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SEBASTIAN WICKEL & LYDIA RIESS (HG.)

Folge mir nach. Mit 365 JesusWorten durch das Jahr


Vorwort »Folge mir nach.« – Das sind die Worte, mit denen Jesus Menschen in seine Nachfolge rief und weiterhin ruft. Die Bibel und die Kirchengeschichte sind voller faszinierender Geschichten, die aus einem Grund geschrieben wurden: Menschen machten sich mit Jesus auf den Weg. Sie hörten, lernten und wagten.

»Folge mir nach.« – Das sind Worte, die er auch zu dir spricht. Jesus will weitere Geschichten schreiben. Daher freuen wir uns, dich auf eine Reise zu 365 JesusWorten mitzunehmen und zu entdecken, was er heute dort tut, wo wir seine Worte auf uns wirken lassen.

Wir, das ist eine Runde von 30 Menschen, die in verschiedenen Niederlassungen der JesusBewegung als Jüngerinnen oder Jünger unterwegs sind. Wir haben es geliebt, in die JesusWorte einzutauchen, Schätze zu entdecken und Worte zu suchen, um das, was der Mann, nach dem unsere Zeitrechnung benannt ist, vor über 2000 Jahren seinen Mitmenschen gegenüber offenbart hat.

Neben der Faszination für Jesus – was er tut und wer er in unserem Leben ist – eint uns eine Hoffnung: dass Jesus dieses Buch gebrauchen wird, um dich in seinen Perspektiven tiefer und tiefer einwurzeln zu lassen.

Wenn du uns in diesem Buch immer wieder begegnest, schreiben wir dir als seine Zeugin oder sein Zeuge. Wir sind diejenigen, die diese Andachten geschrieben haben. Zugleich sind wir gewöhnliche Menschen, die in seiner Nachfolge unterwegs sind. Und mit gewöhnlichen Menschen schreibt Jesus gerne seine Geschichten. Jede einzelne von ihnen begann mit seinen Worten: »Folge mir nach.«

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Daher wünschen wir dir viel Freude beim Jesusfolgen, geistreiche Momente mit seinen Worten, wundervolle Geschichten und eine mutige Gelassenheit, wenn du in diesem Jahr immer wieder heilige Gelegenheiten eröffnest und sein Wirken suchst. Deine Weggefährten und Weggefährtinnen in seiner Bewegung:

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Eine kurze Einleitung Wer wie viele Hintergründe zu einem Andachtsbuch haben will, ist unterschiedlich. Deshalb haben wir ab Seite 373 einen Anhang entworfen. Dort kannst du dir deinem Bedarf entsprechend Hintergrundinfos holen. Drei Einblicke stehen dir dort zur Verfügung: Autorinnen und Autoren Kurz und knapp erfährst du hier, wer die Menschen sind, die diese Andachten geschrieben haben. Auswahl und Anordnung der JesusWorte Hier erfährst du, welche Grundentscheidungen wir bei der Auswahl und Anordnung getroffen haben. Übersicht der Genres im Jahresverlauf Hier siehst du, welche Genres dich im Verlauf durchs Jahr erwarten.

Darüber hinaus findest du ab Seite 384 einen pointierten Einblick, wie sich die Lehren Jesu zu einem Gesamtganzen ordnen lassen.

Du willst die Tour mit den JesusWorten gemeinsam mit anderen machen? Dann entdecke den Reisebegleiter zu den JesusWorten an und starte eine Kleingruppe.

www.sebastianwickel.de/jesusworte

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Was erwartet dich? 1. Du findest Predigten, die in Perspektiven der Jüngerschaft einführen. 2.

Du entdeckst eine Handreichung, um eine Kleingruppe zu starten. Was ist das Besondere der Kleingruppe? • Ihr folgt den JesusWorten – es ist keine inhaltliche Vorbereitung nötig. • Ihr sucht gemeinsam das Reich Gottes – mitten im Alltag eures Lebens. • Ihr erlebt euch als Weggefährtinnen und Weggefährten – fast wie damals.


1. Januar »Denkt um, denn das Reich Gottes ist nahe.« Matthäus 4,17 (eigene Übersetzung)

Das ist die Eröffnung, die Jesus für sein Wirken wählt. Es ist der Satz, mit dem du nun in das neue Jahr startest. Gleich zu Beginn ist klar, worum es Jesus geht: »Ihr könnt mit Gott rechnen und ich werde euch zeigen wie.« Das Evangelium vom Reich Gottes geht durch die Lande (vgl. Matthäus 4,23). Seit diesen Tagen lernen Jünger und Jüngerinnen, wie ihr Meister Jesus permanent in der Interaktion mit Gott zu leben. Das Reich Gottes ist nahe. Jesus Christus stößt die Tür sperrangelweit auf. Für dich. Für mich. Für unsere Mitmenschen. Dabei wirkt »Reich Gottes« zunächst statisch, oder? Zwei Substantive. Für die Hörer zur Zeit Jesu klang diese Wendung dynamischer: »Gott königt. Es wird regiert.« Ihnen war klar: Es geht weniger um ein Reich an sich. Es geht um den Herrn dieses Reiches und seine Machtausübung. Folgerichtig, dass Jesus in der Zeit seines Wirkens wenig Interesse daran hat, über einen Gott an sich zu philosophieren. Spricht er von Gott, spricht er von seinem Handeln. Stets ist Gott relevant. Aktiv. Einer, der den positiven Unterschied setzt. In immer neuen Vergleichen illustriert Jesus die Dynamik, mit der seine Jünger und Jüngerinnen bei Gott rechnen können. Damals wie heute. Du. Ich. Unsere Mitmenschen. Daher dieses »Denkt um«. Du bist eingeladen, die Strategie für dein Leben zu überdenken. Mindset wäre wohl das Wort, was er heute sagen würde. Jesus will dich mit einem Bewusstsein für die permanente Gegenwart Gottes ausstatten. Die Strahlen seines ewigen Reiches strahlen in dein endliches Jetzt. Mit ihm kannst du rechnen. Bei Jesus kannst du lernen, genau das zu tun. An jedem der nächsten 364 Tage gilt: »Gott ist jetzt hier.« Was ist das mutigste Gebet, dass dir dazu einfällt? Nimm dir einen Moment, sprich es, und wenn du magst, schreib es dir auf. Sebastian Wickel

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2. Januar »Was sucht ihr?« Johannes 1,38

Das fragt Jesus die beiden Jünger von Johannes, die sich aufgemacht haben, um ab jetzt bei ihm in die Schule zu gehen. Es ist die allererste Frage, die Jesus ihnen stellt. Bei einem genaueren Blick auf die Situation und das griechische Wort, das hier mit »suchen« übersetzt wird, ist klar: Es geht Jesus nicht einfach um das Suchen eines bestimmten Ortes oder eines Gegenstandes. Es geht ihm um ein tieferes Suchen. Es geht um die ganz großen Fragen des Lebens. Man könnte Jesus’ Frage an dieser Stelle auch übersetzen mit: »Wonach habt ihr Sehnsucht?« Ich finde das bemerkenswert. Da sind zwei Männer, die Schüler von Jesus werden wollen. Und das Erste, was Jesus abklärt, ist, wie es um ihre Sehnsucht bestellt ist. Sehnsucht scheint für ihn wie eine Voraussetzung zu sein, um ihm nachzufolgen. Jesus will also Jüngerinnen und Jünger, die auf der Suche sind, die noch nicht auf alles eine Antwort haben, sondern die bereit sind, mit ihm mitzugehen und selbst zu sehen, was sie mit ihm erleben werden (Johannes 1,39). Wie so oft bei den Fragen von Jesus löst auch diese Frage etwas in mir aus, besonders jetzt am Anfang des Jahres: Wie ist es eigentlich gerade um meine Sehnsucht bestellt? Komme ich zu Jesus als Suchender oder weiß ich eigentlich schon, was ich von ihm hören will? Und du? Wenn Jesus dich fragen würde, wonach du heute und in diesem Jahr suchst – was wäre deine Antwort? Bibelstellen zum Weiterdenken: Johannes 20,15; Matthäus 6,32f.; Matthäus 7,7-11; Matthäus 13,45f.; Kolosser 3,1 Nico Limbach

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3. Januar »Kommt mit, dann werdet ihr es sehen.« Johannes 1,39

Ich bin es gewohnt, dass Dinge passieren, die ich mir wünsche. Ziemlich schnell. Ich wünsche mir heute Abend eine Pizza, also bestelle ich mir eine beim Restaurant meiner Wahl. Ich will ein Buch lesen, also lade ich es auf mein Kindle und fange an zu lesen. Ich will mit einem Freund sprechen, also rufe ich ihn an. Mit Jesus unterwegs sein funktioniert anders. Seine heutigen Worte zeigen uns zwei elementare Dinge: Wenn ich mit Jesus unterwegs bin, heißt das, dass ich unterwegs bin. Ihm hinterher. Nicht mein Weg. Und: Ich weiß nicht, wo ich am Ende rauskomme. Das klingt zuerst gar nicht so attraktiv. Aber: Wenn ich mein Vertrauen auf ihn setze, lerne ich ihn besser kennen. Wenn ich ihn besser kennenlerne, erfahre ich, wer ich bin. Wenn ich mich kenne, weiß ich, welchen Part ich in seiner großen Mission spiele. Welche Geschichten er mit mir hier schreiben will. Das erfordert den Mut loszugehen. Aber das birgt auch Erfüllung und Sinn. »Kommt mit, dann werdet ihr es sehen.« Das Abenteuer des Glaubens bedeutet, durch Jesus an Orte zu kommen, an die ich allein nicht gegangen wäre. Ihn kennenzulernen, wie ich es nicht erwartet hätte. Mich selbst und andere kennen- und lieben zu lernen, wie ich das nicht erwartet hätte. Das ist eine Reise. Hörst du die Worte von Jesus an dich? »Komm mit, du wirst etwas sehen, spüren, erleben, von dem du nicht gewagt hättest zu träumen!« Nur zwei Buchstaben braucht es, um vom Wort »go« zum Wort »grow« zu kommen: r und w. You grow as you go. Wenn du dich aufmachst, wirst du wachsen. Auf geht’s – Schritt für Schritt. Josias de Zubiaurre Racis

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4. Januar »Glücklich zu preisen sind die, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.« Matthäus 5,3

Mit diesem ersten Satz in der sogenannten »Bergpredigt« gibt Jesus seinen Nachfolgerinnen und Nachfolgern gleich zu Anfang ein riesiges Versprechen: das Himmelreich als Geschenk. Und was sind dafür die Voraussetzungen? Ich und du, wir sollen unseren Stolz ablegen und unsere Armut vor Gott eingestehen. Manchmal übersehe ich, wie abhängig ich von Gott bin, wie sehr die wichtigen Dinge in meinem Leben Geschenke von ihm sind. Kaufen kann ich mir sie nicht: Familie, Freunde, Arbeitsplatz, Gesundheit, Liebe. Und noch weniger kaufen oder verdienen kann ich mir »das Himmelreich«. Dazu gehören für mich wesentliche Geschenke Gottes in meinem Leben wie: Ich darf sein Kind sein, in seiner Nähe leben. Er schenkt Vergebung, seine gute Wegführung, Geborgenheit, wachsende Weisheit, ein Leben mit ihm bis in alle Ewigkeit. Und vor allem wohnt er mit seinem Heiligen Geist in mir, der mir im Alltag Liebe und Kraft gibt, um die guten Dinge zu tun, die er für mich vorbereitet hat (Epheser 2,10). In der Tat bin ich »glücklich zu preisen«! Ein Geschenk, wenn wir mit anderen JesusLeuten in Teams arbeiten, ob nun in Gemeinde, christlichen Werken oder auch im Beruf. Hier können wir gemeinsam arm zu ihm kommen. Abhängig und mittellos gemeinsam beten und erleben, wie er beschenkt. Gott ist in Aktion. Solch Armen gehört das Himmelreich. Jesus fordert uns heute auf, unseren Alltag bewusst in der Abhängigkeit von ihm zu leben. Also nicht »Ärmel hochkrempeln und sich durchkämpfen«, sondern in der Haltung und im Gebet: »Jesus ich bin arm vor dir, ich brauche dich und dein Wirken.« Und dann nimm Jesus beim Wort und vertraue, dass er dich beschenkt – »himmlisch«, also überreich. Gebhard Häußer

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5. Januar »Glücklich zu preisen sind die, die trauern; denn sie werden getröstet werden.« Matthäus 5,4

Als vor ein paar Jahren meine geliebte Oma starb, einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben, da habe ich viel gefühlt: Wut, Enttäuschung, tiefe Trauer und Hoffnungslosigkeit. Definitiv kein Glück. Und doch kann ich heute sagen, dass sich mir Jesu Aussage nur durch diese schwere Zeit in meinem Leben erschließt. Denn als ich von meiner Oma Abschied nehmen musste, waren es nicht die festen Glaubenssätze, die mir Halt gaben. Keine leeren Floskeln. Keine theoretischen Annahmen über Gottes Wesen. Keine meiner vorherigen Routinen im Glaubensleben oder lieb gemeinten, aber schlecht durchdachten Ratschläge. Es war in dieser Zeit, dass ich ganz neu die Bekanntschaft mit einem Gott machte, der mitleidet. Mit Jesus, der mit den Schwestern seines Freundes um deren Bruder trauert, obwohl er ihn später von den Toten auferwecken wird (Johannes 11). Mit Gott, der sich am Kreuz zu einem Jesus stellt, dem nichts mehr bleibt, als zu schreien. Dietrich Bonhoeffer schrieb in seiner Gestapo-Zelle, dass nur der leidende Gott helfen kann. Als ich durch Nachdenken und Beten zu keinen neuen Antworten darauf kam, wohin die ganze Trauer in mir soll, war es diese Erfahrung, die es geschafft hat, mich zu trösten: dass Jesus meine Trauer nicht kaltlässt. Dass er weiß, wie sich Verlust anfühlt. Dass es okay ist zu weinen, denn er weint mit. Den Abschied von meiner Oma hat mir das nicht abgenommen. Aber ich habe eine Seite an ihm kennengelernt, die mir vorher fremd war – und dafür schätze ich mich trotz allem glücklich. Gibt es eine Trauer, die gerade bei dir da ist? Eine aus deiner Lebensgeschichte, eine aktuelle, vielleicht auch eine, die dir noch nicht bewusst ist? Wie wäre es, Jesus danach zu fragen und dir und ihm einen Raum zu öffnen, in dem getröstet werden darf? Malia Bitz

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6. Januar »Glücklich zu preisen sind die Sanftmütigen; denn sie werden die Erde als Besitz erhalten.« Matthäus 5,5

Jesus stellt die Welt auf den Kopf! Nicht die lautesten Redner und mutigsten Macher, denen durch ihre Beharrlichkeit die Welt zu Füßen liegt, haben das Sagen. Stattdessen sind es die Sanftmütigen, die Verantwortung erhalten. Selbst Jesus preist sich nicht als der Stärkste unter allen, sondern sagt über sich: »Ich bin sanftmütig und von Herzen demütig« (Matthäus 11,29). Wie kann das funktionieren? Wenn man eine Sache durchsetzen möchte, zeigt sich, dass Sanftmut der allerbeste Friedenstifter und Diplomat ist. Deshalb ist das Ringen um diese Charaktereigenschaft die Mühe wert! Ich verstehe unter Sanftmut eine behutsame Sicht auf die Welt, die keinen Schaden anrichten möchte. Die Sanftmut fordert dabei aber nicht, dass du dich immer widerstandslos und schwach geben musst. Sie entsteht durch das tiefe Wissen, das du dir deine Anerkennung und deine Würde nicht erst erkämpfen und beweisen musst. Stattdessen gilt: Gott nimmt dich trotz deiner Fehler ernst und traut dir so einiges zu. Der, der dich gemacht hat, ist mit dir! In dieser Gewissheit kannst du Begegnung auf Augenhöhe zulassen. Du kannst deine Bedürfnisse und Anliegen auf diplomatische Weise einbringen, anstatt sie mit Macht oder List durchsetzen zu wollen. Sanftmut ist eine zentrale Eigenschaft, die es braucht, um in gesunder Verantwortung die Welt zu gestalten. Achte heute bewusst darauf, wo dir Sanftmut begegnet – bei Verantwortungsträgern in deinem Leben und bei dir selbst. Bibelstellen zum Weiterdenken: 4. Mose 12,3; Matthäus 11,29; Galater 5,22 Rosina Reimer

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7. Januar »Glücklich zu preisen sind die, die nach der Gerechtigkeit hungern und dürsten; denn sie werden satt werden.« Matthäus 5,6

In den »Seligpreisungen« geht es um Trost, den Jesus allen zuspricht, die ihn brauchen. Und dieser Trost ist nicht an Bedingungen geknüpft. In dieser vierten Trostzusage kommt das besonders klar zum Ausdruck: Wer immer sich nach Gerechtigkeit sehnt, so wie sich ein ausgehungerter Mensch nach Nahrung sehnt, der wird satt. Nicht das eigene Handeln, das sich durch einen vorbildlichen Gerechtigkeitssinn auszeichnet, sondern allein die intensive Sehnsucht nach Gerechtigkeit ist die Grundlage für die Verheißung! Die Formulierung »hungern und dürsten« klingt stark, fast schon verzweifelt. Wer nach Gerechtigkeit hungert und dürstet, dem ist schmerzlich bewusst, wie sehr unsere Welt von Gott und Gerechtigkeit nach seinen Vorstellungen getrennt ist. Nur Gott selbst konnte diese Trennung überwinden. Er tat es und legte die Grundlage für eine umfassende Gerechtigkeit, indem er seinen Sohn Jesus am Kreuz sterben und von den Toten auferstehen ließ. Durch dieses Ereignis werden wir im Glauben vor Gott gerecht gesprochen. Wer in dieser Welt nach Gerechtigkeit hungert und dürstet, der sehnt sich nicht nur nach gerechter Behandlung, sondern auch danach, dass noch mehr Menschen Gott kennenlernen und von seiner Gerechtigkeit bewegt werden. Auch hier verspricht Jesus Sättigung. Das kann er, weil er selbst dafür gesorgt hat, dass Gottes Gerechtigkeit unsere Welt erreicht hat und sich in ihr ausbreiten kann. Silke Zwilling

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8. Januar »Glücklich zu preisen sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit finden.« Matthäus 5,7 (eigene Übersetzung)

Hier geht es nicht nur um Gegenseitigkeit im Sinne von: Barmherzige Menschen werden auch eher barmherzig behandelt als unbarmherzige. Hier geht es um viel mehr: Nur dann, wenn ich selbst barmherzig mit anderen umgehe, kann ich auch offen dafür sein, selbst Barmherzigkeit zu empfangen. Wer immer auf das Recht des Stärkeren pocht und sich selbst für diesen Stärkeren hält, wird bei einem Absturz vermutlich eher an seinem eigenen Stolz ersticken, als die Hand zu ergreifen, die sich ihm entgegenstreckt. Und wer, aus welchen Gründen auch immer, mit sich selbst unbarmherzig umgeht, wird Barmherzigkeit von anderen nur schwer annehmen können. Barmherzigkeit ist eine ganzheitliche Herzens- und Lebenseinstellung. Dazu gehört die Erkenntnis, dass ich nicht nur auf Hilfe von außen angewiesen bin, sondern dass da jemand ist, der mir diese Barmherzigkeit gerne gibt. Der alte Ausdruck »Kyrie eleison« – Herr, erbarme dich – bittet nicht darum, dass Gott mir gegenüber Mitleid entwickelt, sondern ist ein Sich-Öffnen für das Erbarmen, das längst da ist. Es ist kein Betteln um Zuwendung, sondern ein Zuwenden zu dem, der mir längst zugewandt ist. Denn wenn Gott erst Erbarmen entwickeln würde, wenn ich ihn darum bitte, was für ein Gott wäre er? Wie echt wäre seine Liebe? Wenn ich Gott um Erbarmen bitte, geht es um meine Einstellung, nicht um seine. Ich mache meine Hände auf für seine Barmherzigkeit und bitte ihn, mich fähig zu machen, sie zu empfangen. Und Gott gibt gerne. Er will, dass wir Leben haben und nicht an den kleinen und großen Hindernissen des Lebens hängen bleiben. Glücklich zu preisen sind die Barmherzigen. Sie sind offen, Barmherzigkeit zu empfangen, und frei, sie zu geben. Lydia Rieß

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9. Januar »Glücklich zu preisen sind die, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott sehen.« Matthäus 5,8

Ich habe während meiner Ausbildung zum Maschinenschlosser einige kleine Werkzeuge mitgehen lassen. Nicht viel. War ein großer Betrieb. Hat gefühlt jeder gemacht. Jahre später ploppt dieser Diebstahl in Gottesdiensten und Zeiten des Gebetes gedanklich immer wieder hoch. Als würde Gott mir sagen: »Bring das in Ordnung!« Ich finde diese Aufforderung blöd. Doch ich lasse mich ein, bitte noch einmal um Vergebung. Innerlich berufe ich mich allein auf die Gnade Jesu, die das Herz rein macht. Immer wieder. Trotzdem ploppen die Gedanken zu der Thematik immer wieder hoch. Irgendwann packe ich den Kram genervt in eine Tüte, fahre zu meinem alten Ausbildungsbetrieb und liefere die Ware mit einem »Sorry« ab. Dort nimmt mein ehemaliger Ausbilder sie ohne große Beachtung entgegen und freut sich über meinen Besuch. Seitdem ist das Thema vom Tisch und ich bin um eine Erkenntnis reicher. Die Reinheit des Herzens ist ein Geschenk von Jesus. Dadurch kann ich Gott mit meinem Herzen sehen. JesusNachfolger und -Nachfolgerinnen lernen dieses Sehen im Gebet, in der Stille und in der Anbetung Gottes. In diesen heiligen Momenten schenkt Gott mir eine Klarheit und Erkenntnis über mein Leben und über ihn selbst, die mein Verstehen übersteigt. Es sind Einladungen zum Handeln. Nicht selten führt das dazu, dass mein Glaube Gestalt gewinnt. Manchmal ist es ein fröhlicher Tanz. Manchmal auch ein schwerer Gang. Mein Handeln ist aber immer eine Konsequenz aus dieser Gnade, dass Nachfolger von Jesus »Gott in Aktion« sehen können, und nicht eine Voraussetzung, damit ich Gott sehen kann. Dieses geistliche Sehen ist wie mit unseren körperlichen Augen: Wer Augen hat, kann sehen und dann weise handeln. Bibelstellen zum Weiterdenken: 2. Korinther 3,18; Epheser 1,18 Holger Mix

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10. Januar »Glücklich zu preisen sind die, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.« Matthäus 5,9

Die jüdische Bevölkerung in Israel litt unter der römischen Besatzung und sehnte sich danach, ein Ende der Fremdherrschaft zu erleben. Die Sehnsucht nach Frieden ist gewiss dann am stärksten spürbar, wenn er nicht herrscht. Irgendwann verblasst er zu einem Traum, den man sich nicht mehr vorstellen kann, weil man nicht mehr auseinanderdröseln kann, wer den Streit, den Krieg oder Konflikt überhaupt angefangen hat. Und wie stiftet man Frieden, wenn es nicht scheint, als könnte man etwas ändern? Jesu Aufruf zum Friedenstiften ist nicht an gewisse Voraussetzungen geknüpft und erwartet auch nicht, dass nur diejenigen in Machtposition damit anfangen. Es ist im Kern kein politischer Schachzug, sondern der Ausweis eines authentischen Familienmitgliedes Gottes. Menschen, die sich in Gottes Frieden stiftendes Handeln mit einklinken, Feindschaften überwinden und das Wohl der Welt suchen, haben Ähnlichkeit mit ihrem himmlischen Vater. Vertreten ihn auf eine Art und Weise, die ihm entspricht. Selbst dann, wenn das nur ganz »klein«, in ihrem eigenen Einflussbereich, ihren Beziehungen und Freundschaften geschieht: Jeder noch so winzige Same kann mit der Zeit zu einem großen Baum wachsen. Jesus erwartet hier von den Menschen, die ihm nachfolgen, genau das, was Gott ebenfalls tut. Er selbst ist der aktive Friedensstifter, der bleibenden, tiefgreifenden Frieden herstellt. Er beginnt damit, uns mit sich zu versöhnen, und von da soll dieser Friede heilvoll weitergegeben werden – in unsere Familien, Nachbarschaften und die ganze Welt. Franziska Klein

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11. Januar »Glücklich zu preisen sind die, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihnen gehört das Himmelreich.« Matthäus 5,10

Was Jesus hier seinen Jüngerinnen und Jüngern mitgibt, mag paradox erscheinen. In unserer Welt wird Glück häufig mit Erfolg, Anerkennung oder Frieden gleichgesetzt. Oftmals sind es scheinbar die Dinge, die wir besitzen, die uns Glück schenken sollen. Verfolgung gehört ganz sicher nicht zu unserer Vorstellung von Glück. Doch Jesus bietet uns eine tiefere Perspektive. Wenn wir uns für Gerechtigkeit in unserem Umfeld, am Arbeitsplatz oder in der Gemeinde einsetzen, bedeutet das oft, für die einzutreten, die nicht gehört oder sogar unterdrückt werden. Es kann auch bedeuten, Missstände anzusprechen. Dabei ernten wir in vielen Fällen nicht nur Zustimmung, sondern auch Widerstand. Verfolgung kann in vielen Formen auftreten: Spott, Isolation oder sogar aktive Gegenwehr. Doch Jesus ermutigt uns, solche Herausforderungen nicht als Niederlage zu sehen. In diesen schwierigen Momenten gehört das Himmelreich uns. Mir hilft das, mich von solchen Herausforderungen nicht einschüchtern zu lassen und meinen Blick auf das größere Ganze zu richten. Denn wir leben für etwas Größeres. Wenn wir für das Gute kämpfen, spüren wir vielleicht sogar eine tiefere Verbindung zu Gott. Und wir dürfen wissen, dass er an unserer Seite steht und uns stärken möchte. Der Weg kann herausfordernd sein, aber wir sind dazu aufgerufen, für Gerechtigkeit einzutreten – ob in unserem eigenen kleinen Wirkkreis, in unserer Community oder auch weltweit. Wie gut zu wissen, dass Gott mit uns ist und durch unser Handeln sein Reich sichtbar wird. Gott ist in Aktion, auch und manchmal gerade in dem, was uns paradox erscheint. Mareike Meiß-Schleifenbaum

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12. Januar »Glücklich zu preisen seid ihr, wenn man euch um meinetwillen beschimpft und verfolgt und euch zu Unrecht die schlimmsten Dinge nachsagt.« Matthäus 5,11

Und wirklich nur dann sind sie glücklich zu preisen: wenn man zu Unrecht üble Dinge über sie sagt. Es könnte auch sein, die Leute haben recht mit dem, was sie über die Christen reden. Und wenn das so ist, müssen sich die Frommen nicht wundern, wenn die Leute sie beschimpfen, mobben und meiden. Aber Jesus geht davon aus, dass die Beschimpfungen und Verfolgungen zu Unrecht geschehen. Das Üble ist, dass man gegen Verleumdung nichts machen kann. Und was erst einmal in der Welt ist, holt man nicht zurück. Mit übler Nachrede ist es wie mit einem Federkissen, dass man aufschlitzt und die Federn von einem Turm über das Land streut. Die kann man nicht wieder einsammeln oder einfangen. Verleumdungen können einen umbringen. Nicht körperlich, aber gesellschaftlich, mitmenschlich. Da stehst du plötzlich am Rand. Wie kann man darüber glücklich sein? Für mich ist es kein Trost, wenn man weiß, dass es den Propheten genauso gegangen ist (Vers 12). Aber glücklich kann ich sein, weil es eine Belohnung geben wird. Die kommt zwar erst später, wenn Jesus wiederkommt, aber er ist auch heute bei mir. Hier und jetzt. Das tröstet mich ungemein. Bis dahin müssen Leute, die Jesus nachfolgen, mit Beschimpfung, Verleumdung und Verfolgung rechnen. Da ist Jesus schonungslos ehrlich. Und diese Ehrlichkeit schätze ich. Ich muss mich darauf einstellen, dass ich als Christ abgelehnt werden kann. Das ist für mich schwer auszuhalten, gerade weil ich dazugehören will. Aber lieber bin ich zu Unrecht beschimpft und am Rande, als um eines oberflächlichen Friedens willen von meinen Mitmenschen hofiert. Ich folge mit Jesus einem Menschen, der das vorlebt und mich ruft, es ihm gleichzutun. Glücklich, wenn es mir gelingt, so zu handeln, selbst wenn die Gesellschaft um mich von Gott nichts wissen will. Bibelstellen zum Weiterdenken: 2. Timotheus 1,12; Jakobus 3,3-12, Johannes 15,20f. Martin Simon

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13. Januar »Freut euch und jubelt! Denn im Himmel wartet eine große Belohnung auf euch. Genauso hat man ja vor euch schon die Propheten verfolgt.« Matthäus 5,12

Ich liebe diese einfachen, manchmal recht schlichten Filme, bei denen von Anfang an klar ist, dass es am Ende ein Happy End gibt. Das ist entspannend. Lange Zeit habe ich mich kaum getraut, das so öffentlich zu bekennen. Irgendwann wurde mir aber klar, warum ich diese Filme liebe: Mein Leben ist bereits so voller Action und Ungewissheiten, dass ich diese nicht auch noch in Filmen brauche. In der letzten Seligpreisung der Bergpredigt werden die Spannungen und Herausforderungen deutlich, die in der Nachfolge liegen. Damals war klar: Entweder du lässt buchstäblich alles stehen und liegen und folgst einem Rabbi hinterher oder du bist kein Nachfolger. Jüngerschaft beschränkte sich nicht auf Gemeindemitarbeit nach Feierabend und Stille Zeit im Kämmerlein. Jüngerschaft war ein radikaler, kompromissloser Lebensstil. Aber auch heute gilt: Überall dort, wo sich das Reich Gottes entfaltet und auf diese gegenwärtige Welt trifft, da rumpelt es gewaltig. Da werden wir in die Spannung zwischen Himmel und Erde geworfen. Und das ist manchmal kaum auszuhalten. Die Ungerechtigkeit, die Zerstörung der Schöpfung an Materie und Inhalt. Und nicht selten leiden wir selbst an uns und den anderen. Warum? Wie lange noch? Wie kann Gott das zulassen? Viele Fragen werden ungeklärt bleiben. Jesus lehrt uns gerade darum, über die Berge der Verzweiflung zu schauen. »Heb den Blick ein Stück höher, denn es wird gut ausgehen!« Also: Happy End garantiert! Das kann uns entspannen. Holger Mix

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14. Januar »Fahr jetzt weiter hinaus auf den See; werft dort eure Netze zum Fang aus!« Lukas 5,4

Muss man nicht schon etwas verrückt sein, wenn man mit Jesus etwas erleben will? Da begegnet Jesus am See Genezareth dem Fischer Simon, der die gesamte Nacht sein Glück versucht hat, und doch landet nicht ein einziger Fisch in seinem Netz. Und dieser frustrierte und übermüdete Fischer hat doch nichts Besseres zu tun, als auf den Rat eines Zimmermanns zu hören und bei Tageslicht noch einen Fischzug zu wagen! Jesus, der zuvor noch von Simons Boot aus zu Menschenmassen geredet hat, zeigt dem Fischer hier etwas Wichtiges: Seine Botschaft ist eben nicht nur leeres Gerede, sondern hat die Kraft, sein Leben zu verändern. Dazu fordert Jesus Simons Vertrauen – und das mitten im Leben, mitten in Simons Arbeitsalltag, mitten auf der Schwelle zwischen seiner Entschlossenheit und Versagensangst. Jesus weiß vermutlich genau, wie abwegig seine Forderung ist. Sie macht Simon skeptisch, aber sie packt ihn gleichzeitig in seiner Neugier, seiner Selbsteinschätzung, und fordert sein Jesusbild heraus. Und Simons Urteilsvermögen wird im Anschluss deutlich auf den Kopf gestellt: Er lässt die riesige Ausbeute stehen und liegen, um Jesus nachzufolgen. Jesus spricht Simon genau an der inneren Schwelle an, bei der dieser sich auch herausfordern lässt. Wo stehst du wie Simon auf der Schwelle zwischen Mut, Entschlossenheit und skeptischer Versagensangst? Du kannst Jesus um Mut bitten, deine Netze auszuwerfen, und dann den Mut zusammennehmen, den du hast, um es zu tun. Rosina Reimer

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15. Januar »Du brauchst dich nicht zu fürchten. Von jetzt an wirst du ein Menschenfischer sein.« Lukas 5,10

Für Petrus war die Fischerei das Zentrum seines Seins. Er ernährte seine Familie damit und verbrachte den größten Teil seines Alltags auf dem See. Ein Tag wie der, an dem Jesus diesen Satz ausspricht, war für ihn nicht nur frustrierend, sondern existenzbedrohend: Die ganze Nacht war ihm nicht ein Fisch ins Netz gegangen. Unbezahlte Mühe. Zumal der Fischerberuf schon an guten Tagen nicht reich machte. Dann befiehlt Jesus ihm, die Netze noch einmal auszuwerfen. Petrus gehorcht und macht den Fang seines Lebens. Jetzt könnte Jesus für Petrus wie jemand ausgesehen haben, der all seine tagtäglichen Probleme lösen wird. Aber Jesus will ihm hier die Augen für etwas viel Größeres öffnen: den Beginn der JesusBewegung und die Rettung der ganzen Welt. Und die Rolle, die Petrus darin spielen wird. Ein Theologe beklagte einmal, wie oft Christen sich in den »kleinen Geschichten« ihres Lebens verlieren. Nicht, dass unsere Jobs, Hobbys, Familien und Freunde unwichtig wären. Aber im Blick auf die Ewigkeit sind sie nicht die Hauptsache. Vor allem aber existieren sie nicht getrennt von unserem Christsein. Dort, wo wir nach dem »Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit« streben (Matthäus 6,33), schieben wir unsere kleinen Geschichten nicht beiseite – wir stellen sie unter die Herrschaft Gottes. Wir lassen ihn dort herrschen, uns führen, uns trösten, uns beraten, uns korrigieren. Bleiben wir in unserem Denken und Handeln allerdings auf der Ebene dieses Alltäglichen, ohne die Wirklichkeit Gottes einzuordnen, verlieren wir Jesus schnell aus den Augen. Bei Jesus lernen wir, in allem auch die geistliche Perspektive zu entdecken. Wie befreiend klingt dann der Satz: »Du brauchst dich nicht zu fürchten.« Petrus hat nicht nur eine große Aufgabe vor sich, sondern auch die Herausforderung, seinen Blickwinkel zu ändern. Aber so groß diese Aufgabe und der Perspektivwechsel auch sind, er darf sie mit Gelassenheit angehen, denn Jesus zeigt ihm den Weg. Bibelstelle zum Weiterdenken: Matthäus 6,25-33 Lydia Rieß

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16. Januar »›Du bist Simon, der Sohn des Johannes. Du sollst Kephas heißen.‹ (Kephas ist das hebräische Wort für Petrus und bedeutet ›Fels‹.)« Johannes 1,42

Es ist ein faszinierendes Bild: Jesus hat Simon gerade erst kennengelernt – und schon verpasst er ihm einen ermächtigenden Eigennamen. Simon soll der Fels werden, auf dem sich die JesusBewegung bildet. Was für ein Zuspruch! Offenbar wusste Jesus zu dem Zeitpunkt schon ganz genau, was er mit seinem neuen Jünger vorhat. Das begeistert mich daran besonders. Denn Jesus wird auch um die Schwächen von Simon gewusst haben. Bald schon wird Simon seinen Rabbi verraten. Dreimal wird er so tun, als kenne er ihn nicht. Und das, obwohl er davor vehement beteuert hat, dass er treu zu ihm stehen werde. Und trotz alledem: Fels! Ich bin mir mittlerweile fast sicher: Jesus macht Simon zum Grundstein der Gemeinde, nicht obwohl, sondern gerade weil er so grandios versagt. Wenn ich auf mein Leben zurückblicke, waren es die Schicksalsschläge und Momente des Versagens, die mich ganz besonders geprägt haben. Mal waren es äußere Umstände wie der plötzliche Tod meines Vaters, mal habe ich selbst wie Simon wirklich Mist gebaut, beispielsweise bei einer Trennung nach langer Beziehung. Diese Momente des Zerbruchs haben dafür gesorgt, dass ich heute beispielsweise Trauernde anders verstehen kann und Getrennten nicht mit Verurteilung begegne. Auch bei Leitenden mache ich die Beobachtung: Nur wer durch ein Tief gegangen ist, kann mit wahrer Demut Menschen führen. Toll, dass Jesus das im Blick hat. Er sieht Felsen, wo wir kantige Steine sehen. Wen sieht er in dir? Nathanael Ullmann

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17. Januar »Wenn du beten willst, geh in dein Zimmer (Anm.: andere Übersetzungen »Kämmerlein«), schließ die Tür, und dann bete zu deinem Vater, der auch im Verborgenen gegenwärtig ist; und dein Vater, der ins Verborgene sieht, wird dich belohnen.« Matthäus 6,6

Vielleicht warst du schon einmal verliebt. Ihr habt euch getroffen, angefangen, miteinander zu schreiben oder zu telefonieren. Irgendwann habt ihr euch verabredet. Warum? Um euch kennenzulernen. Bei meiner Frau und mir war das so. Diese Zeit zu zweit, sich kennenzulernen, bevor irgendjemand etwas davon mitbekommt, ist kostbar. Um den Wert dieser Art von Zeit zu zweit geht es Jesus in diesem Wort. Gott hat Freude daran, mit dir allein zu sein. Warum? Weil er in diesem Moment deinen Fokus, deine Aufmerksamkeit hat. Weil die Beziehung zu ihm nicht verzweckt wird – »Wenn ich Zeit mit Gott verbringe, dann …« Nein, eher: »Einfach Zeit mit Gott, weil er mich liebt und ich ihn zurückliebe.« Zeiten allein mit Gott – Jesus nennt sie »das Kämmerlein«. Dort bist du den Blicken der Menschen entzogen: »Was denkt der/die über mich?« Vielleicht sogar: »Was denke ich über mich?« – Nein, hier zählt allein: »Was denkt Gott über mich?« Und der freut sich über dich. Wie an seinem Sohn Jesus hat er Freude an dir (vgl. Matthäus 3,17; 17,5). Wie geht das praktisch? Auch darauf gibt Jesus einen Hinweis. Er fordert dich auf, aktiv in dein Zimmer zu gehen und die Tür zu schließen. Das meint: Such dir einen Ort, hab ein Ritual, mach es zu einer Gewohnheit. Für mich ist das eine Tageszeit, ein Sessel und ein Buch. Drei Dinge, zu denen ich immer wieder zurückkehre, um mich den Blicken der Menschen zu entziehen und mich unter Gottes Blick zu stellen. So wächst etwas Verborgenes. Etwas, das Kraft gibt und die Basis für alles Sichtbare, Öffentliche und Offensichtliche ist. Zeit zu zweit. Josias de Zubiaurre Racis

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18. Januar »Sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen.« Matthäus 6,7

Nein, Gebet lässt sich nicht optimieren. Auch nicht, wenn wir besonders viele Worte machen. Da ist Jesus eindeutig. Und ich fühle mich mächtig ertappt. Eigentlich weiß ich doch, dass Beten keine Wunschmaschine ist. Und doch: Wie oft hatte ich schon den Gedanken, dass ich jetzt doch noch einmal mehr für Person XY beten müsste, damit es ihr auch wirklich besser geht. Oder einen Satz mehr anfügen, weil Gott mich sonst vielleicht nicht richtig verstanden hat. Immer wieder treffe ich auf Situationen, in denen Gebet als eine Zauberformel verstanden wird. Übrigens auch in negativer Hinsicht: Vor einer Weile habe ich ein Online-Gebetsportal mitbetreut. Gelegentlich äußerten sich Menschen in den Kommentaren, dass sie nicht wollten, dass diese oder jene Person für sie bete. Weil sie Angst hatten, dass sie falsch beten würde. Gott als der Dschinn aus der Flasche, der jeden Wunsch zu wörtlich nimmt? Wie gut ist es zu wissen, dass wir so einen Gott nicht haben. Wir haben keinen Gott, der auf die genauen Formeln und die korrekten Wiederholungen baut – so wohltuend gemeinsame, feste Gebete wie das VaterUnser sein mögen! Gebet ist Beziehungsgeschehen. Wie in einem Gespräch mit der besten Freundin oder dem besten Freund kommt es nicht wirklich darauf an, wie wir reden. Das Gegenüber kennt uns ja eh. Es ist nur wichtig, dass wir uns im Kämmerlein mit Gott treffen. Offen, ehrlich und voller Erwartung auf das, was zurückkommt. Nathanael Ullmann

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19. Januar »Euer Vater weiß, was ihr braucht, und zwar schon bevor ihr ihn darum bittet.« Matthäus 6,8

Mal ganz ehrlich: Manchmal fange ich an, im Gebet zu plappern. Ich ertappe mich dabei, dass ich völlig gedankenlos rede. Ich spule meine Gebetsanliegen ab. Oder ich habe eine Bitte an Gott und präsentiere ihm auch schon die Lösung, die ich für richtig halte. Da versuche ich, Gott vorzuschreiben, wie er zu helfen hat. Oder ich erkläre Gott sehr wortreich, wie meine Situation ist, als ob er nicht schon längst Bescheid wüsste. Und ich komme immer wieder mit den gleichen Dingen vor ihn. Das ist alles auch okay. Manchmal muss ich mir etwas von der Seele beten. Man darf Gott alles sagen. Und man darf es ihm auch immer wieder sagen. Das Entscheidende ist: Man muss Gott nicht alles sagen! Er weiß Bescheid. Man muss ihn nicht informieren. Man muss ihn nicht belehren. Man muss ihn auch nicht mit schönen und langen Gebeten beeindrucken. Die waren im Judentum durchaus beliebt, weil viele dachten, lange Gebete würden eher erhört werden. Jesus lehrt ein kurzes Gebet. Das lange Beten kann ein Ausdruck von Misstrauen sein oder von einem schrägen Gottesbild. Traue ich Gott nicht zu, dass er mich schon beim ersten Mal gehört und verstanden hat? Muss ich ihn davon überzeugen, mir zu helfen? Nein! Gott weiß schon Bescheid, bevor ich Bescheid weiß, und erst recht, bevor ich ihn bitte. Vielleicht versuchst du es mal anders. Bete doch mal nur folgende Sätze: Herr, erbarme dich! Christus, erbarme dich! Das war´s. Mehr nicht. Und dann vertrau darauf, dass Gott Bescheid weiß. Das entlastet mich enorm. Bibelstellen zum Weiterdenken: Markus 11,24; Philipper 4,6; Jakobus 1,58; Jakobus 5,16-18 Martin Simon

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20. Januar »Folge mir nach!« Lukas 5,27

… spricht Jesus zu Levi – einem Zöllner. Ich bin fasziniert von Levis Reaktion. Er lässt alles zurück und geht mit Jesus. Alles: Familie, Besitz, Job …! Krass! Wenn ich die Situation aber aus der Perspektive eines Juden des ersten Jahrhunderts betrachte, leuchtet mir seine Entscheidung ein. Jesus war ein Rabbi, ein geistlicher Lehrer. Für Rabbiner war es üblich, Lehrlinge (= Jünger) zu haben. Nur: Typischerweise kam es für die meisten jüdischen Jungs gar nicht zu diesem Punkt. Die meisten beendeten ihre Schulkarriere mit 13 Jahren, nur die Besten mit 17 Jahren. Von denen wiederum durften nur die Besten der Besten bei einem Rabbi weiterstudieren. Und das auch erst, wenn der Rabbi sie auf Herz und Nieren geprüft hatte und ihnen ein »Folge mir nach!« zusprach. Wenn Rabbi Jesus also Levi auffordert: »Folge mir nach!«, ist das viel mehr als eine Aufforderung. Es ist eine Auszeichnung: In dir sehe ich Potenzial. Ich halte dich für geeignet, bei mir in die Ausbildung zu gehen. Für mich gehörst du zu den Besten der Besten. Und zwar unabhängig von Bildung, Status oder Vergangenheit. Vielleicht ist es das, was Levi veranlasst, alles stehen und liegen zu lassen. Er spürt: Das ist die Chance meines Lebens. Was Jesus mir bietet, ist ein Leben von einer neuen Qualität. Das Leben, nach dem ich mich sehne. Es übertrifft alles Bisherige um Längen. Jesus spricht auch dir sein »Folge mir nach!« zu. Und wenn du nur ein bisschen Sehnsucht nach diesem Leben von einer neuen Qualität hast, dann mach’s wie Levi, folge Jesus nach und werde sein Lehrling. Damaris Binder

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21. Januar »Folge mir nach!« Johannes 1,43

Ich habe in meinem Leben schon einige bürokratische Anträge ausgefüllt. Einen mehrseitigen Fragebogen, um eine passende Gastfamilie für ein Auslandsjahr zu finden, in dem von Allergien bis hin zu Schlafgewohnheiten so ziemlich alles über mein Leben abgefragt wurde. BAföG-Anträge, bei denen man den Eindruck gewinnt, erst einmal Ahnenforschung betreiben zu müssen, um alle Angaben zum Familienhintergrund beantworten zu können. Stipendienbewerbungen, nach deren Abgabe ich vermutete, dass diejenigen, die sie lesen, jetzt mehr über mich wissen als ich selbst. Nie war es so einfach wie »Folge mir nach!« – und schon bist du dabei. Kein Hintergrundcheck. Kein Empfehlungsschreiben nötig. Eine Aufforderung und Einladung. Beides. Und dann? Teil einer mehrjährigen Studiengruppe, die durch die Gegend reist, von einem angesehenen Rabbi lernt, Wunder erlebt und Verantwortung übertragen bekommt. Jesus wartet nicht wie andere jüdische Rabbis darauf, dass die vielversprechendsten und motiviertesten Schüler auf ihn zugehen – er beruft kurzerhand die, die ihm über den Weg laufen. In ihnen sieht er Potenzial. Er sieht, was ihnen mit ihm möglich wird. Statt etwas von seinen Jüngern zu wollen, bietet Jesus ihnen etwas an: eine Erfahrung, die ihr ganzes Leben, ihre gesamte Weltsicht und Zukunftsplanung auf den Kopf stellt. Neue Hoffnung und ewiges Leben inklusive. Und das, worauf es ihm dabei ankommt, sind nicht Vorkenntnisse oder Leistungen. Alles, was es braucht, ist die Bereitschaft, seiner Einladung zu folgen. Ein offenes Herz. Die Sehnsucht nach mehr. Damit kann auch deine Reise mit Jesus losgehen. Malia Bitz

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22. Januar »Unser Vater im Himmel!« Matthäus 6,9 (LUT17)

Die Jünger bitten Jesus, sie beten zu lehren, und seine Antwort ist das Gebet, das wir heute als »VaterUnser« kennen. Jesus lenkt den Blick zu Beginn auf Gott den Vater. Man stelle sich Jesus vor, wie er zu seinem Vater im Himmel »Abba«, also »Papa«, sagt. Diesen vertrauten Ausdruck »Papa« auf den Schöpfer, den großen Gott im Himmel anzuwenden, erscheint zunächst paradox, ist aber gleichzeitig unfassbar schön und ermutigend. Dieser Vater im Himmel ist nicht irgendein Vater, sondern unser Vater. So wie Jesus ihn Papa nannte, ist er auch unser Papa. Geschickt, wie Jesus seine Jünger in einem Gebet gleich erinnert: Wir sind gemeinsam seine Kinder. Wie ein liebevoller Vater ist er uns nahe, tröstet uns, beschützt uns und bleibt uns immer treu. Er hält uns mit starken Armen fest, ohne dass es weh tut, und kennt uns durch und durch. Gleichzeitig ist dieser Vater im Himmel ein Gott, der uns oft »fern« bleibt. Denn Gott entzieht sich unserer Kontrolle, er bleibt für uns unverfügbar und steht weit über unserem Lebensbereich. Er ist ein mächtiger, gewaltiger und ewiger Gott, so groß, dass er das ganze Universum geschaffen hat. Umso unglaublicher ist die Beziehung, die er mit uns eingeht: Dieser Gott, der die Welt geschaffen hat, der als Schöpfer Leben einhaucht und die Bahnen der Planeten festlegt, den darfst du ganz vertraut Papa nennen. Jesus hat sich bewusst dafür entschieden, seinen Jüngern das Bild des Vaters zu vermitteln. Dieser Papa ist zum Greifen nah und gleichzeitig der mächtige Schöpfer, der im Himmel wohnt und alles in seiner Hand hält. Nimm dir einen Moment Zeit, innezuhalten und dir bewusst zu machen: In Christus bist du ein Kind Gottes und darfst den Vater im Gebet ganz vertraut ansprechen. Dennis Betke

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23. Januar »Dein Name werde geheiligt.« Matthäus 6,9 (LUT17)

Gott ist heilig. Nichts, was ich tun könnte, würde daran etwas ändern. Gott muss seinen Namen nicht mehr heiligen, weil er bereits heilig ist. Die erste Bitte beinhaltet, dass sein heiliger Name überall groß gemacht werden soll, und ich darf daran teilnehmen. In dieser Bitte richten wir uns darauf aus. Wer mit diesem heiligen Gott und in seinem heiligen Namen unterwegs ist, darf sich auch bewusst machen, dass die Heiligkeit seines Namens Ausdruck in meinem persönlichen Denken und Handeln findet. Was Gott heilig ist, ist auch mir heilig. Was ihm etwas wert ist, ist auch mir etwas wert. Denn wer das VaterUnser betet, sehnt sich danach, dass Gottes Name in der Welt groß gemacht wird und alle ihn erkennen – und dass das eigene Leben dazu beiträgt. Mehr noch: Es wird schlichtweg erwartet, dass das Leben eines Nachfolgers Jesu dazu beiträgt. Wenn wir beten, beten wir im Namen dieses heiligen Gottes. Ich darf in das Gebet der ersten Christen einstimmen – das Gloria Patri: »Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie im Anfang, so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit. Amen.« Als Kinder des Vaters sehnt sich unser Herz mit jeder Faser danach, dass dieser Name jedes Herz erreicht, und dieser Wunsch soll mir selbst heilig sein. Dieser Wunsch soll mein Herz durchdringen, sodass ich voller dankbarer, übersprudelnder Freude sein kann – weil ich selbst Teil der großen Geschichte dieses einen heiligen Gottes bin. Ist dir das bewusst, dass du Teil dieser Geschichte bist, und drückst du Sehnsucht nach Gott in deinem Leben aus? Bibelstelle zum Weiterdenken: Hesekiel 36 Dennis Betke

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