DANNY SILK:
D I E PR A XI S D E R E HR E
L E B E D I E KU L T U R D E R E HR E I N D E I NE M A L L T A G
WI D M U NG
D
er Bethel Church: Danke für euer unermüdliches Streben und Mitwirken bei diesem großartigen Experiment, das „Bethel“ heißt. Bill Johnson und Kris Vallotton: Danke für eure mutige Leiterschaft! Dem Leitungsteam der Bethel Gemeinde: Ihr macht eure Arbeit meisterhaft. Es ist mir immer eine Ehre, mit euch zusammenzuarbeiten. Amy und Laurie: Danke für euren gewaltigen Einsatz, durch den dieses Projekt erst umgesetzt werden konnte.
© Copyright 2012 – Danny Silk All rights reserved. This book is protected by the copyright laws of the United States of America. al rules. DESTINY IMAGE® PUBLISHERS, INC. P.O. Box 310, Shippensburg, PA 17257-0310 “Promoting Inspired Lives.”
Deutsche Ausgabe: © 2013 Grain-Press,Verlag des Fördervereins Grain-House e.V. Marienburger Str. 3 71665 Vaihingen/Enz eMail: verlag@grain-press.de Internet: www.grain-press.de Übersetzung aus dem Englischen: Verena Bampangi Satz: Grain-Press Cover: Grain-Press, Adaption der Originalvorlage. Bibelzitate sind, falls nicht anders angegeben, der Neues Leben - Die Bibel, SCM R.Brockhaus, entnommen. Die Bibelzitate wurden der Deutschen Rechtschreibreform angepasst. ISBN Nr. 978940538840
VOR WOR T
N
achdem ich „Kultur der Ehre“ geschrieben habe, haben sich Leute aus der ganzen Welt bei mir bedankt. Bei den Rückmeldungen geht es ständig darum, wie radikal dieses Buch die Sichtweise der Leute im Bezug darauf verändert hat, wer Gott ist, wie sehr Er uns liebt und was wir ändern müssen, damit wir der Welt einen Vater zeigen können, der anders ist. Ein weiterer durchgängiger Bestandteil der Rückmeldungen ist die Bitte um ein unterstützendes Arbeitsheft, das als Hilfe dient, noch tiefer in die Thematik einzutauchen. Ich stelle Ihnen nun dieses Arbeitsbuch vor. Es ist ein Werkzeug, mit dem Sie die Materialien, die in meinem vorangegangenen Buch „Kultur der Ehre“ behandelt wurden, vertiefen können. Ich hofe und bete, dass Sie die Grundwerte und Prozesse so in Ihr Leben aufnehmen können, dass Sie am Ende sagen können: „Jetzt habe ich es kapiert!“ Friede, Danny Silk
I NHA L T S VE R ZE I CHNI S
Kapitel 1 E i ne üb e r nat ür li ch e Ku ltu r . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ........ 9
Kapitel 2 Der Trichter vom Himmel ............................................................. 29 Kapitel 3 Herrschaft, die vom Himmel ausgeht .............................................. 55 Kapitel 4 Geliebte Kinder des Lichts .............................................................. 71 Kapitel 5 Freiheitstraining – eine Haltung der Fülle entwickeln...................... 95 Kapitel 6 Die höchste Priorität der Leiterschaft ............................................ 121 Kapitel 7 Konfrontation im Königreich ........................................................ 139 Kapitel 8 Von Revolution über Reformation zur Transformation.................. 161
KAPITEL 1
E I NE Ü B E R NA T Ü R L I CHE KU L T U R
I
n der Bethel Church in Redding, Kalifornien passieren regelmäßig übernatürliche Dinge, besonders Heilungswunder. Diese übernatürlichen Ereignisse hängen unmittelbar mit der übernatürlichen Kultur zusammen, die die Leute in unserer Gemeinde seit über einem Jahrzehnt entwickelt haben. Das Herzstück dieser Kultur ist die Überzeugung, dass Jesus uns vorgelebt hat, wie wir als Christen leben sollen. Alle übernatürlichen Dinge, die durch Ihn passierten, rührten direkt von Seiner vertrauten Verbindung mit Seinem Vater her, und Er kam, um uns eben diese Beziehung durch Seinen Tod und Seine Auferstehung zuteil werden zu lassen. Ob wir einen übernatürlichen Lebensstil aufrecht erhalten können, bei dem uns Zeichen und Wunder folgen, hängt völlig davon ab, dass wir unsere wahre Identität als Söhne und Töchter Gottes ausleben. Die Leiter bei Bethel wissen, dass ihre vorrangige Aufgabe darin besteht, die Heiligen dazu zu befähigen, Gott kennenzulernen und in der Fülle dessen zu wandeln, was sie laut Seiner Aussagen sind. Diese Grundwerte wurden gelehrt und demonstriert, und so ist eine Gruppe von Leuten mit dem Glauben und dem Mut herangewachsen, den Himmel auf die Erde zu bringen.
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Die Praxis der Ehre
REFLEXION Welchen Zusammenhang gibt es zwischen dem Verständnis Ihrer Identität in Gott mit Ihrer Vertrautheit mit Ihm, sowie Ihrer Fähigkeit, einen übernatürlichen Lebensstil zu führen?
Damit Sie die Kultur der übernatürlichen Befähigung bei Bethel besser verstehen können, werde ich über etwas berichten, das sich vor einigen Jahren in unserer School of Supernatural Ministry ereignet hat. Alle Mitarbeiter haben eine große Freude an den Schülern, die das erste Schuljahr abgeschlossen haben. Wir sind so stolz auf ihren Eifer und ihre Liebe für die Erweckung. Immer nach der Sommerpause befragen unsere Mitarbeiter die Schüler, die für das zweite Jahr an die Schule zurückkehren. Das entfacht ganz neu die Begeisterung der Mitarbeiter darüber, dass sie ein weiteres Jahr mit den wunderbaren Menschen verbringen dürfen, die wir „unsere Schüler“ nennen. Diese Schüler im zweiten Jahr sind das Beste vom Besten, und sie werden wiederum Leiter für die neuen Schülern. In einem Jahr hatten wir zwei erstaunliche Schüler, die den Lobpreis und andere Aktivitäten leiteten. Nachdem sie das erste Schuljahr abgeschlossen hatten, beschlossen sie, im daraufolgenden Dezember, also während ihres zweiten Studienjahres, zu heiraten. Sie bewarben sich also für das zweite Jahr und wurden auch angenommen. Selbstverständlich – sie waren herausragende Menschen! Kurz nach Beginn des zweiten Jahres kam Banning Liebscher, der Pastor der Zweitklässler, zu mir und sagte: „Wir haben ein Problem. Ich habe da zwei Schüler, die bekannt haben, dass sie während des Sommers miteinander geschlafen haben.“ Ich fragte ihn, was er nun tun würde. Er sagte: „Nun ja, wenn es nur das wäre, dass sie Sex hatten, wäre es kein größeres Problem. Sie haben einen Monat bevor die Schule wieder losging damit aufgehört und sind wirklich reuevoll. Ich nahm ihm das wirklich ab, als er es mir erzählte.“ „Was gibt es denn sonst noch?“, fragte ich. Banning sagte: „Ich habe gerade erfahren, dass sie schwanger ist.“ So sah die Situation also aus: Eine unverheiratete, schwangere Schülerin der Bethel School of Supernatural Ministry, die hier durch die Gänge streift. Diese Situation bedurfte einer Erklärung. Ich sagte: „Lass uns doch zusammen mit ihnen darüber sprechen.“
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Eine übernatürliche Kultur
REFLEXION Wenn Sie ein Leiter wären, welche Gefühle würde dieses Dilemma (sowohl im Hinblick auf Sie selbst als auch auf die betrofenen Schüler) bei Ihnen hervorrufen?
Was würden Sie in dieser Situation tun? Was würden Sie von diesen Schülern erwarten? Wie könnte diese Situation Ihr Handeln oder Ihre Schulordnung beeinlussen?
Banning und seine Co-Pastorin Jill Stocker kamen also mit den beiden Schülern in mein Büro. Ich kannte sie nicht, und sie kannten mich nicht. Keiner von ihnen sah mir in die Augen, als sie mein Büro betraten. Es war ofensichtlich, dass sie sich furchtbar für das, was sie getan hatten, schämten. Jetzt erwarteten, sie dass wir sie für ihre Fehler bestraften. Sie glaubten nicht nur, dass ihre Sünde eine Strafe verdiente, sondern waren sich auch darüber im Klaren, dass wir als Gemeindeleiter die Allgemeinheit vor den rebellischen Ausnahmen schützen mussten. Sie wussten, dass sie rebellisch gehandelt hatten, und dass das jetzt wohl „das Gespräch“ war. Was könnten wir auch anderes tun als ihnen noch zu sagen, dass wir sie lieben, und ihnen dann den Weg zur Tür zu zeigen? Ich eröfnete das Gespräch, indem ich sagte: „Vielen Dank euch beiden. Ihr kennt mich nicht und wisst nicht, was hier auf euch zukommt. Danke für eure Verletzbarkeit und das Vertrauen, das ihr mir entgegengebracht habt. Ich weiß, dass das beängstigend ist, doch ich möchte nicht, dass ihr Angst habt. Wir haben noch keine Entscheidung über irgendetwas getrofen, weil wir nicht genau wissen, wo das Problem liegt.“ Ich wandte mich an den jungen Mann: „Kannst du mir sagen, was das Problem ist?“ „Hat Banning dir nicht erzählt, was passiert ist? Hat er nicht mit dir gesprochen?“ Ich merkte, dass er sich durch meine Frage unwohl fühlte. Ich antwortete: „Doch, das hat er. Banning hat mit mir gesprochen.“ Er fragte mich: „Willst du, dass ich es nochmal sage?“ „Wenn du weißt, was das Problem ist, sage es mir bitte“, sagte ich. Meine Vermutung war, dass er wahrscheinlich noch nicht wusste, worin das Problem lag. „Wir hatten diesen Sommer Sex – mehrmals!“, rief er. „Aber ich dachte, ihr hättet damit aufgehört.“ 11
Die Praxis der Ehre
Er sagte: „Ja, das haben wir. Wir haben ungefähr einen Monat vor Beginn der Schule damit aufgehört.“ „Und was ist jetzt das Problem?“, fragte ich nochmal und versuchte, ihn dazu zu veranlassen, in seinem Herzen weiter nach dem Problem zu forschen. „Na ja, sie ist schwanger“, sagte er und dachte, dass das vielleicht etwas war, das ich noch nicht wusste. Ich fragte: „Können wir daran etwas ändern?“ „Nein!“, feuerte er zurück und zeigte mir damit deutlich, dass eine Abtreibung nicht in Frage kam. Er war sichtlich frustriert über meine Fragen. Anscheinend hatte er nicht vorgehabt, das Ganze so zu durchdenken. Er hatte mit einer Strafe gerechnet, und auf meinen Ansatz war er absolut nicht vorbereitet gewesen. Noch einmal fragte ich: „Okay, was ist also das Problem?“ Er sah mich einige Augenblicke lang an, schüttelte den Kopf und sagte: „Ich glaube, ich verstehe die Frage nicht richtig.“ Ich lachte in mich hinein. Banning und Jill lachten auch in sich hinein. Wir lachten alle in uns hinein. Keiner schien zu wissen, was das Problem war, und alle fragten sich, worauf ich mit meiner Frage eigentlich abzielte.
REFLEXION Warum waren weder die sündige Handlung (Sex außerhalb der Ehe) noch das Ergebnis davon (Schwangerschaft) das Problem?
Warum war es wichtig, dass der junge Mann selbst sein Problem herausindet, anstatt nur gesagt zu bekommen, was das Problem war, um dann eine Strafe zu erhalten?
Schließlich sagte ich: „Wenn es in unserer gemeinsamen Zeit heute darum ginge, ein Problem zu lösen, was wäre dieses Problem?“ „Ich weiß es nicht.“ Ich fragte ihn, ob er Buße getan hatte. 12
Eine übernatürliche Kultur
„Ja, natürlich habe ich das“, entgegnete er, wie wenn das eine völlig überlüssige Frage wäre. „Worüber hast du Buße getan?“, fragte ich. Nach einer langen Denkpause gab er zu: „Ich weiß es nicht.“ Ich sagte: „In Ordnung. Das ist wohl ein Teil des Problems, oder? Wie kannst du über etwas Buße tun, wenn du nicht einmal weißt, was das Problem überhaupt ist?“ „Ja, jetzt verstehe ich.“ Ich sagte: „Wir müssen also ein Problem inden, das wir lösen können. Darum geht es hier. Ich möchte dir ein paar weitere Fragen stellen.“ Ich wollte ihm einfach nur Fragen stellen. Ich würde ihm nicht sagen, was ich denke, oder was er denken sollte. Ich würde nicht versuchen, ihn von meinen genialen Sichtweisen oder meiner mächtigen Unterscheidungsgabe zu überzeugen. Ich wollte die Ehre, Weisheit und Fähigkeit diesen jungen Mannes zum Vorschein bringen. Sie mussten ans Tageslicht gebracht werden, damit er sich wieder daran erinnern konnte, wer er eigentlich war. Die Scham über seinen Fehler hatte ihn das vergessen lassen. Er dachte, er sei jemand, den man mit Füßen treten und bespucken musste, und er war darauf vorbereitet, dass unser Leiterteam ihn wie ein Stück Müll an den Straßenrand werfen würde. Mit der Hilfe des Heiligen Geistes brachten ihn die Fragen dahin, die Weisheit und das Wissen in ihm anzuzapfen um eine Lösung zu inden, die sein Leben für immer verändern würde.
REFLEXION Erinneren Sie sich an eine Situation in Ihrem Leben, in der jemand gegen Sie gesündigt hat. Übertragen Sie nun die Gedanken des vorangegangenen Abschnittes auf diese Situation. Versuche, Sie sich daran zu erinnern, wer diese Person in „Wirklichkeit“ ist. Gibt es dabei etwas, das sich für Sie unangenehm anfühlt oder Ihrem Gerechtigkeitssinn entgegen steht? Wenn ja, was?
Warum sind Fragen so wichtig? Sind Sie schnell dabei, Fragen zu beantworten oder anderen Ihre Meinung mitzuteilen? Glauben Sie, dass andere Leute ihre Probleme selbst lösen können?
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Die Praxis der Ehre
Beeinlusst es Ihr Bild von einer Person, wenn Sie mit ihrer Sünde konfrontiert werden? Was sagt das darüber aus, wie Sie den Ursprung des Wertes und der Identität einer Person verstehen?
Im weiteren Verlauf der Suche nach dem Problem spielte ich dem jungen Mann einige langsame Bälle zu. „Sag mal, wusstest du, dass es keine gute Idee war, mit deiner Freundin zu schlafen?“ Er schoss zurück: „Natürlich wusste ich das!“ „Wie kam es dann dazu?“ „Ich weiß es nicht.“ Er senkte den Kopf und brach den Blickkontakt ab. Ich gab ihm eine Wahlmöglichkeit, und die Chance weiter dran zu bleiben. „Weißt du es nicht? Oder willst du nur nicht weiter darüber nachdenken?“ „Wahrscheinlich passierte es, weil wir bis nachts um zwei wach blieben und bei ihr Filme anschauten.“ „Glaubst du wirklich?“ Ich hob meine Augenbrauen. „Aber ich habe versucht heimzugehen. Ich habe es mehrmals versucht. Ich sagte zu ihr, dass wir diese Situation vermeiden sollten. Ich sagte, dass wir beim letzten Mal schon zu weit gegangen waren und das nicht tun sollten. Doch sie wurde so zornig auf mich. Sie beschimpfte mich und sagte, ich würde sie abweisen. Und die daraufolgenden Tage waren die reine Hölle. Also sagte ich gar nichts und blieb einfach da. Ich sage nicht, dass es mir nicht gefallen hätte oder ich nicht daran beteiligt gewesen wäre. Das war ich! Es war es einfach nicht wert, mit ihr deshalb zu streiten.“ „Okay. Du willst mir also sagen, dass du dich mehr davor gefürchtet hast, dass sie wütend auf dich wird, als dass du dir Gedanken darüber gemacht hast, wie du deiner Aufgabe gerecht werden und sie vor dir beschützen kannst?“ Zögerlich antwortete er: „Ja.“ „Mit anderen Worten: Wenn du verärgerte Leute um dich herum hast, lässt du sie leicht darüber bestimmen, wer du bist. Könnte man es so ausdrücken?“ „Ja“, gab er kleinlaut zu. „Es muss also nur jemand auf dich wütend werden, und schon gibst du deinen Charakter und deine Integrität auf.“ „Ja.“ Langsam dämmerte es ihm. Ich fragte: „Mensch, ist das ein Problem?“ „Ja.“ „Würde unsere gemeinsame Zeit heute dir etwas bringen, wenn wir eine Lösung für dieses Problem suchen?“ „Auf jeden Fall.“ Er schaute wieder auf, stellte Blickkontakt her und versuchte ein 14
Eine übernatürliche Kultur
Lächeln zu verbergen. Ich merkte, dass es ihm komisch vorkam, dass er sich inmitten eines Prozesses, in dem er sich eigentlich wegen dem, was er getan hatte, schlecht fühlen sollte, plötzlich besser fühlte. „Großartig. Dann lass uns das angehen“, sagte ich mit einem breiten Lächeln im Gesicht.
REFLEXION Wie wurde das Problem letztendlich identiiziert? Welche Techniken wurden dazu benutzt?
Warum lächelte der junge Mann am Ende dieses Gespräches? Was war mit seinem Selbstwertgefühl und seiner Eigenverantwortung geschehen? Wie passierte das?
Ich wandte mich an das Mädchen, das den ganzen Prozess mitverfolgt hatte. Ich konnte sehen, dass sie nicht das gleiche durchmachen wollte. Ich wagte es trotzdem. „Was ist das Problem?“ Sie entgegnete schnell und abwehrend: „Ich weiß es nicht.“ „Weißt du es nicht, oder hast du Angst darüber nachzudenken?“ „Ich weiß es nicht.“ Ich sagte sanft: „Ich sehe, dass du Angst hast. Ich möchte nicht, dass du dich fürchtest. Ich möchte dir dabei helfen herauszuinden, was dich dazu bringt, dein Leben so viel komplizierter zu machen. Darf ich dir dabei helfen?“ Schließlich gelangten wir zu der Einsicht, dass sie Menschen nicht vertraute. Das war eine Festung in ihrem Leben, die sich in unterschiedlichen Verhaltensweisen zeigte. Sie hatte mit Misstrauen zu kämpfen, was sie davon abhielt, Leute in ihr Leben sprechen zu lassen. Im Sommer hatten mehrere Mitschüler versucht, ihre Situation anzusprechen, doch sie ließ nicht zu, dass sie ihre Entscheidungen beeinträchtigten. Sie hatte das Gefühl, dass diese Schüler sie kontrollieren wollten, und ihre Furcht machte sie blind für ihre Fürsorge und Besorgnis. Dieses Problem hatte in ihrem Leben viele Jahre lang verheerende Schäden angerichtet. Sie war furchtsam, abgeschottet, oft stur und zurückhaltend. 15
Die Praxis der Ehre
Ich ging mit ihr durch den gleichen Prozess den Dingen auf den Grund: Fragen. Viele, viele Fragen; sonst nichts. Doch nicht einfach irgendwelche Fragen, sondern die richtigen Fragen. Wenn man auf die richtige Weise die richtigen Fragen stellt, kann man einen sicheren Ort schafen. Eine erfolgreiche Konfrontation ist davon abhängig, wie sicher sich diejenigen fühlen, die konfrontiert werden. Wenn wir ihr Bedürfnis nach einem sicheren Rahmen missachten, dann werden sie sich wie Leute verhalten, die abwehrend, anklagend, lieblos, selbstsüchtig und mehr daran interessiert sind, ihre eigene Haut zu retten als das von ihnen verursachte Chaos zu beseitigen. Dann übersehen wir völlig, wer sie eigentlich sind, und klagen sie nur ihres Verhaltens wegen an. Ein Prozess, bei dem das Bedürfnis nach Vertrauen und Ehre respektiert wird, hat jedoch ein völlig anderes Ergebnis, weil dadurch den Leuten Freiheit zugestanden wird. Freiheit von Kontrolle, Strafe und Furcht. So werden Konfrontationen im Königreich Gottes durchgeführt.
REFLEXION Was ist Ihre spontane Reaktion auf den Vorschlag, Sündern Freiheit zuzusprechen? Gibt es dabei etwas, das Ihnen das Gefühl von Unbehagen oder Furcht vermittelt? Wenn ja, was?
Warum ist es wichtig, selbst in der Beziehung zu denen, die Sie verletzt haben, Vertrauen und Ehre aufzubauen? Was bringt das diesen Personen? Welchen Nutzen haben Sie selbst davon?
Wir hatten zwei Personen, die in derselben Situation waren, doch zwei völlig unterschiedlichen Problemen gegenüberstanden. Er befürchtete, dass sich Leute über ihn ärgern könnten, und sie hatte Angst, dass Leute sie kontrollieren wollten. Als wir diese Probleme identiiziert hatten, erwarteten sie nicht mehr, dass man sie deshalb köpfen würde. Wir hatten einen sicheren Ort geschafen, an dem sie sie selbst sein konnten; die wunderbaren Leute, die sie in Wirklichkeit sind. Dann war es an der Zeit, ihnen dabei zu helfen, ihre Probleme zu lösen und sie von der Scham über ihren Fehler zu befreien. 16
Eine übernatürliche Kultur
Ich stellte ihnen eine weitere Frage: „Wen betrefen diese Probleme in eurem Leben? Es ist so, wie wenn ihr mit einem großen Farbeimer durch ein Zimmer gelaufen seid und ihn dann fallen gelassen habt. Die Farbe ist überall hin gespritzt.Wer wurde von der Farbe getrofen?“ Sie begannen an die Leute zu denken, die sie liebten, und die noch nicht wussten, dass sie schwanger war. Das waren die Leute, die an sie geglaubt und sie geehrt hatten. Das waren die Beziehungen, die sie bewahren wollten: ihre Eltern, Geschwister, Leiter in der Bibelschule und Leiter in ihrer Heimatgemeinde. Banning, Jill und ich konnten sehen, wie die beiden all diese Leute der Reihe nach aufzählten. Als sie ihnen ins Gedächtnis kamen, erkannten die Schüler, wie sehr diese Situation andere verletzen würde. Sie weinten, während sie die Namen anführten und empfanden schließlich den Schmerz, den das Problem verursacht hatte. Unser Team saß nur schweigend da und sah die „göttliche Traurigkeit“, von der in der Bibel die Rede ist (siehe 2. Korinther 7,10). Sie führte die beiden Schüler zur Umkehr; wir mussten sie nur ihr Werk tun und ihre Frucht bringen lassen. Sie schluchzten immer noch. Keine noch so hohe Strafe hätte das bewirken können, was gerade in ihnen vor sich ging. Es war etwas Wunderschönes, und es geschah aus ihrem Innersten heraus. Keiner zwang sie dazu, etwas zu sehen. Niemand versuchte sie davon zu überzeugen, dass sie Buße tun mussten. All das kam ans Tageslicht, weil wir ihnen zutrauten, selbst eine Menge Liebe und Respekt zu haben – und weil wir die richtigen Fragen stellten.
REFLEXION Was geschah im Inneren dieser beiden Menschen, dass sie darauf mit der göttlichen Traurigkeit reagierten, die zur Buße führt?
Wie reagieren die Leute normalerweise, wenn man ihnen sagt, wie schlimm es war, was sie getan haben, und wie sehr sie andere verletzt haben? Vergleichen Sie die beiden Ergebnisse miteinander.
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Die Praxis der Ehre
Nachdem sie die Menschen in ihrem Leben aufgelistet hatten, die von ihrer Schwangerschaft am meisten betrofen sein würden, nannte ich auch einige Leute, die mir wichtig waren. „Wie sieht es mit dem Rest der Schüler aus dem zweiten Jahr aus? Wie werden sie davon berührt?“ Er sagte: „Diese Nachricht wird sie auf jeden Fall beeinlussen. Sie sind unsere Klassenkameraden!“ Doch sie erwiderte: „Manche werden sich vielleicht darum sorgen, doch die meisten müssen es ja gar nicht erst erfahren!“ „Aha, ist das ein weiterer Teil des Problems?“, fragte ich sie. „Was?“, fragte sie und schien es nicht zu verstehen. „Ist das ein weiteres Beispiel dafür, dass du denkst, du müsstest dich vor den Leuten verteidigen, denen du ziemlich sicher etwas bedeutest?“ „Ich weiß nicht“, sagte sie und wusste, dass sie aufgelogen war. „Weißt du es nicht, oder verstehst du, was ich damit sagen will?“ „Ich weiß, was du mir damit sagen willst“, gab sie zu. „Gut. Danke, dass ihr das mit mir betrachtet habt. Wie sieht es mit den Schülern im ersten Jahr aus, die euch als Leiter erleben? Wie sind sie von diesem Problem betrofen?“ Mit dieser Frage wandte ich mich bewusst an sie. „Was? Wir kennen sie doch überhaupt nicht! Warum sollten sie davon betrofen sein?“, rief sie heraus und war verärgert über meine Dreistigkeit. Doch ihr Freund sagte: „Du hast recht. Wir sollten in dieser Schule Leiter sein. Sie werden natürlich von uns beeinlusst und von dem, was wir getan haben.“ Ich fragte sie, was sie von dieser Sichtweise hielt. Es geiel ihr nicht, doch sie gab zu, dass manche vielleicht davon betrofen sein könnten. „Könnten betrofen sein, oder sind betrofen?“, fragte ich sie. Ich wollte sie jedes Mal festnageln, wenn das Problem von Vertrauen und Verletzbarkeit sie davon abhalten wollte, sich in der Situation von ihrer besten Seite zu zeigen. „Sind!“, platzte sie heraus und lächelte dann fast um mir dafür zu danken, dass ich sie nicht entkommen ließ. Dann fragte ich: „Was wollt ihr nun tun? Ihr habt einen ziemlich ordentlichen Schaden angerichtet. Wir wissen, wer die Farbe abbekommen hat. Was werdet ihr jetzt tun um das wieder in Ordnung zu bringen?“ Sie gingen ihre Liste durch und fanden Lösungen: „Wir werden diese Familienmitglieder anrufen und diesen Leuten hier Briefe schreiben. Wir werden sie darüber informieren, was hier vor sich geht, Buße tun und sie um Vergebung bitten.“ Ich fragte sie: „Wie lange braucht ihr dazu?“ Nachdem sie sich miteinander abgesprochen hatten, sagte er: „Eine Woche. Wir hätten gerne eine Woche Zeit um unsere Familien zu verständigen und dieses Chaos zu beseitigen.“ „In Ordnung“, sagte ich. „Dann warten wir ab und kümmern uns danach um die Schüler der Bibelschule, die auch von der Situation betrofen sind.“
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REFLEXION Beachten Sie, wie oft diesen beiden Wahlmöglichkeiten anstatt Antworten angeboten wurden (z. B. „Könnten betrofen sein, oder sind betrofen?“). Welche Absicht steckt dahinter, ihnen diese Wahlmöglichkeiten zu geben, und welche Auswirkungen hat das?
Würden Sie in dieser Situation darauf vertrauen, dass die beiden ihr Durcheinander aufräumen, oder hätten Sie das Gefühl, Sie müssten sicher gehen, dass sie es auch ordentlich machen? Warum?
Und so taten sie das, was sie gesagt hatten. Innerhalb der einen Woche informierten sie die Mitglieder ihrer Familien und die Gemeindeleiter. Sie gingen auch zu den Pastoren Bill Johnson und Kris Vallotton und zu einigen anderen Mitarbeitern der Schule. Diese Leute standen nicht mehr kurz davor, von der Schule geschmissen zu werden. Sie verdienten es auch nicht mehr, bestraft zu werden. Fast alle begegneten ihnen mit einem Schwall von liebevollen Reaktionen und Bestätigung. Es gab auch ein paar negative Reaktionen, doch das Paar hatte für diese Leute mehr als genug Gnade. Wir sehen, dass Scham durch Liebe beseitigt wird. Scham versucht, Menschen in ihren Fehlern gefangen zu halten und sie davon zu überzeugen, dass sie machtlos sind und nichts ausrichten können. Nachdem wir liebevoll die Scham von diesen beiden weggenommen hatten, wurden sie wieder stark, stellten sich den Konsequenzen und beseitigten ihr Chaos. Ihr Durcheinander in Ordnung zu bringen war auch eigentlich das einzige, was sie tun konnten. Sie konnten die Vergangenheit nicht rückgängig machen. Doch sie konnten zu denen hingehen, die sie liebten, und sie um Vergebung bitten. Dadurch sagten sie zueinander: „Bitte lass mich dir meine Liebe zeigen und diese Beziehung schützen. Bitte lass mich meinen Mist aufräumen.“ Die Liebe hat ihre Furcht vertrieben und sie wieder stark gemacht.
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STARKE MENSCHEN: Übernehmen mit Wahrheit und Integrität die Verantwortung für ihre Entscheidungen, anstatt andere oder ihre Umstände verantwortlich zu machen.
Lehnen Gefühle der Furcht und Hofnungslosigkeit ab, weil sie wissen, dass sie immer eine Wahl haben, was ihnen die Macht der Selbstbestimmung gibt. Brauchen keine anderen, die sie glücklich machen, sondern können ihre Gefühle selbst steuern. Reagieren in Beziehungen von innen heraus.
Beeinlussen ihr Umfeld anstatt sich von ihrem Umfeld beeinlussen zu lassen. Setzen Grenzen im Bezug auf die, die das nicht schätzen, was sie tun. Sind Freiwillige, keine Opfer.
Nehmen ihr Leben und ihre Visionen selbst in die Hand und wissen, dass sie es schafen können. Lieben und ehren andere, egal, ob das auf Gegenseitigkeit beruht oder nicht.1
REFLEXION Haben Sie bisher so auf Leute reagiert, dass ihre Scham beseitigt wurde, oder wollten Sie, dass sie sich wegen ihrer Sünde schlecht fühlen? Glauben Sie, dass Scham und Bestrafung im Umgang mit Sünde manchmal notwendig sind? Erklären Sie.
Was bedeutet es, wenn eine Person stark ist? Bist du eine starke Person?
1 Danny und Sheri Silk: Deining the Relationship: A Relationship Course for Those Considering Marriage. Redding: Verlag Loving On Purpose, 2011, 2. Aul., S. 20-22. (bisher noch nicht auf Deutsch erschienen)
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Eine übernatürliche Kultur
In der daraufolgenden Woche kamen die beiden Schüler wieder zur Schule. Ich wusste, wie schwierig das für manche ihrer Klassenkameraden sein würde. Ich rief die Klasse zusammen und sagte: „Es passiert gleich etwas, was manche von euch noch nie miterlebt haben. Es ist leicht, die beiden für das zu verurteilen, was sie gleich erzählen werden. Denkt also bitte daran: In diesem Raum wären ausnahmslos alle zwielichtige Drecksäcke, wenn sie Jesus nicht in ihrem Leben hätten. Behaltet das im Hinterkopf, wenn ihr ihnen jetzt zuhört. Wenn irgendjemand die beiden verurteilt, möchte ich, dass derjenige zuerst zu mir persönlich kommt, bevor ich über jemand anderen mitbekomme, was er gesagt hat.“ Dann gab ich dem Paar ein Zeichen, nach vorne zu kommen. Der junge Mann ing an und sagte: „Ich möchte mich bei dieser Klasse entschuldigen, weil ich weiß, dass wir ein Teil von euch sind, und ihr ein Teil von uns. Im Sommer haben wir Mist gebaut, und jetzt erwarten wir ein Baby.“ Ich war verblüft über seine Demut und Verletzbarkeit. Er tat vor dieser Gruppe wirklich Buße. Er fuhr fort: „Ich habe in meinem Leben ein Problem entdeckt, von dessen Existenz ich zuvor nichts wusste. Es hat mir eine Menge Schwierigkeiten beschert. Ich arbeite jetzt daran und bin hofnungsvoller als je zuvor, dieses Problem lösen zu können. Das ist Im Moment der Stand der Dinge.“ Er erklärte die ganze Angelegenheit. Sie stand mit ihm da, war demütig und verletzlich, und als er fertig war, tat sie das gleiche. Ich bat Brandon, einen ihrer Mitschüler, der eine väterliche Rolle in der Klasse einnahm, für sie zu beten, ihnen zu vergeben und ihren himmlischen Standard der Beziehungen mit dem Rest der Klasse wiederherzustellen. Als er aufstand, standen noch 47 weitere Schüler auf – die ganze Klasse – und drängten sich aneinander um die beiden zu umgeben. Manche weinten. Brandon sprach Gebete der Vergebung und Liebe. Er nahm sie wieder in die Gemeinschaft der Klasse auf. Ein anderer sagte ihnen, wie sehr sie sie liebten und dankte ihnen, dass sie die Schule nicht verließen. Ein anderer Schüler dankte ihnen dafür, dass sie der Klasse diesen Teil ihres Lebens anvertraut haben. Dann prophezeiten die Schüler über ihnen und dem Baby. Sie nahmen das Baby in die Gemeinschaft auf. Die ganze Klasse weinte. Es war wirklich eine wunderbare Zeit.
REFLEXION Welche Gefühle ruft die Reaktion der Schüler bei Ihnen hervor?
Die Luft im Raum erschien viel dünner, als sich die Leute umarmten und durch ihre von Tränen überströmten Gesichter hindurch lächelten. Dann kam jemand aus dem ersten Jahr herein und sagte: „Hey! Das erste Jahr hätte jetzt auch Zeit dafür.“ 21
Die Praxis der Ehre
Ich fragte das Paar: „Wollt ihr es jetzt machen?“ Sie sagten: „Warum nicht.“ „Okay, dann gehen wir.“ Ich ging voraus. Als die beiden in Richtung der ersten Klasse gingen, folgten ihnen 47 Schüler des zweiten Schuljahres nach. Die Schüler aus dem ersten Jahr sahen, wie diese Menschenmenge ihr Klassenzimmer betrat. Das Gefolge der 47 Schüler stellte sich wie eine Armee von Schutzengeln entlang den Zimmerwänden auf, während das Pärchen vor 100 Unbekannten stand und Buße tat. Ich bat Kevin Drury, einen Pastor, der sich ein Jahr frei genommen hatte um unsere Bibelschule zu besuchen, für sie zu beten, sie zu segnen und ihnen zu vergeben. Als er aufstand, standen auch 100 Erstklässler auf und umgaben das Paar, um für sie zu beten und sie zu segnen. Kevin betete und prophezeite über ihnen, brach den Fluch und die Scham der Unehelichkeit über dem Baby und schnitt das Recht des Feindes ab, durch Scham auf das Kind zuzugreifen und es zu zerstören. Es war eine starke Zeit der Liebe und Versöhnung. An diesem Tag umarmten und liebten hundert Unbekannte das Pärchen. Sie hatten alles getan, was in ihrer Macht stand, um ihr Durcheinander zu beseitigen. Im weiteren Verlauf des Jahres gaben sie ein Musterbeispiel unter den Schülern des zweiten Jahres ab.
REFLEXION Was halten Sie von der Tatsache, dass dieses Paar weiterhin die Schule besuchen durfte? Erscheint es Ihnen, als sei das Problem auf angemessene Weise gelöst worden? Hätte die Schule andere Maßnahmen ergreifen sollen? Warum oder warum nicht?
Monate später heirateten die beiden. Kurz danach hießen sie eine Tochter auf dieser Welt willkommen.Von dem Tag ihrer Geburt an musste sie um ihr Leben kämpfen. Die Familie wohnte in einem speziellen Kinderkrankenhaus im Norden Kaliforniens und schickte uns einen Bericht nach dem anderen, in denen stand, dass das Baby im Sterben lag. Egal, was wir gerade machten, wenn wir die Nachrichten bekamen, so beteten wir – auch in unseren Gottesdiensten und Mitarbeiterbesprechungen. Doch wochenlang ging es mit dem Baby nur bergab. Die Stimme der jungen Mutter klang verzweifelt, als wir ihren letzten Anruf bekamen: „Sie wird sterben. Die Ärzte haben alle gesagt, dass sie diese Nacht nicht überleben wird. Bitte betet!“ Nach diesem Anruf erinnerte ich mich besonders an Kevins Gebet. Ich erinnerte mich daran, dass keine Schande auf diesem Kind lag. Ich erinnerte mich daran, dass der 22
Eine übernatürliche Kultur
Feind kein Anrecht an diesem Baby hatte. Ich erinnerte unser Team an den Prozess der Wiederherstellung, den sie durchlaufen hatten. Gemeinsam erinnerten wir uns daran, wie wir dieser Familie mit Ehre und Schutz begegnet waren. Unser Team betete in unserer Mitarbeiterbesprechung und verkündete, dass Kevins Gebet die Schande ausgelöscht hatte. Tod und Zerstörung hatten keine Berechtigung im Leben dieses Kindes. Am nächsten Tag erhielten wir einen Anruf. Eine sehr aufgeregte Mutter sagte: „Die Ärzte wissen nicht, was passiert ist, doch sie nennen unser Baby das Lazarus-Baby!“ Bis zum heutigen Tag ist das kleine Mädchen dieses Paares am Leben und wohlauf. Es ist stark, hübsch und voller Leben.
REFLEXION Was sagt Ihnen diese Heilung über die Macht der Ehre? Was sagt sie über die Auswirkungen von Scham?
Im daraufolgenden Jahr war diese junge Mutter eine der Sprecherinnen bei einem Trefen des dritten Schuljahres. Sie stand auf und sagte durch ihre Tränen hindurch: „Ich möchte den Leitern in diesem Hause danken. Ausgehend von dieser Kultur gebt ihr allen, die hierher kommen, Stärke und Leben weiter. Ihr baut Stärke in anderen auf. Ihr habt uns ein Erbe gegeben. Wir werden nie mehr die Alten sein, weil ihr eine Situation in unserem Leben entsprechend angegangen seid. Es gibt nicht viele Leiter, die mit unserer Situation so umgegangen wären, wie ihr es getan habt. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie tiefgreifend uns das berührt hat. Ihr habt uns in einer Situation Leben geschenkt, die uns leicht für viele Jahre hätte aus der Bahn werfen können. Ihr habt uns eine Beziehung gegeben, für die wir sterben würden. Danke!“ Die Geschichten von Leuten, die diese übernatürliche „Bethel-Kultur“ annehmen, zeigen den Lebensstil und die Art von Beziehungen auf, die ein Umfeld schafen, das den Himmel auf die Erde bringt. Wenn Sie unsere Grundwerte nicht verstehen, werden Sie auch die Frucht, die wir ernten, nicht verstehen.
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Die Praxis der Ehre
GEDANKEN ZU GRENZEN „Ein Mensch ohne Selbstbeherrschung ist so schutzlos wie eine Stadt mit eingerissenen Mauern.“ (Sprüche 25,28) Grenzen vermitteln den Wert dessen, was innerhalb der Grenzen liegt. Wenn mehrere Schrottautos auf dem freien Feld stehen, ist das ein Schandleck. Wenn Sie einen Zaun um diese Autos aufstellen, haben Sie einen Schrottplatz. Und wenn Sie ein Gebäude um diese Autos herum bauen, haben Sie eine Garage. Mit jeder zusätzlichen Begrenzung steigern Sie den Wert dessen, was sich innerhalb der Grenzen beindet. Sie steigern den Wert dessen, was Sie besitzen, wenn Sie gesteigerte Ansprüche stellen, ehe Sie jemandem den Zutritt dazu gewähren. Indem wir Grenzen setzen, senden wir allen, die uns nahestehen, eine deutliche Botschaft darüber, wie viel Wert wir uns selbst zuschreiben.2 Das Herzstück dieser Kultur ist die Beachtung des Wertes der Freiheit. Wir lassen es nicht zu, dass Leute ihre Freiheit benutzen um Chaos anzurichten. Wir haben Grenzen; doch wir benutzen diese Grenzen dazu, damit Leute die Möglichkeit haben, sich auf ihre persönliche Art auszudrücken und so ans Tageslicht zu bringen, was wirklich in ihnen steckt. Wir wissen, dass den Leuten gezeigt wird, mit wie viel Freiheit sie umzugehen haben, wenn wir sie vor Wahlmöglichkeiten stellen. Wenn Menschen ihre wahre Fähigkeit zur Selbstbeherrschung und Verantwortung entdecken, empfangen sie die Ofenbarung und die Chance, die sie brauchen, um in die Freiheit hineinzuwachsen, die Gott sich für jedes Seiner Kinder wünscht.
REFLEXION Wie wurden in dieser Geschichte gesunde Grenzen aufrechterhalten?
Wie zeigen Wahlmöglichkeiten auf, mit wie viel Freiheit jemand umgehen kann? Wie helfen Entscheidungen den Leuten dabei, selbstbeherrschter und verantwortungsbewusster zu werden?
2
Aus Danny Silk: Erziehung mit Liebe & Vision. Gloryworld-Medien, 2010.
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Eine übernatürliche Kultur
METHODE: FRAGEN STELLEN 1. Zu Beginn der guten Fragen steht eine Absicht. Wenn du dich in eine Konfrontation begibst, stelle sicher, dass du eine klare Zielsetzung hast. Im Fall der jungen Studenten war das Ziel zunächst einmal, herauszuinden, was das „Problem“ war. 2. Wenn du das Problem identiiziert hast, ist es wichtig, seine Auswirkungen abzuschätzen. Die nächste Frage sollte dabei helfen, herauszuinden, welche Leute am „Aufräumen“ beteiligt sind – entweder aufgrund ihrer Beziehung mit der Person (den Personen), die im Zentrum der Situation steht, oder weil sie in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Problem stehen, oder beides. 3. Durch die nächste Frage wird die persönliche Übernahme der Verantwortung veranlasst, indem man fragt: „Was machen Sie jetzt?“ Dies gibt der Person die Möglichkeit einzusehen, dass die Lösung in ihr selbst und nicht irgendwo außerhalb zu inden ist. Keiner zwingt sie zu dieser Entscheidung; deshalb zeigt es denen, die sich mit dem Problem auseinander setzen, großen Respekt und Fürsorge. 4. Bieten Sie als nächstes Ihre Hilfe und Unterstützung an, indem Sie fragen: „Kann ich Ihnen in diesem Prozess irgendwie behillich sein?“ Die Frage zeigt, dass es keine Strafe gibt, man sie nicht verurteilt und sich von ihnen abwendet, sondern im Gegenteil: Es gibt das Angebot einer Partnerschaft und Fürsorge dieser starken Person gegenüber, die versucht,Versöhnung und Wiederherstellung in beeinträchtigte Beziehungen zu bringen. 5. Bringen Sie schließlich durch diese Frage den Aspekt der Rechenschaft mit hinein: „Bis wann erledigen Sie das – bis Donnerstag oder Freitag?“ Setzen Sie klare Grenzen, wenn Sie diese Rolle der Autorität einnehmen. Ansonsten fragen Sie: „Wann würde es passen, dass wir diese Diskussion weiterverfolgen?“
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Die Praxis der Ehre
METHODE: DIE PROBLEMLÖSUNG IN LIEBE DELEGIEREN 1. Hier trift dann alles zusammen. Bei der Konfrontation wird alles auf die Probe gestellt, was Sie gelernt haben. Das ist ein guter Zeitpunkt um darüber nachzudenken, welche Fortschritte Sie bislang in diesem Arbeitsbuch gemacht haben. 2. Wer macht die meiste Arbeit? In den meisten Konfrontationen laufen die Ängste auf Hochtouren. Deshalb ist es wichtig, dass die Liebe noch hochtouriger läuft. Oft verwechseln wir in unserem Denken Liebe und Kontrolle, und diese Verwechslung zeigt sich dann in unserem Verhalten während der Konfrontation. Erinnern Sie sich daran: Liebe schaft Freiheit, doch Furcht gibt der Kontrolle Raum. Das Hauptaugenmerk, das dabei hilft, diese beiden Geister auseinander zu halten, ist die Bereitschaft zu fragen: „Was werden Sie jetzt tun?“ Diese Frage erreicht zwei mächtige und hilfreiche Ziele: Sie sendet die Botschaft: „Ich glaube an Ihre Fähigkeit, Ihr Leben selbst zu meistern. Ich vertraue darauf, dass Sie das lösen und dann das tun, was am besten ist. Ich erkenne, dass Sie das Richtige tun wollen und alles daran setzen, es herauszuinden und umzusetzen.“
Sie sendet auch die Botschaft: „Das ist nicht mein Problem, sondern Ihres. Es steht nicht in meiner Macht, Sie oder Ihre Entscheidungen zu kontrollieren. Ich liebe Sie und werde Ihnen helfen, doch ich werde nicht mehr Arbeit in dieses Problem stecken als Sie. Wenn Sie es nicht als wichtig genug ansehen um es zu lösen, muss ich das akzeptieren und darüber nachdenken, was ich als nächstes tun werde.“
3. Behalten Sie die Liebe bei. Wenn die Konfrontation einmal begonnen hat, kann es dazu verleiten, dass wir uns von Leuten entfernen um uns selbst vor ihren Reaktionen zu schützen. Es ist auch sehr verlockend, sie fallen zu lassen, wenn sie nicht mit Ihren Sichtweisen oder Ideen übereinstimmen. Und schließlich: Wenn sie schlechte Entscheidungen trefen und nicht umkehren, erscheint es auch klug, dass Sie Ihr Herz vor ihnen beschützen, weil sie Ihnen dadurch ofensichtlich mitteilen, dass ihnen die Beziehung nicht wichtig ist. Geben Sie niemals die Kontrolle über Ihre Liebe einem anderen. Ihre Liebe ist das Beste, was Sie haben, und es bringt das Beste in dem Anderen zum Vorschein. Behalten Sie das Sagen über Ihre Liebe, komme was wolle. Bringen Sie während einer Konfrontation Hofnung in die Interaktion. Vielleicht sind Sie der einzige im Raum, der Hofnung hat. Leute, die einen Fehler begangen haben, vergessen oft, wer sie sind und warum sie wertvoll sind. Ihre hofnungsvolle Erwartungshaltung, dass es ein produktives Ergebnis geben wird, schaft neue Energie für etwas, das ansonsten für alle Beteiligten eine mühsame Erfahrung wäre. 26
Eine übernatürliche Kultur
Hören Sie auf die Stimme des Heiligen Geistes. Ein bedeutender Vorteil davon, gute Fragen zu stellen, ist, dass Sie Zeit brauchen um den Heiligen Geist zu fragen, wonach Sie fragen sollen oder was Er in der Situation gerade tut. Es ist schon ein Schlüssel dazu, im Geist der Liebe zu bleiben und anderen einen sicheren Ort zu bieten, wenn wir Ihn einfach nur um Seine Hilfe in der Konfrontation bitten.
DISKUSSION Diskutieren Sie diese Fragen mit einem Freund oder in einer Kleingruppe: 1. Was überrascht am meisten in dieser Geschichte? Haben Sie erlebt, dass ähnliche Situationen anders gehandhabt wurden? Was waren die Ergebnisse? 2. Diese Geschichte stellt das allgemeine Verständnis von Wörtern wie Freiheit, Selbstkontrolle, Stärke und Ehre in Frage. Können Sie diese Konzepte mit eigenen Worten erklären? Gibt es dabei Aspekte, die Sie nur schwer verstehen oder akzeptieren können? 3. Welcher Teil der Geschichte hat am stärksten zu Ihnen gesprochen? Welche Aspekte erscheinen Ihnen am schwierigsten? Was können Sie davon auf Ihr eigenes Leben übertragen?
ANWENDUNG 1. Denken Sie an eine Situation (in der Vergangenheit oder Gegenwart), in der jemand etwas getan hat, das Sie verletzt hat. Überlegen Sie, wie Sie die Prinzipien dieser Geschichte auf Ihre eigene Situation anwenden können. Schreiben Sie ein „Übungsszenario“ zwischen Ihnen und einer anderen Person, in dem Sie nur die Prinzipien der Ehre anwenden, die in diesem Kapitel besprochen werden. Wenn möglich, teilen Sie diese Übung mit einer anderen Person und holen Sie sich ihr Feedback ein. 2. Wir müssen uns zuerst selbst verändern, wenn wir unsere Art andere zu behandeln verändern wollen. Was muss sich in Ihrem Leben und Herzen verändern, damit Sie die Kultur der Ehre in Ihren Alltag integrieren können? Schreiben Sie Ihre Gedanken dazu auf. Dann bitten Sie den Herrn darum, Ihnen gezielte Strategien zu geben um diese Lebensbereiche gemäß Seiner Wahrheit zu verändern.
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3. Versuchen Sie diese Woche, den Gebrauch von Fragen und Wahlmöglichkeiten, die in diesem Kapitel vorgeführt wurden, auf mindestens eine Situation in Ihrem Leben anzuwenden; vielleicht im Umgang mit Ihrem Partner, Ihren Kindern, Ihren Eltern oder einem Kollegen.Teilen Sie dies mit einem Freund oder Klassenkameraden und sprechen Sie über Möglichkeiten, wie Sie Ihre Fähigkeiten, Wahlmöglichkeiten zu geben und Fragen zu stellen verbessern können.
KAPITEL 2
D E R T R I CHT E R VOM HI M M E L
E
iner der Hauptfaktoren, durch den die Bethel Church in einem Zustand der Vorbereitung und weiteren Verwaltung der Ausgießung des Geistes geblieben ist, ist der „Weinschlauch“ der Leiterschaft. Die Leiterschaft von Bethel wurde auf ein apostolisches und prophetisches Fundament aufgebaut und drückt sich auch durch alle anderen Gaben des fünfältigen Dienstes aus, wie es in Epheser 4,11 beschrieben wird: der Pastor, Lehrer und Evangelist. Als Mitglied dieses Teams habe ich aus eigener Erfahrung gesehen, wie jede dieser unterschiedlichen Salbungen durch ihren besonderen Aufmerksamkeits- und Motivationsbereich einen wichtigen Teil der Identität und Bestimmung der Gemeinde anspricht. Wenn die fünf Gnadengaben, die die Heiligen ausrüsten, nicht vollständig und auf reife Weise zum Ausdruck kommen, kann das Volk Gottes nicht angemessen darauf vorbereitet werden, das zu empfangen, was Gott ausgießt, und es an seine Umwelt weiterzugeben. Ich bin überzeugt, dass einer der Gründe, weshalb viele Pastoren nach großen Ausgießungen immer wieder die entmutigende Erfahrung machen, dass sich alles langsam wieder normalisiert, im folgenden begründet liegt: es ist das mangelnde Verständnis für den fünfachen Dienst, für ihre eigene Salbung und Berufung und dafür, wie ihre eigene Salbung die Richtung ihrer Gemeinde prägt. Ich möchte hier eine Grundlage für das Verständnis dieser Rollen und Salbungen legen, damit Leiter erkennen können, wie sie und andere in ihrem Team auf die Gnade, die Gott in sie hineingelegt hat, zurückgreifen und sie verwalten können.
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Die Praxis der Ehre
REFLEXION Was ist Ihr Verständnis vom fünfältigen Dienst? Wie würden Sie die Rollen dieser fünf Salbungen in der weltweiten Kirche und in der Gemeinde vor Ort deinieren?
Im März 1995 arbeitete ich in einer Plegeeinrichtung in Mount Shasta in Kalifornien. An einem Wochenende fuhren wir zu unserer Heimatgemeinde, der Mountain Chapel in Weaverville, Kalifornien. Nach dem Gottesdienst lud uns Kris Vallotton zum Mittagessen ein, weil er uns einen „Vorschlag“ unterbreiten wollte. Nach etwas Smalltalk erzählte er uns, dass Bob Johnson (Bills Bruder) die Mountain Chapel verlassen würde um eine neue Arbeit in Redding anzufangen. Dann fragte er mich, ob ich mir vorstellen könnte, Bob in seiner Funktion als Zweitpastor zu ersetzen. Meine Hände und meine Nase wurden kalt. Sheri und ich sagten zu ihm, dass wir für diese Entscheidung etwas Zeit brauchten. Wir konnten kaum glauben, was da vor sich ging, doch innerhalb weniger Monate waren wir mit der ganzen Familie nach Weaverville gezogen. An einem Samstag im September riefen uns Bill und Beni Johnson zu einem Gespräch in Bills Büro. Wir dachten uns, dass es wohl viele dieser „kurzen Gespräche“ geben würde, die uns dabei helfen sollten, uns zurechtzuinden, da wir völlig neu und unvorbereitet in den Dienst eingestiegen waren. Bill und Beni schienen nervös zu lachen, als die Besprechung begann. Beni sagte uns, wie froh sie waren, dass wir da waren. Sie sagte, dass sie noch nie einen solchen Frieden verspürt hätten und durch unsere Anwesenheit im Team so getröstet würden. Sie und Bill sprachen über unsere pastoralen Gaben und sagten, dass die Leute unter unserer Leiterschaft geliebt und gut versorgt wären. Während sie weiter sprachen, spürte ich, wie etwas in mir aufstieg; doch es war weder Stolz noch Genugtuung. Es war Furcht. Je länger sie zu uns sprachen, desto mehr spürte ich, was kommen würde. Die Bombe explodierte schließlich, als Beni sagte: „Wir haben das Gefühl, dass der Herr uns weiter führt. Wir haben es schon seit vielen Jahren gespürt, doch bisher hatten wir nie ein gutes Gefühl dabei, jemandem die Gemeindeleitung zu übergeben. Doch jetzt, wo ihr beiden hier seid, sind wir so erleichtert.“ Ich merkte, wie das Blut aus meinem Kopf abiel. Ich hatte das Gefühl, ich würde gleich in Ohnmacht fallen. Bill und Beni lachten. Ich bin mir sicher, dass mein Gesicht vor Schock und Schrecken wie eingefroren war, obwohl ich mein Bestes gab, meine Gefühle zu verbergen. Ich fragte: „Handelt es sich dabei um einen Zeitrahmen von fünf Jahren? Drei Jahre?“ 30
Der Trichter vom Himmel
Beni antwortete: „Februar, wir denken, dass wir im Februar gehen. Wir wissen nicht warum, aber diesen Monat empfangen wir immer wieder.“ „Februar 2000?“, lüsterte ich. Sie lachte: „Nein, Februar in sechs Monaten. 1996.“ Das war das letzte unserer „kurzen Gespräche“ um richtig anzukommen. Tatsächlich waren sie sechs Monate später dann auch weg. Die Bethel Church lud Bill im Dezember 1995 zum Vorstellungsgespräch ein und bot ihm die Stelle als Hauptpastor an. Wir glitten also einfach so in die Leitungsposition als Pastoren hinein. Ich nehme an, wir hätten es auch ablehnen können, doch wir wussten, dass der Herr einen Plan hatte. Nach unserem Trefen mit Bill und Beni war ich verärgert, hauptsächlich deshalb, weil ich solche Angst hatte. Nachdem ich Bill dafür vergeben hatte, dass er mich in eine Situation gelockt hatte, der ich nicht entkommen konnte, ing ich an zu sehen, was er in mir sah: eine pastorale Salbung. Er wusste, dass unsere Herzen sich auf die Menschen konzentrieren würden. Wir würden alles dafür geben, dass ihre Herde – die Menschen, in die sie 17 Jahre ihres Lebens investiert hatten – das Beste von uns bekommen würde. Glücklicherweise hatten sie recht. Als Pastor ing ich damit an, über Themen aus meinem Hintergrund der Seelsorge zu lehren und zu predigen. Ich begann damit, in den Herzen und Denkweisen der Gemeinde ihre wahre Identität als geliebte Kinder Gottes aufzubauen (siehe Epheser 5,1). Mein Zeitplan war voll von Terminen um mich mit Leuten zu trefen. Das ist die Leidenschaft der pastoralen Salbung: zu wissen, dass die Leute gesund und stark sind, weil das Evangelium lebendig wird, wenn die Heiligen wahre Liebe und Freiheit in ihrem Leben haben. Bill und Beni wussten, dass es ihrer Gemeinde jahrelang an einer starken pastoralen Salbung gefehlt hatte. Durch seine apostolische Salbung hatte Bill seinen Schwerpunkt immer mehr auf die Belange des Himmels gelenkt anstatt auf die Anliegen der Menschen. Sein Zweitpastor Bob Johnson hatte eine starke evangelistische Salbung, und sein Hauptaugenmerk galt den Verlorenen. Der andere Leiter, Kris Vallotton, war ein Prophet. Da ich nicht einfach den Apostel ersetzte, sondern mit einer neuen Sichtweise kam, die andere Bedürfnisse stillte, iel es der Gemeinde leicht, mich als Leiter anzunehmen und wertzuschätzen. Bill sagte zu mir, dass der Wechsel in der Leiterschaft „bedenklich reibungslos“ vonstatten gegangen war. Die Mountain Chapel war bereit für das, was die pastorale Salbung mitbringen würde. Nach Bills 17jähriger Zeit als Hauptleiter erwarteten wir beide negative Auswirkungen. Doch es gab keine. Das war meine erste Lektion um das Wesen und die Bedeutung jedes einzelnen Mitglieds des fünfältigen Dienstes zu verstehen.
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Die Praxis der Ehre
DIE FÜNFFÄLTIGE SALBUNG Ich kann Ihnen die Eigenschaften der fünfältigen Salbung am besten vorstellen, indem ich beschreibe, was passieren würde, wenn sie alle gleichzeitig bei einem Autounfall eintrefen würden: Der Pastor ist der erste, der aus dem Auto steigt. Er drängt sich nach vorne um die Lage einzuschätzen und bestimmt dann die Handlungsreihenfolge, indem er den Verletzten Erste Hilfe leistet. Er sammelt Decken, Jacken, Wasser und alles mögliche andere ein, was er inden kann, um ihnen zu helfen. Er beaufsichtigt die Situation um zu sehen, ob irgendetwas die Sicherheit der zu Behandelnden oder der Hinzugekommenen gefährdet. Er spricht mit den Opfern um herauszuinden, wie sie heißen, ob sie verheiratet sind und ob sie Kinder haben. Er sammelt Informationen über die Lebenszeichen und andere zugängliche Notfallinformationen um dem Rettungsteam zu helfen, wenn es am Unfallort ankommt. Er bringt Ruhe in die Situation hinein. Deshalb haben alle wirklich das Gefühl, dass der Pastor sich um sie kümmert und mit ihnen verbunden ist. Er fragt sich in der Zwischenzeit, ob er nicht doch hätte Arzt werden sollen. Der Lehrer ist als nächstes vor Ort. Er untersucht die Situation um die Unfallursache ausindig zu machen. Er tritt zurück, analysiert die Reifenmuster der Bremsspuren und wie viel sich die einzelnen Autos nach dem Zusammenprall noch bewegt haben. Er überschlägt, mit welcher Geschwindigkeit die Autos sich fortbewegten, als sie aufeinander prallten. Mit Hilfe seiner tiefgreifenden Kenntnisse der Gebrauchsanweisungen der Autos und der Verkehrsregeln entwickelt er eine Theorie darüber, wer falsch gehandelt hatte. Sein Schlusssatz ist, dass Fahrer im Allgemeinen mehr Übung brauchen und es wahrscheinlich sinnvoll wäre, verplichtende Schulungen und weitere Ausbildungsanforderungen einzuführen. Der Evangelist betritt den Schauplatz und fragt alle, die (dank des Pastors) an einem sicheren, bequemen Ort liegen: „Wenn Sie an der Folge Ihrer Verletzungen sterben würden, wüssten Sie, wohin Sie gehen würden? In den Himmel oder in die Hölle?“ Dann fällt ihm auf, dass viele Schaulustige dabeistehen und Leute mit ihren Autos angehalten haben. Er fängt an, die Menge auf die gleiche Frage anzusprechen und sagt: „Es gibt keine Garantie dafür, dass Sie heute sicher nach Hause kommen. Wenn Sie auf dem Heimweg sterben, wissen Sie, wohin Sie gehen?“ Direkt hier am Straßenrand geben die Leute ihre Herzen dem Herrn. Er erklärt allen neuen Gläubigen, dass das größte Geschenk, das sie jemandem geben können, die Erlösung ist. Er bringt ihnen bei, wie sie andere zu Christus führen können und betet, dass sie die Taufe des Heiligen Geistes empfangen. Danach sagt er: „Das war großartig!“ Er beschließt, dass er einen Polizeifunk Empfänger kaufen will, wenn er wieder in die Stadt kommt. Der Prophet wusste, dass das passieren würde, weil er letzte Nacht davon geträumt hat. Weil in dem Traum alle den Unfall überlebten, weist er alle Todesgeister zurück und verkündet mit großem Glauben und voller Salbung, dass alle leben werden und keiner stirbt. Er verkündet auch, dass Engel den Unfallort umstellen und betet, dass die Augen des Herzens der Menschen geöfnet werden, damit sie im Geist sehen. Dann geht er umher und ruft die Bestimmung verschiedener Leute aus. Er setzt den Geist der Ofen32
Der Trichter vom Himmel
barung in der Gruppe frei. Schließlich fängt er ganz selbstverständlich an sich umzuhören, wer hier die Verantwortung hat. Als er herausindet, wer es ist, stellt er fest, ob diese Person der von Gott auserwählte Leiter ist oder nicht. Oder wenn er feststellt, dass keiner zuständig ist, bestimmt er einen Leiter. Der Apostel betet für die Verletzten. Er lädt die übernatürliche Heilung Gottes an diesen Ort ein. Er fängt an davon zu berichten, wie er schon an anderen Unfallorten gesehen hatte, dass Gottes Kraft sichtbar wurde. Die Glaubenserwartung der Leute steigt langsam an. Dann fragt er, ob jemand in seiner Hand Wärme spüren kann. Diejenigen, die ihre Hände gehoben haben, bekommen von ihm die Aufgabe, für die Heilung anderer zu beten. Er demonstriert vor allen Anwesenden, dass das Reich Gottes nahe ist. Dann eröfnet er eine Schule für Leute, die an Unfallorte kommen, und schickt sie in die ganze Welt hinaus um Zeichen und Wunder zu tun. Dieses Szenario zeigt die Realität auf, dass jede Salbung auch eine Einstellung ist. Jede der Salbungen bestimmt darüber, wie eine Person verschiedene Umstände und Situationen einordnet. Infolgedessen ist es so, dass unterschiedliche Leute in ein- und derselben Situation verschiedene Lösungen vorschlagen und umsetzen. Keine der Salbungen ist wichtiger oder richtiger als die anderen. Sie sind alle nur eine von Gottes Gaben an die Menschheit, die dabei hilft, die Sichtweise des Himmels auf die Erde zu bringen.
REFLEXION Wenn Sie dieses Unfallszenario als Richtlinie nehmen, was denken Sie dann, zu welchem Bereich oder welchen Bereichen des fünfältigen Dienstes Ihre Gemeindeleiter passen? Wenn Sie Gemeindeleiter sind, was beschreibt Sie und die Mitglieder Ihres Teams am besten?
Haben Sie in der Vergangenheit gedacht, dass eine oder mehrere dieser Salbungen bedeutungsvoller als die anderen sind? Warum oder warum nicht? Wie hat diese Analogie ihre Sichtweise beeinlusst?
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Die Praxis der Ehre
APOSTEL UND PROPHETEN Ehe wir die fünf hauptsächlichen Salbungen genauer betrachten, möchte ich auf die Grundlage in der Schrift hinweisen, die über die Ämter und die Vorrangigkeit des Apostels und des Propheten spricht: Ihr aber seid Christi Leib und, einzeln genommen, Glieder. Und die einen hat Gott in der Gemeinde eingesetzt erstens als Apostel, zweitens andere als Propheten, drittens als Lehrer, sodann Wunderkräfte, sodann Gnadengaben der Heilungen, Hilfeleistungen, Leitungen, Arten von Sprachen. (1. Korinther 12,27-28; Elberfelder) In diesem Abschnitt legt Paulus eindeutig eine Prioritätenliste fest, die sich auf den Bereich des Übernatürlichen im Bezug auf jedes der Ämter bezieht. Ich hofe, Sie konnten in der vorangegangenen Illustration sehen, dass die Salbungen, die auf dem Apostel und dem Propheten liegen, eine Perspektive schafen, die sich hauptsächlich auf zwei Dinge konzentriert: das wahrzunehmen, was im Himmel geschieht, und es auf die Erde zu bringen, egal was es ist. Der Lehrer konzentriert sich darauf, alles haargenau beschreiben zu können, während der Evangelist und der Pastor die Menschen im Blick haben. Jeder dieser Schwerpunktbereiche ist lebenswichtig; doch damit sie so zusammenpassen, wie Gott es sich gedacht hat, müssen sie gemäß Seiner Prioritätenliste im richtigen Zusammenhang miteinander stehen. Die Bereiche mit dem himmlischen Schwerpunkt kommen zuerst und dienen dazu, die Bereiche mit dem irdischen Schwerpunkt zu beeinlussen. In 1. Korinther 12,27-28 beschreibt Paulus einen Fluss, bei dem er die Apostel zuerst nennt, dann als zweites die Propheten und als drittes die Lehrer. Dieser Strom ließt vom Apostel und Propheten durch den Lehrer, wird in Wundern und Heilungen freigesetzt und geht dann mit Hilfeleistungen, Leitungen und Sprachen weiter. Tragischerweise geschehen heutzutage in vielen Gemeinden die Ausübung der Lehre, Hilfeleistungen und Leitungsaufgaben losgelöst vom Übernatürlichen. Es scheint als seien diese Gaben von der Liste entfernt und vom Strom der übernatürlichen himmlischen Versorgung abgetrennt worden. Um diesen Fluss aufrecht zu erhalten, muss die Kirche auf Leiter gegründet sein, die das Übernatürliche als Grundwerte in sich tragen.
REFLEXION Erklären Sie die vorrangige Stellung des Apostels und Propheten. Wie geht es Ihnen mit der genannten Bedeutung dieser Reihenfolge? Gibt es dabei Aspekte, durch die Sie sich unbehaglich fühlen? Erklären Sie.
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Der Trichter vom Himmel
Was ist Ihre Sichtweise im Bezug auf die Gaben der Lehre, Hilfeleistungen und Leitung? Haben Sie diese Gaben in Verknüpfung mit dem Übernatürlichen erlebt? Wie sieht das aus (oder sollte das aussehen)?
Anstatt den Apostel und den Propheten als Grundlage der Gemeindekultur zu haben, hat die Kirche in Amerika heute weitestgehend dem Lehrer, Pastor oder Evangelisten das Ruder übergeben. Doch indem so das Übernatürliche erfolgreich vom Dienst getrennt wurde, wurde das allgemeine Verständnis der wahren Rolle der einzelnen Salbungen dramatisch beeinlusst. Heute besteht die Aufgabe des Lehrers in den meisten Kirchen darin, die Wahrheiten der Bibel deutlich und richtig in eine theologisch sinnvolle Botschaft zu verpacken, die den Gläubigen in ihrem Leben Sicherheit gibt. Die Aufgabe des Pastors ist die, eine Gemeinde zu bauen, in der es stabile Familienwerte und Einrichtungen gibt um den Charakter zu formen und Beziehungen zu bauen. Die Aufgabe des Evangelisten ist es, Gemeindewachstum zu betonen und Gemeindemitglieder dafür auszubilden, ihren Glauben mit anderen zu teilen und sie zu Christus zu führen. Das Problem dabei ist, dass diese Modelle von Leiterschaft sich auf das Irdische konzentrieren. Ohne den Strom der Gnade durch die Apostel und Propheten (die nicht nur darauf schauen, was im Himmel passiert, sondern auch, wie sie diese Realität hier auf der Erde freisetzen können) führen diese Modelle unweigerlich dazu, dass wir unseren Blick nur auf das richten, was Gott in der Vergangenheit getan hat, und dabei das verpassen, was Er jetzt gerade tut. Das führt dazu, dass wir Wissen höher bewerten als Erfahrung. Es ist noch schwieriger, dieses Ungleichgewicht zu vermeiden, wenn man in einer Gesellschaft lebt, die davon durchdrungen ist. Die meisten Schulen, Hochschulen und Universitäten unseres Landes haben sich ein dualistisches Weltbild zu eigen gemacht, das Wissen und Erfahrung voneinander getrennt betrachtet. Dieses Weltbild beschränkt das Ziel der Lehre auf die reine Informationsübertragung. Diese Weltanschauung ist allerdings auch in der Kirche zu inden. Das Ergebnis ist, dass ein Großteil des Lehrdienstes in den Gemeinden ohne übernatürliche Ofenbarung und Vollmacht ausgeübt wird. Stattdessen ist er auf das begrenzt, was man mit irdischer Autorität ausrichten und erzeugen kann. Doch die fünfältige Salbung der Lehre ist etwas völlig Anderes; sie ist eine der Gaben Christi (und Er hat genau vorgelebt, was jede der Salbungen tut). Jesus hat Seine Gabe der Lehre ausgeübt, indem Er sowohl predigte als auch Seine Botschaft mit Wundern demonstrierte. Alle, die Seine Lehre miterlebt haben, waren schockiert, weil sie so anders war. Anders, weil Er mit Autorität lehrte (siehe Markus 1,22). Er ist unser himmlisches Vorbild dafür, wie wir den Dienst der Lehre in Seiner Gemeinde zu deinieren haben. 35
Die Praxis der Ehre
REFLEXION Worin besteht die Gefahr, wenn man den Blick hauptsächlich darauf lenkt, was Gott in der Vergangenheit getan hat? In welchen Bereichen Ihres Lebens oder Ihrer Gemeinde haben Sie den Hang dazu, an der Vergangenheit festzuhalten?
Wie haben Sie persönlich oder innerhalb Ihrer Gemeinde Wissen und Erfahrung voneinander getrennt? Welche Auswirkungen hatte das auf die Wirksamkeit in Ihrem Leben und im Dienst?
In der amerikanischen Kultur ist das Führungsmodell, bei dem es eine klare Rangordnung der unterschiedlichen Rollen gibt, nur schwer zu verstehen und anzunehmen. Unser amerikanischer Stil der demokratischen Regierung ist so aufgebaut, dass alle Mitglieder der Regierung in einem System der Gewaltenteilung sind, bei dem jeder Zweig der Regierung den anderen Zweigen gegenüber verantwortlich ist, sodass kein Gouverneur, Richter oder Präsident die ganze Gewalt an sich reißen kann. Ich verstehe und schätze dieses Ideal, wenn es um ein irdisches Modell geht. Nichtsdestotrotz steht in der Schrift: „... erstens als Apostel, zweitens andere als Propheten, drittens als Lehrer ...“ (1. Korinther 12,28; Elberfelder) Ich glaube, dass ein Großteil der Kirche diese Schriftstelle ignoriert und versucht hat, mit der Schablone eines irdischen Gouverneurs einen Abdruck des Himmels anzufertigen. Doch nur die Vorlage des Himmels kann den Himmel auf der Erde nachbilden. Wenn wir andere Modelle verwenden, wird die Kirche nur zu dem, was die Leute sowieso schon ausgehend von ihren irdischen Erfahrungen erwarten. Das ist ein grober und grundlegender Fehler mit ernsthaften Konsequenzen. Wenn wir menschliche Regierungssysteme dazu benutzen, den Himmel zu deinieren oder wiederzugeben, sind wir drauf und dran, ein minderwertiges System einzuführen. Der Himmel wird sich keinem minderwertigen System anpassen oder es nachmachen. Der Himmel muss die Quelle sein.
Wir werden nicht eines Tages sterben, um dann auf ewig in der Kirche zu sein. 36
Der Trichter vom Himmel
In 1. Korinther 12 wies Paulus im Bezug auf die Leiterschaft auf das Beispiel des Himmels hin. Diese Ordnung wird von Epheser 2,17-22 bekräftigt: Er ist gekommen und brachte die Botschaft des Friedens euch, die ihr fern von Ihm wart, und den Juden, die Ihm nahe waren. Durch das, was Christus für uns getan hat, können wir jetzt alle, ob wir Juden sind oder nicht, in einem Geist zum Vater kommen. Deshalb seid ihr nicht länger Fremde und ohne Bürgerrecht, sondern ihr gehört zu den Gläubigen, zu Gottes Familie.Wir sind Sein Haus, das auf dem Fundament der Apostel und Propheten erbaut ist mit Christus Jesus selbst als Eckstein. Dieser Eckstein fügt den ganzen Bau zu einem heiligen Tempel für den Herrn zusammen. Durch Christus, den Eckstein, werdet auch ihr eingefügt und zu einer Wohnung, in der Gott durch Seinen Geist lebt. „Gottes Haushalt“ ruht buchstäblich auf dem Fundament der Leiterschaft der Apostel und Propheten. Dieser Aufbau macht es möglich, dass der Leib Christi zu einem „heiligen Tempel“ gebaut wird und letztendlich zu einer „Wohnung Gottes“ wird. Wünschen wir uns das nicht alle?
REFLEXION Haben Sie die Gemeinde bislang weitgehend als Demokratie angesehen? Warum oder warum nicht
Wie reagieren Sie auf diese Erklärung der Regierung des Himmels? Wie geht es Ihnen mit der Autorität, die dieses Modell den Aposteln und Propheten verleiht? Gibt es etwas, durch das Sie sich dabei unwohl fühlen? Wenn ja, was?
Gemäß der Schrift ist die Grundlage der Leiterschaft in den meisten Gemeinden heutzutage durcheinandergebracht (sie besteht dort aus Pastoren, Lehrern und Verwaltern).Wir haben den falschen Teil der Liste in 1. Korinther 12 zu den wichtigsten Leitern bevollmächtigt. Die Begründung für diese Entscheidung ist nicht geistlich, sondern weltlich. In Jakobus 3,13-18 werden wir davor gewarnt, weltliche Weisheit in unserem Leben heranzuziehen: 37
Die Praxis der Ehre
Wer von euch klug ist und Gottes Wege begreift, soll so leben, dass seine guten Taten sichtbar werden, und dabei freundlich und weise sein. Wenn ihr aber von bitterem Neid und selbstsüchtigem Ehrgeiz erfüllt seid, dann rühmt euch nicht damit, weise zu sein. Das wäre eine Lüge! Denn Neid und Selbstsucht haben nichts mit der Weisheit von Gott zu tun, sondern sie sind irdisch, gottlos und teulischen Ursprungs. Denn wo Eifersucht und selbstsüchtiger Ehrgeiz herrschen, führt das in die Zerstörung und bewirkt alle möglichen schlechten Taten. Aber die Weisheit, die von Gott kommt, ist vor allem rein. Sie sucht den Frieden, ist freundlich und bereit, nachzugeben. Sie zeichnet sich durch Barmherzigkeit und gute Taten aus. Sie ist unparteiisch und immer aufrichtig. Und wer Frieden stiftet, wird in Frieden säen und Gerechtigkeit ernten. Wenn der Himmel das Vorbild für unsere Kultur ist, ist das Ergebnis zunächst Friede. Friede ist die Zielsetzung des Himmels, weil Friede das Hauptmerkmal der Herrschaft Gottes ist. Doch aus der Ordnung geratene Formen der Herrschaft schafen Kontrolle; das ist ihr erklärtes Ziel. Die Leiterschaftsstruktur der Erde wird von dem Wunsch angetrieben, die Herrschaft derer zu schützen, die im Amt sind. Wenn wir das Umfeld im Haus Gottes hauptsächlich so strukturieren, dass wir sie und den Willen der Leute schützen, sind wir vom Weg der „Weisheit von oben“ abgekommen. Als Petrus Jesus davon abbringen wollte, am Kreuz zu sterben, versuchte er das zu beschützen, was er als etwas Gutes erkannt hatte. Seine Motivation war, dass der Erde auch weiterhin der derzeitige Nutzen zukommen sollte. Jesus wandte sich an Petrus und sagte: „Geh weg von mir, Satan! Du willst mich in die Falle locken. Du siehst die Dinge nur mit den Augen der Menschen und nicht, wie Gott sie sieht.“ (Matthäus 16,23) Das ist eine deutliche Botschaft an uns alle: Der Himmel ist das Vorbild – nicht die Erde.
REFLEXION In welcher Hinsicht ist die normale Autoritätsstruktur in der Kirche durcheinander geraten? Welche Auswirkungen hatte dies auf Ihr Leben als Gemeindeleiter oder -mitglied?
Was ist der Unterschied zwischen Friede und Kontrolle? Welchem der beiden haben Sie in Ihrem persönlichen Leben eine höhere Priorität eingeräumt? Was hat in Ihrer Gemeinde die höhere Priorität?
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Der Trichter vom Himmel
ZUERST APOSTEL Wenn ich den Begrif apostolischer Dienst verwende, beziehe ich mich auf die Hauptziele der apostolischen Leiterschaft und somit auch auf die Ziele, denen sich alle anschließen, die unter diesem Apostel stehen. Als Jesus die Jünger das Beten lehrte, sagte Er, sie sollen so beten: „Dein Reich komme bald. Dein Wille erfülle sich hier auf der Erde genauso wie im Himmel.“ (Matthäus 6,10) Seine Anweisungen lehrten sie, sich nach dem Himmel auf Erden zu sehnen. Dieser Grundwert ist das Hauptziel des Aposteldienstes. Apostolische Leiter konzentrieren sich auf den Himmel, und ihr Auftrag besteht darin, zu sehen, wie die übernatürliche Realität des Himmels auf der Erde Einzug hält. Wenn diese Motivation als Grundlage der Gemeinde dient, führt das dazu, dass die Prioritäten in der Leiterschaft der Gemeinde völlig anders betont werden. Der Apostel wird dafür sorgen, dass die Gegenwart Gottes, die Anbetung Gottes und der Zeitplan des Himmels die Prioritätenliste anführen. Eine apostolische Leitung ist dazu da, diese Prioritäten zu schützen. Der Apostel Paulus bezeichnet sich in 1. Korinther 3,10 selbst als „Bauherrn“. Das griechische Wort, das hier benutzt wird, ist architekton; also das Wort, von dem unser Architekt abgeleitet ist. Es ist so, wie wenn Gott bestimmten Leuten Baupläne gegeben hat, damit sie den Himmel auf der Erde nachbilden. Außer diesen Entwürfen enthält die Salbung der Apostel auch eine Eigenschaft, die die unterschiedlichen Salbungen der Leute in ihrem Umfeld fördert und an die Oberläche bringt. Wenn die Leute, die einen bestimmten Apostel begleiten, anfangen, ihre eigenen einzigartigen Salbungen auszuleben, schaft das ein Umfeld von „Subunternehmern“, die dem „Bauherrn“ dabei helfen, die Pläne des Himmels umzusetzen.
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SIEBEN CHARAKTERISTIKEN EINER APOSTOLISCHEN UMGEBUNG UND KULTUR 1. Sie ist himmlisch und nicht irdisch. Anbetung und übernatürliches Wirken sind Prioritäten im Umfeld und Lebensstil der Heiligen, weil die Gegenwart Gottes die oberste Priorität hat. 2. Sie ist wirkungsvoll. Die Heiligen wurden wie Jesus dazu gesandt, die Werke des Teufels (wie Leiden, Krankheit und Qual) zu zerstören. Sie leben um allen hier auf der Erde zu zeigen, dass Gott immer der Gute und der Teufel immer der Böse ist. 3. Sie ist voller Freude. Das Reich Gottes ist „... Freude im Heiligen Geist.“ (Römer 14,17) Deshalb sollte die Kirche ein Ort außergewöhnlicher, überließender Freude sein. 4. Sie dreht sich um Liebe. In der Beziehung mit Gott wird nicht zuerst der Dienst, sondern die Liebe betont. Es wird bekannt gemacht, dass Gott sich nach dieser Art von Beziehungen mit denen sehnt, die Ihn noch nicht kennen. 5. Sie bevollmächtigt und will den Leib Christi auferbauen und ausrüsten, damit er eine herrliche und siegreiche Braut wird, egal, wie sein momentaner Zustand auf der Erde aussieht. 6. Sie ist einlussreich. Die Kirche soll ein weltweites Erwachen auslösen und einen Einluss haben. 7. Sie denkt an das Erbe. Nachfolgende Generationen müssen ausgerüstet werden um die Ofenbarung des Königreiches weiterzutragen.
REFLEXION Es kursieren in der Kirche viele Deinitionen darüber, was ein Apostel ist. Wie geht es Ihnen mit der Deinition/Beschreibung, die hier abgeliefert wurde? Haben Sie dazu Fragen?
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BĂźcher aus der Bethel-Gemeinde in Redding/Kalifornien im Grain-Press Verlag
BĂźcher aus der Bethel-Gemeinde VerĂśfentlichung in 2013 / 2014