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Ben F. Gray

DIE ANTWORT DES HIMMELS AUF DAS

DILEMMA DER ERDE


Ben F. Gray

DIE ANTWORT DES HIMMELS auf das

DILEMMA DER ERDE E ine Rev o lut io n de r Gna de


Copyright © 2009 – Ben F. Gray Diese Buch ist Original in Englisch veröffentlicht unter dem Titel: »HEAVEN’S ANSWER TO EARTH’S DILEMMA« published by CityHarvest Publications PO Box 6462 Upper Mt Gravatt, Brisbane Australia Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieser Publikation, mit Ausnahme kurzer Zitate, für Predigtvorbereitungen oder Buchrezensionen, darf ohne schriftliche Erlaubnis des CopyrightEigentümers verwendet, reproduziert, fotokopiert, übertragen oder in irgendeinem System zum Abrufen von Daten gespeichert werden. Die gelegentliche Nutzung von kopierten Seiten für persönliches Studium oder für Gruppenstudium ist erlaubt. Weitere Genehmigungen werden auf Anfrage erteilt. © 2010 Grain-Press, Verlag des GrainHouse e.V. Am Wolfsberg 5, 71665 Vaihingen/Enz eMail: verlag@grain-press.de Internet: www.grain-press.de Übersetzung aus dem Englischen: Gabriele Pässler, Lektorat: Horst Schlittenhardt Satz: Grain-Press Verlag Cover: Daniel Pfefferle, Adaption der Originalvorlage Druck: Schönbach Druck, Erzhausen Bibelzitate sind, falls nicht anders angegeben, der Elberfelder Bibel, Revidierte Fassung von 1985 entnommen (©1985 R. Brockhaus Verlag). Weitere Bibelübersetzungen: EIN: Einheitsübersetzung, Copyright 1980 Kath. Bibelanstalt GmbH Stuttgart Herder, Freiburg, Basel, Bern. HFA: »Hoffnung für alle« (Brunnen-Verlag Basel und Gießen) Copyright © 1983, 1996 by International Bible Society. LUT: Luther Bibel, Revidierte Fassung von 1984 Copyright 1985 Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart. NGÜ Bibeltext der Neuen Genfer Übersetzung Copyright © Genfer Bibelgesellschaft, CH-1204 Genf. SLT: Schlachter Bibel 1951. Genfer Bibelgesellschaft. Copyright © 1951 Genfer Bibelgesellschaft. Das Buch folgt den Regeln der Deutschen Rechtschreibreform. Die Bibelzitate wurden diesen Rechtschreibregeln angepasst. Hervorhebungen in Bibelzitaten wurden vom Autor vorgenommen. ISBN 978-3-940538-08-6 (Australische Originalausgabe: ISBN 0–9577–9058–9)


STIMMEN ZU DIE ANTWORT DES HIMMELS AUF

DAS DILEMMA DER ERDE Schon immer hat der Herr radikale reformatorische Stimmen hervorgebracht, die die Kirche herausfordern und uns herausholen aus unserer Selbstgefälligkeit. Ben Gray ist eine dieser Stimmen; ich bete darum, dass viele Gläubige auch außerhalb Australiens seiner klaren, prophetischen Botschaft Gehör schenken. Seine Worte sind mitunter schmerzhaft; aber wenn wir es zulassen, dass sie unsere Herzen anrühren, wird ein neues Zeitalter des apostolischen Dienstes anbrechen. Dieser Dienst wird nicht ohne Wirkung bleiben. – J. Lee Grady Herausgeber des Charisma Magazine, USA Außergewöhnlich brillant! Ben Gray nimmt uns in Die Antwort des Himmels auf das Dilemma der Erde mit auf eine Reise. Ausgehend vom ursprünglichen Plan über seine Verdrehung, Störung und schließlich Versagen führt er uns in die Gegenwart und in eine siegreiche Zukunft der Königsherrschaft Gottes. Dieses Buch hat das Potenzial, unser Denken auf den Kopf zu stellen! – Dr. Chuck D. Pierce Präsident von Glory of Zion International Ministries, Inc. Global Harvest Ministries, Harvest Watchman, USA Ben Gray steht für eine ungewöhnliche und selten gute Synergie von Einsichten. Als Analytiker und Denker gewährt er uns tiefen Einblick in unsere heutige Situation. Aber er ist auch Praktiker – und als Gemeindepastor und Stadtkirchen-Leiter steht er mit beiden Beinen fest auf der Erde. Man spürt diesem Buch ab, dass er den Leib Christi liebt und durchdrungen ist von der Überzeugung, dass


die Kirche einen Auftrag hat in ihrem unmittelbaren Umfeld vor Ort. Hier finden wir missionarischen Eifer, gepaart mit frischer Weisheit, die uns viel zu sagen hat. Ich kann Die Antwort des Himmels auf das Dilemma der Erde wärmstens empfehlen – dieses Buch hat das Potenzial, Ihr Leben zu verändern. – Brian Medway Leitender Pastor der Grace Christian Church, Canberra (Australien) Nationaler Vorstand von Crosslink Christian Network Ben Gray versteht etwas von Geschichte – und er hört auch, was der Geist Gottes heute der Gemeinde sagt. Ich glaube, dass er in unserer sich verändernden Zeit den Schlüssel gefunden hat, mit dem sowohl Leiter in Wirtschaft und Gesellschaft als auch Gemeindeleiter viel bewirken können. Seine biblische Herangehensweise an das ganzheitliche, hebräische Modell des Priestertums der Gläubigen räumt auf mit dem Dualismus. Dieses Buch erinnert uns wieder daran, dass und wie die Kirche, das Volk Gottes, sich beteiligen soll an dem, was Gott in unserer Welt tut. Dieses Buch hat mich inspiriert und erfrischt; es ist ein Reden des Geistes Gottes für unsere Zeit. – Kent Humphreys Präsident des FCCI / Christ@Work, USA In Die Antwort des Himmels auf das Dilemma der Erde bietet uns Ben Gray eine unermessliche Erweiterung unseres Blickfelds an. Er zeigt uns das riesengroße Szenario der Berufung von Gottes Volk: Es soll Ihn ehren und Ihm dienen – und das nicht nur im kirchlichen Rahmen, sondern in allen Lebensbereichen, in der ganzen Schöpfung. Ben Gray erschreckt und ermutigt uns zugleich mit dem überraschenden, aber biblischen Anspruch, dass die ganze Schöpfung sich danach sehnt, dass das Volk Gottes seinen Platz einnimmt – ein Gedanke, den viele Christen noch nie in Betracht gezogen oder aber schon längst vergessen haben.


Was Ben Gray hier als unsere Berufung beschreibt, geht weit über beinahe alles hinaus, was sonst in christlichen Büchern zu finden ist. Er weitet unseren Horizont enorm. Dieses Buch ist aber auch »angewandte Theologie«. Als Einzelpersonen und Gemeinden mit einer höheren Berufung sollen wir mit beiden Beinen fest auf der Erde stehen. Was bedeutet es für unsere Ehe, für unser Familienleben, am Arbeitsplatz, im Freundeskreis, in der Nachbarschaft, für unser Engagement in der Stadt oder auf nationaler Ebene? Es ist höchste Zeit für dieses Buch, wir brauchen diese Botschaft so dringend. Nach diesem Buch werden Sie sich nie wieder zufrieden geben mit einer mittelmäßigen, gezähmten, kulturell angepassten Kirche. Sie werden zittern vor Aufregung und Begeisterung! Dieses Buch gibt uns Christen des 21. Jahrhunderts klare Wegweisung. – Gil Cann Freier Mitarbeiter der Evangelischen Allianz Australien Herausgeber von Working Together Dies ist ein wohlbegründetes Plädoyer. Christen brauchen eine biblisch-hebräische Weltsicht als Grundlage ihres Denkens und Handelns. Wenn Christen die ganze Schöpfung prägen sollen, muss sich unser Denken grundlegend verändern – weg von der griechischen Weltsicht. Wer sich danach sehnt, dass in der Arbeitswelt die Königsherrschaft Gottes zum Tragen kommt, für den ist Die Antwort des Himmels auf das Dilemma der Erde Pflichtlektüre. Dieses Buch stellt allen ein solides theologisches Fundament zur Verfügung, die die Herrlichkeit Gottes in die Arbeitswelt hineintragen wollen, was sicher viel Übung erfordert und wichtige Entdeckungen mit sich bringen wird. Jeder Christ sollte dieses Buch lesen. Es wird Sie inspirieren, das Königreich Gottes auszuleben und das zu sein, wozu Gott Sie geschaffen hat. – Dr. Ken Curry Leiter von Health Care in Christ Inc., Australien


Diese leidenschaftliche und bewegende Hymne auf die Gnade Gottes auf Erden beruht auch auf den bemerkenswerten Einsichten Ben Grays in Geschichte, Philosophie, Theologie und Psychologie. Geschickt fordert er unser traditionelles Denken heraus und setzt eine überfällige Diskussion in Gang – aufgrund einer positiven, wichtigen, nützlichen und inspirierenden Sichtweise. Danke, Ben. Wir können eine Menge von dir lernen. – Dr. David Cannistracy Leitender Pastor der GateWay City Church, Kalifornien, USA Autor von Apostles and the Emerging Apostolic Movement und God’s Vision for Your Church Die Antwort des Himmels auf das Dilemma der Erde wird in den kommenden Jahren für viele zu einer Art Handbuch werden. Ganz sicher aber wird es uns herausfordern, über die Kirche und ihre Stellung in allen Bereichen der Gesellschaft nachzudenken und uns helfen, neue Kraft zu schöpfen für die Gestaltung der Zukunft. Dieses Buch beschränkt sich nicht auf bloße Theorien und Vorstellungen und bleibt auch nicht stehen auf der Ebene kritischer Geschichtsbetrachtung. Ben stellt hier sehr hilfreiche praktische Markierungen und nützliche Wegweiser auf. Das Herzensanliegen dieses Buches ist es, dass wir die biblische Leidenschaft wiedergewinnen und eine Vision bekommen. Es gibt uns eine Sicht realistischer Hoffnung, weit über die Wiederherstellung apostolischer Zustände in der Urgemeinde hinaus – eine Hoffnung, die uns wieder leben und atmen lässt. Wenn das »apostolische Unternehmen Kirche« voller geisterfüllter Gläubiger in Gang kommt und Fuß fasst, werden wir unseren von Gott gegebenen Auftrag in allen Lebensbereichen ausführen können. Dieses Buch ist für unsere Zeit geschrieben; es wird uns auch für die kommenden Jahre als Handbuch dienen können. Diese beiden Aspekte sind die Kennzeichen einer prophetischen Schrift. – Martin Scott Prophet, Großbritannien, Autor von Sowing Seeds for Revival und Herausforderung Transformation


Mit frischer Offenbarung und Scharfblick und dabei durchaus praxisbezogen ruft Ben Gray jeden Gläubigen unserer Zeit dazu auf, als Volk des Königreichs unsere von Gott uns gegebene Berufung zu erkennen und auszuführen. Seine tiefe Einsicht ist gepaart mit einer praktischen Ausrichtung. Ich empfehle Die Antwort des Himmels auf das Dilemma der Erde aufs Wärmste. – Rev. Larry Kreider Leiter von DOVE Christian Fellowship International, USA In Die Antwort des Himmels auf das Dilemma der Erde meldet sich mit Ben Gray eine gut durchdachte und ausgewogene Stimme zu Wort. Ohne jedes revolutionäre Wutschnauben ruft er vielmehr nach einer menschwerdenden Kirche, die auf die Stimme Gottes hört und sich aufmacht, um sich der blutenden Welt um sich herum anzunehmen. Er ruft nach einer Leiterschaft, die andere zu diesem königreichsorientierten Lebensstil ausrüstet – und daran wird sie auch erkannt und gemessen werden. Wie jeder, der etwas zu sagen hat, zeigt uns Ben die Schlüsselwahrheiten unserer Zeit. Seine Botschaft ist dringlich, aber nicht verzweifelt. Mein Rat? Lesen Sie dieses Buch und setzen Sie sich dann mit irgendjemandem zusammen, der wie Sie bekümmert ist um den Zustand der westlichen Christenheit. – George Otis Jr. Autor und Leiter der Sentinel Group, USA Ben Gray ist keiner von denen, die es sich in der Kuschelecke gemütlich machen. In Die Antwort des Himmels auf das Dilemma der Erde lässt er uns wissen, dass die Kirche der Zukunft sich von der Kirche der Vergangenheit (wie wir sie kennen) radikal unterscheiden wird. Dieses Buch hilft uns zu verstehen, was los ist und wie wir unsere Kuschelecke verlassen können – und dann werden wir bereit sein für eine neue Epoche des Wirkens Gottes. – Dr. C. Peter Wagner Vorsitzender von Global Harvest Ministries Rektor des Wagner Leadership Institute, USA


Ben Gray hat ein ausgezeichnetes Buch geschrieben – es wird uns helfen, unsere Vorstellungen von Kirche zu erneuern und davon, wie wir uns in der Gesellschaft engagieren sollen. Er hat recht, wenn er betont, dass jede Erneuerung der Kirche mit einer Neubewertung unserer Weltsicht einhergehen muss. Diese apostolische Vision weist uns den Weg zu einer fruchtbareren Zukunft, indem sie uns wieder Anschluss anbietet an eine ursprüngliche Vergangenheit, die den Vorgaben der Bibel mehr Treue gehalten hat. – Alan Hirsch Autor von The Forgotten Ways, USA und Co-Autor von The Shaping of Things To Come Günder und Leiter des innovativen Forge Mission Training Network, Australien Mit Ben Gray gelingt es, in seinem Lehren und Ermahnen von Sorgfalt geprägte Einsichten und starke Offenbarungen zu vereinen. Die Antwort des Himmels auf das Dilemma der Erde ist ein leidenschaftlicher Weckruf an die Kirche, die notwendige Veränderung willkommen zu heißen – damit wir eintreten können in all das, was Gott für diesen strategisch wichtigen Moment geplant hat. Gläubige in aller Welt werden gut daran tun, die Aussagen dieses Buches ernst zu nehmen, zu denen der Heilige Geist unseren Bruder inspiriert hat. – Robert Stearns Leiter von Eagles' Wings, New York, USA Verändert euer Denken! Die wichtigste Veränderung in unserem beginnenden 21. Jahrhundert ist, dass wir das zentrale Thema des Neuen Testaments erkennen: Es geht vor allem um das Königreich Gottes! Ob wir es vom Standpunkt der Mission aus betrachten oder aus der eschatologischen Perspektive: Von Anfang bis Ende steht das Reich Gottes im Mittelpunkt. Das klingt revolutionär, aber eigentlich ist das nichts Neues. Nur – noch nie habe ich es so deutlich gelesen. Es geht um die Fülle Gottes, die in Seinem Leib wirkt,


damit Seine Pläne zur Vollendung kommen. Die Antwort des Himmels auf das Dilemma der Erde ist Pflichtlektüre für alle, die das Königreich Gottes ausbreiten wollen. – Gary Goodell Gründer von Third Day Churches und Permission Ministries, USA Co-Autor mit Graham Cooke von Permission Granted To Do Church Differently in the 21st Century Die Antwort des Himmels auf das Dilemma der Erde ist ein wichtiges und herausforderndes Buch. Für alle, die besorgt sind über die Ausrichtung der westlichen Kirche, kommt es genau rechtzeitig. Ben Gray hat recht mit seinem Untertitel Eine Revolution der Gnade, denn dieses Buch atmet Befähigung und Sendung – in jedem einzelnen Kapitel. Beim Lesen dieses Buches geht einem ein Kronleuchter nach dem anderen auf. Und jeder einzelne davon ist hilfreich bei der Ausbreitung des Königreichs in der ganzen Schöpfung. – Ian Shelton Leitender Pastor der Toowoomba City Church, Koordinator des Christian Leaders Network, Toowoomba, One Heart for the Nation, Australien, Translinc (International) Selten habe ich solch eine umfassende Beschreibung des Rufes Gottes an Sein Volk gelesen – der Berufung, die Kultur Seines Reiches in jeden Gesellschaftsbereich einzupflanzen. Ben Gray hat aus Welt- und Kulturgeschichte, Theologie und kirchlicher Praxis eines der besten Bücher gemacht, die ich über diesen Themenkomplex je gelesen habe. Das Buch ist leicht zu lesen, herausfordernd, wegweisend und begeisternd. Ben Gray beschreibt die Herausforderungen, die Hindernisse und wie außergewöhnlich Gott eingreift, wenn wir im Sinne Seines Königreichs unseren Dienst tun und zwar so, wie Er uns schon seit jeher angewiesen hat.


Wir haben hier eine Erklärung dafür, warum vieles in der Kirche so ist, wie es eben ist. Und wir sehen, wie wir (falls nötig) Änderungen vornehmen können. Dieses Buch begeistert mich – ich wünsche mir, dass sich jeder endzeitlich Interessierte dadurch herausfordern und ermutigen lässt und sich hineinbegibt in das Werk des Königreichs Gottes. Die Königsherrschaft Gottes ist der Schlüssel für eine echte Transformation der Gesellschaft. Dieses Buch wird Ihr Leben und Ihren Dienst nachhaltig verändern! – Rev. Dr. Alistair P. Petrie Autor, Verantwortlicher Direktor von Partnership Ministries, Kanada Ben Gray bietet eine augenöffnende Präsentation der dualistischen kirchlichen Praxis dar, die seit dem 2. Jahrhundert den Leib Christi in hohem Maße eingeschränkt hat. Die Antwort des Himmels auf das Dilemma der Erde ist ein weit greifendes Buch; es offenbart die Gedanken eines brillanten apostolischen Praktikers. Er ist erfüllt von einer Leidenschaft, in den Völkern der Welt den Schalom zu sehen, wie er nur von einer vibrierenden, organischen Gemeinschaft der Heiligen ausgehen kann. Dazu braucht es eine Transformation der Theologie des Reiches Gottes, die dann die gegenwärtig stattfindende apostolische Reformation angemessen fortsetzen wird. Auch wer ein anderes Verständnis der Kirchengeschichte hat, wird dieses hervorragende Werk sehr genießen; ich kann es wärmstens empfehlen. – Joseph G. Mattera Vorsitzender Bischof der City Covenant Coalition Leitender Pastor der Resurrection Church, Brooklyn, New York, USA Immer wieder erschallt eine Stimme, bei der Leben und Lehre übereinstimmen. So ist es bei meinem Freund, dem Fürbitter und Apostel Ben Gray. Die Antwort des Himmels auf das Dilemma der Erde bringt uns das Herz Gottes nahe und spricht lebenswichtige Aspekte des weltweiten Leibes Christi an. Die Seiten dieses großartigen


Buches sind getränkt mit dem Geist der Weisheit und der Offenbarung. Mein Tipp: Lesen und sich verändern lassen! – James W. Goll Autor, Konferenzsprecher Mitbegründer von Encounters Network, USA In diesem Buch leistet Ben Gray einen wichtigen Beitrag zum Dialog der letzten Jahre über das Wesen der Kirche und ihren Auftrag in der Gesellschaft. Mit überzeugenden Argumenten legt er dar, dass Gott nicht eine Kirche will, die zwar als Institution funktioniert, aber eben nur innerhalb ihrer eigenen Mauern. Vielmehr ist es Gottes Plan, dass Seine Kirche ein »apostolisches Unternehmen« ist, das Seinen Auftrag ausführt. Dieser Auftrag lautet, hinzugehen in die ganze Schöpfung und das Evangelium in jedem Gesellschaftsbereich auszuleben: in Ehe und Familie, im Arbeitsleben, im Stamm und im Volk. Wir sollten diese Botschaft beherzigen und umsetzen. – Jim Petersen Autor und Missionar, USA Das vorrangige Herzensanliegen Jesu Christi hat Er in Seinem letzten Gebet offenbart, wir können es in Johannes 17 nachlesen. Seine Schlussworte gelten allen, die nach Seiner Kreuzigung das Zeugnis Seiner Herrlichkeit in die Welt hinaustragen. Die Kirche wurde für Ihn die höchste Priorität. An der Kirche sollen für die Welt Seine ganze Herrlichkeit und Seine Errettung sichtbar werden. Dafür gibt es keinen Plan B. Darum geht es in dem Dienst von Open Doors und davon handelt dieses Buch. In diesem Buch finden Sie die Antworten des Himmels auf ein Dilemma, das alle uns bekannten Krisen weit übersteigt. Dieses Buch kommt genau zur richtigen Zeit. Gut recherchiert und ordentlich geschrieben, ist es Pflichtlektüre für jede Gemeinde und jeden Gläubigen. Es erklärt Gottes Absicht mit Seiner Kirche – Zeugen zu sein … und die Herrlichkeit Gottes widerzuspiegeln. Wie Ben so


treffend schreibt: »Die Welt wartet auf solch eine Kirche, sie wartet schon viel zu lange. Diese Kirche sind Sie – die neue ekklesia … die Kirche ohne Grenzen!« – Mike Burnard Open Doors International Development, Südafrika Die Antwort des Himmels auf das Dilemma der Erde von Ben Gray ist eines der besten Bücher, die ich zu dem Thema gelesen habe. Eine neue Welle der Reformation hat begonnen, die Gemeinden in aller Welt zu berühren. Jeder sollte dieses Buch lesen, besonders Leiter in Gemeinde und Wirtschaft. Es stellt die richtigen Fragen und gibt gute, solide Antworten – und gleichzeitig lässt es genügend Raum zum eigenen Nachdenken. Es macht aber auch deutlich, dass wir ein zeitgemäßes Verständnis des Königreichs Gottes für unser 21. Jahrhundert nur dann erlangen können, wenn wir es direkt bei Gott und nicht in unserer Vergangenheit suchen. Gott hat gerade erst begonnen, die Grundfesten der Kirche zu erschüttern, doch dies ist nur eine notwendige Vorarbeit für die neuen und radikalen Veränderungen, die die Königsherrschaft Gottes mit sich bringen wird. Als Ergebnis werden wir eine reiche Ernte erleben, wie wir sie seit den Tagen der ersten Apostel nicht mehr gekannt haben. Lesen Sie dieses exzellente Buch und erwarten Sie, dass der Geist Gottes zu Ihnen spricht – über Seine radikale Revolution der Gnade. – Michael Schiffmann Gründer und Leiter von Touch the Nations, Hannover, Deutschland Autor von Warum wir fasten

Immer wieder einmal liegt ein Buch auf meinem Schreibtisch, das Fragen stellt und nach Antworten sucht. Diese Bücher sind für Suchende. Die Antwort des Himmels auf das Dilemma der Erde ist eines davon. Ben Gray stellt wichtige Fragen über die Relevanz der


Kirche, so wie sie momentan strukturiert ist und sich bewegt. Was ist Kirche überhaupt? Und wie sollte sie jetzt aussehen? Ich bin sehr angetan von der frischen und aufregenden Herangehensweise an diese wichtigen Fragen. Dieses Buch wird in Ihnen neue Gedanken hervorrufen, die Sie zur Veränderung herausfordern. Nehmen Sie Ihre Bestimmung an. – Barbara J. Yoder Autorin, Leitende Pastorin und Leiterin des apostolischen Dienstes in der Shekinah Christian Church, USA Die Antwort des Himmels auf das Dilemma der Erde ist ein nachdenklicher Blick auf den gegenwärtigen Zustand der Kirche mit praktischen und soliden Empfehlungen für die nächsten Schritte. Die Einblicke von Ben in die Rolle der Arbeitswelt leisten einen frischen Beitrag zu den vielen Veröffentlichungen zu Glauben und Dienst. Dieses Buch ist vier Jahre Bibelschule wert! Nach der Lektüre dieses Buches werden Sie verstehen, woher wir kommen und welche Kurskorrekturen nötig sind, damit die Kirche ihren Auftrag an der Gesellschaft ausführen kann. – Os Hillman Autor von Today God Is First, The 9 to 5 Window Vorsitzender von Marketplace Leaders und der International Coalition of Workplace Ministries, USA Ben Gray ist ein Visionär, dessen Herz für das Königreich Christi schlägt und für die Kirche – um sie als Seine Braut zu holen, wird Jesus eines Tages wiederkommen. In Die Antwort des Himmels auf das Dilemma der Erde – eine Revolution der Gnade nimmt Ben den Leser mit auf seine eigene Entdeckungsreise. Auf der Grundlage historischer und biblischer Fundamente entwickelt Ben eine augenöffnende Strategie für die Ausbreitung des Königreichs Gottes – fein gewürzt und ausbalanciert durch die Einsichten, die er im Kontakt und im Austausch mit vielen apostolischen Leitern von Weltrang


gewonnen hat. Dieses Werk kommt genau zur richtigen Zeit und zeigt uns eine apostolische Gnade auf, die vor dem Wiederkommen Christi die Kirche auf die Beine bringen wird. – Dr. John McElroy Leiter der Southern Cross Association of Churches Leitender Pastor der Churchlands Fellowship, Perth, Australien Ben Gray ist ein Naturtalent, wenn es gilt, die biblischen Konzepte herunterzubrechen auf unseren Alltag. Seine Schriftkenntnis und seine tiefe Einsicht sind kennzeichnend für seine biblische Weltsicht, durch die dem Leib Christi eine frische Offenbarung zuteil wird! – Dutch Sheets Autor, Leitender Pastor der Freedom Church, Colorado Springs, USA Autor von Dein Herz soll wieder schlagen


DANK Ich danke meinem wunderbaren Team von CityHarvest International für alle Unterstützung und Ermutigung, unter ihnen besonders John Walcott und Leanne Williams. Ebenso danke ich einem anderen Mitglied meines Teams, Jenny Wilson. Jenny hat mir geholfen, dieses Buch hervorzubringen. Dabei versprühte sie viel Freude und Großzügigkeit. Beim Schreiben genoss ich die Gastfreundschaft zweier Freunde in ihrem Hotel The Point in Brisbane: Jin Keng Ng und Lam Shen Ng. Vielen herzlichen Dank – ich wusste das sehr zu schätzen! Ein herzlicher Dank an David Thwaites, der mir sehr geholfen hat, den Text zu vervollkommnen. Auf deinem Schreibtisch wurde dieses Buch um vieles besser! Unsere außergewöhnliche Gemeindefamilie ist ein wahrer Segen: Ein Team engagierter Leiter und hingegebener Ältester mit einer treuen Truppe von Fürbittern, jeder von ihnen bereit, im Dienst des Herrn »die zweite Meile« zu gehen. Danke auch an zwei von Gottes begnadeten Dienern, Neville und Joan Browns, die mir vor ungefähr 35 Jahren halfen, mein Herz den Händen Jesu anzuvertrauen. Danke, dass ihr mir diese weniger befahrene Straße gezeigt habt. Neville ist schon am Ziel angekommen. Cliff und Myra Wilkinson, ihr habt uns nicht in der Kälte stehen lassen, sondern uns eingelassen und gezeigt, was Gnade wirklich bedeutet. Danke.


Cheralynn, Bernadette und Benjamin: Meine Kinder, ich danke euch für alle Liebe und Ermutigung, für eure praktische Unterstützung und für vieles andere, was ihr im Königreich Gottes tut. Euch allen schulde ich besonderen Dank. Ich widme dieses Buch dem Herrn und Haupt der Kirche Jesus Christus und Seinen herrlichen Heiligen, die dazu berufen sind, Sein Ebenbild zu sein– in der ganzen Schöpfung.


INHALTSVERZEICHNIS Vorwort........................................................................................21 Teil 1 - Das Königreich, die Kirche und der Konflikt ...............................27 1 Zeit für Veränderung ..................................................................29 2 Die frühe Kirche und die erste Krise...............................................39 3 Die Kirche – von apostolischer Bewegung zum Imperium...................47 4 Platons Traum – Albtraum für die Kirche .........................................57 5 Das apostolische Christentum und die Kirche auf dem Weg ...............65 Teil 2 - Die hebräische Sicht der fünf Schöpfungsbereiche, in denen wir Autorität haben und Einfluss ausüben.....................................77 6 Träger von Gottes Ebenbild .........................................................79 7 Hebräisches Herz und Erbe.........................................................91 8 Hebräisches Denken – griechisches Denken .................................101 9 Schöpfungsbereiche Ehe und Familie ..........................................111 10 Schöpfungsbereich Arbeit .........................................................125 11 Schöpfungsbereich Stamm .......................................................141 12 Schöpfungsbereich Volk ...........................................................153 13 Gott liebt Städte – weil Er Menschen liebt .....................................161 Teil 3 - Das Volk Gottes in seine Gnadenberufung entsenden ................167 14 Die Kirche stark machen für die Schöpfung...................................169 15 Auf Gnade beruhende Berufungen..............................................181 16 Entdecken Sie Ihre berufungsgemäßen Motivationsgaben ................197 17 Die Gnadengaben in Aktion .......................................................209 18 Von Jerusalem bis an die Enden der Erde.....................................221 Anhang 1 ...................................................................................233 Anhang 2 ...................................................................................237 Begriffserklärungen.......................................................................241 Ausgewählte Bibliografie ................................................................247 Index ...................................................................................249


VORWORT Dieses Buch ist ein erstaunliches Navigationsgerät. Es hilft uns, die Kirchengeschichte zu verstehen, sowohl die vergangene als auch die noch kommende. Es gibt uns Einsichten und hilft uns, viele eigentlich komplizierte Vorgänge und Zusammenhänge zu verstehen – auch solche, die sehr kontrovers diskutiert werden. Und es hilft uns bei der Planung der verbleibenden Jahre bis zum Kommen des Bräutigams. Ich glaube wirklich, dass dieses Werkzeug Pflichtlektüre ist für jeden, der sich ernsthaft mit den Fragen der Endzeit befasst, die Warnungen Jesu in Matthäus 24 und 25 ernst nimmt und sich gut auf diese Zeit vorbereiten will. Selten habe ich ein Buch gelesen, das sowohl mit prophetischer Einsicht als auch mit alltagstauglicher Richtungsweisung ein solch riesiges Spektrum abdeckt. Jeden ernsthaften Leser fordert es heraus, seine Weltsicht neu zu überdenken – und wir alle werden beginnen, unser bisheriges Verständnis von »Kirche« und Gemeindeleben zu hinterfragen. Begriffe wie »das platonische Virus« und die Aussage, dass wir »Träger Seines Ebenbildes« sind, fordern unsere volle Aufmerksamkeit. Humanismus und Deismus sind die Seuchen unseres Planeten – und die Erde schreit verzweifelt nach Antworten, die Hoffnung geben. Alle Gesellschaftsbereiche leiden und mitunter ist es schwer, auch nur eine Spur der »Guten Nachricht« aufzustöbern. Unser eigener Dienst hat mehrere bemerkenswerte Kriterien entdeckt, die einem anbrechenden Wirken Gottes vorangehen – einem Wirken, wie wir es seit den Tagen der ersten Christen kaum mehr erlebt haben. Diese »Zeichen« sind jetzt alle vorhanden; wir stehen an der Schwelle einer neuen Epoche. Diese Epoche ist so herausfordernd für das Volk Gottes wie keine zuvor.

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DIE ANTWORT DES HIMMELS AUF DAS DILEMMA DER ERDE

Das Virus des platonischen Denkens ist heute in der Kirche endemisch geworden – das heißt, es ist einfach da, es gehört sozusagen zur Familie und macht sich immer wieder einmal bemerkbar, aber wir haben uns schon so daran gewöhnt, dass es uns kaum noch einen Gedanken wert ist: Wir teilen die Welt ein in sakral und säkular, in heilig und weltlich. Aber gleichzeitig konfrontiert uns Gott mit Seiner Weltsicht: Wir sollen Seine Gedanken denken und endlich Seine Lösungen für die Fragen unserer Zeit übernehmen. Es gibt Hoffnung! Erstaunliche Hoffnung! In Die Antwort des Himmels auf das Dilemma der Erde werden Sie erfahren, warum. Als ich wieder einmal das Manuskript dieses Buches durchlas, sagte ich zu meiner Frau: »Ich wünschte, ich hätte das geschrieben!« Wir brauchen dringend Werkzeuge für unsere Zeit! Ich glaube, dass Ben Gray uns eines anbietet. Aufgrund seiner langjährigen Erfahrung in allen Lebensbereichen hat er die tiefe Schlucht zwischen »heilig« und »weltlich« meisterhaft überbrückt. Sein Buch hat diese beiden scheinbaren Gegensätze vereint – und plötzlich ergibt alles wieder einen Sinn, wir haben eine Landkarte für unseren weiteren Weg in der Hand. Ben nimmt uns mit auf eine bestens durchdachte, packende Reise durch zweitausend Jahre christlicher Weltanschauung und Kirchengeschichte. Und dann kommen wir an im Heute, Hier und Jetzt, in den fünf Schöpfungsbereichen, in denen wir Autorität haben und Einfluss ausüben. Anhand von biblischen Wahrheiten lernen wir, warum Kirche und Gesellschaft heute so sind, wie sie sind. Dieses Buch sollte man gleich mehrmals hintereinander lesen, um in der Tiefe dessen zu verstehen, was der Heilige Geist sagen will. Wer bereit ist, die richtigen Fragen zu stellen und dann die richtigen Schlachten zu schlagen, den will Er gerne lehren. Es ist geschrieben mit Demut und Transparenz – und mit dem Schrei der Verzweiflung: Wird der Leib Christi richtig und mutig reagieren? Die Zeit ist kurz; bald wird Gottes ewiger Plan für die Menschheit vollendet sein. Der Countdown läuft! Wir sollten wirklich antworten. Wir 22


Vorwort

müssen antworten! Ich glaube, dass die göttliche Anziehungskraft in diesem Buch die Hoffnungen und Pläne der Menschheit bündeln und dem lebendigen Gott zur Prüfung vorlegen wird. Dann wird Er uns Offenbarung und Einsicht geben und uns an die vorderste Front befördern – ausgestattet mit Vision und Begeisterung, mit Erwartung und einer klaren Ausrichtung. Die Antwort des Himmels auf das Dilemma der Erde ist ohne jeden Zweifel ein Werkzeug für unsere Zeit. Ich möchte jeden ernsthaften Christen dazu ermutigen, es zu lesen und darin herumzumalen, zu lernen und das Gelernte zu verdauen. Schnallen Sie sich an! – Rev. Dr. Alistair P. Petrie Verantwortlicher Direktor Partnership Ministries, Kanada www.partnershipministries.org

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VORBEMERKUNG DES AUTORS Dieses Buch ist das Ergebnis von zwölf Jahren im leitenden christlichen Dienst sowohl innerhalb einer örtlichen Gemeinde als auch im übergemeindlichen Rahmen. In dieser Zeit wurde mir klar, dass meine Ansichten von Kirche unzutreffend waren – je länger, je mehr und ganz besonders dann, wenn es um Alltagsfragen ging. Ich konnte die Kluft nicht überbrücken zwischen dem, was ich über die Kirche und ihre von Gott gegebene Aufgabe auf Erden glaubte und dem, was in meinem Leben geschah und in dem Leben der Gläubigen um mich herum. Ich stand vor einer schwierigen Entscheidung: Sollte ich einfach so weitermachen wie bisher und auch die Kirchengeschichte so interpretieren, wie wir es schon immer getan hatten – oder sollte ich der Unruhe nachgeben, die ich in meinem Geist verspürte? Sollte ich wirklich Gott ganz neu fragen, was Er mit meinem Leben und mit meinem Dienst in der Gemeinde vorhat? Eigentlich hatte ich keine Wahl. Ich musste dem folgen, was ich in meinem Geist vernahm. Das war nicht ganz einfach. Nur zögerlich ließ ich das Altvertraute los, in dem ich und wir alle uns doch so gut eingerichtet hatten. Zusammen mit meiner nächsten Umgebung machte ich mich auf ins Unbekannte. Damals war uns allen klar, dass wir nicht nur unser begrenztes Verständnis von Natur und Rolle der Gemeinde vor Ort hinter uns ließen, sondern es würde noch viel tiefer gehen: Das war ein Ausbrechen aus all den Einschränkungen und Wahrnehmungen, mit denen wir uns selbst festgelegt hatten – uns, die wir doch Söhne und Töchter Gottes waren! Eine dieser Einschränkungen war unsere ach so begrenzte Sicht von Bedeutung und Zweck der christlichen Ehe, des christlichen Familienlebens und unserer alltäglichen Arbeit im Licht von Gottes Erlösungsplan. Wir entdeckten, dass all das von

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VORBEMERKUNG des Autors

größter Wichtigkeit war für unsere Gesellschaft – ja für die ganze Schöpfung! Uns dämmerte etwas … und so entstand dieses Buch. Im Rückblick stelle ich fest, wie unglaublich viel wir alle dabei gelernt haben. Unser Verständnis von Kirche, Königreich Gottes und christlichem Dienst hat sich total verändert und weiterentwickelt. Wir haben dabei so viele wertvolle Erfahrungen gemacht – und wir haben gelernt, die Schrift ganz neu zu schätzen und zu verstehen. Schreiben ist nicht gerade meine Lieblingsbeschäftigung. Viel lieber bin ich mit Menschen zusammen und kümmere mich mit ihnen gemeinsam darum, wie sie leben und arbeiten. Ich bin ein Pioniertyp und liebe es, Neues zu entwickeln. Mein Hintergrund ist Ingenieurswesen und Marketing und es macht mir mehr Spaß, etwas zu tun als darüber Bücher zu schreiben. Eigentlich mag ich immer noch nicht schreiben, aber es muss wohl sein. Ich spüre eine Dringlichkeit, besonders in Anbetracht der Tendenzen in Kirche und Welt. Bin ich schon weit genug gereist, um meine Entdeckungen mitteilen zu können und auch ihren weltanschaulichen Hintergrund? Ich lade Sie ein: Lassen Sie sich mit mir zusammen darauf ein, damit wir gemeinsam als Leib Christi fähig werden, unsere Welt des 21. Jahrhunderts zu prägen und zu formen. Ich will keinen Streit vom Zaun brechen. Viel lieber möchte ich mit meinen Lesern in einem guten, ehrlichen Austausch stehen, damit sie ihr Erbe als Heilige, als Träger des Ebenbildes Gottes noch viel besser verstehen können. Und damit sie entdecken, wie sich dieses Erbe auswirkt, wenn sie Kirche sind – in der ganzen Schöpfung. – Ben F. Gray www.heavensanswer.com

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TEIL 1

DAS KÖNIGREICH, DIE KIRCHE UND DER KONFLIKT


KAPITEL 1 ZEIT FÜR VERÄNDERUNG

DIE KRISE ALS CHANCE Rudolf Bahro, der deutsche Philosoph und Ökologe, schreibt: »Wenn die Formen einer alten Kultur sterben, wird die neue Kultur geschaffen von einigen wenigen Menschen, die sich nicht davor fürchten, auf schwankendem Boden zu gehen.«1 Wir Christen haben die besseren Bedingungen in diesen Zeiten des Übergangs, denn wir haben eine verlässliche Hoffnung und unsere Sicherheit in Jesus. In all den Jahren meines Christseins konnte ich immer wieder feststellen, dass ich in der unveränderlichen und unendlichen Liebe Jesu sicher und geborgen bin. Der christliche Glaube hat eine erstaunliche Geschichte. Er hat über die Jahrtausende alle theologischen, philosophischen und geopolitischen Umwälzungen überlebt. Die christliche Kirche ist in der Kraft des Heiligen Geistes und mit großer geistgewirkter Findigkeit in atemberaubender Geschwindigkeit gewachsen und hat ihre Umgebung nachhaltig beeinflusst. Von der Kreuzigung Jesu bis heute hat der christliche Glaube die Herzen von Einzelpersonen und ganzer Völker verändert und geformt. Ich sage das, obwohl in unserer Zeit der christliche Glaube in aller Welt unter enormem Druck 1

Rudolf Bahro, deutscher Ökologe, »Logik der Rettung - Wer kann die Apokalypse aufhalten? Ein Versuch über die Grundlagen ökologischer Politik«, Stuttgart und Wien, Edition Weitbrecht in K. Thienemanns Verlag, 1987.

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DIE ANTWORT DES HIMMELS AUF DAS DILEMMA DER ERDE

steht – von innen und von außen. Diese Kräfte verlangen, dass wir Christen unseren Lebensstil und unseren Dienst heute neu auf den Prüfstand stellen. Dieser Kräfte sind viele und sie sind vielfältiger Natur: Postmodernes Denken und Globalisierung, der Aufstieg des militanten Islams und der New-Age-Spiritualität, drängende Umweltfragen – um nur einige zu nennen. Es läuft darauf hinaus: Die Welt, in die wir als Katholiken oder Protestanten hineingeboren wurden, diese Welt gibt es so nicht mehr. Die Grundlagen ihrer Identität, ihrer Formen und Inhalte sind im Verschwinden begriffen. Ja, manche würden sogar sagen, das »christliche Abendland« ist Geschichte. Eine neue Welt ist entstanden; sie ist uns nicht vertraut, ja sie ist uns fremd. Unser Verständnis von Kirche und Gemeinde muss sich im Kern verändern – und das radikal und gründlich. Diese neue Kultur fordert von uns grundsätzliche Veränderung. Manche Leiter denken, dass wir uns darauf konzentrieren sollten, unsere Umgebung zu verändern – sie wollen die guten, alten Zeiten wiederhaben, in denen jeder noch die Zehn Gebote kannte und wenigstens ein schlechtes Gewissen hatte, wenn er gegen sie verstieß. In ihren Augen liegt das Problem in der Gesellschaft; die Kirche dagegen sei ganz in Ordnung. Vielleicht benötige sie ein wenig Renovierung (»Erneuerung«), aber doch ja keine Revolution. Andere nehmen »zeitgemäße Anpassungen« vor; sie denken, dass die Welt schon zum Glauben finden und in ihre Gemeinde kommen werde, wenn ihr erst einmal die Probleme über den Kopf wüchsen. Aber dieses Mal kommen wir nicht so leicht davon. Mit dieser Liegestuhlmentalität kommen wir nicht mehr weiter. Wir brauchen eine gründlichere Analyse und Erneuerung, ja Innovation, als jemals zuvor.

DIE KIRCHE IN DER SCHÖPFUNG Es ist so einfach, Denominationen zu kritisieren. Aber ich habe gelernt, dass das nicht weiterhilft. Damit lösen wir keine Probleme, 30


ZEIT FÜR VERÄNDERUNG

wenn wir nur eine Gemeindeform abschaffen und eine andere an ihre Stelle setzen. Es geht nicht wirklich darum, in welchen Strukturen oder wo wir uns versammeln. Vielmehr geht es um eine Erneuerung unseres Denkens, wie es der Apostel Paulus angemahnt hat – Erneuerung unseres Denkens, unserer Sichtweise auf das Wesen und die Bestimmung unseres Lebens in Gott.

Diese Heiligen werden die »Berufung« Gottes ergreifen, die auf ihrem Leben liegt … sie lernen, das Übernatürliche, von Gott Geoffenbarte wieder in Verbindung zu bringen mit ihrem Alltag. Wir werden auf den nächsten Seiten sehen, dass eine christliche Gemeinde im Grunde immer vor denselben Fragen und Problemen steht; und wie auch immer die Gemeinde der Zukunft aussehen wird, auch sie wird ihre Antwort finden müssen auf diese Fragen. Das gilt für Fragen der Leitung genauso wie für Gemeindestrukturen und Ausübung von Autorität oder finanzielle Fragen. Nur dass sich eine Gruppe von Gläubigen nicht mehr sonntags in einem bestimmten Gebäude versammelt, das macht sie noch lange nicht radikal oder »reformatorisch«. Die Herausforderung besteht vielmehr darin, dass wir unserer Welt eine Antwort bieten, eine Antwort sein können – eine Antwort auf das Seufzen und Stöhnen der Schöpfung, wie Paulus es in Römer 8,19 und 22 nennt. Und dazu braucht es viel, viel mehr als nur einen anderen Treffpunkt oder einen neu strukturierten Monatsplan. Natürlich verändern sich unsere Versammlungen, das Wo, das Wann und das Wie. Das geschieht heute, das wird auch zukünftig geschehen. Es wird unter den verschiedensten Umständen viele verschiedene Leitungsmodelle und Gottesdienstformen geben. Manche werden mehr Organisation und Struktur aufweisen, andere muten 31


DIE ANTWORT DES HIMMELS AUF DAS DILEMMA DER ERDE

bunt an und »wie gewachsen«. Dennoch glaube ich, dass diese verschiedenen Ausdrucksweisen von Kirche sich von vielen Gemeindeformen unterscheiden, die wir bisher kennengelernt haben. Die Menschen, aus denen diese Gemeinschaften und Netzwerke bestehen, wissen: Sie selbst sind Kirche und brauchen dafür nicht irgendeine Institution; sie selbst bilden den Leib Christi. Sie wissen, dass die ganze Schöpfung ihnen gegeben ist als Umfeld und Rahmen für ihr Leben und Arbeiten, für ihr Feiern in Anbetung, Austausch und Zusammensein. Die ganze Schöpfung – das beinhaltet Familien- und Wirtschaftsleben, Gesundheits- und Erziehungswesen, Kunst und vieles andere mehr. Diese Heiligen werden Gottes »Berufung« für ihr Leben annehmen. Ihre Berufung – das ist die Einladung Gottes, das Leben zu gestalten mit allem, was sie sind und tun. In ihrer Arbeit, durch ihr Tun, lernen sie etwas ganz Zentrales: Das Übernatürliche, von Gott Geoffenbarte wieder in Verbindung zu bringen mit ihrem Alltag. Dadurch wird der Leib Christi ganz neu den Sinn seines Daseins entdecken und so stark werden. Im Wissen um seine Identität und um die Absicht Gottes mit ihm wird der Leib Christi aufstehen und sich dieser verwirrten, verlorenen Welt annehmen. Es ist mein großer Wunsch, dass dieses Buch dazu beiträgt, diese »Kirche in der Schöpfung« voranzubringen. Dabei soll nicht das Gute schlecht gemacht werden, das Gott bisher getan hat, sondern ich möchte ein guter Hausvater sein, wie ihn Jesus in Matthäus 13,52 beschreibt: »… gleich einem Hausherrn, der aus seinem Schatz Neues und Altes hervorbringt.«

GEMEINDEBEWEGUNGEN Wir befinden uns momentan in einer Zeit großer Veränderung; damit geht unausweichlich eine Menge Verunsicherung einher – aber ich denke, das schadet keinem. Viele in unseren Gemeinden haben ihre liebe Mühe mit der Institution Kirche; manche so sehr, dass sie 32


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sie am liebsten ganz verlassen würden. Und einige von ihnen üben mit ihrem ewig gegen die »institutionalisierte«, »organisierte« Kirche ausgestreckten Finger, mit ihrer messerscharfen Kritik einen zerstörerischen Einfluss aus. Sie wissen genau, was sie an der institutionalisierten Kirche nicht mögen – aber sie haben keine wirkliche, gute, klar erkennbare Alternative anzubieten.

Unsere Gemeindeleiter leben mit einer jahrtausendealten, aus der Kirchengeschichte geerbten Stellenbeschreibung. Viele Christen leben in einer guten und gesunden Beziehung zu Gott und zu anderen Gläubigen, aber sie gehören zu keiner »örtlichen Gemeinde«, wie wir sie kennen. Wieder andere leben dasselbe, aber sie bleiben ihrer örtlichen Gemeinde treu – in dem Wissen, dass es auf Erden niemals eine vollkommene Struktur oder Gemeinschaft geben wird. Aber sie wissen auch, dass es zur Lebensreise im Glauben einfach dazugehört, dass die Familie Gottes sich versammelt. Zu dieser Gruppe gehören viele Leiter der Gemeinden aller Denominationen. In großer Treue dienen sie ihren Gemeinden; sie horchen auf die Stimme Gottes und versuchen, Seine Weisheit zu erkennen und im Hier und Jetzt umzusetzen. Die Situation ist vielschichtig und die Entwicklung in vollem Gang. Wir mögen unterschiedliche Aspekte betonen, aber wirklich wichtig ist dabei nur eines: Dass wir auch weiterhin einander in Gnade begegnen. Ungeachtet aller Unterschiede, es gibt immer noch nur den einen Leib Christi. Und bei denen, die sich »außerhalb der Gemeinde« befinden, können wir genauso viel Weisheit und gute Strategien finden wie bei denen, die sich »innerhalb der Gemeinde« sehen. Und wieder geht es hier um weit mehr als nur um »drinnen« oder »draußen«. So einfach ist es eben nicht. Im nächsten Kapitel werden wir sehen, dass unsere Gemeindeleiter mit einer jahrtausendealten, aus der Kirchengeschichte geerb33


DIE ANTWORT DES HIMMELS AUF DAS DILEMMA DER ERDE

ten Stellenbeschreibung leben. Die Kirchengeschichte ist wie ein Bausatz mit vielen fremden Teilen, die uns irreführen und alles nur unnötig kompliziert machen. Wie ich schon sagte, müssen wir unsere Sicherheit in Jesus finden, ganz besonders in dieser Zeit großer Veränderung. Wenn wir gemeinsam reisen wollen, müssen wir sicher sein in Ihm – und dann können wir auch voller Gnade auf andere zugehen.

UNRUHESTIFTER IM STROM GOTTES Wenn wir das tun, werden wir (wie schon viele vor uns) feststellen, dass die ganze Kirchengeschichte hindurch es so oft die Pioniere waren, durch die Gott die existierende kirchliche Kultur in eine neue Epoche hineingenötigt hat. Einer dieser Radikalen war Martin Luther – ein vielschichtiger, mutiger und innovativer Kirchen-Erschütterer. Das Ergebnis all dieser Charakterzüge (er hatte noch einige mehr) war eine »Reformation«, die den Lauf der Weltgeschichte verändert hat. Immer wieder tritt solch eine kleine Gruppe von Unruhestiftern auf, die den Leib Christi in eine neue Ära zieht. Oder sollten wir sie lieber Geburtshelfer nennen? Sie machen Schluss mit der extremen Gängelung durch menschengemachte Strukturen oder Konstrukte und helfen dem Leib Christi, mehr zu dem zu werden, wozu Gott ihn geschaffen hat. Noch einmal: Nicht die sind das Hauptproblem unserer Zeit, die »Ja« sagen zu Jesus, aber »Nein« zur organisierten Kirche. Diese Leute lieben den Leib Christi und sehnen sich danach, dass er so wird, wie er sein soll – einer gefallenen Welt zugute. Wir brauchen die Unruhe, die sie verursachen. Sie fordern uns alle heraus, in eine neue Schöpfungs-Landschaft2 hineinzugehen. Wir sollten diese »Unruhestifter« als ein Zeichen des Kommenden sehen und nicht als Bedrohung des Bestehenden. Ja, es ist mir nicht gleichgültig, wenn Christen die Versammlungen verlassen; 2

Siehe Begriffserklärungen, Anhang 2.

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ZEIT FÜR VERÄNDERUNG

aber noch mehr bewegt mich, dass die Kirche Jesu Christi ihrem Auftrag nachkommt und hingeht in die ganze Schöpfung, das Evangelium des Königreichs verkündet und in jeder Nation Menschen zu Jüngern macht.

DIE KOMMANDO STRATEGIE Das folgende Zitat ist einer Arbeit von David Bradshaw und James H. Rutz entnommen, in der sie die 30 führenden christlichen Bewegungen in Amerika betrachten. »Gott ruft nicht die zwanzig Prozent der Laien, die achtzig Prozent der Gemeindearbeit machen, zu einer entschlossenen Steigerung ihres Einsatzes auf. Er ruft uns, mutig der Kirche insgesamt Beine zu machen und die achtzig Prozent treuer Zuschauer und Konsumenten zu mobilisieren, dass auch sie zum Herzstück der Kirche werden.«3 Bradshaw und Rutz kommen zu der Schlussfolgerung: »Lange genug waren wir Christen einfach nur Zuschauer. Unser Glaubensstand wurde daran gemessen, wie oft wir den Gottesdiensten beiwohnten. Jetzt beginnt eine neue Zeit. In Zukunft wird man Christen erkennen an ihrer echten Teilhabe an und Mitarbeit in der Kirche, dem Leib Christi.« 4 Die Messlatte liegt wirklich hoch! Wenn wir erfolgreich sein wollen, müssen wir jetzt gut zuhören, wenn der Oberste Befehlshaber der himmlischen Heerscharen spricht. Der Buchtitel sagt es: Ich glaube, dass der Himmel die Antwort hat auf das Dilemma der Erde. Doch damit diese Antwort tatsächlich ankommt, müssen wir hören, was der Geist den Gemeinden sagt – anders ausgedrückt: Wir müssen die Stimme unseres himmlischen Befehlshabers hören und Ihm folgen. 3 4

David Bradshaw and James H Rutz, The Big Picture, 1995 http://www.myideafactory.net/bigpict.html. Ebd.

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DIE ANTWORT DES HIMMELS AUF DAS DILEMMA DER ERDE

In diesem Buch werden Sie nicht alle Antworten finden. Vergessen Sie das – das war nie meine Absicht. Allerdings werden hier viele Fragen aufgegriffen, eingehend untersucht und erklärt, denen wir heute als Leib Christi, als Kirche gegenüberstehen. Und ich bin sicher, Sie werden eine Menge lernen über sich selbst und darüber, wozu Gott Sie berufen hat – was Sie mit Ihrem Leben, an Ihrem Arbeitsplatz und mit Ihrer Anbetung als Teil des Leibes Christi heute in der Welt bewirken können. Ich habe dieses Buch nicht geschrieben, um eine weitere nicht stichhaltige Theorie auf den Markt der Ideen zu bringen – in der Hoffnung, dass sie trotzdem stimmt oder mir zumindest abgekauft wird. Viele Jahre lang war ich Unternehmer und Pastor einer örtlichen Kirchengemeinde. Ich habe die Heiligen ausgerüstet, damit sie das in der Schöpfung ausleben können, worüber ich in diesem Buch geschrieben habe. Was Sie hier lesen, hat Hand und Fuß; es wurde nicht am grünen Tisch geschrieben. Wie sagt man so schön: »Mach’s vor, dann mach ich’s nach.« Als Ingenieur bin ich von Haus aus Praktiker. Bevor ich meine Ideen anderen empfehle, probiere ich sie zuerst selbst aus und vergewissere mich, dass sie auch wirklich funktionieren. Und ich meine sagen zu können, dass ich genau das getan habe in all den Jahren dieses Projektes. Dieses Buch besteht aus drei Teilen: Im ersten Teil gehen wir in die Kirchengeschichte. Wir sehen, wie die Kirche zu ihrer heutigen Gestalt und Praxis gekommen ist. Wir folgen den Spuren der Kirche in der Zeit ihres allmählichen Abrückens von den Wurzeln ihrer hebräisch-christlichen Weltsicht5 und erkennen den folgerichtigen Verlust ihrer Identität. Wir erforschen die wichtigsten Geistesströmungen, denen die frühe Kirche ausgesetzt war. Wir sehen, wie sie sich unter diesen Einflüssen von einem dynamischen Leib Christi in der Schöpfung, in der Welt gewandelt hat zu einer Institution, die sich fast nur noch um sich selbst dreht 5

Siehe Begriffserklärungen, Anhang 2.

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ZEIT FÜR VERÄNDERUNG

und hauptsächlich um ihr eigenes Fortbestehen besorgt ist. Unser besonderes Augenmerk gilt hierbei dem sogenannten Dualismus, einem Glaubensansatz des Philosophen Platon. Manche nennen den Dualismus5 auch »Empire Geist«5 und verstehen darunter den zunehmenden Einfluss der politischen Herrscher auf die frühe Kirche mit dem Ergebnis, dass sie schließlich in der Kirche das Sagen hatten. So wurde die organische frühe Kirche zum hierarchischen, starren Konstrukt. Im zweiten Teil werde ich das hebräische Erbe der Kirche eingehend untersuchen. Um unseren Beitrag leisten zu können zur Ausführung des unumstößlichen Planes Gottes, müssen wir uns ausrüsten mit dem hebräischen Denken. Wir werden erkennen, was es bedeutet, dass wir als Ebenbild Gottes geschaffen wurden: Wir wurden zu dem Zweck entworfen, berufen und bevollmächtigt, uns der guten (wenn auch gefallenen) Schöpfung anzunehmen. Diese besteht im Wesentlichen aus fünf Schöpfungsbereichen, in denen wir Autorität haben und unseren Einfluss ausüben – Ehe, Familie, Arbeit, Stamm und Volk5. Dies ist das Umfeld jedes Gliedes am Leib Christi; hier leben, arbeiten und wirken wir. Wir untersuchen die Berufung der Kirche in Bezug zur ganzen Schöpfung und gehen der Frage nach, wie die Kirche, wie das Volk Gottes aus dem Konstrukt heraus- und wieder in die Schöpfung hineinkommen kann. Im dritten Teil geht es um die »Kirche ohne Grenzen« in der ganzen Schöpfung, um die Kirche bei der Arbeit in der Welt. Aufgrund der Erkenntnisse, die wir bisher gewonnen haben, werden wir uns den verschiedenen Formen und Ausdrucksweisen dieser Kirche zuwenden. Hier werden wir ein neues Paradigma, eine neue Denkweise kennenlernen; eine Denkweise, die nach meiner festen Überzeugung der Kirche unserer Tage eine bedeutende Einsicht anbietet. Wir werden sehen, wie jedes Glied am Leib Christi ausgestattet und entsendet werden kann, um seiner Berufung für diese fünf Schöpfungsbereiche gerecht zu werden. Dies kann geschehen, indem wir die Kraft und den Zweck der »berufungsbedingten Gna-

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denmotivationen«6 entdecken, die jeder Christ hat. Diese Dienstgaben sollen Menschen helfen, ihren eigenen, strategisch wichtigen Platz im Leben zu finden – den Platz, für den Gott sie geschaffen hat. Unsere Aufgabe als Diener der Kirche ist es, die Gläubigen stark zu machen, damit sie in all ihrer bezahlten und ehrenamtlichen Arbeit den Willen Gottes tun und ausführen können. Sie werden lernen, Ihre eigene Berufung zu erkennen. Und Sie werden Bekanntschaft machen mit dem Werkzeug, das Gott Ihnen zur Verfügung stellt und das Sie benötigen, um diese Berufung in der ganzen Schöpfung auszuleben. Dieses Buch lehrt über die Gnadengaben der Berufung, die uns gegeben wurden. Und es stellt diese Gaben und ihre Auswirkungen in den großen Zusammenhang der ganzen Schöpfung. Ich glaube, dass es so zu dem ungeheuer großen Projekt der Kirche in der Schöpfung beiträgt – dass dieses Buch mithilft, dass die einzelnen Teile der Kirche zusammenkommen und ihren Platz einnehmen. Wenn dies geschieht, dann werden unsere guten Werke unser Licht hell erstrahlen lassen; es wird die Himmel Gottes erleuchten, so dass alle Welt Gott sehen kann. Der Himmel hat die Antwort auf das Dilemma der Erde – und er wartet darauf, dass wir als Leib Christi diese Antwort ergreifen und selbst zur Antwort werden auf den Schrei einer sehnsüchtig wartenden Schöpfung. Zunächst werden wir also zurückgehen in die Anfangszeit der Kirche. Denn nur wenn wir die Wahrheit kennen, von der wir uns abgewendet haben, können wir uns ihr wieder zuwenden und sie neu annehmen. Was ist damals passiert? Warum ignorierte das Volk Gottes seine Sendung in die ganze Schöpfung und baute stattdessen Institutionen auf, Institutionen mit hierarchischen und einengenden Ordnungen? Gehen wir los und sehen wir selbst.

6

Siehe Kapitel 15 und 16, sowie Begriffserklärungen, Anhang 2.

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KAPITEL 2 DIE FRÜHE KIRCHE UND DIE ERSTE KRISE

W ISSEN, WAS WAR – SEHEN, WAS KOMMT Unsere Erde steht vor einem Dilemma. Dieses Dilemma ist die Kirche. Wenn die Welt die Kirche ansieht, sieht sie kaum mehr als eine gewaltige Organisation, an der seit zweitausend Jahren gebaut wird. Das Dilemma, vor dem die Welt steht, könnte man so zusammenfassen: Wie viel davon ist nun Gott? Man könnte nun die Frage stellen, ob das denn so wichtig sei. Nun, die ganze Schöpfung sehnt sich danach, dass die Kirche aufsteht und endlich all das ist, wozu Gott sie ins Leben gerufen hat. Himmel und Erde warten begierig darauf, dass die Kirche sich endlich sortiert bekommt. Und – Sie wissen es schon: Wir müssen hören, was der Himmel dazu sagt, um seine Antwort auf das Dilemma der Erde zu erkennen. Im ersten Kapitel haben wir gesehen, wie sehr sich unsere Welt verändert hat. Die Völker sind tatsächlich im Aufruhr. Die Schöpfung ächzt unter der Sünde der Menschheit. Der Leib Christi steht am Scheideweg. Vor sich sieht er eine kulturelle Umwälzung, weit tiefer und umfassender als die der fünfhundert Jahre zurückliegenden Reformationszeit. Doch diese heftigen Veränderungen sind nicht unbedingt nachteilig für uns – ich glaube, dass sie es uns sogar leichter machen, dem Ruf des Himmels Folge zu leisten. Wenn alles glatt läuft, fällt es uns manchmal schwerer, Gottes Stimme zu hören. Wir sind sicher, dass unsere Glaubenssätze,

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DIE ANTWORT DES HIMMELS AUF DAS DILEMMA DER ERDE

unser Wohlstand, unsere Gottesdienste und unsere Leiter in Ordnung sind. Wir sind bestens versorgt mit leckerem Essen und guten Predigten und sehen keinen ernsthaften Grund für irgendwelche Anstrengungen, um Seine Stimme zu hören. Aber wenn der Himmel die Erde erschüttert, beginnt auch vieles zu schwanken, worauf wir uns so fest verlassen haben. Das verunsichert uns – und zwingt uns, entschiedener als bisher das Reden Gottes zu suchen. Unsere Bereitschaft wächst, auch das zu hören und anzunehmen, was man eine »harte Rede« nennen könnte: all die Wahrheiten über unser Leben, unsere Beziehungen, über unseren Frömmigkeits- und Gemeindestil und die Strategien, die wir zurzeit verfolgen in unserem Bestreben, dem Missionsbefehl nachzukommen. Im Hebräerbrief lesen wir, was Gott mit dieser Erschütterung bezweckt: »Aber das ›noch einmal‹ deutet die Verwandlung der Dinge an, die als geschaffene erschüttert werden, damit die unerschütterlichen bleiben« (Hebräer 12,27). Wenn wir die Erschütterungen in unserer Gesellschaft und auch in der Kirche verstehen wollen, müssen wir uns befassen mit all dem, was in unserem christlichen Denken und in unserem Gemeindeleben nicht mit Gottes Plänen übereinstimmt.

ZURÜCKSTOßEN, UM WEITERFAHREN ZU KÖNNEN Dazu müssen wir uns mit der Geschichte befassen, insbesondere mit den historisch stärksten und entscheidendsten Faktoren, die die Kirche beeinflusst haben – und die jetzt besonders stark erschüttert werden, weil Gott sie aus der Kirche entfernen will. Im letzten Kapitel habe ich sie schon erwähnt, es sind meines Erachtens der Dualismus und der »Empire Geist«. Dualismus – diese Denkweise geht zurück auf den griechischen Philosophen Platon, der etwa 400 Jahre vor Christus lebte. Man spricht auch vom »platonischen Denken«. Der »Empire Geist« äußert sich in der Neigung der Mächtigen, auch in der Kirche, die Macht an sich zu reißen. Nur wenn wir die Prägung unseres westlichen und christlichen Denkens durch diese

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DIE FRÜHE KIRCHE UND DIE ERSTE KRISE

beiden Einflüsse verstehen, können wir die Kirchengeschichte und unsere gegenwärtige Notlage richtig einordnen. Jesus und auch die Kirche wurden hineingeboren in die griechisch-römische Welt. Platon war Grieche; der »Empire Geist« hat seinen Ursprung in Rom. Im Zusammenspiel dieser beiden Strömungen entstand eine den Absichten Gottes entgegengesetzte Denkweise. Paulus schrieb den Gläubigen in Korinth: »So zerstören wir überspitzte Gedankengebäude und jede Höhe, die sich gegen die Erkenntnis Gottes erhebt, und nehmen jeden Gedanken gefangen unter den Gehorsam Christi« (2. Korinther 10,4-5). Um heute die Stimme des Himmels vernehmen zu können, müssen das platonische Virus des Dualismus und der »Empire Geist« aus dem Wege geschafft werden. Wenn wir in unserer Zeit herausfinden wollen, was erschüttert und entfernt werden soll, wenn wir die Offenbarung Gottes suchen, was dieses ewig Bleibende ist – dann müssen wir zurückgehen zum Anfang. Nur dann können wir erkennen, wo wir hingekommen sind, und eine Antwort finden auf das Dilemma der Erde.

DIE KRISE BEGINNT MIT PLATON James Thwaites erklärt in seinem Buch Renegotiating the Church Contract die Strategie Satans so: Von allem Anfang an, schon im Garten, hat sich der Feind darauf konzentriert, das Herz des Menschen von den Absichten Gottes zu entfremden. Immer hat er versucht, des Menschen größtes Sehnen nach außen zu projizieren – auf irgendeinen Götzen, auf ein Ideal, eine Vision, einen Wunschtraum, auf einen Leiter; überallhin, nur nicht in das eigene Herz des Menschen, der doch selbst Träger des Ebenbildes Gottes ist. 1

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James Thwaites, Renegotiating The Church Contract, Paternoster Publishing, Cumbria UK 2002. Seite 105.

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DIE ANTWORT DES HIMMELS AUF DAS DILEMMA DER ERDE

Platon beherrschte die Strategie des »Teile und herrsche« meisterhaft. Doch er teilte und beherrschte nicht Völker oder Stämme, sondern auch den Verstand des Menschen, unsere grundlegenden Denkmuster. Schauen wir einmal unseren christlichen Sprachgebrauch an. Ganz selbstverständlich gebrauchen wir Wortpaare wie geistlich und natürlich, Dienst und Arbeit, weltlich und heilig, säkular und sakral – und im Allgemeinen sind das für uns Gegensätze. Schauen wir jetzt den Sprachgebrauch der Schrift an: So oft lesen wir »Himmel und Erde«. Und »Himmel« ist für uns der Ort, an den wir gehen nach dem Sterben – ein Lebensraum der Ewigkeit, der dem kommenden Leben vorbehalten ist. Im Großen und Ganzen haben wir dieses Verständnis übernommen in dem festen Glauben, dies sei die Wahrheit. Dabei entgeht uns völlig, dass unsere landläufige »christliche« Definition dieser sehr wichtigen Wörter mehr von Platon stammt als von Jesus! Platon lehrte, dass unsere gegenwärtige Welt nur eine schlechte Kopie, ein jämmerlicher Abklatsch der »wirklichen«, ewigen Welt sei, die außerhalb der geschaffenen Welt existiere. »Diese« unsere irdische Welt sei natürlich und verdorben, »jene« dagegen geistlich und vollkommen. Er spielte die beiden Bereiche gegeneinander aus – und dafür hatte er gleich mehrere wichtige Gründe.

DER ENTTHRONTE ARISTOKRAT Platon wuchs auf im Athen des fünften vorchristlichen Jahrhunderts. Er entstammte einer adligen Familie, die bei der Einführung der Demokratie ihre Macht und ihre Vorrangstellung verloren hatte. Platons Frage war, wie er diese Macht zurückerobern konnte. Er brauchte Zeit, um seine Strategie auszuarbeiten, aber schließlich war das Meisterwerk fertig: Unter dem Titel »Der Staat« veröffentlichte er mehrere seiner Schriftstücke. Keiner durchschaute ihn, so ausgeklügelt war der Plan. Kurz zusammengefasst, führte Platon 42


DIE FRÜHE KIRCHE UND DIE ERSTE KRISE

eine Trennung ein zwischen unserem Leben in der jetzigen, verdorbenen Schöpfung und dem, was er die »höhere Ebene des Seins« nannte. Diese höhere Ebene befinde sich in einer vollkommenen und ewigen Welt, die von der unseren weit entfernt sei. So schaffte er es, das Denken des Lesers zu spalten. Nun war alles bereit für sein Finale: Wer von dieser verdorbenen Welt aus in die vollkommene gelangen wolle, so Platon, brauche dazu Hilfe. Und er hatte auch gleich ein passendes Angebot zur Hand: den Staat unter der Führung eines »Philosophenkönigs«. Diesem Staat oder einer herrschenden Institution, deren Gesetze seiner Version des Himmels entsprächen, müsse man sich unterordnen; so bekäme man das Recht auf Zutritt zu dieser vollkommenen Welt. Dies war also die feinsinnige (oder doch durchschaubare?) Strategie Platons, um wieder an die Macht zu gelangen. Wir wissen, dass Athen sein großherziges Angebot ablehnte – Alexander der Große und seinesgleichen entschieden sich für die bewährte militärische Methode.

Platons Idee von der gespaltenen Welt war der Wegbereiter für die größte Machtübernahme aller Zeiten. Jahrhunderte später jedoch wurde Platons Strategie von einer anderen Gruppe aufgegriffen und erfolgreich umgesetzt: Die Kirche machte Platons Plan zu ihrem eigenen.

PLATONS ÜBERNAHMEANGEBOT Wir wissen, dass die frühe Kirche durchdrungen war vom hebräischen Denken, von der hebräischen Weltsicht. Doch bald schon waren die jüdischen Gläubigen in der Minderheit; es kamen so viele Menschen aus den Nationen zum Glauben an Jesus. Diese Nicht43


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juden waren in einer Kultur aufgewachsen, die im griechischen Denken verwurzelt war. Überall in der ganzen damals bekannten Welt waren namhafte Ausbildungszentren entstanden – und alle waren sie von dem Philosophen Platon beeinflusst. Mit der jüdischen Tradition, dem hebräischen Denken verband sie nichts. In Städten wie Athen, Alexandria und Karthago sammelten sich angesehene Denker, Lehrer und Schüler der griechischen Philosophie. Viele dieser Schüler wurden Christen und schlossen sich einer Kirche an, deren Theologie und Struktur sich noch in der Entwicklung befanden. Mit der Zeit wurden diese christlichen Denker zu Bischöfen oder anderen angesehenen Kirchenleitern. So kam es, dass bei theologischen Streitgesprächen mit heidnischen Philosophen häufig Platon ins Feld geführt wurde. Bei Fragen zur kirchlichen Praxis, zu rechter Lehre oder bei Verdacht auf Irrlehre suchte man Zuflucht – richtig, bei Platon. Manchmal unverhohlen und mit Zitaten, aber meistens war das platonische Denken eher wie der Sauerteig, der nach und nach den ganzen »Teig« der Kirche durchsäuerte. Es ist schon merkwürdig: Zwischen dem Abschluss des Alten und dem Beginn des Neuen Testaments mit dem Propheten, den wir Johannes den Täufer nennen, lagen vierhundert Jahre »des Schweigens« – es traten keine Propheten auf. Dies war genau die Zeit der bekanntesten griechischen Denker Sokrates, Platon und Aristoteles. Diese Männer haben unsere westliche Kultur stark geprägt. Nun, nicht alles, was sie uns hinterlassen haben, ist schlecht oder wertlos. Aber der platonische Dreh in ihrem Erbe hat unsere geistesgeschichtliche Entwicklung nachhaltig negativ beeinflusst – unsere Ideen, unsere Kultur und unser geistliches Leben. Könnte es sein, dass der Feind Gottes, Satan, den Wunsch Gottes genau verstanden hat und diese »Zeit des Schweigens« missbraucht hat für seine eigenen Ziele? Gott wollte eine Beziehung zu Seiner Schöpfung haben, Er war kurz davor, diese Beziehung wiederherzustellen – und Satan nutzte diese Zeit, um seine Fälschung auf den

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DIE FRÜHE KIRCHE UND DIE ERSTE KRISE

Markt zu werfen, eine verdrehte Weltsicht über Gott, Mensch und Schöpfung. Ich glaube, dass es wirklich so war. Platons Idee von der gespaltenen Welt war der Wegbereiter für die größte Machtübernahme aller Zeiten. Seit Jahrhunderten hatte das Römische Reich immer mehr Fahrt aufgenommen. Um Christi Geburt waren die Römer die unbestrittenen Herrscher über den größten Teil der damals bekannten Welt. Als der Apostel Paulus gegen Ende des sechsten Jahrzehnts nach Christus in Rom den Märtyrertod starb, konnte er nicht ahnen, dass diese stolze Stadt die Nachfolger Jesu eines Tages anerkennen und vereinnahmen würde und dass daraus ein gewaltiges, beeindruckendes Gebäude, eine hierarchische Struktur entstehen würde, das unsere moderne Gesellschaft Kirche nennt. Wie in aller Welt konnte das geschehen? Wir wollen jetzt nachsehen, wie es der »Empire Geist« dank der großzügigen Unterstützung Platons schaffte, in der Kirche die Macht an sich zu reißen.

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KAPITEL 3 DIE KIRCHE – VON APOSTOLISCHER BEWEGUNG ZUM IMPERIUM

KIRCHE IM GEFÄNGNIS Die Zeit der frühen Kirche war geprägt von großer Veränderung und schwerer Bedrängnis. Christ zu sein, das bedeutete, den Märtyrertod in Kauf zu nehmen. Die Städte wurden von Seuchen heimgesucht, Hungersnöte entvölkerten das Land und Heere hinterließen verwüstete, menschenleere Landstriche. Und als wäre das nicht genug, wurde das Römische Reich von allen möglichen Philosophien überschwemmt, von religiösen und solchen, die keinen Gott brauchten. Viele dieser Strömungen richteten sich gegen die Kirche und bedrohten die Reinheit der Lehre und mitunter sogar ihre Existenz. Nach dem Tod der Apostel stellte sich die Frage nach der Autorität: Wer sollte jetzt die Verantwortung tragen und wer hatte das Recht festzulegen, welche Lehren richtig und welche falsch waren? Wie sehr diese Fragen von Autorität und Doktrin die Kirche bewegten, können wir zum Beispiel an Marcion sehen, einem christlichen Gnostiker des zweiten Jahrhunderts. Marcion lehnte das Alte und das Neue Testament größtenteils ab und akzeptierte nur die Paulusbriefe und die Schriften des Lukas. Er gründete Gemeinden im ganzen Römischen Reich und sorgte dafür, dass seine Anhänger

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DIE ANTWORT DES HIMMELS AUF DAS DILEMMA DER ERDE

eifrig mit der bestehenden Kirche konkurrierten. Er lehnte den Gott des Alten Testaments ab und lehrte, dass man nur dem Gott des Neuen Testaments nachfolgen und ihn allein verehren solle. Er lehnte das hebräische Erbe ab und verbreitete viele dem platonischen Denken entstammende Lehren. Für ihn war das Fleisch schlecht und der Geist rein; die materielle Welt war böse, die ewige dagegen vollkommen. Und er fügte dem allem seine eigene neue Gegenüberstellung hinzu: Das Gesetz war vom Teufel, während die Gnade vom einzig wahren Gott kam. Angesichts dieser und vieler ähnlicher Irrlehren mussten die Kirchenleiter Antworten finden. Das war die Bühne, auf der zwischen dem 2. und dem 4. Jahrhundert die sogenannten frühen Kirchenväter auftraten. Wie schon erwähnt, waren die meisten von ihnen mehr oder weniger beeinflusst von der platonischen Weltsicht. All das gesellschaftliche Chaos und die Irrlehren begünstigten vor allem den Aspekt der Machtfrage: Wer oder was sollte herrschen? Die Kirchenväter stellten sich also die Frage, wer oder was der Kirche aus diesem Chaos heraushelfen und ihr klare Verhältnisse bringen konnte. Wer konnte Irrtum und Wahrheit unterscheiden? Wir erinnern uns: Für Platon war die Antwort klar. Er sah im Staat die Lösung. Eine herrschende Institution würde in der Lage sein, den Prozess in Gang zu setzen und zu steuern, die Probleme zu lösen und einfach alles in Ordnung zu bringen. Die hebräische Vorgehensweise dagegen war gegründet in der ganzen Gemeinschaft, modern ausgedrückt: in der Basis. Die Ältesten entschieden, nachdem sie sich mit dem Stamm beraten hatten. Wenn Gott Propheten aufstehen ließ, erhoben diese ihre Stimme. Wurde das Volk angegriffen, standen Krieger auf – und wenn der Feind besiegt war, lebten sie wieder wie alle anderen und kümmerten sich um ihre Landwirtschaft, wie wir es an Gideon sehen können. Im platonischen Denken finden wir nichts von alledem. Aufseher, Propheten und Krieger werden hier gebündelt zu einer einzigen herrschenden Klasse.

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DIE KIRCHE – VON APOSTOLISCHER BEWEGUNG ZUM IMPERIUM

Natürlich hatten die Kirchenväter nicht die Absicht, aus der Kirche eine Art Imperium zu machen. Aber es ist doch so, dass der Mensch durch seine Gedankenwelt geformt und beherrscht wird. Der platonische Sauerteig war erfolgreich und führte den Prozess vollständig durch. Anfangs kaum erkennbar, wurde die Veränderung stärker und stärker und entwickelte sich schließlich zur Springflut: Der Thron der geistlichen Macht in Rom wurde besetzt durch einen neuartigen Philosophenkönig. Diese Kirchenleiter wollten wirklich die Kirche schützen, ihre Einheit und Reinheit bewahren. Und sie versuchten dieses Ziel zu erreichen, indem sie die organisatorische Einheit stützten und stärkten. Einen deutlichen Schritt der Kirche hin zur Autoritätsstruktur sehen wir bei dem Kirchenvater Ignatius.

DAS I GNATIUS-M ODELL Ignatius war 98–117 n. Chr. Bischof von Antiochia. Er war unter den ersten Verteidigern hierarchischer Systeme in der Kirche; so wollte er das kirchliche Leben regeln und im Gleichgewicht halten. Wir haben schon gesehen, dass dies auf einer guten Motivation beruhte – er wollte die Kirche gegen Irrlehren schützen und in der christlichen Gemeinde Einheit, Wahrheit, Wohlverhalten und Ordnung aufrechterhalten. Paul Johnson zitiert Ignatius in A History of Christianity: »Frauen waren den Männern, Junge den Alten unterworfen, die Menge den Presbytern oder Bischöfen und Diakonen, die dafür ausgesondert waren.«1 Besonders zu beachten ist hier, dass auf der Liste des Ignatius an erster Stelle steht, dass die Frauen den Männern unterworfen waren. Zur Zeit des Neuen Testaments waren gläubige Frauen im Dienst am Königreich Gottes gleich wichtig. Sie arbeiteten mit ihren christlichen Brüdern partnerschaftlich zusammen, sie waren ihnen gleichgestellt und galten keineswegs als minderwertig oder unter1

Paul Johnson, A History of Christianity, Atheneum, New York Macmillan 1976. Seite 56.

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DIE ANTWORT DES HIMMELS AUF DAS DILEMMA DER ERDE

worfen. Die frühe Kirche sah sich dem revolutionären Modell Jesu verpflichtet und bestätigte die Frauen als Miterben der Fülle Christi und Teilhaber der Dienstgabe Gottes. Frauen genossen Wertschätzung. Sie waren gleich wertvoll und erfreuten sich desselben uneingeschränkten Zugangs zur Liebe des Vaters. So hatte Jesus es ihnen vorgelebt! Doch im Zuge der Entwicklung hierarchischer Muster waren Frauen häufig die ersten Opfer, die aus Leiterschaft und Dienst gedrängt wurden.

Zur Zeit des Neuen Testaments waren gläubige Frauen ihren christlichen Brüdern gleichgestellt und arbeiteten partnerschaftlich mit ihnen zusammen. Die Schriften und Lehren des Ignatius verlangten Gehorsam gegenüber den von ihm eingeführten kirchlichen Ämtern. Jim Petersen beschreibt in seinem Buch Church Without Walls die Situation so: Nichts durfte ohne den Bischof stattfinden … Taufen oder Feiern der Liebesmahle ohne den Bischof waren illegal. Das heilige Abendmahl konnte entweder nur vom Bischof selbst gespendet werden oder von jemandem, der vom Bischof dazu beauftragt worden war. 2 Wenige Jahrzehnte nach dem Tod des letzten der zwölf Apostel war die Entwicklung zur Institution also bestens vorbereitet. Was an Pfingsten als Ausgießung des Heiligen Geistes begonnen hatte, begann sich nun aufzulösen. War an Pfingsten jeder an Christus Gläubige mit Gnadengaben des Dienstes ausgerüstet worden, verfestigte sich jetzt das neue religiöse Kleriker-Laien-System immer mehr. An die Stelle der apostolischen Denkweise, die die Menschen ausrüstete und in jede Facette der Schöpfung entsandte, übernahm immer mehr ein religiöses Konstrukt3 die Macht. Ignatius hatte den 2 3

Jim Petersen, Church Without Walls, NavPress, Colorado Springs 1982. Seite 89. Siehe Begriffserklärungen, Anhang 2.

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DIE KIRCHE – VON APOSTOLISCHER BEWEGUNG ZUM IMPERIUM

Anstoß gegeben; Männer wie Irenäus brachten den Stein vollends ins Rollen.

DAS I RENÄUS-M ODELL Irenäus war ein christlicher Leiter im zweiten Jahrhundert (130–212). Als Apologet (»Verteidiger«) wurde er zu einer weiteren offiziellen Stimme der Kirche im andauernden Kampf gegen Irrlehren und Heidentum. Er diente in Smyrna und Gaul und war später Bischof in Lyon. Ihm wird die frühe Entwicklung der systematischen Theologie zugeschrieben; darin geht es auch um die organische Einheit der Kirche. Diesen Gedanken behandelte er ausführlich und entwickelte daraufhin ein Modell, wie die Kirche funktionieren sollte. Irenäus befürwortete die ununterbrochene Sukzession (=Amtsnachfolge, Thronfolge) der Bischöfe: Nur Bischöfe sollten Bischöfe weihen. Seine Schriften und Lehren entfernten die Kirche noch mehr von ihrer apostolischen Grundlage. Aus der durch den Heiligen Geist befähigten und bevollmächtigten Gemeinschaft, die die Gebote Jesu auf allen Ebenen und in jedem Lebensbereich der Gesellschaft auslebte, wurde eine festgefügte, zentralistische und straff organisierte Institution. Das Resultat war ein in zwei Teile zerrissener Leib Christi. Statt der Ältesten und Leiter, die in ihrer Mitte waren, gab es jetzt eine besondere Klasse, den Klerus. Irenäus schrieb: … so werden wir nur die apostolische Tradition und Glaubenspredigt der größten und ältesten und allbekannten Kirche, die von den beiden ruhmreichen Aposteln Petrus und Paulus zu Rom gegründet und gebaut ist, darlegen, wie sie durch die Nachfolge ihrer Bischöfe bis auf unsere Tage gekommen ist. So widerlegen wir alle, die … Konventikel4 gründen. Mit der römischen Kirche nämlich muss wegen ihres besonderen Vorranges jede Kirche übereinstimmen, d. h. 4

(lat.: conventiculum, Diminutiv von conventus = „kleine Zusammenkunft“, vergleiche Konvent) bezeichnet allgemein eine im Wesentlichen private religiöse Zusammenkunft in einem Wohnhaus außerhalb eines Gotteshauses (Wikipedia).

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