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Dr. S. Smythe an Johanna Berglund

27. Januar 1944

Sehr geehrte Miss Berglund, man sagte mir, der beste Ort, um diese Notiz zu hinterlassen, sei beim Bibliothekar. Er versicherte mir, Sie würden die Uni-Bibliothek so regelmäßig aufsuchen, wie ein Uhrwerk schlägt, und er werde die Nachricht an Sie weiterleiten. Sie enthält dringliche Informationen, die nicht bis zu unserem nächsten Kurs warten können. Bitte vereinbaren Sie in meinem Büro einen Termin nach Ihrem Belieben, solange Ihr Belieben sich auf heute oder morgen bezieht. Ich möchte mit Ihnen über eine einmalige Chance reden, die sich Ihnen bietet. Dr. Sheridan Smythe Professor für Moderne Sprachwissenschaft, Universität von Minnesota *** Major J. E. Davies an Johanna Berglund

24. Januar 1944

Sehr geehrte Miss Berglund, es ist mir eine Freude, Sie kennenzulernen, auch wenn dieses Kennenlernen nur durch ein Blatt Papier und nicht durch einen beherzten Handschlag stattfindet. Ich habe jedoch fast das Gefühl, Sie bereits zu kennen, nach all den beeindruckenden Dingen, die ich über Sie gehört habe – Wunderkind, Jahrgangsbeste, eine vollständige Eigenübersetzung von Dantes Inferno als Bewerbung für die Universität! Da kommt man ja aus dem Staunen nicht wieder raus! Wenn Sie so weitermachen, werden Sie eines Tages Außenministerin und ich salutiere vor Ihnen! Wenn Sie diesen Brief erhalten, wird Ihnen mein alter Freund Dr. Smythe bereits die Grundzüge unseres Stellenangebots als Übersetzerin im Lager Ironside dargelegt haben. Doch ich möchte Ihnen noch einmal persönlich schreiben, um zu betonen, wie unerlässlich Sie für den reibungslosen Ablauf unseres neuen Lagers wären. Überlebensnotwendig, wenn Sie so wollen! Wir denken, dass Sie nicht nur eine gute, sondern die beste Kandidatin sind. Warum, fragen Sie sich vielleicht? Ich fürchte, wir haben einige –


wie formuliere ich es am besten? – unerwartete Schwierigkeiten mit der Öffentlichkeitsarbeit in Ironside Lake. Als ähnliche Lager in der Nähe gegründet wurden, war die öffentliche Meinung ebenfalls nicht gerade wohlwollend, jedoch waren wir niemals mit einer derart offenen Feindseligkeit konfrontiert wie in Ihrer Heimatstadt. Damit hatten wir nicht gerechnet! Wir hoffen, dass es uns mit Ihnen – einer Tochter der Stadt und, nicht zu vergessen, des Bürgermeisters – als Mitarbeiterin gelingt, die Wogen zu glätten und die Menschen zu beruhigen. Schon während wir die Suche nach einem Übersetzer im Fort Snelling besprochen haben, hat einer unserer Sprachexperten (ein Mitglied einer militärischen Geheiminitiative, in höchstem Maße vertraulich, Sie verstehen) meinem Vorgesetzten eine Person empfohlen, die für diese Position genau richtig sei. Sie zeichne sich durch eine außergewöhnliche Begabung für Fremdsprachen aus und passe von ihrem Temperament her bestens. Dabei handelte es sich selbstverständlich um Sie! Sie können sich vorstellen, wie erstaunt ich war. Zwei unabhängige Empfehlungen für ein und dieselbe Person für die Stellung der Übersetzerin. Ein Geschenk des Himmels! Tatsächlich fühlt es sich so an, als wäre die Entscheidung bereits getroffen. Ich vertraue darauf, dass Sie zu dem gleichen Schluss kommen werden. Ich muss zugeben, als Ihre Eltern und unser Sprachexperte mir gleichermaßen versicherten, dass »Jo Berglund« die perfekte Besetzung für den Job wäre, bin ich zunächst davon ausgegangen, dass »Jo« ein Mann ist. Erst später erkannte ich meinen Fehler. Andere Lager sind zögerlich, wenn es darum geht, weibliches Personal einzustellen. Man versucht sogar zu vermeiden, dass Kriegsgefangene in der Nähe von Zivilistinnen arbeiten. Doch da Ihre Integrität und Ihre Fähigkeiten in den höchsten Tönen gelobt wurden und ich ein Mann des Fortschritts bin, sehe ich keine Probleme mit Ihrer Anstellung. Ich danke Ihnen noch einmal, dass Sie über die Anstellung nachdenken, und freue mich darauf, bald von Ihnen zu hören! Mit größtem Respekt, Major J. E. Davies US-Armee, Fort Snelling


*** Johanna Berglund an Major J. E. Davies

27. Januar 1944

Sehr geehrter Major Davies, ein Freund hat mir geraten, einen Brief möglichst immer mit einem Kompliment zu beginnen. Erlauben Sie mir also zu sagen, dass der Briefkopf von Fort Snelling durchaus beeindruckend ist, ohne protzig zu wirken. Und damit weiter zu den schlechten Nachrichten. Ich bedaure, Ihnen mitteilen zu müssen, dass ich Ihr Angebot für eine Anstellung als Übersetzerin in Ironside Lake ablehnen muss. Ausdrücklich sogar. Meine Studien hier an der Universität von Minnesota sind zu wichtig, als dass sie eine Unterbrechung erlauben würden. Zudem habe ich mich bereits zu Sommerkursen angemeldet, es wäre mir also ohnehin nicht möglich, mehrere Monate in einem Kriegsgefangenenlager zu verbringen. Hinzu kommt, dass der Stifter meines Stipendiums sicherlich nicht erfreut wäre, wenn ich mein Studium länger unterbrechen würde. Peter Ito hat recht; ich bin für die Position qualifiziert. (Ich gehe davon aus, dass er derjenige ist, der mit Ihrem Vorgesetzten gesprochen hat.) Wahrscheinlich sogar überqualifiziert, da ich ebenfalls fließend Französisch, Dänisch, Griechisch und sogar Latein spreche und neuerdings auch Japanisch lerne. Doch ich fürchte, Sie müssen jemand anderen suchen. Ich würde Ihnen raten, sich in New Weimar umzuhören. Es ist eine eher ländliche Region und die meisten Einwohner sind erst vor ein oder zwei Generationen aus Deutschland eingewandert. Ich habe dort als Kind oft deutsche Sprachfetzen aufgeschnappt, wenn wir bei unserem jährlichen Ausflug dorthin an einer Tankstelle angehalten haben, was mein Interesse an der Sprache geweckt hat. Was das Geschenk des Himmels angeht, hoffe ich, dass Ihr Glaube an den Allmächtigen nicht allzu sehr erschüttert wird. Doch ich bin fest davon überzeugt, dass er mich hier an die Uni geschickt hat. Nach Minneapolis. Und hier werde ich so lange bleiben, bis ich meinen Abschluss habe, um dann endlich dort arbeiten zu können, wo es mich schon mein ganzes Leben lang hinzieht – nach Oxford in England und nicht nach Ironside Lake in Minnesota. Noch einmal möchte ich betonen, wie geehrt ich mich fühle, dass man


mich für eine solche Position in Betracht zieht. Auch das Gehalt ist bemerkenswert. Ich wünsche Ihnen alles Gute bei Ihrer Suche nach einem anderen Kandidaten. Hochachtungsvoll, Johanna Berglund *** Johanna Berglund an Peter Ito

27. Januar 1944

Lieber Peter, dieses Mal hast du es wirklich geschafft. Ich kann mich nicht entscheiden, ob ich dich wegen deiner Heimtücke tadeln oder dir für das völlig missglückte Kompliment danken soll. Also tue ich beides und du kannst dir aussuchen, was dir mehr bedeutet. Warum, um alles in der Welt, hast du diesem Major Sowieso den Floh ins Ohr gesetzt, dass ich die perfekte Kandidatin für die Position als Übersetzerin bin? Meine Sprachbegabung gestehe ich ein – wobei du mir bei Deutsch wohl blind vertraust, wenn du behauptest, ich würde es fließend sprechen. Du selbst kennst ja nur die zwei Wörter Gesundheit und Sauerkraut. Aber dass du mein Temperament lobst? Machst du Witze? Du bist einfach zu höflich, um es laut auszusprechen, aber wir wissen beide, dass ich absolut nicht mit Menschen umgehen kann. Mir fällt es ja schon schwer, meinem Heimatort Ironside Lake einen Besuch abzustatten. Vater und Mutter freuen sich natürlich jedes Mal, wenn sie mich sehen, aber ich plane meine Besuche immer so, dass möglichst wenige Sonntage in diese Zeit fallen. Beim Kirchenbesuch in einer so kleinen Stadt geht es weniger um den eigentlichen Gottesdienst und mehr darum, gesehen zu werden. Und ich bin nicht mehr das niedliche zehnjährige Mädchen im Matrosenkleid, das aus vollem Herzen »Jesus liebt Kinder« trällert. Wenn der Major dich noch einmal auf das Thema anspricht, sag ihm bitte, dass er mich in Ruhe lassen soll. Oder, da du wahrscheinlich nicht so direkt wärst, wechsle einfach das Thema. Oder noch besser, empfiehl ihm jemand anderen als Übersetzer. Egal wen, Hauptsache nicht mich.


Die Idee kommt sicherlich von meinen Eltern. Mutter beklagt sich in ihren Briefen ständig mit tränenreichen Worten, wie schrecklich leer das Haus ist, seit meine Schwester geheiratet hat und ich zum Studium fortgegangen bin. Das wirft sie mir vor, obwohl sie mich doch kaum beachtet hat, als ich noch da war. Sogar Vater hat nie meine Entscheidung zum Sprachstudium gutgeheißen, obwohl ich denke, dass er wenigstens ein bisschen beeindruckt davon war, dass ich das Geld dafür zusammenbekommen habe. Ich weiß, dass er und Mutter überglücklich wären, wenn ich zurück nach Ironside Lake käme, wie meine Schwester einen reichen Bankierssohn heiratete und meinen albernen Wunsch, in Oxford zu arbeiten, endlich aufgäbe. Ich habe den ganzen Abend damit zugebracht, eine respektvolle Antwort für den Major zu formulieren, und jetzt schreibe ich dir. Und mein schönes Buch mit Ovids Gedichten liegt vollkommen vernachlässigt in der Ecke. Es ist schrecklich lästig, wenn man vom wahren Leben immer wieder aus dem Lesen gerissen wird. Deine Freundin, Jo *** Peter Ito an Johanna Berglund

31. Januar 1944

Liebe Jo, du bist eine regelrechte Prophetin. Major Davies hat mich tatsächlich noch einmal deinetwegen kontaktiert. Ich musste sogar meinen Unterricht unterbrechen, um seinen Anruf in meinem Büro entgegenzunehmen. Seine ersten Worte waren: »Mr Ito, warum haben Sie mir nicht gesagt, dass dieses Berglund-Mädchen so verflixt kompliziert ist?« Nur, dass er nicht verflixt gesagt hat. Wirklich, Jo, was hast du denn in deinem Brief geschrieben? Wäre es so schlimm, sich ein oder höchstens zwei Semester freizunehmen, um das Erlernte anzuwenden? Ich weiß, dass du von einem Leben in England träumst, in dem du dich den ganzen Tag in altenglische Schriften vertiefen und die Tragödien von Euripides übersetzen kannst, aber falls du


es in letzter Zeit im Radio nicht gehört haben solltest, die Deutschen sind gerade dabei, England in Schutt und Asche zu bomben. Selbst wenn du deinen Bachelor schon in der Tasche hättest, könntest du also momentan nicht dorthin. Aber ich sollte nicht so hart mit dir sein. Wahrscheinlich sagen dir alle anderen das Gleiche und ich weiß, wie sehr du deine gemütliche Wohnung und den Teekessel und den Schreibtisch in der Bibliothek liebst. Ich will, dass du glücklich bist, Jo. Aber denk doch wenigstens noch einmal darüber nach. Dein Freund, Peter *** Johanna Berglund an Peter Ito

3. Februar 1944

Lieber Peter, ich verspreche dir, dass ich noch einmal über die Anstellung nachdenken werde. So. Fertig nachgedacht. Hat auch nur zehn Sekunden gedauert. Und dann habe ich den Gedanken zurück in mein mentales Regal gestellt, wo er hingehört. Alphabetisch einsortiert, genau zwischen Nie und Nimmer. *** Major J. E. Davies an Johanna Berglund

1. Februar 1944

Sehr geehrte Miss Berglund, danke, dass Sie sich die Zeit genommen haben, mir so schnell zu antworten. Auch die Büroabteilung des Forts weiß Ihr Kompliment sicher zu schätzen. Es tut mir leid, dass Sie geneigt sind, unser Angebot abzulehnen, aber lassen Sie mich noch einige Punkte erwähnen, die Ihre Meinung vielleicht ändern werden. Als Kind der Stadt wird man Ihnen in Ironside Lake vertrauen und dies


wird uns wiederum dabei helfen, das Wohlwollen in der Gemeinde zu festigen. Denken Sie an all das Gute, das Sie bewirken können! Ich sage Ihnen, wenn meiner eigenen Tochter die Möglichkeit geboten würde, ihrem Land auf eine so ehrenhafte Weise zu dienen, würde sie sofort ihre Taschen packen! Dies ist ein Angebot, für das jeder Sprachstudent dankbar sein sollte – vor allem aber eine Frau, die Unabhängigkeit und Respekt bei ihrer Forschung sucht. Nehmen Sie sich ein paar Tage Zeit, um darüber nachzudenken. Ich kann gar nicht genug betonen, wie wichtig diese Angelegenheit ist! Mit größtem Respekt, Major J. E. Davies US-Armee, Fort Snelling *** Johanna Berglund an Major J. E. Davies

4. Februar 1944

Sehr geehrter Major Davies, es tut mir leid, wenn mein letzter Brief den Anschein erweckt haben könnte, ich wäre noch zu überzeugen, denn das bin ich nicht. Ich wäre Ihnen keine Hilfe dabei, gute Beziehungen zu Ironside Lake aufzubauen. Überzeugungskraft ist, wie Sie vielleicht bemerkt haben, nicht meine Stärke. Ich liebe Worte. Ich präge sie mir ein und erfreue mich daran, die perfekte Übersetzung zu finden, die die Aussage eines Autors möglichst genau wiedergibt … Doch ich bin nicht gut darin, eigene Worte zu finden, vor allem, wenn ich mit Menschen rede. Ich kann Ihnen versichern, dass ich Ihnen bei der Öffentlichkeitsarbeit keine große Hilfe wäre. Es besteht kein Zweifel daran, dass die Menschen in Ironside Lake ebenso glücklich darüber sind, mich los zu sein, wie ich es bin, nichts mehr mit ihnen zu tun haben zu müssen. Verzagen Sie nicht! Ich bin sicher, dass Sie die richtige Person für die Aufgabe finden werden, doch ich bin es mit Sicherheit nicht. Johanna Berglund


*** Mrs Elaine Berglund an Johanna Berglund

2. Februar 1944

Liebe Jo, ich bin überrascht, dass du uns weder geschrieben noch angerufen hast, nachdem du das Angebot als Übersetzerin erhalten hast. Aber Major Davies hat uns bei seinem letzten Besuch über alles in Kenntnis gesetzt – auch über deine Ablehnung. Ich fürchte, dass es mittlerweile die halbe Stadt weiß, obwohl sie es natürlich nicht von mir haben. Ich vermute, die undichte Stelle war die Frau von Major Davies, die ihn hierher begleitet hat. Sie scheint eine Plaudertasche zu sein, trotzdem ist sie ungemein elegant. Sie ist wohl an New York City gewöhnt, und konnte nicht ahnen, dass, wenn man in einer kleinen Stadt wie der unseren über die Belange anderer Leute spricht, es am nächsten Tag die Spatzen von den Dächern pfeifen. Ich hoffe, du warst nicht unhöflich zum Herrn Major, Schatz. Dein Vater ist in einer heiklen Lage, gerade angesichts der Wahlen im November. Er muss die Unruhestifter der Stadt besänftigen und gleichzeitig ein gutes Verhältnis zur Armee und dem Koordinationsausschuss der Farmhelfer aufrechterhalten. Deine Hilfe wäre also durchaus willkommen. Die Leute wären sicherlich sehr beruhigt, wenn jemand, den sie kennen, im Lager übersetzen würde. Und dein Vater und ich wären mehr als glücklich, dich wieder hier bei uns zu haben. Natürlich ist es allein deine Entscheidung. Doch du solltest gut darüber nachdenken. Wenigstens würdest du hier etwas Anständiges zu essen bekommen. In Liebe, deine Mutter ***


Dr. S. Smythe an Johanna Berglund

7. Februar 1944

Sehr geehrte Miss Berglund, wie sich herausstellt, hat sich der großzügige anonyme Spender des Fonds, aus dem Ihr Stipendium finanziert wird, dazu entschlossen, ab sofort die entsprechenden Mittel nur noch solchen Studenten zugutekommen zu lassen, die ihre sprachlichen Fähigkeiten für patriotische Zwecke einsetzen – Diplomatie, Entwicklungshilfe, Regierungsangelegenheiten usw. Falls Sie sich erneut auf das Stipendium bewerben wollen, können Sie das gerne tun. Es wird ein Aufsatz darüber verlangt, auf welche Weise Sie diese neuen Anforderungen erfüllen. Bevor Sie nun erbost mein Büro stürmen und mir vorwerfen, ich hätte in dieser Sache ein Händchen im Spiel gehabt, möchte ich Ihnen versichern, dass dem nicht so ist. Ich muss Ihnen natürlich zustimmen, dass die zeitlichen Zusammenhänge mehr als verdächtig erscheinen. Obwohl mir die Identität des Spenders nicht bekannt ist, gehe ich davon aus, dass er ein »alter Freund« von Major Davies ist. Muss ich noch mehr sagen? Dr. Sheridan Smythe Professor für Moderne Sprachwissenschaft Universität von Minnesota *** Johanna Berglund an Major J. E. Davies

9. Februar 1944

Sehr geehrter Major Davies, dieses Mal keine Komplimente. Wenn Sie es für angebracht halten, den Stifter meines Stipendiums dazu zu bringen, mir die Gelder für meine Studien zu entziehen, muss auch ich mich nicht mehr an die Gepflogenheiten der Etikette halten. Etikette war für mich ohnehin schon immer der Ausdruck institutionalisierter Unaufrichtigkeit. Es ist doch besser, die Dinge so auszusprechen, wie sie sind. Ich befinde mich in der unangenehmen Situation, dass man mich dazu erpresst, meinem Land zu dienen. Es sieht so aus, als hätte ich keine an-


dere Wahl, als meine Studien ruhen zu lassen und in Ihr Kriegsgefangenenlager zu kommen. Ich hoffe, Ihr schlechtes Gewissen ist groß genug, um sich auf einen Kompromiss einzulassen, den ich Ihnen anbieten möchte: Wenn ich zurück nach Ironside Lake komme, um als Übersetzerin, Zensorin, Mädchen für alles usw. zu arbeiten, möchte ich, dass Sie ab dem 1. August dieses Jahres über die Neubesetzung der Stelle nachdenken. Wenn das Lager erst einmal gut läuft und die Beziehungen zwischen der Stadt und dem Lager sich verbessert haben, wird meine Anwesenheit dort ja nicht mehr vonnöten sein. Ich biete Ihnen an, sechs Monate meines Lebens zu opfern, um meinem Land mit einer Aufgabe zu dienen, die offensichtlich kein anderer übernehmen wollte. Ich hoffe, Sie stimmen mit mir darin überein, dass der angebotene Kompromiss durchaus angemessen ist. Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich bin qualifiziert und werde meine Aufgabe mit Bravour meistern. Es gibt keinen Grund, sich in dieser Hinsicht Sorgen zu machen. Ich hoffe, dass Sie über meine Bedingungen nachdenken und mir so bald wie möglich antworten. Johanna Berglund *** Major J. E. Davies an Johanna Berglund

12. Februar 1944

Sehr geehrte Miss Berglund, ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie erfreut ich war, als ich heute Ihren Brief in der Post hatte! Ich habe auch gleich mit Smythe telefoniert und auch er war froh, dass Sie die richtige Entscheidung getroffen haben. Ein sehr zuvorkommender Mensch. Ich hatte befürchtet, dass ich von ihm eins auf die Finger bekommen würde, weil ich seine Vorzeigestudentin entführe. Doch er schien erfreut zu sein, dass wir jemanden für diese wichtige Position gefunden haben. Er hat mich außerdem darauf hingewiesen, dass Sie eine recht brüske Art haben, also interpretiere ich Ihren Brief in diesem Lichte.


Ihr Vorschlag, gegen Ende des Sommers eine Neubesetzung der Stelle in Betracht zu ziehen, erscheint mir durchaus nicht unvernünftig. Heben Sie einfach diesen Brief auf und erinnern Sie mich zu gegebener Zeit wieder daran, dann können wir weitersehen. Mit etwas Glück wird alles so ruhig und unaufgeregt wie auf einem Friedhof verlaufen und Sie können zu Ihren Studien zurückkehren! Ich möchte Ihnen jedoch versichern, dass ich nichts mit der Umverteilung Ihres Stipendiums zu tun hatte! Vielleicht halten Sie sich mit Ihren Anschuldigungen zurück und denken darüber nach, ob nicht göttliche Vorsehung Sie zu uns geführt haben könnte. Mit größtem Respekt, Major J. E. Davies *** Telegramm von Johanna Berglund an ihre Eltern vom 16. Februar 1944 KOMME MONTAG HEIM WEGEN ARBEIT ALS ÜBERSETZERIN. ARMEE HOLT MICH AM BAHNHOF DULUTH AB. TREFFE GEGEN MITTAG EIN. BITTE BETTZEUG LÜFTEN.


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