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Tun, was Jesus tat

Robby Dawkins


Impressum Englischer Originaltitel: Do what Jesus did © 2013 by Robert Dawkins Published by Chosen Books 11400 Hampshire Avenue South Bloomington, Minnesota 55438 www.chosenbooks.com Chosen Books is a division of Baker Publishing Group, Grand Rapids, Michigan „Tun, was Jesus tat“ von Robby Dawkins © 2016 Grain-Press,Verlag GmbH Marienburger Str. 3 71665 Vaihingen/Enz eMail: verlag@grain-press.de Internet: www.grain-press.de Übersetzung aus dem Englischen: Melanie Grund Satz: Grain-Press Cover: Grain-Press, Adaption der Originalvorlage. Druck: CPI Germany 25917 Leck Bibelzitate sind, falls nicht anders angegeben, der Elberfelder Bibel, Revidierte Fassung ©1985 und 1992 Brockhaus Verlag Wuppertal, entnommen. ISBN Nr.: 9783944794945 Best. Nr. 3598494


Empfehlungen Ich liebe diese inspirierenden Geschichten, und genauso den ganz praktischen Einblick, wie man auf Gottes Stimme hört, und anderen damit dient. Ein äusserst interessantes, inspirierendes und ermutigendes Buch.“ Randy Clark, Gründer und Vorsitzender von „The Apostolic Network of Global Awakening“

Robby ist ein Beispiel eines hingegebenen Liebhabers, der verstanden hat, dass die Kraft des Königreichs in Liebe verwurzelt ist. In Tu, was Jesus tat, stellt Robby den optionslosen Wert der Gegenwart Gottes über alles andere. Seine Zeugnisse werden mit Sicherheit Liebe ohne Furcht in uns hervorrufen. Heidi Baker, Ph.D., Gründer von Iris Global

Beim Lesen spürte ich diesen frischen Ruf des Geistes, das Reich Gottes zu ergreifen und sein Leben durch mich hindurchfließen zu lassen. Wenn Du Hunger auf Erweckung hast, schlag das hier auf und genieße!“ Steve Sjögren, Autor von „Conspiracy of Kindness“


Die Leser dieses Buches begeben sich auf einen wilden Ritt. Die Seiten sind voll von glaubensbildenden Geschichten und du wirst dir immer wieder die Frage stellen: Wirklich? Ist das wirklich geschehen? Ich kenne Robby schon seit vielen Jahren und habe erlebt, wie er das, was er hier berichtet, tatsächlich lebt. Erlaube es deinem Herz, dass es herausgefordert und bevollmächtigt wird. Jeder kann damit beginnen es in gleicher Weise zu tun. Phil Strout, Leiter,Vineyard USA


Vorwort

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iner meiner Lieblingsgeschichten in der Bibel ist die Geschichte von den zwei Jüngern, die auf dem Weg in ein Dorf namens Emmaus waren. Jesus war gerade erst gestorben und es wäre die Untertreibung des Jahrhunderts, zu sagen, dass die beiden enttäuscht waren. Jesus hatte Hoffnung in alle Lebensbereiche der Jünger gebracht und jetzt war diese Hoffnung gestorben. Ein Fremder schloss sich den Jüngern an und begann, ihnen seine Erkenntnisse über den Messias, und warum er für die Menschheit leiden musste, mitzuteilen. Dies bewegte die Jünger sehr, sodass sie den Fremden baten, mit ihnen in Emmaus zu bleiben. Als sie sich zum Essen setzten, nahm der Fremde ein Brot und brach es. Da gingen ihnen die Augen auf und sie erkannten ihn. Jesus war wieder auferstanden. Und so schnell wie er sich ihnen offenbarte, so schnell war er auch wieder verschwunden. Was mich am meisten bewegt, ist die Diskussion, die die Jünger nach seinem Verschwinden führten. Als sie sich über das gerade erlebte austauschten, fragten sie einander: „Brannte nicht unser Herz in uns, wie er auf dem Weg zu uns redete und wie er uns die Schriften öffnete?“(vgl. Lk 24,32) Beim Lesen von Robby Dawkins’ Buch Tu, was Jesus tat, begann mein Herz zu brennen. Ich kann es nicht anders beschreiben. Mein Herz brennt mit Leidenschaft, Hoffnung und der Frage, wie mein Leben durch dieses Buch verändert werden kann.

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Tun, was Jesus tat

Die Wunder, die Robby erlebte, tragen die DNA des auferstandenen Christus. Am meisten bewegt mich die Tatsache, dass Jesus übernatürliche Dinge durch sehr natürliche Menschen tut. Während ich das Buch las, machte ich eine interessante Erfahrung. Auf der einen Seite packte mich eine von Robbys Geschichten und ich war ergriffen und motiviert, von dem was Jesus heute tut und von dem Mut des Autors. An einer anderen Stelle im Buch erstaunt mich die Weisheit und die Erkenntnis, die die Grundlage für Robbys Herangehensweise in bestimmten Situationen sind. Dieses Buch, gefüllt mit Weisheit und Zeugnissen, wird für Christen, die ihren Glauben aktiv in dieser Welt umsetzen wollen, eine unschätzbare Quelle sein. Als ich diese Zeilen schrieb, erinnerte ich mich an Psalm 19,8: „Das Gesetz des Herrn ist vollkommen und erquickt die Seele; das Zeugnis des Herrn ist zuverlässig und macht den Einfältigen weise.“ Die kraftvolle Kombination aus Zeugnissen und Weisheit gibt jedem Nachfolger Jesu Stabilität. Viele halten das Streben nach einem Leben voller Wunder für etwas Zufälliges, Suspektes oder Unsicheres. Biblisch gesehen sind Zeugnisse von Wundern eine verlässliche Größe, die wichtig und unterstützend sind. Zeugnisse über Wunder und Weisheit sind untrennbar verbunden und durch dieses Buch wird diese Tatsache äußerst gelungen verdeutlicht. Ich habe den Eindruck, dass nach der Lektüre von Tu, was Jesus tat, geistliche Riesen aufstehen werden. Im Herzen des Lesers wird etwas erwachen, dass durch Enttäuschungen verletzt oder durch Lügen begraben wurde. Robby versteht es hervorragend, dem Leser anhand seiner eigenen Geschichte zu zeigen: „Wenn ich ein Leben voller Wunder haben kann, dann kannst du das auch!“ 6


Vorwort

Dabei lässt er nicht die Realität außer Acht, dass Tote nicht jedes Mal zum Leben erweckt werden, dass Rechnungen manchmal nicht bezahlt werden können und auch, dass Heilung manchmal nicht so geschehen, wie wir uns das vorstellen. Authentisch, ehrlich und lebensnah. Robby erzählt uns auch davon, dass Wunder manchmal trotz Gebeten voller Unglauben geschehen. Diese Erfahrung veranlasste ihn, noch tiefer in ein Evangelium einzutauchen, das hält, was es verspricht. Tu was Jesus tat ist das Ergebnis dieser Reise. Und wir werden alle davon profitieren. Bill Johnson, Hauptleiter der Bethel Church, Redding, Kalifornien, Autor der Bücher: ‘Und der Himmel bricht herein’ und ‘Träger seiner Gegenwart’

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Inhaltsverzeichnis 1 // Verbrecher am Eingang.................................. 11 2 // Erster Vorgeschmack.................................... 31 3 // Vertrocknete Knochen.................................. 41 4 // Das Upside-Down Königreich........................ 57 5 // Wir sind Münzen in Gottes Hosentasche �������� 79 6 // Gott spricht................................................107 7 // Die Werke des Feindes zerstören................. 135 8 // Freiheit für die Gefangenen......................... 153 9 // Mit Autorität durchs Leben gehen................ 169 11 // Zweifel nimmt dir nicht die Befähigung �������� 217 12 // Die Toten wieder zum Leben erwecken �������� 239 13 // Beharrlichkeit............................................ 263 Ich soll tun, was Jesus tat?........................... 285


1 // Verbrecher am Eingang Vater, mach aus mir einen Mann der Krise. Führe die Menschen, auf die ich treffe, zu einer Entscheidung. Lass mich nicht nur ein Leitpfosten auf einer einzelnen Straße sein; forme aus mir eine Gabelung, sodass die Menschen sich für den einen oder den anderen Weg entscheiden müssen, weil sie mit dem Christus in mir konfrontiert werden. - Jim Elliot -

D

ie Tür unserer Gemeinde ging auf und zwei Anführer der Latin Kings, einer Gang in unserer Stadt, traten ein. Unsere Kirche befindet sich im Zentrum von Ost Aurora in Illinois, und dort befindet sich auch das Gebiet der Latin Kings. Kampfbereit und ohne irgendeine Regung im Gesicht kamen sie herein und grüßten mich. Mit einem Kopfnicken begannen sie, auf verschiedene Einschusslöcher und Risse im Gebäude zu zeigen, die an ihren früheren Vandalismus erinnerten. Das war eine typische „Leg-dich-nicht-mit uns-an“-Gebärde. Sie kamen an jenem Nachmittag in meine Gemeinde, weil wir kurz vor einem Krieg mit der Gang standen, und sie wollten klarstellen, dass ich definitiv in ihr Territorium eingedrungen war. Aurora hat eine lange Geschichte mit Gewalt, angefangen mit der Al-Capone-Zeit in den 30er und 40er 11


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Jahren des letzten Jahrhunderts, bis hin zu der ständig zunehmenden Gewalt der Gangs in den 80er und 90er Jahren, als die immer schicker werdenden Viertel im Zentrum von Chicago die weniger betuchten Bewohner in die Vororte im Westen der Stadt verdrängten. Der daraus resultierende Druck zwischen den Krieg führenden Gangs, deren immer kleiner werdende Territorien sich überlappten, ließ die Mordrate unserer Stadt zeitweise höher, als die von Chicago selbst ansteigen. Dank der intensiven Bemühungen von Regierung, Kirche und Polizei hatte sich die Lage damals einigermaßen beruhigt. Dann aber begannen die Drohungen. Die Latin Kings waren aufgrund der sozialen Ausgrenzung und dem „Mangel an Respekt“ seitens der Polizei so aufgebracht, dass sie es sich auf die Fahne geschrieben hatten, demnächst Blut auf den Straßen fließen zu lassen. Es fanden verschiedene spontane Schießereien statt und es kündigte sich eine Wiederholung der gewaltsamen Geschichte der Stadt an. Alarmiert rief mich die Polizei an. Als „Polizeipastor“ hatte ich schon einige sehr schwierige Situationen schlichten können und Gottes radikales Wirken in dieser Szene erlebt. Zu dieser Zeit nahmen bereits 6 ehemalige Gangmitglieder an unseren Gottesdiensten teil. Auch sie hatten mir bestätigt, dass sich ein Krieg ankündigte. Nach Gesprächen mit ein paar Insidern kontaktierte ich einen Geschäftsmann aus Aurora, der in die Gangszene involviert war. Er war mit einem der Anführer der Latin Kings zur Schule gegangen und so etwas wie ein Verbindungsmann. Dadurch kam es zu einem Treffen mit den zwei Anführern der Gang, deren Steckbriefe ich jahrelang auf der Polizeiwache gesehen hatte und die auf der Straße „Diablo“1 genannt wurden. Als ich sie nun „live“ in meiner Gemeinde sah und nichts 1

Zu deutsch: „Teufel“, Anm. d. Übers. 12


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außer Luft zwischen uns war, lief mir ein Schauer den Rücken hinunter. Einer der Anführer namens Shotgun12, ein etwa 40 Jahre alter, düster aussehender Mann, schien von einem Geist des Todes besessen zu sein. Der andere Anführer hieß Diablo; er verhielt sich die ganze Zeit über eher ruhig, allerdings verfolgte er jede meiner Bewegungen und hörte nicht auf, mich anzustarren. Eine Frau namens Diana begleitete die beiden. Sie sah sehr grob aus und war eine feurige Rednerin. Außerdem machte sie keinen Hehl daraus, dass sie wusste, wer sie war und was sie wollte. Ich hatte zwei enge Freunde zu dem Treffen eingeladen; einer davon war Todd White und der andere Darren Wilson. Darren war gerade dabei, an einer Dokumentation über die Kraft Gottes zu arbeiten. Shotgun wollte keine lange Einführung, er redete fast die ganze Zeit drauflos. Haargenau beschrieb er bis ins letzte Detail eine Schießerei, die auf dem vorderen Gemeindegrundstück stattgefunden hatte, und einen Mord, der direkt neben unserem Gebäude geschehen war. Er wollte klarmachen, mit wem wir es zu tun hatten. Ohne Einzelheiten zu nennen, kündigte er an, dass „sie“ weitere Schäden in der Stadt anrichten würden. Er sagte mir, dass „einige“ der Gangmitglieder gerade nicht besonders zufrieden seien und dass, wenn es so weiterginge, bald Blut auf den Straßen fließen würde. Er sagte, dass vielen Menschen bald echt „der Arsch brennen“ würde, und fügte hinzu, dass, wenn die Menschen nicht aufpassten, „es hier bald wirklich extrem verrückt zugehen“ würde. Ich hatte Shotgun schon früher einmal im gegenüberliegenden Park beobachtet. Eines Nachmittags war er mit einem Freund aus dem Auto gestiegen und im Park, in dem sich viele 2 „Shotgun“ ist der Name, den ich diesem Mann gegeben habe; einige der Namen in diesem Buch habe ich zum Schutz der Privatsphäre der Betroffenen geändert. 13


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Menschen tummelten, herumspaziert. Innerhalb von wenigen Minuten hörten ein paar Männer mit ihren Aktivitäten auf, liefen auf die beiden zu, um sie zu begrüßen, und verließen dann fluchtartig mit ihren Familien den Park. Die Mütter schoben ihre Kinderwagen zügig davon und schon zwanzig Minuten später war der Park menschenleer. Shotgun war ein Mann, der Angst um sich herum verbreitete. Jetzt saß ich diesem Mann persönlich gegenüber und dachte: Wie sehr liebt Gott diesen Menschen. Dann sagte ich zu ihm: „Ich weiß, dass es eine Androhung für einen Krieg gibt, aber der Krieg kann nicht stattfinden.“ Die beiden Männer schauten sich an und Diablo fragte: „Hast du uns deshalb eingeladen? Willst du den Krieg etwa aufhalten?“ „Nein“, sagte ich. „Eigentlich war der Grund meiner Einladung, dass ich euch mit Gott bekannt machen möchte.“ Das war vermutlich das Letzte, was die beiden von mir erwartet hatten. Diablo sah mich mit einem merkwürdigen Gesichtsausdruck an, berührte sein Kruzifix und sagte: „Was soll das heißen? Wir wissen, wer Gott ist.“ Ich sah ihn eindringlich an. „Ja, das mag sein. Aber ihr habt ihn bisher nicht so kennengelernt, wie es gleich geschehen wird. Wenn wir dürfen, werden wir für euch beten und dann werdet ihr Gott begegnen.“ Ich wandte mich an den Geschäftsmann und fragte ihn: „Können wir mit dir anfangen?“ Dieser Geschäftsmann ist mittlerweile regelmäßig in unserer Gemeinde, jedoch kannte ich ihn damals noch nicht so gut. Er ist ein großer, gut gebauter Mann, der die gesamten Geschäfte der Latinos in unserer Gegend koordinierte. Ich nahm an, dass er aus einem harmlosen, katholischen Hintergrund kam. Ungeachtet seines Glaubens wurde deutlich, dass er nicht damit gerechnet hatte, dass wir in dieser Situation mit einem Gebet 14


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beginnen würden. Es überraschte ihn vor allem, dass er auf einmal im Mittelpunkt stand. Glücklicherweise war er einverstanden, obwohl mir klar war, dass, wenn das Ganze nach hinten losgehen sollte, er den Kontakt zu mir abbrechen würde. Es war mir wichtig, mit ihm anzufangen, da er der Leiter dieses besonderen Treffens war und das Vertrauen der Gangmitglieder besaß. Die Idee dahinter war, dass seine Begegnung mit Gott und der Offenbarung von Gottes Plan auch den anderen helfen würde, zu glauben und Christus anzunehmen. Wir fingen an zu beten: „Gott, wir segnen meinen Freund.“ Ich wusste, dass er vor Jahren einen Autounfall gehabt hatte und seitdem an Rückenbeschwerden litt. Das alles fiel mir während des Gebets ein und ich hatte den Eindruck, dass ich für seine Heilung beten sollte. Die täglichen Schmerzen aufgrund seiner Rückenverletzung und seine zahlreichen Versuche, die Schmerzen zu betäuben, machten ihm das Leben schwer. Ich fragte ihn, ob sein Rücken immer noch schmerzte. Er bestätigte, dass er genau in diesem Moment Schmerzen im Rücken und in der Schulter hatte. Vor versammelter Mannschaft sagte ich zu ihm: „Gott wird sich dir gleich offenbaren und er wird deinen Rücken heilen.“ Wir beteten und befahlen dem Rücken, wieder in die göttliche Ordnung zu kommen und vollständig geheilt zu sein. Nach ein paar Minuten fragten wir den Mann, wie es seinem Rücken nun ginge. Ich spürte Gottes Gegenwart in dem Raum. Der Mann fing an, sich zu bewegen und zu drehen. Seine Augen standen vor Unglauben weit offen, als er merkte, dass von dem Schmerz und den Beschwerden nichts mehr zu spüren war. Er rief: „Der Schmerz ist weg! Ich kann es gar nicht glauben. Es ist so viele Jahre her, dass ich das letzte Mal schmerzfrei war.“ Er saß ganz verblüfft auf seinem Stuhl. „Ich verstehe nicht, wo der Schmerz hingegangen ist.“ 15


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Shotgun, sein Freund aus Kindheitstagen, sah ihn an und sagte: „Alter, im Ernst?“ Während der restlichen Zeit saß der Geschäftsmann auffällig still da und hatte sein Gesicht fast ganz hinter seinen Händen versteckt; er wirkte tief in Gedanken versunken über das, was soeben geschehen war. Später sagte er mir dann, dass er während unseres Gebets Hitze und Elektrizität in seinem ganzen Körper gespürt hatte. Bis zum Ende des Treffens versuchte er, uns bei den Dingen, die wir taten, nicht zu bremsen, auch wenn er mir später gestand, dass die Situation äußerst unangenehm für ihn gewesen war. Diablo hatte sich nach vorne gebeugt und starrte mich die ganze Zeit über an, während er in seinem Stuhl wippte. Obwohl ich ihn kaum kannte, wusste ich, dass er von Dämonen besessen war. Ich konnte in seinem Gesicht aber auch einen sehr großen Hunger erkennen. Es schien so, als ob das, was mit dem Geschäftsmann geschehen war, Diablos Widerstand teilweise gebrochen hatte. Er wirkte sehr viel weicher und ich sah sogar Verzweiflung in seinen Augen. Er sah so aus, als wollte er sagen: „Ich weiß nicht, was es ist - und mir geht der Arsch auf Grundeis vor Angst -, aber ich muss es auch haben!“ Seine Barrieren und auch das dunkle Bollwerk seiner Angst, die sein Leben definierten, stürzten ein. Wir machten mit Shotgun weiter und ich fragte ihn: „Können wir jetzt für dich beten?“ Ich fragte ihn auch, ob er eine Tochter habe. Ich spürte, dass der Herr mir sagte, dass er die Beziehung zwischen Shotgun und seiner Tochter heilen wollte. Er antwortete: „Ja, ich habe zwei Töchter. Aber sie wollen beide nichts mehr mit mir zu tun haben.“ Daraufhin fragte ich ihn, ob auch er Rückenbeschwerden habe. Ich spürte, dass der Herr diese Schmerzen heilen wollte. Er bestätigte meinen Eindruck und meinte: „Ja, mir wurde vor einiger Zeit in den Rücken geschossen. Seitdem habe ich 16


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immer Schmerzen. Eine der Bandscheiben ist komplett im Eimer.“ Neben mir saß mein Freund Todd White. Todd fragte Shotgun dann noch, ob eines seiner Beine verkürzt sei. „Ja, das stimmt.“ Shotgun nickte langsam, so als ob ihn das Ganze ziemlich verwirren würde. Todd fragte ihn, ob er Shotguns kürzeres Bein in die Hand nehmen dürfe, und sprach zu dem Bein: „Bein, komm heraus. Knochen, Muskeln und Haut, ihr habt jetzt nachzuwachsen.“ Wir konnten sehen, wie das Bein herauswuchs. Diablos Augen waren weit aufgerissen und er stand auf, um das Bein zu begutachten. Wir waren überwältigt! „Ja, jetzt sind beide Beine wieder gleich lang!“, bestätigte Shotgun. Auch seine Rückenschmerzen waren vollständig verschwunden. Ich sah ihn mit ganz viel Liebe an. „Das, was Gott soeben für dich getan hat, das möchte er mit deinem ganzen Leben tun.“ Die beiden Gangster schauten einander an und es war, als ob in diesem Raum etwas zerbrochen war. Diablo war der Nächste. Ich spürte, dass Gott uns ein Wort der Heilung für Diablos Brustbereich gab, und Todd sagte, dass Gott den Magen heilen wollte. Diablo legte sein T-Shirt ab und zeigte uns seinen Oberkörper, der mit Narben übersät war, die zurückgeblieben waren, nachdem Schüsse u.a. seinen Magen getroffen hatten. An der Einschussstelle fehlte von dem Magen nun ein großes Stück. Wir beteten um Schmerzfreiheit und um vollständige Wiederherstellung und Heilung seines Magens. Diablos Augen weiteten sich plötzlich und er fasste sich an den Magen. Er sagte, dass er dort Hitze und Elektrizität spürte und dass er dieses Gefühl schon gehabt hatte, als er den Raum betrat. Wir erklärten ihm, dass das, was er spürte, eine Manifestation von Gottes Gegenwart sei, wenn er Heilung bringe. Todd fing dann an, für die Rückbildung seiner Narben zu beten. Wir konnten, ehrlich gesagt, anschließend keinen großen Unter17


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schied zu vorher feststellen, aber die zwei Anführer der Gang versicherten uns einen Unterschied zu vorher, und dass mehr als die Hälfte der Narben verschwunden seien. Beide waren schockiert und so überwältigt, dass sie ganz still wurden. Ihre Körperhaltung war komplett verändert im Vergleich zum Beginn des Treffens. Die Arroganz, das Fluchen und die Drohungen, die sie vorher ausgestoßen hatten, waren verschwunden. Als ich Diana anschaute, zeigte mir der Herr etwas von der schweren Last, die sie mit sich herumschleppte. Ich sagte ihr: „Du hast in der Nacht Besuch von dämonischen Mächten bekommen, Stimmen gehört und schlimme Albträume gehabt.“ Diana, diese ordinäre und unverblümte Frau, senkte ihren Kopf auf die Brust und nickte still. Wir spürten auch, dass der Herr ihre Magen- und Verdauungsbeschwerden heilen wollte, die sie schon lange quälten. Sie bestätigte unsere Vermutung. Ich sagte zu ihr: „Diana, Gott liebt dich und möchte dich heilen. Wir können jetzt für dich beten. So können sich all deine Probleme auflösen.“ Wir fingen an zu beten und befahlen den quälenden dämonischen Geistern, in Jesu Namen zu weichen. Als wir in unserer Autorität diese Geister im Namen Jesu gebunden hatten, begann sie stark zu schwitzen. Plötzliche krümmte sie sich in ihrem Stuhl, als ob sie jemand im Schwitzkasten hätte, rang nach Luft und stieß dann einen langen Seufzer aus. Anschließend war keine Spur mehr von der Schwere und sie hatte einen völlig anderen Gesichtsausdruck. Wir fragten sie, ob sie spürte, dass sie von etwas befreit worden ist. Sie nickte. Dann sagten wir ihr: „Wir müssen das jetzt noch versiegeln, sodass es nie mehr zurückkommen kann. Der einzige Weg dazu ist, dass du Christus annimmst.“ Diana war einverstanden. Wir schauten in die Runde und ich sagte: „Das gilt übrigens für alle hier. Wenn ihr jetzt mitbetet und euer Leben Christus übergebt, wird er euch weiter18


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hin heilen und euch in jedem Bereich eures Lebens Befreiung schenken.“ Alle nickten und stimmten zu. Ich lud nun alle ein, das Übergabegebet nachzusprechen, Jesus ihr Leben zu übergeben und ihn als ihren Herrn anzunehmen. Besonders Shotgun, der hinter Diana stand, schrie das Gebet nahezu heraus und bat Gott inständig um Vergebung für alle seine Sünden, die er begangen hatte. Alle vier, der Geschäftsmann, Shotgun, Diablo und Diana, kamen schon am darauffolgenden Sonntag zum Gottesdienst in unsere Gemeinde. Sie haben seitdem begonnen, Kontakte mit einigen Gemeindemitgliedern zu knüpfen. Heute ist besonders Shotgun ein komplett veränderter Mann. Vorher war er getrieben von dem Geist des Todes.Vorher waren seine Augen leer und voller Ärger. Heute strahlt er, ist voller Freude und lacht viel. Er gehört zu denen, die Witze erzählen und Neuankömmlinge in der Gemeinde willkommen heißen. Diana hat seit diesem Tag keinen einzigen Sonntag in der Gemeinde verpasst und ist eine starke Verfechterin von Jesus. Sie hat ihre gesamte Familie in die Gemeinde gebracht. Auch Shotgun und Diablo brachten einige Männer von der Straße für Gebet in die Gemeinde, und auch diese Männer verließen daraufhin ihre Gangs und entschieden sich, Christus nachzufolgen. Nach diesem besonderen Treffen riefen mich für mehrere Wochen ehemalige Ganganführer an, um mir zu sagen, dass sie immer noch die Gegenwart Gottes spürten, egal wo sie waren, beim Aufwachen, in der Dusche, beim Essen, die ganze Zeit. Einer von ihnen sagte mal zu mir: „Robby, das hier ist wirklich das Beste überhaupt!“ Er rief mich an und erzählte weinend: „Ich weiß nicht warum, aber wenn ich daran denke, wie Jesus mich verändert hat, kann ich nur noch weinen. Ich will der ganzen Welt sagen, wie sehr Jesus Menschen verändern kann.“ 19


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Natürlich hat nach diesem Treffen kein Krieg auf unseren Straßen stattgefunden, aber sowohl Shotgun als auch Diablo sind aufgrund ihrer Bekanntheit in Gefahr. Jeden Sonntag, wenn sie in den Gottesdienst gehen, ist um die Kirche herum ein Polizeiaufgebot. Trotz allem werden sie nicht müde, Gott zu loben, in Christus zu wachsen und immer mehr Menschen in eine Beziehung zu ihm zu führen. Es ist echt interessant, wie Gott vorgeht. Am Ende unseres besonderen Treffens, nachdem sie alle Christus angenommen hatten, schaute ich in die Runde und sagte: „Das, was hier heute passiert ist, wird unsere Stadt verändern.“ Mir war es damals nicht bewusst, aber ich sprach damit eine Prophetie aus. Das Treffen fand Ende 2011 statt und es ist nun im ganzen Land bekannt, dass im Jahr 2012 in ganz Aurora kein einziger Mord mehr stattgefunden hat. Das hat es seit 1946 nicht mehr gegeben.3 Interessant an dieser Geschichte ist auch die Tatsache, dass wir unsere Gemeinde vor 15 Jahren ausgerechnet im Wohnzimmer von Dianas Schwester Bobbie gegründet hatten! Ich erinnere mich noch daran, wie ihre Schwester uns damals darum bat, dafür zu beten, dass Diana Christus findet und ihr bisheriges Leben hinter sich lässt. 15 Jahre später hatte ich das Privileg, Diana zu Christus zu führen, als sie zu unserem Treffen kam. Diana und ich erfuhren von dieser Begebenheit erst viel später. Die Ergebnisse unseres Treffens mit den Ganganführern wurden zu einem großartigen Zeugnis in unserer Gemeinde. Sie sind Teil einer langen Serie von Veränderungen, die Gott uns seit unserer Ankunft in Aurora, dieser Stadt, in der wir unsere Gemeinde gegründet haben, geschenkt hat. Ganz oft 3 Nachzulesen in: „Aurora Homicide-Free: ‘ Illinois’ Second-Largest City Finishes 2012 without a Single Murder,“ HuffPost Chicago, January 2013, 20


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war es ein mühseliger Kampf. In unsere Kirche wurde häufig eingebrochen und mein Auto wurde mehrmals gestohlen, zweimal sogar von Mitgliedern unserer Gemeinde. Wir hatten auch zeitweise finanzielle Schwierigkeiten und es war hart, Menschen zu finden, die dieselbe verpflichtende Vision für die Gemeinde hatten wie wir. Es gab schwierige Zeiten und Schmerzen, aber im Zentrum von all dem erlebten wir immer wieder auch Zeiten des Durchbruchs. Gott wirkte, indem er Heilung brachte, Familien verwandelte, Ehen zusammenführte, Arbeitsplätze schuf und letzten Endes ganz Aurora veränderte. Er hat die Stadt in einen Ort der Hoffnung verwandelt, zu dem Menschen aus dem ganzen Land kommen, um ausgebildet und zugerüstet zu werden.

Unterbrochen von Gott Vielleicht hast auch du in deiner Stadt unglaubliche Durchbrüche und Veränderungen erlebt und möchtest, wie wir alle, dass solche Dinge regelmäßig geschehen. Vielleicht fragst du dich, ob es möglich ist, dass ein „normales“ Christenleben so aussehen kann, wie das Leben von Jesus. Vielleicht fällt es dir auch schwer, dich mit den kriminellen Inhalten der Geschichte, die ich soeben erzählt habe, zu identifizieren. Vielleicht fragst du dich auch, warum Gott Kriminelle spontan heilt, aber deine Gebete für Heilung nicht erhört. Vielleicht beschäftigt dich auch die Frage: „Wie kann so etwas in meinem Lebensumfeld geschehen, bei den Menschen, mit denen ich arbeite, oder an meiner Schule? Vielleicht suchst du nach Antworten und Werkzeugen. Du bist hungrig danach, dass das Königreich des Himmels in deiner Gemeinde durchbricht. Ich fühlte mich genauso, bevor Gott mich das erste Mal gebrauchte, um eine Person zu heilen. Damals war ich ein 21


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entmutigter Jugendpastor, angestellt in einer kleinen, dysfunktionalen Gemeinde. Ich glaubte daran, dass Gott theoretisch Wunder tun kann. Während meiner Kindheit hatte ich Dinge gesehen, die in mir den Hunger nach mehr auslösten. Ehrlich gesagt war ich jedoch ganz schön desillusioniert durch den Hype, die Manipulation und den Missbrauch, den ich in vielen Dienst-Settings beobachtet hatte. Ich wusste, dass ich Gott nachfolgen wollte, befand mich aber nur in dem Modus: „einfach dranbleiben“. Ich reduzierte mich auf ein christliches Leben, in dem man nichts Größeres erwartet. Einer der größten Werte im Königreich Gottes ist Treue, aber was bringt Treue ohne Glauben? Mein Leben war gefüllt mit Gemeindeaktivitäten, und ich erfüllte meine Aufgaben pflichtbewusst. Ich hatte jedoch nicht die geringste Ahnung von der Vollmacht, die wir alle haben und in der wir leben. Eine Vollmacht, die nicht uns selbst dient, sondern den geistlich Hungrigen und der gefallenen Welt, in der wir leben. An diesem Tag entschied sich Gott, mich zu unterbrechen, während ich an nichts anderes, als an mich selbst dachte. Man hatte mich als Jugendpastor angestellt, aber meine Vorstellung von Dienst wurde ziemlich schnell ernüchtert durch einen Alltag, in dem ich Telefonanrufe beantwortete und unwichtige Alltagsaufgaben erledigte. An jenem Tag war ich äußerst schlecht gelaunt. Ich fühlte mich vom leitenden Pastor und seiner Familie nicht gesehen und geschätzt. Ich fühlte mich so weit entfernt von Gott und den Dingen, für die er mich berufen hatte. Ich war verletzt und wütend. Dieser Moment war mit Sicherheit alles andere als sonnig für einen Nachfolger Christi. Das Telefon klingelte und ich nahm unmotiviert den Hörer ab. Wahrscheinlich ist es eh nur ein weiterer Werbeanruf oder eine Nachricht zum Weiterleiten, dachte ich. 22


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Zögernd stellte sich mir eine Frau vor und sagte: „Hören Sie, ich weiß wirklich nicht so genau, was ich Sie fragen soll. Ich bin nicht einmal gläubig. Ich habe einfach irgendeine Kirche aus dem Telefonbuch herausgesucht, weil mein Vater gerade am Herzen operiert wird. Er ist in einem schlechten Zustand und die Ärzte glauben, dass er den Eingriff nicht überleben wird.Wir mussten sie überreden, ihn überhaupt zu operieren.“ Sie hörte sich ganz schwach und erschöpft an, als sie mir erklärte, dass es bereits die dritte Bypassoperation war und dass ihr Vater sehr wahrscheinlich sterben würde. Sie wusste nicht, an wen sie sich wenden sollte, aber irgendwie war ihr der Gedanke gekommen, bei einer Kirche anzurufen. Sie hoffte, dass jemand für ihren Vater in dieser letzten Lebensphase eine Kerze anzünden, ein Lied singen, ein paar Perlen reiben oder ein Gebet sprechen würde. Als sie sich und mir logisch zu erklären versuchte, warum sie angerufen hatte, bemerkte ich, dass sie sich fast schämte.Vielleicht bereute sie ihren Anruf sogar schon. Was konnte ich jetzt tun? Ich bot ihr an, mit ihr für die bevorstehende Operation zu beten, obwohl mir eigentlich gar nicht danach war. Es hörte sich schließlich nicht so an, als ob ihr Vater den Eingriff überleben würde. „Also...“- ich zögerte einen Moment- „ich könnte für ihn beten...“ Ehrlich gesagt wollte ich das Telefonat so schnell wie möglich wieder beenden. Ich glaubte nicht wirklich daran, dass mein Gebet in dieser Situation viel verändern konnte. Als ich zu beten anfing, hörte ich mich an, als würde ich eine Grabrede halten. „Herr, bitte stehe der Familie dieses Mannes in dieser schwierigen Zeit bei. Du bist denen nah, deren Herz gebrochen ist. Hilf ihnen und tröste sie und sei bei ihnen in ihrer Trauer.“ Ich war dabei, den Mann mit meinen Gebeten so ziemlich unter die Erde zu bringen. Meine Gedanken hierzu waren: „Warum würde Gott diesen Mann heilen wollen? Er 23


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ist nicht einmal gläubig und Gott heilt oft nicht einmal seine eigenen Kinder.“ Dann sagte mir der Herr etwas, das ich nicht verstand. Ich hörte zwar keine hörbare Stimme, jedoch hatte ich ganz klar den Eindruck, dass er mich dazu drängte, etwas zu tun. Bis zu diesem Zeitpunkt war es nur ein paar Mal geschehen, dass Gott direkt zu mir sprach. Dieses Mal war es jedoch anders. Ich war allerdings so von meinen Bedenken abgelenkt, dass mich diese Unterbrechung fast schon ärgerlich werden ließ. Was ich von Gott hörte, war: „Wage etwas!“ Ich fragte mich, was das bedeuten könnte. Dann drängte er mich erneut: „Geh ein Risiko ein.“ Ich dachte: „Was soll ich jetzt tun? Diese Menschen sind noch nicht einmal Christen. Hier gibt es kein Risiko einzugehen. Dann viel mir eine Bibelstelle ein, in der es heißt: „Tu deinen Mund auf! Ich will ihn füllen.“ (Psalm 81,10) Ohne zu wissen, was ich als nächstes sagen würde, kam aus meinem Mund: „Ich höre, wie der Herr sagt, dass er ...-“ und dann hörte ich mich die folgenden Worte sagen: „-...ihren Vater vollständig heilen wird und ihm ein neues Herz schenkt. Und neue Lungen kriegt er auch noch.“ Das war nun echt merkwürdig. Sie hatte die Lungen ihres Vaters überhaupt nicht erwähnt. Hast du jemals erlebt, dass du dich etwas hast sagen hören und dann gewünscht hast, du könntest die Worte aus der Luft greifen und sie zurück in deinen Mund stopfen, um jeden Beweis zu vernichten, dass du etwas so Dummes geäußert hast? Die meisten verheirateten Männer wissen, wovon ich rede. Als ich kapierte, was ich da eben gesagt hatte, bekam ich Angst und hielt mich zurück. Ich machte einen Rückzieher und sagte: „Warten Sie bitte! Sie müssen wissen, dass ich noch 24


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nie für jemanden gebetet habe, der dann geheilt wurde. Meistens werden die Leute noch kränker und manche sind sogar gestorben. Ich weiß, dass Gott wirklich solche Dinge tun kann, für die ich eben gebetet habe. Aber mich hat er bisher noch nie dafür gebraucht. Was ich eben gesagt habe, wird also wahrscheinlich nicht geschehen...“ Ich war komplett von meiner Angst gesteuert. Was nun, wenn diese Frau aus dem Gespräch so viel Hoffnung schöpfte und dann komplett verletzt und furchtbar enttäuscht wurde? Es wäre dann alles meine Schuld. Sie unterbrach mich: „Haben Sie gesagt, dass Gott meinem Vater ein neues Herz geben wird?“ „Ja, aber -“ stieß ich heraus. Sie fiel mir ins Wort und sagte nur noch kurz: „Danke“ und legte den Hörer auf. Mit dem Klicken in der Leitung sank mein Herz in die Hose. Was in aller Welt hatte ich mir nur dabei gedacht? Ich hatte das Gefühl, alles nur noch schlimmer gemacht zu haben. Was nur, wenn ihre Familie die Kirche verklagte? Ich war schließlich kein Heiler. Als die Frau Stunden später wieder anrief und am Telefon weinte, wurde mein Herz schwer. Ich konnte anfangs kein Wort verstehen und dachte: „Oh Gott, ich habe ihren Vater mit meinem Gebet umgebracht. Warum nur habe ich für ihn gebetet? Was dachte ich mir nur dabei?“ Ich fing an, vielmals um Entschuldigung zu bitten: „Es tut mir so Leid, dass das passiert ist und dass sie ihren Vater verloren haben...“ Die Frau stammelte: „Was...meinen...sie? Wieso... verloren?“ Ich konnte mir die Worte in ihrem Schluchzen nur zusammenreimen und war mir nicht ganz sicher, ob ich sie richtig verstanden hatte. „Na, ihr Vater – er ist doch gestorben, oder?“, fragte ich sie. 25


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„Nein, es geht ihm wunderbar!“, entgegnete sie. Mich überraschte diese Nachricht wohl am allermeisten. „Ja, es stimmt...“ Unter Tränen erzählte sie mir, was geschehen war: „Als die Ärzte den Brustkorb meines Vaters öffneten, stellten sie fest, dass er ein völlig neues Herz hat!“ Sie erklärte mir, dass einige Jahre zuvor ihr Vater eine neue Herzklappe bekommen hatte. Die Ärzte hatten ihm, um sein Leben zu retten, die Herzklappe eines Schweines eingesetzt. Von dieser Klappe war bei dem Eingriff nichts mehr zu sehen. Das ganze Narbengewebe der vorhergehenden Operation war verschwunden. Der Arzt meinte, dass das Herz ebenso gut das Herz eines 30-jährigen Mannes sein könnte. Ich war total verblüfft und fragte mich: Kann das wirklich wahr sein? Sie erzählte weiter: „Ich hatte es Ihnen zwar nicht erzählt, aber mein Vater hatte auch nur noch einen Lungenflügel. Sie sagten mir doch auch, dass Gott ihm eine neue Lunge geben würde. Bei dem Eingriff sahen die Ärzte, dass dort, wo der eine Teil der Lunge entnommen worden war, die Lunge wieder ganz war!“ Ich war mir nicht sicher, ob ich die Frau richtig verstanden hatte. „Sind Sie sicher?“, fragte ich sie. „Ich meine, sind Sie wirklich sicher?“ Es war sehr schwer, das Ganze mit meinem Verstand zu begreifen. Gott hatte diesen Mann geheilt und ich konnte es kaum glauben. Ich sagte zu ihr: „Ich muss unbedingt die Krankenakte sehen.“ Aufgrund meines Unglaubens beendete sie das Telefonat mit den Worten: „Sind Sie sich denn sicher, ob sie wirklich Pastor sind?“ Schon am kommenden Sonntag kam sie mit ihrer ganzen Familie in den Gottesdienst unserer Gemeinde. Sie brachte sogar die Krankenakte, über den Zustand ihres Vaters, vor und nach dem Eingriff mit. Durch diese Erfahrung kam ihre ganze 26


Verbrecher am Eingang

Familie zum Glauben, und alle entschieden sich dafür, Christus zu folgen. Für mich brach nun etwas in mein Leben ein, nach dem ich mich mein ganzes Leben lang gesehnt hatte. Ich sah die Realität von Gottes Kraft und seinen Wunsch, durch uns zu wirken, was ich bisher total ignoriert hatte. Ich hatte kein 41-TageFasten oder ein Studium der Schrift hinter mir. Das Einzige, was ich vor dem Anruf der Frau vorzuweisen hatte, war eine lausige Einstellung. An jenem Tag konnte ich wirklich nichts besonders Heiliges oder Übergeistliches erkennen. Um ehrlich zu sein, war eher das Gegenteil der Fall. Als ich das Geschehene nochmals in Gedanken durchspielte, konnte ich nicht aufhören, mich zu fragen: „Herr, warum hast du mich dafür benutzt, dies zu tun? Ich bin doch gar nicht dazu fähig.“ Noch am gleichen Tag sprach der Herr zu mir: „Robby, ich brauche nur Menschen, die verfügbar sind.“

Sein Anteil … unser Anteil Gottes Geschenk an uns ist die Befähigung; unser Geschenk an Gott ist die Verfügbarkeit. Er sagt zu uns: „Los, du zuerst. Du bist einfach verfügbar und gehst hinaus, und ich werde dir in dem Moment die Kraft geben.“ Gott tut seinen Teil, und wir müssen unseren Teil tun. Wir sind alle eingeladen, Teil des sich entfaltenden Königreich Gottes zu sein. Das ist eine hohe Berufung und alles andere als eine einfache Reise. Es ist ein Schritt-für-Schritt Prozess im Glauben, der für uns alle zugänglich ist, egal, ob du dich gerade erst bekehrt hast oder der Pastor einer riesigen Gemeinde bist. Glauben wir wirklich, dass der Geist des lebendigen Gottes in uns lebt? Was bedeutet überhaupt die Stelle in Galater 5,16, in der es heißt: „Wandelt im Geist“? Es ist sicherlich möglich, an Gott zu glauben und nicht von seinem Geist geführt zu 27


Tun, was Jesus tat

werden. Jesus sagte: „Gott ist Geist, und die ihn anbeten, müssen in Geist und Wahrheit anbeten.“ (Johannes 4,24) Durch den Geist wurde uns die Gnade gegeben, auf einem so hohen Autoritäts- und Liebeslevel unterwegs zu sein, dass dadurch die ganze Welt transformiert werden kann. Eine Definition von Gnade, die ich sehr schätze, ist: „die Kraft Gottes, Gottes Willen auszuführen.“ Durch den Geist können wir ihn heute kennenlernen, mit ihm gehen und die Dinge tun, die er tat. Es gibt keinen Standard oder Vergleich, wie genau das auszusehen hat. Wir finden aber Ermutigung, dass Gott in der Lage ist, viel mehr durch uns zu tun, als wir erwarten oder uns vorstellen können. (vgl. Epheser 3,20) Die westliche Kirche ist in Bezug auf die Realität der Kraft Gottes in unserem Leben irgendwie in einen tiefen Schlaf gefallen. Die Gründe dafür sind mannigfaltig: sei es Traditionalismus, oder das Verfolgen politischer oder ökonomischer Agenden. Anstatt mit Autorität und echter Liebe zu dienen, was wirkliche Veränderung bedeuten würde, verlieren wir uns in Regeln und Vergleichen. Dennoch sehnt sich unser Land nach Hoffnung. Die Städte brauchen dringend ein Volk Gottes. Ein Volk, das Christus wirklich kennt, das in seiner Liebe lebt und diese reflektiert. Nötig sind nicht mehr „Christen“, sondern vielmehr „Nachfolger Christi“. Es gibt eine Vollmacht und Freiheit, die zu einem Durchbruch bei Krankheiten, Leiden und jeder unmöglich scheinenden Situationen führen werden. Irgendwie hat es uns die Religion leicht gemacht, den radikal liebenden, Tische umwerfenden, paradigmen-erschütternden Christus der Bibel aus den Augen zu verlieren und uns stattdessen auf die Lüge einzulassen, dass Christsein ein bisschen langweilig, ein bisschen altmodisch und irgendwie nicht ganz so relevant ist. Jedenfalls nicht dann, wenn es eigentlich darauf ankommt. Das stimmt nicht! 28


2 // Vorgeschmack

Wir werden diese Welt nicht dadurch verändern, dass wir sie kritisieren oder uns an sie anpassen, sondern dadurch, dass wir sie von innen entzünden. Dies geschieht durch jene, deren Leben vom Heiligen Geist entzündet wurde. - Vance Havner -

D

ie überwältigende Wirklichkeit des Königreich Gottes packte mich schon im Alter von neun Jahren. Meine Eltern waren Pastoren einer kleinen Gemeinde in Atlanta im Bundesstaat Georgia. Eines Abends brachte mein Vater einen Heroinabhängigen mit nach Hause, den er bei der Entgiftung unterstützen wollte. Mein Vater war ein sehr energischer unternehmerischer Typ, der sich alles selbst beigebracht hatte. Er war ein Alleskönner, der ein großes Herz für die Armen besaß. Er gründete mehrere Gemeinden, einen Verein, eine christliche Lebensgemeinschaft und setzte zahlreiche andere Geschäftsideen um. Sein Traum war immer gewesen, obdachlosen


Tun, was Jesus tat

Teenagern und Drogenabhängigen einen Ort der Zuflucht zu geben. Wir hatten damals nicht genug Geld, um noch ein weiteres Haus zu kaufen, also wurde unser eigenes Zuhause zu diesem Ort. Meistens war das Bett, das neben meinem stand, für „Besuch“ eingeplant. (Das würde ich übrigens niemand empfehlen). Mein Vater begegnete eines Tages einem 17-jährigen Jugendlichen, der von seinem Vater täglich geschlagen worden war. Der junge Mann war von Zuhause geflohen und lebte nun in Atlanta. Er musste sich alleine durchschlagen, fing an, Drogen zu nehmen und wurde schließlich abhängig. Er prostituierte sich auf der Straße und verkaufte seinen Körper Tag für Tag für eine warme Mahlzeit am Abend. Als mein Vater ihm vom Herrn erzählte, gestand der junge Mann, dass er sich verzweifelt nach einem anderen Lebensstil sehnte. Daraufhin nahm ihn mein Vater mit zu uns nach Hause. Ich erinnere mich, wie ich nachts aufwachte und seinen Heroinentzug mitbekam, samt Delirium tremens.4 Das war ein grausiger Anblick. Er zitterte, schwitzte und schrie und das ganze Zimmer stank nach Erbrochenem. Mein Vater musste den Jungen festhalten, um zu verhindern, dass er sich durch die heftigen Entzugserscheinungen selbst verletzte. Am dritten Tag, der weithin als der schlimmste Tag beim Entzug gilt, geschah etwas Unglaubliches. Es war etwa 6 Uhr früh an einem Samstag. Der Tag brach gerade an. Ich wachte auf und sah, wie sich der junge Mann gegen das Fensterbrett lehnte und konzentriert aus dem Fenster in unseren Hinterhof blickte. Aufgrund der vergangenen Tage machte mir dass wirklich Angst. Mir fehlte damals noch das Verständnis für das, was gerade geschah, und ich nahm an, 4 Eine ernste und potenziell tödliche Entzugserscheinung bei Alkoholikern, Anm. d. Übers.

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Vorgeschmack

dass es etwas sehr Schlimmes sein musste. Dann fragte ich ihn: „Geht es dir gut?“ Er drehte sich zu mir um und ich sah, wie ihm Tränen über das Gesicht strömten. Sein T-Shirt war vollkommen nass und er wirkte so, als ob er schon eine Weile geweint hätte. Dann sagte er: “Robby, es ist alles weg … Jesus kam heute Morgen in den Raum und er hat alles von mir genommen. Meine Abhängigkeit, meine Schmerzen, die Übelkeit, meine Wut und meine Scham. Alles ist verschwunden!“ Er senkte seinen Kopf und fing an zu schluchzen. Ich schaute ihn an – sein Körper war vollkommen verändert. Mich beeindruckte der tiefe Frieden, der von ihm ausging. Die Ruhe, die er ausstrahlte, verbreitete sich im Zimmer. Das hätte ich am Tag zuvor nie für möglich gehalten. Er strahlte über das ganze Gesicht. Ich rannte hinunter zum Schlafzimmer meiner Eltern, stieß die Tür auf und brach in Tränen aus, weil ich total überwältigt war. Mein Vater dachte, dass etwas Schlimmes passiert sein musste, und rief: „Was ist passiert? Was hat er mit dir gemacht?“ Ich schrie: „Nein! Nichts!“ Nachdem ich ihm erzählt hatte, was soeben geschehen war, sagte ich schluchzend: „Das ist es, was ich für den Rest meines Lebens erleben möchte. Ich möchte sehen, wie Gott das Leben von Menschen verändert, so wie jetzt gerade!“ Der junge Mann begann von jenem Tag an einen geistlichen Reifungsprozess und diente eine Zeit lang auch in unserer Gemeinde. Später gründete er eine Familie und mein letzter Stand über ihn ist, dass er einen eigenen Dienst auf die Beine gestellt hat. Frei von den Fesseln seiner schwierigen Vergangenheit wurde dieser Mann zu einer kraftvollen Waffe und konnte andere Menschen mit seiner Geschichte erreichen. Der Mann konnte zu Menschen durchdringen, die, wie einst auch 31


Tun, was Jesus tat

er, von Lügen über ihre wahre Identität bestimmt waren, nicht wussten, wer sie waren, und die Kraft der Liebe Gottes nicht kannten. Das, was ich an diesem Morgen erlebt hatte, wurde zu meiner eigenen Abhängigkeit. Es war der Beginn einer lebenslangen Reise. Ich habe dieses Kapitel „Vorgeschmack“ genannt, weil ich glaube, dass Gott damals den Samen für meine größte Leidenschaft in mich gelegt hat. Dieser Same wächst und gedeiht bis heute. Wie wir alle wissen, ist das Ganze ein fortschreitender Prozess. Ich durchlebte immer wieder Phasen der Ablenkung, der Rebellion und Ignoranz, wie so viele von uns. Ich wurde Zeuge von Missbrauch und einiger anderer ungesunden Dynamiken in der Institution Kirche. Das alles ließ mich von Bewegungen Abstand nehmen, die ihre Betonung auf den Heiligen Geist legen. Ich mied diese Bewegungen jahrelang und suchte Schutz hinter einer Wand aus Zynismus. Ich war sehr ernüchtert und es fehlte mir in meinem Leben und meinem Dienst an Kraft. Ich wusste, dass ich irgendwie mehr von Gott brauchte, und ich war hungrig, mehr von der Fülle seiner Gegenwart zu erleben. Es war mir klar, dass die Kraft und Gegenwart Gottes nicht nur eine Option darstellt, sondern dass Gott sich genau das für unseren Alltag wünscht. Durch sein Erbarmen und seine Treue durchbrach Jesus all meine Widerstände und Hindernisse. Er benutzte den Traum, den ich als neunjähriger Junge hatte. Und er nahm mir auch meine Entmutigung und half mir, dass ich ein Segen für andere werden konnte. Ich möchte dir mit diesem Buch meinen Weg vom Unwahrscheinlichen zum Unmöglichen vorstellen und auch meine wesentlichen Erkenntnisse darüber, was es heißt, Jesus nachzufolgen und die Dinge zu tun, die er tat, sogar wenn wir es nicht verstehen, bezweifeln oder Angst haben. Unsere Zweifel sprechen uns nicht unsere Befähigung ab.Wir sind durch unse32


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