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WIE RESILIENTER GL AUBE TR ÄUME VERWIRKLICHT

UTA SCHMIDT


Inhalt Rezensionen 9 Vorwort 13 Vorwort zur deutschen Ausgabe Einleitung

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Was steht zwischen dir und deinem Traum? 19 Eine neue Sichtweise auf Hindernisse und Krisen

Kapitel 1

Gefangene der Berufung

29

Eine Ausbildung zum Regieren Nelson Mandela, Mose, Josef Kapitel 2

Das Schlachtfeld der Gedanken Den Riesen des toxischen Denkens besiegen Les Brown

49

Kapitel 3

Vor den Toren der Hölle Die Prüfung der Beharrlichkeit Rolland und Heidi Baker

69

Kapitel 4

Die X-Factors Der Test der bedingungslosen Hingabe Loren Cunningham

93


Kapitel 5

Resilienter Glaube

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Die Prüfung inmitten von Verlust und Enttäuschung Bill Johnson Kapitel 6

Allen Widrigkeiten zum Trotz

137

Überwindung von Angst und Ablehnung Dr. Sandra Kennedy Kapitel 7

Glaube unter Beschuss

161

Zwischen Agonie und Ekstase Dr. Andrew White Kapitel 8

Das Innere der Hütte

189

Der Umgang mit den Wunden der Seele William Paul Young Kapitel 9

Verwundete Heiler

217

Die Entscheidung für Vergebung und Versöhnung Desmond Tutu Kapitel 10

Wahre Größe Entwickeln

245

Den Prozess der Transformation verstehen Glücklich bis ans Lebensende?

261

Danksagungen 267 Quellen 269


Die X-Factors

Der Schlüssel zum Zugang zum Reich Gottes ist die Beziehung, nicht die Formel, und viele Jünger konnten dieses Geheimnis nicht verstehen. Stattdessen baten sie Jesus immer wieder um ein Zeichen, damit sie glauben konnten. Als Jesus ihnen nicht gab, was sie wollten, waren viele beleidigt und nahmen Anstoß. An diesem Punkt wandten sich viele von ihm ab und folgten ihm nicht mehr. Sie wollten eine Methode, nicht das Geheimnis des Kreuzes. Sie wollten Macht, nicht die Abhängigkeit von Christus. „Das Kreuz Christi prüft unsere tiefsten Beweggründe,“ resümiert Loren in unserem Gespräch. „Unser Herz wird geläutert und gereinigt, und wir durchleben Dinge, die wir nicht durchmachen wollen. Das Kreuz ist nicht etwas, das man ‚gerne‘ trägt, aber wir gehen durch die Erfahrung des Kreuzes, damit unsere selbstsüchtigen Wege sterben, weil wir wissen, dass wir auf der anderen Seite geläutert hervorgehen. Dasselbe kann man am Beispiel von Petrus sehen. „Als Petrus mit der Realität des Kreuzes konfrontiert wurde, verleugnete er Jesus. Aber sein Herz wurde durch diese Erfahrung geläutert,“ so Loren weiter. „Nachdem Petrus Buße getan hatte und wiederhergestellt worden war, hatte er die Autorität, vor eine große Menschenmenge zu treten und Jesus als Herrn zu verkünden,“ schildert Loren. „Der Petrus, der Jesus verleugnet hatte, war nicht derselbe Petrus, der am Pfingsttag in Apostelgeschichte 2 vor die Menschenmenge trat. An jenem Tag, als die Menge die Jünger bezichtigte, betrunken zu sein, stand er auf und verkündete Jesus, ohne jegliche Menschenfurcht. Er hatte einen mächtigen Transformationsprozess durchlaufen, der ihn 111


Loren Cunningham

von seiner Unsicherheit und Selbstbezogenheit befreit hatte. Jetzt konnte er Gottes Berufung für sein Leben als Leiter, der Gottes Willen ausführt (executive) in vollem Umfang wahrnehmen. Das letzte X, so Loren, ist das exponentielle Wachstum. Es wird in demselben Bericht über das Pfingstereignis veranschaulicht. Nachdem Petrus mit Leidenschaft vor der Menge gepredigt hatte, kamen 3.000 Gläubige hinzu. Loren erklärt, dass er immer wieder beobachtet, dass Menschen und Dienste diese fünf Phasen durchlaufen. „Wenn Menschen anfangen, pionierhaft zu denken und zu handeln, entstehen neue Dienste für Gott. Aber sie müssen alle diese Phasen durchlaufen, bevor sie ein exponentielles Wachstum erleben.“ Loren hat diesen Prozess als Pionier und Leiter von Jugend mit einer Mission definitiv selbst erlebt. Nachdem er die ersten vier Phasen durchlaufen hat, erlebt der Dienst bis heute ein exponentielles Wachstum. Seit 1960 ist JMEM mit der Beteiligung von über fünf Millionen Kurzzeitfreiwilligen und 20.000 Langzeitmitarbeitern rasant gewachsen. JMEM ist heute an über 1.100 Orten in 191 Ländern der Welt tätig und entsendet kontinuierlich fünf Schiffe mit medizinischen Teams und Lebensmitteln in die ärmsten und entferntesten Länder, die mit dem Flugzeug nicht erreicht werden können. 1977 gründete Loren ein Ausbildungszentrum in Kona, Hawaii, das sich zur University of the Nations entwickelt hat, einer Universität, die in 142 Ländern angeboten wird. Sie bietet Kurse in den Bereichen medizinische Versorgung, 112


Die X-Factors

Medien, Kunst und Unterhaltung, Wirtschaft, kulturübergreifende Mission und natürlich Bibelstudien an. „Wir bilden Menschen aus, die Veränderungen bewirken können. Für uns ist Mission viel mehr als jemand, der mit einem Tropenhelm unter einem schattigen Baum sitzt und zu jemandem redet, der nicht weiß ist. Mission bedeutet für uns, Gott zu kennen und ihn in jedem Bereich der Gesellschaft bekannt zu machen - und dafür bilden wir Menschen aus,“ sagt Loren.

Gott kennenlernen Loren hat gesehen, dass seine Vision wahr geworden ist. Junge Menschen werden zu Führungskräften und verändern die Gesellschaft. Das ist das Ergebnis des Gehorsams eines Mannes gegenüber der Stimme Gottes - seiner Hingabe an die Vision, an den Ruf und die Bestimmung seines Lebens. Das hat einen Dominoeffekt, der Tausende in ihre eigene Bestimmung geführt und Millionen von Leben verändert hat. Der große Evangelist D.L. Moody sagte einmal: „Die Welt muss erst noch sehen, was Gott mit einem Menschen tun kann, der sich ihm völlig hingibt.“ In Loren Cunningham und der Geschichte von Jugend mit einer Mission haben wir ein Beispiel und bekommen einen kleinen Einblick. Trotz des exponentiellen Wachstums des Dienstes arbeitete Loren Cunningham bis an sein Lebensende 2023 im Hintergrund. Obwohl er mit höchsten Regierungsvertretern und führenden Politikern der Welt sprach und mit Königen und Königinnen befreundet war, hat er nicht 113


Loren Cunningham

zugelassen, dass seine Person in den Vordergrund gerückt und zum Symbol von JMEM wurde. „Es geht nicht um meine Person - ich möchte, dass junge Menschen befähigt werden, die Leitung zu übernehmen,“ erklärt Loren. „Und das ist es, was uns am Herzen liegt: Wir wollen, dass Menschen freigesetzt werden, um den großen Auftrag zu erfüllen, anstatt sie zu kontrollieren.“ Was er sagt, ist wahr! Lorens bemerkenswerte Bescheidenheit in Bezug auf sich selbst lässt sich auf seine erste Prüfung in der Wüste zurückführen, als er seine scheinbar leblose Frau in den Armen hielt und seine Rechte an Gott abtrat. Gott hat sein Leben reichlich gesegnet, aber diese Segnungen, so Loren, sind nicht das Wichtigste. Stattdessen konzentrierte er sich zeitlebens auf seine tiefe Freundschaft mit Gott und das Wissen um Seine Nähe. Das war sein Ort der Ruhe, der Freude und des Überflusses - nicht die Umstände in seinem Leben. „Seit dieser Zeit der intensiven Prüfung ist nichts wichtiger für mich als die Nähe Gottes. Sie ist so wichtig, weil Gott der Gott allen Trostes ist und uns in Zeiten, in denen wir überwältigt sind und schwierigen Umständen gegenüberstehen, Trost spenden will!“ erklärt Loren. „Man lernt mehr über ihn, wenn man mit ihm leidet, als in guten Zeiten! In der schrecklichen Situation, als ich meine Frau in der Wüste für tot hielt, erlebte ich die Nähe des Herrn - in dem Tal, in dem es am hoffnungslosesten schien und ich mich am einsamsten fühlte. Nach dieser Erfahrung spürte ich seine überwältigende Nähe, die mich nie verlassen hat, und ich habe gelernt, darin zu ruhen,“ schließt Loren.

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Die X-Factors

Obwohl er auch danach noch mit vielen Herausforderungen und Belastungen konfrontiert war, hat Loren gelernt, seine Gefühle unter Kontrolle zu haben, an seinem Glauben festzuhalten und sich auf Gottes Versorgung zu verlassen. „Der Hebräerbrief spricht von der Ruhe des Glaubens. Ich lebe ein Leben im Glauben, denn der Glaube kommt durch das Hören. Ich höre täglich auf den Herrn und übe mich darin, die Verbindung mit seiner Gegenwart aufzunehmen. Wenn ich gehört habe, was ich tun soll, erwarte ich, dass Gott sich zeigt. Für mich ist das der Schlüssel: hören und gehorsam sein. Das ist einfach, und wir sollten es nicht kompliziert machen.“ Loren Cunningham ist der einzige Mensch, der das Evangelium buchstäblich in jeder Nation der Erde gepredigt hat. Doch selbst im Alter von 82 Jahren, dem Zeitpunkt unseres Interviews, war er noch lange nicht bereit, sich zur Ruhe zu setzen und sich zurückzulehnen! Loren hat den Ruf Gottes gehört, sich um die 1.776 Sprachen zu kümmern, für die es noch keine Bibel gibt, um ihre ‚Bibelarmut‘ zu beseitigen. Um das zu erreichen, hat er sich zum Ziel gesetzt, das Neue Testament bis 2020 als Hörbuch in jeder dieser Sprachen zur Verfügung zu stellen. Ganze 426 dieser Sprachen gibt es in der Pazifikregion, davon 321 auf den abgelegenen Inseln rund um Indonesien, den Philippinen und Papua-Neuguinea. In dieser Region legt JMEM derzeit den Schwerpunkt seiner Arbeit. Menschlich gesehen scheint diese Aufgabe unmöglich, aber bei Gott sind alle Dinge möglich.³² Nach Lorens Tod 2023 im Alter von 88 Jahren hat sich nichts an der Vision geändert. Junge Leiter haben die Aufgaben übernommen 115


Loren Cunningham

und führen den Auftrag weiter. Die Vision Lorens schlägt weiterhin Wellen in allen Ländern der Erde über seinen Tod hinaus. Lorens‘ Gehorsam hat einen Dominoeffekt von unermesslichem Ausmaß. Genau das kann Gott auch mit deinem Gehorsam tun. Wenn du Gottes Stimme hörst, kannst du darauf vertrauen, dass er einen Weg bahnen wird und dass sein Auftrag immer eine erfüllbare Mission ist: a Mission Possible!

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5 RESILIENTER GLAUBE DIE PRÜFUNG INMITTEN VON VERLUST UND ENTTÄUSCHUNG Das meiste, was man im Leben braucht, wird einem gegeben, aber das meiste, was man will, muss man sich selbst holen. Die Erfüllung deiner Berufung wird dir nicht auf einem Silbertablett serviert. Es ist ein Kampf, der durchgestanden werden muss: einer der Beharrlichkeit, einer der Standhaftigkeit, einer des Fleißes. Und man muss lernen, wie man mit Verlust und Niederlage umgeht und inmitten von Verwirrung und Schmerz Kraft und Mut schöpft. Bill Johnson Es war im August 2003. Bill Johnson und Randy Clark leiteten eine Heilungskonferenz in Brasilien. Das Leben vieler Menschen wurde verändert, die Gegenwart Gottes war spürbar und die Zeugnisse wunderbarer Heilungen häuften sich jeden Tag. Erst am Abend zuvor hatten sie erlebt, 117


Bill Johnson

wie vor ihren Augen bösartige Geschwüre schrumpften und Menschen Heilung von Tumoren erlebten, und die Hoffnung, dass Gottes Gegenwart die Lebensumstände der Menschen verändern würde, hatte sich in einen begeisternden Glauben verwandelt. Das Handy klingelte, als Bill und Randy gerade dabei waren, die Zeugnisse der Menschen vom Vortag durchzugehen. Bill sah, dass es ein Anruf von zu Hause kam. „Ich gehe mal schnell ran“, sagte er. „Wie ist Papas OP verlaufen?“ fragte Bill seine Frau Beni. Sein Vater musste sich einer kleinen Gallenblasen-OP unterziehen. Obwohl es nur ein Routineeingriff war, wollte er unbedingt wissen, ob alles gut gegangen war Seine Familie war für ihn immer der größte Schatz in seinem Leben gewesen, den er mit großer Dankbarkeit und Sorgfalt beschützte. Was er als Nächstes hörte, stürzte ihn jedoch in eine der bis dahin schwierigsten Phasen seines Lebens und konfrontierte ihn mit vielen Fragen und einem großen Widerspruch. Es würde das, was er über Gott, seine Berufung und die Vision in seinem Herzen glaubte, auf die Probe stellen und in der Feuerglut testen. „Sie haben Krebs gefunden?“ fragte Bill fassungslos. „Ja, Bauchspeicheldrüsenkrebs“, antwortete Beni. „Die Prognose sieht nicht gut aus. Sie geben ihm nicht mehr viel Zeit.“ Bill versuchte zu verarbeiten, was er gerade gehört hatte. Ermutigt von den Wundern, die er in den vergangenen Tagen gesehen hatte, antwortete er: „Wir werden uns dem 118


Resilienter Glaube

nicht beugen. Das ist nicht das Werk Gottes, und wir werden für die Heilung kämpfen, wie wir es immer tun.“ Nur wenige Monate zuvor hatte Bill die Aufgabe übernommen, spezifisch für Krebskranke und eine krebsfreie Zone in der Bethel-Church und der umliegenden Region in Nordkalifornien zu beten. Dies war kein Akt der Anmaßung, sondern eine tiefe Überzeugung aus der Heiligen Schrift, dass Gott gut ist und seine Güte sich in der Heilung aller Krankheiten widerspiegelt (Psalm 103,1). Er ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit, und die Tatsache, dass er der Heiler, der Arzt ist, ändert sich nicht. Diese Überzeugung war in den vergangenen Jahren zu einem grundlegenden Eckpfeiler seines Glaubens geworden, und Bill sah, wie Gott auf wunderbare Weise wirkte, während immer mehr Menschen von unheilbaren Krankheiten geheilt wurden. Noch wichtiger war, dass es sein Vater war, der ihm diese Wahrheiten aus der Heiligen Schrift gelehrt und das Fundament für das Wirken Gottes gelegt hatte, das Bethel als Glaubensgemeinschaft erlebt. Als er die Nachricht von der Diagnose seines Vaters hörte, nahm Bill den nächsten Flug nach Hause, um bei seiner Familie zu sein. Dann tat er das, was er am besten konnte: Er betete, sprach Gottes Verheißungen über Heilung aus, verbrachte viel Zeit in Lobpreis und Anbetung, kümmerte sich um seinen Vater auf ganz praktische Art und Weise und glaubte zusammen mit vielen anderen Gläubigen im ganzen Land an einen Durchbruch. In unserem Interview erklärte Bill: „Mein Vater war für seine Weisheit, seine Größe und seinen Charakter bekannt. Er hat viele junge Männer und Frauen in ihre Berufung freigesetzt, an die 119


Bill Johnson

sonst niemand glauben wollte, weil sie anders waren und nicht der Norm entsprachen. So schlossen sich uns zahlreiche Menschen an, die für Heilung für meinen Vater beteten.“

Den Kurs halten Andere Leute warnten Bill, er solle sich nicht allzu große Hoffnungen machen. Sie ermahnten ihn, angesichts der Diagnose realistisch zu sein. Aber Bill ließ sich nicht von seiner Überzeugung abbringen, dass Gottes Verheißung der Heilung in vollem Umfang Realität werden würde. Tag und Nacht betete Bill für seinen Vater und wandte jedes ihm bekannte Heilungsprinzip an. Doch trotz all dieser Gebete verschlechterte sich Earl Johnsons Zustand rapide. Bald sah er hager und verfallen aus und die körperlichen Anzeichen von Krebs, der seinen Körper zerfraß, wurden mit jedem Tag markanter. Innerhalb kürzester Zeit sah Earl Johnson aus, als sei er um zwanzig Jahre gealtert. Sein Körper bestand nur noch aus Haut und Knochen. Während all dieser körperlichen Veränderungen ließ sich Earl Johnson jedoch nicht vom äußeren Anschein ablenken. „Uns allen fiel auf, dass er es vermied, in den Spiegel zu schauen und dem Verfall seines Körpers Aufmerksamkeit zu schenken. Selbst wenn er zur Toilette ging und sich die Hände wusch, sah er nicht vom Waschbecken zum Spiegel auf. Er war fest entschlossen, nicht auf das Problem zu schauen, sondern sich auf die Verheißungen Gottes zu konzentrieren,“ erinnert sich Bill. 120


Resilienter Glaube

Aber der Krebs war hartnäckig, egal wie sehr sie mit Gebet, Fasten und Anbetung kämpften. Bill, seine Familie und Freunde hatten bei so vielen Menschen miterlebt, wie sie von Krebs geheilt wurden, doch ausgerechnet in ihrer Mitte wollte sich die Krankheit nicht beugen. Es war ein anstrengender, erbitterter, höllischer Kampf. Und am Ende hatten sie allem Anschein nach verloren:Vier Monate nach Earl Johnsons Diagnose verstarb er.

Der Umgang mit Enttäuschungen Dies war eine der größten Enttäuschungen und Verluste, die Bill bis dahin hinnehmen musste. „Mein Vater war eine wunderbarer Leiter Er hatte so viel Weisheit, so viel Erfahrung und war ein Mann wahrer Größe,“ erklärt Bill. „Er war auch mein bester Freund, die größte Quelle der Ermutigung in meinem Leben. Es war einer der größten persönlichen Verluste, einen wunderbaren Vater zu verlieren und ein extremer Verlust für die Gemeinde. Es war sehr wichtig, diesen Verlust auf die richtige Weise zu verarbeiten,“ berichtet Bill. Bill erkannte, wie wichtig es war, mit dem Widerspruch der scheinbaren Niederlage in diesem Kampf gegen den Krebs umzugehen. Wie würde er den Widerspruch auflösen zwischen dem Krebstod seines Vaters und seinem festen Glauben an die Heilungskraft und Güte Gottes? Wie würde er den Verlust verarbeiten? Wie würde er mit Trauer, Schmerz und Enttäuschung umgehen? „Wenn etwas Unerwartetes passiert, schleicht sich immer dieses Gefühl des Rückschlags, des Versagens oder der 121


Bill Johnson

Enttäuschung ein, aber ich muss mich dem nicht beugen“, sagt Bill. „Es gibt immer eine Wahl. Es ist, als stünden zwei Teller mit Essen vor mir. Ich muss nicht das verdorbene Essen wählen. Ich kann mich dafür entscheiden, mich an dem zu stärken, was Gott tut, und nicht an dem, was er nicht tut. Das war für uns über die Jahre hinweg ein rettender Anker, besonders wenn wir mit großen Enttäuschungen konfrontiert waren.“ Bill gibt offen zu, dass es viele Dinge gibt, die er nicht erklären kann, und er versucht auch nicht, dies zu tun. Er belässt diese Themen in einem Bereich, den er als Geheimnis bezeichnet. „Was ich zumindest teilweise verstehe, ist Gottes Güte,“ sagt Bill. „Ich sehe, was er tut, und ich kann von diesem Teller essen. Wenn ich mich von Enttäuschungen nähre, werde ich an Gott Anstoß nehmen, aber das kann ich mir nicht leisten. Ich kann es mir nicht leisten, Unglauben zuzulassen und damit unbeabsichtigt Gottes Absichten zu behindern. Wenn ich anfange, mich mit Dingen zu beschäftigen, für die es keine Antwort gibt, dann öffne ich die Tür dafür, Anstoß zu nehmen.“ Das ist ein Grund, warum die Bethel Church so großen Wert auf Zeugnisse legt. Es vergeht kein Sonntagsgottesdienst, in dem nicht ein Zeugnis erzählt wird. Und es vergeht kein Tag, an dem Bill nicht nach neuen Zeugnissen sucht. „Wenn ich von jemandem höre, der etwas Wunderbares zu erzählen hat, was Gott getan hat, dann ergreife ich es. Ich muss mich von dem nähren, was Gott tut, denn ich weiß, dass ich schwach bin. Ich bin nur zehn Minuten von einer Depression entfernt, wenn ich zulasse, dass ich mich in die Spirale der Probleme und Widersprüche bege122


Resilienter Glaube

be. Ich schließe negative Stimmen absichtlich aus und umgebe mich mit Geschichten über Gottes Güte, um meinen Glauben zu stärken“, erklärt Bill.

Zwei widersprüchliche Realitäten Eine häufige, aber fatale Deutung vieler Christen ist, dass Tragödien und Krisen Ausdruck von Gottes Wille seien. Weil in der Heiligen Schrift auch von Leid die Rede ist, glauben viele, dass Krankheiten Teil dieses Leidens sind, zu dem wir berufen sind (und daher von Gott geschickt sein müssen). Bill Johnson ist überzeugt, dass dies ein tragischer Irrtum ist. „Leid in der Heiligen Schrift bedeutet, zwischen zwei widersprüchlichen Realitäten zu leben: Der Wahrheit von Gottes Verheißung und dem Widerspruch der tatsächlichen Erfahrung. Das Kreuz zu tragen ist nicht zu verwechseln mit dem Leiden an Krankheiten. Vielmehr bedeutet es, zwischen diesen beiden widersprüchlichen Realitäten zu leben und dennoch auf Gott zu vertrauen,“ erklärt Bill. Der Blick auf Gottes Güte ist notwendig, um die Wahrheit, die über die gegenwärtige Realität hinausgeht, nicht aus den Augen zu verlieren. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir den Schmerz verdrängen oder unbeantwortete Fragen ignorieren sollten. Es ist wichtig, auf die richtige Weise zu trauern und den Verlust zu verarbeiten. Für Bill bedeutet gesunde Trauer, dass er keine Antwort auf die Frage verlangt, warum sein Vater gestorben ist und warum er nicht die in Gottes Wort verheißene Heilung erlebt hat.

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Bill Johnson

Gesunde Trauer „Ich freue mich, wenn Gott mir Klarheit über etwas gibt, aber ich werde ihn nicht erpressen und eine Antwort fordern,“ betont Bill. „Wir haben gemeinsam als Familie getrauert. Trauern ist sehr wichtig, in einem gesunden Maß. Wenn sie jedoch ungesund wird und die Oberhand gewinnt, kann die Trauer zu Unglauben führen,“ erklärt Bill. In Markus 16 trauerten die Jünger über den Tod Jesu, und sie waren so sehr in ihrer Trauer gefangen, dass sie einem glaubwürdigen Zeugen nicht glaubten, der berichtete, dass Jesus auferstanden war. Sie glaubten den Frauen nicht, die sagten, er sei von den Toten auferstanden. Sie glaubten nicht den Jüngern, die mit ihm auf dem Weg nach Emmaus gingen. Ihre tiefe Trauer hinderte sie daran, zu glauben. „Trauer ist also in gewissem Maße gesund, aber wenn sie dazu führt, dass man Gottes Wesen, seinen Bund und seine Verheißung in Frage stellt, führt Trauer in eine Sackgasse. Ich kann es mir nicht leisten, das zu tun. Das Loch, in das man fällt, ist zu tief, und es ist zu schwer, wieder herauszukriechen,“ sagt Bill. Es ist wichtig zu wissen, dass der Trauerprozess bei jedem Menschen anders aussieht. Es gibt kein Patentrezept. Es ist jedoch wichtig, nicht nach Antworten zu suchen, wenn es keine gibt. „Schmerz braucht keine Antwort, Schmerz braucht eine Begegnung mit Gott. Ich gebe keine Antworten, ich bin einfach da und weine mit denen, die weinen,“ erklärt Bill.

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Resilienter Glaube

Bill trauerte gemeinsam mit seiner Familie, aber er durchlief auch einen persönlichen Trauerprozess. „Der beste Weg für mich ist, zusammen mit Gott zu trauern. Ich trete vor Gott und bin wirklich ehrlich, aber ich klage ihn nicht an. Ich sage: „Gott, das tut so weh, ich hatte wirklich gedacht, dass die Dinge anders verlaufen würden. Es fühlt sich an, als hättest du dein Versprechen gebrochen. Ich weiß, dass das nicht möglich ist, weil es gegen dein Wesen und deinen Charakter verstößt. Das ist mir klar. Aber es fühlt sich trotzdem so an. Deshalb brauche ich dich, dass du mein zerbrochenes Herz heilst. Du musst mich berühren. Ich verlange keine Erklärungen. Wenn du mir eine Erklärung geben willst, würde ich mich freuen, denn ich möchte die Dinge gern verstehen. Aber ich brauche sie nicht, um dir zu vertrauen. So sieht mein Prozess aus“, erklärt Bill.

Grundsätze zum Sieg Wenn Bill mit Enttäuschungen und Widersprüchen konfrontiert wird, wendet er sich als erstes an das Wort Gottes. „Das ist meine automatische Reaktion,“ erzählt Bill. „Ich wende mich dem Wort Gottes zu, besonders wenn ich Schmerzhaftes erlebe. Normalerweise lese ich in den Psalmen, bis ich meine eigene Stimme in den Psalmen wiederfinde. Wenn ich den Ruf meines Herzens in einem Psalm höre, dann weiß ich, dass ich ein Zuhause gefunden habe, und ich bleibe dort. Ich bete ihn, ich singe ihn, ich sinne darüber nach, ich nähre meine Seele damit.“ Dies ist jedoch ein Prozess und nichts, was von heute auf morgen funktioniert. „Ich hatte in meinem Leben 125


Bill Johnson

Situationen, in denen Gott mich berührte und zu mir sprach, aber eine Stunde später war ich wieder beunruhigt. Ich ging zurück und las, bis er wieder zu mir sprach, und eine Stunde später tat ich dasselbe wieder, und wieder eine Stunde später. Man muss es so oft tun, bis es schließlich so sehr ein Teil von dir wird, dass du in der Lage bist, von dem zu leben, was er dir gegeben hat,“ berichtet Bill. Manchmal ist der Schmerz jedoch so laut, die Seele so aufgewühlt und das Herz so unruhig, dass es schwierig sein kann, still zu werden und Gottes Stimme zu hören. In solchen Situationen muss man immer wieder in sich gehen, um diesen Ort des Friedens zu finden. „Manchmal ist das schwer,“ gibt Bill zu. „Aber ich weiß auch aus Erfahrung, dass es mir Leben bringt, wenn ich Seine Stimme höre – Sein Reden ist mir wichtiger als alle anderen Stimmen. Wenn es mir schwerfällt, zu lesen, lese ich vielleicht laut, oder ich gehe im Raum umher und lese.“ Für Bill ist das Lesen manchmal nicht ausreichend. Er fährt fort: „Wenn ich eine halbe Stunde gelesen habe und mich an nichts mehr erinnern kann, weil ich so abgelenkt bin, mache ich einfach eine Pause und beginne mit Anbetung.“ Lobpreis und Anbetung bringen Bill auf eine ganz andere Ebene, aber nicht irgendeine Art von Anbetung. „Ich bete ihn speziell in Bereichen an, die scheinbar im Widerspruch zu dem stehen, was ich gerade erlebe. Wenn ich vor finanziellen Herausforderungen stehe, dann ehre ich ihn dafür, dass er großzügig ist, dass er für mich sorgt. Wenn jemand gestorben ist, für den wir für Heilung gebetet haben, preise ich ihn dafür, dass er der Heiler ist. Ich widersetze mich dem, was mich beunruhigt und in meinen 126


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