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DER SET

ZURÜCK ZUM HERZEN DER ANBETUNG UND EINEM LEBEN IN ECHTER HINGABE

Widmung

Für meine Kinder Rebekah, Levi, Faith, Claire und Joseph. Möge jeder von euch diesen Auftrag weiterführen und in Liebe für den Herrn brennen. Ich wünsche mir, dass ihr Seinen Namen in die Welt tragt und euer Eifer für die Reinheit der Anbetung noch größer ist als meiner. Ich liebe euch sehr.

Für meine Frau Katie. Deine Liebe und Freundschaft hat mich gereinigt, geläutert und geschliffen und zu dem Mann gemacht, der ich heute bin. Dieses Buch würde ohne dich nicht existieren. Ich liebe dich.

Für meine Mom Deborah und meinen Dad Edwin. Ihr habt in meinem Leben ein starkes und schönes Fundament der Reinheit und Anbetung geschaffen. Ich bin sehr froh darüber, dass wir gemeinsam über diesem Buch gesessen sind und geschwitzt haben und ans Ziel gekommen sind. Danke.

Für meine Leiter und Freunde, Alan und Kathryn Scott. Euer Leben in Heiligkeit und Weisheit hat mein Leben verändert. Ohne eure Mitarbeit und Aufsicht wäre dieses Buch viel dünner und blasser ausgefallen. Danke.

Für meine Freunde und Mitarbeiter, Jen Miskov und Kieran De la Harpe. Ihr wart mehr als nur Lektoren; ihr wart auch Mitwirkende und Mitgestalter. Für euren liebevollen Einsatz bin ich euch sehr dankbar! Danke.

Für meine Freunde und brasilianischen Brüder, Cristiano Rede und Mateus Mainhard. Danke für all die Mühe, die ihr euch bei der Verwaltung, der Bearbeitung und Niederschrift dieses Buches gemacht habt, sowie für eure prophetische Ermutigung während seiner Entstehung. Nun ist es endlich fertig! Danke.

Vorwort

Was du in Händen hältst, ist mehr als ein Buch, es ist ein Manifest, ein überfälliger Ruf nach einem Reset der Anbetung und ihrer Wiederherstellung.

Nie war ein solches Manifest, ein solcher Ruf nötiger als heute. Dies sind die Tage, in denen Gott den Zustand Seiner Gemeinde betrauert. Die Bühne hat sich des Altars bemächtigt, das Feiern ersetzt die Reue und Habgier kann sich ungehindert ausbreiten. Zerrissene Jeans sind wichtiger als zerrissene Herzen, Management wichtiger als Verbindlichkeit und irdische Ehre wichtiger als geistliche Skrupel.

Eine seit langem prophezeite Reformation ist im Kommen und muss kommen. Im Bewusstsein, dass Gericht über den Völkern liegt, werden sich weltweit immer mehr Menschen dem Herrn von ganzem Herzen weihen, ihn erhöhen und seinen Namen verherrlichen.

Dieses Buch ist nichts für Zartbesaitete. Es ist eine eiskalte Dusche. Jeremy schreibt so, wie er anbetet; talentiert und eifernd, ehrfürchtig und feurig, intensiv und demütig. Er ist vorbehaltlos und lautstark, herausfordernd und

dennoch einladend. Sein Stift dient als heilsames Schwert, das betrügerische Gefühle und Rivalitäten um die Herrlichkeit Gottes wegschneidet. Wortgewandt, prägnant und leidenschaftlich erinnert er uns an die Konsekration, die unseren Gottesdiensten Gewicht verleiht, und die Selbstaufgabe, durch die unsere Lieder an Kraft gewinnen. Er schreibt mit dem Einblick, der Demut und der Passion eines Menschen, der die Erwartung des Reiches Gottes in seinem tiefsten Innersten trägt.

Obwohl dieses Buch vom Reset handelt, ist es nicht aus einer Ernüchterung oder Enttäuschung heraus entstanden. Es ist heilige Seelenqual; eine hausgemachte Sehnsucht, die sich über die Seiten ergießt, ein Wehklagen darüber, dass etwas Kostbares und Wesentliches verlorengegangen ist.

Denn es ist verlorengegangen. Wir haben das Verborgene gegen die Öffentlichkeit eingetauscht, unser Geburtsrecht gegen eine Marke. Der Worshipsound hat die Wunde des Bundes abgelöst. Wir bringen mehr zum Ausdruck als wir tatsächlich empfinden. Wir erklären, dass wir Gott unser Herz geben, aber was er bekommt, ist unsere Tagesordnung. Wir sind gebrochen und bankrott, aber zu stolz, um es zuzugeben.

Wir haben zwar etwas ganz Entscheidendes verloren, aber noch nicht alles.

Und genau das ist das Schöne an „Der Reset“. Hoffnungsvoll ruft uns Jeremy dazu auf, unser Seelenleben, unseren Dienst und unsere Strukturen neu zu ordnen.

Er erschüttert einige unserer Prioritäten und Praktiken und gießt weiteres Öl ins Feuer, indem er eine Reformation der Anbetung fordert.

Der Worship-Reset stößt die gegenwärtige Lobpreispraxis um. Er stellt zwar eine Beleidigung für die Worship-“Industrie“ dar, erfolgt aber zur Freude aller, die den Bund über den Kommerz stellen. Er wirft alles hinaus, was nicht mit dem Herzen des Vaters konform geht. Er bewirkt, dass sich die Anbetung nicht mehr auf die Horizontale, sondern auf die Vertikale konzentriert. Keine Bühne für den Menschen, kein Bemühen um Popularität, kein Promotion-Götze mehr. Kein Dienst mehr, der dafür benutzt wird, um reich zu werden, um wichtig zu erscheinen, um mehr gesehen zu werden. Niemand mehr, der für die Erfüllung eigener Träume ausgebeutet wird. Die Armen werden nicht mehr ignoriert und die Freundschaft der Mächtigen nicht mehr gesucht. Die Reinigung des Tempels ist nötiger denn je.

Die Vorstellung, dass Jesus beeindruckt wäre von dem, was wir konstruiert haben, um ihn berühmt zu machen, oder dass er unser Anbetungsmuster unangetastet ließe, ist eitel. Wir sind viel zu feige, um den Tempel selber abzureißen, viel zu ängstlich, um den Exzessen entgegenzutreten. Wir sind nicht im Stande, Dinge niederzureißen, die der Heilige Geist nicht haben möchte, weil sie Machwerke für unsere eigene Wichtigkeit sind, geboren aus unserem Ego anstatt aus dem Heiligen Geist.

Die Reinigung unserer modernen Tempel hat begonnen und wird an Tempo zunehmen. Gott lässt eine neue Generation von Anbetern heranwachsen, die sich mehr auf den Bau eines Altars konzentrieren als auf den Umbau ihrer

eigenen Welt. Sie haben ihr Herz der einen Liebe versprochen. Sie können und wollen es nicht anders. Sie sind die Unnachgiebigen ... mit dem fruchtbaren Boden der Gottergebenheit. Und dies ist ihre Zeit.

Ich bin dankbar für Jeremys Überzeugung und seinen Mut, die Sache anzuführen. Dieses Buch ist ergreifend und voller Schlagkraft, seelsorgerlich und prophetisch. Möge es zu einer kompromisslosen, schamfreien, unverfälschten Anbetung in der Welt führen. Möge der Herr es dazu benutzen, dass alle, die abgedriftet sind, unruhig werden, dass alle, deren Herz kalt geworden ist, neu entzündet werden, und alle, die da hungern und dürsten, Erweckung erleben.

Einführung

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ch schreibe dieses Buch als durchbohrter Mensch. Dies ist nicht das Buch, zu dem ich inspiriert wurde. Dies ist das Buch, das ich schreiben musste. Ich schreibe es mitten in meinem eigenen „Reset“ und meiner vorbehaltlosen Rückkehr zum Herrn. Der Herr befahl Jesaja:

„Ruf aus voller Kehle! Rufe so laut du kannst. Lass deine Stimme schallen wie ein SchofarHorn und halte meinem Volk seine Vergehen vor...“ (Jesaja 58,1)

Ich weiß, es gibt Momente, in denen wir Leiter uns zurückhalten müssen, aber es gibt auch Momente, in denen wir uns nicht zurückhalten dürfen. Was mich betrifft, so gilt für dieses Buch Letzteres.

Ich glaube, dass es in der Geschichte noch nie einen Moment gab, in dem die Versuchung, aus den verkehrtesten Gründen Lobpreisleiter zu werden, größer war, als heute, und nie einen Moment, in dem diese kostbare Sache, die wir Lobpreis nennen, stärker umgeben und infiziert war von der Verlockung, persönliche Ehre, Ruhm, Vergötterung, Schmeichelei, Geld, Selbstbestätigung und irdischen Lohn aus ihr zu ziehen.

Dies machte mir viel Kummer und brachte mich fast zur Verzweiflung, vor allem weil auch meine Seele dieser Versuchung erlag.

Aber eine Hoffnung gibt mir neuen Halt, nämlich dass es gleichzeitig auch keine bessere Zeit für die wahre, reine und unbefleckte Anbetung auf der Erde gibt als jetzt. Ich kann spüren, wie sie hinter verschlossenen Türen zunimmt. Gott holt sich jene, die saubere Hände und ein reines Herz haben. Wenn das Unechte sich ausbreitet, tritt das Echte umso deutlicher, wertvoller und mächtiger hervor. Nur das, was aus Liebe und nur aus Liebe geschieht, ist rein. Wir werden feststellen, dass alles andere nur Krach vor Seinem Thron ist – und alle sonstigen Beweggründe und Abläufe Gott nicht genügen.

Ich habe dieses Buch geschrieben, weil ich glaube, dass die Worship-Bewegung und deren Leitung vor einer Entscheidung steht, einer Entscheidung, die rasch und entschlossen gefällt werden muss. Wir befinden uns mitten in einer der größten Anbetungs-Erweckungen in der Geschichte. Aber die Frage ist: Wie gehen wir damit um? Wie reagieren wir auf den mächtigen Atem Gottes, der seine Braut erweckt, damit sie wieder mit Staunen anbetet? Vergeuden wir diesen Moment? Benutzen wir ihn lediglich dazu, um an unserer professionellen Songwriter- und LobpreisleiterKarriere zu basteln, während wir in einer christlichen Blase stecken und vom Podest unseres neu gefundenen „Promi“Status herabschauen?

Ich würde gerne wissen, wie viele von uns mitmachen, weil sie Profis sein wollen, und wie viele von uns die Regeln für einen seichten, auf Performance ausgerichteten

Lobpreisabend besser kennen als die Gegenwart Gottes. Wird irgendeiner von uns aus dieser Sache jemals wieder herauskommen? Und ich meine wirklich herauskommen! Steig aus. Lass es sein. Trenn‘ dich davon. Werden wir die christliche Musikmacherei beenden? Werden wir aufhören, blindlings den aktuellen kirchlichen Trends zu folgen? Werden wir aufhören, Lieder für die vermeintlichen Bedürfnisse und Wünsche unserer christlichen Nische zu schreiben, in der Hoffnung, einen Hit im Radio zu landen und auf diese Weise viel Geld zu verdienen? Werden wir uns jemals wieder um prophetische Schärfe in unserem Songwriting und in unserer Anbetungsleitung bemühen? Werden wir jemals Abstand nehmen von all der Reguliererei und nach der wahren Kraft und Vollmacht des Heiligen Geistes auf unserem Leben rufen?

Meine Freunde, ich bin ebenso von vielen dieser Fallstricke verleitet, gesichtet, gefangen und geblendet worden.

Ich verurteile nicht, ich bitte nur inständig darum, dass wir die souveräne Hand Gottes erkennen, die sich in dieser Stunde bewegt, und in Furcht und Zittern unser Leben neu weihen – unsere Begabung, Bühne und Gunst – um eine noch größere Erweckung und Freisetzung seiner Herrlichkeit auf Erden zu erleben. Werden wir unser Leben wieder komplett hingeben? Werden wir ernstlich Buße tun und zu der Reinheit zurückkehren, in der wir begonnen haben? Werden wir uns von dem irdischen und törichten Ehrgeiz abwenden, der zur Zeit grassiert und sich als Spiritualität tarnt?

Werden wir auf sein Wirken antworten, indem wir das Haus aufräumen und die inneren Kammern unseres eigenen

Tempels von allem befreien, was unsere erste Liebe beschädigt und verunreinigt?

Ich muss dazu aufrufen. Unser Leben und unser Dienst muss sich wieder an den Maßstäben der Heiligen Schrift orientieren, anstatt an der aktuellen „Anbetungs“-Kultur, die die Verderbtheit zur Regel gemacht hat. Wenn wir nicht die Bibel, sondern lieber das Umfeld bestimmen lassen - und nur nachahmen, was in Gemeinden und Worshipgrupen, bei Lobpreisleitern, Songwritern, Musikern und den Labels mittlerweile gängige Praxis ist – dann ist die Gefahr groß, dass wir genau das, was Jesus verherrlichen soll, verspotten und zu einem Götzen machen. In vielerlei Hinsicht haben wir das bereits, und das sollte uns nicht wenig bekümmern. Matt Redman hat es einmal treffend ausgedrückt: „I’m sorry Lord for the thing I’ve made it (worship), when it’s all about You. It’s all about You Jesus.”1 Diese Wahrheit galt schon vor über zwanzig Jahren. Um wieviel mehr gilt sie heute.

Ich fühle eine Last in mir, die immer schwerer wird, und einen Schmerz für die jüngere Generation. Als Kinder lernen wir zunächst aus den scharfen Reaktionen der Eltern bzw. der „Älteren“, welche Dinge gefährlich sind. Viele von euch haben sicher schon mal Folgendes beobachtet: Man ist auf einem Treffen mit vielen jungen Familien, überall blubbern die Gespräche vor sich hin, und dann greift ein Kind voller Unschuld und Neugier nach dem Feuer. Wie ein Peitschenhieb knallt die Stimme der Eltern in den Lärm hinein: „NEIN! Nicht anfassen!“ Das Kind erstarrt augen-

1 Matt Redman, „The Heart of Worship,” 1999. Thankyou Music (PRS) (CapitolCMGPublishing.com) CCLI#: 2296522

blicklich, verwirrt und erschrocken. Seine Augen sind vor Angst weit aufgerissen und vielleicht bricht es wegen der harschen elterlichen Zurechtweisung sogar in Tränen aus. Aber auch wenn das Kind nicht völlig versteht, wird es das Feuer nie wieder auf dieselbe Weise betrachten. Es bleibt für immer geprägt von der Reaktion der Eltern.

Ich weiß, dass manche von euch meine Heftigkeit in den folgenden Kapiteln bisweilen nicht verstehen werden, aber ich spüre, dass ich alles so stehen und auf den Leser einwirken lassen muss, wie es das eben tut. Lieber riskiere ich es, missverstanden zu werden, als schweigend zuzusehen, wie ein Dienst, der mir so teuer ist, immer mehr abrutscht.

Was im medizinischen Bereich oftmals als „harte“ Behandlung erscheint, ist eigentlich nur ein Arzt, der die notwendige Gewalt anwendet, um die Heilung einer Verletzung in Gang zu setzen. Ein gebrochener Knochen, der nicht richtig verheilt ist, muss erneut gebrochen, also quasi zurückgesetzt werden, um noch einmal von vorne anfangen zu können. Andernfalls bliebe der Patient für immer verkrüppelt. Dasselbe gilt auch für den geistlichen Bereich. Da gibt es mehr als nur ein paar gebrochene Knochen, die den Dienst der Anbetung schwer verkrüppeln und deshalb zurückgesetzt werden müssen. Ein Verband mag zwar als die gnädigere Lösung erscheinen, aber Verbände heilen keine Knochenbrüche.

Ich sehne mich zutiefst danach, erleben zu dürfen, wie die Stiftshütte der Anbetung wiederhergestellt wird und das Herz der Anbetung neu zum Leben erwacht.

Ich sehne mich danach, dass die anbetende Gemeinde nicht nur zur Buße und Reform, sondern weiter zur Herrlichkeit geführt wird. Das ist der Ort, für den sie geschaffen wurde, an dem sie schön und strahlend wird. Das ist der Ort, an dem sie aufblüht und jedes gute Werk vollbringt.

Es ist die Herrlichkeit, in der sie seinem Bilde gleicht, denkt wie er und handelt wie er.

Mein größter Wunsch ist, dass Jesus dein einziges und alles verzehrendes Verlangen wird, während du dieses Buch liest. Und sollte irgendetwas dieses Verlangen schwächen oder gar damit konkurrieren wollen und irgendwo in deinem Herzen etwas anderes stärker sein, dann bete ich, dass die Lektüre dieses Buches zu einem göttlichen Reset in deinem Herzen führt. Ich bete, dass diese Reise ein neues Kapitel in deinem Leben aufschlägt, das von größerer Reinheit und Kraft gekennzeichnet ist.

Kapitel 1

Anbetung zurückfordern

Wo immer Gott im Geist und in der Wahrheit angebetet wird, ist sein Reich, regiert seine Freiheit und werden die Werke des Teufels zerstört. Lobpreis in Reinheit war schon immer eine Massenvernichtungswaffe gegen das Reich der Finsternis. Das ist der Grund, warum Satan, der eingeschworene Feind Gottes, das Lied der Erlösten und die Anbetung des Lammes mehr hasst als jeden anderen Klang auf der Welt. Als Mörder, Dieb und Zerstörer ist er wild entschlossen, die Worship-Bewegung auszulöschen, lange bevor sie überhaupt die Chance hat, zur endgültigen Reife zu gelangen. Im Gegensatz zu uns weiß er längst um ihre starke, destruktive Kraft auf sein Reich. Wir denken, wir singen bloß simple Liebeslieder für Jesus, und übersehen dabei fast die Tatsache, dass wir in solchen Momenten die Pforten der Hölle niederreißen.

Aber unser Feind ist geduldig. Und kreativ. Zur Zeit ist er äußerst erfolgreich in seiner Mission, die Reinheit der Anbetung zu zerstören. Schlimmer noch, wir lassen ihn gewähren und machen sogar bisweilen mit. Jedes Mal, wenn wir zulassen, dass sich während der Anbetung ungehemmt Götzendienst, Humanismus, Stolz, Falschheit, Ketzerei,

Starkult, Selbstsucht, Ausschweifung, Sinnenlust und viele andere Formen von Weltlichkeit und Schlechtigkeit ausbreiten können, schließen wir uns diesem destruktiven Werk an. Die Worship-Bewegung mag besser aussehen und besser klingen denn je, aber in ihrer Gesamtheit ist sie nur noch ein Schatten ihrer früheren Reinheit, Kraft und Salbung.

Die Klänge sind gewaltig, die Bühnen hell, die Persönlichkeiten strahlend und die Menschenmassen begeistert.

Aber ich höre oft nur Krach.

Ich empfinde oft nur Trauer.

Trauer über meine eigene Unwissenheit.

Trauer über all die Male, in denen ich zu diesem Lärm beitrug.

Trauer über meine eigene Rolle in dieser Sache.

Trauer über jeden Moment, in dem ich um des lieben

Friedens willen den Mund hielt.

Trauer über jeden Augenblick, in dem ich einfach der Menge folgte, obwohl sich etwas in meinem Geist regte.

In meiner Trauer erlebe ich, wie mein Herz ausruft: „Ach, wo ist der Klang der Reinheit in der Anbetung geblieben? Wo der Klang der Herzen, die frei von selbstsüchtigen Programmen und voller Entzücken für ihn sind? Wo ist jene süße, dicke Salbung? Ach, Heiliger Geist, ach wo bist du, und wo deine kostbare Gegenwart? Wo ist sie hin? Wo haben wir sie verloren? WIE sind wir nur hierher geraten?“

Aber vor allem ertappe ich mich bei der Frage: „Können wir das wieder zurückholen?“

Denn das ist die Frage: „Können wir die Reinheit dieser wundervollen Gabe, die wir Worship nennen, wieder zurückzufordern? Ist es möglich, sie den Händen des Zerstörers zu entreißen, sodass sie nicht einfach zu ihrer früheren Herrlichkeit zurückkehrt, sondern eine weit größere Herrlichkeit erlangt, als wir jemals auf Erden erlebt haben? Nämlich die Echtheit und Wahrhaftigkeit seiner Herrlichkeit? “

Ich würde das nicht schreiben, wenn ich nicht daran glauben würde.

Ein kleiner geschichtlicher Abriss

Wir leben in einer Zeit erfüllter Träume. In den vergangenen sechzig Jahren hat sich die Worship-Bewegung auf bemerkenswerte und beispiellose Weise entwickelt und ausgebreitet. Momentan gibt es mehr neue Worship-Songs, mehr Worship-Projekte, mehr Worship-Bands und mehr Worshipleiter als je zuvor in der Geschichte. Die Generation vor uns träumte von solch einer Zeit. Sie träumte von einer großen Anbetungs-Erweckung in der Gemeinde. Ihre Kirchenlandschaft sah völlig anders aus als die unsrige. Die Anbetung war so gut wie tot, eingehüllt in Religiosität und leeren Formen. Ihr fehlte das Herz, die Lebendigkeit und die Freiheit. Der Prophet A.W. Tozer sagte: „Die Anbetung war das fehlende Juwel im modernen Evangelikalismus.“ Und das entsprach der Wahrheit.2

2 A.W. Tozer in The Best of A.W. Tozer, erwähnt in Making New Discoveries (Anaheim, CA.: Insight for Living, 1996), 29. Ebenso in: A. W. Tozer; Worship: The Missing Jewel of the Evangelical Church (1971).

Die Generation vor uns träumte von einem Tag, an dem die Anbetung wieder den zentralen Platz in der Gemeinde einnimmt. Sie betete, rang und arbeitete auf dieses Ziel hin. Oh, diese Blockaden und Widerstände! Oh, der Preis, den Pioniere bezahlen müssen! Und wir glauben, wir würden verfolgt werden? Sie waren es, die akribisch zwischen Rock‘n Roll-Musik und dem „Reich des Satan“ unterscheiden mussten.

Damals wusste jeder, dass Rock‘n Roll die „Musik des Teufels“ ist. Es war ihnen beinahe unmöglich, E-Bass, EGitarre und Schlagzeug nicht als „satanisch“ zu betrachten.

Die akustische Gitarre hätte vielleicht durchgehen können, aber elektrische Gitarre und „dämonisches Reich“ voneinander zu trennen, war eine völlig andere Sache. Wir werden wohl nie erfahren, welchen Preis sie für diese langwierige, mühselige Auseinandersetzung bezahlten. Ich sage das alles mit einem gewissen ironischen Unterton, dennoch wurden hier richtige Schlachten geschlagen.

Dabei haben wir noch nicht einmal den Kleiderstil und Männer mit langen Haaren erwähnt. Das war ein weiteres Schlachtfeld. Natürlich können wir nur staunen. In unserer Zeit darf ein E-Gitarrist einfach so auf die Gemeindebühne spazieren, angetan mit Stiefeln aus Schlangenleder, Tattoos, Ringen und Halsketten, als käme er frisch von einem Rolling Stones Konzert, und keiner zuckt mit der Wimper. Das ist toll. Die Generation vor uns konnte schwerlich glauben, dass ein solcher Tag der Freiheit tatsächlich einmal anbrechen würde! Sie rang und blutete, um das Territorium einzunehmen, welches für uns mittlerweile alltägliche Realität ist. Sie kämpfte buchstäblich für unsere Freiheit. Dafür stehen wir in ihrer Schuld.

Das Witzige an der Freiheit ist, dass sie weit schwieriger zu handhaben ist als ein System mit klaren Geboten und Verboten. Ein schmaler Pfad mit festen Leitplanken ist etwas ganz anderes, als die offene Weite einer endlosen und unerforschten Wildnis. Ich für meinen Teil bin so dankbar für die Freiheit, in der wir heutzutage leben, und ich möchte auf keinen Fall, dass das Pendel jemals wieder in die Gesetzlichkeit früherer Tage zurückschwingt.

Aber eines müssen wir begreifen:

Die Generation vor uns kämpfte nicht den guten Kampf für die Freiheit, damit wir uns anhimmeln lassen, Hits schreiben, um den Globus touren und wie die Reichen und Promis leben. Nein. Ich bin sicher, das hatte sie nicht im Sinn.

Sie kämpfte für diese Freiheit, damit wir das Alabastergefäß zerbrechen können, damit wir das Duftöl unserer Liebe und Verehrung über Jesus ausgießen und es auf ebenjene musikalische, körperliche, emotionale und künstlerische Weise tun können, die uns auf dem Herzen brennt. Schamfrei und ungehindert.

Und genau das müssen wir wieder zurückfordern. Ich bin überzeugt, dass die Generation vor uns wusste, was auf dem Spiel stand. Sie kämpfte nicht einfach für die Freiheit ihres eigenen künstlerischen Ausdrucks; sie kämpfte für eine zukünftige Generation. Hätte sie beschlossen, den Lobpreis zu belassen, wie er war, nämlich religiös durchdrungen und in Ketten, und hätte sie die Schlacht nicht für uns geschlagen, dann wäre eine ganze Leitergeneration mitsamt ihrer Berufung und Aufgabe zu einer Totgeburt geworden.

Ich bin überzeugt, dass ich einer dieser totgeborenen Leiter gewesen wäre, höchstwahrscheinlich damit beschäftigt, irgendwo in New Jersey eine erfolgreiche Anwaltskanzlei aufzubauen, ohne mir bewusst zu sein, dass der Lobpreis auf meinem Leben liegt. Ohne Pioniere wie Randy Stonehill, Larry Norman, Keith Green, meine Eltern und später Wegbereiter wie Kevin Prosch und Delirious wäre dieser Teil meines Herzens und meiner Berufung niemals erwacht.

Meine Freunde, dasselbe gilt auch für uns. Wie mein Freund Ray Hughes einmal sagte: „Du bist nicht Teil eines Fünfjahresplans, du bist Teil eines Generationenplans.“ Nun sind wir an der Reihe, den guten Kampf des Glaubens zu kämpfen. In diesem Augenblick wütet ein Krieg um die nächste Generation, und wir entscheiden mit dem strahlenden Glanz unserer Leidenschaft für Jesus, ob sie zu ihrer Berufung und Bestimmung „erwacht“ oder aufgrund unserer Kompromisse und irdischen Ambitionen anderen Dingen nachjagt.

Falls wir beharrlich auf unserem aktuellen Weg bleiben, verschleudern wir den Boden der Freiheit, den unsere Väter und Mütter für uns erkämpft haben, und bringen eine ganze Generation von Anbetern zum Schweigen, die wir eigentlich mit unserem Leben erwecken sollten.

Die teuflische Absicht

Die Glorifizierung satanischer Macht ist das Schlimmste, was wir tun können. Aber Satan ignorieren, ist das Zweitschlimmste. Paulus betont dies in 2. Korinther 2,11, indem er schreibt: „... damit wir nicht vom Satan überlistet

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