BILL JOHNSON / RANDY CLARK
Berufen zu heilen BAND 2
DIE AUTOREN IM GESPRÄCH ÜBER IHRE ERFAHRUNGEN UND ERKENNTNISSE AUS DER PRAXIS
GLORYWORLD-MEDIEN
Copyright © 2012 by Bill Johnson and Randy Clark Originally published in English under the title Healing Unplugged by Chosen, a division of Baker Publishing Group, Grand Rapids, Michigan, 49516, U.S.A. All rights reserved. 1. Auflage 2013 © der deutschen Ausgabe 2013 GloryWorld-Medien, Bruchsal, Germany Alle Rechte vorbehalten Bibelzitate sind, falls nicht anders gekennzeichnet, der Elberfelder Bibel, Revidierte Fassung von 1985, entnommen. Weitere Bibelübersetzungen: LUT: Lutherbibel, Revidierte Fassung von 1984 NGÜ: Neue Genfer Übersetzung, 2009 NLB: „Neues Leben. Die Bibelübersetzung“, Holzgerlingen, 2002. Das Buch folgt den Regeln der Deutschen Rechtschreibreform. Die Bibelzitate wurden diesen Rechtschreibregeln angepasst. Übersetzung: Regina Frohms Lektorat/Satz: Thilo Niepel / Manfred Mayer Satz: Manfred Mayer Umschlaggestaltung: Kerstin & Karl Gerd Striepecke, www.vision-c.de Foto: photocase Druck: Schönbach-Druck GmbH, Erzhausen Printed in Germany ISBN: 978-3-936322-80-4 Bestellnummer: 359280 Erhältlich beim Verlag: GloryWorld-Medien Postfach 4170 D-76625 Bruchsal Tel.: 07257-903396 Fax: 07257-903398 info@gloryworld.de www.gloryworld.de oder in jeder Buchhandlung
STIMMEN ZUM BUCH
Ich kann dieses Buch nur wärmstens empfehlen. Es zu lesen, ist wie einer Unterhaltung zwischen zwei alten Hasen im Heilungsdienst beizuwohnen, während sie sehr reale Fragen anhand ihrer eigenen Erfahrungen durchsprechen. Näher könnten wir Bill und Randy als unseren persönlichen Mentoren nicht kommen. Sie versuchen auf sehr ehrliche und kreative Weise, Fragen zu beantworten, wie man am besten für Heilung betet. Dr. Francis MacNutt, Mitgründer von „Christian Healing Ministries, Inc.“ Dieses Buch ist so geschrieben, als säßen wir mit Bill Johnson und Randy Clark zusammen im Wohnzimmer, während sie ihre sehr persönlichen Geschichten über ihre Entdeckungen erzählen, wie man in der Heilungssalbung wirkt und gut damit umgeht. Jedes ihrer Zeugnisse spiegelt Gottes Herrlichkeit wider und wird Ihr Verlangen wachsen lassen, die Gegenwart und Wunder Jesu noch stärker zu erleben. Dieses Buch ist kein Handbuch für das Heilungsgebet, sondern gibt Anstöße, die unseren Glauben aktivieren, die Werke Jesu überall zu tun, wo wir gerade sind. Mit Demut und Ehrlichkeit teilen Bill und Randy ihre Lernerfahrungen und „Betriebsgeheimnisse“ mit, die sie dadurch gewonnen haben, dass sie dem Heiligen Geist gefolgt sind. Die wunderbaren Erkenntnisse, die diese besonderen Diener an uns weitergeben, sind eine große Bereicherung für uns. Ich betrachte sie nicht nur als Freunde, sondern auch als großartige Vorbilder für den Heilungsdienst in unserer Zeit. Mahesh Chavda, Hauptpastor der „All Nations Church“, Fort Mill, South Carolina
EINLEITUNG (1) Bill Johnson: Eisen schärft Eisen, ebenso schärft ein Mann den anderen. Sprüche 27,17 (NLB) Was einen von Zeichen und Wundern gekennzeichneten Lebensstil angeht, hatte und hat niemand einen größeren Einfluss auf mich als Randy Clark. Mit ihm zusammen habe ich überall auf der Welt gedient und bin dadurch stark geprägt worden. Sein Lebensstil und seine Botschaft haben mein Denken und mein Verhalten geformt. Einige seiner Botschaften habe ich so häufig gehört, dass ich es nicht mehr zählen kann, und dennoch werden sie niemals alt. Es ist tatsächlich so, dass ich jedes Mal neu herausgefordert bin, wenn er spricht. Die Vorbildlichkeit seines persönliches Leben, die Art und Weise, wie er Menschen achtet, und vor allem seine Hingabe, den Heiligen Geist zu ehren und ihm zu folgen, haben mich so sehr inspiriert, dass ich keine Worte dafür finde. Eisen schärft Eisen. Schon oft habe ich eine Lehre über diese Aussage in der Gemeinde gehört, meist als eine Beschreibung, wie Gott unsere Unterschiede gebrauchen kann, um unsere Persönlichkeiten und Begabungen gegenseitig zu verbessern. Obwohl das stimmt, wende ich diese Aussage nicht auf diese Weise an. Ich bin schärfer, entschlossener und insgesamt besser geworden, weil Randy mich und all die Menschen, denen wir gedient haben, so geduldig unterwiesen hat. Es war Randys Idee, dieses Buch als Interview zu gestalten. Auf eine solche interaktive Weise lerne und zu kommuniziere ich Wahrheit am liebsten. Anfänglich war es nicht als ein Buch geplant, sondern als mögliches DVD-Projekt, das dabei helfen sollte, Menschen (insbesondere seine Studenten) in dieser Art von Dienst 13
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zu trainieren. Die Gegenwart Gottes wurde während dieser Interviews jedoch so offensichtlich und stark, dass wir erkannten, dass Gott mehr damit vorhatte, als wir ursprünglich geplant hatten. Dadurch, dass unser Interviewprojekt einen Gesprächscharakter beibehielt, blieb es praktisch und äußerst ehrlich. Es war so erfrischend, ein Teil davon gewesen zu sein. Der Text auf den folgenden Seiten ist direkt unseren Interviews entnommen worden, auch wenn wir hier und da ein Wort oder einen Satz so verändert haben, dass der Inhalt mit seiner beabsichtigten Botschaft für den Leser verständlicher wurde. Ein Gespräch ist eben nicht Wort für Wort druckreif. (Wo es nötig war, haben wir auch ein paar erklärende Zusätze eingefügt.) Randy und ich sind Partner im Leben und im Dienst und pflegen seit 14 Jahren eine bundesähnliche Freundschaft. Ich glaube, dass es eine gottgegebene Partnerschaft ist, bei der unsere jeweiligen Stärken den Gesamterfolg im Leben des anderen noch erhöhen. Es ist wirklich wahr, dass Eisen Eisen schärft – und es ist ein großer Segen.
(2) Randy Clark: Dieses Buch baut auf zwei Interviews über den Heilungsdienst auf. Zuerst habe ich Bill Johnson interviewt, dann hat Bill mich interviewt. Unsere beiden Interviews sind Teil einer Reihe von zwölf Interviews, die ich mit Menschen geführt habe, die für Heilungen bekannt sind. Neben Bill und mir sind das Dr. Heidi Baker, Dr. James Maloney, Ian Andrews, Todd White, Jim and Ramona Rickard, Leif Hetland, Cal Pierce, Henry Madava, Omar Cabrera und Carlos Annacondia. Diese Interviews habe ich geführt, weil ich glaube, dass Menschen, die mit dem Heilungsdienst gerade beginnen oder sich nach einem Heilungsdienst sehnen, sehr von der Weisheit dieser Männer und Frauen mit einer solch starken Heilungsgabe profitieren können. Wenn ein normaler Mensch, der Interesse an Heilung hat, diese hochbegabten Männer und Frauen interviewen könnte – welch großer Gewinn wäre das für ihn. Dieses Projekt ist ein Mittel, diesem Menschen solch eine Gelegenheit zu bieten. Als ich die Gelegenheit hatte, berühmte Menschen im Heilungsdienst zu interviewen, habe ich ihnen normalerweise Fragen über diese fünf Bereiche gestellt: 14
Einleitung
1. Wie lautet deine Geschichte? Wie wurdest du in den Heilungsdienst berufen und welche bedeutenden Ereignisse oder Erfahrungen waren Teil dieser Berufung? 2. Wie bist du im Bereich von Heilungen und Wundern gewachsen, und was hast du dabei gelernt? 3. Hast du Erfahrungen gemacht, die wie ein Durchbruch waren und dazu führten, dass du eine Zunahme an Heilungen sehen konntest? 4. Wie hast du deine Fähigkeit, im Geist zu sehen bzw. zu hören, entwickelt? 5. Würdest du mir die vier oder fünf großartigsten Geschichten über Wunderheilungen oder Befreiungen mitteilen, die du erlebt hast? Da ich ein solch starkes Interesse an diesen Fragen hatte, glaubte ich, dass viele andere Menschen, für die Heilung ebenfalls ein wichtiges Thema ist, dieses Interesse teilen und von den Antworten dieser begabten Menschen lernen könnten. Dies sind also die grundlegenden Fragen, die Bill und ich uns gegenseitig in den Interviews gestellt haben – obwohl wir gleichzeitig noch einige weitere interessante Themen, die mit Heilung zusammenhängen, gestreift haben. Das werden Sie dann sehen. Anfänglich hatte ich diese Interviews aufgenommen, damit ich sie für ein neues christliches Programm mit beglaubigten Heilungen nutzen könnte. Ich war dabei, dieses für das Internet zu entwickeln, und es sollte all die Komponenten einschließen, die für körperliche Heilung, innere Heilung (oder Seelsorge) und Befreiung wesentlich sind. Nachdem Bill und ich jedoch unsere gegenseitigen Interviews abgeschlossen hatten, war ich über ihren Inhalt so begeistert, dass ich mit Jane Campbell von Chosen Books Kontakt aufnahm und ihr mitteilte, ich glaubte, diese beiden Interviews ergäben ein großartiges Buch. Wie Sie sehen, war sie damit einverstanden. Wenn dieses Buch tatsächlich so positiv aufgenommen wird und hilfreich ist für Menschen, die an Heilung interessiert sind, wie ich denke, habe ich noch zehn weitere Interviews auf Lager. Ich werde meine Hauptabsichten damit weiter verfolgen und diese Interviews in unseren Onlinekursen anbieten. 15
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Zusätzlich glaube ich, dass ich sie in unserer neunmonatigen Globalen Schule des übernatürlichen Dienstes in Mechanicsburg in Pennsylvania einsetzen werde. Momentan ist jedoch meine Hoffnung, dass auch diese Interviews irgendwann als wertvolles Lehrwerkzeug in Form von Büchern zur Verfügung stehen werden. Ich interviewte Bill im Oktober 2010 bei unserer Konferenz „Stimme der Apostel“ spät abends zwischen 23.30 Uhr und 1.30 Uhr nach einer langen Abendveranstaltung. Drei oder vier Stunden später musste er schon wieder aufstehen, um seinen Flug nach Hause zu bekommen, aber wir fanden dieses Interview so wichtig, dass wir es trotzdem durchführten. Unsere Terminpläne waren dermaßen überfüllt, dass es zu einer regelrechten Herausforderung wurde, eine gemeinsame freie Zeit zu finden und gleichzeitig eine Ausrüstung für eine Videoaufnahme zur Verfügung zu haben. Aber es gelang uns. Bill interviewte mich dann später während einer meiner Konferenzen zu den Themen Befreiung, Unglaube und Täuschung, die im November 2010 in Abilene (Texas) in meiner Schule für Heilung und Gabenfreisetzung1 stattfand. Wieder war es sehr spät abends, weil dies die einzige Zeit war, die wir finden konnten. Diese Konferenzen sind vollgepackt mit sechs Lehreinheiten pro Tag über vier Tage. Zusätzlich hatte ich während jeder Essenspause weitere Treffen dort in Abilene. Dieses Interview war uns beiden jedoch so wichtig, dass wir alles dafür taten, um es zu ermöglichen. Das Buch, das Sie in den Händen halten, ist das Ergebnis unserer zielstrebigen Bemühungen. Bill und ich kennen einander bereits seit vierzehn Jahren. Wir haben uns gegenseitig in unserer Arbeit unterstützt und respektieren einander sehr. Ich bin viele Male in der Bethel Church, seiner Gemeinde, gewesen und habe auch an seiner Schule für den übernatürlichen Dienst gesprochen. Diese Schule diente uns als Modell für unsere neunmonatige Schule von „Global Awakening“. Auch Bill hat sich mir gegenüber verpflichtet, indem er an etwa fünf meiner Schulen oder Konferenzen pro Jahr spricht. Der Heilige Geist hat uns beide wirklich zusammengeführt. Zu Beginn unserer Freundschaft „sah“ ein prophetischer Diener Gottes, dass sich Bill in mich verwandelte. Ein anderes Mal sah ein prophetischer 1
Engl. „Global School of Healing and Impartation“.
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Einleitung
Diener Gottes, dass Bill und ich an der Hüfte verbunden waren. Ein anderer prophetisch begabter Mann sagte wiederum zu Bill, er glaube, Gott wolle, dass wir zusammen ein Buch schrieben. Und Bills persönliche Sekretärin glaubte, Gott habe ihr im Geist gezeigt, dass Bill und ich zusammenarbeiten sollten. Ich bin begeistert, dass diese Interviews einer der Wege sind, wie wir dies tun. Dieses Buch ist eine sehr wortgetreue Wiedergabe der Interviews, die Bill und ich gegenseitig miteinander führten. Da verbale und schriftliche Kommunikation sich vom Stil her jedoch so sehr unterscheiden, wurde der Text ein wenig bearbeitet, um unsere gesprochenen Worte für den Leser verständlicher zu machen. Gelegentlich wird sich dieses Buch von unseren Videoaufnahmen unterscheiden, und zwar immer dann, wenn wir einen Fehler beim Durchlesen der Abschrift des Interviews entdeckt haben. Diese haben wir in der Fassung dieses Buches korrigiert. Zusätzlich haben wir einige Anmerkungen für den Leser hinzugefügt, um einige unserer Aussagen während der Interviews zu verdeutlichen. Ich glaube, dass diese zusätzlichen Anmerkungen ein paar wichtige Informationen ergänzen und somit einigen unserer Aussagen größere Bedeutung verleihen. Dennoch gingen wir sehr sorgfältig darin vor, den Text dieses Buches so nah wie möglich an den tatsächlichen Aussagen des Interviews zu halten. Das Buch und die aufgenommenen Interviews gleichen einander daher sehr und können somit leicht in Ergänzung zueinander gebraucht werden. Es ist nützlich und wertvoll, all diese Informationen über Heilung in schriftlicher Form vorliegen zu haben, um sie besser studieren und sich darauf beziehen zu können. In gleicher Weise wird das Anschauen der Videos Ihnen das Gefühl vermitteln, als seien Sie direkt bei uns, nähmen an der Unterhaltung teil und lernten uns dadurch besser kennen. (Diese Gespräche wurden hochauflösend in HD aufgenommen.) Beide Versionen werden Ihnen lebensecht und hautnah vermitteln, was der Heilungsdienst alles beinhaltet und wie mächtig der Geist Gottes heutzutage im Bereich der Heilungen wirksam ist.
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TEIL 1 Randy Clark interviewt Bill Johnson
KAPITEL 1
Heilung nachjagen
Randy: Heute Abend interviewe ich Bill Johnson, einen Mann, der mich im Heilungsdienst sehr ermutigt hat. Ich weiß, dass alles, was Bill dabei zu sagen hat, Sie äußerst ermutigen wird – ob Sie diese Interviews nun auf DVD anschauen oder sie in unserem Buch nachlesen. Bill, vielen Dank, dass du dir Zeit in deinem überladenen Terminkalender genommen hast, um an diesem Interview teilzunehmen, besonders zu so fortgeschrittener Stunde. Es ist hier etwa 23.30 Uhr. Wir sind in Baltimore (Maryland) bei der Konferenz „Stimme der Apostel“ und kommen gerade aus einem wunderbaren Gottesdienst mit Heidi Baker. Ich weiß, dass du müde bist. Bill: Ich bin froh, dieses Interview zu machen, Randy. Ich denke, dass es wichtig ist. Randy: Ich weiß, dass es in unser beider Herzen ist, den nächsten Generationen Material zur Verfügung zu stellen, das sie für einen effektiven Dienst nutzen können. Wenn sie anhand dieser Interviews einige der geistlichen Prinzipien erlernen können, die du und ich durch langjährige Erfahrung – und manchmal durch Versuch und Irrtum – gelernt haben, können sie mehr Menschen effektiver und schneller dienen. 21
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Um zu beginnen: Das Erste, was ich dich fragen möchte, Bill, ist, wie deine Lebensgeschichte war. Wie kam es, dass du anfingst, diesen Ruf, diese Last zu spüren, für die Kranken zu beten? Was hat Gott da getan? Gab es irgendwelche Erfahrungen oder Umstände, die dir einfallen und die mit diesem Ruf zu tun haben? Bill: Ich bin in einem Elternhaus aufgewachsen, in dem wir an Heilung glaubten; in unserer Gemeinde war es üblich, für die Kranken zu beten. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass dabei jemals jemand geheilt worden wäre; es war eher so, dass wir daran glaubten, also taten wir es. Aber ich erinnere mich nicht daran, dass ich eine Erwartungshaltung gehabt hätte, dass tatsächlich etwas geschehen würde. Normalerweise hatten wir sogar Angst, Menschen hinterher zu fragen, ob sich etwas durch die Gebete verändert hatte. Und wenn wir es doch taten, sahen wir nie ein Ergebnis. Dennoch war in meiner DNA ein Glaube verankert, dass Heilung geschehen könnte. Damit bin ich aufgewachsen; meine Familiengeschichte verkörpert dies sehr stark. Auch wenn Heilungen anscheinend nicht geschahen, als ich heranwuchs, erinnere ich mich doch daran, dass Geschichten über Heilungen, die in einer vorangegangenen Generation stattgefunden haben, erzählt worden sind. Wahrscheinlich hat das eine große Rolle in meinem Leben gespielt, da dadurch ein Samen in mich hineingelegt wurde. Ich wusste, dass Heilungen nicht nur vor zweitausend Jahren oder in Übersee wie in Afrika, Brasilien oder anderswo stattgefunden hatten. Auch wenn dies viele Jahre zurücklag, wusste ich, dass sie hier in den Vereinigten Staaten geschehen waren. Und ich wurde einfach hungrig danach. Wenn du immer wieder die Evangelien liest, stellst du fest, dass Heilung immer dazugehört – man findet Heilung praktisch auf jeder Seite. Irgendwann kommt der Zeitpunkt, dass du dich damit auseinandersetzen musst. Entweder zeigst du dem Ganzen die kalte Schulter und denkst: Das ist einfach nicht für mich und gilt nicht mehr für diese Zeit. Oder ist es deine Pflicht, dem Thema Heilung nachzugehen und mehr darüber herauszufinden. Ich habe zu mir selbst gesagt: Ich gebe vielleicht ein schlechtes Beispiel ab, aber es ist ziemlich deutlich, dass wir Heilung wirken sollten. 22
Heilung nachjagen
Ich erinnere mich an einen der wichtigsten Auslöser für mich. Jemand gab mir einige Bücher von John G. Lake. Inzwischen kann man seine Bücher in einem großen Sammelband erwerben, den Roberts Liardon zusammengestellt hat. Damals waren es einfache Broschüren, und die haben in mir wirklich alles auf den Kopf gestellt, denn als ich sie las, wurde mir klar: Das ist extrem. Und es hat solch einen Appetit in mir angeregt, dass ich es einfach nicht mehr aushalten konnte. Es war dann so, dass ich mir während der Gottesdienste Zeit nahm, um mich in Worten der Erkenntnis zu üben. Es gelang mir nicht allzu gut, aber ich tat mein Bestes. Was immer mir in den Sinn kam, sprach ich in Form eines Aufrufes aus. Anschließend beteten wir für die angesprochenen Menschen, aber noch immer schien nichts zu passieren. 1987 besuchte ich zwei John-Wimber-Konferenzen. Die eine stand spezifisch unter dem Thema Heilung, während die andere ein anderes Thema hatte. Dort geschah etwas mit mir. Ich empfing kein einziges Mal Gebet, auch prophezeite niemand über mich Du hast eine Heilungssalbung oder etwas in der Art. Nie zuvor hatte ich solch eine Erfahrung gemacht. Ich war einfach nur unzufrieden damit, dass ich ein Evangelium ohne Heilungen lebte, obwohl Jesus etwas anderes vorlebte. Und das stellte einfach alles in mir auf den Kopf. Weiterhin war ich als Pastor tätig, streckte mich nach Heilungen in Versammlungen aus und es geschah immer noch nichts. Trotzdem strebten wir weiter nach Heilung, weil wir glaubten, dass es richtig war. Die Heilungskonferenz war auf der einen Seite wunderbar, auf der anderen Seite aber auch frustrierend. Wunderbar wegen der Dinge, die ich geschehen sah. Frustrierend war, weil es die einzige Konferenz war, die ich bis dahin besucht hatte, auf der alles, was ich an Lehre hörte, von mir selbst bereits einmal gelehrt worden war. Es war merkwürdig, da sogar einige derselben Illustrationen benutzt wurden, die ich eigentlich als meine eigenen ansah! Das musste wohl von Gott so arrangiert worden sein. Es war auch frustrierend, weil ich keinerlei Beweise für das hatte, was ich glaubte. Ich hatte keinerlei Frucht. Ich glaubte an Heilung, also lehrte ich darüber, aber trotzdem passierte nichts. Offensichtlich war nicht die Lehre an sich die Ursache dafür. Ich kam von der
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Konferenz mit der Überzeugung zurück, dass ich dazu verpflichtet war, Frucht für das zu suchen, was ich glaubte. Es reichte mir nicht, nur eine gute Theologie zu haben und wie üblich für Menschen zu beten. Wenn ich etwas las, wurde ich dadurch sehr ermutigt. Dann haben wir eine Zeit lang treu für Menschen gebetet, nur um uns dann wieder abzukehren, wenn nichts passierte. Ziemlich bald war es so, dass ich für niemanden mehr betete, es sei denn, ich wurde darum gebeten. Und dann habe ich wieder etwas gelesen oder etwas aus den Evangelien begeisterte mich, und ich habe mich wieder mehr nach Heilung ausgestreckt, aber dennoch geschah nichts. Als ich von jener Wimber-Konferenz zurückkehrte, war mir klar, dass es nicht nur eine Option war – es gab keinen Weg mehr zurück. Heilung musste ein Teil von dem werden, wer wir waren. Noch immer gab es Höhen und Tiefen, aber ich hatte erkannt, dass es meine Pflicht war, Frucht für das einzufordern, was ich glaubte. Es ist schwierig, all das zu vermitteln, denn es fällt schwer zu beschreiben, was in einem vorgeht. Aber es fühlte sich etwa so an: Warte mal einen Augenblick, ich muss mich doch nicht mit Fruchtlosigkeit zufriedengeben. Die Folge davon ist, dass man in seinem Privatleben zu Gott schreit und in der Öffentlichkeit Risiken eingeht – und das war es. Mein erstes Wunder geschah in einem Ladengeschäft. Ich kannte den Inhaber und wollte diesen besuchen. „Bill, ich werde in den Ruhestand gehen müssen“, teilte dieser mit. Er war erst in den Vierzigern. Er sagte: „Ich habe eine so schlimme Gelenkentzündung, dass ich meine Werkzeuge nicht mehr benutzen kann; noch nicht einmal die Kisten kann ich aus dem Regal heben.“ Der Laden war voller Leute, weshalb ich nicht mit ihm gebetet habe. Da ich nie zuvor gesehen hatte, dass etwas geschehen war, war mein Mut nicht allzu groß, für ihn zu beten. Dennoch trug ich eine gewisse Überzeugung in mir, da ich gerade von der WimberKonferenz zurückgekommen war. Deshalb kehrte ich am folgenden Tag in den Laden zurück, und es waren keine Kunden da. Dafür war ich wirklich dankbar. Der Inhaber erwähnte wieder seine Gesundheitsprobleme, und es schien, als würde Gott etwas nachhelfen, damit ich die Herausforderung annahm. 24
Heilung nachjagen
Ich sagte: „Dave, ich glaube, dass Gott dich heilen möchte. Dürfte ich für dich beten?“ „Na klar“, antwortete er. „Würdest du dich bitte hinsetzen?“, bat ich ihn. Ich wusste nicht, wie ich vorgehen sollte, also legte ich einfach meine Hände auf seine Ellenbogen und Hände, und so gut ich nur konnte, bat ich Gott, ihn zu heilen. Ich gebot der Gelenkentzündung, ihn zu verlassen, und er fing an sich herumzubewegen. Der Mann wurde auf atemberaubende Weise völlig geheilt. Ich war schockiert! Er war schockiert! Dies ist inzwischen einige Jahre her, 23 Jahre jetzt, und er spricht immer noch mit Freunden über diesen Tag, an dem Jesus ihn heilte. Zuerst dachte er, ich sei ein großer Heiler. Als ich einige Wochen nachdem er geheilt worden war in sein Geschäft kam und ihn fragte, wie es ihm gehe, antwortete er: „Du bist ein großer Heiler.“ Man kann von der Welt nicht erwarten, dass sie eine gute Theologie hat, so verdreht wie wir selbst manchmal sind. So ließ ich ihn einfach reden. Dann erwiderte ich: „Vielen Dank, Dave. Ich weiß, dass du mich ermutigen möchtest und mir Komplimente machen willst, und das weiß ich zu schätzen. In Wirklichkeit aber ist es der Heilige Geist, der diese Gaben, die Jesus hat, Menschen gibt, und er ließ mich eine an dich weitergeben. Und das geschah, weil wirklich Jesus den Laden betreten hatte.“ Als ich ihn das nächste Mal danach sah, fing er schon wieder an: „Bill, du bist ein großer …“, aber hielt dann inne. „Jesus hat mich besucht“, sagte er stattdessen. Daves Heilung war wirklich ein Moment des Durchbruchs für uns, weil ich nun erlebt hatte, dass es wirklich geschehen konnte. Und direkt danach fingen wir an, mehr zu sehen. Ich hatte solch einen Hunger nach Heilung, dass ich zum Beispiel einen Kurs über Heilung gab. Ich begriff: Ich muss etwas unternehmen, um ein größeres Momentum für einen Durchbruch zu erzeugen. Wir nutzten dafür das Lehrmaterial von John Wimber, Mario Murillo sowie Charles und Francis Hunter. Dieses Material war so breit gefächert, wie es nur sein konnte. Wir gebrauchten es und ahmten sie nach. Wenn sie etwas Bestimmtes praktiziert haben, haben wir es ihnen genau nachgemacht. Die Hunters streckten zum Beispiel 25
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ihre Arme aus, also haben auch wir unsere Arme ausgestreckt. Wimber hat es auf seine Weise gemacht, und Mario sprach Worte der Erkenntnis aus. Buchstäblich befanden sich zwanzig von uns in einem Raum und schauten diese Leute auf Video an. Anschließend sagte ich: „Also, lasst uns genau das machen, was sie machen.“ Wir standen auf und ahmten sie nach, und wir fingen an, Durchbrüche in der ganzen Gemeinde zu sehen. Es war ansteckend, denn niemals war es nur ich. Bei jedem fing es an, bei allen Leuten in der Klasse. Daraus wurde eine Kleingruppe (Hauskreis), die wie eine Speerspitze voranging. Es war wundervoll, und alles hatte damit begonnen, dass ich in den Evangelien etwas entdeckt hatte, was ich selber nicht erlebte. Also suchte ich nach etwas, das ein Feuer in mir entzünden könnte. Ich hatte aber keine Ahnung wie. Ich wusste nichts über die Weitergabe einer übernatürlichen Befähigung zu heilen (Impartation). Als ich dann John G. Lake las, wurde etwas in mir entzündet. Mit den Besuchen der John-Wimber-Konferenzen, wobei ich sah, dass die Sache tatsächlich funktionierte, entstand in mir Hoffnung, dass ich Heilung noch zu meinen Lebzeiten erleben könnte, dass ich die Frucht von dem sehen könnte, wofür ich glaubte. Randy: Siehst du darin eine Bedeutung, dass dein erstes Wunder nicht in der Gemeinde geschah, sondern bei einem Menschen, der verloren war? Oder war das nur ein Zufall? Hast du, nachdem du von der Konferenz zurückgekommen warst, geübt, indem du für Menschen in der Gemeinde gebetet hast, aber immer noch keine Heilungen erlebt? Ich möchte sichergehen, dass ich alles richtig wiedergebe: Die erste Heilung passierte bei einem Mann, der verloren und außerhalb der Gemeinde war, nicht bei dem ersten Menschen, für den du nach deiner Rückkehr gebetet hast? Bill: So ist es. Die erste Heilung geschah an einem öffentlichen Ort bei einem verlorenen Mann, nicht bei jemand, für den wir in der Gemeinde gebetet haben. Randy: Hat das deiner Meinung nach irgendeine Bedeutung – oder war das eine zufällige Sache?
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Bill: Ich denke, dass das enorme Bedeutung hatte, und es hatte gewaltige Auswirkungen darauf, wie wir jetzt leben. Hier noch etwas Hintergrundinformation: Die Gemeinde war stark in Anbetung, extrem stark. Sie war sehr gesund und hatte eine ausgeprägte prophetische Kultur entwickelt. Wir waren daran gewöhnt, dass skurrile Dinge in der Öffentlichkeit geschahen, wenn wir dort jemand mit Gebet oder prophetisch gedient haben. Als dann das Wunder geschah, war das die Krönung. Wir wussten einfach, dass all das außerhalb der Gemeindemauern stattfinden musste. Ich denke, dass Gott das alles arrangiert hat. Ja, daran habe ich überhaupt keinen Zweifel, denn dadurch, dass das passierte, wurde die Priorität in mich hineingepflanzt, es in erster Linie außerhalb der Gemeinde zu tun. Und dann fingen wir an, diese Dinge auch in der Gemeinde zu erleben. Randy: Du musst sehr begeistert gewesen sein. Das alles spielte sich in Weaverville, oben in den Bergen ab, richtig? Bill: Ja, in Weaverville. Zum damaligen Zeitpunkt war ich dort schon seit neun Jahren Pastor und habe Höhen und Tiefen beim Gebet für Kranke erlebt. Ich wollte Heilung ernsthaft nachjagen und wurde entmutigt, jagte ihr erneut nach und wurde wiederum entmutigt. Schließlich ging es mit dieser Heilung los! Ich konnte es nicht fassen. Ich erinnere mich, wie ich für einen weiteren Mann auf der Straße betete, der stark humpelte, und schaute einfach dabei zu, wie Gott ihn berührte. Kurz darauf betete ich im Krankenhaus für einen Verwandten dieses Mannes, der gerade erst eine Begegnung mit Gott gehabt hatte. Wir fingen einfach an, dem nachzujagen. Es war wunderbar. Randy: Nachdem du persönlich den Durchbruch erlebt hattest, ging es da bei anderen auch schnell los? Bill: Wie bereits erwähnt, hatten wir ja diesen Kurs mit ungefähr zwanzig Menschen, und so haben wir alle das Gleiche gelernt. Wir haben alle erkannt, dass wir von nichts eine Ahnung hatten, und deshalb haben wir diese Videos angeschaut und einfach alles
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nachgemacht. Dann haben wir es von dieser Gruppe in die Gemeinde transportiert und dasselbe wiederholt. Ein Mann hatte eine schwere Rückenverletzung. Er konnte sich weder nach vorne beugen noch einen Stuhl oder etwas anderes hochheben. Er war ein großwüchsiger Gewichtheber, der völlig außer Gefecht gesetzt war. Er musste ständig liegen und stand die ganze Zeit unter großen Schmerzen. Nachdem unser Kurs begonnen hatte, gab es eine solch schwungvolle Dynamik, dass unser Kleingruppenleiter ihn anrief und zu ihm sagte: „Don, du musst diese Woche kommen. Du wirst geheilt werden.“ Don kam und wurde tatsächlich geheilt. Am nächsten Tag spaltete er sieben Ster (Kubikmeter) Holz. Wenn Sie das jemals gemacht haben, wissen Sie, dass dies selbst einen gesunden Rücken strapaziert! Diese neue Heilungsdynamik breitete sich auch in der Gemeinde aus. Ich möchte noch Folgendes ergänzen: Nachdem wir von der John-Wimber-Konferenz zurückgekommen waren und angefangen hatten, für Menschen in der Gemeinde zu beten, fingen diese auch an, zu Boden zu fallen. So etwas hatten wir vorher noch nicht erlebt; das heißt, ich hatte so etwas schon gesehen, aber nicht, wenn ich für Menschen gebetet hatte. Nun passierte also auch das, und so wuchs die Begeisterung unter uns, weil wir wussten, dass Gott am Wirken war. Randy: Ich möchte nochmals nachhaken: Bevor du nach Anaheim gefahren bist, um John Wimber zu treffen, hast du als Pastor in deiner Gemeinde in Weaverville keine Menschen umfallen sehen. Erst als du danach in deine Gemeinde zurückkamst, fingen sie an umzufallen, als du für sie gebetet hast, richtig? Du hattest vorher nicht über das Umfallen im Geist gesprochen, sodass niemand behaupten konnte, dass die Kraft der Suggestion dahinterstünde – sondern es war ein neues Phänomen, nicht wahr? Denkst du, dass es eine Art Salbung war, die sich deswegen manifestierte, weil du in den Gottesdiensten von John Wimber warst? Bill: Es muss wohl so gewesen sein. Wir waren verändert, als wir zurückkehrten. Und das, obwohl es auf der Konferenz kein Gebet
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Heilung nachjagen
für die Übertragung1 der Salbung gab. Wenn ich heute über Gabenübertragung lehre, spreche ich über die Wichtigkeit des Handauflegens. Aber es gibt auch etwas, was man in einem Raum empfangen kann, ohne dass einem die Hände aufgelegt werden, wenn man nämlich gelernt hat, für die Gnade(ngaben) empfänglich zu sein, die von einem Menschen durch seinen Dienst ausgeht. Es gibt verschiedene Wege, wie man eine Gabenübertragung empfangen kann. Man kann sie auch in einer Versammlung empfangen, und genau das ist uns passiert. Wir hatten keine Ahnung von all dem, auch nicht von dieser Lehre der Übertragung geistlicher Befähigungen. Als wir zurückkamen, war es dann aber so, dass Dinge passierten, die keiner von uns je zuvor in unserem Dienst gesehen hatte. Tatsächlich war es so, dass die Gemeinde, als ich dort 1978 als Pastor anfing, aus der wohl geistlich unbegabtesten Gruppe von Leuten bestand. Zu jener Zeit war alles ganz anders. Es waren zwar wundervolle, liebenswerte Menschen, aber sie hatten überhaupt keine Geistesgaben. Es war also ein schwieriger Kampf, aber wir kamen langsam in Fahrt. Der prophetische Dienst war stark, und in der Anbetung lernten wir, dass die Dinge in der Salbung, in der Gegenwart Gottes zu finden waren. Als Menschen anfingen umzufallen, also ihr Gleichgewicht verloren, dachten wir: Wow, so etwas haben wir noch nie erlebt! Aber jeder von uns, der bei der Konferenz von John Wimber war, erlebte das jetzt. Wir hatten einfach etwas mitgenommen. Randy: Das ist aufregend. Mir scheint, dass es da einige Parallelen zwischen meinem und deinem Leben gibt, und zwar viel mehr, als ich bisher bemerkt habe!
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Engl. „impartation“; damit ist gemeint, dass geistliche Gaben oder Fähigkeiten von einer Person an eine andere weitergegeben werden, so wie Timotheus etwas von Paulus empfing: „Um dieser Ursache willen erinnere ich dich, die Gnadengabe Gottes anzufachen, die in dir durch das Auflegen meiner Hände ist“ (2 Tim 1,6). Im weiteren Verlauf des Buches mit „Gabenübertragung“, „Gabenweitergabe“ oder „Gabenfreisetzung“ wiedergegeben. Anmerkung des Herausgebers. 29