Für meine Mutter, die mir vorgelebt hat, was Hingabe bedeutet
Für dich, der du hungrig bist nach mehr von Gott.
Du bist berufen zu einer Herzensbeziehung mit deinem Schöpfer!
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Für meine Mutter, die mir vorgelebt hat, was Hingabe bedeutet
Für dich, der du hungrig bist nach mehr von Gott.
Du bist berufen zu einer Herzensbeziehung mit deinem Schöpfer!
Als ich vor Kurzem in der Fürbitte war, empfing ich vor meinen inneren Augen ein „Bild“. Ich sah, wie Jesus sich und einen dieser „Geliebten Gottes“1 mit einem goldenen Band „verknüpfte“.
Ich schaute mir dieses Band etwas näher an. Es schien mir eine Art Sicherung zu sein, wie man sie auch beim Bergwandern benutzt, um z. B. Kinder auf schmalen Pfaden an steilen Abhängen zu sichern. Doch das Band war sehr kurz, sodass der Geliebte Gottes ganz nah bei Jesus laufen musste Er konnte den Herrn mit der Hand berühren, so dicht war er ihm auf den Fersen.
Dann „zoomte“ ich meinen Blick näher auf das Band, um mir seine Struktur zu betrachten Es war aus unendlich vielen, fein gesponnenen Goldfäden gewoben. Purem Gold – eine herrliche, kunsthandwerkliche Meisterarbeit. Mein Herz war absolut fasziniert von der feinen Schönheit dieses „Bandes“, das so viel mehr zu sein schien als nur ein einfaches Sicherungsseil.
Als ich nun Ruthmaries Buch las, hatte ich immer wieder dieses Bild vor Augen. Nicht nur, dass Jesus uns mit einem starken Band sichert, während wir in diesen herausfordernden Zeiten unsere Pfade finden müssen, sondern wir sind ihm dabei so dicht auf den Fersen, dass wir ihn berühren können. Genau dazu inspirieren Ruthmaries Kapitel auf unvergleichliche Weise. Sie will unser Herz aus der Ebene der Verwirrungen und Ängste herauslocken, sodass es sich ungeteilt dem anvertraut, der unsere einzige und wirkliche Sicherheit ist. ER leitet uns auf diesen Pfaden, die sich eigentlich immer erst dann vor uns auftun, wenn wir sein Herz aufsuchen und ihn berühren.
1 Vgl Teil 3, Kap. 11, Unterpunkt „Vaterherz und Kindschaft“: „Die Passion Translation übersetzt das Wort ‚Gerechter‘ an vielen Stellen mit ‚Geliebter Gottes‘ Ein Gerechter in diesem Sinn ist einer, der sich von Gott geliebt weiß Es ist jemand, der wie der Jünger Johannes sagen kann: Ich bin sein Lieblingsjünger.“
Doch es ist uns noch mehr verheißen als bloße Sicherheit. Folgt man Ruthmarie auf „ihren“ Pfaden durch das Buch und lässt sich von ihrer Sehnsucht nach dem „Mehr“ anstecken, dann führt uns unsere Hingabe in eine so innige Beziehung mit Jesus und dem Vater, dass dieses Liebesband zwischen ihm und uns immer feiner und schöner gewoben wird. Es geht dann nicht länger um uns und darum, unser kleines irdisches Leben irgendwie „auf die Reihe“ zu bekommen. Vielmehr wollen wir ihm den „Lohn seiner Leiden“ zukommen lassen, indem wir ihm von ganzem Herzen unsere Liebe schenken und immer tiefer in die Beziehung mit ihm eintauchen. Seine Gegenwart in unserem Leben wird dadurch zu einer leuchtenden Einladung für andere, sich doch ebenfalls auf die Suche nach diesen Pfaden Gottes zu machen.
Das ist dann auch die allerbeste Grundlage für unsere Beziehungen untereinander In ganz Deutschland (und darüber hinaus) finden sich gerade viele von uns in kleinen Gruppen zusammen. Ruthmarie schreibt von ihrem „Throne-Room-Prayer“, zu dem sie sich im „Thronraum Gottes“ mit anderen Frauen trifft, um gemeinsam IHM zu begegnen, aber auch, um sich gegenseitig auszutauschen und zu ermutigen. Überall entstehen zurzeit diese „Gemeinschaften der Erwartungsvollen“, wie Matthias Hoffmann sie in seinem neuen Buch nennt.2
Irgendwie scheint hier in Deutschland bzw. dem deutschsprachigen Europa gerade alles, was das Reich Gottes anbelangt, auf einen bestimmten Punkt hinauszulaufen. Egal, was man hört oder in die Hände bekommt, alles ist inhaltlich ähnlich, nur von verschiedenen Seiten beleuchtet oder anders ausgedrückt. Alle, die es ernst mit Jesus, dem Vater und dem Heiligen Geist meinen, pochen zurzeit extrem auf die persönliche Beziehung, in der Art, wie Jesus selbst sie mit dem Vater lebt(e) – von Herz zu Herz Nur auf diese Weise kommen wir durch schwierige Zeiten, wenn die weltlichen Systeme ins Wanken geraten. Und dabei werden wir für Erweckung und Ernte vorbereitet. Es ist so spannend!
2 Matthias Hoffmann, Gemeinschaft der Erwartungsvollen, GloryWorld-Medien 2021.
Dabei geht es auch ums Umkehren bzw. darum, damit aufzuhören, auf „beiden Seiten zu hinken“, mit einem Bein in der Welt und mit dem anderen im Reich Gottes. Ruthmarie nennt es das ungeteilte Herz, und das ist definitiv gerade der Fokus unseres Himmelspapas. Nur noch das tun, was wir ihn tun sehen, nur noch sprechen, was wir ihn sagen hören, das ist das Ziel – die absolute Führung des Heiligen Geistes
Die Verwandlung ist gerade wirklich umfassend, eine Metamorphose eben. Wir wollen unsere Identität nur noch in Jesus finden. Darauf läuft es im Moment bei den meisten Autoren wie auch bei Ruthmarie hinaus. Ich bin total begeistert, denn lange Zeit gab es solche kompromisslose Literatur von deutschen Autoren wenig.
Irgendwie greift zurzeit alles dermaßen gut ineinander, wie es nur der Heilige Geist bewirken kann. Es herrscht Aufbruchstimmung mitten in der Abbruchstimmung der uns umgebenden Welt. Da kann man nur jeden einladen, sich diesem Aufbruch anzuschließen!
Damit habe ich nun den Reichtum dieses Buches noch keineswegs ausgeschöpft. Es sind nur Appetithäppchen. Aber wenn wir wollen, können wir uns zusammen mit Ruthmarie aufmachen, die Pfade des Herzensvertrauens zu finden, die der Herr uns HEUTE vorbereitet hat So wie er unsere „Vorväter“ auf ihren Pfaden leitete, so führt er uns auch noch in diesen Tagen – hinein ins Land der Ruhe.
Ruthmarie, deine Bücher werden immer stärker! Vielen Dank für diese Reise in das Herz des Vaters, auf die du uns in diesem Buch mitnimmst! Es war eine Freude und Ehre, daran mitwirken zu dürfen, und absolut inspirierend. Von Herzen kann ich dieses Buch empfehlen
Klaudia Wagner, September 2021
Während ich den Eindruck hatte, dieses Buch schreiben zu sollen, lag das vorherige1 noch beim Verlag und wurde für die Veröffentlichung fertig gemacht. Der Gedanke eines dritten Buches fühlte sich so normal und gleichzeitig sehr befremdlich an, und ich schob ihn erst einmal zur Seite. Doch wenn Gott ein Herz mit seinem Plan füllt, dann lässt es sich kaum aufhalten. Man müsste sich schon mit Gewalt dagegen entscheiden. Und selbst dann … So begann ich also.
Wenn ich schreibe, dann folge ich nicht einem Konzept oder einer eigenen Idee. Es fühlt sich eher so an, als wolle das, was Gott in mich hineingegeben hat, nach draußen, wie bei einem überfließenden Gefäß. Ich weiß noch nicht, was genau herausfließen wird und wie es sich gestaltet Aber ich folge im Vertrauen diesem Fluss der Worte und Bilder, die in mir entstehen.
Es ist jedes Mal das Betreten eines neuen Pfades und eines unbekannten Landes Für die Seele ist es eine Herausforderung. Sie läuft gern auf den bekannten Wegen und empfindet dieses Neue als Zumutung, als müsse sie nun auf dem Wasser laufen. Das fühlt sich nicht immer gut an, sondern oft wie ein Versinken. Deswegen strecke ich meine Hand beim Schreiben ganz besonders stark nach Jesus aus, berge mich in seinem Herzen und in seinem Wort, lese viel in der Bibel und überlasse mich ganz ihm. Denn alles, was ich weitergeben will, soll so rein, wie es mir möglich ist, von seinem Herzen kommen. Und so scheint mir die Dringlichkeit, die ich in diesen Tagen spüre, auch vom Herzen Jesu zu kommen. Ich nehme sein Werben und seine Sehnsucht wahr, unsere Liebe zu wecken. Leidenschaftlich möchte er uns in seine Königskammer ziehen, in die Verborgenheit, wo seine Liebe uns umfängt. Er möchte uns sagen: „Hier bin ich – und will dir zeigen, wer ich bin. Lerne mich kennen – mehr … tiefer … inniger …“
1 Hineni – Hier bin ich!
Ich spüre, wie wichtig es in diesen besonderen Zeiten ist, eine vertrauensvolle Beziehung zu ihm zu haben. Und ich sehe auch, wie trocken sich viele Christen in dieser Hinsicht fühlen. Darum wünscht der Vater sich so sehnlich, dass wir die Quellen finden, die mitten in der Wüste aufbrechen, da, wo wir ihn erkennen. Dort finden wir unsere Sicherheit. Dort findet er unser Herz und gießt sich darin aus. Nichts auf dieser Erde ist erfüllender – darum wünsche ich mir, dass du dich mit mir gemeinsam auf die Reise ins Herz des Vaters machst, um diese Quellen zu entdecken.
Leben im Reich Gottes hat immer etwas mit Wachstum zu tun Doch Wachstum geschieht, du kannst es nicht machen.
Wachstum geschieht, wenn du am richtigen Ort bist, dem Ort der Versorgung, diesem Ort, an dem deine Wurzeln immer tiefer gehen, denn im Reich Gottes geht Wachstum zuallererst in die Tiefe.
In diesem Wachsen in die Tiefe ist uns das Mehr verheißen. Es geht nicht darum, mehr, besser, größer oder stärker zu werden, sondern das Mehr Gottes zu empfangen und uns dann davon verwandeln zu lassen.
Wir alle aber schauen mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn an und werden so verwandelt in dasselbe Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, wie es vom Herrn, dem Geist geschieht (2 Kor 3,18).
Wenn ich „von Herrlichkeit zu Herrlichkeit“ lese, höre ich darin eine Verheißung und will nicht mit dem zufrieden bleiben, wo ich gerade stehe. Vielmehr wird die Sehnsucht in mir zu einer Kraft, die mich voranbringt, sobald ich ihr Raum gebe
Mein Anliegen ist, dass dieses Buch von der Sehnsucht und Leidenschaft Gottes für uns erzählt und von unserer Antwort darauf. Es ist ein Buch für die, die genauso wie ich nach Gott hungern und dürsten, nach seiner Gerechtigkeit. Es soll ein Herzensbuch der Leidenschaft des Vaters sein – geschrieben aus und über Leidenschaft –, das uns in die Lage versetzt, diese Leidenschaft in uns zu empfangen. Es spricht
von der Notwendigkeit, ihn leidenschaftlich zu suchen, ihn mehr und mehr zu kennen und damit in das Land der Ruhe zu kommen.
Mein Volk kommt um aus Mangel an Erkenntnis (Hos 4,6).
Wir brauchen Erkenntnis – eine Erkenntnis Gottes, die uns den Weg zeigt, um in seinen Verheißungen zu leben.
Wir brauchen Erkenntnis über Gottes Herz, um unbeschadet durch die Stürme unseres Lebens zu kommen
Wenn wir das Herz Gottes begreifen, dann wird auch unser Sinn erneuert, sodass wir in das Land gelangen, das uns verheißen ist – das Land der Ruhe
Solange unser Herz nicht mit dem Herzen Gottes verbunden ist, werden wir sein Herz nicht erkennen. Es wird dann immer wieder unser Verstand die Oberhand gewinnen und unser Maß an Glauben und Vertrauen bestimmen.
Corey Russell spricht davon, dass geistliche Leiter dazu berufen sind, Gott zu kennen und sich die Zeit für die Ruhe in seiner Gegenwart zu erkämpfen. Sowohl die Gemeinde als auch die Welt benötigen Leiter, die die wahre Erkenntnis Gottes besitzen und die Furcht des Herrn verstehen.2 Dann schreibt er weiter:
Wenn wir die Endzeit überstehen wollen, ohne an Gott Anstoß zu nehmen, müssen wir sein Herz wirklich kennen.3
Ich würde hinzufügen: Egal, welcher Wind uns entgegenweht, wir brauchen dieses Wissen um sein Herz, und zwar gerade in Zeiten, in denen wir unsere Umstände scheinbar nicht mit der Liebe Gottes in Einklang finden und deswegen so leicht Anstoß nehmen an Gott.
Hast du deine Wurzeln tief in das Herz Gottes gegraben, damit sie nichts und niemand dort entreißen kann?
Ja, rufe zu mir um Erkenntnis, denn wenn du weiter danach suchst, wie ein Mann, der nach Silber und an verborgenen Orten
2 Corey Russell, Dem Heiligen nachjagen, S.161, 2006.
3 Corey Russell, Dem Heiligen nachjagen, S.161, 2006.
nach Schätzen sucht, wirst du die Furcht des Herrn entdecken und die wahre Erkenntnis Gottes finden (Spr 2,4-5 TPT).4
So begann mein Buch „Hineni – Hier bin ich!“. Meine Sehnsucht war, Herzen dafür zu öffnen, mehr von Gott zu erkennen. Heute denke ich, es war ein prophetisches Wort über dieses neue Buch; Gott war bereits damals dabei, es vorzubereiten
Lasst uns rufen und suchen nach der Erkenntnis Gottes.
Ich glaube, dass wir die Pfade der Vorzeit aus Jeremia 6,16 wiederfinden müssen, auf denen uns Ruhe für unsere Seelen verheißen ist:
So spricht der HERR: Tretet auf die Wege, seht und fragt nach den Pfaden der Vorzeit, wo denn der Weg zum Guten sei, und geht ihn! So werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.
Glaubensruhe wurzelt in dem Konzept der Sabbatruhe. Das heißt, dass wir von unseren Werken ausruhen. Mehr als einfach nichts zu tun, bedeutet es: Ich kann nichts dafür tun, errettet zu werden, geliebt zu werden. Von seinen eigenen Werken ruht man, wenn man die Erkenntnis gewonnen hat, dass Jesus wirklich alles getan hat
Wir ruhen in seinem „Es ist vollbracht“.
Es ist nichts mehr nötig und gleichzeitig steht uns nun seine Gegenwart ständig zur Verfügung.
Wir müssen zu Gott zurückkehren, zu seiner Liebe, zu seiner Leidenschaft, die uns auf eine innige Suche führt, damit wir die Erkenntnis Gottes finden und die Furcht des Herrn verstehen lernen. Und alles beginnt damit, uns bewusst zu machen, dass wir eigentlich nichts wissen.
„Selig sind die geistlich Armen“, sagt uns Jesus.5
4 „For if you keep seeking it like a man would seek for sterling silver, searching in hidden places for cherished treasure, then you will discover the fear of the Lord and find true knowledge of God.“
5 Vgl. Mt 5,3.
Dieser geheimnisvolle Gott ist uns oftmals ein Anstoß, weil er uns zeigt, wie klein und schwach, wie verletzlich und zerbrechlich wir eigentlich sind. Aber wenn in unserer geistlichen Armut, dieser Zerbrechlichkeit, die wir in der Gegenwart, aber auch in der Liebe Gottes wahrnehmen, die Lösung zu finden ist, weil wir Gottes wahre Größe erkennen, dann will ich mich loslassen und in seine Weisheit hineinfallen lassen
Ich bete, dass der Vater der Herrlichkeit, der Gott unseres Herrn Jesus Christus, dir den Reichtum des Geistes der Weisheit und der Geistoffenbarung vermittelt, um ihn durch deine sich vertiefende Intimität mit ihm zu erkennen (Eph 1,17 TPT).6
Der Geist der Offenbarung, der Heilige Geist, berührt unsere Herzen und offenbart uns darin, wer Gott ist.
Dies geschieht an dem tiefen Ort der Intimität mit ihm – eine Intimität, die im Herzen stattfindet. Es ist das „Herzensprinzip“, welches uns das Leben verheißt
Folge deinem Herzen mehr als allem anderen! Denn davon hängt dein Leben ab (Spr 4,23 BB).
Ich kann meinem Herzen nur vertrauen, wenn es fest in Gott verwurzelt ist, mitten in seinem Herzen. Diese Wurzeln geben mir Halt und Identität; durch sie empfangen wir Nahrung zum Wachsen
Dort bekommen wir die Offenbarung und Erkenntnis Gottes, die wir so sehr benötigen.
6 I pray that the Father of glory, the God of our Lord Jesus Christ, would impart to you the riches of the Spirit of wisdom and the Spirit revelation to know Him through your deepening intimacy with him.
… und wie sie die Sehnsucht in mir weckt, ihn leidenschaftlich zu suchen und lieben zu lernen
Ich liebe dieses Wort aus 2. Chronik 16,9 (BB):
Der Blick des Herrn streift über die ganze Erde. So kann er denen beistehen, die mit ungeteiltem Herzen zu ihm halten.
Dieser Vers berührt mein Herz, wenn ich mir vorstelle, wie Gottes Blick über diese Erde schweift und Ausschau hält Es ist der Blick eines Vaters, der wartet. Es ist der Blick Gottes, der sucht, der sich nach uns sehnt. Es ist ein Blick voller Leidenschaft.
Weißt du das? Und mehr noch – glaubst du das auch?
In meinem Buch Weites Land habe ich geschrieben, dass Gottes Sehnsucht nach Freundschaft und Intimität mit Menschen über diese Erde weht und uns hungrig macht, ihn zu finden. Seine Liebe, seine Sehnsucht ist es, die uns sucht und ruft.
Vielleicht kennst du das auch, auf einer Großveranstaltung mit jemandem verabredet zu sein. Du kommst dorthin und hältst Ausschau nach einem Freund, dein Blick schweift über die vielen Menschen, und dann entdeckst du ihn und gleichzeitig hebt er den Kopf, schaut in deine Richtung und eure Blicke begegnen sich. Der Moment des Entdeckens und Erkennens kann ein sehr vertrauter, intimer Augenblick sein, ein Moment, der euch beiden gehört.
So erlebte es einmal mein Mann und erzählte es mir im Anschluss an eine Geburtstagsfeier, zu der wir mit etwa vierzig weiteren Gästen geladen waren. In der großen Menge trennten sich bald unsere Wege; wir hielten uns mit unterschiedlichen Menschen, in unterschiedliche Gespräche vertieft und an verschiedenen Orten auf. Als ich einmal den Blick hob und ihn über die Menge schweifen ließ, blieb er an meinem Mann hängen, und anscheinend habe ich in dem Moment, wie er mir später erzählte, gelächelt – für ihn war es ein Moment des Wahrnehmens, der Begegnung, der Verbundenheit.
Das ist auch die Sehnsucht Gottes – dass du den Blick zu ihm emporhebst und dort seinen Augen begegnest. Es gibt diesen Ort, wo die Sehnsucht Gottes und deine Sehnsucht aufeinandertreffen. Doch du musst diesen Ort aufsuchen, den Blick und dein Herz emporheben und die Begegnung zulassen. Du musst der Sehnsucht in dir Raum
geben, ohne sie von anderem zuschütten zu lassen. Und so stellt sich mir immer wieder die Frage: Habe ich Sehnsucht nach Gott, nach einer Begegnung? Und können so Gottes und meine Sehnsucht aufeinandertreffen und zu einem Begegnungsort werden?
Die Bibel spricht viel von der Sehnsucht Gottes.
Und sie hörten die Stimme des HERRN, Gottes, der im Garten wandelte bei der Kühle des Tages (1 Mose 3,8).
Und der HERR, Gott, rief den Menschen und sprach zu ihm: Wo bist du? (1 Mose 3,9).
Aus der Ferne ist mir der HERR erschienen: Mit unendlicher Liebe habe ich dich geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus Güte (Jer 31,3 ZÜR).
Diese Augen, die über die Erde schweifen, sind die Augen eines Vaters. Es ist ein Vater, der leidenschaftlich liebt, nicht nur so grundsätzlich, sondern jeden Einzelnen ganz persönlich. Es ist ein Vater, der Ausschau hält und sucht, der wartet, wie in der Geschichte des verlorenen Sohnes. Es ist der Vater, der dir entgegenläuft, wenn er dich sieht; der ein Fest feiert, wenn du nach Hause kommst. Es ist der Vater, von dem Jesus leidenschaftlich spricht, zu dem er uns ruft, für dessen Liebe er wirbt.
In seinem Evangelium schreibt Johannes über einige Kapitel hinweg, was Jesus über den Vater zu sagen hat. Er beschreibt die Vater-SohnBeziehung so innig, dass die Sehnsucht in uns geweckt wird, diesen Vater zu sehen. Selbst seine Jünger sagen zu Jesus: „Zeige uns den Vater!“ (vgl. Joh 14,8).
Wir können diesen Vater als unseren eigenen kennenlernen – in einer Beziehung, in der es uns an nichts fehlt. Doch es liegt an dir, Jesu Einladung dorthin persönlich anzunehmen und dich für seine Leidenschaft zu öffnen Dafür ist es wichtig, dass du dein Herz öffnest, um all seine Gefühle für dich wahrzunehmen und zu empfangen.
Gottes Blick schweift über diese Erde, heißt es im Buch der Chronik. Gleichzeitig sind diese Worte Teil einer Geschichte, die nicht nur schön ist. Es geht um König Asa, von dem es zu Beginn der Geschichte heißt, dass er tat, was gut und richtig war in den Augen des Herrn, seines Gottes.1
Asa kümmerte sich darum, dass fremde Götter, fremde Kultstätten des Volkes beseitigt wurden und so wieder eine Ordnung im Volk hergestellt wurde. Das hatte Auswirkung auf die Beziehung Gottes zu seinem Volk, denn sie begannen wieder nach seinen Geboten und Weisungen zu leben.
Es war so, wie es auch in unserem Leben ist – wenn wir nach Gottes Wegen und Willen fragen, nach seinem Herzen suchen, dann bringen wir Ordnung und Frieden in unsere Beziehung mit ihm, und das bewirkt Segen.
Doch dann tat Asa etwas Fatales Er nahm etwas aus dem Haus Gottes, etwas das Gott gehörte, und opferte es für ein Bündnis mit dem Feind, um Frieden zwischen sich und dem Feind zu schaffen. Sein Anliegen, Frieden zu schaffen, war ja erst einmal etwas Gutes; doch sein Weg dorthin, Kompromisse einzugehen – in diesem Fall, etwas zu nehmen, das Gott gehörte –, brachte großes Unglück über sein Leben. Rein äußerlich brachte es erst einmal Frieden, doch zu welchem Preis? Gott schickte einen Propheten zu ihm, der ihm dieses Wort vom Blick Gottes sagte, der über diese Erde schweift. Und weiter heißt es dort:
1 Vgl. 2 Chr 14,1.