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TONY & FELICITY DALE

Einfach(e) Kirche WIE JESUS HEUTE SEINE GEMEINDE BAUT

GLORYWORLD-MEDIEN


1. Auflage 2003 Die Originalausgabe erschien unter dem Titel „Simply Church“ bei Karis Publishing, Inc., Austin, Texas, USA © 2002 by Tony and Felicity Dale © der deutschen Ausgabe 2003 GloryWorld-Medien, Gröbenzell, Germany Alle Rechte vorbehalten Bibelzitate sind, falls nicht anders gekennzeichnet, der Übersetzung „Neues Leben. Die Bibelübersetzung“ © 2002 by Hänssler Verlag, Holzgerlingen entnommen. Weitere Bibelübersetzungen: [Elb85]: Elberfelder Bibel, Revidierte Fassung von 1985 [Lu84]: Luther Bibel, Revidierte Fassung von 1984 Das Buch folgt den Regeln der Deutschen Rechtschreibreform. Die Bibelzitate wurden diesen Rechtschreibregeln angepasst. Übersetzung und Satz: Manfred Mayer Cover: Oliver Häberlin, OHA! Werbeatelier, www.oha-atelier.ch Druck: Schönbach-Druck GmbH, Erzhausen ISBN: 3-936322-05-8 Printed in Germany Bestellnummer: 359205 Erhältlich bei: GloryWorld-Medien Manfred Mayer Postfach 4170 D-76646 Bruchsal Tel. 07257-903396 Fax: 07257-903398 E-Mail: info@gloryworld.de www.gloryworld.de oder in jeder Buchhandlung


INHALT

EinfĂźhrung

Achtung! Da kommt etwas auf uns zu! ....................................... 7 Kapitel 1

Paradigmenwechsel..................................................................... 17 Kapitel 2

Ein paar heilige KĂźhe schlachten ............................................... 23 Kapitel 3

Die Kirche und das Reich Gottes ................................................ 33 Kapitel 4

Das Reich Gottes: jetzt und noch nicht ...................................... 37 Kapitel 5

Was ist eigentlich Kirche/Gemeinde? ......................................... 47 Kapitel 6

Wenn ihr zusammenkommt ....................................................... 53 Kapitel 7

Wer ist hier eigentlich der Chef? ................................................ 61 Kapitel 8

Jeder ist wichtig! ......................................................................... 71 Kapitel 9

Jeder in seiner kleinen Ecke ........................................................ 79 Kapitel 10

Es ist in Ordnung, eine Gemeinde zu beginnen ........................ 85 Anhang 1

Einfache Methoden des Bibelstudiums ...................................... 95 Anhang 2

Ressourcen und Materialien ....................................................... 97


EINFÜHRUNG

Achtung! Da kommt etwas auf uns zu!

Gott ist mächtig am Wirken! Jesus sagte: „Schaut euch doch um! Überall reifen die Felder heran und sind schon jetzt bereit zur Ernte (Johannes 4,35).“ Wir müssen die Mähdrescher startklar machen! Vor drei Jahren kehrten wir nach mehreren Jahren zum ersten Mal wieder nach England zurück. Während dieser Zeit dort sprach Gott sehr deutlich zu uns. Er sagte uns, wir würden das Vorrecht haben, zum zweiten Mal Teil einer großen Bewegung seines Heiligen Geistes zu sein. Damals, in den sechziger und siebziger Jahren, hatten wir miterlebt, wie Gott auf außergewöhnliche Weise in England wirkte. Ganz spontan hatten sich im ganzen Land Gemeinden in Häusern gebildet, weil die Leute so hungrig danach waren, mehr von Gott zu erfahren. Aus diesen Anfängen entstand das, was in England als „Hausgemeindebewegung“ bekannt wurde. Diese Gemeinden 7


Einfach(e) Kirche

repräsentieren inzwischen etwa ein Drittel aller evangelikalen Christen in Großbritannien. Heute sind sie eher unter dem Namen „Neue Kirchen“ bekannt und sind oft die größten Gemeinden vor Ort. Sogar in fast jedem Dorf findet man eine (oder mehrere) davon. Ihr Einfluss geht allerdings weit über die Zahl ihrer Mitglieder hinaus. Wir hatten einige Jahre lang dafür gebetet, wieder Teil einer solchen Bewegung von Gottes Heiligem Geist sein zu dürfen. In unserem Herzen hatten wir den Wunsch, dass es eine Basisbewegung „kleiner“ Leute sein werde – keine Superstars, keine riesigen Gebäude, der Heilige Geist am Ruder, Jesus allein erhoben und verehrt! Im September 2000 reisten wir nach Indien, um dort eine Konferenzreihe über Gemeindegründung durchzuführen. Wir benutzten dazu Material, das wir schon häufig zuvor verwendet hatten, aber Gott bewirkte dann in unserem eigenen Denken einen Paradigmenwechsel (eine Veränderung unserer Sichtweise). Mit einem Mal konnten wir selbst tatsächlich glauben – und nicht nur Lippenbekenntnisse dazu abgeben –, dass es möglich war, Gemeinden schnell zu gründen. Vielleicht hing dies damit zusammen, dass wir uns in einem Umfeld befanden, wo man uns von erstaunlichen Dingen erzählte, die Gott dort tat. Ein Gemeindegründer erzählte uns, sie hätten jetzt die Vision, bis zum Jahr 2007 in jedem Dorf Zentralindiens eine Hauskirche zu gründen – in nicht weniger als 17 000 Dörfern! Auf westliche Verhältnisse übertragen, würde das bedeuten, eine Gemeinde in jedem Wohnkomplex, jedem Wohnviertel, jeder Schule, jedem Altersheim, jedem Büroblock, jedem Krankenhaus und jeder Fabrik zu haben! Und wir hatten gedacht, wir seien erfolgreich, wenn sich unsere Hauskirchen einmal im Jahr „multiplizierten“! Seit dieser Reise ist einiges geschehen. Die Zeugnisse der Menschen, die diese Konferenzen besucht hatten, demütigten und segneten uns zugleich. Als wir wieder zu Hause waren, erhielten wir innerhalb weniger Wochen Berichte darüber, dass viele Gemeinden begonnen worden waren. Zusammen mit einem Team junger Leute hatte eine Frau innerhalb von zwei Wochen vier oder fünf Gemeinden in den umliegenden Dörfern gegründet. Ein anderer junger Mann, der zu einem Zigeunerstamm gehörte, hatte 8


Einführung – Achtung! Da kommt etwas auf uns zu!

unter seinen Leuten in weniger als einem Monat nach dem Seminar zwei Gemeinden gegründet. Nachdem wir diese und andere Berichte gehört hatten, wurde uns klar, dass es auch für uns selbst keine Ausrede mehr gab! So wagten wir den entscheidenden Schritt nach vorne und gründeten im vergangenen Jahr viele Gemeinden. Es sind noch sehr zaghafte Versuche, aber zumindest sind sie da! Dazu möchten wir einige Beispiele erzählen. Eine der interessantesten Gemeinden, die wir gründen halfen, befindet sich in einem Komplex von Sozialwohnungen in unserer Nähe, für den unsere Gemeinde mehrere Monate gebetet hatte („Herr, erlöse uns von netten, weißen Mittelklassegemeinden!“). Wir hatten uns entschieden, die Prinzipien anzuwenden, die wir in Indien gelehrt hatten, und benutzten dazu Lukas 10 als Modell. Insbesondere beteten wir dafür, die dort beschriebene „Person des Friedens“ zu finden. Als wir eines Tages betend durch dieses Wohnviertel gingen, wurden wir von einem plötzlichen Regenguss überrascht. Zusammen mit zwei Frauen, die in diesem Häuserkomplex wohnten, fanden wir Unterschlupf unter einem Vordach. Wir erzählten ihnen, was wir taten. Daraufhin luden sie uns ein, mitzukommen und mit ihnen für einige Probleme dieser Gegend zu beten. Innerhalb weniger Wochen hatten beide ihr Leben dem Herrn gegeben! Und Lily, die Älteste der beiden Schwestern, fing damit an, ihre Familie zu einem wöchentlichen Treffen mit uns mitzubringen. Ist die einfachste Definition für Gemeinde nicht „wo zwei oder drei in meinem [Jesu] Namen zusammenkommen“ (Matthäus 18,20)? Nach einigen Monaten waren es schon dreißig bis vierzig Leute, die sich jede Woche in Lilys Wohnung trafen, und inzwischen hat diese Gruppe schon eine weitere begonnen. Gemeinden können sich sehr schnell vermehren. Kürzlich setzten uns zwei Ehepaare in Erstaunen. Das eine teilte uns mit, sie seien dabei, in ihrer Gegend eine Gemeinde für Kinder zwischen 12 und 14 Jahren zu gründen. Das andere Paar, das lediglich etwa einen Monat lang Teil der örtlichen Hausgemeinden gewesen war, erzählte uns, sie seien dabei, von der Hausgemeinde, die sie besuchten, wegzugehen, um eine neue in ihrer eigenen Wohnung zu gründen. Alle Achtung! Wenn der Herr das Thema Gemeinde 9


Einfach(e) Kirche

auf die Herzen der Leute legt, geht alles viel schneller, als wir uns je vorstellen könnten. Jeden Tag erhalten wir Telefonanrufe und E-Mails von Leuten aus dem ganzen Land, die uns mitteilen, dass sie etwas Ähnliches tun! Hier, in Austin in Texas, wo wir wohnen, entstehen Gruppen, von denen wir noch nie etwas gehört hatten, praktisch aus dem Nichts. Im ganzen Land erzählen die Leute dieselben Dinge. Auch das Interesse von eher traditionellen Gemeinden ist unglaublich groß. Gott fordert sein Volk heraus, sich mit dem auseinander zu setzen, was die Hauskirche repräsentiert. Es ist ein ähnliches Gefühl wie in den frühen sechziger Jahren, als der Herr in England mächtig zu wirken begann. Diese Sache braucht jeder, sowohl diejenigen in einem eher traditionellen Umfeld als auch solche, die schon dabei sind, sich die neuen Sichtweisen über Gemeindegründung anzueignen. Wir beide lieben es, im Meer zu schwimmen. Wenn man sich von den Wellen mitnehmen lassen will, stellt man sich hin und wartet auf „seine“ Welle. Man muss an der richtigen Stelle sein, die Welle muss die richtige Größe haben und zum richtigen Zeitpunkt brechen, und dann muss man sich vor sie hineinstürzen und rudern so gut man kann, bis die Welle einen zum Strand trägt. Unsere Welle ist schon im Kommen. Wir sind am richtigen Ort, und diese momentane Welle des Heiligen Geistes ist gerade dabei zu brechen und gewinnt schon an Fahrt. In den späten sechziger und frühen siebziger Jahren hatten wir schon einmal ein begeisterndes Wirken des Heiligen Geistes miterlebt. Wir waren damals Medizinstudenten am Barts-Krankenhaus in London und ahnten nicht, dass wir diese Zeit im Rückblick einmal als echte Erweckung sehen würden. Heute erkennen wir aber, dass das, was für uns sehr unbedeutend schien, sowohl innerhalb als auch außerhalb des Gesundheitswesens schließlich Tausende von Menschen erfasste. Mit diesem Buch wollen wir versuchen, einen Teil der Ursachen dieser Erweckungsperiode unter die Lupe zu nehmen. Wir versuchen zu erklären, weshalb sie das Leben vieler Menschen so langfristig und bedeutend veränderte.

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Einführung – Achtung! Da kommt etwas auf uns zu!

Im Rückblick erkennen wir, dass es viele Prinzipien gibt, die wir in jenen frühen Tagen des Miteinander lernten, die noch heute für das Gemeindeleben anwendbar sind. Als Gruppe junger Studenten hatten wir kaum eine Ahnung davon, was wir taten oder wohin dies führte. Wir waren uns allerdings dessen bewusst, dass der Heilige Geist etwas Wunderbares Befasst man sich und Begeisterndes tat, und wir waren bereit, seiner Führung zu folgen. mit Erweckungen, Heute spüren wir in Bezug auf das, sieht man, dass was wir in den USA und auf der ganzen häufig eine GrupWelt entstehen sehen, eine ähnliche pe, die aus einem Begeisterung in uns. Kürzliche Kontakte früheren Wirken mit Freunden aus Großbritannien und die wachsende Möglichkeit, die guten des Heiligen GeisDinge zu sehen, die Gott in vielen andetes entstand, zu ren Teilen der Welt tut, geben uns große einem Hindernis Hoffnung für die Zukunft der Gemeinde. für das weitere Es wurde gesagt, die eine Sache, die wir aus der Geschichte lernen könnten, Wirken des Heilisei die, dass wir nie etwas aus der Gegen Geistes wird. schichte lernen. Tragisch ist, dass sich dies auch in christlichen Kreisen immer wieder bewahrheitet hat. Befasst man sich mit Erweckungen, sieht man, dass häufig eine Gruppe, die aus einem früheren Wirken des Heiligen Geistes entstand, zu einem Hindernis für das weitere Wirken des Heiligen Geistes wird. In den USA gibt es zur Zeit ein großes Interesse an Gemeindegründung. Wir beten dafür, dass die Gemeinden, die bei der letzten großen Gemeindegründungswelle entstanden sind, kein Hindernis für die jetzt emporkommenden neuen Gemeinden sein werden, wenn diese neue Modelle ausprobieren und dem Heiligen Geist die Leitung bei der Multiplikation vieler Gemeinden im ganzen Land überlassen.1 In Großbritannien bezeichnet man die Gesellschaft inzwischen als nachchristliche Kultur. Dies zeigt, dass die Erneuerung innerhalb der Kirchen in den letzten zwanzig Jahren bisher nur für die Christen selbst von grundlegender Bedeutung war. Viele haben 1

Siehe dazu das Buch von Larry Kreider, House Church Networks.

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Einfach(e) Kirche

den Herrn gefunden, und einzelne Menschen wurden verändert, aber die Gesellschaft selbst wurde noch nicht dazu veranlasst, aufzumerken und Notiz davon zu nehmen. Was ist nötig, damit sich die Gesellschaft wirklich verändert? Es wurde viel für Erweckung gebetet, aber hier im Westen erleben wir noch nicht, wofür wir gebetet haben. Vielleicht sagen Sie jetzt: „Ist es nicht ein Widerspruch, dass Sie die späten sechziger und die siebziger Jahre als Erweckungszeiten bezeichnen, dass aber immer noch alle für Erweckung beten?“ Ich sehe hier keinen Widerspruch. Wir könVielleicht wurden nen es mit dem theologischen Gedanken vergleichen, dass das Reich Gottes die Kirchen durch schon gegenwärtig, aber noch nicht die charismatische gekommen ist. In den sechziger und Bewegung und die siebziger Jahren tat Gott durch seinen neuen Gemeinden Heiligen Geist auf souveräne Weise etwas, was heute noch Frucht trägt. Die verändert und gegroße Zahl von Gemeinden, die geprägt, doch die gründet wurde, und die vielen tausend Gesellschaft selbst Menschen, die verändert wurden, zeiwurde noch nicht gen die Merkmale einer echten Erweckung Gottes. Aber dies ist noch immer grundlegend nur ein Vorgeschmack auf das, wofür verändert. die evangelikalen Christen treu beten. Vielleicht wurden die Kirchen durch die charismatische Bewegung und die neuen Gemeinden verändert und geprägt, doch die Gesellschaft selbst wurde noch nicht grundlegend verändert. Nach dieser Phase der Erweckung sehnen wir uns noch. In den USA ist das geistliche Klima ganz anders als in Europa. Kulturell gesehen ist es immer noch akzeptabel, Christ zu sein. Im praktischen Leben jedoch scheint es zwischen Christen und Nichtchristen kaum einen Unterschied zu geben, wie in dem Buch „The Second Coming of the Church“ (Das zweite Kommen der Gemeinde) von George Barna deutlich gezeigt wird. Es ist ein trauriger Kommentar über das Gemeindeleben, wenn man aufzeigen kann, dass es z. B. in Bezug auf die Anzahl der Leute, die regelmäßig pornografische Sendungen ansehen, oder den Prozentsatz derer, 12


Einführung – Achtung! Da kommt etwas auf uns zu!

die geschieden werden, falls überhaupt, kaum Unterschiede zwischen der Welt und der christlichen Gemeinde gibt. Wie kann das christliche Klima heute verändert werden, wie es in Großbritannien in den sechziger und siebziger Jahren geschehen ist? Wir brauchen eine Welle neugegründeter Gemeinden, die nicht nur ihre eigenen Mitglieder, sondern auch die Mitglieder aller evangelikalen Gemeinden herausfordern, sich aufzumachen und für das Reich Gottes aktiv zu werden. Wenn wir erkennen, dass unsere gegenwärtigen kirchlichen Einrichtungen die Gesellschaft nicht wirklich verändern, könnte dann diese Umgestaltung nicht den Weg dafür ebnen, dass die Gesellschaft selbst durch das Reich Gottes grundlegend beeinflusst wird? Was können zwei britische Ärzte in einem solchen Umfeld anbieten, damit besser verstanden wird, wie man in der westlichen Welt Gemeinden gründen kann? Unsere eigene Erfahrung ist sehr begrenzt, doch in den letzten Jahren hatten wir das Vorrecht, mitzuerleben, wie eine Reihe von Gemeinden entstand und wie diese Gemeinden inzwischen einen Einfluss ausüben, der ihre Größe weit übersteigt. Wir leben jetzt seit etwa 15 Jahren in den USA. In den ersten Jahren unseres Aufenthaltes waren wir Mitglieder in vier verschiedenen, eher traditionellen Gemeinden. Diese Zeit, in der wir die amerikanische Kultur und das amerikanische Gemeindeleben aufsogen, haben das, was Sie hier lesen werden, sehr geprägt. In der letzten dieser vier Gemeinden ermutigten uns zwei Pastoren sehr stark, in dem Teil von Austin, in dem wir lebten, etwas Neues zu beginnen. Wir hatten das Vorrecht, mit ihnen zusammenzuarbeiten und ihre sehr effektive Methode, neue Gläubige im Glauben zu festigen, zu beobachten. Als diese Gemeinde dann ans andere Ende der Stadt umzog, schien für uns die richtige Zeit gekommen zu sein, selbst etwas zu beginnen. Wir hatten zwei Jahre lang eine Bibelstudiengruppe für Geschäftsleute geleitet und diesen geholfen, die Bedeutung biblischer Prinzipien im Umgang mit Finanzen zu verstehen. Die Folge war, dass schließlich alle unsere nichtchristlichen Geschäftskollegen, die regelmäßig zu diesem Studium gekommen waren, den Herrn gefunden hatten. Sonntagmorgens veranstalteten wir, hauptsächlich wegen unserer eigenen Kinder, außerdem einen 13


Einfach(e) Kirche

„Bibelfrühstücksklub“ für Kinder. Zu dieser Gruppe gehörten neben unseren Kindern noch deren Freunde aus der Nachbarschaft. Auch die meisten dieser Kinder wurden Christen. Verschiedene Freunde unter unseren Nachbarn, meist Eltern dieser Kinder, fanden ebenfalls den Herrn. Diese beiden Gruppen verschmolzen wir schließlich miteinander und fingen an, dies „Gemeinde“ zu nennen. Als die Gruppe für unser Haus zu groß wurde, teilten wir uns in andere Häuser auf. Heute gibt es im südlichen Teil von Austin etwa zwanzig dieser Hauskirchen. Was wir zur Zeit im Herzen des texanischen Hügellandes tun, sehen wir nur als eine von vielen Möglichkeiten, wie der Heilige Geist heute überall auf der Welt Gemeinden gründet. Wir haben den Eindruck, dass der Heilige Geist vielen klar macht, dass es nötig ist, neue Gemeinden neuer Prägung zu gründen. Einfache Leute erkennen, dass Gott sie dazu berufen hat, „in alle Welt zu gehen und die gute Nachricht allen und überall zu verkünden (Markus 16,15)“.2 Die Bibel macht nirgends einen Unterschied zwischen Geistlichen und Laien. Seit er am Berg Sinai die Gesetze gab (2. Mose 19,6), ist klar, dass Gott sich Es gibt Tausende nach einem Königreich von Priestern von Christen, die sehnt. Es gibt keinen biblischen Grund, die Laien von den Berufsgeistlichen, Vollmit der Kirche zeitliche von Teilzeitlichen zu trennen. nichts mehr am Jeder von uns ist dazu berufen, „zuerst Hut haben woldas Reich Gottes zu suchen“.3 len, die aber Es gibt Tausende von Christen, die mit der Kirche nichts mehr am Hut haben trotzdem noch in wollen, die aber trotzdem noch in völlivölliger Hingabe ger Hingabe an Jesus leben. Unser an Jesus leben. Wunsch mit der Veröffentlichung dieses Buches ist, zu helfen, diese Leute zuzurüsten und zu befähigen, hinauszugehen und Gemeinden zu gründen. In diesen Gemeinden wird es nicht in erster Linie um Gebäude, Programme und Berufsgeistliche gehen, sondern darum, „jedes Mitglied zum Dienst zu 2 Mehr darüber im Artikel Where in the World Is the Church von Tony Dale, in Ausgabe 6 der Zeitschrift House2House; siehe www.house2house.tv. 3 Matthäus 6,33.

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Einführung – Achtung! Da kommt etwas auf uns zu!

befähigen“. Statt wertvolle Ressourcen fast vollständig intern für den Mitarbeiterstab und die Gebäude zu benutzen, können die gleichen Ressourcen benutzt werden, um in einer Welt, die darauf wartet, dass sich die Kirche als relevant erweist, Missionare und Barmherzigkeitsdienste zu unterstützen. Stellen Sie sich doch bitte beim Weiterlesen vor, was möglich wäre, wenn alle von Gottes Volk aktiv mitarbeiten würden! Tony & Felicity Dale Juli 2002

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KAPITEL 1

Paradigmenwechsel

Man schrieb das Jahr 1517, als Martin Luther seine fünfundneunzig Thesen anschlug und damit völlig veränderte, wie Christen über Errettung und den Glauben dachten. Zu verschiedenen Zeiten in der Geschichte gab es innerhalb weniger Jahre erdbebenartige Veränderungen. Solche Umwälzungen kommen weder allmählich, noch sind sie geplant. Sie stellen stattdessen eine Zusammenballung von Ideen und Technologien dar, woraus dann eine dramatische Änderung der Meinung, eine wirklich neue Weise, die Dinge zu sehen (Paradigma), resultiert. Die derzeitige explosionsartige Ausbreitung des Internets stellt einen solchen Paradigmenwechsel dar. Innerhalb weniger Jahre entstanden aus einer Kommunikationsidee und der entsprechenden Technologie völlig neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit, der Kommunikation und der Abwicklung von Geschäften. Als der

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Einfach(e) Kirche

Prophet Daniel1 im Alten Testament sagte, in den letzten Tagen würde die Erkenntnis zunehmen, konnte er keine Ahnung davon haben, wie dramatisch diese Zunahme ausfallen würde. Damals dauerte es noch mehrere hundert Jahre, bis sich die Gesamtheit des menschlichen Wissens verdoppelte. Heute verdoppelt es sich alle sieben Jahre, vielleicht sogar noch schneller. Die industrielle Revolution veränderte das Gesicht Europas im Laufe einer Generation. Neue Fortschritte in der Technologie machen vergleichbare Änderungen innerhalb von Monaten möglich.2 Im Leben und in der Praxis der Kirche scheinen derzeit weltweit ähnlich große Umwälzungen stattzufinden. Im 20. Jahrhundert gab es in der Kirche insgesamt ebenso viel Wachstum und Veränderung wie in allen vorangegangenen Jahrhunderten, vom Ende des apostolischen Zeitalters bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, zusammen genommen. Wo steht nun die Kirche im Westen zu Beginn dieses neuen Jahrtausends? Arthur Wallis, die graue Eminenz der „Neuen Kirchen“ in Großbritannien, lieferte in der Einführung zu seinem Buch „Another Wave Rolls In“ (Eine weitere Welle rollt herein) eine hervorragende Erklärung für die Entwicklung der Kirche im Laufe der Jahrhunderte. Er gebrauchte ein starkes Bild, als er den fortwährenden Strom des Wirkens des Heiligen Geistes durch die Gemeinde mit dem Hereinkommen der Flut verglich. Welch eine Energie! Welche Schönheit und welche erstaunliche Kraft zeigen sich, wenn die Wellen gegen die Felsen schmettern. Nichts kann sie aufhalten. Jede Welle repräsentiert eine wiederentdeckte Wahrheit, die die Kirche aufgreift. Bei der Reformation war dies die Errettung durch Glauben. Für die Baptisten rückte die Bedeutung der Taufe durch volles Untertauchen in den Vordergrund. Bei den Pfingstlern war es schließlich die Taufe im Heiligen Geist, auf die der gesamte Leib Christi wieder aufmerksam gemacht wurde. Gott offenbart immer mehr Wahrheit, indem er aus der zeitlosen Schrift neues Licht hervorbringt, damit er in seiner Kirche wieder das Sagen hat und damit seine Braut eines Tages ohne Flecken und Runzeln sein wird (Epheser 5,27). 1

Daniel 12,4.

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Laut einem Artikel der Zeitschrift TIME im Sommer 2000.

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1 – Paradigmenwechsel

Auch in der westlichen Kirche scheinen wir an der Schwelle zu erdbebenartigen Veränderungen zu stehen. Das 20. Jahrhundert war noch von Europa und Amerika geprägt. Wenn wir jedoch den Einfluss der Kirchen ansehen, hat es den Anschein, dass sich der Schwerpunkt von der Ersten zur Dritten Welt verlagert hat. In Asien und Lateinamerika gibt es ein enormes Gemeindewachstum, und in Teilen Afrikas ist das Wachstum Um das stärkste sogar noch größer. Um das stärkste WirWirken des ken des Heiligen Geistes in dieser GeneraHeiligen Geistes tion zu erleben, ist man genötigt, über den eigenen, westlichen Horizont hinausin dieser Generazublicken.3 4 Kann die Kirche im Westen tion zu erleben, wieder den Einfluss für das Reich Gottes ist man genötigt, haben, der ihrer Größe und ihren finanziüber den eigeellen Mitteln entspricht? George Barna, der bekannte christliche nen, westlichen Zukunftsforscher und Schriftsteller, Horizont hinausschreibt in seinem Buch „The Second Cozublicken. ming of the Church“ (Das zweite Kommen der Gemeinde), es würden viele Gründe dafür sprechen, dass sich die Kirche im Westen am Rande der Irrelevanz befindet. Seine statistischen Daten lassen vermuten, dass für die große Mehrheit der westlichen Christen das Christsein in ihrem täglichen Leben eigentlich keine große Rolle spielt. Die Kirche hat sich insgesamt weit davon entfernt, dass man über sie sagen könnte: „Diese Leute haben die Welt auf den Kopf gestellt! (Apostelgeschichte 17,6).“ Die Kirche im Westen muss sich neu erfinden, wenn sie für die Menschen von heute noch von Bedeutung sein will. Die Veränderung muss in diesen Tagen der „Dotcoms“ und des „E-Commerce“ allerdings rasch erfolgen. David Watson, ein christlicher Leiter der letzten Generation, parodierte die berühmte Hymne „Vorwärts,

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Rolland und Heidi Baker halfen in den letzten fünf Jahren mit, in Mosambik über 3000 Gemeinden zu gründen. 4 Eine gute Dokumentation über das weltweite Gemeindewachstum findet man z. B. bei Operation World (www.operationworld.org) oder DAWN Ministries (www.dawnministries.org).

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Einfach(e) Kirche

christliche Streiter“ so: „Wie eine große Schildkröte schleicht die Gemeinde Gottes voran. Brüder, wir trotten immer auf demselben alten Pfad. Wir sind alle voneinander getrennt, wir vielen Leiber, wir. Langatmig in der Wahrheit und der Lehre, aber schwachbrüstig in der Nächstenliebe!“ Wenn Veränderungen in Gottes Zeitplan geschehen, dann ist das Erstaunliche daran, dass man im Nachhinein erkennen kann, dass alles schon in seinem Wort geschrieben stand. König Salomo hatte Recht, als er sagte: „Es geschieht nichts Neues unter der Sonne (Prediger 1,9 [Lu84]).“ Wenn wir uns mit den riesigen Veränderungen befassen, die unsere Sicht von der Kirche durchlaufen muss, wird schnell deutlich, dass wir lediglich zurück in die Zukunft gehen. In der Apostelgeschichte ist schon alles da. Ein Management-Guru sagte einmal, Quantensprünge (größere Fortschritte) entstünden oft schon allein dadurch, dass man anfängt, in die richtige Richtung zu schauen. Die Fliege, die in ihrem Versuch, aus dem Zimmer herauszukommen, ständig mit ihrem Kopf gegen das Fenster stößt, würde sich eine Menge Ärger ersparen, wenn sie sich nur umdrehen und sehen würde, dass die Türe offen steht. Würden wir in der Kirche also das, was in der Schrift so offensichtlich ist, einfach nur mit neuen Augen (und offenen Herzen) anschauen, dann würde uns klar werden, dass wir die Kirche nach Gottes Vorstellung neu erfinden müssen, und nicht nach unserer eigenen! Wenn die Christen in der westlichen Welt die heutige Generation prägen wollen, wird es nichts weniger als eine weitere Reformation brauchen, um sie entsprechend freizusetzen und zu befähigen. Die Zeit für allmähliche Veränderungen ist vorbei. Was sonst wird uns davor bewahren, für unsere Mitmenschen bedeutungslos zu sein? Diese Gedanken sind es, die uns, zwei britische Ärzte, die ihren Lebensunterhalt momentan mehr in der Wirtschaft als in der Medizin verdienen, bewegen, durch die Aufsätze in diesem Buch einen Weg in die Zukunft zu weisen. Wir hoffen, dass das nicht anmaßend ist. Seit über 33 Jahren haben wir nun schon den Ruf, Gemeinden zu gründen, sei es in der Medizin, der Mission oder der Wirtschaft. Erfahrungen auf beiden Seiten des Atlantiks brachten uns zu der Überzeugung, dass der Wiederbelebung der evangelikalen Christenheit, wie sie 20


1 – Paradigmenwechsel

in den letzten dreißig Jahren in Großbritannien zu sehen war, eine noch radikalere Transformation der Gemeinde im Westen folgen sollte und kann. Lassen Sie uns also einige der Veränderungen betrachten, die nötig sind, um sowohl dem, was Gott in seiner Gemeinde weltweit tut, als auch seinem in der Bibel geoffenbarten Wort treu zu sein.

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