356635

Page 1


Unsere Reise ins Übernatürliche

Lass dich mitnehmen an himmlische Orte und begegne dem Feuer Gottes

1. Auflage 2024

© 2024 Doris und Karl-Heinz Müller

© 2024 GloryWorld-Medien, Xanten, Germany, www.gloryworld.de Alle Rechte vorbehalten

Bibelzitate sind, falls nicht anders gekennzeichnet, der Schlachter Bibel in der Fassung von 2000 entnommen. Weitere Bibelübersetzung: Lutherbibel, Revidierte Fassung von 2017 (LUT).

Das Buch folgt den Regeln der Deutschen Rechtschreibreform. Die Bibelzitate wurden diesen Rechtschreibregeln angepasst

Lektorat: Klaudia Wagner

Satz: Manfred Mayer

Umschlaggestaltung: Jens Neuhaus, www.7dinge de Umschlagmotiv: Pixelio (A. Rausch)

Printed in the EU

ISBN: 978-3-95578-635-9

Bestellnummer: 356635

Erhältlich beim Verlag: GloryWorld-Medien Beit-Sahour-Str. 4

D-46509 Xanten

Tel.: 02801-9854003

Fax: 02801-9854004

info@gloryworld de www.gloryworld.de oder in jeder Buchhandlung

Vorwort von Markus Egli

Eure glaubwürdigen, offensichtlich verbürgten Beschreibungen der Reise ins Übernatürliche, lieber Karl-Heinz und liebe Doris, berühren auf ungewöhnlich markante Weise das Herz. Nach meiner Wahrnehmung tippt ihr damit das schöpferisch angelegte Realitätsbewusstsein Gottes und seiner herrlichen Welt in uns Menschen an, ohne dies explizit zu beabsichtigen. Es ist fast eigenartig, wie beim Lesen die uralte Sehnsucht nach einem ganzheitlichen Leben mit Vater, Sohn und Heiligem Geist weiter in Schwingung gerät. Mit anderen Worten gesagt: Ihr beschreibt die bis heute nicht müde gewordene Sehnsucht von Gott selbst nach unmittelbarer, in seinen Augen natürlicher, alltäglicher Gemeinschaft mit seinen Menschen, seinem Volk.

Seit mehr als zehn Jahren kenne ich euch besser, und ihr habt immer geistlichen Hunger ausgedrückt, eine Sehnsucht nach realem Gotteserleben, nach einem Leben mit dem Herrn, und habt dies oft im Gebet genährt, im Suchen seines Willens. Dabei wart ihr für meinen Geschmack extrem vorsichtig, um nicht schwärmerischen Wallungen oder ungeprüften Eingebungen zu folgen. An dieser Stelle von mir ein herzliches „DANKE VIELMALS!“, dass ihr – so typisch Müllers – fast nebenbei auch mich in all den Jahren ab und zu in Bezug auf Prophetisches hinterfragt habt!

Wer euch und eure Herzensmotivationen kennt, einschließlich der Art, wie ihr mit belastenden Situationen umgegangen seid, wird dankbar sein für euren Mut, diese tieferen Erfahrungen weiterzugeben. Deswegen bitte ich euch, dieses Buch für viele zugänglich zu machen, weil nicht nur euer Lebensstil, sondern die Entwicklung eurer geistlichen Reife demütig (nie arrogant),

wahrhaftig und liebevoll im Umgang mit den euch anvertrauten Menschen ist.

Von Herzen empfehle ich dieses Buch!

Markus Egli, Vorstand der ELIA-Bewegung, Leiter der prophetischen Seite von Wächterruf –Gebetsnetz für Deutschland – www.waechterruf.de

Vorwort von Harald Borisch

Wenn ich über das vorliegende Buch von Karl-Heinz und Doris Müller nachdenke, dann erinnert mich der HERR an diesen ersten Tag, als ich Familie Müller kennenlernen durfte. Da zeigte mir der HERR übernatürliche Dinge über diese Familie, die nur er wusste. Dinge, die man nur wissen kann, wenn man diese Familie wirklich in- und auswendig kennt.

Das Buch zu lesen, erinnerte mich auch an übernatürliche Erfahrungen in Israel, als wir gemeinsam unterwegs waren, oder an Auschwitz-Reisen mit Familie Müller, an denen ich teilhaben durfte, sowie an die unzähligen Gespräche und Lobpreis-Zeiten, in denen wir gemeinsam in diese ganz andere geistliche Dimension eintauchten. Und an ihre Fragen: „Wie kann ich Engel sehen? Wie kann ich diese und jene Dinge wahrnehmen?“

Diese Zeiten mit Karl-Heinz und Doris Müller waren und sind immer wieder etwas ganz Besonderes. Und es begeistert mein Herz einfach, zu sehen, wie sie sich nach dem Mehr des Heiligen Geistes ausstrecken, um tiefer in das Übernatürliche einzutauchen.

Wenn ich den Abschnitt über den Segen von Auschwitz lese, dann kommen mir immer wieder die Dinge vor Augen, die ich selbst beim HERRN und mit den Engeln erlebt habe. Es wird beschrieben, wie Engel den ganzen Weg säumen und über die Taten dort herzzerreißend weinen. Jeder von ihnen hat ein Gefäß dabei. Ein anderer Freund schreibt dazu in seinem Buch „Komm höher herauf!“1 von diesen Gefäßen bzw. Phiolen, in denen alle Tränen in der himmlischen Welt gesammelt werden –

1 Markus Herbert, Komm höher herauf! – Visionen vom Berg Zion, dem Garten Eden und dem himmlischen Jerusalem; GloryWorld-Medien 2020.

nicht nur die von Engeln, sondern auch alle Tränen, die wir selbst geweint haben. Das ist gewaltig! Und keine dieser Tränen geht verloren. Wenn Karl-Heinz Müller schreibt: „Überall, wo die Tränen hinkommen, wird der Weg golden“, sage ich dazu: Ja, der HERR wird diese Tränen verwandeln.

Für mich ist es ein großes Vorrecht und ein Geschenk Gottes, Karl-Heinz und Doris Müller sowie ihre ganze Familie kennen zu dürfen. Danke für all die Dinge, die wir gemeinsam erleben durften!

Dies ist ein Buch, das – wenn wir es ernsthaft lesen und hören –aus Gottes Dimension heraus zu uns spricht. Es kann uns helfen, in die Tiefe Gottes einzutauchen, in das Übernatürliche. Es zu lesen ist zugleich ein Ausstrecken nach mehr, um die Dinge des Übernatürlichen mit den inneren Augen wahrzunehmen. Ich vermute, dass es nur der Anfang einer Serie von Büchern ist, die entstehen werden.

Ich kann nur sagen: Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern diese Begegnung mit dem Übernatürlichen, dem Heiligen Geist in uns – oder eben die Erfahrung, wie das Übernatürliche ganz natürlich wird. Dazu Gottes mächtigen Segen!

Harald Borisch dient Gemeinden in Europa im apostolischen Dienst.

Vorwort des Autors

Was der Leser hier in Händen hält, könnte man als geistlichen Reiseblog bezeichnen. Es sind schlaglichtartige Erfahrungen der letzten paar Jahre, die meine Frau und ich machen durften. Es erschien uns ein ums andere Mal wie die Reise auf einen anderen Kontinent. Staunend schauten wir Ungeahntes und vollkommen Neues, hatten nicht erwartet, dass solches existiert – noch weniger, dass wir Anteil daran haben würden. Doch das allein wäre nur bedingt wert, berichtet zu werden. Es wäre lediglich der Bericht einer persönlichen Horizont-Erweiterung geworden.

Spannend wird es für den Leser erst, wenn er sich von den einzelnen Touren der Reise inspirieren lässt und selbst aufbricht. Dazu will dieser „Reiseblog“ einladen. Jeder, der aufbricht, wird auf Pfaden, die zu ihm passen, seine eigenen Wege gehen; und unser HERR Jesus Christus wird ihn auf diesen Pfaden führen. Ziel ist es, im Gespräch mit Jesus jeweils eigene „Reiseerfahrungen “ zu machen. Dabei werden ganz sicher auch noch Horizonte und Entdeckungen auftauchen, die wir heute noch nicht ahnen. Ich glaube, dass wir in einer Zeit leben, in der Jesus seine Nachfolger in diese neuen Dimensionen hineinlockt. Es scheint wie eine Vorbereitung auf das zu sein, was kommt.

Danken möchte ich an dieser Stelle zuerst meiner Frau Doris, ohne deren Unterstützung, wohlwollende Begleitung und Liebe diese Reise nicht möglich gewesen wäre. Auch wenn wir vieles gemeinsam erlebt haben, bleiben doch individuelle Unterschiedlichkeiten. Gott ist unendlich kreativ und hat jeden von uns zu einem Original gemacht.

Danken möchte ich auch unseren Kindern, Schwiegerkindern und meiner Schwägerin, haben sie doch unsere zunehmenden

neuen Erfahrungen mit uns ausgehalten und sich selbst jeweils auf eigene Weise inspirieren lassen. Ihr seid die Besten!!

Jetzt wünschen wir jeder Leserin und jedem Leser, dass er bzw. sie neue Gottes-Erfahrungen macht, die gerne noch weit über das hinausgehen dürfen, was wir bisher erlebt haben.

Die Reise ist noch nicht zu Ende, sie hat gerade erst begonnen!

Karl-Heinz Müller mit Doris

Kapitel 1

Reisevorbereitungen

Irgendwann hat die Reise begonnen. Wenn man eine Reise macht, ist es gut, sich beizeiten Gedanken zu machen, was man mitnehmen will. Bei meinen Eltern stand in diesem Fall immer schon eine Woche vor der Abreise der Koffer in einer Ecke und füllte sich nach und nach. Bei der Reise von meiner Frau Doris und mir handelt es sich um einen langen Lebensweg, der uns auf einer Vielzahl von Schritten dorthin brachte, wo wir jetzt stehen. Und doch waren wir dann, als es so weit war, erstaunt, wie alles gekommen ist. Damit der Leser diese Reise besser nachvollziehen kann, hier ein kleiner Auftakt.

Geboren sind wir 1954 (ich) und 1955 (Doris), aufgewachsen in sogenannten gutbürgerlichen Verhältnissen. Beide waren wir von Anfang an mit der evangelischen Kirche in Kontakt. Wir wurden als Kinder getauft und unsere Eltern hatten eine lockere bis intensive Verbindung zur Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Auch wenn wir uns damals noch nicht kannten, verliefen unsere Wege ähnlich: Kinderkirche, Jungschar, Mitarbeit in der Jugendarbeit, Orgelspiel und/oder Posaunenchor. Jeder von uns begegnete auf diesem Weg Jesus und traf eine erste Entscheidung für ihn. Dieser sollten dann noch viele andere folgen. Unser Weg führte uns beide in die Ausbildung als Diakon(in) auf der Karlshöhe in Ludwigsburg. Dort lernten wir uns kennen – und blieben zusammen. Im Laufe unseres Lebenswegs wurden uns vier Kinder geschenkt, die wir heute noch als Geschenke betrachten und über die wir uns freuen.

Was sich so glatt und geradlinig liest, gestaltete sich oft ganz anders. Das Leben verläuft immer in Kurven, Brüchen und Herausforderungen. Das gilt auch für unsere geistlichen Lebenswege. Wer weiß schon am Anfang, welche Wege der HERR einen im Laufe der Jahre führen wird? Gut ist, dass unser Vater im Himmel immer wieder Impulse einstreut und uns Dinge entdecken lässt, die wir überhaupt nicht auf unserem Plan haben. So waren die Themen des Heiligen Geistes am Anfang unseres Glaubens ganz sicher nicht präsent, ja, tatsächlich traten sie erst weit nach unserer Ausbildung – also Mitte unserer ZwanzigerJahre – in unseren Fokus. Wir entdeckten die Erfüllung mit dem Heiligen Geist und die Geistesgaben einschließlich des Sprachengebets. Das Sprachengebet war uns dabei so neu, fremd und faszinierend, dass wir es getrennt voneinander sicherlich gut ein Jahr jeder für sich praktizierten, bis wir uns auch ein Herz nahmen, es gemeinsam zu tun. Welche Befreiung!

War unser Glaube am Anfang stark auf Jesus ausgerichtet, so brachte der Vater im Himmel im Laufe der Jahre auch andere Akzente der Dreieinigkeit in unseren Fokus: Die Liebe des Vaters oder auch die Intimität des Heiligen Geistes. Themen wie innere Heilung und Wiederherstellung erlebten wir am eigenen Leib; auch Befreiung war uns nicht fremd. Das alles gaben wir an Freunde und die Gemeinde weiter und erlebten, wie der Vater mit uns weiterging. In dieser Zeit waren wir in der GGE (Geistlichen Gemeindeerneuerung in Deutschland) verwurzelt, der wir viele Impulse verdanken. Doris war 1995 Teil einer Versöhnungsreise nach Wolgograd (Stalingrad) zum 50-jährigen Kriegsende; eine nachhaltige Erfahrung.

2004 bekamen wir Kontakt zum Gebetshaus in Jerusalem, dem sogenannten „Vaterhaus“ auf dem Ölberg, von der Jerusalemgemeinde Berlin geleitet. Wir besuchten es mit Gruppen und erlebten immer wieder, wie Israel unseren Glauben gleichermaßen bereicherte und in Frage stellte. Wir entdeckten, wie sehr Israel mit der Gemeinde verbunden ist – oder besser, die Gemeinde mit Israel. Das 21. Kapitel der Offenbarung macht hier eine Tür auf, die uns alle nur immer wieder staunen lässt. Kommen wir

doch alle ohne Israel nicht in den Himmel (s. Offenbarung 21,12 ff.). Und das ist durchaus wörtlich gemeint!

Das also war alles in unserem Reisekoffer, als wir einen Mann kennenlernten, der unsere Reise gleichsam auf einen „neuen Kontinent“ bringen sollte. Sein Name: Harald Borisch. Über Freunde hatten wir von ihm gehört, Vorträge von ihm online angehört und ihn dann eingeladen.

Die eigentliche Reise beginnt

Anfang 2020 begann die Zeit meiner Rente. Wir konnten unsere langjährige Gemeindeverantwortung in gute Hände legen und machten zwei Dinge: Zum einen legten wir ein Sabbatjahr in Bezug auf jegliche Gemeinde- und Leitungsverantwortung ein. Das war, wie sich im Nachhinein herausstellte, eine wirklich gute Entscheidung. Zum anderen machten wir Gott einen Vorschlag, der lautete: „HERR, für die Jahre, die noch vor uns liegen, wollen wir in alles hineinwachsen, was du noch für uns bereithältst.“ – Wir hatten keine Ahnung, was da auf uns zukommen würde, aber wir wollen es nicht missen, trotz mancher schmerzlicher Erfahrungen, die damit (auch) verbunden waren. Etwa nach einem halben Jahr stellte sich in uns eine Frage, von der wir heute nicht mehr sagen können, wo sie eigentlich herkam. Die Frage hieß: „Setzt die Zugehörigkeit zu einer bestehenden Gruppe oder Kirche dem Grenzen, wohin wir geistlich wachsen können?“ Schon bei flüchtiger Betrachtung ist klar, dass die Frage brisant ist. Denn beantwortet man sie mit Ja, dann dürfte niemand irgendwo dazugehören. Alle Gruppen und Gemeinden wären damit in Frage gestellt. Vielleicht liegt die Antwort auch nicht in einem absoluten Ja, sondern einfach darin, uns sensibel für Begrenzungen oder Abhängigkeiten der Gruppen und Kirchen zu machen, zu denen wir gehören. Man könnte es mit einem Großfamilientreffen vergleichen: Hier wird schnell klar, dass es in jedem Familienverband Themen gibt, die man ansprechen darf oder eben ausklammert, weil die Inhalte heikel bzw. nicht erwünscht sind. Sucht man eine geistliche

Parallele, dann findet man sie am ehesten bei Abraham und der Aufforderung, aus allem „Väterlichen“ auszuziehen, dorthin, wohin der HERR ihn leitet. Auch Paulus schlägt in Philipper 3,13-14 diesen Ton an:

Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was vor mir liegt, und jage auf das Ziel zu, den Kampfpreis der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus.

Die Lebensumstände, aus denen wir kommen, haben also immer nur eine zeitlich begrenzte Bedeutung, und wir sollen ergreifen, was Christus für uns bereit hat. Oft sehen wir das nicht so und wollen um jeden Preis bewahren, was wir schon zu haben meinen. Ein weites Feld zum Nachdenken.

Diesen Gedanken der geistlichen Begrenzung durch die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe diskutierten wir mit einigen Freunden. Oder eigentlich wollten wir es diskutieren, aber zu unserer Überraschung bekamen wir auf unsere Frage ein schlichtes „Ja“ als Antwort. Da gab es keine Rückfragen: Wie meint ihr das? Oder: Wie kommt ihr auf eine solche Idee? Die Antwort auf die Frage schien ihnen so einfach und klar, dass wir erst einmal sprachlos waren. Langsam formte sich in uns ein Gedanke, den zuzulassen uns schwerfiel: Will der HERR möglicherweise, dass wir aus unserer Kirche austreten? Die Zugehörigkeit zu unserer evangelischen Kirche war für uns ja nicht wie die Zugehörigkeit zu einem Sportverein, wo man möglicherweise nach Jahren eben mal die Sportart wechselt. Schlicht gesagt, war das über 40 bis 50 Jahre unser Leben gewesen, persönlich sowie auch beruflich, und das legt man nicht ab, nur weil man in Rente geht. Trotzdem hat uns dieser Gedanke nicht mehr losgelassen. Könnte es sein, dass das ein Schritt auf unserem weiteren Weg mit Gott ist? Kann das der Vater wirklich von uns wollen? Grundsätzlich ist der Gedanke ja nicht fremd. 50 Jahre und mehr in der Kirche, in der wir auch hauptberuflich gearbeitet hatten – da hätte es im Laufe der Jahre viele äußere Gründe gegeben, die Kirche möglicherweise zu verlassen, weil die Umstände so abstrus oder ärgerlich waren, dass einem so

ein Gedanke schon kommen konnte. Aber dass der HERR uns nun möglicherweise selbst dazu aufforderte, war eine echte Herausforderung …

Anfang November 2020 ereigneten sich zwei Dinge, die diesen Gedanken weiter reifen ließen. In einer Lobpreiszeit mit meiner Frau stellte sie plötzlich die Frage: „Steht der Satz: ‚Er führte mich hinaus ins Weite‘ eigentlich in der Bibel?“ Ich meinte, ja – und gemeinsam fanden wir wenigstens zwei Stellen, die das bestätigten:

Er führte mich hinaus ins Weite, er riss mich heraus; denn er hatte Lust zu mir (Psalm 18,20).

Und in Samuel 20,22 betet David das ein zweites Mal in einem Danklied.

Am Tag nach dieser Entdeckung reisten wir ins Gebetshaus nach Auschwitz, das von Mark und Cathy Warwick geleitet wird. Als wir dort den Gebetsraum betraten, ging meine Frau zum Klavier und schlug ihr Liederbuch an beliebiger Stelle auf. Vor ihr lag dieses Lied von Matthias Schyra. Im Refrain heißt es:

Weites Land

Ich kann die Freiheit spüren

Die Dein Geist gibt

Ich nehme Deine Hand

Und lass mich führen von Dir

Auf gutem Weg in Dein verheißenes Land

Für uns war das mehr als ein deutlicher Fingerzeig, hatten wir doch noch das Wort vom Vortag im Ohr: „Du führst mich hinaus ins Weite.“ So sind wir dann Ende 2020 aus der Evangelischen Kirche ausgetreten, zu der wir bis dahin unser ganzes Leben lang gehört hatten, die uns Heimat war und unser Zuhause. Ausgetreten sind wir nicht, weil wir unsere Kirche schlecht finden oder des Verwerfens wert, sondern einfach, weil wir dem HERRN folgen wollten, wenn auch mit einem etwas zitternden Herzen, denn solche Entscheidungen trifft man nicht einfach so nebenbei. Aber der HERR hat es gut mit uns gemeint.

Zwei Wochen nach unserem Austritt waren wir auf einem geistlichen Wochenende. Am Samstagabend gab es eine Segnungszeit, bei der man nicht, wie sonst üblich, sein Anliegen nannte, sondern einfach wartete, was die Segnenden vom HERRN empfingen. Nach etwa fünf Minuten des Hörens sprach mir einer, der segnete, zu: „Atme die Weite!“ – und er fügte hinzu: „Kannst du damit etwas anfangen?“ Ich konnte! Es war ein besonderes Geschenk, dass der HERR unsere unsicheren Schritte im Nachhinein bestätigte. Danke dafür!

Zum ersten Mal Engel

Während unserer Zeit im Gebethaus in Auschwitz im Herbst 2020 sah ich zum ersten Mal Engel. Ein Freund leitete den Lobpreis am Klavier, und während er spielte, sah ich mit offenen Augen den geistlichen Raum über dem Gebetshaus offen. Zuerst war es eine Feuersäule, die vom Himmel in unseren Raum hereinragte. Dann schwebten an dieser Feuersäule Engel auf und ab. Es war eine wunderschöne Szene. Niemals zuvor hatte ich so etwas gesehen. Beim Auf- und Absteigen leckten die Engel an der Feuersäule. Mein Eindruck: Sie ernährten sich von dieser Herrlichkeit, die durch unseren Lobpreis wie befeuert wurde. Das Wort: „Gott wohnt im Lobpreis seines Volkes“ (u. a. in Psalm 22,4) bekam eine völlig neue Bedeutung. Zu meiner Überraschung lagerten sich einige der Engel in unserem Raum außenherum an der Wand. Sie schienen sich in unserem Lobpreis auszuruhen, während andere – und es waren viele – an der Feuersäule seiner Herrlichkeit auf- und abstiegen. Unser Freund spielte unablässig weiter im Lobpreis und ich hoffte inständig, dass er nicht aufhören möge. Ich fürchtete, dass sonst auch die Szene mit den Engeln ein Ende haben würde. Glücklicherweise war er sehr ausdauernd und spielte und spielte. Nach einiger Zeit konnte ich sehen, wie die Engel, die sich ausgeruht hatten, wieder aufstanden und sich in den Reigen der anderen Engel an der Säule der Herrlichkeit wieder einreihten. Es war ein ständiges Auf- und Absteigen zwischen dem

Himmel in unserem Gebetsraum. Irgendwann endete die Szene, wohl weil der Lobpreis zu Ende ging – ich weiß es nicht mehr genau.

Wenn ich die Szene jetzt so geschrieben sehe, in Worte gefasst, dann kommt es mir sehr gewöhnlich vor. Oder anders gesagt: Die Worte können nicht annähernd die Freude, das Staunen und die Herrlichkeit fassen. Es war ein Geschehen, das mir den Mund offenstehen ließ, das Herz schneller schlagen und mich sprachlos machte. In mir war ein staunendes Stammeln über die Schönheit und Herrlichkeit des Vaters im Himmel und ein ehrfürchtiges Berührtsein, das mich fragen ließ: „Durfte ich das wirklich erleben? Ist das tatsächlich geschehen?“ Ich konnte es kaum fassen!

Die Engel rücken das Geschehen um Auschwitz ins Blickfeld

Tatsächlich war dieses wunderbare Ereignis nicht der Auftakt regelmäßiger Erfahrungen. Man hätte erwarten können, dass dies die Freisetzung einer neuen Dimension gewesen sei, sodass Engel jetzt zum Alltag gehörten, zumindest alle paar Wochen einmal. Leider war es nicht so, und die Engel blieben in meiner Wahrnehmung für ein gutes Jahr abwesend.

Im November 2021 waren wir wieder im Gebetshaus in Auschwitz. Und zu meiner Verblüffung – oder auch heimlichen Erwartung –, durfte ich Neues mit den Engeln erleben.

Bevor ich dazu komme, ein kleiner, aber wichtiger Einschub: Auch wenn hier und im weiteren Verlauf viel von Engeln die Rede ist, sind sie nie ohne Vater, Sohn und Heiligen Geist gedacht. Das ist nicht einfach eine Floskel, sondern ein überaus wichtiges und tiefes Geschehen. Die Engel wahrzunehmen und zu erleben, schüttet fast automatisch die unglaubliche Liebe des Vaters in mein Herz aus. Es lässt mich staunen und mein Herz wegen Gottes Größe und Schönheit hüpfen, wegen seiner unglaublichen Gnade, uns, seine Kinder, mit seiner himmlischen Wirklichkeit in Berührung zu bringen. All meine Erfahrungen mit Engeln –

Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook
Issuu converts static files into: digital portfolios, online yearbooks, online catalogs, digital photo albums and more. Sign up and create your flipbook.