherten Menschen authentische Antworten zu bieten? Ist unser Angebot so eindeutig, dass die Menschen auf ihrer Suche bei uns die „kostbare Perle“ finden (Mt 13,45-46)?
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GGE praxis: Unter offenem Himmel bauen – Begeisterung für wachsende Gemeinden
Kirche auf dem Markt Seit einigen Jahren wird vermehrt davon gesprochen, dass sich die christlichen Kirchen heute in einer „Marktsituation“ befinden. Ihr Angebot konkurriert mit unzähligen Spielarten religiöser Sinngebung, esoterischen Praktiken und Angeboten alternativer Heilkunst. Ihre Botschaft scheint unterzugehen im Stimmengewirr spirituell angehauchter Medien. Literatur, Filme und Computerspiele entführen in pseudoreligiöse Welten. Ein Brückenschlag zur Welt der Bibel erscheint den meisten Zeitgenossen kaum vorstellbar. Wie verhält sich Kirche in diesem bunten spirituellen Markttreiben? Ist sie auf die geistliche Konkurrenzsituation vorbereitet? Während sich die Kirchen zu Beginn des letzten Jahrhunderts „weitgehend noch als Behörde verstanden“ haben, der Pfarrer dabei als der „für Religion zuständige Beamte“ mit einem gewissen „Monopol für bestimmte Dienstleistungen“, so ist „die Kirche plötzlich nur noch ein Anbieter unter vielen auf dem Markt religiöser Möglichkeiten“. So charakterisiert Michael Herbst, Professor für Praktische Theologie in Greifswald, diesen „fundamentalen Wechsel“. Deshalb muss die Kirche möglichst schnell „begreifen, dass sie es mit Kunden zu tun hat, die eine Wahl haben, und dass sie sich um diese Kunden bemühen muss. Sie muss zeigen, dass sie etwas Bedeutsames anzubieten hat.“24 Liegt der Verlust unserer „Kunden“ (um einen Augenblick marktwirtschaftlich weiter zu denken) an unserem Produkt, an einer unattraktiven Marke, die – an alte Zeiten erinnernd – nur noch in Nostalgieläden läuft? Oder ist die Botschaft nach wie vor aktuell, lebensrettend und verändernd, während die Träger der Botschaft verunsichert, flügellahm, kleinlaut geworden sind? Müsste Gott uns heute Ähnliches sagen wie damals durch Prophetenmund zum Volk Israel: „Mich, die Quelle lebendigen Wassers, verlassen sie und graben sich stattdessen undichte Brunnen, die das Wasser nicht halten können.“ (Jer 2,13 – NLB)
Sprachlosigkeit in Glaubensfragen? „Ich schäme mich des Evangeliums nicht: Es ist eine Kraft Gottes (griechisch: dynamis), die jeden rettet, der glaubt.“ (Röm 1,16) „Die Botschaft (griechisch: logos) vom Kreuz“, ja Christus selbst ist „Gottes Kraft und Gottes Weisheit“ (1 Kor 1,18.24 – jeweils NLB). Lebt diese Botschaft in uns Christen? Kennen wir diese Kraft, oder fürchten wir sie vielleicht selbst – aufgrund ihrer Sprengkraft und ihrer Konsequenzen? Das Evangelium hat auch nach 2000 Jahren nichts von seiner Dynamik eingebüßt und ist immer noch im Stande, Menschenherzen, Familien, Städte und Gemeinden zu verändern wie damals auf seinem Siegeszug von Jerusalem nach Rom.
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1. Der Kampf um die Zukunft der Kirche
Erstaunlich genug: Wir werden inzwischen von durchaus kritischen Zeitgenossen erinnert an die „Kraft, die in der Bibel steckt“. So brachte Christian Nürnberger, der sich selbst als Skeptiker bezeichnet, im Jahr 2005 „Die Bibel. Was man wirklich wissen muss“ auf den Markt. Darin versucht er „den roten Faden freizulegen“, der sich durch die Geschichten des Alten und Neuen Testaments zieht und beschreibt das „Glaubenskapital“, das die Christen während der ersten drei Jahrhunderte „angehäuft“ haben: Demokratie, sozialer Rechtsstaat und allgemeine Menschenrechte, diese Grundlagen unserer Zivilisation haben ihre Wurzeln in der Geschichte Israels und in der Verkündigung Jesu. Heute jedoch ist dieses Kapital „weg und muss neu produziert werden. Es kann nur entstehen, wenn die Christen zurückgehen zu jenen Ursprüngen, in denen das verbrauchte Kapital entstanden ist“, schließt Nürnberger sein Buch über die Bibel.25
Keine Erneuerung ohne Umkehr! Doch die Rückkehr zu unseren Ursprüngen wird einher gehen müssen mit der Abkehr vom Konzept des Pluralismus. Eine Kirche kann nur dann flexibel sein an ihren Rändern, wenn ihr Zentrum klar ist. Wer irgendwie für alles offen sein und Zeitgenossen um jeden Preis integrieren will, darüber jedoch die geistliche Mitte zur Disposition stellt, hat am Ende alles verloren. Nur die Kirche des Evangeliums wird im spirituellen Wettlauf unserer Tage noch mithalten können. Nur eine Kirche mit klarem Profil wird Menschen auf Dauer anziehen. Der Auftrag ist uns vom Herrn der Kirche längst in Eindeutigkeit gegeben: „Geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe.“ (Mt 28,18-20 – EÜ) Mission ist für die Kirche also keine bloße Option! Michael Herbst drückt dies so aus: „Kirche ist Kirche, weil und solange sie sich aufmacht und Menschen sucht, die ohne Gott für Zeit und Ewigkeit verloren sind. ... In Vielem ist die Kirche ersetzbar; darin aber ist sie unvertretbar. Darum soll sie Volkskirche sein, Kirche für das Volk. Und wenn sie das nicht mehr sein will, dann hat sie ihr Existenzrecht verspielt. ... Eine Kirche, die sich nicht mehr auf die Suche nach Verlorenen macht, hat sich selbst überlebt.“26 Umkehren zu können ist immer ein Ausdruck von Gnade. Umkehr löst Freude im Himmel aus (Lk 15,10). Wenn „Umkehr“ (metanoia) der gebotene Weg zur Erneuerung ist, müssten wir innerhalb der Kirche damit beginnen. Wolfgang Huber und Michael Welker sprechen von einer „Selbst-Säkularisierung“ und einer „Selbst-Banalisierung“, von der die Kirchen der Reformation heute geprägt sind.26 Wenn wir die Krisensymptome unserer Zeit als göttlichen Ruf zur Umkehr begreifen, wird es an Gnade „von oben“ nicht fehlen. In vielem wird die Kirche der Zukunft ärmer werden
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GGE praxis: Unter offenem Himmel bauen – Begeisterung für wachsende Gemeinden
und bescheidener auftreten. Vermutlich sind uns die Glaubensgeschwister in der Anglikanischen Kirche einige Jahre voraus, wenn sie im Rückblick formulieren: „Erst als wir wirklich arm wie eine Kirchenmaus waren und uns das Wasser bis zum Hals stand, fingen wir ernsthaft an, uns auf den wahren Schatz der Kirche – das Evangelium – zu besinnen und diesen Schatz unter den Menschen auszuteilen“ (Bischof John Finney).28 Wir haben in der Tat einen großartigen Schatz zu heben, gemeinsam mit den vielen suchenden Menschen unserer Zeit. Wenn sich diese Phase der spirituellen Sehnsucht mit einer geistlichen Erneuerung in unseren eigenen Reihen verbindet, haben wir als Kirche unsere beste Zeit noch vor uns!
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