ALMUT HEYMANN & DORTJE GAERTNER ( ILLUSTR. )
Tom & Lulu Zwei Mäusekinder entdecken das Geheimnis vom Säen und Ernten
Almut Heymann, Jahrgang 1963, teilt ihre Liebe zur Natur gerne mit Kindern und anderen Menschen. Seit vielen Jahren begleitet sie Kinder in der eigenen Familie, in Gemeinden und verschiedenen Kitas. Sie lebt in Angeln im nördlichen SchleswigHolstein. Dortje Gaertner ist gelernte Design-, Sozial-, und Gemeindepädagogin. Sie liebt kreative Prozesse und mag es, malend und zeichnend die Welt zu gestalten. Sie arbeitet als Kinderreferentin und Gemeindepädagogin im EC-Nordbund und im Verband der Gemeinschaften in Schleswig-Holstein.
Für Cora und Melissa und alle, die noch zu uns gehören werden. Almut Heymann Für Johanna, Emilia und Nathanael. Dortje Gaertner
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über https://dnb.de abrufbar. ISBN 978-3-96362-501-5 Alle Rechte vorbehalten © 2026 by Francke-Buch GmbH Am Schwanhof 19, 35037 Marburg an der Lahn Illustrationen Innenteil und Cover: © Dortje Gaertner Umschlaggestaltung: Francke-Buch GmbH / Marion Schramm Satz: Francke-Buchhandlung GmbH Printed in Poland www.francke-buch.de info@francke-buch.de
Kennst du Mäuse? Es gibt viele verschiedene Arten. In unserem Garten leben z. B. Feldmäuse. Wenn man ganz stillsitzt, kann man sie beobachten. Manchmal flitzen sie durchs Blumenbeet. Oder sie kommen aus ihrem Loch, pflücken mit ihrem Maul ein Stiefmütterchen und ziehen es in ihre Höhle. Einmal habe ich gesehen, wie ein Mäusevater oder eine Mäusemutter ihre Babys eins nach dem anderen von einer Höhle in eine andere getragen hat. Das war so spannend, dass ich ganz lange stillsitzen konnte. Dieses Buch erzählt von ganz besonderen Mäusen. Man findet sie in keinem Garten und auch nicht im Wald. Diese Mäuse sind ein bisschen so wie du und ich: Sie gehen zur Schule, putzen ihre Höhle, haben Gummistiefel an und schlafen unter einer kuscheligen Decke.
Das Körnerversteck Die Mäusekinder Tom und Lulu waren kurz vor dem Winter geboren worden. Der Winter war lang gewesen und kalt. Aber Mama und Papa Maus hatten sich gut um ihre Kinder gekümmert. Sie hatten Futter gesucht und Feuerholz geholt, gekuschelt und vorgelesen. Inzwischen waren Tom und Lulu größer. Ihre Mäusebeine wollten rennen und ihre Mäusemäulchen wollten schreien und jauchzen. In der engen Höhle war es oft sehr wild und laut. Deshalb war Mama Maus froh, dass nun Frühling wurde.
Papa und Mama Maus waren schon oft mit Tom und Lulu draußen gewesen und hatten ihnen erklärt, was ein Mäusekind so wissen muss: Wie man sich versteckt, wenn eine Katze kommt, und wie man den Bussard am Himmel entdeckt.
An einem schönen Frühlingstag hatten sich die Mäuseeltern den großen Höhlenputz vorgenommen. Tom und Lulu maulten und jaulten, denn die Sonne schien und sie wollten raus. Putzen war so langweilig! Und überall waren sie im Weg. Aber Mama Maus sagte Nein. »Schaut doch, wie es hier aussieht! Morgen können wir wieder raus.«
»Wir können schon allein gehen«, sagte Lulu, die sehr mutig war. »Oh ja!«, bettelte Tom, der nur fünf Minuten jünger war als Lulu und fast genauso mutig wie sie. »Ich weiß nicht«, sagte Mama Maus. »Wenn eine Katze kommt …« »Dann verstecken wir uns so schnell wie der Wind«, versprach Tom. »Ich weiß nicht«, sagte Mama wieder. »Bitte, Mama!«, riefen beide Mäusekinder im Chor. »Wir sind doch schon soo groß.« »Na gut«, sagte Mama Maus, »aber seid vorsichtig. Und zieht eure Gummistiefel an. Es ist matschig.«
Aber das hörten Lulu und Tom schon nicht mehr. Schnell wie der Blitz liefen sie los. Sie sangen und sprangen und versuchten, ihren eigenen Schwanz zu fangen. Sie jauchzten und tobten und vergaßen auch nicht, auf die Katze zu achten. Plötzlich wurde es sehr laut. Die Erde dröhnte. Rasch versteckten sich die Mäusekinder im Gras.
Sie sahen einen Mann in einer riesigen Maschine näherkommen. »Was macht der denn da?«, flüsterte Tom. »Der versteckt ja lauter Weizenkörner in der Erde.« »Ist der dumm«, wisperte Lulu. »Der denkt, keiner sieht ihn. Aber wir sehen ihn! Wir kennen sein Körnerversteck.«
Dann fuhr der Mann weg, und – zack! – liefen Tom und Lulu auf das Feld. Zwei Mäusemäulchen schrien und lachten: »Hurra, wir haben einen Schatz!«. Vier Mäusepfötchen gruben, dass die Erde spritzte. Acht Mäusebeine liefen immer wieder zu einem Loch in einer Baumwurzel. Dorthin legten sie die Körner. »Ich kann nicht mehr«, schnaufte Lulu irgendwann. »Komm, wir machen eine Pause!« Die beiden setzten sich in die Sonne und knabberten von ihrem Körnerschatz. »Bald wird es dunkel«, sagte Lulu nach einer Weile. »Wir müssen nach Hause.«
»Zehn Körner schaffen wir noch«, sagte Tom. »Zehn?? Hundert!«, rief Lulu. »Genau, hundert!«, jauchzte Tom. Und schon ging es wieder los.