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Phil Mason

Ich lasse euch nicht als Waisen zurück Der Weg zur reifen Sohnschaft

GloryWorld-Medien


1. Auflage 2026 © Copyright 2025 by Phil Mason. Originally published in English under the title „I Will Not Leave You as Orphans: The Journey into Mature Sonship“ by Quantum Ministries Publications. All rights reserved. © der deutschen Ausgabe 2026 GloryWorld-Medien, Xanten, Germany, www.gloryworld.de Alle Rechte vorbehalten Bibelzitate sind, falls nicht anders gekennzeichnet, für das Neue Testament der Übersetzung „Jesus der Messias“ (GloryWorld-Medien 2024) und für das Alte Testament der Neue evangelistische Übersetzung © 2013 Karl-Heinz Vanheiden (NeÜ). Weitere Bibelübersetzungen: ELB: Elberfelder Bibel, Revidierte Fassung 2006 (ELB) entnommen EÜ: Einheitsübersetzung, revidierte Fassung von 2016 HfA: Hoffnung für alle, Basel und Gießen, 1983 LUT: Lutherbibel, Revidierte Fassung von 2017 MNG: Menge Bibel, Public Domain NLB: Neues Leben. Die Bibel © der deutschen Ausgabe 2002 / 2006 / 2024 SCM R.Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbH NGÜ: Neue Genfer Übersetzung SLT: Schlachter 2000 Außerdem wurden zum Teil folgende englische Bibelübersetzungen direkt ins Deutsche übersetzt: AMP: Amplified® Bible, © 1954, 1958, 1962, 1964, 1965, 1987 by The Lockman Foundation. MSG: Peterson, Eugene H., The Message: The Bible in Contemporary Language. NavPress 2002 NLT: Holy Bible, New Living Translation, © 1996, 2004, 2015 by Tyndale House Foundation TPT: „The Passion Translation“ © 2013 TVB: The Voice Bible WUE: Kenneth S. Wuest, The New Testament: An Expanded Translation. Eerdmans, 1961 Das Buch folgt den Regeln der Deutschen Rechtschreibreform. Die Bibelzitate wurden diesen Rechtschreibregeln angepasst. Hervorhebungen in Bibelzitaten stammen vom Autor. Übersetzung/Satz: Manfred Mayer Lektorat: Janet Mayer; Klaudia Wagner-Diehl, www.wortwirkt.de Umschlaggestaltung: Rosie Moulton und Jens Neuhaus, www.7dinge.de Printed in the EU ISBN: 978-3-95578-671-7 Bestellnummer: 356671 Erhältlich beim Verlag: GloryWorld-Medien Beit-Sahour-Str. 4 D-46509 Xanten Tel.: 02801-9854003 Fax: 02801-9854004 info@gloryworld.de www.gloryworld.de oder in jeder Buchhandlung


Inhalt

Einführung ................................................................................... 7 1 Ich lasse euch nicht als Waisen zurück! ............................. 11 2 Kein Weg nach Hause ......................................................... 27 3 Die Einladung zu reifer Sohnschaft ................................... 47 4 Der Waisenmacher .............................................................. 63 5 Die Söhne des Stolzes ......................................................... 77 6 Die Felder der Vaterlosen ................................................... 85 7 Den Kern enthüllen ............................................................. 99 8 Wie man die Waisenwunde heilen kann ......................... 113 9 Sicherheit und Bindung .................................................... 131 10 Das Herz der Sohnschaft ................................................... 149 11 Vermittler der adoptiven Liebe ........................................ 167 12 Der Kampf um die Sohnschaft ......................................... 185


Einführung

Vielen Dank, dass du dieses Buch als Beitrag zu deiner geistlichen Entwicklung in Betracht ziehst. Dieser Band ist der erste Teil einer dreiteiligen Reihe zum Thema Sohnschaft1. Band 2 hat den Titel „Viele Söhne zur Herrlichkeit führen“ und Band 3 schließlich „Geliebte Söhne aussenden“. Wenn du auf der Suche nach einer tiefen und umfassenden Offenbarung deiner göttlichen Sohnschaft bist, ist diese Reihe genau das Richtige für dich. Jeder Band baut auf dem vorherigen auf, obwohl die drei Bücher auch für sich allein stehen. Ich bin davon überzeugt, dass es ein ganzes Leben dauert, um in die Fülle von Gottes Plan hineinzuwachsen, uns dem Bild seines Sohnes anzugleichen, und dass selbst ein ganzes Leben auf Erden nicht ausreicht, um die Tiefen dessen zu ergründen, was es bedeutet, in dieser Welt ein reifer Sohn des Allerhöchsten Gottes zu werden. Wir sind umgeben von einer großen Wolke von Zeugen, von denen einige auf ihrer Reise zur Sohnschaft unendlich viel tiefer vorgedrungen sind als viele von uns. Sie sind die Leuchten der Gemeinde, die in die reife Sohnschaft eingetreten sind und uns den Weg erhellen, dem wir folgen sollen. Der erste Teil dieser Trilogie dreht sich um das Paradigma „Vom Waisenkind zum Sohn“. Da ich Jahre damit verbracht habe, über den Ruf zur reifen Sohnschaft nachzudenken, habe ich verstanden, dass „Sohn“ der Inbegriff des Ebenbildes und der Ähnlichkeit Gottes und damit der Inbegriff der menschlichen Ganzheit darstellt. „Der Sohn ist der strahlende Glanz von Gottes Herrlichkeit, der genaue Ausdruck von Gottes wahrem Wesen – sein Spiegelbild!“ (Hebr 1,3 TPT). 1 Mit den Begriffen „Sohn/Söhne“ bzw. „Sohnschaft“ meint der Autor durch das

ganze Buch hinweg jeden in die Reife gelangten Gläubigen, egal ob männlich oder weiblich. Für Phil Mason bedeutet das Sohn-Sein den „Inbegriff des Ebenbildes und der Ähnlichkeit Gottes“ und damit den „Inbegriff der menschlichen Ganzheit“ (s. u.). In diesem Sinne sind auch die Töchter „Söhne“ in Jesus Christus. – Anm. d. Übers.

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Im Gegensatz dazu ist „Waisenkind“ der Inbegriff für das beschädigte Bild. Er definiert die menschliche Gebrochenheit, weil er den Begriff in einen eindeutig familiären Rahmen stellt, der zweifellos der Rahmen ist, dem wir in der Bibel begegnen. Gott ist unser Vater, und er sehnt sich danach, jedes geistliche Waisenkind zu adoptieren und den Prozess der Verwandlung und Heilung zu beginnen. Doch der Heilungsprozess des alten Waisenherzens ist kein Selbstzweck. Gottes letztendliches Ziel ist es, seine geliebten, adoptierten Söhne und Töchter in die Welt zu senden, damit sie sein Herz in sich tragen und ihn repräsentieren, so wie es Jesus tat. Jesus sagte: „So wie der Vater mich gesandt hat, so sende ich nun euch“ (Joh 20,21 TPT). Dieses Thema führt uns in das Herz des Apostolischen hinein, was für die obersten Ziele des Vaters von zentraler Bedeutung ist. In unserer Zeit braucht die Gemeinde mehr denn je Theologen, die die harte Arbeit leisten, die Theologie für die nächste Generation zu entwickeln. Theologen weisen der Gemeinde den Weg in die Zukunft. Die harte Arbeit, die sie im Verborgenen leisten, wird Teil ihrer öffentlichen Verkündigung und ihres Beitrags zum Wohl der Gemeinde sein. Die beste Theologie ist stets in der Praxis verankert. Transformative Theologie ist einzigartig. Sie ist fest in der praktischen Ausübung des Dienstes im Reich Gottes verwurzelt. Wir bewegen uns weg von der Ära des akademischen theologischen Theoretikers hin zur Ära des Praktikers, der die Aufgabe hat, die Gemeinde zuzurüsten, um die Gefangenen zu befreien. Gute Theologie führt zu guter Praxis. Paulus sagte: Jetzt ist es an der Zeit, durch jede Offenbarung, die euch gegeben wurde, erneuert zu werden. Und verwandelt zu werden, während ihr den herrlichen Christus in euch als euer neues Leben annehmt und in Einheit mit ihm lebt! Denn Gott hat euch in seiner vollkommenen Gerechtigkeit ganz neu geschaffen, und ihr gehört nun ihm in der Dimension der wahren Heiligkeit an (Eph 4,23-24 TPT). Es ist mir ein großes Anliegen, der Gemeinde gute Theologie zu vermitteln. Ich habe gesehen, welche Kraft fundierte Theologie hat, um die örtliche Gemeinde zu formen und zu leiten. Das Wort Gottes entfesselt das Feuer Gottes auf der Erde. Indem wir klare biblische Theologie verkünden, werden wir befähigt, die Kultur des Himmels in Existenz zu prophezeien und den Himmel durch die Sprache der 8


Einführung

göttlichen Sohnschaft auf die Erde herunterzuziehen. Meine Vision ist es, den Leib Christi theologisch zuzurüsten, indem ich ein klares Verständnis der Berufung zur reifen Sohnschaft vermittle. Ich hoffe, du genießt die Lektüre dieses ersten Bandes genauso sehr, wie ich das Schreiben daran genossen habe. Als ich mich in dieses Thema vertiefte, strömten so viele neue Erkenntnisse in mein Herz und meinen Verstand. Ich konnte spüren, wie die Freude meines Vaters mich umhüllte, während ich auf ihn wartete, um die Dinge besser zu verstehen. Der Prozess des Schreibens hat mich in der tiefen Überzeugung bestärkt, dass dieses Thema ihm sehr am Herzen liegt. Ich wünsche dir, dass es dich beim Lesen tief in sein Herz und in das Herz der göttlichen Sohnschaft hineinzieht. Du und ich sind zu dem berufen, was ich als „tiefe Sohnschaft“ bezeichnen würde. Lies diese Kapitel bitte als eine Reihe von Meditationen über das Wort Gottes. Lass die verschiedenen Übersetzungen, die ich benutzt habe, zu Fenstern in Gottes Welt werden, während wir in das Herz Gottes blicken. Lass die Worte der Schrift dich mehr und mehr ins Ebenbild des geliebten Sohnes formen. Phil Mason Byron Bay, Dezember 2025

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Kapitel 1

Ich lasse euch nicht als Waisen zurück!

Alles, was Jesus gesagt hat, kann zu Recht als äußerst tiefgründig beschrieben werden. Es ist schwer, eine Aussage herauszugreifen, die alle anderen bei Weitem überragt. Jedes Wort ist so reich an göttlicher Weisheit und prophetischer Einsicht, dass es unmöglich ist, einen einzigen Satz zu finden, der die ganze Breite der Erkenntnis Jesu zusammenfasst. Dennoch stechen viele Formulierungen als besonders markante Verse hervor. Diese markanten Passagen zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich nach und nach entfalten und außergewöhnliche geistliche Einsichten vermitteln. Einer dieser Verse ist der, in dem Jesus zu seinen Jüngern sagte: „Ich lasse euch nicht als Waisen zurück, ich komme zu euch“ (Joh 14,18). Im Kontext des Abendmahlssaals stellte Jesus die Macht der Liebe des Vaters vor, die Herzen zu verwandeln. Er verkündete: „Wie der Vater mich liebt, liebe ich auch euch“ (Joh 15,9). „Denn der Vater selbst ist euer Freund“ (Joh 16,27). Wenn der Vater uns genauso liebt wie seinen geliebten Sohn Jesus, ist es leicht zu verstehen, warum Jesus sagen konnte, dass er uns nicht als Waisen zurücklassen würde. Er möchte uns zur Reife in unserer Sohnschaft führen. Das Thema „von Waisen zu Söhnen“ liegt der gesamten Offenbarung des Neuen Testaments zugrunde. Es ist zentral für das christliche Leben. Paulus verkündete: „Ihr alle seid durch den Glauben Söhne Gottes in Christus Jesus; denn ihr alle, die ihr in Christus hinein getauft seid, ihr habt Christus angezogen“ (Gal 3,26-27 SLT). Die tiefgründige Theologie unserer Annahme als Söhne zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Neue Testament und bietet uns einen mächtigen übergeordneten Erzählrahmen, durch den wir so vieles von dem, was Christus und die Apostel lehrten, miteinander verknüpfen können. 11


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Wir sind alle in die Familie Gottes adoptiert worden, aber ist es nicht so, dass wir den Rest unseres Lebens damit verbringen, zu dem zu werden, was wir in Christus bereits sind? Der Weg vom Waisenkind zum Sohn bestimmt die gesamte Reise unseres Herzens in diesem Leben. Mit diesen Worten wird das große Ganze beschrieben. Wir sind bereits geliebte, adoptierte Söhne und Töchter, aber wir erleben ganz praktisch, dass wir als Söhne und Töchter heranreifen. Jesus hat es gut ausgedrückt, als er sagte: „Solange ihr das Licht habt, glaubt an das Licht, damit ihr Söhne und Töchter des Lichts werdet!“ (Joh 12,36). In diesem Buch stelle ich eine einfache, aber tiefgründige These auf: Die geistliche Reise vom Waisenkind zum Sohn steht im Mittelpunkt des gesamten Neuen Testaments und bietet uns eine einzigartige Sprache, die die Herzensreise auf die tiefgründigste Weise beschreibt. Bestimmte sprachliche Begrifflichkeiten in der Bibel lassen kraftvolle Metanarrative1 entstehen. Ein solcher Gedanke findet sich in Salomos Sprache, die Weisen und Narren einander gegenüberstellt. Das sind grobe theologische Pinselstriche, und dennoch schaffen sie einen biblischen Rahmen, der tiefe Einblicke in das menschliche Dasein gewährt. Zwar ist die Gegenüberstellung von Weisen und Narren eine starke Verallgemeinerung, doch liefert sie uns solide Definitionen und Ideale. Innerhalb dieses allgemeinen Rahmens gehen wir automatisch von einem Spektrum aus, das von „absolutem Narrentum“ bis zu „äußerster Weisheit“ reicht, mit zahlreichen Abstufungen zwischen diesen beiden Extremen. Manche menschlichen Verhaltensweisen sind leicht töricht, andere hingegen unglaublich töricht. Brian Simmons, der Übersetzer der Passion Translation, macht in seiner Einleitung zum Buch der Sprüche folgende Beobachtung: Salomo glaubte, dass es zwei Arten von Menschen auf der Welt gibt: die weisen Gerechten und die bösen Narren. Der Weise besitzt von Gott offenbarte Erkenntnisse und Lebenserfahrung. Deshalb ist er umsichtig, klug, einsichtig und tut das Richtige, weil er rechtschaffen ist, einer, der Gott liebt. Dieser „Gottliebhaber“ ist gerecht, friedlich, aufrichtig, untadelig, gut, vertrauenswürdig und 1 Eine Meistererzählung oder ein Metanarrativ ... ist eine Erzählperspektive

über die Vergangenheit, die für lange Zeit vorherrschend geblieben ist (Wikipedia 01.06.2026).

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Ich lasse euch nicht als Waisen zurück!

gütig. Der böse Narr ist anders. Er ist gierig, gewalttätig, betrügerisch, grausam und redet unvernünftig. Kein Wunder, dass „der Herr den Lebenswandel der Bösen verabscheut!“ (s. Spr 15,9). Als törichter Mensch wird er als leichtgläubig, als Idiot, als selbstgenügsam, als Spötter, als faul, als sinnlos beschrieben, und er lehnt offenbarte Erkenntnis und Lebenserfahrung ab. Viele von Salomos weisen Sprüchen beziehen sich auf diese beiden Arten von Menschen und lehren uns, wie wir vermeiden können, ein gottloser Narr zu sein, und stattdessen so zu leben, wie Gott es für uns vorgesehen hat: als seine weisen, rechtschaffenen Liebhaber.2 Abgesehen von Jesus war Salomo der weiseste Mensch, der je gelebt hat. Gott stattete ihn mit einem „Geist der Weisheit und Offenbarung“ aus, der unübertroffen war. Er bat Gott um ein weises und verständiges Herz und erhielt eine doppelte Portion! Sein Paradigma von Weisheit und Torheit gilt seit jeher als der Inbegriff göttlicher Weisheit. Die Schlussfolgerung lautet: Weisheit kommt von Gott und ist das Erbe der Gerechten. Im Gegensatz dazu hat der Narr keine göttliche Weisheit und leidet unerbittlich unter den Folgen seiner Torheit. Salomo griff die Weisheit seines Vaters David auf, der erklärte: Nur Narren denken in ihrem Herzen: „Es gibt keinen Gott.“ Sie sind durch und durch schlecht, und ihre Taten sind böse. Es gibt keinen, der Gutes tut! Gott sieht vom Himmel herab auf die Menschen, um zu sehen, ob es wenigstens einen einzigen gibt, der klug ist und nach Gott fragt. Aber sie haben sich alle von Gott abgewandt und sind nun alle verdorben. Es gibt keinen, der Gutes tut, nicht einmal einen!“ (Ps 53,2-4 NLB). Wohin wir im Buch der Sprüche auch schauen, begegnen uns die weisen Worte Salomos. Hier ist ein Beispiel aus Sprüche 14: Jede weise Frau ermutigt und stärkt ihre Familie, aber eine törichte Frau wird sie mit der Zeit durch ihr eigenes Handeln zerstören. Die Worte eines stolzen Narren werden alle auf ihn zurückfallen. Aber die Worte der Weisen werden zu einem Schutzschild um sie herum. Die Worte der Weisen sind wie Waffen der Erkenntnis. Wenn du weisen Rat brauchst, halte dich fern vom Narren. Denn 2 Brian Simmons: Introduction to the Book of Proverbs. The Passion Translation.

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die Weisheit der Weisen hält das Leben auf dem richtigen Weg, während der Narr sich nur selbst täuscht und sich weigert, der Realität ins Auge zu sehen (Spr 14,1.3.7.8 TPT). Es ist nicht nötig, das Buch der Sprüche weiter zu zitieren, auch wenn wir unzählige Verse anführen könnten, die dasselbe Thema untermauern. Der gesamte Katalog der weisen Sprüche baut auf demselben grundlegenden Rahmen auf. Jesus erkannte in seinen Lehren das Potenzial dieser Offenbarung über die Weisen und die Törichten an. Er griff dies auf, indem er davon sprach, dass der Weise sein Haus auf Fels baute und der Törichten auf Sand. Er stellte auch die Entscheidungen der klugen und der törichten Jungfrauen einander gegenüber. Jesus tadelte die Pharisäer und nannte sie „blinde Narren!“ (s. Mt 23,17 HfA). Seine Lösung für die weit verbreitete Torheit seiner Zeit bestand darin, „Propheten und Weise“ zu senden (s. Mt 23,34). Jesus schloss sich Salomos Darstellung von Weisheit und Torheit umfassend an. Auch die Waisen-/Sohn-Sprache der Autoren des Alten Testaments griff Jesus auf. In deren Schriften gibt es theologische Vorläufer, die darauf hinweisen, dass durch den Dienst Jesu, der uns durch das Geschenk der Adoption mit seinem Vater versöhnt, eine tiefere Erfüllung geschieht. Psalm 68 verkündet: „Vater der Waisen, Beschützer der Witwen, ist Gott in seinem heiligen Haus“ (Ps 68,5 MSG). Der nächste Vers lautet: „Den Einsamen gibt er ein Zuhause“ (Ps 68,7 HfA). Das bringt Gottes Herz gegenüber den Waisen zum Ausdruck. Hosea betete: „Ist es nicht wahr, dass in dir die Waisen Barmherzigkeit finden? ‚Ich werde ihre Untreue heilen. Ich werde sie reichlich lieben‘“ (Hos 14,3-4 MSG). Gott liebt geistliche Waisen und nimmt sie in seine Familie auf, wobei er verspricht, ihre untreuen Herzen zu heilen, indem er sie mit seiner väterlichen Liebe überschüttet. Er nahm das ganze Volk Israel als seinen geliebten Sohn an. Er sagte zu Mose: „Dann wirst du dem Pharao verkünden: ‚So spricht Jahwe: Israel ist mein erstgeborener Sohn. Und ich sage dir: Lass meinen Sohn ziehen, dass er mir dient‘“ (2 Mose 4,22-23). Paulus erklärte später: „Ihnen gehört die Sohnschaft“ (s. Röm 9,4 EÜ). „Sie sind das Volk Israel, auserwählt, Gottes adoptierte Kinder zu sein“ (NLT). Springen wir weiter zum Neuen Testament, entdecken wir, dass dieses Thema der „Adoption als Söhne“ im Mittelpunkt steht. Für Paulus werden einzelne Gläubige in Gottes Familie aufgenommen. 14


Ich lasse euch nicht als Waisen zurück!

„… ihr habt vielmehr einen Geist der Kindschaft bekommen, in dem wir rufen: „Papa! Vater!“ (Röm 8,15). „Von Anfang an war es sein unveränderlicher Plan, uns durch Jesus Christus als seine Kinder aufzunehmen, und an diesem Beschluss hatte er viel Freude“ (Eph 1,5). „Es war schon immer Teil seines perfekten Plans, uns als seine geliebten Kinder anzunehmen!“ (TPT). Für Paulus war der Mechanismus unserer plötzlichen Verwandlung von geistlichen Waisen zu Söhnen der Akt der Adoption. Für Johannes hingegen geschah die Wiedergeburt in die göttliche Sohnschaft durch die neue Geburt. „Aber all denen, die ihn annahmen, gab er eine hohe Stellung: Gottes Kinder zu sein, die an seinen Namen glauben“ (Joh 1,12). Der nächste Vers sagt: „Sie wurden dies weder durch ihre Abstammung noch durch menschliches Bemühen oder Absicht, sondern dieses neue Leben kommt von Gott“ (Joh 1,13 NLB). Jesus besteht darauf, dass der Weg in Gottes Familie über eine neue Geburt führt. „Ihr müsst von Neuem geboren werden!“ (Joh 3,7). Sieben Mal verwendete Johannes in seinem ersten Brief den Begriff „aus Gott geboren“. Beides trifft zu, egal ob wir den Schwerpunkt darauf legen, dass wir in Gottes Reich hineingeboren oder in Gottes Reich hineinadoptiert werden. Das Ergebnis des erneuernden Wirkens des Heiligen Geistes ist eine vollständige Veränderung des Status und der Identität vom Waisenkind zum Sohn. Das ist das Metanarrativ3 des Neuen Testaments, das laut dem Oxford Dictionary „eine übergreifende Darstellung oder Interpretation von Ereignissen und Umständen ist, die den Glaubensvorstellungen der Menschen ein Muster oder eine Struktur verleiht und ihren Erfahrungen Bedeutung gibt“. Das zentrale Thema unserer neuen Beziehung zu Gott als unserem himmlischen Vater stellt das große Metanarrativ des Neuen Testaments dar. Gehen wir noch einen Schritt weiter. Das gesamte Neue Testament wird zu einer krassen Gegenüberstellung zwischen dem Herzen eines Sohnes, offenbart in Jesus Christus, dem geliebten Sohn des Vaters, und dem Herzen des Waisenkindes, offenbart in all denen, die im Exil bzw. getrennt vom Vaterherzen Gottes leben. Wenn wir die Herrlichkeit des Sohnes Gottes gesehen haben, haben wir automatisch auch das 3 Eine Meistererzählung oder Metanarrativ (…) ist eine Erzählperspektive über

die Vergangenheit, die für lange Zeit vorherrschend geblieben ist (Wikipedia 25.03.2026).

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Waisenkind gesehen, und wir können nicht mehr leugnen, was wir nun gesehen haben. Die Bibel beschreibt die Welt als ein riesiges Waisenhaus, bevölkert von Männern und Frauen, die Gott nicht als ihren Vater kennen. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Erklärung Jesu, dass er der Sohn Gottes sei, noch mehr an Kraft. Während Johannes sein Evangelium entfaltet, legt er dar, dass Jesus Gottes einziggeliebter Sohn war. Er sagte: „Alles, was hier aufgezeichnet ist, dient dazu, dass ihr voll und ganz glaubt, dass Jesus der Gesalbte ist, der Sohn Gottes, und dass ihr durch euren Glauben an ihn das ewige Leben durch die Kraft seines Namens erfahren werdet!“ (Joh 20,31 TPT). Johannes beginnt sein Evangelium mit der kühnen Erklärung, dass Jesus Gottes einziger Sohn ist. „Niemand hat je die Fülle von Gottes Herrlichkeit gesehen, außer dem einzigartig geliebten Sohn, der vom Vater geschätzt und eng an seinem Herzen gehalten wird“ (Joh 1,18 TPT). Im selben Kapitel bezeugte Johannes der Täufer, dass Jesus der Sohn Gottes war. „Ich kann dir mit Sicherheit sagen, dass dieser Mann der Sohn Gottes ist!“ (Joh 1,34 TPT). In Kapitel 3 verkündete Jesus sich selbst als den Sohn Gottes. „Auf diese Weise liebt Gott nämlich die Welt: Er hat den einziggeborenen Sohn gegeben, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat. Gott hat den Sohn ja nicht in die Welt gesandt, um die Welt zu richten, sondern damit die Welt gerettet wird durch ihn“ (Joh 3,16-17). Im Verlauf seines Evangeliums betont Johannes, dass die Juden Jesus direkt verfolgten, weil er sich selbst als Sohn Gottes bezeichnete und sagte, er sei eins mit dem Vater. Jesus hatte gerade am Sabbat geheilt und wurde beschuldigt, den Sabbat gebrochen zu haben. Er verkündete kühn: „Mein Vater ist bis jetzt am Werk, und ich bin auch am Werk.“ Deswegen wollten die Judäer dann noch mehr, dass man ihn tötete, weil er nicht nur den Ruhetag auflöste, sondern auch, weil er Gott seinen Vater nannte und sich damit Gott gleich machte. Jesus antwortete darauf: „Amen, Amen, ich sage euch: Der Sohn kann von sich aus nichts tun, wenn er nicht sieht, dass der Vater es tut. Denn was dieser tut, das tut dann genauso auch der Sohn. Der Vater liebt ja den Sohn und zeigt ihm alles, was er tut. Und er zeigt 16


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ihm größere Taten als diese, damit ihr staunt. So, wie der Vater die Toten aufweckt und lebendig macht, so macht nämlich auch der Sohn die lebendig, die er will. Der Vater richtet ja auch niemanden, er hat vielmehr das ganze Gericht dem Sohn übergeben, damit alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren. Wer den Sohn nicht ehrt, ehrt den Vater nicht, der ihn gesandt hat“ (Joh 5,17-23). Diese Offenbarung von Jesus als dem einzigartigen Sohn Gottes wird im Verlauf des Johannesevangeliums immer deutlicher. Die Judäer umringten ihn nun und sagten zu ihm: „Wie lange hältst du unsere Seele hin? Wenn du der Messias bist, sag es uns offen!“ Jesus antwortete ihnen: „Ich habe es euch gesagt, und ihr glaubt nicht. Das, was ich tue, was ich im Namen meines Vaters tue, das gibt mir ein gutes Zeugnis. Aber ihr glaubt nicht, weil ihr nicht von meinen Schafen seid. Meine Schafe hören auf meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir, und ich gebe ihnen ewiges Leben. Sie gehen in Ewigkeit nicht zugrunde, und niemand reißt sie aus meiner Hand. Mein Vater, der sie mir gegeben hat, ist größer als alles, und niemand kann sie aus der Hand des Vaters rauben. Ich und der Vater sind eins.“ Wieder trugen die Judäer Steine, um ihn zu steinigen. Jesus sagte zu ihnen: „Viele gute Taten habe ich euch vom Vater gezeigt, wegen welcher dieser Taten steinigt ihr mich?“ Die Judäer antworteten ihm: „Wir steinigen dich nicht für eine gute Tat, sondern für Gotteslästerung, weil du, der du ein Mensch bist, dich selbst zu Gott machst.“ Jesus antwortete ihnen: „Ist in eurem Gesetz nicht geschrieben: ‚Ich sagte: Götter seid ihr’4? Er hat also jene als ‚Götter‘ angesprochen, zu denen das Wort Gottes kam. Und die Schrift kann nicht aufgelöst werden! (Zu mir), den der Vater heilig gemacht und in die Welt gesandt hat, sagt ihr dann aber: ‚Du lästerst Gott’, weil ich gesagt habe: ‚Ich bin der Sohn Gottes’? Wenn ich die Werke meines Vaters nicht tue, dann dürft ihr mir nicht glauben. Wenn ich sie aber tue – wenn ihr auch mir nicht glaubt –, dann glaubt den Werken, damit ihr wisst und erkennt, dass der Vater in mir ist und ich im Vater!“ Sie wollten ihn nun wieder fassen, er entzog sich aber ihrer Hand (Joh 10,24-39). 4 Ps 82,6.

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Die religiösen Menschen zur Zeit Jesu waren außer sich vor Wut, dass Jesus behauptete, der „eingeborene“ (einziggeborene) Sohn Gottes zu sein, den der Vater in die Welt gesandt hatte. Er behauptete nicht, ein Sohn Gottes unter vielen zu sein, sondern der einzigartige, alleinige Sohn. Schon die Tatsache, dass Jesus auf der Erde war, bezeugte, dass jeder in Bezug auf Gott den Vater ein Waisenkind war. Jesus deckte öffentlich das Waisenherz auf, als er die Handlungen derer beschrieb, die sich seinem Reich widersetzten, und sagte: „Das werden sie tun, weil sie weder den Vater noch mich aus eigener Erfahrung kennengelernt haben“ (Joh 16,3 WUE). Das Neue Testament teilt die Welt in zwei Lager: diejenigen, die den Vater kennen (Söhne und Töchter), und diejenigen, die sein Herz nicht kennen (die geistlichen Waisen). Die Voice-Bibel erklärt Jesus als den Einzigen, der das Herz des Vaters kennt. „Gott, der bisher unsichtbar war, offenbart sich in der Stimme, Gottes einzigem Sohn, direkt aus dem Herzen des Vaters“ (Joh 1,18 TVB). Jesus sagte: „Mein Vater kennt mein Herz, und ich kenne das Herz meines Vaters“ (Joh 10,14 TPT). „Ich und der Vater sind eines Herzens und eines Sinnes!“ (Joh 10,30 MSG). Das Zeugnis Jesu über seine Sohnschaft wird zur größten Enthüllung des Waisenherzens in der Menschheitsgeschichte. Wenn wir die Evangelien lesen, werden wir ständig mit dem Kontrast zwischen dem Herzen eines Sohnes und dem Herzen einer Waise konfrontiert. Die religiösen Führer mit dem Waisenherz verachteten die Vertrautheit, die Jesus mit seinem Vater genoss. Am schockierendsten ist, dass dieser herrliche eingeborene Sohn Gottes beschließt, alle, die an ihn glauben, auf denselben Status als „Söhne Gottes“ zu erheben. In der Bergpredigt sagte Jesus: „Glückselig die Friedensstifter, denn sie werden Söhne Gottes heißen“ (Mt 5,9 ELB). Etwas später in dieser Predigt sagte er: „… damit ihr Söhne eures Vaters seid, der in den Himmeln ist!“ (Mt 5,45 ELB). Das ist schockierend! Wir wurden in dem Moment zu Söhnen und Töchtern, als wir wiedergeboren wurden. Paulus erklärte ohne Scheu: „… ihr alle seid Söhne Gottes durch den Glauben in Christus Jesus.“ (Gal 3,26 ELB). Paulus pries unsere Vereinigung mit Christus und unseren herrlich erhöhten Status. „Der Geist selbst bestätigt unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind. Und wenn (wir) Kinder (sind), dann (sind wir) auch Erben, und zwar Erben Gottes und Miterben des Messias“ (Röm 8,16-17). 18


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Der Verfasser des Hebräerbriefes sagte: „So haben nun Jesus und alle, die er heiligt, denselben Vater. Deshalb schämt sich Jesus nicht, sie seine Brüder zu nennen“ (Hebr 2,11 NLB). Johannes pries in ähnlicher Weise unsere neue Identität als Söhne und Töchter Gottes. „Bedenkt doch, welche überfließende Liebe der Vater uns entgegengebracht hat – er nennt uns Kinder Gottes! Es ist wahr; wir sind seine geliebten Kinder. Und so wie die Welt ihn nicht erkannt hat, erkennt sie auch uns nicht. Meine Lieben, wir sind in Gottes Familie aufgenommen worden und sind jetzt offiziell seine Kinder“ (1 Joh 3,1-2 TVB). Wir können unsere Annahme bzw. Adoption als Söhne und Töchter von ganzem Herzen feiern, aber wir müssen uns der anderen schockierenden Wahrheit stellen: Das alte Waisenherz verweilt noch lange in den Herzen derer, die die Wiedergeburt erlebt haben. Paulus lehrte, dass der alte „Waisengeist“ bei der Wiedergeburt aus dem Herzen jedes wiedergeborenen Gläubigen herausgerissen wurde. „Welche sich vom Geist Gottes führen lassen, die sind nämlich Söhne und Töchter Gottes. Ihr habt ja keinen Geist der Versklavung bekommen, wieder auf Angst hin, ihr habt vielmehr einen Geist der Kindschaft bekommen, in dem wir rufen: „Papa! Vater!“ (Röm 8,1415). Gott hat deinen Geist adoptiert. Er ist der „Vater unserer Geister!“ (Hebr 12,9 NLT). Dein Geist wurde mit dem Geist des Sohnes Gottes verschmolzen. „Wer sich aber mit dem Herrn verbindet, ist ein Geist (mit ihm)“ (1 Kor 6,17). „Weil ihr aber Söhne und Töchter seid, hat Gott den Geist seines Sohnes in unsere Herzen gesandt, der laut ruft: „Papa! Vater!“ (Gal 4,6). „Der Geist selbst bestätigt unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind“ (Röm 8,16). Dennoch besteht das alte Waisenherz fort – durch tief verwurzeltes Waisendenken (den nicht erneuerten Verstand) sowie anhaltende Waisengefühle (die ungeheilten Emotionen) und Waisenentscheidungen (den ungeheiligten Willen). In uns allen tobt weiterhin der Kampf zwischen dem alten Waisenherz und dem sich aufgrund unserer Erfahrung entwickelnden Herz der Sohnschaft. Das Wirken des Geistes besteht darin, „uns dem Bild des Sohnes anzupassen“. Paulus schrieb: „Denn welche er im Voraus erkennt, die bestimmt er auch im Voraus dazu, dem Bild seines Sohnes gleichgestaltet zu sein, damit er der Erstgeborene unter vielen Geschwistern sei“ (Röm 8,29). Die Wiedergeburt ist nur der erste Schritt, wenn auch der bedeutendste. Die fortschreitende Verwandlung 19


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der Seele (Verstand, Wille und Gefühle) wird zum Schlachtfeld zwischen dem Fortbestehen der alten Waisen-Gewohnheiten und dem Hervorkommen des Herzens des reifen, geliebten Sohnes bzw. der reifen, geliebten Tochter. Für die meisten von uns stimmt unsere Erfahrung der Sohnschaft nicht mit der Tatsache unserer Sohnschaft überein. Wir handeln weiterhin aus einem Waisenherz heraus, getrieben von altem Waisendenken, alten Waisengefühlen und alten Waisenentscheidungen. Dies sind die drei Konfliktbereiche zwischen unserer Identität als neue Schöpfung und unseren alten Gewohnheiten, Denkmustern und Entscheidungen. Wir verbringen den Rest unseres Lebens damit, aufzuholen, wer bzw. was wir als neue Geschöpfe in Christus bereits geworden sind. Hier lädt uns die Sprache vom Waisenherz im Gegensatz zur Sohnschaft in eine Welt reichhaltiger geistlicher Erkenntnisse ein. Wenn wir uns auf den Prozess vom Waisenkind zum geliebten, reifen Sohn einlassen, müssen wir dem Heiligen Geist erlauben, Waisenverhalten und Waisendenken in unserem Leben aufzudecken. Alles in unserem Leben, was nicht „dem Bild des Sohnes entspricht“, wird zum Ziel geistlicher Entwicklung. Als apostolischer Pastor konzentrierte sich Paulus intensiv auf dieses Thema der Angleichung an die Sohnschaft Jesu. Es stand im Mittelpunkt seiner pastoralen Mission. Für viele in der Gemeinde war es nebensächlich, aber für Paulus stand es im Vordergrund. Er hatte seine liebe Not mit denen, die das Reich Gottes aus einem alten Waisenherzen heraus vorantreiben wollten. Es stimmt, dass es einige gibt, die Christus aus Konkurrenzdenken und Streitlust predigen, denn sie sind neidisch darauf, wie Gott mich gebraucht hat. Viele andere haben reinere Motive – sie predigen mit Gnade und Liebe im Herzen, weil sie wissen, dass ich dazu bestimmt bin, die Offenbarung Gottes zu verteidigen. Diejenigen, die Christus aus Ehrgeiz und Konkurrenzdenken predigen, sind unaufrichtig – sie wollen mir nur die Strapazen meiner Gefangenschaft noch erschweren. Doch trotz alledem bin ich überglücklich! Denn was macht das schon, solange Christus gepredigt wird? Ob sie ihn nun aus fragwürdigen Motiven oder aus echter Liebe predigen – die Botschaft Christi wird dennoch verkündet (Phil 1,15-18 TPT). 20


Ich lasse euch nicht als Waisen zurück!

Neid, Rivalität, Unaufrichtigkeit und egoistischer Ehrgeiz! Paulus hielt es für notwendig, die unreinen Motive derer aufzudecken, die eifersüchtig auf ihn waren. Ein Geist des Wettbewerbs trieb diese Prediger an, als sie sich mit Paulus’ Erfolg verglichen. Wie so oft trifft die Übertragung „The Message Bible“ den Kern des Textes, indem sie die konkurrierenden Motive bestimmter Prediger offenlegt, die Paulus „aus dem Weg“ haben wollten, um ihre persönlichen Ambitionen auf Prominenz und Sichtbarkeit in der Gemeinde voranzutreiben. Es stimmt, dass einige hier Christus predigen, weil sie glauben, dass sie, wenn ich aus dem Weg bin, direkt ins Rampenlicht treten können. Aber die anderen tun es mit dem besten Herzen der Welt. Die eine Gruppe ist von reiner Liebe motiviert, da sie weiß, dass ich hier bin, um die Botschaft zu verteidigen, und helfen will. Die anderen sind, jetzt, wo ich aus dem Bild bin, einfach nur gierig und hoffen, etwas für sich selbst daraus zu schlagen. Ihre Motive sind schlecht. Sie sehen mich als Konkurrenz, und je schlechter es mir geht, desto besser – so denken sie – für sie. Wie soll ich also reagieren? Ich habe beschlossen, dass mir ihre Motive wirklich egal sind, ob sie nun fragwürdig, schlecht oder gleichgültig sind. Jedes Mal, wenn einer von ihnen den Mund aufmacht, wird Christus verkündet, also sporne ich sie einfach an! (Phil 1,15-18 MSG). Dennoch waren diese Prediger von einem Waisenherzen getrieben. Sie waren damit beschäftigt, sich mit Paulus zu vergleichen, weil sie den Ehrgeiz hatten, als ihm überlegen anerkannt zu werden. Paulus hatte in der Gemeinde endlos mit geistlichen Waisen zu tun. „Wir stellen uns nicht auf eine Stufe mit denen, die damit prahlen, sie seien uns überlegen. Das würden wir uns nicht trauen. Aber bei all diesem Vergleichen, Bewerten und Wetteifern verfehlen sie völlig den Punkt“ (2 Kor 10,12 MSG). Verschiedene Übersetzungen werfen weiteres Licht auf diesen Wahnzustand. „Ach, keine Sorge; wir würden es nicht wagen zu behaupten, wir seien so großartig wie diese anderen Männer, die dir erzählen, wie wichtig sie sind! Aber sie vergleichen sich nur untereinander und nehmen sich selbst als Maßstab. Wie ignorant!“ (NLT). Ehrgeiz und das fehlgeleitete Streben nach Prominenz und Sichtbarkeit sind die Frucht eines Waisenherzens. Der entscheidende 21


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Punkt ist unsere Erfahrung der Liebe des Vaters. Da wir die innige Berührung seiner Liebe nicht erfahren, bleiben wir in unserem alten Waisenzustand tiefer Unsicherheit im Innersten unseres Wesens. Johannes sagte: „Liebt nicht die Welt und auch nichts in der Welt! Wenn jemand die Welt liebt, ist die Liebe des Vaters nicht in ihm“ (1 Joh 2,15). „Wer die verdorbenen Wege der Welt liebt, in dem wohnt die Liebe des Vaters nicht“ (TVB). Das Fehlen der Erfahrung der verwandelnden Liebe unseres wunderbaren Vaters führt dazu, dass wir versuchen, unsere Bedürfnisse durch die Dinge dieser Welt und die Wege dieser Welt zu stillen. Wir handeln dann nach dem Drehbuch des Waisenkindes, getrieben von einem Meer unerfüllter Bedürfnisse. Nur die Liebe des Vaters kann jedes geistliche Bedürfnis stillen und uns von der Unsicherheit befreien, die so viele Gläubige antreibt. Das Paradigma von Waise und Sohn entspricht dem Paradigma von Torheit und Weisheit bei Salomo. Wie bei Salomos altem Paradigma repräsentiert die Gegenüberstellung dieser beiden Ausdrucksformen menschlicher Erfahrung ein Spektrum an Verhaltensweisen und Gedanken. Sie erstrecken sich von extremen Ausprägungen des Waisenherzens bis hin zu extremen Ausprägungen reifer Sohnschaft (siehe Jesus), mit jeder erfassbaren Abstufung dazwischen! Wie beim Paradigma von Weisheit und Torheit gehen wir hier in groben Zügen vor. Die Begriffe „Waisen“ und „Söhne“ sind allgemeine Begriffe, aber sie sind auch äußerst hilfreich, um die Herzensreise des Gläubigen zu definieren. Wir alle befinden uns auf einer Reise vom Waisenkind zum Sohn, genauso wie wir uns auf einer Reise von der Torheit zur Weisheit befinden. Die Angleichung an das Bild Jesu, des Sohnes, ist eine lebenslange Reise, auf der wir uns immer mehr von den Zwängen des alten Waisenherzens befreien. Gott entwurzelt nach und nach jedes Muster des alten Denkens, Fühlens und Entscheidens der Waise, bis wir reife Söhne und Töchter sind. In vielerlei Hinsicht überlagert und umfasst das Waise-SohnParadigma das Töricht-Weise-Paradigma. Betrachte es als eine sprachliche Weiterentwicklung, da wir uns nun an der Theologie des Neuen Testaments und der Offenbarung Christi als Sohn Gottes ausrichten. Schon im alten Buch der Sprüche gab es eine Gegenüberstellung zwischen dem weisen und dem törichten Sohn: „Ein weiser Sohn erfreut den Vater, aber ein törichter Sohn ist der Kummer seiner Mutter“ (Spr 10,1 ELB). „Ein verständiger Sohn hört, wenn er 22


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zurechtgewiesen wird, doch der Spötter hört nicht auf Ermahnung“ (Spr 13,1). „Ein unvernünftiger Sohn ist ein Unglück für seinen Vater“ (Spr 19,13 NLB). Wie sieht das aus, wenn wir vom Alten zum Neuen Testament übergehen? Die hervorkommenden Söhne und Töchter Gottes zeigen Gottes Weisheit, während die Waisen weiterhin in ihrer Torheit umhertaumeln. Jesus sagte: „Die Weisheit (Gottes) wird aber bestätigt von ihren Kindern“ (Mt 11,19b). „Gottes Weisheit wird sichtbar in denen wohnen, die sie annehmen“ (TPT). Die reifen Söhne und Töchter der Weisheit verkörpern die Weisheit Gottes, während die Söhne und Töchter der Torheit öffentlich als Narren entlarvt werden. „Narren sind dafür bekannt, ihre Fehler zu wiederholen!“ (Spr 26,11 TPT). „Narren verspotten die Notwendigkeit der Buße!“ (Spr 14,9 TPT). „Selbstbewusste Besserwisser werden sich als Narren erweisen“ (Spr 28,26 MSG). „Nur Narren sagen sich: ‚Es gibt keinen Gott‘“ (Ps 14,1 NLB). Im krassen Gegensatz dazu ist Christus, in den Worten des Paulus, „Gottes Weisheit“ (1 Kor 1,24). Er verkörpert die göttliche Weisheit. Unsere Angleichung an das Bild Christi als des geliebten Sohnes ist eine fortschreitende Angleichung an Gottes Weisheit.

Söhne reifer Liebe Das Herz des Vaters zu kennen und seine verwandelnde Liebe zu erfahren, wird zum Schlüssel, um die Reise vom Waisenkind zum Sohn anzutreten. Wir sprechen hier von einer zutiefst erfahrungsbasierten Reise. An dieser geistlichen Expedition in das Vaterherz Gottes ist nichts Abstraktes oder Theoretisches. Jeder Schritt vorwärts in die reife Sohnschaft hinein ist konkret, solide und messbar. Dieses Buch zielt darauf ab, diese Reise durch eine Reihe theologischer Blickwinkel nachzuzeichnen, die alle fest in biblischen Themen und Texten verankert sind. Die Angleichung an das Bild des Sohnes zeigt sich in unserer Entwicklung von einem Zustand völligen Verwaistseins hin zu reifen, geliebten Söhnen und Töchtern und schließlich zu geistlichen Vätern und Müttern. Paulus sagte, dass wir alle heranreifen, „bis wir alle hinkommen in die Einheit des Glaubens und der klaren Erkenntnis des Sohnes Gottes, in (die Reife) eines erwachsenen Menschen, in das Maß der vollen Lebensgröße des Messias“ (Eph 4,13). 23


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Die Wahrheit ist: Jesus ist der einzige vollkommen reife Sohn! Reife misst sich an der Liebe. Paulus sagte: „Liebe wird zum Kennzeichen wahrer Reife“ (Kol 3,14 TPT). Jesus wurde von seinem Vater zutiefst geliebt, und er lebte in der Fülle dieser Erfahrung. Johannes der Täufer verkündete: „Der Vater liebt den Sohn und hat alles in seine Hand gegeben“ (Joh 3,35). Jesus bekräftigte diese Aussage und sagte: „Der Vater liebt ja den Sohn und zeigt ihm alles, was er tut“ (Joh 5,20). Wir vervollkommnen die Liebe nur dadurch, dass wir geliebt werden. Wie können wir in der Liebe wachsen, wenn wir uns nicht geliebt fühlen? Johannes sagte: „Wir lieben, weil er uns als Erster geliebt hat“ (1 Joh 4,19) Jesus hat den außergewöhnlichsten Plan und das außergewöhnlichste Ziel für unser Leben. Er flüstert unseren Herzen zu, dass er seine Pläne für uns kennt. „‚Denn ich weiß ja, was ich mit euch vorhabe‘, spricht Jahwe. ‚Ich habe Frieden für euch im Sinn und kein Unheil. Ich werde euch Zukunft schenken und Hoffnung geben‘“ (Jer 29,11). Jesus nimmt jedes Waisenkind auf und nimmt es dann mit auf eine Reise. Er führt es zum Haus seines Vaters, wo das Waisenkind ein Zuhause findet. Er überschüttet jedes geistliche Waisenkind mit Liebe, bis seine Liebe einen Weg in dessen Herz findet. Wenn eine Waise sich zum ersten Mal sicher fühlt, öffnet sie ihr Herz für Gott als Vater, und Vertrauen und Verbundenheit beginnen sich zu entwickeln. Doch das ist erst der Anfang der Reise. Wenn wir unsere Herzen weiter für den Plan Jesu öffnen, vertieft sich die Liebe des Vaters und wir finden uns auf einer Reise unglaublicher Verwandlung wieder, während wir in der Liebe reifen. Wenn wir uns auf Jesu Weg einlassen, wird er uns bis zur Reife als geliebte Söhne und Töchter führen. Ein reifer Sohn wird zu einem geistlichen Vater, und eine reife Tochter wird zu einer geistlichen Mutter für viele. Diesen reifen geistlichen Vätern und Müttern wird die Gnade geschenkt, das Herz des Vaters für die Welt zu tragen. Sie werden von einem liebenden Vater mit Aufträgen betraut, um im Leben anderer Menschen eine mächtige Verwandlung zu bewirken. Und so breitet sich das Reich Gottes auf der Erde aus. Das konkrete Ziel des christlichen Lebens ist das Streben nach dem, was Henry Nouwen „Das Leben des Geliebten“ nannte. Das ist ein Leben, das so tief von der Liebe des Vaters durchdrungen ist, dass ein reifer Sohn oder eine reife Tochter beginnt, Liebe aus jeder Pore 24


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ihrer Haut abzusondern. Es ist eine transformative Reise in die Liebe. Ich lade dich ein, dich uns auf dieser Reise anzuschließen, wenn wir nun die vielen Dimensionen der Verwandlung unseres Herzens von der Waise zum reifen Sohn erkunden. Wir können voller Zuversicht feiern, dass Jesus verkündet: „Ich lasse euch nicht als Waisen zurück, ich komme zu euch“ (Joh 14,18). Er ist gekommen, um uns aus dem Gefängnis des alten Waisenherzens zu befreien und uns „zur herrlichen Freiheit der Kinder Gottes“ (Röm 8,21) zu führen.

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