Irmtraud Lorenz
Hochzeit mit dem Wort
Eins werden mit der lebendigen Wahrheit
GloryWorld-Medien
1. Auflage 2015 © 2015 Irmtraud Lorenz © 2015 GloryWorld-Medien, Xanten, Germany Alle Rechte vorbehalten Bibelzitate sind, falls nicht anders gekennzeichnet, der Elberfelder Bibel, Revidierte Fassung von 1985, entnommen. Weitere Bibelübersetzungen: LUT: Lutherbibel, Revidierte Fassung von 1984 NGÜ: Neue Genfer Übersetzung, 2009 Das Buch folgt den Regeln der Deutschen Rechtschreibreform. Die Bibelzitate wurden diesen Rechtschreibregeln angepasst. Lektorat/Satz: Manfred Mayer Umschlaggestaltung: Kerstin & Karl Gerd Striepecke, www.vision-c.de Foto: fotolia Druck: CPI books GmbH, Leck Printed in Germany ISBN: 978-3-95578-300-6 Bestellnummer: 356300 Erhältlich beim Verlag: GloryWorld-Medien Beit-Sahour-Str. 4 D-46509 Xanten Tel.: 02801-9854003 Fax: 02801-9854004 info@gloryworld.de www.gloryworld.de oder in jeder Buchhandlung
STIMMEN ZUM BUCH
Dies ist ein ganz besonderes Buch. Ein Buch, das Sehnsucht weckt. Sehnsucht nach tiefster Gemeinschaft mit Gott und seinem lebendigen Wort. Immer wieder wurde ich beim Lesen an die einzigartige Liebesgeschichte im Hohelied erinnert. Die Sehnsucht der Braut wird durch die Liebe des Bräutigams wachgeküsst. Sie sehnt sich immer mehr nach seiner Nähe, will immer tiefer mit ihm verbunden sein. Unsere Sehnsucht nach Gott ist letztlich nur eine Antwort auf Gottes Sehnsucht nach uns. Er hat uns mit einem Herzen geschaffen, dessen innerstes Verlangen nur Er selbst stillen kann. Das beschreibt auch ein bekanntes Wort von Augustinus: „Unruhig ist unser Herz, bis dass es ruht in dir, o Gott.“ ER ist der Ursprung, die Quelle und das Ziel unseres Lebens. Hinter jeder Suche des Menschen nach Glück und Zufriedenheit verbirgt sich letztlich diese Sehnsucht nach Gott. So entfaltet Irmtraud Lorenz in ihrem Buch „Hochzeit mit dem Wort“ das Bild einer wachsenden Liebesbeziehung zu Jesus und dem Vater. Die vielen persönlichen Beispiele aus ihrem Leben, die Illustrationen und Geschichten berühren zutiefst und machen Mut, der Sehnsucht des eigenen Herzens zu folgen und sich dabei immer tiefer in Gottes Liebe hineinziehen zu lassen, seinem Wort mehr zu vertrauen und ihn inniger zu lieben. Danke, liebe Irmtraud, dass du uns so in dein Herz und in deine kindlich-verliebte-vertrauensvolle Beziehung mit Gott schauen lässt. Mögen sich viele davon inspirieren lassen. Manfred Lanz
„Hochzeit mit dem Wort“ – Welch ein herrliches Buch! Die Autorin öffnet uns auf wunderbare Weise den Blick dafür, dass das Wort Gottes nicht einfach nur ein Gesetzbuch, ein Regelwerk oder eine Gebrauchsanweisung ist, sondern eine Person. Ja, es ist der HERR selbst. „Und Gott war das WORT!“ (Joh 1,1). „Und das Wort wurde FLEISCH“ (Joh 1,14). Und es will immer noch Fleisch werden. Es will Gestalt annehmen in uns. Aber dafür müssen wir das Wort umarmen. So wie es auch Maria tat, als sie durch den Engel Gabriel die Verheißung empfing: „Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären. Dem sollst du den Namen Jesus geben“ (Luk 1,13). Hätte Jesus in ihr entstehen können, wenn sich Maria mit dieser Verheißung nicht ganz eins gemacht hätte? Wohl kaum. Lob und Dank! Sie hat das Wort umarmt, hat sozusagen Hochzeit gehalten mit dem WORT. Und das WORT wurde Fleisch und wohnte unter uns. Und wir sahen seine Herrlichkeit. Nicht nur der Herr, sondern auch sein Wort möchte in uns wohnen, uns seine Herrlichkeit erleben lassen und uns vor allem den offenbaren, der das WORT ist und der GOTT ist! Das ist mir noch mal hell aufgeleuchtet. Und wenn er der „König voller Pracht, voll Weisheit und voll Macht“ ist, ist es dann nicht auch sein Wort? Darum möchte ich das Wort Gottes über mich Herr und König sein lassen und fest mit seiner Macht rechnen. Denn das Wort des Herrn kommt nicht leer zu ihm zurück, wenn wir es fest umarmen, wenn wir uns ganz durchdringen lassen von ihm, ganz eins werden mit ihm, wenn wir Hochzeit halten mit dem Wort. Ich habe damit schon angefangen und viel Freude dadurch erlebt. Ich wünsche allen Lesern dieses wunderbaren Buches viel Segen, wenn sie das WORT umarmen und vom WORT umarmt werden – wenn sie Hochzeit halten mit dem Wort. Doris Walter Healing Rooms Köln e.V.
Sie halten ein außergewöhnliches Buch in den Händen. Die Autorin nimmt uns mit auf eine Reise der ganz besonderen Art. Ich habe mich jeden Tag aufs Neue gefreut, in diesem Buch zu lesen. Es enthält eine erstaunlich tiefe Offenbarung von der Liebe unseres wunderbaren Bräutigams Jesus und öffnet gleichzeitig eine prophetische Dimension auf die Zeit, in der wir leben. Ich habe das Vorrecht, Irmtraud Lorenz schon eine Reihe von Jahren zu kennen, habe viel kostbare Gespräche mit ihr geführt, habe mit ihr gelacht und geseufzt. Ihre tiefe Liebesbeziehung zu unserem Abba-Vater-Gott, ihre zärtliche Liebe zu unserem Bräutigam Jesus erstaunen mich immer wieder – sie ziehen mich geradezu in die Nähe Gottes und sind eine Einladung. Das ganz Besondere dabei ist, dass diese Einladung hält, was sie verspricht. Dies ist ein kostbares Buch. Genießen Sie es und machen Sie sich auf, dieser Einladung zu folgen. Sie werden es keine Sekunde bereuen. Maria Hamann, Schulleitung D.I.E. lebendige Schule, Hannover
INHALT
Einleitung ................................................................ 11 1 Der schmale Weg ................................................ 15 2 Umworben ........................................................... 23 3 Freundschaft ....................................................... 37 4 Brautzeit – Kraft der Liebe .................................... 57 5 Momentaufnahmen .............................................. 75 6 Hochzeitsvorbereitungen ...................................... 83 7 Hochzeit mit dem Wort ...................................... 105 8 Der Ruf .............................................................. 143
WIDMUNG UND DANK
Meiner Familie gewidmet
Jeder von euch ist für mich besonders, kostbar und ein Segen! Daniel, du hast mich oft inspiriert durch dein mutiges Hinterfragen. Überraschend, wie du Dinge miteinander verknüpfen kannst und damit neue Horizonte eröffnest. Ich danke dir. Wie genieße ich die Gespräche mit dir Jessica, die du längst nicht mehr nur Tochter, sondern Freundin für mich bist. Du bist solch eine Ermutigerin durch deine einfühlsame Art, gepaart mit fundiertem pädagogischem Wissen. Tjerk, deine künstlerische Ader regt zum Träumen an und deine pragmatische Art gibt Bodenhaftung. Diese einzigartige Kombination bringt vieles in Balance, wie wohltuend. Ein Dank an euch für alle Anregungen durch euer Feedback während der Schreibphase. Das hat mich in vielfältiger Weise unterstützt. Mein liebster Peter, das Schönste für mich ist, dass wir Seite an Seite schon fast vier Jahrzehnte alles miteinander teilen, tragen und erleben dürfen und dass sich dabei unsere Ehe zu einem fast täglichen Fest entwickelt. Der größte Dank geht an Gott – meinen himmlischen Vater, meinen geliebten Bräutigam Jesus und den treuen Heiligen Geist. Alles Gute meines Lebens kommt allein durch IHN!
EINLEITUNG
„Hochzeit mit dem Wort“ ist die thematische Fortsetzung meines ersten Buches „Der Kuss des Bräutigams“. Anhand des Hoheliedes hatte ich entfaltet, wie wir als Brautgemeinde die Liebe Gottes empfangen können – wie einen Kuss, immer und immer wieder. Er küsse mich mit seines Mundes Küssen! Denn deine Liebkosungen sind besser als Wein (Hld 1,2). In dem Maß wie wir uns lieben lassen, wächst unsere eigene Fähigkeit zu lieben. Wir empfangen neue Offenbarungen über die bedingungslose Liebe des Bräutigams, der uns leidenschaftlich umwirbt. Das zärtliche und gleichzeitig starke Herz des Vaters gibt uns Halt und ein Zuhause. Unser Leben wird eingetaucht in eine neue Atmosphäre der Wertschätzung und Zugewandtheit. Wir leben unter einem Dach der Liebe, atmen Liebe und werden gefüllt mit Liebe. Dabei ist es unsere Hauptaufgabe, Liebe zu empfangen, ihr Raum zu geben und zuzulassen, dass sie uns ganz durchtränken kann. Von seiner Liebe angezogen, werden wir als Braut bereit, ihm zu folgen – wenn es sein muss, bis in den Tod. Unsere Hingabe ist erweckt worden. In dem vorliegenden Buch entwickle ich dieses Thema. Hatten wir Jesus Christus bisher als Bräutigam kennengelernt, der uns seine Liebe offenbart, lernen wir ihn jetzt als das Wort kennen, das uns sein Wesen offenbart und uns in sein Bild umgestaltet. So freudig wie wir bisher Liebe empfangen haben, heißen wir jetzt Veränderungen willkommen. Diese sind eine natürliche 11
HOCHZEIT MIT DEM WORT
Konsequenz, wenn wir ganz hingegeben in der Nähe des Bräutigams bleiben wollen. Er ist heilig und das erfordert unsere Heiligkeit. Die Liebe zieht uns in seine Gegenwart hinein. Heiligkeit und Treue lässt uns dort verweilen. Wir brauchen Offenbarung über Jesus, als dem Wort. Das sollte nicht nur erkannt, sondern so angenommen, verinnerlicht und geliebt werden, dass es einer Hochzeit gleichkommt. In der heutigen Zeit haben wir durch Internet, TV und eine große Auswahl an Konferenzen und Schulungen die Möglichkeit, uns jederzeit eine gute Predigt anzuhören. Das ist sicherlich ein Segen. Denn der Glaube kommt aus der Predigt. Glaube ist auch die Hand, mit der wir geistliche Dinge ergreifen können. Aber Gottes Sehnsucht und Verlangen ist es, in Beziehung mit uns Menschen zu leben. Jesus starb nicht nur, um unsere Sünden zu vergeben, sondern um die Verbindung zwischen sich und dem Menschen wieder herzustellen. Beziehung kommt nicht durch eine Predigt zustande, sondern es ist ein intimes Geschehen zwischen zwei Personen. Durch das Wort möchte Gott persönlichen Austausch mit uns pflegen, unser Herz berühren. Wenn wir uns mit dem Wort aus zweiter Hand begnügen, geht uns Wesentliches am Evangelium verloren. Ich beobachte im Leib Jesu zwei Tendenzen: Die einen meinen, alles schon zu wissen, und winken schnell ab: „Das kenn’ ich schon, alles schon mal gehört“ – aber es steckt nur als Information im Kopf und ihr Leben bleibt weitgehend unverändert. Die anderen haben keine eigene Beziehung zum Wort, wissen nicht, wie sie sich daraus ernähren können. Sie empfangen das Wort überwiegend aus „zweiter Hand“ und picken sich hier und da mal eine Verheißung heraus wie eine Leckerei am Buffet. Damit stehen sie in der Gefahr, „von jedem Wind der Lehre hin und her getrieben zu werden“, ohne Unterscheidungsvermögen. In der kommenden Zeit wird es wichtig und von großer Bedeutung sein, selber mit dem Wort so vertraut zu sein, dass 12
Einleitung
wir in Liebe gewurzelt und im Glauben gefestigt seine Frucht und Wirksamkeit erleben. Dann können wir wie Hiob bekennen: „Ich hatte bisher nur vom Hörensagen von dir vernommen, aber jetzt hat mein Auge dich gesehen.“ Es warten herrliche Offenbarungen auf jeden von uns. Mit diesem Buch möchte ich Sie an den wunderbaren Erfahrungen teilhaben lassen, die ich machen durfte, als ich das Wort ganz neu entdeckte. Das „Wort“ ist nicht nur eine Sache, sondern die aufregendste und schönste Person im ganzen Universum. Sie hat mich eingeladen zu einem gemeinsamen Leben. Ist das nicht umwerfend? Manche Erlebnisse sind zu persönlich, als dass ich offen über sie schreiben möchte. Deshalb habe ich sie in eine fiktive Geschichte gepackt, die verschiedene Stationen der inneren Reise markieren. Diese fortlaufende Geschichte ist durch eine veränderte Schrift erkennbar. Überhaupt liebe ich Geschichten, denn sie gehen direkt ins Herz, berühren uns und „haften“ als Bilder in unserer Erinnerung. Bei unseren Kids habe ich die wichtigsten Dinge für ihr Leben durch Geschichten eingepflanzt; erdachte, aus Büchern herausgesuchte oder persönlich erlebte. Weder Ermahnungen noch Erklärungen, Fakten oder Notwendigkeiten können so überzeugen, Sehnsüchte wecken und Entscheidungen beeinflussen wie Geschichten. Das größte Vorbild darin ist für mich Jesus selber. Er ist der beste Geschichtenerzähler aller Zeiten. Über Jahrhunderte werden sie nacherzählt und prägen Generationen. Meine erlebten Geschichten gleichen einer Serpentinenfahrt in den Bergen: Wiederholt kurvt man am Berghang entlang oder umrundet den Berg immer wieder, aber man gewinnt dabei an Höhe, und die Aussicht wird immer klarer und umfassender. Hat man den Gipfel erreicht, fühlt man sich reichlich für alle Mühe belohnt. Machen Sie sich mit mir auf den Weg. Hochzeit mit dem Wort wird uns zu neuen Höhen führen.
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KAPITEL 1
Der schmale Weg
Der Unbekannte Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott (Joh 1,1). Es ist uns ein wunderbares Geschenk gegeben worden: das Wort Gottes. Dieses Wort ist eine Person, mit der wir in Beziehung treten können. Diese grandiose Wahrheit ist uns vielfach verborgen geblieben, da wir das Wort eher wie eine „Sache“ behandeln. Wenn wir die Bibel z. B. wie einen Kompass betrachten, der uns Orientierung gibt, oder wie eine Gebrauchsanweisung, dann werden wir immer alles daran messen, ob „es funktioniert“. Oft suchen wir dann Antworten oder Lösungen oder wir möchten etwas reparieren und wiederherstellen. Im Tiefsten geht es dabei um die Frage: Wie kann unser Leben gelingen oder unser Dienst effektiver werden und wie kann der Glaube mir dabei helfen? Wenn wir uns aber auf die Begegnung mit einer Person einlassen, dann ist nicht vorhersagbar, was kommt: Es kann überraschend, unerwartet, aufregend, faszinierend oder belebend sein. Im Tiefsten sind wir fasziniert von IHM, und unsere Freude liegt darin, eine wachsende Beziehung aufzubauen. Der Leser mag einwenden, dass doch die Bibel selbst „gegenständlich“ vom Wort spricht, z. B. als dem „zweischneidigen Schwert“. In Epheser 6 werden wir aufgefordert, das Schwert auch als Teil unserer Waffenrüstung zu gebrauchen im Kampf gegen den Feind. Auch wird das Wort beschrieben
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HOCHZEIT MIT DEM WORT
als Same, der ausgesät wird. Es kann sich dann multiplizieren, je nach Bodenbeschaffenheit. Diese Bilder möchten aber lediglich die Wirksamkeit des Wortes betonen. Es gibt ein interessantes Ermutigungsspiel für eine Gruppe, in der sich die Teilnehmer schon mehr oder weniger gut kennen. Man beschreibt die andere Person in Bildern, in dem man sie mit Automarken, Pflanzen, Möbelstücken usw. vergleicht und hebt Eigenschaften hervor, die man am anderen entdeckt und wahrgenommen hat. Das könnte sich dann wie folgt anhören: „Du bist für mich wie ein Geländewagen mit Vier-RadAntrieb: Auch auf nicht gebahnten Straßen und schwierigem Gelände fährst du dich nicht fest, sondern hast Ausdauer und Kraft, dich durchzubeißen. Dabei hast du Platz in deinem Wagen, um Gepäck mitzunehmen. Ich erlebe dich als eine Person, bei der man mitgetragen wird.“ Oder: „Du bist für mich wie eine Sonnenblume. Du begegnest allen immer mit so einer freundlichen Zugewandtheit, die einfach wohltuend ist. Dabei bleibst du selbst dem Licht zu gewandt und darauf ausgerichtet.“ Oder: „Du bist für mich wie eine – offene und transparente – Vitrine, die Anteil an den Kostbarkeiten ihrer Erfahrungen gibt. Die Vitrine ist abschließbar, so kann man dir Sachen anvertrauen und sicher sein, dass sie nicht weiter getragen werden.“ Verstehen wir? Diese Bilder beschreiben Eigenschaften, aber sie sind nicht mit der Person gleichzusetzen. Wir würden uns doch ausgenutzt fühlen, wenn die Leute in uns nur noch den Geländewagen sehen, dem sie alles aufladen können, was sie loswerden wollen. Wir möchten auch nicht wie eine Blume „abgepflückt“ werden, damit andere eine Weile Freude haben. Wir möchten als Person wahrgenommen und nicht nur wegen unserer Fähigkeit geschätzt werden. Natürlich ist es wertvoll, Lob oder Dankbarkeit fürs „Mittragen“ zu bekommen – deswegen ist dieses Spiel ja auch so ermutigend –, aber zu einer Beziehung gehört mehr und zu einer Liebesbeziehung sehr viel mehr. Beziehung ist immer sehr umkämpft, im zwischenmenschlichen Bereich genauso wie in unserer Gottesbeziehung. 16
Der schmale Weg
Vom Herzen her leben Ein Kind ist von Geburt an auf Beziehung hin angelegt. Wenn ein Baby an der Brust seiner Mutter liegt, wird es nicht nur gesättigt, sondern gestillt. Sein tiefstes Bedürfnis nach Nähe wird erfüllt. Mein jüngstes Enkelchen ist knapp sechs Monate alt. Sie lächelt jeden vergnügt an, solange ihre Mama in der Nähe ist. Ist Mama nicht mehr in ihrem Blickfeld, ist es egal, mit welch süßen Stimmen und freundlichen Blicken sie bedacht wird, sie beginnt zu weinen. Aber mit Mama ist jeder Ort der Welt ein sicherer Ort. Wächst ein Kind heran, wird sich der Aktionsradius erweitern und es wird auf Entdeckungsreise gehen. Aber jede Entdeckung wird sofort Mama und auch Papa mitgeteilt. Ist es hingefallen, holt es sich Trost, hat es ein Bildchen gemalt, wird es vorgelegt. Alles wird mitgeteilt, zum Mitfreuen oder Mitleiden, und das ist für ein Kind völlig natürlich. Wenn wir unser Glaubensleben mit Jesus beginnen, fangen auch wir wie Kinder an. Wir leben aus dem Herzen heraus und es ist für uns völlig natürlich, mit Gott zu reden. Dann wollen wir wie jedes Kind wachsen und „groß werden“. Dazu helfen uns Glaubenskurse, Seminare und Bücher. Und ohne dass wir es wollen oder nur bemerken, rutschen wir allmählich aus dem kindlichen Vertrauen zu Gott heraus und in eine leistungsorientierte Beziehung hinein. Mir ist es jedenfalls so ergangen. Ich habe schon früh eine Beziehung zu Gott gehabt und ihm mein Alltagserleben erzählt. Ich habe es genossen, einfach bei ihm zu sein – zweckfrei wie ein Kind. Dann habe ich Bücher gelesen über Gebet, Anbetung, Fürbitte, geistliche Kampfführung usw. Ich wollte ja geistlich wachsen und fing an zu lernen, wie man „richtig“ betet. Auf einmal wurde Gebet für mich anstrengend und trocken und ich wusste gar nicht, warum. Auch das Bibellesen war für mich natürlich, es war ein Weg, wie ich Zeit mit Gott verbrachte – eine „Liebessprache“.
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HOCHZEIT MIT DEM WORT
Aber scheinbar hatte ich auch da noch viel zu lernen, wie man die Bibel „richtig“ liest: Ob nun systematisch von vorn bis hinten oder thematisch, es ging nicht mehr in erster Linie darum, dass Gott zu mir sprach, sondern um Effektivität. Selbst wenn wir die Bedeutung von „Intimität mit Gott“ kennen – in den letzten Jahren lag eine Betonung im Leib Jesu darauf –, ist der Feind so raffiniert, uns vom Beziehungsweg auf einen Programmweg zu locken, sodass wir es oft nicht merken. Ich bin so dankbar, dass Gott durch eine Vision, die er mir schenkte, bei mir „aufgeräumt“ hat und mich aus der Unsicherheit – wie mache ich es denn nun richtig – herausgeholt hat. Zu dieser Zeit war „Fürbitte und geistlicher Kampf“ gerade angesagt und ich habe mich immer wieder ins Zeug gelegt. Dabei empfand ich es als so anstrengend, dass ich damit wieder aufhörte und zu meinen kindlichen Gebetszeiten zurückkehrte, wo es genügte, bei ihm zu sein. Es gab für mich einen inneren Ort, mein Herz, der in meiner Vorstellung wie ein parkähnlicher Garten ist. Ich konnte jederzeit diesen Platz aufsuchen. Dort wartete ich, bis ER kam. Dort genossen wir einander und unterhielten uns. Ich konnte mich ohne Worte an seine Schulter lehnen, zu seinen Füßen sitzen – einfach wohltuend. Andere Male gingen wir zu einem Mäuerchen und setzten uns darauf. Von diesem Platz aus konnte ich weit sehen, über den Garten hinaus. Dann sprachen wir über die Welt da draußen, über die Menschen, über Städte – was immer ich an dem Tag „sehen“ konnte und ER mir zeigte. Doch dem Teufel gelang es immer wieder, mich zu verunsichern und mir einzureden, es sei selbstsüchtig, sich nur in dem Garten an der Gemeinschaft zu erfreuen. Es gebe mehr, die Welt liege in Finsternis, es sei ein Kampf, ich solle meinen Platz einnehmen. Und er war gut darin, Bibelstellen zu zitieren. So zog ich wieder in den Kampf – bis mein himmlischer Vater sich über mich erbarmte und die Wahrheit aufdeckte durch …
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Der schmale Weg
Eine Vision Ich sah mich in Soldatenuniform mit einem Trupp Kämpfer marschieren. Wir hatten gerade eine Schlacht hinter uns und liefen durch eine zerfallene Stadt. Sie war wie ausgestorben – düster und ohne Leben. Wir setzten uns dort an den Straßenrand und eine Pause war angesagt. Alle packten ihren Proviant aus, um sich für die nächste Schlacht zu stärken. Als ich realisierte, dass wir jetzt Pause hatten, lief ich durch eine Seitenstraße und kam schnell an den Waldrand mit einer sonnigen Lichtung. Hier sangen die Vögelchen, alles war grün. Ich warf meine Uniform von mir, legte alle Waffen ab und nahm mein Tamburin in die Hand. Barfuß, in einem leichten Sommerkleidchen, fing ich an, über diese Lichtung zu tanzen und dabei zu singen. Mein Herz war voller Freude und ich spielte für ihn, meinen geliebten himmlischen Vater und meinen Bräutigam. An dieser Stelle fühlte ich mich wie ertappt und betete: „Oh bitte, vergib mir, genauso mache ich es. Ich lasse die anderen Kämpfer im Stich, um mich zu vergnügen. Bitte vergib.“ Gleichzeitig schalt ich mich selbst: „Was bist du leichtsinnig, deine Waffen abzulegen. Jetzt bist du ungeschützt, eine leichte Beute für den Feind. Hast du Epheser 6 vergessen?“ Doch der Heilige Geist sagte: „Die Vision ist nicht zu Ende, schaue weiter.“ Also wartete ich, wie es weitergehen würde: Jetzt erst sah ich, dass ein großer Kreis Kampfengel um mich herum auf der Lichtung standen. Alle hatten ihre Schilder erhoben; ich war wie in einem Dom, absolut sicher und hatte genug Platz zum Tanzen. Ich hörte den Vater sagen: „Wenn du mich anbetest, bist du immer völlig geschützt.“ Ich ließ das Bild auf mich wirken und spürte, dass die Lüge, ich sei schutzlos, damit gebrochen waren. Dennoch war der
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HOCHZEIT MIT DEM WORT
Stachel da: „Aber du bist nutzlos – so ein Aufwand nur für dich. Du hinterlässt in den Kampfreihen eine Lücke.“ Wieder wurde ich vom Heiligen Geist aufgefordert, weiter in der Vision zu bleiben: Ich tanzte immer noch und dichtete Lieder, um meine Liebe und Anbetung auszudrücken. Dann konnte ich sehen, wie diese Anbetung im Himmel Kampfwagen freisetzte: Es war, als hätten sie nur darauf gewartet. Jetzt bekamen sie den Befehl aufzubrechen. Ich sah mehrere feurige Wagen, jeden mit mehreren Kampfengeln besetzt, in Richtung Front losfahren. Es war majestätisch, machtvoll. Sie zogen aus, um zu siegen. Das nur, weil eine Person Gott anbetete, weil sie liebte! Ich wusste jetzt, die Engel würden viel effektiver sein, als wenn ich in den Kampf zog. Das setzte mich so frei! Ich wünschte, sagen zu können für immer. Ich brauchte später aber eine zweite Offenbarung und damit Korrektur, weil ich dem Feind wieder auf den Leim gegangen war und mich einmal mehr in die Schlachtreihen von „Anstrengung, Programm und menschlichen Methoden“ eingereiht hatte. Bis heute muss ich wachsam bleiben, um den „schmalen Weg“ der Beziehung nicht zu verlassen. Um jedem Missverständnis vorzubeugen: Brauchen wir keine Fürbitte? Doch natürlich brauchen wir sie. Jesus hat im hohepriesterlichen Gebet (vgl. Joh 15) eine Vorlage dafür gegeben, als er Fürbitte für seine Jünger tat. Aber er tat es aus der Position eines geliebten Sohnes heraus, der mit seinem Vater im ständigen Austausch war. Brauchen wir die Bibel nicht mehr zu lesen? Doch, natürlich sollen wir sie lesen. Gerade mit meinem Zeugnis möchte ich dem Leser Mut machen, Bibellesen nicht als ein Muss abzuleisten oder es nur aus „zweiter Hand“ zu entdecken. „Hochzeit mit dem Wort“ zeigt einen Zugangsweg, wie uns das Wort persönlich begegnen kann, ja sogar so nah und innig unser Innerstes berühren
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Der schmale Weg
möchte, dass wir mit ihm in unserem Herzen „Hochzeit“ feiern können, das Fest der Einigung. Dieses Herz soll keine Rumpelkammer, sondern eine Brautkammer sein, ein geheimer, sicherer Ort für Begegnung und Intimität. Ein entscheidendes Erlebnis ist mir über Jahrzehnte der Antriebsmotor dafür geblieben, der Gegenwart und Gemeinschaft Jesu nachzujagen. Es reicht zurück bis in meine Teenagerzeit. Es war zurzeit der Jesus-People-Bewegung, als ein Erweckungsfeuer über unser Land fegte. Obwohl wir Jugendliche in unserer damaligen Gemeinde abgeschottet waren und noch nichts davon wussten, wurden viele von uns von diesem Geisteswehen erfasst. So auch ich. Über Monate hinweg hatte ich intensiv gebetet und Gott gesucht. Sein Wort verheißt: Dann werdet ihr von dort aus den HERRN, deinen Gott, suchen. Und du wirst ihn finden, wenn du mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele nach ihm fragen wirst (5. Mose 4,29). Dann geschah es, einfach so. Ich war an dem Tag früher aus der Schule heimgekommen, weil es mir körperlich nicht gut gegangen war. Mit Kopfschmerzen hatte ich mich auf das Sofa in meinem Zimmer gelegt und wieder mit einem sehnsüchtigen Seufzen gebetet: „Herr, wie lange noch? Wann kommst du und wirst dich mir offenbaren?“ Und dann kam er – ER kam! Dies ist eines der unbeschreiblichen Erlebnisse, die ich nur umschreiben kann. Drei Tage lang wurde ich in einen Zustand versetzt, dass Jesus und die geistliche Welt mir realer waren als die sichtbare Welt. Ich ruhte nicht im Geist, hatte keine Vision, sondern ging die nächsten Tage in die Schule, war mit meiner Familie zusammen und tat alles, was ich sonst auch tat. Und doch war alles anders. Zehn Jahre habe ich mit keinem Menschen darüber reden können, weil ich damals einfach keinen Wortschatz dafür hatte. Bei meinem ersten Versuch sagte ich unbeholfen: „Es war wie im Himmel, obwohl ich auf der Erde war.“
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HOCHZEIT MIT DEM WORT
Meinen Alltag erlebte ich wie einen Traum, irgendwie weit weg und unwirklich. Die echte Realität war Jesus, er allein. Obwohl ich ihn neben mir laufen sah, wenn ich lief, oder sitzen sah, wenn ich saß, war es doch vor allem sein Gesicht, das mir vor Augen war. „ER lasse sein Angesicht leuchten über uns“ ist oft der Abschlusssegen nach einem Gottesdienst. Sein Angesicht war jeden Augenblick für mich sichtbar. Ich war völlig in ihm verloren. Wenn mich Menschen ansprachen, hörte ich seine Antwort und sprach sie dann aus. Wenn andere über mich redeten, fühlte ich, was er fühlte. Es war unglaublich, zu wunderbar. Die Worte von Paulus aus Galater 2,10: „Nun lebe nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir“, waren Realität, herrliche, beglückende Erfahrung. Nach dem dritten Tag wachte ich morgens auf und wusste mit einem Schlag: Irgendwas ist passiert. Ich sah mein Zimmer wieder „so real“. Meine Schwester gegenüber im Bett räkelte sich gerade. Ich sah den Vorhang am Fenster im Wind wehen, hörte das Ticken des Weckers, aber ich sah IHN nicht mehr. Es war ein Schock für mich, den ich nicht so leicht verarbeiten konnte, bis ich begriff, das mein Erlebnis ein Geschenk war, eine Offenbarung, in die ich hineinwachsen musste. Aber diese Offenbarung war auch zugleich Verheißung: Es ist möglich, tagtäglich vor seinem Angesicht zu leben, in der Realität seiner manifesten Gegenwart.
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