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Tilbert Moser , Christine Schirrmacher, Marcel Rebiai, Hanspeter Obrist

Der Islam – eine heilsame Herausforderung für Christen für Israel für die Welt

GGE aktuell

Geistliche Gemeinde-Erneuerung in der Evangelischen Kirche


Impressum Tilbert Moser, Christine Schirrmacher, Marcel Rebiai, Hanspeter Obrist Der Islam – eine heilsame Herausforderung für Christen, für Israel, für die Welt (GGE aktuell) 1. Auflage 2006 © Geistliche Gemeinde-Erneuerung in der Evangelischen Kirche D-20095 Hamburg, Speersort 10 © für die Abbildungen auf den Seiten 63 – 85: Arbeitsgemeinschaft für das messianische Zeugnis an Israel D-79541 Lörrach, Hauingerstr. 6 Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engeren Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen. ISBN 3-9808340-7-7 Verantwortlich für diese Ausgabe: Katja Lehmann, Reinhard Fritsche, Lorenz und Rahel Reithmeier Satz und Gestaltung: Rotraud Schmara, Michael Winterseel Druck: WinterDruck, Hernhut


Inhalt Vorwort...........................................................................................4 Friedrich Aschoff Der Islam – eine heilsame Herausforderung................................. 6 Tilbert Moser Islam und christlicher Glaube – was trennt, was verbindet?....... 38 Christine Schirrmacher Israel und der Islam . ................................................................... 45 Marcel Rebiai im Gespräch mit Walter Wieland Die geschichtlichen Wurzeln Israels............................................63 Hanspeter Obrist Über die Autoren.......................................................................... 87 Literarturempfehlungen...............................................................88

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Vorwort Dieses Buch ist eine dringend notwendige Betrachtung eines Themas, das uns immer mehr beschäftigen wird: Der Islam als Herausforderung an unser Denken, unseren Glauben und unsere Gesellschaft. Hier geht es nicht nur um eine politische, sondern um eine geistliche Deutung der Ereignisse im Nahen Osten und vor allem in Israel. Der Herausforderung dieser Auseinandersetzung stellen sich die Autoren dieses Buches. Tilbert Moser, Kapuzinermönch aus der Schweiz, entwickelt in seiner versöhnlichen Art eine biblisch begründete Sicht des Problems, die aus langer persönlicher Erfahrung und durch fundierte Kenntnisse gewonnen wurde. Wer eine geistliche Einschätzung des Konflikts mit dem Islam unter Berücksichtigung politischer, nationaler und religiöser Hintergründe sucht, wird sie hier in dieser katholischen Stimme in ausgewogener Weise bekommen. Bruder Tilbert Moser zeigt Wege auf, die jenseits einer „verharmlosenden Ökumene“ liegen, die naiv an der schillernden Oberfläche stehen bleibt – und einer manchmal überspitzten evangelikalen Position, die den Islam als Feind ansieht. Moser entwickelt eine Sichtweise, die den Islam als eine heilsame Herausforderung versteht. Um diese Herausforderung zu verstehen, ist es dringend nötig, dass wir gute, fundierte Kenntnisse über den Islam, sein Wesen und seine Ziele bekommen. Pauschalurteile wie „wir beten doch alle zum gleichen Gott“ oder „alle Religionen sind sich in ihrem tiefsten Wesen ganz ähnlich“ verkennen die Sachlage und werden keiner Religion gerecht. Die Islamkennerin Christine Schirrmacher zeigt in ihrem Beitrag Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Christentum und Islam auf, die für eine gründliche Betrachtung der Thematik unerlässlich sind. „Die Heimkehr der Juden nach Erez Israel ist ein Zeichen der Hoffnung, noch nicht die Erfüllung der Hoffnung“ (Kardinal Schönborn, Wien). Aber diese Heimkehr, die für die Juden ein Zeichen der Hoffnung ist, wurde für die Palästinenser zur nakba (Katastrophe). Können die feindlichen Brüder, die Nachkommen der Söhne Abrahams, Isaak und Ismael, jemals versöhnt werden und friedlich zusammenleben? Wird sich die Spannung zwischen den Religionen jemals auflösen? Marcel Rebiai entwickelt im Gespräch mit Walter Wieland eine hoffnungsvolle Antwort auf diese Frage, die Jesus in den Mittelpunkt stellt. Rebiai ist gebürtiger Algerier, wuchs aber in der Schweiz auf. Sein Vater war Muslim und seine Mutter Jüdin. Seit zehn Jahren lebt er mit seiner Familie und der Gemeinschaft der Versöhnung an der Nahtstelle zwischen der arabischen

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und jüdischen Welt in Jerusalem. Aus ganz unmittelbarer Erfahrung berichtet er über die Ursachen des Konflikts zwischen Israel und Palästina, und von seiner Überzeugung, dass sich die Kraft der Liebe Gottes auch im Nahen Osten durchsetzen wird. Ergänzt werden die Beiträge durch eine chronologische Übersicht der Ereignisse in dem Kapitel „Die geschichtlichen Wurzeln Israels“ von Hanspeter Obrist. Man kann diesem Buch nur wünschen, dass es von vielen Menschen gelesen und wahrgenommen wird. Wir müssen den Islam als Herausforderung an unseren Glauben und unsere Liebe erkennen und annehmen. Nur wenn uns das gelingt, werden wir den gesunden Mittelweg zwischen naiver Verharmlosung und ängstlicher Verteufelung finden. Friedrich Aschoff

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Der Islam – eine heilsame Herausforderung Von Tilbert Moser

Gott hat einen wunderbaren Plan mit seinem Volk Israel. Er will es durch alle Strafgerichte hindurch „wiederherstellen“ (ein biblischer Schlüsselbegriff). Er will es nach den Jahrhunderten der Verbannung wieder nach „Zion“ heimführen und im Land der Väter sammeln. Ein Hauptmarktstein dieses „Zionsprojektes“ ist die Gründung des Staates Israels am 14. Mai 1948 durch die „Zionisten“. Doch dies ist erst der erste Schritt. Ziel ist die geistliche „Wiederherstellung“ Israels als Gottes messianisches Volk. Hauptagent dieses „Projektes“ ist Jeschua, der Messias Israels und der Heiland der Völker. Die jesusgläubigen Juden bilden, zusammen mit den Glaubenden aus den Völkern als den Zugewanderten, das „neue Israel“. Paulus veranschaulicht dies mit dem Bild vom Ölbaum: Israel ist der edle Ölbaum, wir, die zu Jesus Gehörenden aus den Völkern, sind die aufgepfropften wilden Ölzweige (Röm 11,13ff). Zu ihrem eigenen Substanzverlust entfernte sich die Christenheit schnell von ihren jüdischen Wurzeln, was sich im Antijudaismus bis zum Holocaust äußerte. Nun ist Gottes Geist dran, diese Wunden zu heilen. Dies ist eindrücklich dargestellt bei Ezechiel, Kapitel 13, in der Vision der erweckten Totengebeine. Israel wurde zur Strafe für seine Untreue zum Liebesbund mit Jahwe als Nation scheinbar ausgelöscht (Verlust der Heimat, des Tempels und des Königtums) und nach Babylon verbannt, wie die auf weitem Feld verstreuten Totengebeine drastisch zeigen. Doch nun kommt Gottes Geist und fügt die Gebeine wieder zu einem Volksleib zusammen und führt sie heim in das schon dem Abraham für seine Nachkommen verheißene Land. Dies ist vor unseren Augen geschehen mit der Heimführung der Juden aus über 140 Ländern. Doch diesem Volksleib fehlt noch der göttliche Atem. So kommt der Geistbraus in einem zweiten Ansturm und haucht dem toten Leib göttliches Leben ein mit der Folge: „Dann werdet ihr erkennen, dass ich der Herr bin“ (Ez 37,14). Erst dann wird der Friede im heutigen Konflikt kommen, denn „er (der Messias) ist der Friede“ (Mich 5,4; Eph 2,14). Diese geistliche Erweckung hat bereits in kleinen Kreisen begonnen, bei den „messianischen“ Juden (in Israel schätzungsweise 6000-8000). Sie sehen, zusammen mit bibelgläubigen Christen in aller Welt, den heutigen, rein politisch unlösbaren Konflikt im „Heiligen Land“ als „messianische Wehen“, die dem Offenbarwerden des Messias in seinem Volk nach rabbinischer Überlieferung vorangehen. Doch damit diese geistliche Auferweckung Israels geschehen kann, braucht es, wie manche Geisteslehrer es sehen, eine starke Erweckung der Christenheit, ein „neues Pfingsten“.

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Dies deutet der Buchtitel des jüdisch-israelischen Autors Victor Mordecai an: Christian Revival for Israel’s Survival, was frei übersetzt heißt: Israel kann nur überleben dank einer christlichen Erweckung. Christen und Juden sind durch die gemeinsame Wurzel und messianische Berufung unlöslich miteinander verbunden. In meinem „Zionsprojekt“ stelle ich dar, welche Art von Umdenken und Handeln von uns Christen verlangt wird, damit Israel überleben kann. Es beginnt in einer radikal erneuerten und versöhnten Beziehung zu unseren älteren jüdischen Brüdern. Für die Katholiken hat das letzte Konzil mit einer kopernikanischen Wende den Anstoß dazu gegeben, indem es in „Nostra aetate“ die unwiderrufliche Berufung Israels gegen die eingefleischten Vorurteile wieder ans Licht hob. Spätere kirchliche Stimmen stellen des Weiteren klar, dass die nicht widerrufenen Verheißungen an das Volk Israel auch die Heimführung in ihr Land beinhalten. Dadurch erscheint die Heimkehr der Juden in ihr Land mit der Gründung des Staates Israel letztlich als Gottes Werk und Zeichen seiner Treue zu seinen Verheißungen. So sagte Kardinal Christoph Schönborn zum Abschluss eines Vortrages vor Juden und Christen :

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„Die Heimkehr nach Erez Israel ist ein Zeichen der Hoffnung, noch nicht die Erfüllung der Hoffnung. Noch sind wir Pilger, und das ist uns allen gemeinsam, die wir versuchen, Kinder Abrahams zu sein, der selber sich als ‚Pilger und Beisassen’ verstand. Noch sind die Kinder versprengt, auch wenn die Sammlung begonnen hat. Noch herrschen beschämende Spaltungen welches Bild der Uneinheit geben die Christen im Heiligen Land, aber auch die Juden und die Moslems! – und doch erbitten wir alle von Gott, und das ist uns gemeinsam: ‚Erbittet Frieden für Jerusalem. Wer dich liebt, sei in dir geborgen’. (Ps 122,6)“ Damit deutet der Kardinal an, dass das, was für uns Christen von Gott her als „Zeichen der Hoffnung“ gedacht ist, für viele zum Auslöser von Unglück und zum Zeichen der Hoffnungslosigkeit wurde. Für viele Palästinenser wurde die Einwanderung der Juden und die Staatsgründung zur nakba (Katastrophe). Viele Palästinenser wurden in der Folge des zionistischen Einmarsches zu Flüchtlingen; in Galiläa wurden sie aus rund 400 Dörfern vertrieben. Manche verloren ihr Leben. Wenn die Juden jeweils jubelnd den Gedenktag ihrer Staatsgründung feiern, gedenken die Palästinenser dem „Tag der nakba“. Aber auch den Juden brachte die Staatsgründung viel Leid. Am Tag, nachdem sie den Staat Israel proklamiert hatten, erklärten die fünf umliegenden arabisch-muslimischen Länder (Transjordanien, Ägypten, Syrien, Irak und Libanon) dem neugeborenen Staat den Krieg und wollten ihn mit

In: Die Menschen, die Kirche, das Land, Molden Verlag Wien 1998, S. 181 - 204. GGE aktuell Der Islam – eine heilsame Herausforderung


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Hilfe der von den Briten ausgerüsteten Arabischen Legion wieder auslöschen, mit dem Ruf: „Die Juden ins Meer!“ Heute hat sich dieser Widerstand im islamischen Weltterror, der sich letztlich gegen Israel richtet, noch weiter gesteigert. Dieser Widerstand lässt sich auf psychologisch-politischer Ebene allein nicht erklären. Er hat tiefe religiöse Wurzeln. Auch dass es den Juden nach dem Vernichtungsschlag des Holocaust gelungen war, einen eigenen Staat inmitten einer vom Islam beanspruchten Region zu gründen und darin bis heute zu überleben, war und ist ein natürlich nicht erklärbares politisches Wunder. Wie zu Zeiten der Bibel war zu erwarten, dass das Wirken Gottes an Israel den „Widersacher“ zum Gegenangriff reizt. Offensichtlich spielt der Islam, um den es im folgenden Kapitel geht, als Gegenfront zum göttlichen Zionsprojekt die Hauptrolle, ohne dass wir dabei den Islam verteufeln dürfen. Von vornherein sei klargestellt, dass die Gegenkräfte auf allen Seiten wirken, beginnend beim Volk Israel selber, das in der Bibel durchgehend als halsstarriges und widerspenstiges Volk beschrieben wird, aber nicht weniger bei den „christlichen“ Völkern. Wir wollen also den Islam nicht zum „Feindbild“ abstempeln, um selber mit reiner Weste dazustehen. Die Offenlegung der Widersacherrolle des Islam möchte nicht feindselige Gefühle gegenüber den Moslems, die ebenso geliebte Gotteskinder sind wie wir, wecken. Die folgende Darstellung zeichnet den Islam so, dass er für uns zum Gewissensspiegel wird und zum heilsamen Stachel, aus dem Schlaf aufzuwachen. Sie richtet sich auch gegen einen verharmlosenden Ökumenismus. Gerade als Gegenspieler und Herausforderer übt der Islam letztlich eine positive Rolle bei der Verwirklichung des göttlichen Zionsprojektes aus – in dem Maß, als wir auf die Herausforderung eingehen und sie nicht verwässern.

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1. Der Islam als der große Gegenspieler Besonders seit der Gründung Israels begegnet uns fortlaufend der Islam als die große israelfeindliche Macht. Die 21 arabischen Länder, die das kleine Israel umgeben, bilden mit fast 200 Millionen Einwohnern das Stammland des Islam; flächenmäßig sind sie 640-mal größer als Israel. Ein bekanntes biblisches Thema, besonders in Endzeittexten (z.B. Sach 12,3), zeigt das kleine Israel von übermächtigen Feinden umgeben!

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Israelpilger stoßen auf Schritt und Tritt auf die selbstbewusste Präsenz des Islam. Schon in früher Morgenstunde werden sie von den Gebetsrufen der Minaretts geweckt. Jerusalem gilt den Moslems als drittwichtigste Stadt (nach Mekka und Medina) und wird von ihnen „die Heilige“ (El Quds) genannt. Mehrmals schon riefen arabische Führer im Namen Allahs zum „Heiligen Krieg“ gegen Israel auf. Für sie ist Palästina ihr Land, das sie von 638 n. Chr. bis 1917 beherrschten, mit Ausnahme der kurzen Kreuzfahrerzeit (1099-1187 n. Chr. bzw. 1291), und das es mit „Dschihad“ (heiliger Krieg) zurückzuerobern gilt. Eine nichtislamische Souveränität in einem Islamland aufzurichten bedeutet einen Angriff auf den Islam, ja auf Allah selber, der gerächt werden muss. Wie gesagt, möchten wir den Islam nicht schwarz-weiß-malerisch zum dämonischen Schreckgespenst empor stilisieren. Unter der Milliarde von Moslems ist der fanatische Fundamentalismus eine kleine, aber einflussreiche Minderheit. Es gab Zeiten, wo der Islam toleranter und von höherer Kultur war als die Christenheit. Auch heute gibt es Gegenden, wo Moslems und Christen friedlich miteinander leben. Solange die Moslems die Souveränität über das Heilige Land ausübten, war es für die Juden und Christen relativ leicht, im Frieden mit den muslimischen Landesgenossen zusammenzuleben. Im Koran ist es vorgesehen, dass die „Leute des Buches“ (Juden und Christen) einen besonderen Schutz genießen. Doch sobald Juden die Souveränität übernahmen, war dieses Literatur zum Islam. M.S. Abdullah/A.Th. Khoury: Mohammed für Christen. Eine Herausforderung (Herderbücherei 1984 – Der Islam ist hier zu wenig kritisch dargestellt). A.Th. Khoury: Was ist los in der islamischen Welt? (Herder 1991). Was jeder vom Islam wissen muss, Hrsg. v. Lutherischen Kirchenamt der VELK Deutschlands und der Evangelischen Kirche in Deutschland (Gütersloh 1991). G.Nehls: Was Christen über Moslems wissen sollten (Hänssler Verlag Neuhausen 1984). E.Schrupp: Israel und das Reich des Islam. Die Bibel als Schlüssel zum Weltgeschehen (Brockhaus Verlag Wuppertal 1992); dieses Werk, dem wir vor allem folgen, bringt weiterführende Literatur. E. Troeger: Islam im Aufbruch – Islam in der Krise? (Brockhaus 1981). Peter Scholl-Latour: Das Schwert des Islam. Revolution im Namen Allahs (München 1991). Arabische Theologen über die Juden und Israel. Auszüge aus den Akten der vierten Konferenz der Akademie für islamische Forschung der Al Ashar-Universität Kairo, Hrsg. D.F. Green, Übersetzung ins Deutsche v. Sybill Leu. Editions de l`Avenir Genf 1976.

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relativ friedliche Verhältnis gestört, da der Islam, wie oben erwähnt, in einem angestammten Islamland keine fremde Souveränität dulden darf. Viele gläubige Moslems könnten durch ihre tiefe Religiosität das Heer der „Taufscheinchristen“ beschämen. Wie im Christentum und Judentum gibt es auch im Islam viele Richtungen, weshalb man sich vor einem pauschalen Urteil hüten soll. Wir möchten aber nicht, wie viele „Ökumeniker“, naiv an der schillernden Oberfläche stehen bleiben, sondern zum harten Kern vorstoßen und vor kritischen Überlegungen nicht zurückschrecken. Der Islam ist für uns nicht (in erster Linie) ein Feind, sondern eine heilsame Herausforderung und ein Gewissensspiegel, hat doch das Versagen der Christenheit dem Islam den Weg bereitet. Wir sind als Boten Jesu gerufen zu einem liebevollen Umgang mit den Moslems, und vor allem zu einem kraftvollen Zeugnis für die Heilsbotschaft. 1.1 Geschichte und Lehre des Islam

Der 570 n. Chr. In Mekka geborene Mohammed (sprich: Muhámmad) war ein Sucher, der sich gern in die Wüste zurückzog, um Klarheit zu finden. Mit 40 Jahren hatte er sein Berufungserlebnis. Der Erzengel Gabriel soll ihm erschienen sein, um ihm zu verkünden, dass Gott ihn auserwählt habe als Prophet des einen, wahren Gottes. Voll Eifer ging er dran, unter den götzendienerischen Nomaden Arabiens den „Islam“ zu verkünden, was wörtlich „Unterwerfung, Ergebung“ (unter den Willen Gottes) heißt. Das Zentralheiligtum dieser Nomaden war die Kaába, in der 360 Gottheiten verehrt wurden. Wie Abraham und Mose wurde er zum Eiferer des Eingottglaubens. 622 n. Chr. floh er, um einem Mordanschlag zu entgehen, von Mekka nach Medina, wo er sich als Prophet und politischen Führer der arabischen Stämme durchsetzte und den Islam einführte. 630 n. Chr. kehrte er im Triumph nach Mekka zurück, reinigte die Kaába von den Götzenbildern und erklärte sie zum Zentrum seiner Bewegung. Mohammed behauptet, der letzte, abschließende Prophet zu sein, der die wahre Gottesoffenbarung und Gottesverehrung, welche schon dem Abraham gegeben wurden und durch die Juden und Christen verfälscht worden seien, wieder zur ursprünglichen Reinheit zurückgeführt habe. Der Islam vollendet damit angeblich das Judentum und Christentum. Der Koran, das Heilige Buch des Islam, das auf eine direkte Gottesoffenbarung Mohammeds zurückgeführt wird, enthält viele (oft verfälschte) Elemente aus dem Alten und Neuen Testament, welche er indirekt durch den Kontakt mit Juden und (häretischen) Christen der Gegend kannte. Der Koran, weil aus verschiedenen Zeiten stammend, enthält begreifli

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Davon abgeleitet „Muslim“ = einer, der sich Gott bzw. dem Islam unterwirft.

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cherweise zahlreiche Widersprüche. Die Moslems verehren Abraham und dessen unehelichen Sohn Ismael, den Halbbruder Isaaks, als ihre Stammväter. Sie verehren auch Jesus als Propheten und halten dessen Mutter Maria in hohen Ehren.

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Bald eroberte der Islam zahlreiche Länder (bis Spanien, Türkei und Persien) und entwickelte eine hohe Kultur. Der Übertritt zum Islam wurde im Allgemeinen nicht mit Gewalt erzwungen. Politische und soziale Vorteile bewogen die meisten Christen zu diesem Schritt (was zeigte, wie oberflächlich ihr Glaube war). Wer nicht Moslem wurde, degradierte sich zum Bürger zweiter Klasse und hatte als Zeichen seiner Abhängigkeit eine Sondersteuer zu entrichten. Im Zuge der Islamisierung wurden 3200 Kirchen zerstört oder in Moscheen verwandelt. 634-638 n. Chr. wurde Palästina vom ersten Kalifen Omar erobert. 638 n. Chr. übergab ihm der christliche Patriarch die Schlüssel der Heiligen Stadt. 688-691 n. Chr. wurde der Felsendom erbaut. Darin wird der Felsen verehrt, auf dem Abraham seinen Sohn opfern wollte und wo Mohammed, ähnlich wie Elija angeblich auf dem Pferde zum Himmel empor fuhr. Anfangs des folgenden Jahrhunderts wurde die El-Aqsa-Moschee gebaut. Noch während Jahrhunderten lebten, nach archäologischen Forschungen unbehelligt, christliche Kirchen unter der islamischen Oberherrschaft im Heiligen Land, z.B. im Ostjordanland. Der Islam verstärkt heute massiv seinen missionarischen Expansionsdrang, auch in Europa. Unter der Weltbevölkerung von 6,3 Milliarden Menschen (2004) leben etwa 1,3 Milliarden Moslems und 2 Milliarden Christen. Doch die Moslems vermehren sich stärker, so dass sie voraussichtlich im Jahre 2025 ihre Zweimilliarden-Grenze erreichen werden. 1.2 Wie ist der Islam zu beurteilen?

Einst sah ihn die Kirche, vor allem zur Zeit der Kreuzzüge und Türkenkriege, als die große antichristliche Macht. Heute sind die Christen im Urteil geteilt. Die einen, vor allem Evangelikale, betonen die Unvereinbarkeit zwischen Islam und christlichem Glauben, ja für sie ist der Islam eine dämonisch-antichristliche Macht, der große endzeitliche Widersacher des Christentums und Judentums. So schreibt Marius Baar : „Mohammed trägt alle Kennzeichen eines falschen Propheten … Allah ist für Mohammed ein seelenloser, starrer Gott ohne Erbarmen … Allah hat nichts mit dem Gott der Bibel gemeinsam.“ Der Islam leugnet entschieden die drei christlichen Grundwahrheiten: Trinität, Menschwerdung und Erlösung. In Deutschland Das Abendland am Scheideweg. Ismael oder Israel – Koran oder Bibel – Mohammed oder Jesus? Asslar 1979, S. 59ff.

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bemüht sich vor allem das Monatsblatt Kurier der christlichen Mitte, die Unvereinbarkeit des Islam mit dem christlichen Glauben und die Gefahr der Islamisierung Europas im Volk bewusst zu machen. Andere jedoch heben trotz der lehrmäßigen Gegensätze hervor und sind überzeugt, dass beide letztlich doch denselben Gott meinen. Sie plädieren mit Hans Küng für ein stärkeres Zusammengehen im Interesse des Weltfriedens. Friede in der Welt könne nur durch Frieden unter den Religionen kommen. Für eine positiv konziliante (konziliant: freundlich, versöhnlich) Sicht des Islam wirbt mit starken Argumenten das Buch Streit um Abraham von Karl-Josef Kuschel, auf das wir am Ende eingehen. Für die Katholiken brachte das Konzilsdekret über die nichtchristlichen Religionen eine erstaunliche Wende. Dieses bekennt zwar klar, dass Jesus Christus, der Sohn Gottes „’der Weg, die Wahrheit und das Leben’ (ist), in dem die Menschen die Fülle des religiösen Lebens finden, in dem Gott alles mit sich versöhnt hat“, aber sieht „den Strahl jener Wahrheit, die alle Menschen erleuchte“, d.h. den Geist Jesu, in allen Menschen guten Willens und deren Religionen trotz deren Mängeln am Werk (Nr.2). Über den Islam sagt dieses Dekret (Nr. 3): „Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslim, die den alleinigen Gott anbeten, den lebendigen und in sich seienden, barmherzigen und allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde, der zu den Menschen gesprochen hat. Sie mühen sich, auch seinen verborgenen Ratschlüssen sich mit ganzer Seele zu unterwerfen, so wie sich Abraham Gott unterworfen hat, auf den der islamische Glaube sich gern beruft. Jesus, den sie allerdings nicht als Gott anerkennen, verehren sie doch als Propheten … Überdies erwarten sie den Tag des Gerichtes, an dem Gott alle Menschen auferweckt und ihnen vergilt. Deshalb legen sie Wert auf sittliche Lebenshaltung und verehren Gott besonders durch Gebet, Almosen und Fasten.“ Die Heilige Synode mahnt, die Zwistigkeiten beiseite zu lassen, sich um gegenseitiges Verstehen zu bemühen und sich gemeinsam für Gerechtigkeit und Frieden einzusetzen. – Dieser Text beabsichtigt keine dogmatische Auseinandersetzung mit dem Islam, sondern will durch Heraushebung des gemeinsamen Fundamentes nach Jahrhunderten der Feindschaft den Anfang zu einem ersprießlichen Dialog setzen. Kreise wie der erwähnte Kurier der christlichen Mitte beurteilen die zitierte Postf. 2168, D- 59531 Lippstadt. Gegenüber der Blindheit vieler „fortschrittlicher“ Christen haben der Kurier und die von ihm angebotenen Aufklärungsblätter eine unerlässliche Aufgabe, auch wenn der militante Ton nicht immer dem Geist der Seligpreisungen entspricht. H. Küng: Projekt Weltethos (1992) und Erklärung zum Weltethos (1993).

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Konzilserklärung über den Islam als Irrlehre. Nach ihnen beten die gläubigen Muslime nicht „den alleinigen Gott …, den Schöpfer des Himmels und der Erde, der zu den Menschen gesprochen hat“ an, sondern einen Götzen, ja einen Dämon. Allah habe ursprünglich den Stammesgeist und Schutzpatron von Mohammeds Stamm bezeichnet und sei zusammen mit 360 anderen Göttern als Stammesgott in Mekka verehrt worden.

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Zur Frage der Unvereinbarkeit zwischen Allah und dem Gott der Bibel sind zwei Ebenen zu unterscheiden: die objektiv-dogmatische und die subjektivspirituelle. Objektiv, auf der Ebene der Lehre sind die Aussagen des Koran über Allah nicht zu vereinbaren mit dem Gott der jüdisch-christlichen Offenbarung. Gläubige Moslems wehren sich entschieden gegen die Unterstellung, ihr Allah sei identisch mit unserem biblischen Gott, der ihrer Gottesvorstellung widerspricht (s.u.). – Dass im Islam von Anfang an Dämonen stark „mitmischten“, zeigt die Entstehungsgeschichte des Islam. Doch wesentlich verschieden von dieser Ebene ist die Ebene der persönlichen Frömmigkeit. Es kann einer eine lehrmäßig falsche Gottesauffassung tradiert bekommen haben und vertreten und trotzdem aufgrund seiner lauteren Haltung den wahren Gott lieben, anbeten und ihm folgen. Gott schaut nicht in erster Linie auf die Richtigkeit der Lehre sondern auf das Herz. Jeder Mensch trägt die Ausrichtung auf den wahren Gott in seinem Herzen, sofern er dem ihm „ins Herz geschriebenen Gesetz“ folgt.10 Gottliebende Christen, die unvoreingenommen unter Moslems wirkten wie Franz von Assisi oder Charles de Foucauld waren tief berührt von der echten Frömmigkeit, die sich trotz lehrmäßigem Irrtum bei Moslems unter dem Walten des Geistes entfalten konnte, zur Beschämung der Christen. Nach Matthäus 12,33 erkennt man den Baum an seinen Früchten. Das heißt nicht, dass der lehrmäßige Irrtum harmlos ist, ist er doch ein gefährliches Einbruchstor für das Böse. Wir müssen uns hüten vor Verwischung der Grenzen, z.B. durch gemeinsame Gottesdiensträume, welche den Nach 1 Kor 10,20 verbergen sich hinter den Göttern, die keine Götter sind, Dämonen. Mit dem Ruf Allah u-akbar! (Allah ist der Größte) bekämpfte Mohammed die anderen Stämme und erklärte schließlich Allah als den einzigen Gott, inspiriert vom alttestamentlichen Gottesbekenntnis. Mit dem Ausdruck Allah bezeichnet die arabische Sprache auch den jüdisch-christlichen Gott. Auch die Gottesnamen in anderen Sprachen waren oft ursprünglich heidnische Gottesbezeichnungen. Auch die biblischen Gottesnamen stammen z.T. aus der heidnischen Umwelt und sind im Sinn des Eingottglaubens „umgetauft“ worden. Adelgunde Mertensacker: Geführt von Dämonen. Mohammed im Urteil seiner Zeitgenossen. Herausgeber CHRISTLICHE MITTE, Postf. 2168, D-59531 Lippstadt. Muslimische Zeitgenossen dokumentieren darin, wie stark Mohammed unter dämonischem Einfluss war. 10 Röm 2,16; siehe die Konzilserklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen (Nostra Aetate), Nr. 1 u. 2 mit den einschlägigen Bibelbelegen. Darin wird festgestellt, dass viele Nichtchristen „eine höchste Gottheit oder sogar einen Vater anerkennen. Diese Wahrnehmung und Anerkenntnis durchtränkt ihr Leben mit einem tiefen religiösen Sinn … Die katholische Kirche lehnt nichts von alledem ab, was in diesen Religionen wahr und heilig ist.“

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falschen Eindruck erwecken, im Tiefsten doch eins zu sein, umso mehr sollen wir im sozial-mitmenschlichen Bereich Zeichen des guten Willens setzen. Die Lobpreistexte der Muslime atmen den Geist des biblischen Gotteslobes, wenn es etwa in Sure 59 heißt: „Er ist Allah, außer dem es keinen Gott gibt. Er kennt das Verborgene und Sichtbare. Er ist der Erbarmer, der Barmherzige. Er ist der König, der Heilige, der Friedensstifter. Er ist der Getreue, der Beschützer, der Mächtige, der Starke. Er ist erhaben über das, was sie ihm (an anderen Göttern) beigesellen. Er ist Allah, der Schöpfer und Erhalter. Sein sind die schönsten Namen. Ihn preist alles, was in Himmeln und auf Erden ist.“ Gewiss hört Gott aus diesem Lob, aus ehrlichem Herzen vorgebracht, das Gotteslob seines Volkes heraus, wenn auch in muslimischen Gebetstexten immer wieder Seitenhiebe gegen den jüdisch-christlichen Gott vorkommen. Die konziliante Sicht des Konzils hinsichtlich des Glaubens an den gemeinsamen Gott wird bestärkt durch folgende Überlegung: Viele, die sich zum dogmatisch durchaus richtigen Gott bekennen, huldigen in Wirklichkeit einem Götzen, weil ihr Herz durch Lieblosigkeit, Selbstgerechtigkeit, Habsucht und Überheblichkeit vom wahren Gott weit weg ist. Ihr Gottesdienst ist Gott ein „Gräuel“. Erstaunt werden sie beim Gericht das Urteil hören: „Ich kenne euch nicht“, während andere, die den wahren Gott nicht kannten, von ihm herzlich in sein Reich aufgenommen werden.11 Den Irrtum in der Lehre verzeiht ihnen Jesus gern (vgl. Lk 23,34). Wollte man einseitig nur die lehrmäßig-dogmatische Ebene sehen, käme man auch in Konflikt mit der „Ökumene“ zwischen Juden und Christen, denn beide könnten sich, von je ihrem Standpunkt aus, die Unvereinbarkeit der Gottesauffassung vorwerfen. Tatsächlich gab es orthodoxe Juden, die den Christen Götzendienst vorwarfen, weil sie Jesus als Gottessohn bekennen (dieser Vorwurf ist im offiziellen Judentum heute fallengelassen), und umgekehrt müssten die Christen den Juden ein irrtümliches Gottesbild vorwerfen, insofern diese Gottes Vaterschaft im vollen neutestamentlichen Sinn ablehnen. Dies war schon der Vorwurf der Juden in Johannes 10,33. Über diese Juden sagt Jesus: „Sie kennen weder mich noch den Vater, der mich gesandt hat.“ Darum glauben sie, durch das Verfolgen der Jünger „Gott einen heiligen Dienst zu erweisen“.12 Doch ein Christ wird sich hüten, über das „Nichtkennen des Vaters“ zu urteilen, denn Gott allein Am 5,21ff; Mt 7,22f; 15,8; 25,11f. 34ff; Lk 16,15; Eph 5,5 ; Kol 3,5. Joh 15,20f; 16,2f. Dies praktiziert heute die jüdisch-kämpferische „Antimissionsliga“ in Israel, die in judenchristliche Häuser eindringt, um christliche Erinnerungszeichen zu vernichten. 11 12

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