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ANDREAS UND ANGELA FRÉSZ

ZUSAMMEN WACHSEN, DIENEN, LIEBEN


Dieses Buch widmen wir unseren Kindern Johannes und Julia, die über zwei Jahrzehnte mit uns gemeinsam als »Familie mit Mission« unterwegs waren, sowie ihren Familien, mit denen gemeinsam sie dieses Abenteuer weiter entwickeln und den vielen Familien, die weltweit durch ihren Einsatz Gottes Herz erfreuen. »Ich aber und meine Familie, wir wollen dem Herrn dienen.« (Josua 24,15)

Unser besonderer Dank gilt den Familien in unserer JMEM-Gemeinschaft Hainichen, die den Testlauf als Kursteilnehmer mitgemacht und die Entwicklung des Buches durch ihr konstruktives Feedback maßgeblich beein!usst haben; unseren Co-Autoren aus aller Welt, die dieses Buch durch ihre persönlichen Erfahrungsberichte bereichern; Christine Schubert, die die Entstehung des Buches kompetent begleitet hat; und Benjamin Pick für seine kreativen Ideen zur Weiterentwicklung des Projekts.


Vorwort zur Neuauflage Lebenslange glückliche Beziehungen, eine starke Familie – wer wünscht sich das nicht? Dieser Traum lebt in jedem von uns und er kann Realität werden. Es wird jedoch nicht zufällig geschehen. Wertvolles muss gep!anzt, genährt, gep!egt und verteidigt werden. Gottes Design sieht vor, dass Familie das sichere und fördernde Umfeld ist, in dem Kinder heranwachsen, sich gesund entwickeln und Werte finden, auf denen sie ihre Zukunft bauen können. Doch überall auf der Welt stecken Familien in der Krise und diese Entwicklung macht leider nicht vor uns halt. Als wir als junge Familie unseren Dienst bei Jugend mit einer Mission (JMEM) antraten, hatten wir die Illusion, das Leben in einer christlichen Gemeinschaft würde vor familiären Krisen schützen. Heute wissen wir, dass dies nicht der Fall ist. Auch wenn wir im Dienst für das Reich Gottes aktiv sind, fällt es uns nicht in den Schoß, eine starke Familie zu sein. Wer offensiv das Reich Gottes vorantreibt, steht an der geistlichen Frontlinie. Als wir im Jahr 2008 die erste Ausgabe dieses Buches unter dem Titel »Abenteuer Familie im Dienst« veröffentlichten, ahnten wir nicht, welche Reise vor uns lag. Unser Anliegen war es immer, Familien zu ermutigen, ihren Alltag als ein großes Abenteuer mit Gott zu begreifen. Da die Familie die kleinste Zelle der Gesellschaft ist, baut sich eine gesunde Gesellschaft aus intakten Familien auf. Als christliche Familie mit einem göttlichen Auftrag – eine »Familie mit Mission« – sind wir Teil unserer Gesellschaft und haben die Aufgabe, in ihrer Mitte unsere Ehe zu leben und unsere Kinder zu erziehen. Heute, viele Jahre später, erkennen wir mit Staunen, was gewachsen ist. Das Buch ist mittlerweile international bekannt und in vielen Sprachen weltweit erhältlich. Es hat Grenzen überschritten und Familien in unterschiedlichen Kulturen dabei geholfen, ihre Berufung zu entdecken.

Ein neuer Name für eine bewährte Vision Der Buchtitel dieser Neuau!age »Familie mit Mission« drückt aus, dass es nicht nur um einen Dienst geht, sondern um eine Leidenschaft und eine Bestimmung, die die Identität unserer Familie betrifft. Ursprünglich war das Buch an Familien im Vollzeitdienst gerichtet. Aber schnell wurde uns klar, 6


dass es auch genauso für Familien, die sich neben ihrem Beruf z. B. in der Gemeinde engagieren, relevant ist. Inzwischen nehmen an unseren Onlinekursen überwiegend ehrenamtlich engagierte Mitarbeiter teil.

Was dich in dieser erweiterten Ausgabe erwartet Das Wesentliche des ursprünglichen Buches ist erhalten geblieben. Aktualisiert wurde u. a.: •

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neue Stimmen: Wir freuen uns sehr, dass diese Au!age 12 neue Berichte von Co-Autoren enthält. Mütter, Väter und inzwischen erwachsene Kinder aus aller Welt erzählen von ihren Erfahrungen. Diese persönlichen Erlebnisse bringen zusätzliche Tiefe und zeigen, wie vielfältig das »Leben mit Mission« in der Praxis aussehen kann. interaktives Arbeitsbuch: Dieses Buch fungiert auch als das begleitende Arbeitsbuch zu unserem Onlinekurs. Es ist darauf ausgelegt, dass die Inhalte aktiv bearbeitet werden und dass es den fruchtbaren Austausch inspiriert – auch in Gruppen.

In acht Einheiten werden die Themen angesprochen, die wir in über drei Jahrzehnten als Brennpunkte erlebt haben. Neben den thematischen Impulsen gibt es Hinweise zur Vertiefung und Tipps zur praktischen Anwendung zu Hause. Wir wünschen uns, dass dieses Buch Familien hilft, starke »Familien mit Mission« zu sein. Es soll Mut machen, Familie zu leben und zu genießen und einer Welt, die Orientierung braucht, Zeichen der Hoffnung zu sein. Wir wünschen allen Lesern, dass sie durch die Lektüre und die Arbeit mit diesem Buch neu erkennen, welches Potenzial in ihren Familien steckt. Herzlichst Angela und Andreas Frész

Kontakt-Information Angela und Andreas Frész Website: www.familie-mit-mission.de E-Mail: kontakt@familie-mit-mission.de 7


Tipps zur Vorbereitung und Durchführung des Kurses •

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Acht Termine festlegen. Ein wöchentlicher Rhythmus hat sich als günstig erwiesen, weil dann die Themen durch Gespräche und Umsetzung zu Hause vertieft werden können. Die Familien informieren und einladen. Es kann eine beliebige Zahl von Paaren und Alleinerziehenden teilnehmen. Für jeden Teilnehmer ein Exemplar dieses Buches besorgen. Für eine Einheit 2–3 Stunden Zeit einplanen. Bei den Treffen für eine entspannte Atmosphäre sorgen – am besten mit Snacks und Getränken. Zu Beginn eines Treffens das jeweilige Thema nennen. Den Impuls vorlesen oder vortragen. Die im Text eingefügten Arbeitsblätter können je nach Zeitrahmen entweder in der jeweiligen Einheit oder zu Hause bearbeitet und besprochen werden. Bei Partnergesprächen können Alleinerziehende einander Gesprächspartner sein. Zu jeder Einheit gehört der Austausch in der Gruppe. Bei mehr als zehn Teilnehmern empfehlen wir, die Gesprächsgruppe zu teilen. Beim Austausch in der Gruppe darauf achten, dass jeder zu Wort kommt und keiner mit seiner Meinung dominiert. Je nach Bedarf Gebet miteinander oder füreinander in die jeweilige Einheit einbauen. Am Ende jeder Einheit findet sich eine Empfehlung, wie diese Einheit mit der Gruppe abgeschlossen werden kann. Darüber hinaus gibt es Tipps für eine Aktion mit der Familie, die zu Hause umgesetzt werden kann. Hinweise auf Literatur bzw. Seminare zur Vertiefung finden sich am Ende der jeweiligen Einheit.

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Zeichenerklärung

Lehreinheit

Aktion für die Familie

Arbeitsblatt

Zur Vertiefung

Anregung zum Partner-/ Elterngespräch

Abschluss

Anregung für die Gesprächsrunde

Die Scheidungswelle in den 80ern führte zu mehreren großen Studien in den USA zum Thema »Was macht eine starke Familie aus?«. Eine dieser säkularen Studien wurde von Dr. Nick Stinnet geleitet. Über einen Zeitraum von 25 Jahren nahmen 18.000 Familien aus 27 Nationen daran teil. Sie kamen aus verschiedenen Gesellschaftsschichten und unterschieden sich durch Bildungsstand, Religion und Hautfarbe. Als Ergebnis dieser umfassenden Langzeitstudie wurden sechs Eigenschaften definiert, die eine starke Familie ausmachen. Alle sechs stimmen mit biblischen Prinzipien überein: 1. Starke Familien halten zusammen. 2. Starke Familien verbringen bewusst Zeit miteinander. 3. Starke Familien kommunizieren gut und effektiv. 4. Starke Familien drücken einander Wertschätzung aus. 5. Starke Familien leben mit Gott. 6. Starke Familien können Konflikte lösen und Krisen bewältigen. (Aus: Nick Stinnett / John DeFrain, Secrets of Strong Families)

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»Wir alle leben in Familien. Wie wir in unserer Familie leben, macht unser wichtigstes Zeugnis aus. Wir können in unserer Stadt oder in anderen Volksgruppen nichts Größeres erreichen, als wir im Mikrokosmos unserer eigenen Familie leben. Wir reproduzieren, wer wir selbst sind. Und wer wir sind, ist am deutlichsten zu Hause sichtbar, weil man uns dort im Alltag kennt. Dies ist keine Falle; Gott hat es so geplant. Unsere engen Beziehungen halten uns den Spiegel vor. Hier wird deutlich, wie stark wir Seine Herrlichkeit reflektieren. In unserer Familie erkennen wir, was Gott noch in unserem Leben tun möchte, um uns liebesfähiger und ihm ähnlicher zu machen. Dies ist ein lebenslanger Wachstumsprozess. Jede Lebensphase gibt uns Gelegenheit, uns in neuen Bereichen zu entwickeln. Er ist da und hilft uns. Ehe, Kinder, Pubertät, leeres Nest, mittleres Lebensalter, Enkel, Alter, Krankheit – jede Phase bietet die Gelegenheit, miteinander in der Familie zu wachsen. Man nennt dies »das Leben« und mit Christus nennt man es »überfließendes Leben« – im Alltag ihm Stück für Stück ähnlicher werden. Familie ist der heilige Bund, der dazu dient, in uns allen das Bild Gottes hervorzubringen. Wenn wir darin wachsen, werden wir mehr von Jesus in all das hineintragen, was wir tun und sein Wesen wird vervielfältigt.« (Aus: Landa Cope, Die AT-Formel)

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Inhaltsverzeichnis Einheit 1: Familie – Gottes Erfolgsmodell.............................................................16

Ehe – etwas Neues entsteht ..........................................................................16 Ehe – ein unau!öslicher Bund .......................................................................19 Ehe – Gottes Prototyp für Teamarbeit .........................................................20 Anregung zum Partnergespräch ...............................................................21 Phasen berücksichtigen .................................................................................21 Deine – meine – unsere Vision ......................................................................23 Arbeitsblatt: Phasen ...................................................................................24 Anregung für die Gesprächsrunde ............................................................24 Arbeitsblatt: Wir sind ein starkes Team ...................................................28 Beate Kiwinda – Wenn zwei Kulturen heiraten ...........................................31 Manuel und Miriam Becker – Ein solides Fundament: Warum gesunde Ehen stabile Familien schaffen .........................................38 Christine Schubert – Als Großfamilie leben.................................................40 Einheit 2: Der tägliche K(r)ampf um Zeit und Prioritäten .....................................42

Familie – die nachhaltigste Investition in die nächste Generation ............42 Familie und Dienst unter einen Hut bringen...............................................42 Zeit und Aufmerksamkeit investieren ..........................................................44 Das Herz muss dabei sein ..............................................................................45 Der Esstisch als zentraler Ort des Familienlebens ......................................45 Die wichtigsten Aufgaben im Blick behalten................................................46 Auf die Prioritäten kommt es an ...................................................................47 Anregung zum Partnergespräch ...............................................................48 Praktische Tipps .........................................................................................48 Anregung für die Gesprächsrunde »Wie vereinbaren wir Familie und Dienst?« ............................................49 Aktion für die Familie »Unsere Prioritäten« ............................................50 Brenda Hilario – Ständig unterwegs, aber immer zu Hause ......................53 Christine Schubert – Dienst und Familie – (k)ein Gegensatz? ..................56 Dr. Carsten und Christine Müller – Familie, Beruf und Dienst – mit einer guten Planung kriegen wir es hin .......................................................58 Julia Simmet – Werte leben – Gott vertrauen .............................................60 11


Einheit 3: Liebe braucht eine Sprache ................................................................62

Wie wissen wir, dass wir geliebt sind? ..........................................................62 Liebe muss ankommen...................................................................................62 Dr. Chapman definiert fünf verschiedene Liebessprachen.........................63 Mit der richtigen Liebessprache folgenschwere Missverständnisse vermeiden ........................................................................................................65 Liebe meint den anderen ................................................................................65 Arbeitsblatt: Fünf Sprachen der Liebe .....................................................67 Die Liebessprache des Partners bzw. Kindes herausfinden ........................68 Kommunikation überbrückt Unterschiedlichkeit .......................................68 Wie funktioniert Kommunikation? .............................................................69 Zuhören – ein kostbares Geschenk ...............................................................69 Beim Gesprächspartner landen können .......................................................70 Ebenen der Kommunikation .........................................................................72 Haus der Kommunikation von Don Kirkby ................................................72 Anregung zum Elterngespräch..................................................................73 Anregung für die Gesprächsrunde ............................................................73 Aktion für die Familie »Eine Lobe-Wand anfertigen« ............................74 Ros und Mike Oman – Prioritäten, Naivität oder Vertrauen und das Gefühl, in einem Goldfischglas zu schwimmen ....................................75 Keith und Marilynn Hamilton – Nach 62 Jahren Ehe: Wir lieben uns mehr als je zuvor ......................................................................................79 Einheit 4: Starke Familien leben mit Gott ............................................................82

Gott ist das Fundament unserer Familie ......................................................82 Die Familie prägt das Glaubenssystem .........................................................83 Arbeitsblatt: Mit Gott in der Familie leben .............................................85 Glaube muss praktisch werden .....................................................................87 Anregung für die Gesprächsrunde ............................................................88 Aktion für die Familie Gestaltung einer wöchentlichen Familienzeit .........................................88 Tipps für die Familie .......................................................................................90 Julia Simmet – Gott habe ich schon zu Hause kennengelernt ..................91 Emmerich Adam – Eine Familientradition: »Das Jesus-Geschenk« ..........93 Dörte Kleinsorge – Als Familie den Glauben leben .....................................95 Hans und Manuela Bischof – Unsere Kinder sind Partner im Dienst .......97 12


Einheit 5: Stress und Krisen bewältigen ............................................................100

Wie viel Stress kann der Mensch verkraften? ............................................100 Arbeitsblatt: Stressfaktoren ....................................................................101 Wie hoch ist dein Stresslevel? ......................................................................101 Anregung für die Gesprächsrunde ..........................................................104 Strategien für den Umgang mit Stress und Krisen....................................104 Anregung zum Partnergespräch und/oder für die Gesprächsrunde ....111 Vorsorge treffen.............................................................................................112 Arbeitsblatt: »Stress und Krisen bewältigen« ........................................114 Anregung zum Partnergespräch .............................................................114 Aktion für die Familie »Umgang mit Stress und Krisen« .....................115 Barb Foye – Haarscharf am Burn-out vorbei..............................................116 Johannes und Esther Frész – Unsere Welt ist digital................................122 Hilde und Michael van Mark – Familienleben zwischen P!egealltag und Glaubensabenteuern .............................................................................127 Marc-Daniel und Gundula Kretzer – Leben als Patchworkfamilie ..........129 Einheit 6: Hilfe – Wir sind so verschieden! Unterschiedlichkeit und Konflikte konstruktiv bewältigen ......................................................................132

Vorbeugen ist besser als Heilen ...................................................................132 Kon!ikte sind Chancen ................................................................................133 Jede Menge Kon!iktpotenzial........................................................................... Stärken betonen ............................................................................................137 Typgerecht erziehen ..................................................................................... 138 Anregung zum Partnergespräch und/oder zur Gesprächsrunde ......... 138 Wie haben wir gelernt, mit Kon!ikten umzugehen? ................................ 139 Umgang mit Zorn/Ärger und Kon!ikt ....................................................... 139 Anregung zum Partnergespräch: ............................................................ 144 Aktion für die Familie: »Wie wir mit Zorn u. Kon!ikt umgehen wollen« 145 Jorid Spiecker – Einer von uns ist immer ein Fremder............................. 146 Jochen und Christine Schuppener – Die Auslandserfahrung machte uns zu Wegbegleitern in Transitionsphasen ........................................................................................ 148 Lydia Pick – Eine Mama-Perspektive: Auf die Bedürfnisse des Kindes eingehen, ohne sich selbst zu verlieren....................................................... 150 Joachim und Luciene Junginger – Unterschiede gemeinsam genießen.....153 13


Einheit 7: Gemeinsam als Familie unterwegs für Gott ......................................155 Nationen zu Jüngern machen .....................................................................155 Jüngerschaft findet in primären Beziehungen statt .................................155 Familienleben wirkt nachhaltig ...................................................................156 Pionier-Situationen, Mobilität, Flexibilität, Internationalität – Segen und Herausforderung einer Familie im Dienst ..............................157 Familienleben in einer internationalen Gemeinschaft .............................159 Eine gesunde Familie setzt Energie frei .....................................................160 Eine gesunde Familie funktioniert als Team ..............................................160 Anregung zum Elterngespräch Wie ausgewogen ist unser »Familienhaus«? ..........................................163 Als ganze Familie zum Dienst berufen .......................................................163 Anregung für die Gesprächsrunde »Familie mit Mission – Segen und Herausforderung«..........................164 Das Familienteam trainieren .......................................................................165 Arbeitsblatt: Unser Familienteam ..........................................................168 Anregung für die Gesprächsrunde ..........................................................170 Aktion für die Familie: »Unser Familienteam« ......................................170 Violet Ballard – Ich musste lernen, gesunde Grenzen zu setzen .............173 Sarah Keene – Ich bin ein MK......................................................................177 Cristita Drath – Fremde als Freunde zu gewinnen, muss nicht kompliziert sein.............................................................................................179 Shanie Knutsen – Als Familie im Missionsdienst – unser Privileg..........181 Bettina und Hans-Christian Edenharder – Familie im Dienst sein und Beruf als Berufung leben ......................................................................184

Einheit 8: »Dafür wollen wir bekannt sein« – Vision, Mission und Ziele ..............186 Vision für unsere Ehe ...................................................................................188 Wir sind ein starkes Team ............................................................................188 Unsere Beziehung ist wichtiger als der Dienst ...........................................189 Regelmäßige Kommunikation – ein wichtiger Schlüssel für unsere Beziehung ......................................................................................................189 Anregung zum Partnergespräch und/oder für die Gesprächsrunde ...189 Vision für unsere Kinder ..............................................................................190 Um diese Vision zu konkretisieren, definierten wir für unsere Kinder folgende Ziele: ...............................................................................................191

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Viele Schritte führen zum Ziel ......................................................................192 Ein einfaches Beispiel: ..................................................................................193 Arbeitsblatt: Was ist dir wirklich wichtig? (Überzeugungen und Werte) .........................................................................................................194 Arbeitsblatt: Eine Familien-Mission definieren .....................................195 Dafür wollen wir als Familie bekannt sein ..................................................196 Anregung zum Partnergespräch und/oder für die Gesprächsrunde ....196 Aktion mit der Familie: Wir gestalten ein »Familienbanner« ...............197 Auswertung und Rückblick ..........................................................................202 Hör nicht auf – spiel weiter! ..........................................................................202

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➊ Familie – Gottes Erfolgsmodell

Familie – Gottes Erfolgsmodell Ehe und Familie sind ein grundlegender Baustein eines Volkes und des Reiches Gottes. Der Mensch wird zuerst und wesentlich durch seine Familie beein!usst. 80 Prozent seines Wissens lernt er vor dem Schuleintritt. In den ersten vier Lebensjahren wird sein Weltbild maßgeblich geprägt. Weil die Familie einen solch enormen Ein!uss hat, ist es wichtig zu verstehen, wie Gott sich Familie gedacht hat. In unseren westlichen Gesellschaften fehlt weithin eine klare Definition von Ehe und Familie. Zur Orientierung wenden wir uns an den Erfinder von Ehe und Familie – an Gott selbst. In der Bibel wird das Thema Ehe und Familie mehr als tausendmal erwähnt. Der Ursprung der ersten und grundlegenden sozialen Einheit wird darin folgendermaßen beschrieben: So schuf Gott den Menschen als sein Ebenbild, als Mann und Frau schuf er sie. Er segnete sie und sprach: »Vermehrt euch, bevölkert die Erde, und nehmt sie in Besitz!« (1. Mose 1,27–28) Alles begann mit Gott. Er schuf die Menschen nach seinem Ebenbild als Mann und Frau. Gemeinsam re!ektieren sie das Bild Gottes. Gemeinsam sollen sie die Erde in Besitz nehmen und darüber regieren. Gemeinsam bekamen sie das Privileg und die Verantwortung, menschliches Leben weiterzugeben und zu vermehren. Die Ehe bekam vom Schöpfer einen zentralen Platz zugewiesen.

Ehe – etwas Neues entsteht »Deshalb verlässt ein Mann Vater und Mutter, um mit seiner Frau zu leben. Die zwei sind dann eins, mit Leib und Seele.« (1. Mose 2,24)

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Familie – Gottes Erfolgsmodell ➊

Jesus bestätigt die göttliche Schöpfungsordnung, indem er als Antwort auf eine Frage zur Ehescheidung diese Stelle zitiert (in Matthäus 19,4–5). Wenn zwei Menschen heiraten, beginnt etwas Neues. Wir fangen jedoch nicht bei null an, sondern bringen schon einiges an »Lebensgepäck« mit. Kinder lernen am Vorbild ihrer Eltern. So wird die Ehe der Eltern zum Modell für unsere eigene. Der junge Mann gewinnt seine Vorstellung vom Mann- und Vatersein durch seinen Vater. Im Leben einer Frau ist ihr Vater »der erste Mann«. Das Verständnis der Tochter vom Frausein wird von ihrer Mutter geprägt. Für den Sohn ist seine Mutter »die erste Frau«. So formt sich im Inneren des Kindes das Bild »so ist ein Mann« bzw. »so ist eine Frau« und »so funktioniert Ehe«, »so geht man miteinander um«. Auch wenn wir uns dessen meist nicht bewusst sind – das elterliche Modell beein!usst sehr stark, wie wir unsere Beziehungen gestalten. Die Werte, an denen wir uns dabei orientieren, haben wir von frühester Jugend an zu Hause mitbekommen. Möglicherweise haben wir unsere Werte in der Ablehnung dieses Modells definiert, was dann häufig übermäßig starke Überzeugungen zur Folge hat. Sind die Prägungen der Ehepartner ähnlich, stabilisieren sie die Partnerschaft, machen das Zusammenleben einfach und unkompliziert. Unterschiede geben die Würze und die Ergänzung, werden aber häufig zu Spannungspunkten. Es lohnt sich, in Erinnerungen aus der Kindheit zu stöbern und dem Ehepartner davon zu erzählen. Zum Beispiel: Wie war die Wohnsituation in meiner Herkunftsfamilie? Bin ich in einer engen Wohnung im Mietshaus mit mehreren Parteien aufgewachsen oder im eigenen Haus? Welchen Stellenwert hatte Geld? Was war notwendig, was war Luxus? Wie stand es um die Esskultur bei uns zu Hause? Waren Tischmanieren wichtig? Bei Angelas Familie waren sie es! Aufrecht sitzen, mit Messer und Gabel essen, nicht schmatzen und vor allem niemals das Messer ablecken! Natürlich wurde der Tisch 17

Das elterliche Vorbild beeinflusst, wie wir Beziehungen gestalten.


➊ Familie – Gottes Erfolgsmodell

Unterschiedliche Prägungen erfordern effektive Kommunikation.

immer schön gedeckt, mit Tischdecke, gutem Geschirr und Servietten. Ganz anders bei Andreas’ Familie. Tischdecken gab es nicht. Zum Abendbrot wurden die Lebensmittel auf den Tisch gelegt. Um Geschirr zu sparen, bekam jeder nur ein Messer. Das genügte. Nun waren wir gerade in unsere erste Wohnung eingezogen und Andreas hatte »den Tisch gedeckt«. Aber in Angelas Augen fehlte noch eine ganze Menge. »Andreas, der Tisch ist ja noch gar nicht gedeckt.« – »Natürlich ist der Tisch gedeckt!« – »Nein, ist er nicht!« – »Doch, ist er!« ... Kon!ikt! In einer gelungenen Ehe haben die Partner die Kunst entwickelt, ihre Unterschiede zur Ergänzung zu nutzen. Wenn wir unsere Familienprägungen miteinander vergleichen, erkennen wir Gemeinsamkeiten, die uns verbinden, aber auch Unterschiede, die wie Sprengstoff im Zusammenleben wirken können. Je größer die Unterschiede sind, desto vielfältiger und schwerwiegender sind die Konfrontationspunkte (z. B. bei unterschiedlicher Nationalität und Muttersprache). Der Prozess des Kennenlernens, Bewertens und Neudefinierens kann schwierig und langwierig sein. Je schwieriger er ist, desto wichtiger, ja sogar überlebensnotwendig ist er. Dabei hat die effektive Kommunikation eine Schlüsselrolle. Zunächst einmal geht es nicht darum, eine bestimmte Prägung als richtig oder falsch zu bewerten, sondern darum, sie zu erkennen, zu benennen und sie dem Partner zu erklären. Erst wenn beide Partner die mitgebrachten Vorstellungen beider verstehen, können sie den nächsten Schritt in Angriff nehmen. In 1. !essalonicher 5,21 wird uns nahegelegt: »Prüft alles, und das Gute behaltet.« Dies gilt auch für die Prägungen, die wir mitbekommen haben. Das Elternhaus prägt intensiv, aber wir können uns auch anders orientieren. Wenn wir nach der Prüfung zum Schluss kommen, dass wir in einem bestimmten Bereich nach anderen Standards leben wollen, können wir uns 18


Familie – Gottes Erfolgsmodell ➊

von alten Prägungen verabschieden und gemeinsam etwas Neues einführen. Wir haben zum Beispiel in puncto Esskultur einen Kompromiss gefunden. Wir haben einen schönen Holztisch, benutzen keine Tischdecke, aber reichlich Geschirr. Eine kon!iktreiche Ehe kann zu einem harmonischen Meisterwerk werden, wenn sich das Paar geduldig der Aufgabe stellt, sorgfältig den Zündstoff zu entschärfen. Dann kann es die Unterschiede als bereichernde Ergänzung erfahren und nutzen.

Ehe – ein unauflöslicher Bund Vielleicht müssen wir uns von Bildern und Idealen verabschieden, die Hollywood uns vermittelt hat. Ehe ist weder meine Rettung vom Singledasein (»ohne ihn/sie kann ich nicht leben«) noch die Erfüllung meines sonst »sinn-losen« Lebens. In Matthäus 19,4–5 bezieht sich Jesus auf den Schöpfungsbericht und bestätigt, dass Gott von Anfang an eine dauerhafte verbindliche Beziehung gemeint hat. Ein Mann verlässt seine Eltern, verbindet sich mit seiner Frau und gemeinsam leben sie fortan als eine neue Familie für Gott. Der Ehebund wird in der Hochzeitsnacht durch den sexuellen Akt vollzogen und ein Leben lang mit liebevollen sexuellen Begegnungen gefeiert. Dieser Bund endet erst mit dem Tod eines der beiden Partner. Die Ehe ist eine von Gott gegebene Institution, in der zwei eigenständige Personen ein neues soziales System formen. Je mehr gegenseitige Hingabe gelebt wird, desto stabiler ist dieses System. Dabei ist die Hingabe an Gott Gradmesser und Motor für die Hingabe an den Partner. Das Fundament der Ehe ist nicht die Liebe, sondern der Ehebund. An einem Bund ist auch Gott beteiligt. Ein Bund ist kein Vertrag. Das Wesen eines Vertrages ist Misstrauen; das Wesen eines Bundes ist Vertrauen und Hingabe. Ein Vertrag kann in beiderseitigem Einver19

Das Wesen eines Bundes ist Vertrauen und Hingabe.


➊ Familie – Gottes Erfolgsmodell ständnis gelöst werden, wenn sich wesentliche Umstände ändern, ein Bund nicht. Ehe ist die engste Form von Gemeinschaft. Sie findet rund um die Uhr statt und zwingt uns, unserem Egoismus ins Gesicht zu sehen und zu erkennen, wer und wie wir wirklich sind. Sie kann wie eine Charakterschmiede wirken und uns helfen, im Gehorsam und in der Liebe und Hingabe zu Gott zu wachsen. Es ist entscheidend wichtig zu wissen, wozu wir verheiratet sind und weshalb wir zusammenbleiben wollen. Allein aus menschlicher Perspektive betrachtet, lohnt sich Ehe nur so lange, wie unsere Wünsche, Bedürfnisse und Erwartungen erfüllt werden. Aber die Ehe hat eine Dimension, die über die menschliche hinausreicht. Sie repräsentiert Gott. Die Ehe ist mehr als nur ein Mittel, einander das Leben angenehm zu gestalten. Sie ist das Symbol dafür, dass Gott sich eine heilige Beziehung zu seinem Volk wünscht und diese Beziehung ermöglicht. Eine gelungene Ehe zeigt einer gefallenen Welt den Schöpfer, der ihr die Versöhnung anbietet.

Ehe – Gottes Prototyp für Teamarbeit Gott beteiligt uns an seiner Schöpfung. Gemeinsam mit ihm dürfen wir eine neue Generation hervorbringen und das Leben gestalten. »Die Erde bebauen und bewahren« (1. Mose 2,15) schließt alle Lebensbereiche (Familie, Beruf, Gesellschaft) ein. Aber kein Mensch kann diese Aufgabe allein erfüllen. Es war Absicht, dass Gott sie einem (Ehe-)Team anvertraut hat. Teamarbeit bedeutet, eine gemeinsame Vision zu verfolgen. Sie erfordert die Fähigkeit, individuelle Anstrengungen auf ein größeres Ziel auszurichten. Teamarbeit ermöglicht, dass gewöhnliche Menschen außergewöhnliche Resultate erreichen. Das Prinzip der ergänzenden Zusammenarbeit zieht sich durch die Bibel, z. B. in 1. Korinther 12,4: »So verschie20


Familie – Gottes Erfolgsmodell ➊

den die Gaben auch sind, die Gott uns gibt, sie stammen alle von ein und demselben Geist.« Als Ehepaar-Team können wir wunderbare Ergebnisse erzielen – vorausgesetzt, wir sind bereit, einander zu fördern und zu unterstützen. Stärken, Begabungen und Fähigkeiten sind Geschenke, die Gott jedem individuell gibt und die wir trainieren sollen. Um Stärken erproben und einsetzen zu können, müssen wir sie kennenlernen. Welche Begabungen hat jeder von uns beiden? Wie wirkt Gott durch dich bzw. durch mich? Welche Aufgaben liegen dir besser? Was geht mir leichter von der Hand? Wie können wir unsere Ressourcen effektiv einsetzen? Und wie können wir uns als Ehepaar gegenseitig ergänzen? Es lohnt sich, unsere Aufgabenfelder einmal unter dieser Fragestellung zu betrachten: Haushalt, Organisation, Beziehungen, Kommunikation, Technik, Verwaltung der Finanzen, Hausaufgabenbetreuung und so weiter.

Anregung zum Partnergespräch Nenne drei Begabungen, die du mitbringst, und drei Begabungen, die dein Partner mitbringt. Tauscht euch darüber aus, wie ihr euch ergänzt. In welchen Bereichen entdeckt ihr eure Möglichkeiten, in Ergänzung eure Stärken optimaler einzusetzen und dadurch noch bessere Ergebnisse zu erzielen?

Phasen berücksichtigen Als Ehepaar-Team gehen wir durch verschiedene Phasen, die ihre jeweils eigene Dynamik haben. Je nachdem in welcher Phase wir uns befinden, wie viele Kinder in welchen Altersstufen wir haben und wie leistungsfähig wir sind, haben wir mehr oder weniger Kapazität und Freiraum für Dienst nach außen. Ein Ehepaar ohne Kinder ist in der Regel !exibler und kann sich stärker nach außen engagieren als eine Familie 21

Als Ehepaar-Team können wir wunderbare Ergebnisse erzielen.


➊ Familie – Gottes Erfolgsmodell

Wir können keine Phase überspringen – aber jede verpassen!

mit Kindern. Sind die Kinder noch klein, gilt es andere Bedürfnisse zu berücksichtigen als mit Schulkindern oder Teenagern oder mit erwachsenen Kindern, die das Elternhaus verlassen haben. Jede Phase hat eine Sonnen- und eine Schattenseite. In jeder Phase gilt es, entsprechende Schwerpunkte zu setzen. Der Übergang von einer Phase in die nächste ist vor allem für die Mütter häufig emotional nicht ganz einfach. Das erste Baby, das beinahe rund um die Uhr seine Mama braucht, löst manchmal eine Identitätskrise aus: »Wer bin ich ohne meinen bisherigen Dienst?« Der Eintritt der Kleinen in Kindergarten und Schule erfordert »Loslassen« und ermöglicht gleichzeitig eine Neuorientierung: »Wie nutze ich die Freiräume, wenn meine Kinder im Kindergarten oder in der Schule sind?« Und wenn aus netten und p!egeleichten Schulkindern stachlige Teenager werden, sind wir herausgefordert, sie durch diese schwierige Phase hindurch zu lieben, z. B. indem wir verfügbar sind zum Gespräch, wenn sie das Bedürfnis dazu haben, und indem wir uns mit ihnen auseinandersetzen (heiße Diskussionen, schla!ose Nachtstunden ...). Wir brauchen die innere Größe, ihre verbalen Provokationen nicht persönlich zu nehmen, sondern für sie zu beten und ihnen zu zeigen, dass wir ihnen etwas zutrauen und überzeugt sind, dass sie das Leben meistern werden. Wenn die Kinder schließlich das Elternhaus verlassen, müssen wir sie endgültig loslassen, uns von den Familienjahren verabschieden und uns wieder auf ein »Leben zu zweit« einstellen. Dann lautet die Frage vielleicht: »Wer bin ich ohne meine Kinder?« In der darauffolgenden Lebensphase erleben wir z. B., wie unsere Familie wieder größer wird. Nun kommen Schwiegerkinder und Enkel dazu. Oder vielleicht brauchen in dieser Lebensphase unsere Eltern – die Generation vor uns – mehr Fürsorge und P!ege. Familienleben ist dynamisch und nichts ist so sicher wie Veränderung. Wir können keine Phase überspringen – aber jede verpassen! Oder wir können in jeder Veränderung eine Chance sehen, die jeweiligen Herausforderungen bewusst 22


Familie – Gottes Erfolgsmodell ➊

annehmen und gemeinsam unsere Aufgaben so anpacken, dass wir entsprechend unserer Berufung das Beste daraus machen. Gott ist ein Gott der Generationen (Joel 1,3). Die Geschichte beginnt und endet nicht mit unserer Familie. Wir sind vielmehr ein Bindeglied zwischen den Generationen vor uns und den Generationen nach uns.

Deine – meine – unsere Vision Auch wenn wir eine gemeinsame Vision haben, gilt es dennoch kreativ auf die jeweilige Situation in Ehe, Familie und Dienst einzugehen. Sind die Visionen unterschiedlich, muss ein Weg gefunden werden, wie der unterschiedliche Auftrag und das Familienleben in einer guten Weise gemeinsam gelebt werden können.

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➊ Familie – Gottes Erfolgsmodell

Arbeitsblatt: Phasen Anregung für die Gesprächsrunde Wir empfehlen, fünf Minuten zur persönlichen Vorbereitung zu nehmen. Der Austausch wird dadurch effektiver (besonders wichtig für Introvertierte). Für das anschließende Gespräch in der Gruppe etwa 20 Minuten einplanen.

1. In welcher Phase befindet ihr euch als Ehepaar bzw. Familie? Ehepaar ohne Kinder – Familie mit Kleinkindern – Familie mit Schulkindern (6–12 Jahre) – Familie mit Teenagern – Familie mit erwachsenen Kindern, die das Haus verlassen haben

2. Welche Bedürfnisse habt ihr als Ehepaar bzw. Familie in der jetzigen Phase? Denkt an Zeit zu zweit als Ehepaar, an Zeit mit euren Kindern (Spiel, Unternehmungen, Gespräche), an persönliche Freiräume zur Stille vor Gott und zur Erholung.

3. Welche Einschränkungen erlebt ihr in der jetzigen Phase? Denkt an Still- und Kleinkinder, die vor allem Mama ständig beanspruchen; an Schule, die eure Flexibilität als Familie einschränkt; an eure körperliche Verfassung (ein älterer Mensch braucht z. B. längere Erholungszeiten) usw.

4. Welche Vorteile hat eure jetzige Phase? Denkt an das Vorrecht, Kinder zu haben; an Kontakte, die sich durch eure Kinder zu anderen Familien (Kindergarten, Schule) ergeben; an neue Freiräume als Ehepaar mit erwachsenen Kindern.

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Familie – Gottes Erfolgsmodell ➊

Einige Beispiele: Andreas und Angela – eine gemeinsame Vision und gemeinsame Aufgaben »Wir hatten von Anfang an eine gemeinsame Vision: Familiendienst! Als unsere Kinder klein waren, arbeitete ich (Angela) nur bei Seminaren mit und war ansonsten vorwiegend mit unseren Kindern und dem Haushalt beschäftigt, während Andreas die Büroarbeit, Organisation etc. erledigte. 1993 zogen wir als Familie mit einem Team nach Ostdeutschland, um dort einen neuen Standort von Jugend mit einer Mission (JMEM) aufzubauen. Damals waren unsere Kinder 7 und 9 Jahre alt. Jetzt wurden wir beide mit unseren unterschiedlichen Gaben benötigt. In dieser Zeit lernten wir, einander »den Stab zu übergeben«. Das bedeutete z. B., dass einer von uns für die Kinder da war, wenn sie nachmittags aus der Schule kamen, und dass die Hausarbeit zwischen uns aufgeteilt wurde. Wir unterstützten uns gegenseitig, damit jeder seine Stärken für den Dienst einsetzen konnte.« Martin und Ruth – unterschiedliche Visionen und unterschiedliche Aufgaben »Als wir heirateten, war uns klar, dass wir beide einen Ruf für Kinder- und Jugendarbeit haben. Zunächst engagierten wir uns beide in der Jugendarbeit. Als die Kinder kamen, zog ich (Ruth) mich teilweise aus diesem Dienst zurück. In der Kleinkinderphase entdeckte ich neu meine Berufung für Kindergartenkinder und Familien. Ich startete ein eigenes Projekt und baute einen Kindergarten auf. Das war nur möglich, weil Martin bereit war, seine Projekte teilweise zurückzustellen. Die Familie sollte nicht zu kurz kommen. Wenn ich im Kindergarten war, war Martin bei den Kindern. Der Haushalt war unsere gemeinsame Sache. Wir hatten unterschiedliche Schwerpunkte und verfolgten unterschiedliche Visionen im Rahmen von Jugend mit einer Mission. Unsere Familie war Teil unseres gemeinsamen Dienstes.« 25


➊ Familie – Gottes Erfolgsmodell Joachim und Silke – eine gemeinsame Vision und unterschiedliche Aufgaben »Wir leiteten einige Jahre das JMEM-Zentrum in Hainichen. Da wir eine große Familie mit sechs Kindern sind, entschieden wir uns für eine Gewichtung, die unserer Situation entsprach. Silke kümmerte sich überwiegend um Familie und Haushalt. Darüber hinaus brachte sie sich als »Mutter« und »Freundin« in die Gemeinschaft ein, was von unschätzbarem Wert war. Zum Beispiel waren die täglichen Kaffeepausen für Silke ein wichtiger Termin. Unser Jüngster war immer dabei und genoss die Aufmerksamkeit seiner »großen Freunde«. Silke p!egte den Kontakt zu Mitarbeitern, Studenten und Gästen und nahm Anteil an dem, was sie bewegt. Dadurch wurde sie für mich (Joachim) zu meiner wichtigsten Beraterin. Wir trugen beide den Dienst des Partners mit – Silkes lag schwerpunktmäßig bei den Kindern, meiner bei den Angelegenheiten des Zentrums. Jedes dieser drei Paare hat einen individuellen Weg gewählt, den Dienst nach außen und die Familie unter einen Hut zu bekommen. Was sie aber gemeinsam haben, ist ihr Ruf als Familie zu Jugend mit einer Mission. Und das ist wesentlich. Denn eine Mitarbeit in einer missionarischen Gemeinschaft ist kein Job zwischen 8 und 17 Uhr. Wir sind als Familie im Dienst und wir sind Teil einer Gemeinschaft. Beruf und Privates lassen sich nicht so einfach trennen. In verschiedenen Lebens- und Familienphasen können sich Visionen und Aufgaben verändern. Wenn wir mit Flexibilität und Kreativität an die Verteilung der Aufgaben gehen, lassen sich meist Lösungen finden, die sowohl gute Arbeitsergebnisse gewährleisten als auch die Weiterentwicklung der Visionen und Begabungen beider Ehepartner ermöglichen. Auf diese Weise wird keiner der Partner langfristig frustriert sein, selbst wenn manchmal Träume zurückgestellt werden müssen.

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Das braucht ein starkes Ehe-Team • • • • • •

Definition von Vision und Zielen Bereitschaft zur gegenseitigen Ergänzung effektive Kommunikation Opferbereitschaft und Flexibilität gemeinsames Gebet echtes Interesse am Wohl und an der persönlichen Weiterentwicklung des Partners

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➊ Familie – Gottes Erfolgsmodell

Arbeitsblatt: Wir sind ein starkes Team Checkliste zur Einschätzung unseres Ehe-Teams. Jeder Partner markiert seine persönliche Einschätzung. Danach tauschen die Partner miteinander aus. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Wir haben unsere Vision und Ziele definiert. Wir ergänzen einander mit unseren unterschiedlichen Begabungen und Fähigkeiten. Wir sind !exibel und bereit, Opfer zu bringen. Wir kommunizieren gut und fördern einander. Wir p!egen unsere Ehe. Wir beten miteinander.

(Wenn ihr mit eurer Einschätzung weit auseinanderliegt oder eure Bewertung sehr niedrig ausfällt, lohnt es sich, wenn ihr euch mit dem entsprechenden !ema gründlich auseinandersetzt. Ihr könnt damit die Effektivität eures Teams erhöhen.) Wir empfehlen, anschließend in der Gruppe darüber zu sprechen.

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Familie – Gottes Erfolgsmodell ➊

Umfrage ergibt: Eine stabile Ehe – Erfolgsfaktor für Dienst 2007 führten wir eine Umfrage über das Ehe- und Familienleben von Missionaren durch. Mehr als 3300 Mitarbeiter von 17 verschiedenen Missionsgesellschaften nahmen daran teil. Soweit uns bekannt ist, gab es nie eine umfassendere Studie, und es ist die erste direkte Studie (d. h. die Informationen kommen aus erster Hand), die sich jemals diesem Thema gewidmet hat. Die vertrauliche Durchführung der Befragung, die Teilnehmerquote von 47 Prozent und die bemerkenswert ähnlichen Antworten von Ehemännern und Ehefrauen weisen auf zuverlässige Ergebnisse hin. Im Bericht wird deutlich: Ehen und Familien von Missionaren sind viel stabiler als erwartet. Trotzdem wünschen sich vor allem junge Missionare eine stärkere Unterstützung durch ihre Missionsgesellschaft. Bedarf wird vor allem für zwei Bereiche angemeldet: Erstens eine Vorbereitung auf den Stress, der mit dem Leben in einer anderen Kultur verbunden ist, und zweitens eine Vorbereitung auf die sich verändernden Lebensphasen, z. B. wenn Kinder dazukommen. Ein weiteres wichtiges Ergebnis der Studie: Missionare schätzen eine starke Ehe und Familie als den wesentlichen Faktor für die Effektivität ihrer Arbeit ein. Sie bewerten ihn höher als Sprachkenntnisse, kulturelle Anpassung und die Entwicklung der Leitungsstruktur des Dienstes im Land. Anders ausgedrückt, Ehe und Familie sind nicht etwa eine Bedrohung für einen effektiven Missionsdienst, sondern im Gegenteil ein Schlüssel dazu. Chuck Eckerson, FamilyLife

Aus: »Missionary Marriage and Family Survey«, mit Genehmigung. Copyright © 2008 by FamilyLife. Alle Rechte vorbehalten. (www.FamilyLife.com) 29


➊ Familie – Gottes Erfolgsmodell Empfehlung für den Abschluss dieser Einheit Gebetsrunde mit Schwerpunkt »Dank für Gottes Erfolgsmodell« – für das Geschenk, das Gott uns mit unserer Familie macht; für unsere Möglichkeiten; für unseren Auftrag. Dank für das, was wir schon erreicht haben, und für das Potenzial, das wir noch entwickeln können.

Aktion für die Familie: »Unsere Herkunftsfamilien« Eltern, erzählt euren Kindern aus euren Herkunftsfamilien. Berichtet von Begebenheiten, die deren Unterschiedlichkeit deutlich machen, und sprecht darüber, wie ihr als »neues Familiensystem« die entsprechenden Situationen handhaben möchtet. Beispiel: »So feierten wir (Familie des Mannes) Weihnachten: ...« »So feierten wir (Familie der Frau) Weihnachten: ...« »So wollen wir als Familie Weihnachten feiern: ...«

Zur Vertiefung Timothy und Kathy Keller: »Ehe: Gottes Idee für das größte Versprechen des Lebens», Brunnen Verlag Gary L. !omas: »Der heilige Hafen – Wie uns die Ehe näher zu Gott bringt«, Verlag SCM R. Brockhaus Nicky und Sila Lee: »Das Ehe-Buch – Schritt für Schritt zu einer erfüllten Partnerschaft«, Gerth Medien Volker und Felicitas Lehnert: »Ehe und Elternhaus – Mit familiären Prägungen umgehen lernen«, Neukirchener Verlagsgesellschaft. Ute Horn: »Ich will dir treu sein – Partnerschaft, die ein Leben lang hält«, Gerth Medien Kevin Leman: »Licht an, Socken aus! Ein erfülltes Sexleben als Basis einer guten Ehe«, Hänssler Verlag Susanne und Marcus Mockler: »Das Emma-Prinzip: Sieben Schlüssel zu einer richtig guten Ehe«, adeo Verlag 30


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Beate Kiwinda – Wenn zwei Kulturen heiraten Überraschung »Liebe Eltern, wie geht es euch? Eigentlich wollte ich euch schreiben, dass ich für einige Jahre nach Hause komme, doch nun werde ich nur kommen, um mich zu verabschieden. Ich werde in Afrika heiraten ...« So begann die weltlängste E-Mail, die ich meinen Eltern schickte. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten: »Das werden wir niemals akzeptieren! Vielleicht werden wir eines Tages deine Entscheidung respektieren, aber wir werden dich niemals darin unterstützen. Alle Welt kommt nach Deutschland, weil es den Leuten hier besser geht, und du entscheidest dich für ein Leben in Afrika, wo täglich Menschen an Malaria sterben. Du opferst dein Leben, ohne etwas dafür zu bekommen: keine Krankenversicherung, keine Rentenversicherung, kein Gehalt ... Und dein Mann macht es genauso ...!« Das war der Anfang meiner Ehe. Ich hatte Jeremiah in der Mission kennengelernt. Er war damals verheiratet und hatte drei Kinder. Ich bewunderte ihn als Lehrer und Prediger, aber sonst war er für mich lediglich ein Mitarbeiter. Als seine Frau sehr krank wurde, war ich oft bei ihr, denn ich bin Krankenschwester, und sie brauchte Hilfe. Nach ihrem Tod besuchte ich die Familie als Freundin der Familie und lernte sie besser kennen. Nach einigen Jahren machte Jeremiah Andeutungen, die mir signalisierten, dass er mehr in mir sah. Doch meine Zeit in Kenia schien zu Ende und ich plante, zu Hause in Deutschland Geld zu verdienen, um meinen nächsten Missionseinsatz in einem anderen Land zu finanzieren.

Eine schwere Entscheidung Es war mir nie in den Sinn gekommen, einen Afrikaner zu heiraten. Ich hatte sechs Jahre in Afrika gelebt, viele Geschichten über afrikanische Männer gehört, die ihre Frauen schlagen und sich nicht um ihre Kinder kümmern. Einen Afrikaner zu heiraten, das lag mir so fern wie nur irgendetwas. Ich war als unabhängige Frau in einer westlichen Kultur aufgewachsen und ge31


➊ Familie – Gottes Erfolgsmodell rade mal 36 Jahre jung. Warum sollte ich mich ins Unglück stürzen? Dass ich diese negativen Eigenschaften bei Jeremiah nicht sah, machte da keinen Unterschied. Er war für mich ein afrikanischer Mann mit zweifelhaftem Charakter, dem man besser nicht traut. Nein danke! Als er seine Absichten deutlicher zum Ausdruck brachte, gab ich ihm ohne Zögern den guten Rat, doch eine Missionarin zu heiraten, die ebenfalls in meinem Alter war. Ich war schon halbwegs auf dem Weg nach Deutschland und wollte ihn gut versorgt wissen. In Afrika ist es nicht üblich, offen und direkt zu sprechen. Stattdessen macht man Andeutungen. Als jemand, der aus einer sehr direkten Kultur kommt, war das für mich nicht einfach. In diesem Fall war es jedoch genau richtig, denn Jeremiah wollte mich nicht fragen, ihn zu heiraten, bevor nicht Gott gesprochen hatte. Und ich bin froh darüber, denn sonst hätte ich wahrscheinlich gedacht: »Typisch Mann – kann nicht mit Freundschaft umgehen und denkt immer gleich an mehr.« Jedenfalls sprang der Funke über und das Feuer begann zu brennen. Ich konnte es nicht erwarten, Jeremiah zu sehen, und doch sollte niemand etwas erfahren, solange ich mir nicht sicher war und wir nicht über unsere Beziehung gesprochen hatten. Weil ich weiß, dass Ehe nicht nur »Flitterwochen« bedeutet und ich in schweren Zeiten Gottes Hilfe brauchen werde, wollte ich sicher sein, dass diese Ehe seine Idee ist, sonst wollte ich sie nicht. Ich hatte Angst, einen schweren Fehler zu machen. Eine ganze Woche lang bat ich Gott, mir zu zeigen, was dran ist, meine Gefühle zu ordnen und mir etwas zu geben, woran ich mich festhalten kann. Diese Entscheidung würde den Rest meines Lebens bestimmen. Deshalb wollte ich auf keinen Fall aus einem Gefühl heraus entscheiden. Das Gefühl wird irgendwann aufhören, doch Ehe ist eine Verp!ichtung, die in guten und schweren Zeiten gilt. Gott erhörte mein Gebet. Jeden Tag bestätigte er den Gedanken, der sich erst so fremd anfühlte, auf eine andere Weise. Es war wunderbar. Ich bekam eine Schriftstelle, einen Traum, Worte von Menschen, die keine Ahnung hatten, was mich bewegte. Ich hatte Gott gebeten, die Gefühle wegzunehmen, wenn der Gedanke, Jeremiah zu heiraten, nicht von ihm kam. Doch er bestätigte ihn jeden Tag stärker. Jeremiah erklärte meinen Eltern seine Situation in einem Brief und bat meinen Vater um die Erlaubnis, mich heiraten zu dürfen. Meine Eltern hatten die Gelegenheit, Jeremiah noch vor unserer Heirat persönlich kennenzulernen. Seitdem lieben sie ihn. Sie kamen zu unserer Hochzeit nach Afrika 32


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und besuchen uns von Zeit zu Zeit. Meine Eltern sind unsere wichtigsten Unterstützer geworden.

Mit den Folgen der Entscheidung leben Wie waren die ersten Jahre? Ich vermute, nicht viel anders als bei anderen Paaren: Es ging durch Höhen und Tiefen und jedes Jahr wurde es besser. Der Anfang war nicht einfach. Wir heirateten und zogen in ein anderes afrikanisches Land, um dort ein Missionszentrum zu gründen. Ich war froh, dass wir an einem anderen Ort leben konnten und ich nicht in den Schuhen von Jeremiahs erster Frau gehen musste. Seine Kinder, zu der Zeit 11, 13 und 15 Jahre alt, waren damals im Internat in seinem Heimatland und konnten dortbleiben. Einerseits hatten wir dadurch die Möglichkeit, uns als Ehepartner besser kennenzulernen. Andererseits dauerte es lange, bis ich zu den Kindern eine gute Beziehung aufbauen konnte, weil wir uns nur in den Ferien sahen. Schon die passende Anrede zu finden, war für sie schwierig. In der afrikanischen Kultur hätte es als respektlos gegolten, wenn mich die Kinder mit meinem Vornamen angesprochen hätten. Und »Mama« war für sie unmöglich, denn das war ich nicht. Eines Tages hatte unser ältester Sohn den Hausschlüssel vergessen. Statt mich zu rufen, warf er so lange Steinchen ans Fenster, bis ich meinen Kopf herausstreckte, mich erkundigte, was los sei, und ihm die Tür öffnete. Es hat zwei Jahre gedauert, bis mich die Kinder direkt ansprechen konnten. Als Weiße in Afrika leben In einer anderen Kultur zu leben, bedeutet, dass ich mir wie ein Besucher vorkomme. Ich werde immer die »Muzungu« (weiße Person) bleiben und in der Masse auffallen. Ich habe das Gefühl, immer beobachtet zu werden. Ich bin nicht nur Beate, sondern repräsentiere mein Land und meine Rasse. Falls ich mich danebenbenehme, werden die Leute alle »Muzungus« für schlechte Menschen halten. Obwohl ich schon lange in Afrika gelebt habe, bin ich immer noch dabei zu lernen, wie die Menschen denken und warum sie bestimmte Dinge tun. So fühle ich mich manchmal einsam, besonders wenn mein Mann unterwegs ist. In ihm habe ich meinen besten Freund gefunden. Er hat meine eigene Kultur mehrmals besucht und versteht mich.

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➊ Familie – Gottes Erfolgsmodell Mischehe in einer fremden Kultur Da ich weder wusste, wie die Ehe mit einem afrikanischen Mann sein würde, noch wie man als Familie in Afrika lebt, hatte ich keine besonderen Erwartungen und war für alles offen. Ich sagte »Ja« und dieses Ja gilt »in guten und wie in schlechten Zeiten«. Unser kultureller Hintergrund ist sehr unterschiedlich. Am deutlichsten wird dies, wenn Feste anstehen, wie z. B. Weihnachten oder Geburtstage. In meiner Heimat verbringen wir viel Zeit mit den Vorbereitungen. Wir dekorieren alles und feiern dann im großen Stil. Hier sind diese Dinge völlig unwichtig, weil die Mehrheit der Bevölkerung für solchen Luxus kein Geld hat. Wie gut, dass wir in einem internationalen Missionszentrum leben. Hier kann ich die eine oder andere Tradition von zu Hause einführen. Oder zum Beispiel Kunst. Ich liebe Gemälde von Monet, Degas, Renoir etc., klassische Musik, Oper und Konzerte und historische Gebäude. Alle diese Dinge kennt man hier nicht, und auch mit meinem Mann kann ich nicht darüber reden, weil er damit nie in Berührung kam. Er hört mir zwar zu, wird aber nie in der Lage sein, dieselbe Leidenschaft wie ich dafür zu empfinden. Das ist traurig, aber eine Tatsache, mit der ich leben muss. Wenn Jeremiah abends unterwegs ist, genieße ich meine Bücher und klassische Musik. Ich bin froh, dass mein Mann nicht sehr traditionell denkt. Seine Erziehung orientierte sich an ähnlichen moralischen Überzeugungen und Werten wie meine und er hat viele Jahre in einem Missionszentrum gelebt. Ich fände es schwierig, mit einem »Macho« leben zu müssen. Es ist interessant, dass ausgerechnet im Stamm meines Mannes die Ehemänner ihre Frauen nicht schlagen »dürfen«. Gott hat Humor! Die eine Sache, über die ich mir wirklich Sorgen machte, ist nicht mal ein Thema. Seit wir zusammen eine Tochter haben, spüre ich in der Kindererziehung das durch kulturelle Unterschiede bedingte Kon!iktpotenzial. Ich bin froh, dass wir auf diesem Gebiet meist einer Meinung sind. Der Umgang mit Geld ist auch häufig ein Kon!iktherd in Ehen, den wir zum Glück nicht haben. Was wir besitzen, gehört uns gemeinsam. Darüber hinaus haben wir gelernt, Gott zu vertrauen, dass er uns versorgt. Wir glauben, dass sowieso alles Gott gehört. Da wir beide gern geben, ist es für uns leicht, zu einer gemeinsamen Entscheidung zu finden, wenn eine Not an uns herangetragen wird. In der Kultur, in der wir leben, fallen das Haus und die Kinder in den Ver34


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antwortungsbereich der Ehefrau, während der Ehemann sich darum kümmert, den Lebensunterhalt zu verdienen. Auch hier bin ich dankbar, dass wir beide in unserem Rollenverständnis !exibel sind. Ich bin gern bei den Kindern, übe aber auch gern meinen Beruf als Krankenschwester aus. Wenn Jeremiah unterwegs ist, übernehme ich seine Verantwortung im Missionszentrum, so gut ich kann. Wenn ich im Krankenhaus arbeite, ist er gern bereit, sich zu Hause um die Kinder zu kümmern, soweit seine Arbeit das zulässt. Auch wenn ich mich manchmal frage, ob wir jemals völlig übereinstimmen werden – in den wichtigen Angelegenheiten des Lebens sind wir uns einig. Und das ist wunderbar! Wenn eine Entscheidung ansteht, in der wir nicht einer Meinung sind, diskutieren wir die unterschiedlichen Aspekte. Wenn wir dann noch immer zwei unterschiedliche Standpunkte vertreten, akzeptiere ich, dass Jeremiah als Familienoberhaupt diese Entscheidung trifft. Ich weiß, dass er niemals eine wichtige Entscheidung treffen würde, ohne sie vorher mit mir zu besprechen. Bei diesem Thema geht es um Vertrauen, und solange die Ansichten des Mannes biblischen Prinzipien nicht widersprechen, habe ich kein Problem damit, wenn er das letzte Wort hat. Ich liebe meine Schwiegermutter. Sie hat den gleichen Beruf wie ich und das verbindet uns. Sie hat 12 Kinder, 75 Enkel und 12 Urenkel – eine große Familie! Hier ist es üblich, dass Verwandte ohne Anmeldung zu Besuch kommen – auch für längere Zeit. Damit hätte ich Schwierigkeiten! Glücklicherweise wohnen wir weit weg. Wenn dann jemand zu Besuch kommt, freuen wir uns, weil wir sonst nicht viel von der Familie sehen. Gott weiß, was er mir zumuten kann. Unsere Kinder sind meine besten Lehrer in Sachen Kultur. Als wir einmal verreisten und mir jemand etwas durch das Autofenster verkaufen wollte, antwortete ich hö!ich in der Sprache der Einheimischen: »Nein danke, das brauche ich nicht.« Ich hoffte, damit wäre der Fall erledigt. Doch da täuschte ich mich. Der Verkäufer bestand darauf, dass ich bräuchte, was er mir anbot. Schließlich wurde ich ärgerlich und sagte: »Sie sollten mal Ihre Ohren reinigen. Ich habe Ihnen bereits dreimal gesagt, dass ich das nicht brauche!« Damit war die Sache tatsächlich beendet. Wir leben in einer Schamkultur. Unsere Söhne waren entsetzt über meine Reaktion und hielten mit ihrer Meinung über mein Verhalten nicht zurück. Als ich sie fragte, was ich denn ihrer Meinung nach hätte tun können, sagten sie: »Schließe einfach das Fenster!« Dies wäre in meiner Kultur wesentlich weniger akzeptabel. 35


➊ Familie – Gottes Erfolgsmodell Als die Mutter einer Mitarbeiterin starb, legte mir unser Sohn nahe, die trauernde Familie zu besuchen. Ich wusste, dass alle anderen Mitarbeiter bereits dort waren, und fragte mich, ob ich denn auch noch nötig wäre und was ich dort tun könnte. »Es hilft doch niemandem, wenn ich nur herumsitze und zusehe, wie diese Frau weint.« Doch ich folgte dem Rat des Sohnes. Und tatsächlich: Ich war die Letzte, die noch gefehlt hatte. Die Mitarbeiterin weinte und ich dachte: »Wäre ich jetzt in ihrer Lage, wäre ich lieber allein!« Aber hier waren wir alle zusammen, sangen und beteten – allein oder gemeinsam, bis ein Leiter ein ermutigendes Bibelwort vorlas. Dann wurde noch einmal gebetet und schließlich gingen die Leute nach Hause. Dies war eine neue und positive Erfahrung für mich, die mir half, die Kultur meines Mannes besser zu verstehen. Bevor ich ging, bot ich unserer Mitarbeiterin meine Hilfe an. Sie bat mich, auf ihre Kinder aufzupassen, obwohl wir uns nicht besonders nahestanden. Ich war froh, dass ich etwas für sie tun konnte, und stellte fest, dass mein Angebot eine echte Hilfe für sie war. Niemand sonst hatte angeboten zu helfen. Die größte Herausforderung in unserer Ehe sind wohl unsere unterschiedlichen Gewohnheiten und Persönlichkeiten. Aber damit müssen sich auch Paare auseinandersetzen, die aus demselben Land kommen. Auch wenn wir eine glückliche Ehe führen, würde ich es doch nicht generell empfehlen, jemanden zu heiraten, der aus einer fremden Kultur kommt. Eine kulturell gemischte Ehe fordert jede Menge Toleranz, Flexibilität und braucht vor allem die klare Führung Gottes. Vor unserer Hochzeit lud meine Freundin alle Freunde ein, deren Ehepartner aus einem anderen Land kommen, damit ich mit ihnen sprechen und herausfinden konnte, auf welches Abenteuer ich mich mit der Heirat einlasse. Das war klasse! Aber letztendlich kommt es darauf an, dass es Gottes Willen entspricht. Als mich der Pastor fragte, ob ich mir zutraue, eine Ehe mit einem Mann aus einer anderen Kultur einzugehen und Mutter von drei Kindern zu werden, noch dazu weit weg von meiner Familie und meinem Zuhause, konnte ich nur antworten: »Ich weiß nicht, ob ich dazu in der Lage bin, aber ich weiß, dass Gott ›Ja‹ dazu sagt, und wenn er es mir zutraut, dann kann ich auch vertrauen, dass er mir hilft, wenn es schwierig wird.« Der Pastor erwiderte: »Dann hast du alles, was dazu nötig ist, denn Gott macht keine Fehler.« Dieses Wort hat mir schon oft durch schwierige Situationen geholfen.

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Kommentar von Jeremiah Am schwierigsten war für mich, mit den Erwartungen der Leute umzugehen. Anscheinend dachten sie, ich sei jetzt finanziell rundum versorgt, weil ich eine Frau aus einem westlichen Land geheiratet habe. So ist das natürlich nicht. Nach 17 Jahren Mitarbeit in einem internationalen Missionszentrum sehe ich Weiße nicht mehr zuerst als ›Weiße‹. Ich habe gelernt, sie in erster Linie als Personen zu sehen und nicht durch eine kulturelle Brille. Nachdem wir geheiratet hatten, musste ich jedoch noch eine Menge in puncto Kulturen und Weltanschauungen lernen. In dem Maße, wie wir einander in unserer Unterschiedlichkeit dienen und unsere Liebe statt der Unterschiede in den Mittelpunkt stellen, können wir unser Leben immer mehr genießen. Beate Kiwinda (Deutschland) ging mit 30 Jahren als Krankenschwester und Hebamme nach Kenia. Sie heiratete den verwitweten Pastor Jeremiah Sawadi Kiwinda (Kenia), der drei Söhne mit in die Ehe brachte. Kiwindas leiten das JMEMZentrum in Dar es Salaam.

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