Friedrich Aschoff Paul Toaspern
Die Gaben des Heiligen Geistes Prophetie • Sprachengebet • Heilung Sonderbeitrag Befreiungsdienst
GGE thema
Geistliche Gemeinde-Erneuerung in der Evangelischen Kirche
Impressum Aschoff, Friedrich Toaspern, Paul Die Gaben des Heiligen Geistes (GGE thema) Prophetie Sprachengebet Heilung 2. Auflage 2007 Š Geistliche Gemeinde-Erneuerung D-20095 Hamburg, Speersort 10 ISBN 9783980834063 Verantwortlich fßr diese Ausgabe: Katja Lehmann, Lorenz Reithmeier Satz und Gestaltung: Rotraud Schmara, Michael Winterseel Druck: WinterDruck, Herrnhut 2
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Inhalt Vorwort .........................................................................................5 1. Einführung – was ist ein Charisma? ..........................................7 1.1 Die Vielfalt der Charismen – kleine Bibelkunde ......................... 8 1.2 Die Charismen – eine kurze Übersicht....................................... 9 1.3 Die Liebe als höchstes Motiv – die Charismen und die Liebe ....14 1.4 Geistempfang oder Taufe im Heiligen Geist? .............................16 1.5 „Den Geist dämpft nicht“ – ein Wort an die Gemeinden ..........18 1.6 Gebrauch der Charismen ..........................................................21 2. Prophetie: Hören, wie ein Jünger hört .................................... 26 2.1 Formen prophetischen Redens ................................................. 29 2.2 Die vier Ebenen des prophetischen Redens .............................. 33 2.3 Umgang mit prophetischen Worten.......................................... 35 2.4 Praktische Hinweise ................................................................ 38 2.5 Prophetie im Gottesdienst der Gemeinde................................. 42 2.6 Die Prüfung der Prophetie ....................................................... 43 2.7 Zukunftsprophetie ................................................................... 46 2.8 Beispiele .................................................................................. 50 Bibelstellen.................................................................................... 54 3. Das Sprachengebet .................................................................. 56 3.1 Wie bekomme ich das Sprachengebet? ......................................61 3.2 Das Sprachengebet aus sprachwissenschaftlicher und psychologischer Sicht......................................................................61 3.3 Das Sprachengebet in der Gemeinde ........................................ 64 3.4 „Ich wollte, dass ihr alle in Sprachen beten könntet!“ – ein Zeugnis ......................................................................................... 68 4. Die Gabe der Heilung – das Gebet für Kranke........................ 71 A. Biblische Grundlagen – Paul Toaspern ....................................... 71 4.1 Heilung und Heilen .................................................................. 71 4.2 Charisma der Heilung .............................................................. 72 4.3 Krankheit und Heilung im Neuen Testament ........................... 77 4.3.1 Heilungen durch Jesus .......................................................... 77 4.3.2 Heilungen durch die Apostel................................................. 84 B. Praxisteil – Friedrich Aschoff..................................................... 89 4.4 Krankensegnung im Gottesdienst ............................................ 89 4.5 Die Krankensalbung ................................................................ 92 4.6 Fünf Schritte zum Gebet für Kranke ....................................... 95 4.7 Der Gebetsdienst ..................................................................... 98 4.8 Warum werden nicht alle Menschen geheilt? ..........................100 4.9 Zeugnisse ...............................................................................103
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5. Sonderbeitrag: Befreiungsdienst – Graham Dow .................. 107 5.1 Einleitung und Beispiele .........................................................107 5.2 Der Befreiungsdienst im Neuen Testament ............................ 110 5.3 Die Sicht des Neuen Testamentes und unser heutiges Verständnis ..................................................................................115 5.4 Anhaltspunkte für die Gegenwart böser Geister ..................... 117 5.5 Das Austreiben von bösen Geistern ........................................126 5.6 Nach der Befreiung .................................................................132 5.7 Einwände gegen diesen Dienst ................................................134 Anmerkungen ........................................................................... 136 Kapitel 1–3 ...................................................................................136 Kapitel 5 .......................................................................................136 Tipps zum Weiterlesen .............................................................. 139
Vorbemerkung: Die Texte dieses Buches sind eine Zusammenstellung aus früheren Publikationen der GGE Deutschland und wurden für dieses Buch neu bearbeitet und aktualisiert.
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Vorwort Ein neues Buch über den Umgang mit den Gaben des Heiligen Geistes, den Charismen, zu schreiben, erscheint womöglich vielen als überflüssig. Die Freunde der charismatischen Bewegung können inzwischen auf ein reich gefächertes Angebot zu diesem Thema zurückgreifen. Bücher mit dem Charakter der Lehre oder des lebendigen Zeugnisses sind in den letzen dreißig Jahren in großer Zahl erschienen. Die meisten sind jedoch oft von einer Theologie geprägt, die die Gaben des Geistes als „übernatürlich“ eingegeben und „senkrecht von oben“ empfangen versteht – sozusagen als „fertige Gaben“. Dass es dabei aber auch zu einer Vermischung mit menschlichen Elementen kommen kann oder mit kulturellen Prägungen und anderen äußeren Einflüssen, wird meist nur selten thematisiert oder gar nicht wahrgenommen. Der Umgang mit den Geistesgaben erfordert außerdem, dass man lernt mit ihnen umzugehen. Deswegen glaube ich an die Notwendigkeit eines neuen Buches zu diesem Thema. Andere werden ein Buch über den Umgang mit Charismen als unsinnig empfinden, da sie ohnehin nichts mit dem Thema „Heiliger Geist“ anfangen können. Sie sind noch ganz in der alten Theologie verhaftet, in der das Wirken des Heiligen Geistes viele in Verlegenheit brachte. Die alten klassischen Dogmatiken haben hier eine eklatante Schlagseite. Der erste, der einen neuen Denkansatz wagte, war Karl Barth. Er hätte sich gerne noch mehr Lebenszeit gewünscht, um eine Dogmatik mit dem Thema Heiliger Geist beginnen zu können. Dieses Buch möchte den Leser einladen, sich neu diesem Thema zu stellen. Ich schreibe hier als einer, den dieses Thema seit vielen Jahren beschäftigt und der ohne die Gaben des Heiligen Geistes seinen Dienst nicht hätte tun können – als Gemeindepfarrer und als Vorsitzender der Geistlichen Gemeinde-Erneuerung in der Evangelischen Kirche in Deutschland. Aus dem Schatz dieser Erfahrungen werden hier die Gaben betrachtet und beschrieben. Ich möchte allen Mut machen, sich nach einem verstärkten Praktizieren der Geistesgaben auszustrecken. Dies gilt gerade dann, wenn wir wissen, dass uns die Gaben immer nur in unserem „irdenen Gefäß“, also in unserem schlichten Menschsein, anvertraut werden. Sie fallen weder senkrecht vom Himmel, noch können sie mit bestimmten Techniken angeeignet werden, sondern sie wollen erbetet werden. Sie werden uns gegeben als Dienstgaben, die auch „auf unserer Natur aufbauen“. Hier übernehme ich bewusst den Satz: Der Geist baut auf der Natur auf! Ein Buch über die Charismen darf sich jedoch nicht auf die drei „auffallenGGE Thema Die Gaben des Heiligen Geistes
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den Gaben“ beschränken, auf die prophetische Rede, auf die Sprachenrede und auf die Gabe der Heilung. Die Liste der Gaben ist im Neuen Testament offen und umfasst je nach Zählung 18 bis 21 oder mehr. In diesem Buch habe ich die Gaben in Charismen (Gaben) des Wortes und Charismen des Handelns unterteilt und kurz beschrieben. Diese Unterteilung habe ich von Siegfried Großmann übernommen. In jedem Fall sollen alle Gaben zuerst einmal kurz beschrieben werden, ehe ich dann doch auf einige „auffälligere“ Gaben, wie die Gabe der prophetischen Rede ausführlicher eingehen werde. Die Erfahrungen mit den Gaben des Heiligen Geistes, die hier beschrieben werden, sind im Bereich der evangelischen Landeskirche gesammelt worden. Sie wollen nichts Ungewöhnliches darstellen, sondern Mut machen mit diesen Dienstgaben zu rechnen – auch für den Alltag einer Gemeinde. Meine Erfahrung ist, dass dort, wo sich Gemeinden, ihre Pfarrer und Pfarrerinnen, Verantwortliche und Kirchenvorsteher für die Gaben des Heiligen Geistes öffnen, die Gemeinden zu wachsen beginnen und attraktiv werden. Wir dürfen damit rechnen, dass nicht wir mit unserem Fleiß und Können, mit unserer Kreativität und unserer Originalität das Entscheidende bewirken, sondern dass der Geist Gottes unserer Schwachheit aufhilft. „Denn es soll nicht mit Heer oder Macht geschehen, sondern durch meinen Geist – spricht der Herr.“ (Sacharja 4,6) Das gilt – auch nach Luther – für alles Glaubenswachstum in unseren Kirchen und Gemeinden: „Ich glaube, dass ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesus Christus, meinen Herrn, glauben oder zu ihm kommen kann; sondern der Heilige Geist hat mich durch das Evangelium berufen, mit seinen Gaben erleuchtet, im rechten Glauben geheiligt und erhalten…“ (Luthers Kleiner Katechismus) In diesem Sinne wünsche ich Ihnen spannende und ermutigende Erfahrungen mit den Gaben des Heiligen Geistes. Friedrich Aschoff Klosterlechfeld, im März 2005
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1. Einführung – was ist ein Charisma? Das Wort Charisma taucht in der griechischen Sprachgeschichte relativ spät als Begriff auf. Das Wort findet sich im Neuen Testament meistens bei Paulus und bedeutet „geistliches Geschenk“ oder „Gnadengabe“. Der Begriff ist abgeleitet vom Wort Charis, dt. Gnade und verwandt mit dem Wort Chara, dt. Freude. Bei Paulus gibt es zwei ausführlichere Aufl istungen der Charismen, in Römer 12 und in 1. Korinther 12. Beide Listen sind jedoch unvollständig und haben nur Beispielcharakter.
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Der heutige Begriff „charismatisch“ oder „Charismatiker“ ist sehr verblasst und wird für viele und vieles in Kunst oder Politik verwendet: So galt selbst Arafat als „charismatische Persönlichkeit“, ein Mann mit einer gewissen Ausstrahlung auf andere. Definition: Wir verstehen unter einem Charisma eine Gabe, die durch den Heiligen Geist geschenkt wird und zum Aufbau und Wachstum des Leibes Christi in Dienst genommen wird. Ziel und Zweck der Charismen
• Ein Charisma dient dazu, dass Jesu als der Herr bezeugt wird: „Niemand kann Jesus einen Herrn nennen außer durch den Heiligen Geist.“ (1. Kor 12, 3) • Ein Charisma ist dazu da, dass eine Gemeinde auferbaut wird: „Wie ist es denn nun, liebe Brüder? Wenn ihr zusammenkommt, so hat jeder einen Psalm, er hat eine Lehre, er hat eine Offenbarung, er hat eine Sprachenrede, er hat eine Auslegung. Lasst alles geschehen zur Auferbauung.“ (1. Kor 14, 26) • Ein Charisma trägt zum Frieden und nicht zur Unordnung bei: „Die Geister der Propheten sind den Propheten untertan. Denn Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern des Friedens.“ (1.Kor 14, 33-34) • Ein Charisma besitzt Zeugnischarakter gegenüber den Ungläubigen: „Wenn sie aber alle prophetisch redeten und es käme ein Ungläubiger oder Unkundiger hinein, der würde von allen geprüft und von allen überführt; was in seinem Herzen verborgen ist, würde offenbar, und so würde er niederfallen auf sein Angesicht und Gott anbeten und bekennen, dass Gott wahrhaftig unter euch ist.“ (1.Kor 14, 24-25)
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• Ein Charisma ohne Liebe bringt keinen Nutzen: „Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle.“ (1. Kor 13,1) Sprachenrede oder prophetische Rede ohne Liebe sind kontraproduktiv. • Ein Charisma führt zur Verherrlichung Gottes: „Wenn jemand predigt, dass er’s rede als Gottes Wort; wenn jemand dient, dass er’s tue aus der Kraft, die Gott gewährt, damit in allen Dingen Gott gepriesen werde durch Jesus Christus. Sein ist die Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.“ (1. Petr 4, 11)
1.1 Die Vielfalt der Charismen – kleine Bibelkunde I. Allgemeine Gnadengaben: Bibelstellen: • Ewiges Leben 1. Tim 6,12 • Ehe oder Ehelosigkeit Mt 19,12 II. Charismen des Wortes: • Prophetie Apg 13, 2-3 • Offenbarung Apg 10 • Wort der Weisheit Apg 15,13ff.; Mt 22, 21 • Lehre Mt 7, 28-29 • Wort der Erkenntnis Mk 2, 5-8 • Glossolalia (Sprachenrede) 1. Kor. 14 • Auslegung der Glossolalia 1. Kor. 14, 27-28; 1. Kor. 12, 10 • Singen im Geist 1. Kor. 14, 15 • Leitung (Kybernesis: Leitung im Gottesdienst) 1. Kor. 12, 28 III. Charismen des Handelns: • Diakonie Apg 6, 1-7 • Teilen Apg 3, 4-7 • Barmherzigkeit Röm 12, 8 • Glauben 1.Kor 13, 2 • Kraftwirkungen Mk 4, 35-41 • Krankenheilungen 1. Kor 12, 9; Jak 5, 11-16 • Martyrium 1. Kor 13, 3 • Leitung (prohistemi: einer Gemeinde vorstehen) 1. Kor. 5, 12 IV. Charisma der Unterscheidung: 1. Kor 12, 10; Apg 16, 18; Mt 16, 22-23 • Beispiele • Kriterien: Gal 5, 22
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1.2 Die Charismen – eine kurze Übersicht
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1. Die Charismen des Wortes
Prophetie (griech.: prophetein) ist ein Reden aus göttlicher Eingebung in Form von Weisung, Tröstung, Ermutigung. Sie kann für einen einzelnen Menschen, eine Gruppe, eine Gemeinde, ein Volk geschehen: „Wer aber prophetisch redet, der redet den Menschen zur Erbauung und zur Ermahnung und zur Tröstung.“ (1. Kor 14, 3) Prophetie ist weniger die Voraussage der Zukunft, als die Enthüllung von Verborgenem. Es ist immer die Sache der Hörer oder die Sache Gottes, die Prophetie zu bestätigen. Prophetische Worte müssen auch vom Empfänger geprüft werden. Paulus ermahnt die Thessalonicher eindringlich, alles zu prüfen und nur das Gute zu behalten (1. Thess 5,21). Biblisches Beispiel für prophetisches Reden: Die Berufung des Apostels Paulus (Apg 13, 2-3). „Als sie dem Herrn dienten und fasteten, sprach der Heilige Geist: Sondert mir Saulus und Barnabas aus zu dem Werk, zu dem ich sie berufen habe.“ Offenbarung (griech.: apokalypsis) ist eine Nebenform der Prophetie. Apokalypsis bedeutet Enthüllung, wörtlich „eine Decke wegnehmen“. Meist wird diese Form von Prophetie in bildhafter Form – als Vision, seltener als Audition (d.h. als das Hören einer Stimme) – wahrgenommen. Ein biblisches Beispiel: Die Vision des Petrus von dem Tuch mit den unreinen Tieren (Apg 10,11). Oft ereignet sich diese Form in Gebetsgottesdiensten, wenn Raum zur Stille da ist. Meist sind dabei Menschen gemeint und betroffen, die gerade anwesend sind. Siehe auch Seite 26 „Die Person im Brunnenschacht“. Seelsorge (griech.: paraklesis) ist Zuspruch und Ermahnung, wörtlich „jemanden als Helfer herbeirufen“. „Ist jemand Ermahnung gegeben, so ermahne er.“ (Röm 12, 8) In der charismatischen Seelsorge erfahren Menschen oft, dass das Wort eines Seelsorgers „den Nagel auf den Kopf trifft“ und als Lösung verstanden werden kann. Jesus sagt der Frau am Brunnen Jakobs auf den Kopf zu, was ihr Problem ist (Joh 4). Siehe auch Seite 53: das Wort von Rick Joyner „Du bist kein Fehler“. Das Wort der Erkenntnis (griech.: logos gnoseos) ist die Konkretisierung und Aktualisierung einer biblischen Wahrheit in eine gegenwärtige Situation GGE Thema Die Gaben des Heiligen Geistes
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hinein. Hört man solche Worte, die in das eigene Leben hinein wirken, ist oft deutlich, dass sich ein Wort der Erkenntnis von einem gewöhnlichen Wort unterscheidet. Die Hörer der Bergpredigt haben Jesu Worte so empfunden, dass sie sagten: „Dieser redet mit Vollmacht und nicht wie unsere Schriftgelehrten.“ (Mt 7, 29) Im Englischen sprechen wir häufig von einem „Word of Knowledge“ , das Einzelne von Gott empfangen. Ein solches „Wort der Erkenntnis“ kann einem prophetisch begabten Menschen Auskunft über nicht bekannte Tatsachen aus dem Leben anderer Menschen geben, zum Beispiel über eine spezielle Krankheit oder schwierige Lebensumstände. Auf diese Weise kann Gott direkt in das Leben von Menschen hineinsprechen, damit sie in ihrem Glauben gestärkt werden, Ermutigung oder Heilung erfahren. Das Wort der Weisheit (griech.: logos sophias) ist das lösende Wort in einer schwierigen Situation, die die verborgene Weisheit Gottes öffentlich macht. Ein Beispiel: Jesu Antwort auf die Frage nach dem Zinsgroschen und den Steuern für den Kaiser: „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist. Gebt Gott, was Gottes ist.“ (Mt 22, 15-22) Auch die Entscheidung im Apostelkonzil, ob die Heidenchristen das jüdische Gesetz halten sollen, kann man hier als Wort der Weisheit nennen (Apg 15.13-29). Die Lehre (griech.: didaskalia) ist die Gabe, Lehrinhalte so weiterzugeben, dass sie der Hörer gut versteht: Unterweisung in angemessener Form und mit didaktischem Können. Es ist eine pädagogische Begabung, die für Gott eingesetzt wird, um Verständnis für Gottes Wort und Gottes Handeln zu wecken. Als Charisma ist es eine Begabung, die jedoch nicht immer verfügbar ist. Jesus war ein exzellenter Lehrer. Seine Gleichnisse sind so einfach, dass sie schon ein Kind verstehen kann, und zugleich so tief, dass sie ein Gelehrter nicht ausschöpfen kann. Die Sprachenrede (griech.: glossolalia) bedeutet wörtlich „in Sprachen reden“ (en glosseis lalein). Die oft verwendete Übersetzung „Zungenrede“ trifft das Gemeinte nicht ganz. Jede sprachliche Äußerung geschieht ja mit Hilfe der Zunge. Bei dem griechischen Begriff der glossolalia ist dagegen ein Reden in einer dem Sprechenden nicht bekannten Sprache gemeint. Der Beginn und das Ende des Sprechens und die emotionale Höhenlage ist dabei dem Willen des Sprechenden untergeordnet. Die Sprachenrede bzw. das Sprachengebet dient zur persönlichen Auferbauung. Es ist kein ekstatisches Stammeln und keine unanständige Gabe. Man soll diese Gabe nicht überbewerten und nicht verachten, sondern dankbar annehmen und sie gebrauchen. Die Auslegung (griech.: hermeneia) der Sprachenrede bzw. des Sprachengebets ist mehr eine Interpretation als eine Übersetzung. Es ist ein
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geistgeschenktes Nachempfinden des im Geist Gesagten. Der Heilige Geist schenkt dem Auslegenden eine Empfindung über das, was im Sprachengebet ausgesprochen wurde. Die Worte drücken oft Lobpreis und Anbetung Gottes, aber auch Zuspruch und Ermahnung aus. Die Gabe der Auslegung ist mit dem Charisma der Prophetie verwandt und muss daher ebenso geprüft werden. Im persönlichen Gebrauch erleben manche die „Auslegung“ in Form einer größeren Klarheit über eine bestimmte Sache, für die gebetet wurde, oder als Überführung von bestimmten Sünden.
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Singen im Geist (siehe 1. Kor 14, 15) ist ein spontanes Singen meistens zur Verherrlichung Gottes. „Ich will mit dem Geist lobsingen, ich will aber auch mit dem Verstand lobsingen.“ Das Te Deum soll 387 n. Chr. aus einem spontanen Sprachengesang von Ambrosius und Augustinus hervorgegangen sein (Te Deum von lat.: Te Deum laudamus, dt.: Gott, wir loben dich. Die Worte sind der Anfang des so genannten „Ambrosianischen Lobgesangs“.) Das Singen im Geist wird sogar Menschen gegeben, die normalerweise nicht fähig wären, ein Lied zu komponieren oder zu singen. Leitung (griech.: kybernesis) eines Gottesdienstes ist die Fähigkeit, Entscheidungen nach göttlicher Programmierung durchzuführen. Kybernetik ist die Wissenschaft der Steuerung und der Regeltechnik. Der Leiter eines charismatischen Gottesdienstes muss erkennen, wie Gott den Gottesdienst lenkt, und entsprechend handeln. Davon ist die diakonische Leitung (griech.: prohistemi) zu unterscheiden. Siehe unten. 2. Die Charismen des Handelns
Diakonia (griech.: diakonia) ist die Gabe der Dienst- und Hilfeleistung. Sie ist auf die natürlichen Bedürfnisse des Menschen bezogen: Nahrung, Kleidung, Obdach, Versorgung bei Krankheit und im Alter sowie Arbeitsbeschaffung. Sie ist besonders auf die Bedürftigen und sozial Schwachen ausgerichtet. Das Charisma der Diakonie umschließt weiterhin Verwaltung, spontane Organisation und Hilfestellung. Solch ein Dienst geschieht meistens im Verborgenen und trägt oft mehr zum Bau des Reiches Gottes bei als andere Gaben. Das Charisma des Teilens (griech.: metadidomi) kann sich sowohl auf materiellen Besitz als auch auf Fähigkeiten beziehen. Intellektuelle und kreative Fähigkeiten, Wissen, schöpferisches Denken oder Lebenserfahrungen können ebenso an andere weitergegeben werden wie materielle Güter. Bei diesem Charisma kommt es aber besonders darauf an, dass GGE Thema Die Gaben des Heiligen Geistes
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das Teilen oder Abgeben zur rechten Zeit, an der richtigen Stelle und im rechten Maß geschieht. Hier brauchen wir die Weisheit Gottes. Falsch wäre es, seinen Besitz nach dem Gießkannenprinzip zu verteilen. Ein biblisches Beispiel für diese Gabe: Apg 3, 4-7. Barmherzigkeit (griech.: eleos) ist die Fähigkeit, sich in die Lage eines anderen zu versetzen und dessen Not von innen her mit zu tragen – und das mit einem aufrichtigen und fröhlichen Herzen: „Übt jemand Barmherzigkeit, so tue er’s gern.“ (Röm 12, 8) Wichtig ist, dass viele in einer Gemeinde diese Gabe besitzen. Barmherzige Menschen werden sonst von Hilfesuchenden oft ausgenützt. Sie dürfen nicht überlastet werden und brauchen die Weisheit und den Schutz der Gemeindeleitung. Bei vielen Menschen mit dieser Gabe besteht die Gefahr, dass sie ein Helfersyndrom entwickeln. Glaube (griech.: doron pisteos): Hier ist nicht der selig machende Glaube, sondern der Berge versetzende Glaube gemeint. Menschen mit einer solchen Gabe können manchmal Entscheidungen treffen, die anderen oft unsinnig erscheinen, weil sie viele Dinge im Glauben anders wahrnehmen. Wichtig ist dabei jedoch, dass die Liebe das Motiv ist und nicht etwa Stolz oder der Wunsch nach Anerkennung. Hat ein Mensch mit dieser Glaubensgabe unlautere Motive, schlägt der Glaube leicht in Verbohrtheit und Starrsinn um. Positive biblische Beispiele: Elia auf dem Berg Karmel (1. Kön 18);der Hauptmann von Kapernaum, der zu Jesus sagt: „Sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund“ (Mt 8,5 ff) . Kraftwirkungen (griech.: dynameis) sind Wunderwirkungen aller Art. Biblisches Beispiel: Die Stillung des Sturmes (Mk 4, 35-41). Geschichtliches Beispiel: Der Missionar Ludwig Ingwer Nommensen (1834-1918), der unter dem Volk der Batak auf Sumatra (Indonesien) gewirkt hat. Er bekam Gift zu trinken, ohne dass er davon Schaden nahm. Solche „Zeichen und Wunder“ sind kirchengeschichtlich eher besonderen Situationen zuzuordnen, wie beispielsweise in der Mission oder in Zeiten der Verfolgung. Aber auch in alltäglichen Situationen kommen Manifestationen der Kraft Gottes in Form von Wundern vor. Generell besteht dabei aber die Gefahr, dass das Wunder von der Verkündigung gelöst wird und dass um Menschen mit einer „Wundergabe“ ein Personenkult entsteht. Krankenheilungen (griech.: charismata ton hiamaton): Der Plural zeigt an, dass es verschiedene Arten von Heilungen und von Krankheiten, gibt. Es gab und gibt immer wieder Menschen, die erleben, dass Gott sie benutzt, um Menschen zu heilen, oder die im Gebet für Kranke einen
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Schwerpunkt ihres Dienstes erleben. Viele Krankheiten werden nicht sofort geheilt. Oft ist das Gebet nur der Anfang einer Entwicklung. Es gibt verschiedene Formen dieses Gebetes: Stilles Gebet für einen Kranken; Gebet einer Gruppe für einen Kranken; Dienst der Krankensalbung nach Jak 5,11-16 zusammen mit den Ältesten der Gemeinde. Dazu mehr im Kapitel 4 „Die Gabe der Heilung – das Gebet für Kranke“, Seite 72 ff
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Martyrium: „Wenn ich meinen Leib hingäbe …“ (1.Kor 13,3) Diese Gabe hat dann Überzeugungskraft, wenn die Motive rein sind. Auch der Märtyrer selbst erlebt sein Sterben oft als Gnadengeschenk. Wichtig ist, dass die Liebe zu Gott das Motiv ist. Gutes Beispiel: Dietrich Bonhoeffer und seine letzten Worte an die Mitgefangenen: „Dies ist das Ende, für mich der Anfang des Lebens.“ Diakonische Leitung – Dienst des Vorstehers (von griech.: prohistemi = vorstehen): Hier geht es darum, etwas Vorhandenes zu verwalten. Im Gegensatz zu der bereits oben erwähnten Form der Leitung (Gottesdienst), hat die Gabe der vorstehenden Leitung (Gemeinde) eher verwaltenden und organisatorischen Charakter. Beide Formen der Leitung sind wichtig, die Gabe der Gottesdienstleitung und die verwaltende und organisierende Leitung! Nur wenn beide Leitungsgaben in einem geistlichen Umfeld vorhanden sind, kann sich ein gesundes geistliches Gleichgewicht entwickeln. Sonst besteht leicht die Gefahr, dass eine Seite der Leitungsgabe zuviel Gewicht bekommt und die Gemeinde oder Gruppe aus dem Gleichgewicht fällt – entweder durch Erstarrung in Traditionen oder durch permanente Veränderung und daraus resultierender Verwirrung. 3. Das Charisma der Unterscheidung
Definition: Das Charisma der Unterscheidung (griech.: diakrisis) ist die Fähigkeit, göttliche, menschliche und antigöttliche Mächte und ihre Einflüsse voneinander zu unterscheiden. Dies ist besonders im Zusammenhang mit den Geistesgaben von großer Bedeutung. Die Gabe der Unterscheidung ist zwar selbst eine Gabe des Geistes, aber sie ist auch ein wichtiges Werkzeug, ein Arbeitsmittel im Umgang mit der Gabe der Prophetie oder des Sprachengebets. Ohne die Gabe der Unterscheidung können wir nicht ausreichend erkennen, welche Einflüsse dem prophetischen Reden oder der Sprachenrede zu Grunde liegen. Das Charisma der Unterscheidung ist eine äußerst wichtige und notwendige Gabe, die oft unterschätzt wird.
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Das Charisma der Unterscheidung in der Gemeinde:
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Die Gabe der „Geisterunterscheidung“ ist in den Gemeinden oft stillen Menschen anvertraut, die nach innen hören. Diese Gabe ist dort wichtig, wo Prophetien, Worte der Erkenntnis oder Worte der Weisheit ausgesprochen werden. Ein Mensch mit dieser Gabe sagte einmal: „Ich werde innerlich unruhig, wenn menschliche Gedanken als Prophetien ausgegeben werden oder wenn ein geschickter Kompromissvorschlag als Wort der Weisheit ausgegeben wird.“ Auch antigöttliche Mächte können sich in charismatische Aussagen einschleichen. (Vgl. H. Mühlen, „Einübung in die christliche Grunderfahrung, Band I, S. 148, 1987.) In freien Gottesdiensten, in denen die Möglichkeit besteht, spontane Eindrücke zu äußern, braucht der Leiter des Gottesdienstes diese Gabe. Sofern er sie nicht selbst ausübt, sollte er Menschen mit dieser Gabe beauftragen, wachsam zuzuhören und ihm ihre „Unruhe“ zu signalisieren. Charismen sind Dienstgaben! Entscheidend ist, dass wir erkennen, dass jedes Charisma eine Dienstgabe ist. Die Charismen sind uns für den Dienst in der Gemeinde gegeben und dürfen nicht eigenmächtig ausgeübt werden. Sie sind gegeben zum gemeinsamen Nutzen (1. Kor 12, 7) und zur gegenseitigen Erbauung (1. Kor 14, 26).
1.3 Die Liebe als höchstes Motiv – die Charismen und die Liebe Im biblischen Kontext werden die Gaben des Heiligen Geistes häufig mit der Liebe in Verbindung gebracht. Dies deutet darauf hin, dass schon die Apostel und die frühe Kirche erfahren haben, dass Charismen problematisch sind, wenn sie ohne Liebe ausgeübt werden. Am deutlichsten wird das im Hohelied der Liebe in 1. Korinther 13, 2. Hier macht Paulus deutlich, dass die Liebe über allem steht – auch über den Geistesgaben: „Und wenn ich prophetisch reden könnte und alle Geheimnisse wüsste und alle Erkenntnis hätte, wenn ich allen Glauben besäße und Berge damit versetzen könnte, hätte aber der Liebe nicht, wäre ich nichts.“ Hier folgen exemplarisch einige Bibelstellen, in denen der Zusammenhang zwischen den Charismen und der Liebe deutlich wird:
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Römer 12, 6 - 10
„Wir haben unterschiedliche Gaben, je nach der uns verliehenen Gnade. Hat einer die Gabe prophetischer Rede, dann rede er in Übereinstimmung mit dem Glauben, hat einer die Gabe des Dienens, dann diene er. Wer zum Lehren berufen ist, der tröste und ermahne. Wer gibt, der gebe ohne Hintergedanken; wer Vorsteher ist, setze sich eifrig ein; wer Barmherzigkeit übt, der tue es freudig. Eure Liebe sei ohne Heuchelei. Verabscheut das Böse, haltet fest am Guten! Seid einander in brüderlicher Liebe zugetan, übertrefft euch in gegenseitiger Achtung!“
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1. Korinther 13
„Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel redete, hätte aber der Liebe nicht, wäre ich dröhnendes Erz oder eine lärmende Pauke [...].“ (Vers 1) In diesem Kapitel macht Paulus sehr deutlich, wie die Prioritäten im Reich Gottes angesichts der Charismen gesetzt werden sollten. Die Liebe ist die höchste Gnadengabe! Die Sprachenrede, die prophetische Rede, der Berge versetzende Glaube und das Martyrium sind ohne Liebe wertlos! Der Maßstab der Liebe von Kapitel 13 gilt besonders für das, was Paulus im Kapitel 14 über die Sprachenrede und die prophetische Rede sagt! 1. Petrus 4, 8 und 10-11
„Vor allem haltet fest an der Liebe zueinander, denn die Liebe deckt viele Sünden zu. [...] Dient einander als gute Verwalter der vielfältigen Gnade Gottes, jeder mit der Gabe, die er empfangen hat. Wer redet, der rede mit den Worten, die Gott ihm gibt; wer dient, der diene aus der Kraft, die Gott verleiht.“ Epheser 4, 1-6
„Ich, der ich um des Herrn willen im Gefängnis bin, ermahne euch, ein Leben zu führen, das des Rufes würdig ist, der an euch erging. Seid demütig, friedfertig und geduldig, ertragt einander in Liebe, und bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch den Frieden, der euch zusammenhält. Ein Leib und ein Geist, wie euch durch eure Berufung auch eine gemeinsame
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Hoffnung gegeben ist, ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller, der über allem und durch alles und in allem ist.“ Epheser 4, 15:
„Wir wollen uns, von der Liebe geleitet, an die Wahrheit halten, und in allem wachsen, bis wir ihn erreicht haben. Er, Christus, ist das Haupt.“
1.4 Geistempfang oder Taufe im Heiligen Geist? Einige Anmerkungen auf der Basis von Larry Christensons Buch Komm Heiliger Geist 1 Der Begriff „mit dem Heiligen Geist getauft“ taucht in der Apostelgeschichte im Zusammenhang mit zwei Ereignissen auf: Bei der Verheißung des Pfi ngstgeschehens und der Ausgießung des Heiligen Geistes im Haus des Cornelius. Theologische Bewertung: Die Aussagen der Systematischen Theologie widersprechen sich hier sehr. Bei den Pfingstkirchen ist die Geistestaufe eine „zweite Segnung“, durch die jemand, der schon Erlösung erfahren hat, für den Dienst ausgerüstet wird. In den meisten Landes- und Freikirchen geht man allerdings davon aus, dass die Geisttaufe mit der Wassertaufe und der Erlösung identisch ist bzw. sich gleichzeitig mit ihr ereignet. Vielleicht kann man das Problem dadurch etwas entschärfen, dass man zwischen Geistempfang bei der Wassertaufe und der Geisterfüllung im weiteren Leben unterscheidet? Problem: Die „Geistestaufe“ wird weder in den Evangelien noch in der Apostelgeschichte genau defi niert. Ihre Bedeutung ist in der Apostelgeschichte zudem nicht eindeutig. Eine Systematik lässt sich hier nicht aufstellen. Obwohl der Begriff „Taufe im Geist“ im Neuen Testament vorkommt, wurde er in der Geschichte der Kirche bis zum Aufkommen der Heiligungs- und Pfingstbewegung selten verwendet. Bereits in den späteren Schriften des Neuen Testamentes taucht der Begriff nicht mehr auf. Der Evangelist Lukas, der auch der Verfasser der Apostelgeschichte ist, legt deutlich größeren Wert auf den Ausdruck „erfüllt werden mit dem Heiligen Geist“. Dies scheint dem Geschehen näher zu kommen. Exegetischer Befund: Darf man das Pfingstgeschehen (Apg 2) als ein Ereignis ansehen, das der Rechtfertigung und Wiedergeburt der Jünger diente? In Apg 1, 4-8 spricht Jesus zu den Jüngern nicht über Erlösung, 16
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sondern über die Bevollmächtigung zum Zeugnis: „Ihr aber sollt mit dem Heiligen Geist getauft werden […] und werdet meine Zeugen sein […]“ (Apg 1, 5-8). In der Beschreibung des Pfingstereignisses (Apg 2, 4) wird nicht der Begriff „getauft werden mit dem Heiligen Geist“ sondern „erfüllt werden mit dem Heiligen Geist“ gebraucht. Dieser Zurückhaltung des Evangelisten Lukas sollten wir uns anschließen und bescheidener von einem „Erfülltwerden mit dem Heiligen Geist“ sprechen. Das Wort Geistestaufe setzt bei vielen ein starkes emotionales Erlebnis voraus, was jedoch nur bei wenigen der Fall ist, zumindest im „westlichen Kulturkreis“.
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Für welchen Begriff wir uns auch entscheiden, immer hat dieses Geschehen doch eine deutliche Erfahrung der Gegenwart des Geistes zur Folge, so auch bei der Ausgießung des Heiligen Geistes, von dem in der Apostelgeschichte berichtet wird: • Die Christen beteten in Sprachen (Apg 4, 2; 10, 46; 19, 6), • sie hatten Prophetien (Apg 4, 31), • sie priesen Gott (Apg 10, 46), • sie verkündigten freimütig das Wort Gottes (Apg 4, 31: „wir können’s nicht mehr lassen von dem zu reden, was wir gesehen und gehört haben“), • sie erlebten übernatürliche Zeichen und Wunder (Apg 9, 17-18), • oder eine wunderbare Vision (Apg 7, 55). Weltweites Geschehen heute! 2
„Angesichts der weltweiten Ausbreitung und dem Zeugnis der Pfingstkirchen und der charismatischen Bewegung im 20. Jahrhundert genügt es nicht, die Frage nach der ‚Geistestaufe/Geisterfüllung’ exegetisch oder systematisch-theologisch zu beantworten. Sie muss vielmehr als eine Strategie des Heiligen Geistes ernst genommen werden. Es ist offensichtlich, dass viele Menschen eine persönliche Ausgießung des Heiligen Geistes erlebt haben und erleben. Dadurch wird in ihnen eine neue Kraft zum Leben und Dienen geweckt, die von einer wahrnehmbaren Bekundung der Gegenwart des Geistes Gottes in Form seiner charismatischen Gaben begleitet wird. Die Kirche ist aufgefordert, sich für das Wirken und die Kraft des Heiligen Geistes zu öffnen. Dazu bedarf es eines gläubigen GGE Thema Die Gaben des Heiligen Geistes
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Gehorsams gegenüber der ,Strategie des Heiligen Geistes’, nämlich der Begegnung mit Jesus, der seine Jünger mit dem Heiligen Geist erfüllt. Dabei spielt es nur eine untergeordnete Rolle, ob man – wie die evangelikale Theologie es tut – von Gott bereits Empfangenes wieder neu in Anspruch nimmt, oder mehr dem pfingstkirchlichen Standpunkt folgt, dass man von Gott Verheißenes empfängt. Entscheidend ist, dass der Heilige Geist erbeten und empfangen wird – vielleicht sogar mit einer tiefen emotionalen Erfahrung wie bei einem ,Eingetauchtwerden’ in die Kraft und Liebe Gottes. Allerdings darf die deutliche Redeweise vom Geistempfang nicht dazu führen, dass die Art und Weise des Empfangs der Gabe des Heiligen Geistes oder auch der Zeitpunkt zum allgemeinen Erfahrungsmuster wird.“
1.5 „Den Geist dämpft nicht“ – ein Wort an die Gemeinden 3 „Vieles, was uns in den charismatischen Gruppen begegnet, ist uns aus der Heiligen Schrift vertraut. Im Alten Testament wird z.B. erzählt, dass Mose und die 70 Ältesten vom Geist Gottes erfüllt waren, so dass sie in Verzückung gerieten wie Propheten (Num 11, 25). Mose legt seinem Nachfolger die Hände auf, und – erfüllt mit dem Geist der Weisheit – hat Josua Autorität in Israel (Num 27, 18). In den Psalmen finden wir häufig, dass Beter um Gottes Geist bitten (Ps 51, 13). Aber nicht alles, was sich geistlich gibt, ist geistlich. Es begegnen uns im Alten Testament auch Propheten, die falsche Träume erzählen und Gottes Volk verführen (Jer 23, 32). Der Ergriffenheit durch verschwommene Traumgesichte setzt der Prophet die Klarheit des Wortes Gottes entgegen (Jer 23, 28). Im Neuen Testament wartet der greise Simeon „auf den Trost Israels und der Heilige Geist war mit ihm“ (Lk 2, 25). Jesus sieht den Geist herabfahren und über sich kommen (Mk 1, 10). In der Kraft dieses Geistes verkündigt er in Vollmacht und tut Zeichen und Wunder (Lk 4, 18-21). Er verheißt für die Zeit nach seiner Himmelfahrt den Geist als Beistand und als Quelle missionarischer Kraft (Joh 14, 16 und 26, Apg 1, 8). Am Pfingsttag wird die versammelte Jüngerschar mit dem Heiligen Geist beschenkt, der das Wunder des Glaubens, des Zeugnisses und der Einheit wirkt (Apg 2). Wie oft Paulus sich zu den Gaben des Geistes äußert und sie rühmt, ist jedem bekannt, der den Römerbrief oder die Korintherbriefe liest. Der Apostel selbst ist immer wieder vom Geist ergriffen (2. Kor 12, 1-10), 18
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aber er erkennt auch die Gefahr, sich „der hohen Offenbarungen zu überheben“ (2. Kor 12, 7). Nur durch den Heiligen Geist kann der Glaubende bekennen: „Herr ist Jesus!“ (1. Kor 12, 3 ). Nur durch den Geist erhalten wir Gewissheit unseres Glaubens (Röm 8, 14-16). Durch denselben Geist werden die Glaubenden zusammengefügt „zu einem Leib“ (1. Kor 12, 13), in dem die verschiedenen Gnadengaben Gottes, die „Charismen“, wirksam sind „zur Auferbauung“ der Gemeinde (1. Kor 12, 26), nicht jedoch zur Selbstdarstellung des „Charismatikers“ (2. Kor 10, 12-18). In 1. Kor 11 - 14 wird ausführlich über „Geist und Gemeinde“ gesprochen; gerade hier ist deutlich, dass Gottes Gnadengaben der ganzen Gemeinde gegeben sind. Es gilt demnach, dass jede Gemeinde, wenn sie sich recht versteht, eine „charismatische Gemeinde“ ist, und dass jeder, der mit Ernst Christ sein will, als „Charismatiker“, als ein mit dem Heiligen Geist und seinen Gaben Beschenkter gelten kann. „Charismatisch“ ist – biblisch betrachtet – also nicht eine Bezeichnung für das Besondere, das Außerordentliche und Spektakuläre, sondern für das, was sich unter dem Wirken des Heiligen Geistes bei allen finden kann, die im Glauben an Christus leben.
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Das größte „Charisma“, von dem Paulus redet, ist die Liebe (1. Kor 13), in der alle Gnadengaben Gottes zusammengefasst sind. Sie ist der „bessere Weg“ (1.Kor 12, 31), der allein über die sonst der Gemeinde geschenkten Gaben hinausführt; sie ist die Gabe, die Bestand hat, wenn alles vergeht. In ihrem Bekenntnis zum Dreieinigen Gott bringt die christliche Gemeinde von Anfang an zum Ausdruck, dass es Kirche ohne Glauben an den Heiligen Geist nicht geben kann. Der eine Gott der Bibel begegnet uns als Schöpfer und Erlöser und ist als derselbe auch im Heiligen Geist in seiner Kirche am Werk: „Der Herr ist der Geist“ (2. Kor 3, 17). Erfahrungen mit dem Heiligen Geist – eine Quelle der Erneuerung
Erfahrungen mit dem Heiligen Geist sind durch die Jahrhunderte hindurch in unserer Kirche zur Quelle der Erneuerung für ganze Gemeinden wie für einzelne Christen geworden. Es ist wahr, was Martin Luther in seiner Erklärung zum Dritten Glaubensartikel sagt: „Ich glaube, dass ich nicht aus eigener Vernunft noch Kraft an Jesus Christus, meinen Herrn, glauben oder zu ihm kommen kann; sondern der Heilige Geist hat mich durch das Evangelium berufen, mit seinen Gaben erleuchtet, im rechten Glauben geheiligt und erhalten […]“. Es ist wahr, und es ist ein Wunder: durch das Evangelium redet Gott selbst zu uns und erfüllt uns mit Vertrauen auf ihn und auf sein Wort.
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Erfahrungen mit dem Heiligen Geist führen auch heute viele Menschen zur Begegnung mit der Kraft und dem Segen des auferstandenen und gegenwärtigen Christus. Sie kommen zum Glauben und rufen seinen Namen an. Sie erfahren die Kraft Jesu Christi und seine Bewahrung im täglichen Leben, sie werden dankbar für Wunder, wie sie auch in der Bibel bezeugt sind, und lernen neu, sich Gott zu überlassen in dem Vertrauen, dass er uns führt. Selbstkritische Fragen an unsere Kirche
Dies gilt auch im Blick auf unsere Landeskirche. Auch unter uns erfüllt die Hoffnung auf eine neue, fruchtbare Entfaltung des Gemeindelebens durch das Wirken des Heiligen Geistes viele Christen, Gemeinden, Gemeinschaften, Jugendgruppen und Hauskreise mit großer Zuversicht. Zugleich wird unsere Kirche durch diese Bewegung vor Fragen gestellt, denen wir zuerst selbstkritisch standhalten müssen. Sich neu bildende Gruppen weisen oftmals auf Defi zite des Bestehenden hin. Wir müssen uns fragen,
- ob wir in unseren Kirchen so erwartungsvoll und lebendig mit dem Wirken des Heiligen Geistes rechnen, wie es den Verheißungen der Bibel entspricht; - ob wir der Freude über den Ostersieg Jesu Christi als einer lebensverwandelnden Wirklichkeit hinreichend Ausdruck geben; - ob wir als Theologen ein solches Verhältnis zu den Erfahrungen des Glauben haben, dass wir sie einander offen zugestehen, freimütig darüber reden können und sie an Gottes Wort prüfen; - ob Gemeindeglieder mit ihren manchmal recht unmittelbaren Glaubenserfahrungen sich verstehen und angenommen fühlen, wenn sie von konkreten Erfahrungen, von Gebetserhörungen oder persönlicher Führung reden, oder ob das in der Kirche als peinlich empfunden wird; - ob wir mit unseren Gottesdiensten der Lebendigkeit und Vielfalt neutestamentlicher Gottesdienstgestaltung nahe kommen; - ob wir in Verkündigung und Seelsorge, in Theologie und Liturgie 20
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ernst nehmen, was die Bibel über den Segen sagt; - ob wir in unserem persönlichen und gottesdienstlichen Beten neben Bitte und Fürbitte auch Lobpreis und Anbetung Gottes Raum fi nden;
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- ob der Heilungsauftrag Jesu an seine Jünger für uns nur eine Erinnerung an eine vergangene Zeit oder eine lebendige Wirklichkeit ist; - ob die Kirche bei ihrem Planen und Gestalten allein auf Hochrechnungen und Statistiken setzt oder ob sie in allem notwendigen Planen mit Weisungen des Heiligen Geistes für ihren weiteren Weg rechnet. Erst wenn wir uns bemühen, diese Fragen an uns selbst zu stellen, haben wir auch das Recht, an andere (kritische) Fragen zu stellen.“
1.6 Gebrauch der Charismen Ein zeitgeschichtliches Dokument (1967)
„1. Die Charismen sind Gnadengaben des Herrn durch den Geist. Sie gehören zur Ebenbildlichkeit des Menschen, dass er ausgestattet sei mit schöpferischen Begabungen, die der erste Adam und wir Menschen weithin verloren haben. Insofern sind diese Gaben natürlich und übernatürlich zugleich, das heißt sie sind im Menschen ursprünglich angelegt und auch mehr oder weniger bruchstückhaft vorhanden. Um aber klarer und gottgemäßer hervorzutreten, bedarf es der lösenden und erneuernden Einwirkungen des Heiligen Geistes als des Geistes Jesu Christi. Zum Beispiel Weisheit, Erkenntnis, Glaube, Einsicht und Durchsicht, Prophetie, Rat und Ermahnung als seelsorgerliche Funktionen, Dienen, Leiten, Gebet in Sprachen, Heilungen und Austreibungen von Mächten – dies alles ist schon vor Christus im Alten Testament und zum Teil auch in anderen Religionen vorhanden gewesen und noch vorhanden. Aber die Erneuerung des Menschen durch Jesus wirkt sich auch im Bereich der Begabungen aus, genau wie im Bereich des Verhaltens Gott und Menschen gegenüber, etwa im Bereich des Gebetes und der Liebe (hier etwa als Geist der Kindschaft und der Bruderliebe).
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2. Der Gebrauch der Charismen hat ebenso einen Entwicklungs- und Reifungsprozess durchzumachen wie das Gläubigwerden und die Kindschaft und Jüngerschaft auch. Vom ersten Erlebnis des Durchbruchs an, von der Erfahrung der Vergebung und der Gotteskindschaft mit allen ihren Freuden und geistlichen Aufbrüchen bis hin zum vollkommenen Mannesalter, zur Reife des in Christus ruhenden und vollkommenen Menschen, wie Paulus sagt (Eph 4,13 und Phil 3,15), vollzieht sich ein Reifeprozess. In diesen sind auch die Charismen und ihr Gebrauch hineingenommen. Wir können vier Stufen unterscheiden, die freilich ineinander liegen und die nicht ein Werturteil bedeuten. Das heißt, die eine Erfahrungsstufe ist nicht wertvoller als die andere. Immer geht es darum, im Glauben zu stehen und im Glauben zu bleiben, welchem Christus Jesus und durch Ihn der Vater alles ist. a) Die Stufe der Kindschaft und der Gottesfamilie Hier erfahren wir die wunderbare Nähe Jesu in unsere Mitte, die Gnade des Geistes, der uns das „Abba Vater“ lehrt und die brüderliche Liebe, die uns eng und herzlich miteinander verbindet. Auf dieser Stufe offenbart sich der Herr gern ganz persönlich und ganz „intim“ seinen Jüngern. Hier redet der gute Hirte zu seinen Schafen und leitet und weidet sie. Daher geschieht hier das Charisma der ersten Erkenntnisse, weil sich Jesus offenbart durchs Wort: die Bibel erschließt sich lebendig und mannigfaltig. Hier geschieht die Gabe der Prophetie, des Zuspruchs als Tröstung, Mahnung, Verheißung. Sie geschieht sehr oft in der Ichform, das heißt der Herr redet durch den Geist persönlich zu den Seinen, einzelnen und gemeinsam. Das ist aber nur möglich, weil hier eine kleine Schar beieinander ist wie eine kleine Familie von Brüdern und Schwestern. Hier bleibt eben alles intim und intern, unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Hier kann auch das Gebet in Zungen, das an sich nur für den einzelnen und für seine persönliche Erbauung bestimmt ist, nach 1. Kor. 14 im Kreis vorkommen und geübt werden, ebenso wie die Auslegung. Auf dieser Stufe und in dieser Phase ist es wichtig, dass, wie das Gebet und der Glaube und das Lieben überhaupt, so auch die Charismen erkannt und geübt werden. Es bedarf freilich auch hier erfahrener Brüder und Schwestern. Die Versuchung, zum falschen Selbstbewusstsein zu kommen, sich etwas einzubilden, mit den Gaben sich unwillkürlich hervorzutun oder auf der anderen Seite an den Gaben der anderen herumzukritisieren, diese Versuchung muss gesehen und überwunden werden. Es muss alles einfach und einfältig bleiben, im Sinn der Kindschaft und brüderlichen Liebe zur Ehre Gottes.
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