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KAPITEL 1

Zwei Reiche im Widerstreit

Wir leben heute in einer Zeit, in der viele von Gottes Kindern aus der Tiefe ihres Herzens rufen: „Wo ist die Kirche1?“ Wie damals die griechischen Festbesucher sagen sie: Herr, wir möchten Jesus sehen (Joh 12,21b); und es ist, als würde der Heilige Geist jetzt verkünden: Die Stunde ist gekommen, dass der Sohn des Menschen verherrlicht werde (Joh 12,23). Als der Prophet Maleachi lebte, gab es zwei verschiedene Gruppen von Leuten. Die eine sprach mit arroganten Worten und erklärte aus der Fülle ihres Herzens: Und was ist der Gewinn, dass wir für seinen Dienst sorgen und dass wir in Trauer einhergehen vor dem HERRN der Heerscharen (Mal 3,14)? Die andere Gruppe redete untereinander oft über das Wesen ihres unbeschreiblichen Herrn. Der Herr erklärte, diese zweite Gruppe würde einmal die Juwelen in seiner Krone darstellen, und dann werde auch sichtbar, wer wirklich Gott dient und wer nicht (vgl. Mal 3,16-18). Liebe Leser, jetzt ist die Zeit gekommen, dass diejenigen, die das Reich Gottes suchen, nicht nur die Autorität, sondern auch den Charakter von Gottes Königreich offenbaren. In den letzten Jahren wurde die Autorität des Reiches Gottes stark betont, doch jetzt legt der Geist den Schwerpunkt mehr und mehr auf 1

Mit „Kirche“ ist in diesem Buch keine Organisation gemeint, sondern die Gesamtheit aller Christen, der Leib Christi (Anm. d. Übers.).

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den Charakter des Reiches Gottes. Es ist nämlich gut möglich, dass ein wiedergeborener Gläubiger eine dem Reich Gottes entsprechende Autorität ausüben kann, aber gleichzeitig den Charakter des Königreichs der Finsternis widerspiegelt! Ein weiteres Dilemma, das wir heute erleben, ist die Erkenntnis, dass unser Herr sich selbst als sanftmütig und niedrig2 bezeichnete. Diese beiden Worte werden in unserer Kultur sehr selten benutzt. Ja, die Worte, die Jesus benutzte, um seine inneren Charaktereigenschaften zu offenbaren, gelten in der heutigen Gesellschaft schon fast als überholt. Wann hat der Fernsehreporter oder der Zeitungsredakteur zum letzten Mal das Wort „niedrig“ benutzt? Eine der Hauptabsichten dieses Buches ist deshalb, das Wort „Niedrigkeit“ wieder einzuführen und uns bewusst zu machen und erkennen zu lassen, welche Bedeutung es in der Welt und im Herzen Gottes hat! Wir beginnen, indem wir miteinander untersuchen, was das Wort Gottes über die beiden maßgeblichen Königreiche im Universum zu sagen hat. Ein Königreich braucht einen König. Ohne König gibt es kein Königreich. Ein Herrscher ist über ein Reich gesetzt, und er hat Diener unter seiner Herrschaft bzw. Regierung. Wer ist also der König oder Herrscher über dieses, unser Weltsystem? Ganz am Anfang wurde den Menschen die Herrschaft über die Erde und alle Geschöpfe darauf übertragen. Nach dem Sündenfall übergab der Mensch die Herrschaft an Satan. Damit wurde dieser zum Herrscher über diese Welt. Epheser 2,2 sagt, dass es einen Fürsten über die Macht der Luft gibt, der über diese Welt regiert. In 2. Korinther 4,4 steht, dass es einen Gott über diese ganze Welt gibt, und 1. Johannes 5,19 sagt, dass die ganze Welt in der Macht des Bösen liegt. Jesus macht die klare Aussage, dass Satan ein Reich hat: Wenn aber auch der Satan mit sich selbst entzweit ist, wie wird sein Reich bestehen? (Luk 11,18a). 2

Im Deutschen wird die Stelle aus Matthäus 11,29 meist mit „… ich bin sanftmütig und von Herzen demütig“ übersetzt; das griechische Wort für „demütig“ kann auch mit „niedrig“ (bezogen auf den gesellschaftlichen Status) übersetzt werden, wie es in englischen Bibelübersetzungen häufig der Fall ist. Da der Autor im Text zwischen „niedrig“ und „demütig“ unterscheidet, wurde diese Unterscheidung im Deutschen so übernommen, obwohl damit im Grunde dasselbe ausgesagt wird (Anm. d. Übers.).

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ZWEI REICHE IM WIDERSTREIT

Satan sagte zu Jesus: „Mir sind alle Reiche dieser Welt übergeben worden.“ (Offensichtlich hatte Adam sie ihm übergeben; vgl. Luk 4,5.6.) Epheser 6,12 nimmt Bezug auf verschiedene Klassen von Herrschern über die Finsternis in dieser Welt. In Kolosser 1,13 steht: Er [der Vater] hat uns errettet aus der Macht der Finsternis und versetzt in das Reich des Sohnes seiner Liebe. Daniel 10,13 erwähnt, dass es einen kosmischen Krieg gibt, der so intensiv ausgetragen wird, dass zum Beispiel ein böser Fürst des Königreichs Persien dem Engelfürsten des Herrn 21 Tage lang widerstehen konnte. Und schließlich lesen wir noch in 1. Korinther 15,24-25, dass ganz am Ende alle Herrschaft und Autorität und Macht durch den mächtigen souveränen Herrscher, den Sohn Gottes, abgeschafft wird; und dann wird er das Reich dem Vater übergeben, damit Gott alles in allem ist. In der Zwischenzeit hat die Kirche als Leib Christi auf der Erde die Aufgabe, die Autorität, die das Haupt ihr gegeben hat, zu nutzen, um als Priester und Könige in seinem Namen und als seine Repräsentanten zu regieren (vgl. Mt 28,18-20; Luk 10,19; Offb 1,6). Im 2. Korinther 10,3-5 wird gesagt, dass sich die Kirche in einem Krieg befindet und mit göttlichen Waffen kämpft, um die Festungen des Feindes zu zerstören. Epheser 6,12-17 enthüllt, dass die Gemeinde die gesamte Waffenrüstung Gottes anziehen soll, um in diesem Krieg zu kämpfen, und dass wir alles tun sollen, um sicherzustellen, dass wir – die Kirche, der Leib Christi – stehen [bleiben] können. An einem bestimmten Ort kann zu einem bestimmten Zeitpunkt nur eine Sache stehen. Wenn die Kirche nicht an diesem Ort der Autorität steht, die Christus ihr gegeben hat, in den himmlischen Örtern, dann werden die Mächte des Bösen den Platz der Kirche einnehmen. Jesus erwähnte immer wieder, dass diese beiden Reiche in dieser Welt sind. Er kam, um zu verkünden, dass das Reich Gottes nahe ist; und weil das Reich Gottes bzw. die Herrschaft und Regierung Gottes nahe ist, müssen die anderen Herrscher aus ihrer Autoritätsposition vertrieben werden (vgl. Luk 10,8.9; 9,1.2; Mt 10,7.8; 4,23.24; Apg 10,38). © GloryWorld-Medien 2007

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Jesus scheute sich nicht, öffentlich zu erklären, dass jemand, der zu Gottes Familie (Reich) gehörte, 18 Jahre lang gebunden war; und es ärgerte ihn, dass Satan diese königliche Tochter so lange in Ketten gehalten hatte (vgl. Luk 13,10-16). Überall, wo Christus hinging bzw. wo er andere hinsandte, konnte man eine klare Botschaft hören: Das Reich Gottes ist da! Unser Herr demonstrierte klar und deutlich die Autorität des Reiches, aber er offenbarte auch den Charakter des Reiches Gottes und lehrte darüber. Wie in diesem Buch immer wieder erörtert wird, musste Christus den Charakter des Reiches dieses Weltsystems aufdecken. Eines Tages kam der Herrscher dieser Welt und wollte sehen, ob er in Jesus etwas finden könnte, um ihn rechtlich anklagen zu können. Es wurde dann offen erklärt, dass nichts in Jesus war, das vom Herrscher dieser Welt hätte benutzt werden können, um den Sohn des Menschen zu verführen, ihm eine Falle zu stellen oder ihn zu bezwingen (vgl. Joh 14,30)! Ja, Jesus sagte sogar, jetzt sei die Zeit gekommen, dass der Herrscher dieser Welt vertrieben und das ganze System gerichtet werde (vgl. Joh 12,31). Offensichtlich war es so, dass der Teufel die Welt eigentlich nicht verließ, sondern stattdessen war der Eine, der stärker war als er, gekommen, um ihn zu besiegen, zu entwaffnen und ihm sein Recht, auf der Erde zu herrschen und zu regieren, wegzunehmen (vgl. Luk 11,17-22)! Gott ist von seiner Beschaffenheit her Licht. Sein ganzes Wesen strahlt ewiges, reines, alles durchdringendes Licht aus; keine Finsternis kann in dieser heiligen Gegenwart bleiben. Gott ist Licht und in ihm ist keine Finsternis (1 Joh 1,5b). Das Licht ist in die Welt gekommen, das jeden Menschen erleuchtet (vgl. Joh 1,9), und das Urteil wurde gesprochen, dass die Finsternis zur ewigen Verdammnis verurteilt ist, einem Ort, der für die Rebellen, die die Finsternis mehr lieben als das Licht, geschaffen wurde (vgl. Joh 3,19). Das Wesen des rebellischen Königs dagegen ist Finsternis, und diese besteht aus Stolz, Hass, Unglaube, Lügen und Bösem. Das Wesen des wahren Souverän ist Licht, Liebe, Wahrheit und lauter Güte (vgl. Eph 5,7-14; 1 Tim 6,15.16). Der Apostel Johannes schreibt, dass, wer seinen Bruder hasst, in der Finsternis ist, 16

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selbst wenn er beteuert, im Licht zu sein. Johannes vergleicht Hass mit Finsternis und Liebe mit Licht (vgl. 1 Joh 2,11). Paulus beschreibt diese Welt als unter der Macht der Finsternis (vgl. Eph 6,12). Er fordert die Gläubigen auf, alle Werke der Finsternis abzulegen und die Waffenrüstung des Lichts anzuziehen, damit sie durch das Licht selbst geschützt seien (vgl. Röm 13,12.14). Der Herr Jesus selbst beauftragte sogar den Apostel Paulus, Menschen aus der Macht Satans (auch als Finsternis bezeichnet) zu befreien und sie in den Machtbereich Gottes (auch als Licht bezeichnet) hineinzuversetzen. Licht überwindet immer die Finsternis, [um] ihre Augen zu öffnen, dass sie sich bekehren von der Finsternis zum Licht und von der Macht des Satans zu Gott, damit sie Vergebung der Sünden empfangen und ein Erbe unter denen, die durch den Glauben an mich geheiligt sind (Apg 26,18). In diesen letzten Tagen ergeht der klare Aufruf an alle, die hören können, ein ungeteiltes Herz zu haben, denn ein klares Auge (jemand, der völlig dem König der Könige hingegeben ist) wird einen Leib haben, der voller Licht ist (vgl. Mt 6,22). Der König Jesus wird immer in einem unzugänglichen Licht wohnen (vgl. 1 Tim 6,15.16), aber der König Satan wird immer Finsternis benutzen, um zu verführen, zu blenden, in die Falle zu locken und zu zerstören. Deshalb ist es entscheidend, dass wir erkennen, ob das Licht, das in uns ist, Finsternis oder echtes Licht ist; denn wenn das Licht, das in mir ist, Finsternis ist, wie viel Schaden wird diese Finsternis anrichten? Wenn aber dein Auge böse ist, so wird dein ganzer Leib finster sein. Wenn nun das Licht, das in dir ist, Finsternis ist, wie groß die Finsternis (Mt 6,23)! Wie genau ist der Charakter des Gottes dieser Welt beschaffen? Hinweise auf den Fall Luzifers finden sich in Hesekiel 28,1217, Jesaja 14,4-15 und 1. Timotheus 3,6. Diese Bibelabschnitte erwähnen einen König, der symbolisch Luzifer repräsentiert. Alle diese Stellen äußern, dass etwas im Herzen Luzifers stattgefunden hat:

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· Hesekiel: Dein Herz wollte hoch hinaus wegen deiner Schönheit. · Jesaja: Und du, du sagtest in deinem Herzen: „Zum Himmel will ich hinaufsteigen, hoch über den Sternen Gottes meinen Thron aufrichten …“ · 1. Timotheus sagt uns, dass das Urteil über Luzifer, das ihn zum Teufel machte, ein aufgeblähtes, hochmütiges Herz war. Hinweise darauf, wie Gott Stolz beurteilt, finden wir in: · Spr 16,5: Ein Gräuel für den HERRN ist jeder Hochmütige. · Spr 15,25a: Das Haus der Hochmütigen reißt der HERR nieder. · 1 Pt 5,5 und Jak 4,6: Gott widersteht den Hochmütigen … · 2 Chr 26,15.16: Das Herz von König Usija war zu seiner Zerstörung hochmütig geworden. In 1. Samuel 16,7 und Jeremia 17,10 lesen wir, dass der Herr nur das Herz des Menschen ansieht; und in diesem Teil des menschlichen Wesens sucht und prüft Gott ständig, was darin ist. Wie ein Mensch in seinem Herzen denkt, so ist er (Spr 23,7; wörtlich aus dem Engl.). Ich bin, was ich im Innern meines Herzens wirklich denke. Was ist das Herz? Die Bibel sagt, dass das Herz sprechen kann; es kann denken, es kann betrügen und es können Dinge aus dem Herzen kommen und eine Person beschmutzen. Das Herz trifft Entscheidungen, das Herz fühlt und das Herz stellt sich etwas vor. Das Herz ist – nach dem Heiligen Geist durch Petrus – die unsichtbare Person, die in jedem Menschen lebt, und nur Gott kann sehen, wie er bzw. sie wirklich aussieht. Gott hat ein Herz. Alle Geschöpfe haben diese unsichtbare Person, die die zentrale Kraft hinter allen Gedanken, Worten und Taten ist. Das Herz kann weise, krank, zerbrochen, zerknirscht usw. sein. Das Herz einer Person kann blind oder erleuchtet sein (vgl. Eph 4,18; 1,18). Selbst der Teufel und die Engel wurden mit einem Herzen geschaffen. Du sagtest in deinem Herzen … (Jes 14,13). … weil sie Gott kannten, ihn aber weder als Gott verherrlichten noch ihm Dank darbrachten, sondern in ihren Überlegungen in Torheit 18

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verfielen und ihr unverständiges Herz verfinstert wurde (Röm 1,21). Im Herzen kann man singen und spielen (vgl. Eph 5,19). Satan begann mit Musik in seinem Innern, aber er verlor die vollkommene Melodie und empfing Disharmonie. Im Buch der Sprüche steht: Durch Übermut gibt es nur Zank (Spr 13,10a). Der Apostel Johannes bringt das Wesen Satans mit Finsternis in Verbindung. Wer sagt, dass er im Licht sei, und hasst seinen Bruder, ist in der Finsternis bis jetzt (vgl. 1 Joh 2,8-15). Wenn ich meinen Bruder liebe, bin ich im Licht. Gottes Wesen ist Licht, und überall, wo es vollkommene Liebe gibt, wird Licht freigesetzt. Als Kain die Liebe für seinen Bruder verließ, trat er in die Finsternis des Hasses ein. Das Reich Satans wird als Finsternis bezeichnet (vgl. Eph 6,12; Apg 26,18; Kol 1,13). Die grundlegende Eigenschaft des satanischen Königreichs ist Stolz (vgl. Hes 28,17; 1 Tim 3,6). Stolz hatte seinen Ursprung im Herzen Luzifers, nachdem dieser geschaffen war (vgl. Jes 14,12; Hes 28,17; 1 Tim 3,6). Stolz hat tausend Gesichter. Stolz entthront den Schöpfer, um sich selbst auf den Thron zu setzen und zu glorifizieren. Stolz ist die Wurzel, von der alle anderen Sünden abstammen. Als Johannes Christus sah, verkündete er: Schon ist aber die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt (vgl. Mt 3,10). Christus, unser König, überwand alle Macht des Feindes als ein siegreiches, überwindendes, niedriges Lamm! Dieses Weltsystem steht in der Gewalt des Bösen (vgl. 1 Joh 5,19), und deshalb wird Stolz, seine Haupteigenschaft, von allen seinen Dienern geschätzt und verehrt. Unser Herr sagte, dass das, was in den Augen der Menschen hoch angesehen ist, in Gottes Augen ein Gräuel ist (vgl. Luk 16,15). Stolz ist für Gott ein Gräuel, denn er entspringt wirklich dem Wesen Satans (vgl. Spr 16,5). Es ist wichtig, dass wir ganz genau wissen, was Gott hasst, damit wir ebenso genau wissen, was Gott liebt. In Sprüche 6,16.17 steht, dass Gott einen stolzen Blick hasst. Sprüche 16,5 sagt aus, dass jeder, der in seinem Herzen stolz ist, für Gott ein Gräuel ist. In Jesaja 2,11.12.17 steht, dass jeder, der einen hochmütigen Blick hat, gerichtet und erniedrigt wird, und dass alle Hochmut zerstört wird, damit der Herr allein an jenem Tag erhoben wird. © GloryWorld-Medien 2007

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Im Buch Daniel steht über die heiligen Wächter, dass sie die Führer verurteilen, die sich weigern, sich zu demütigen, und stattdessen im Stolz wandeln wollen. Anscheinend gehört zur Arbeitsbeschreibung der heiligen Wächter, dass sie genau beobachten, ob sich das Herz eines Führers erhebt oder erniedrigt. Da Stolz das ist, was Gott in Ewigkeit gerichtet hat, haben diese heiligen Wächter offenbar die Verantwortung, einen Führer, der sich weigert, sich zu demütigen, zu richten. Die heiligen Wächter richteten König Nebukadnezar, damit die Welt die Wahrheit erkennen würde: Es ist Gott, der die Reiche der Menschen regiert; er setzt die Niedrigen ein, damit sie an seiner Statt regieren; und es ist für ihn ein Leichtes, die Stolzen zu demütigen. Durch den Beschluss der Wächter ist diese Botschaft [zustande gekommen], und ein Spruch der Heiligen ist diese Sache, damit die Lebenden erkennen, dass der Höchste Macht hat über das Königtum der Menschen und es verleiht, wem er will, und den Niedrigsten der Menschen darüber einsetzt (vgl. Dan 4,17). Als König Nebukadnezar sieben Jahre später schließlich wieder zur Besinnung kam, sagte er: Gott kann erniedrigen, die in Stolz einhergehen (vgl. Dan 4,37b). Wenn jemand zulässt, dass das Wesen Satans, also ein stolzes Herz, in ihm am Wirken ist, tut er etwas, was bei Gott völlig unentschuldbar ist. Er nimmt dann die Anerkennung, Ehre und Herrlichkeit für sich, die völlig und ausschließlich Gott gehört. Meine Ehre gebe ich keinem andern (vgl. Jes 48,11b). Gott wird seine Herrlichkeit (Ehre, Anerkennung) niemals einem anderen geben. Dein ist die Herrlichkeit jetzt und für immer, Amen (vgl. Jud 25). Bei König Herodes können wir sehen, dass Gott ein Herz, das die Ehre, die ihm dargebracht wird, für sich in Anspruch nimmt, streng richtet und ganz und gar hasst. An einem festgesetzten Tag aber hielt Herodes, nachdem er königliche Kleider angelegt und sich auf den Thron gesetzt hatte, eine öffentliche Rede an sie. Das Volk aber rief [ihm] zu: Eines Gottes Stimme und nicht eines Menschen! Sogleich aber schlug ihn ein Engel des Herrn, dafür, dass er nicht Gott die Ehre gab; und von Würmern zerfressen, verschied er (Apg 12,21-23). König Herodes hatte gerade den Apostel Jakobus köpfen lassen. Der Herr verhinderte nicht, dass dieser heidnische König 20

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ZWEI REICHE IM WIDERSTREIT

einen seiner auserwählten Diener umbrachte; als er aber eine Rede hielt und die Ehre und Verehrung der Menschen annahm, tötete ihn der Herr auf der Stelle. Der Herr hasst Stolz in all seinen Formen und Tarnungen völlig. Einer der hauptsächlichen Wege, wie Stolz sein hässliches Gesicht zeigt, ist, indem er Leute verachtet, weil sie nicht so gut, so geistlich oder so korrekt „wie wir“ sind. Immer wenn ich auf andere herabsehe und verachte, was sie tun, sage ich Gott in Wirklichkeit, dass ich qualifiziert bin, einen anderen zu richten, weil mein Charakter einen solch hohen Standard hat, dass ich mir das Recht verdient habe, Herr über andere zu sein, und dass ich, aufgrund meiner eigenen Anstrengung und meines göttlichen Charakters, nicht wie sie bin. Wenn jemand wirklich die Gnade Gottes versteht, wird er andere nicht verachten. Stolz verschließt meine Augen für die Gnade Gottes und öffnet meine Augen für das, worin ich gut bin. Paulus sagt: Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin (1 Kor 15,10). Der Sündenfall des Menschen war in Wirklichkeit der Aufstieg des menschlichen Herzens im Stolz. Stolz kommt immer vor der Zerstörung, und der Ehre geht immer Demut voraus (vgl. Spr 16,18; 15,33). Immer wenn eine Person eine andere ungerecht richtet, offenbart sie damit die Bereiche ihres Lebens, in denen sie in ihrer Selbsteinschätzung wirklich erhoben ist. Wir werden andere nur dann verachten und auf sie herabsehen, wenn wir uns selbst als erhoben sehen und uns für besser als sie halten. Das war es, was Christus so wütend auf die Pharisäer werden ließ. Wie sieht der Herr einen Sünder, und wie betrachtet er jemand, der einen Sünder verachtet? Manchmal sah Jesus die religiösen Leute an und ärgerte sich über ihre harten Herzen. Es betrübte ihn in seinem niedrigen, demütigen Herzen sehr, dass diese Leute, die nach dem Namen seines Vaters genannt wurden, den leidenden Menschen gegenüber so hart und unsensibel sein konnten (vgl. Mk 3,1-5). Auf jeden Sünder wartet ein Herz der Vergebung, aber auf eine stolze, harte und selbstgerechte Person, die einen Sünder verachtet, wartet nur ein Herz des gerechten, göttlichen Zornes. „Jeder, der stolz in seinem Herzen © GloryWorld-Medien 2007

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ist, ist für Gott ein Gräuel.“ „Gott widersteht den Stolzen.“ „Er hält sich fern von den Stolzen.“ Möge der Heilige Geist Sie sehen und fühlen lassen, welche Art von Herz Gott, der Herr des Universums, mit intensiver Leidenschaft hasst – und dass er ein solches Herz in seinem Reich niemals tolerieren wird. Was sonst hätte unseren niedrigen Retter veranlassen können, solch intensiven, harten Tadel von sich zu geben, wie: „Ihr übertünchten Gräber“, „Ein Sohn der Hölle doppelt so schlimm wie ihr“, „Heuchler“ und viele andere Ausdrücke? Anscheinend haben diejenigen, die die Auswirkungen des Stolzes im Leben anderer gesehen haben, eine größere Verantwortung. Der Sohn von König Nebukadnezar, Belsazar, wurde streng gerichtet und am selben Tag getötet, als Daniel ihm sagte, er habe sich geweigert, sein Herz zu demütigen, obwohl er alle Gerichte, die Gott auf seinen Vater gelegt hatte, gekannt habe (vgl. Dan 5,1823). Gott hat die Absicht, den Demütigen Gnade zu geben und den Stolzen zu widerstehen (vgl. 1 Pt 5,5). In der Natur der Menschheit findet sich der Geist des Stolzes; und dieses stolze Herz, das die menschliche Natur durchdringt, ist es, wodurch die Menschheit unter den Zorn Gottes kommt! Auch euch [hat er auferweckt], die ihr tot wart in euren Vergehungen und Sünden, in denen ihr einst wandeltet gemäß dem Zeitlauf dieser Welt, gemäß dem Fürsten der Macht der Luft, des Geistes, der jetzt in den Söhnen des Ungehorsams wirkt. Unter diesen hatten auch wir einst alle unseren Verkehr in den Begierden unseres Fleisches, indem wir den Willen des Fleisches und der Gedanken taten und von Natur Kinder des Zorns waren wie auch die anderen (Eph 2,1-3). Wenn jemand sein Herz demütigt, weil er erkannt hat, dass seine Gedanken, seine Gefühlsregungen und sein Wille von Stolz kontrolliert werden, dann scheint es sehr biblisch zu sein, zu sagen, dass er wirklich in die biblische Vorstellung von Buße hineinkommt.

Deine Augen werden den König schauen in seiner Schönheit. Jesaja 33,17a 22

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