IM WINDSCHATTEN VON JESUS
IMPRESSUM © 2017 Grain-Press,Verlag GmbH Marienburger Str. 3 71665 Vaihingen/Enz eMail: verlag@grain-press.de Internet: www.grain-press.de Satz: Grain-Press Cover: Grain-Press Fotografie: Christine Kocher Druck: CPI Germany 25917 Leck Wenn nicht anders angegeben, wurden die Bibelstellen der folgenden Übersetzung entnommen: Die Bibel nach Martin Luthers Übersetzung, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart. ISBN Nr. 978-3-944 794-907 Best. Nr. 3598490
INHALT Vorwort....................................................................................5 Endlich darf ich! ......................................................................9 Einleitung...............................................................................15 Teil 1: Dein Leben mit Jesus, grundlegende theologische Perspektiven und erste Schritte in einen missionalen Lebensstil Tag 1 – Du brauchst einen guten „Mix“ in deiner Beziehung zu Jesus! ..........................................21 Tag 2 – Gott befindet sich auf einer Mission (Die „missio dei“)....25 Tag 3 – Die „missio dei“, du und die Welt.....................................29 Tag 4 – Inkarnatorisch denken lernen...........................................33 Tag 5 – Ein „Mission Statement“ von Jesus...................................37 Tag 6 – Was war die Motivation von Jesus?....................................41 Tag 7 – Die Motivation Jesu ........................................................45 Tag 8 – Der Dienst Jesu ...............................................................49 Tag 9 – Im Windschatten von Jesus ..............................................53 Tag 10 – Ein paar Gedanken zu „missionarisch“ und „missional“..............................................................57 Tag 11 – Die Spannung von „missional und „inkarnatorisch“.......61 Tag 12 – Die Verbindung von Herz und Mund.............................65
Teil 2: Missionale Praktiken einüben Tag 13 – Missionale Praktiken, Lukas 10 und „gehen“.............71 Tag 14 –
S = Segnen.......................................................75
Tag 15 - 18 – E = Essen (Beziehung bauen)....................79 - 91 Tag 19 - 21 – G = Gott einladen...................................95 - 103 Tag 22 - 27 – E = Erklären ........................................107 - 141 Tag 28 - 29 – L = Lasten mittragen.............................145 - 149 Tag 30 – N = Nachfragen..............................................153 Teil 3: Weitere Tipps für einen missionalen Lebensstil Tag 31 – Haifisch, Karpfen oder Delphin?.............................159 Tag 32 – Der richtige Mix von Wahrheit und Liebe...............163 Tag 33 – Entscheidend ist die Richtung!...............................167 Tag 34 – Ein hilfreiches Tool: Die „Engel-Skala“...................171 Tag 35 – Zwei starke Bilder ..................................................177 Tag 36 – Entdecke deinen persönlichen Stil...........................181 Tag 37 – Eine herausragende missionale Begegnung von Jesus...............................................185 Tag 38 – Gemeinsam mit anderen unterwegs sein..................189 Tag 39 – Jesus und die erste „missionale Gemeinschaft“ – und ein Modell von heute....................................193 Tag 40 – Missionale Praktiken ausgewogen praktizieren und den Rückenwind nützen ..............197
Artikel: Was ist Missional?.................................................................111 Bericht Sharehouse...............................................................201 Nachwort: Das Ganze zu einem Lebensstil machen...............205 Literatur:...............................................................................207
VORWORT
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ls vor fast 2000 Jahren die Kirche von Jesus Christus am Pfingstfest in Jerusalem durch die Ausgießung des Heiligen Geistes ins Leben gerufen wurde, ahnte damals kaum jemand, welche dynamische Ausbreitung, aber auch welch schreckliche Verfolgung diese junge Bewegung erleben würde. Innerhalb weniger Jahrhunderte wurde das römische Weltreich in allen gesellschaftlichen Ebenen von der Botschaft des Auferstandenen durchdrungen und auf den Kopf gestellt. In großen Zahlen folgten Menschen dem Messias, weil diejenigen, die seine Liebe und verändernde Kraft erlebten, durch ihr Leben, ihre Taten und ihre Worte, überall die gute Nachricht von Christus dem Retter bezeugten. Selbst die brutalen Verfolgungen der römischen Machthaber konnten die Verbreitung des Evangeliums nicht stoppen, sondern gossen noch mehr Öl in das Feuer der Jesus- Bewegung. Heute dagegen schrumpft die christliche Kirche in Europa gewaltig. Bis auf wenige Ausnahmen leidet sie an Saftund Kraftlosigkeit und ist als Institution in Traditionen und Formen erstarrt.
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Deutschland hat sich 500 Jahre nach der Reformation durch Martin Luther zu einer überwiegend säkularen Gesellschaft entwickelt, in der Glaube und Kirche zur Privatsache einer Minderheit degradiert wurden. Unser Land, von dem bis vor ca. 200 Jahren viele Missionare nach Afrika, Asien und Amerika gesandt wurden, ist inzwischen selber zum „Missionsland“ geworden. Trotz guter Ansätze und ernst zu nehmenden Bemühungen in den Bereichen, Evangelisation, Gemeindegründung, Gemeindewachstum und (post)modernen Gemeindeformen, ist die Zahl der Nachfolger Christi in Deutschland in den letzten Jahrzehnten auf Tiefstand geblieben. Ich bin sehr dankbar für die zunehmend wachsenden Gemeinden mit attraktiven, zeitgemäßen Gottesdiensten bzw. evangelistischen Veranstaltungen. Sie sind wie Oasen in der Wüste und stellen wichtige Hoffnungszeichen dar. Aus meiner Sicht ist jedoch ein noch tiefer gehendes Umdenken über das Wesen und den Auftrag der Kirche notwendig. Jesus sendet seine Kirche in diese Welt mit dem Auftrag „Salz und Licht“ zu sein. Selbst die dynamischsten Gemeinden mit ihren attraktiven Angeboten werden nur einen Bruchteil der Bewohner einer Stadt erreichen. Wir brauchen deshalb eine neue Einstellung bzw. ein neues Bewusstsein im Volk Gottes: Jeder (!) Nachfolger Christi versteht sich als Botschafter des Reiches Gottes in seiner Familie, seiner Arbeit, in der Nachbarschaft, in seiner Freizeit etc. Nur so können die vielen „unerreichten 6
Vorwort
sozialen Netzwerke“ mit der guten Botschaft erreicht werden und sie dann in die Nachfolge Christi geführt werden. Diese missionale Gesinnung muss sich aber vor allem durch einen missionalen Lebensstil im Alltag zeigen. Genau hier setzt das Buch von Andreas Schröter an. Angereichert mit praktischen Erlebnissen und Tipps aus einem reichen Erfahrungsschatz in diversen Diensten in Deutschland und den USA, ermutigt bzw. inspiriert der Inhalt zu einem missionalen Denken und Handeln. Dieses Buch ist von einem Praktiker, der gerne theologisch reflektiert, für den Alltag von „normalen“ Nachfolgern Christi geschrieben. Jeder wird von diesen 40 Lektionen profitieren. Ich habe Andreas und seine Frau Karin vor über 30 Jahren kennen gelernt, als die junge Pfarrersfamilie Schröter nach Nürnberg zog. Schon bald waren wir als frisch verheiratetes Ehepaar von der visionären Persönlichkeit von Andreas angezogen, und wurden Mitarbeiter in dem gerade von Schröters neu gegründeten Ehe- und Familiendienst Team F in Bayern. Schon damals war es ihnen ein Anliegen, Ehen und Familien nicht nur zu mehr Qualität und Gesundheit zu verhelfen, sondern Menschen in die Nachfolge Christi zu rufen. Ich habe Andreas und Karin als hingegebene Diener in Gottes Reich erlebt, die ihren Worten auch Taten folgen lassen und deshalb dem Ruf Gottes gehorsam waren, unter den Indianern Nordamerikas, das Evangelium des Reich Gottes auszubreiten. 7
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So gaben sie die Vorzüge eines sicheren Lebens in Nürnberg auf und zogen ins Indianer-Reservat zu den Menschen, die sie mit der Liebe Gottes erreichen wollten. In dieser, manchmal sehr herausfordernden Zeit haben sie prägende Lebenserfahrungen im Dienst in einer unerreichten Volksgruppe gesammelt. Die dort gelernten Prinzipien von missionalem Handeln lassen sich genauso bei uns in Deutschland anwenden. Jeder, der dieses Praxis-Buch liest und lebt, wird selber in seiner Christus-Nachfolge Wachstum erfahren, andere Menschen werden dadurch gesegnet und es macht auch noch Freude. Norbert Knöll, Leiter der Gemeinde Vaterhaus in Nürnberg und Mitarbeiter bei den Stadtreformern.
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ENDLICH DARF ICH!
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rüher war ich voll Stolz, als ich mit meinem Opa Samstags auf den Hof hinter seinem Haus ging und er Holz zugesägt hat. Er hatte eine Handsäge, die so groß war wie Russland. Und da stand er in der Sonne und sägte in seinem Unterhemd, bis es dunkel wurde. Ich erinnere mich, wie ich Stunden daneben stand und zuschaute und Fragen stellt. Mein Opa war leider nicht von der redenden Sorte, was aber einen 5-Jährigen nicht abhält, viele Fragen zu stellen. Auch einsilbige Antworten sind gut. Ich glaube, ich war 7 Jahre alt, bevor ich das erste Mal meine wirkliche Frage stellte: „darf ich auch mal?“. Nicht jeder Opa ist gut mit Worten. Meiner war es nicht. „Vielleicht bald mal“ sagte er. Und so zogen die Wochen dahin. Und dann kam der Moment. „Willst du mal?“ fragte er mich. So ein Vogel – für was bin ich denn Monate lang daneben gestanden? Habe ich nicht Stunden neben ihm gestanden und seine Arbeit bewundert? Die wenigen Worte wollte ich ihm zurückzahlen. Also habe ich gar nichts gesagt, sondern nur genickt. Und das war mein Einstieg ins Holzsägen… Die Jünger von Jesus waren in einer ähnlichen Lage. Monate lang zogen sie mit ihm durchs Land. Sie beobachteten. 9
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Sie waren erstaunt. Sie wollten das irgendwie auch. Und dann kam der Moment: „Jetzt seid ihr dran!“. In Lukas 10 wird die Aussendung der 72 Jünger beschrieben. Zum ersten Mal waren sie dran – ohne Jesus an ihrer Seite. Es war der Einstieg in die Mission Jesu… Und was Andreas Schröter in diesem Buch macht ist diesen Moment auszupacken. Er taucht in die Anweisungen von Jesus ein und übersetzt sie für Mütter und Mieter, für Arbeiter und Studenten, für Freaks und Finanzverwalter. Was Jesus den Jüngern mitgab war praktisch. Es legte die Grundlage für ein Leben in seinem Windschatten. Und das ist auch heute noch die Anleitung für das Alltagsdesign von Amateuren. Leute wie du und ich. Wir können von diesen einfachen Anweisungen einen Schatz von Inspiration heben und das Reich Gottes darin schmecken. Andreas hat eine große Gabe an die Menschen, die ihn kennen dürfen: er fragt beständig nach den Wegen von Jesus und wie das im Hier und Heute aussieht. Seit ich ihn kenne, verbringt er Zeit mit Gott, hört seine Stimme und liest sein Wort. Er ist ein Jünger – ein Lernender von Jesus. Ich lernte ihn kennen als er aus Nordamerika zurückkam und unter den Indianern in Wisconsin für 12 Jahre gelebt hat. Dort hat er diese Ideen von Jesus praktiziert. Sein Leben strotzt von der Nachfolge – und daher ist dieses Buch gewachsen und gereift. Eine wirkliche Wohltat in unsrer Zeit von oberflächlichen Meinungen. Quer durch das Buch findest du ein paar Artikel und Inspirationszeilen. Als Spark Netzwerk wollen wir neu die Schönheit des Glaubens entdecken und vermitteln. Diese Berichte und Gedichte sollen dich mit auf unsere Reise einladen. Wir sind überzeugt, dass der Glaube am besten 10
Vorwort
funktioniert, wenn er im alltäglichen seine Tiefe entfalten darf – fernab von Show und Organisation, von Äußerlichkeit und Meinungsmache. An den Tischen in unseren Landen zeigt sich die Geschichte und Relevanz von Jesus auf eine Art, die überrascht und eine neue Welt öffnet. Das ist unser Traum. Das ist der Traum, im Windschatten von Jesus zu laufen. Marlin Watling Heidelberg, August 2017
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IM WINDSCHATTEN VON JESUS Eine einfache Anleitung für einen missionalen Alltag
ANDREAS SCHRÖTER
EINLEITUNG
E
ine Frage, die mich schon seit vielen Jahren beschäftigt, ist: Wie kann man heute in seinem ganz normalen Umfeld – in der Nachbarschaft, am Arbeitsplatz, im Freundes- und Bekanntenkreis etc. – wie Jesus leben? Bei Jesus ist ja auffällig, wie er einerseits in einer innigen Beziehung zu seinem Vater im Himmel (nach oben) gelebt hat und auch in einer engen Beziehung zu seinen Jüngern – aber auch ständig Beziehungen zu Außenstehenden aufgebaut hat (nach draußen). Er hat beständig Außenstehende mit hineingenommen, mit ihnen gegessen, geredet, Wahrheiten kommuniziert, sie geheilt, ihnen die Dinge des Reiches Gottes erklärt, ihre Lasten mitgetragen und vieles mehr. Um diese „nach draußen“ Dimension geht es schwerpunktmäßig in diesem Buch. Ich habe immer wieder die Erfahrung gemacht, dass es Christen mit der Gabe der Evangelisation relativ leicht fällt, ihren Glauben weiterzugeben und anderen Menschen von Jesus zu erzählen. Auf der anderen Seite gibt es all die Christen, die diese Gabe nicht haben und sich damit schwerer tun. Die „Evangelisten“ können nicht verstehen, dass man Schwierigkeiten haben kann, über seinen Glauben zu reden, und betreiben häufig „Gabenprojektion“: Es müsste den anderen doch genauso leicht fallen wie ihnen! Die nicht so evangelistisch
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Begabten hingegen fühlen sich dann manchmal nicht richtig verstanden oder sogar unter Druck gesetzt. Ich möchte in diesem Buch einen Weg aufzeigen, der besonders denen von uns helfen kann, andere Menschen für Jesus zu erreichen, die sich nicht primär als Evangelisten sehen. Aber auch evangelistisch Begabte werden davon profitieren! Besonders wenn du Menschen für Jesus erreichen möchtest, ohne in ein zeitaufwändiges Programm involviert zu sein, ist dieses Buch genau richtig für dich. Einen missionalen Lebensstil kann jeder erlernen! Und er ist auch nicht abhängig davon, dass du bestimmte geistliche Gaben hast. Beim missionalen Lebensstil geht es darum, seine Gaben im Umgang mit Menschen einzubringen, die mit Jesus nichts oder nur wenig am Hut haben (also nicht nur im Gemeindekontext). In den letzten Jahrzehnten ist viel über Werte geschrieben worden – und ich bin voll und ganz davon überzeugt, dass Werte enorm wichtig sind und uns Orientierung geben können. Das Problem ist nur, dass man über Werte reden kann, bis einem die Puste ausgeht – ohne sich unbedingt auch entsprechend zu verhalten. An der Stelle müssen wir praktisch werden – in unserem Fall mit missionalen Praktiken. Diese können uns helfen, die Werte, die uns wichtig sind, in die Praxis umzusetzen (z.B. Außenstehende zu erreichen, die Liebe Gottes weiterzugeben, nicht selbstzentriert zu leben etc.). Es gab in den letzten Jahren auch viele Publikationen, in denen eine „missionale Theologie“ entfaltet wurde. In diesem Buch will ich missionale Theologie praktisch werden lassen. Ich habe zwar Theologie studiert und reflektiere gern theologisch, doch verstehe ich mich in erster Linie als „missionaler Praktiker“. Darum habe ich das Buch in Form von täglichen Impulsen geschrieben - angelegt auf vierzig Tage, jeweils 16
Einleitung
mit Fragen und Gedankenanstößen, die zum Nachdenken und zum Umsetzen anregen. Um es praktisch und anschaulich zu machen, flechte ich immer wieder Geschichten aus unserem eigenen Leben ein. Sie kommen zum großen Teil aus den zwölf Jahren, in denen wir als Familie in einem Indianerreservat in Nordamerika gelebt haben. Gott hat uns da vieles gelehrt, was in verschiedenen kulturellen Kontexten angewandt und gelebt werden kann. Natürlich muss man es an den jeweiligen Kontext anpassen – aber die Prinzipien dahinter sind kulturübergreifend! Es war mir immer wichtig, Menschen für Jesus zu erreichen – sei es, als ich Theologie studiert habe oder eine missionarische Studentenarbeit geleitet habe, sei es, als ich in der evangelischen Landeskirche Vikar war und ein paar Jahre als Pfarrer gearbeitet habe oder als wir die christliche Ehe- und Familienarbeit Team.F in Bayern aufgebaut haben. Einen entscheidenden Schritt nach vorne aber erlebte ich noch einmal, als wir als ganze Familie auf das „Missionsfeld“ gegangen sind in ein Indianerreservat in Nordamerika. In den zwölf Jahren, die wir dort gelebt haben, hatten wir im Prinzip nur Eines anzubieten: unser Leben! Wir konnten eigentlich nur einen Lebensstil vorleben, durch den etwas von Jesus sichtbar wurde. Wir hatten kein attraktives Programm, nicht einmal (für viele Christen unvorstellbar J) eine Lobpreisband. Nur durch die Art, wie wir lebten, konnten wir die Liebe Jesu anschaulich machen und sozusagen „verkörpern“. Mit anderen Worten: Wir konnten nur „ein kleiner Jesus“ sein. All das war nur möglich im Windschatten von Jesus! Er musste vorangehen und wir hinterher. So hat Gott uns in den zwölf Jahren in dem Indianerreservat einen ansteckenden, missionalen Lebensstil gelehrt, der 17
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über die Jahre dazu führte, dass viele Indianer zu Jesus gefunden haben. Und genau das würde ich mir wünschen: Dass du durch dieses Buch inspiriert wirst, einen ansteckenden Lebensstil zu leben – im Windschatten von Jesus und mit dem Rückenwind des Heiligen Geistes! Die einzelnen Tage sind bewusst in eine Dreiteilung gegliedert: „Angedacht“ bringt den inhaltlichen Impuls „Nachgedacht“ enthält Fragen, die du reflektieren kannst. „Umgesetzt“ führt in die praktische Umsetzung Im Mittelteil, wo es um das Einüben von missionalen Praktiken geht, werde ich diese an Hand des Akronyms SEGELN entfalten um uns an den Rückenwind des Heiligen Geistes zu erinnern. J Natürlich kannst du gleich dort beginnen und in die missionale Praxis einsteigen. Allerdings würde ich dir dann empfehlen, den ersten Teil möglichst schnell nachzuholen, denn dort geht es um die Grundlagen: um unseren missionalen Gott und die Mission auf der er sich befindet, um Jesus selbst und sein Vorbild, dein tägliches Leben mit ihm und vieles mehr. Noch eine Empfehlung: Wenn du merkst, dass du den Inhalt, der für einen Tag vorgesehen ist, nicht ganz verdaut oder bis zu Ende durchdacht hast, dann nimm dir am nächsten Tag oder auch in den nächsten Tagen noch Zeit dafür!J
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Teil 1: Dein Leben mit Jesus und erste Schritte in einen missionalen Lebensstil
TAG 1 Du brauchst einen guten „Mix“ in deiner Beziehung zu Jesus! Angedacht
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enn wir in der Bibel lesen, erscheint uns vielleicht manches widersprüchlich oder zumindest spannungsvoll. So lädt uns Jesus einerseits ein, bei ihm zur Ruhe zu kommen – andererseits fordert er uns heraus, unsere Wohlfühlzone zu verlassen und etwas mit ihm zu wagen. Wenn man aber tiefer darüber nachdenkt, ist es genau der richtige Mix im Hinblick auf „Einladung“ und „Herausforderung“ in unserer Beziehung zu Jesus, der unser Leben mit ihm spannend und lebendig macht! Eine klassische Einladung finden wir in Matthäus 11,28: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ Hier sehen wir Jesus als Hirten, der uns zu sich ruft und uns erfrischen möchte.
Nur wenige Kapitel weiter, in Matthäus 14,22–33, ist eine Geschichte zu lesen, die hervorragend zeigt, wie Jesus 21
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seine Jünger herausfordert, etwas mit ihm zu wagen. Dort fordert Jesus Petrus auf, auf dem Wasser zu ihm zu kommen. Warum wählt Jesus gerade Petrus? Weil Petrus für eine Herausforderung offen und bereit ist! Er sagt: „Herr, bist du es, so befiehl mir, zu dir zu kommen auf dem Wasser.“ Das mag ich an Petrus: Er riskiert etwas mit Jesus! Ich kann mir so richtig gut vorstellen, wie Petrus mit sich gerungen hat: Soll ich den Schritt über die Bordkante wagen und wirklich auf das Wasser steigen? Vielleicht hat er sogar den rechten Fuß erst einmal vorsichtig ins Wasser getaucht, um zu sehen, ob oder wie tief er eintaucht … Eines steht jedenfalls fest: Petrus hätte nie erlebt, dass das Wasser ihn trägt – bzw. dass Jesus ihn auf dem Wasser trägt – wenn er sich nicht über die Bordkante begeben hätte! Und so ist er der Einzige von den Jüngern, der tatsächlich die prickelnde Erfahrung macht, auf dem Wasser zu gehen. Wir brauchen in unserer Beziehung zu Jesus eine gesunde Mischung aus Einladung und Herausforderung! Wenn wir in erster Linie der Einladung Jesu in der Bibel folgen, kann unsere Beziehung zu ihm recht gemütlich und selbstzentriert werden. Wenn wir uns ausschließlich auf die Stellen konzentrieren, wo Jesus uns herausfordert, kann das zu Stress und Hektik führen. Haben wir von beidem nur ein wenig, wird es langweilig und „tot“. Wir brauchen letztlich viel von beidem – Einladung und Herausforderung von Jesus. Dann wird es lebendig und spannend und es geschieht Wachstum! Ich kann in meinem Leben die beiden Pole „Einladung“ und „Herausforderung“ deutlich sehen: Nachdem ich drei Jahre lang Pfarrer in der evangelischen Kirche in Bayern war, empfanden meine Frau und ich, dass Gott uns rief, bei der Ehe- und Familienarbeit Team.F ein22
Du brauchst einen guten „Mix“!
zusteigen und auf die Sicherheit meines festen Gehalts zu verzichten. Wir sind wie Petrus aufs Wasser gegangen. Später kam dann der Ruf, mit der ganzen Familie aufs Missionsfeld zu gehen – auch eine starke Herausforderung. Neben diesen großen Herausforderungen gibt es die kleineren im ganz normalen Alltag, z.B. auf den Nachbarn zuzugehen und mit ihm ein Gespräch über Fragen nach dem Sinn des Lebens zu beginnen. Andererseits habe ich auch immer wieder erlebt, wie Jesus mich einlädt, bei ihm zur Ruhe zu kommen und bei ihm innerlich aufzutanken. Ich habe das Gefühl, Jesus fordert uns auch gerne immer wieder deswegen heraus, damit wir ihm wirklich vertrauen lernen. Er wählt die Herausforderungen so, dass wir merken: Wir schaffen es nicht aus eigener Kraft oder mit unseren eigenen Möglichkeiten, wir brauchen Glauben, um das zu tun, wozu er uns ruft. Wenn du dieses Buch voller Impulse liest, wirst du merken, wie Jesus dich immer wieder aus deiner Wohlfühlzone locken wird. Wenn du dich auf diese Herausforderungen einlässt, wirst du lernen, wie Petrus auf dem Wasser zu gehen – zumindest sinnbildlich! J
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Nachgedacht • Lies die Geschichte von Petrus und Jesus in Matthäus 14,22–33! • Wie sieht es bei dir im Hinblick auf Einladung und Herausforderung aus? Was hast du diesbezüglich in den letzten Monaten erlebt? • Wo stehst du im Augenblick in deiner Beziehung zu Jesus? Überwiegt die Einladung oder die Herausforderung?
Umgesetzt • In welchem konkreten Bereich oder Bereichen deines Lebens empfindest du, dass Jesus dich gerade herausfordert, deine Wohlfühlzone zu verlassen?
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TAG 2 Gott befindet sich auf einer Mission (die „missio dei“) Angedacht
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ch bin einmal dazugekommen, als amerikanische Freunde von uns einen Film angeschaut haben, in dem gezeigt wurde, wie ein Farmer mit bewundernswertem Eifer, Ausdauer und Mut einigen Pferdedieben nachjagte, die ihm ein paar Pferde geklaut hatten. Ich meinte: „Der hat wirklich nur ein Ziel: seine Pferde zurück zu bekommen!“ Woraufhin einer unserer amerikanischen Freunde meinte: „Yes, he is a man on a mission!“ In dem Augenblick hat es bei mir klick gemacht – und ich habe plötzlich tiefer verstanden, was es bedeutet, auf einer „Mission“ zu sein. Gott befindet sich auch auf einer Mission! Er möchte eine verlorene Welt zu sich zurückbringen. (Das nennt man auf lateinisch die „missio dei“, die „Mission Gottes“.) Diese Mission fing sofort nach dem Sündenfall an. In 1. Mose 3,15 spricht Gott zu der Schlange: „Und ich will Feindschaft setzen zwischen dir und der Frau und zwischen deinem Samen 25
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und ihrem Samen; er wird dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen.“ Dieses Wort hat die Kirche schon früh als einen Hinweis auf Jesus verstanden. Jesus, der Messias, wird am Kreuz der Schlange, dem Feind Gottes, den Kopf zertreten, während diese ihn in die Ferse stechen wird. Die Mission Gottes setzt sich fort in der Erwählung Abrahams, und in Abraham mit der Erwählung des Volkes Israel, einem Volk, durch das Gott der Welt zeigen möchte, wer er ist. Dann offenbart Gott sein Herz auf ganz besondere Weise durch die Propheten – ein Herz, das sein Volk und die ganze Menschheit sucht und liebt und möchte, dass sich sein Volk und die Menschheit zu ihm wendet. So heißt es z. B. in Jesaja 65,2-3a: „Ich streckte meine Hände aus den ganzen Tag nach einem ungehorsamen Volk, das nach seinen eigenen Gedanken wandelt auf einem Wege, der nicht gut ist; nach einem Volk, das mich beständig ins Angesicht kränkt.“
Das ist ein starkes Bild: Gott streckt seine Hände nach seinem Volk aus, obwohl es ihm ständig weh tut. Hast du schon einmal jemand geliebt, der dir beständig weh getan hat? Die Mission Gottes zielt auf die Offenbarung Gottes in Jesus ab und findet dort ihren Höhepunkt: Gott wird Mensch! Das ist unübertrefflich! 1. Korinther 5,19–20 ist ein ganz zentraler Text, in dem Paulus seine missionale Theologie entfaltet:
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Gott befindet sich auf einer Mission
„Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit ihm selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. So sind wir nun Botschafter an Christi statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott! Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, auf dass wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt.“
Dieser Text spricht davon, dass Gott in Jesus Christus auf unsere Welt gekommen ist – sich sozusagen in Jesus selber gesandt hat. Das ist umwälzend! So hat der bekannte Theologe Jürgen Moltmann ein Buch mit dem provokanten Titel geschrieben: Der gekreuzigte Gott.1 Das Ziel dieser „Selbstsendung“ Gottes ist Versöhnung, die Wiederherstellung der durch unsere Abkehr von Gott zerbrochenen Beziehung mit ihm.
Nachgedacht • Wie stark hast du die Mission, auf der Gott sich befindet, zu deiner eigenen Mission gemacht?
Umgesetzt • Welches andere Ziel bzw. Tätigkeit müsstest du konkret hintenanstellen, um stärker an der Mission Gottes teilnehmen zu können?
_________ 1 Jürgen Moltmann: Der gekreuzigte Gott. Das Kreuz Christi als Grund und Kritik christlicher Theologie. 27