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Chelsea Damon

Nach rosarot wird’s richtig gut! Wie ihr eine harmonische Partnerschaft gestaltet, wenn ihr entdeckt, dass ihr beide nicht perfekt seid


Inhalt Eine Einladung zur Veränderung......................................................7 Teil 1: Unkraut jäten und Samen säen ..................................... 11 Kapitel 1: Auf Schatzsuche im eigenen Herzen............................ 15 Kapitel 2: Egoismus als Wurzel ..................................................... 28 Kapitel 3: Ich würde niemals ...! ..................................................... 44 Kapitel 4: Wenn Wut aufkommt.................................................... 57 Tiefer graben: Das eigene Herz pflegen......................................... 67 Teil 2: Mit Gnade bewässert........................................................ 73 Kapitel 5: Kostspielige Vergebung.................................................. 77 Kapitel 6: Den anderen erkennen und selbst erkannt werden.... 94 Kapitel 7: Das Geheimnis der Ehe................................................ 106 Kaptitl 8: Heilsame Demut........................................................... 118 Tiefer graben: Gnädiges Verhalten zur Gewohnheit machen.... 131 Teil 3: Neue Zweige treiben....................................................... 137 Kapitel 9: Wurzeln schlagen......................................................... 142 Kapitel 10: Die Bedeutung des Leidens ...................................... 156 Kapitel 11: Überströmende Freude.............................................. 174 Kapitel 12: Mit offenen Armen leben.......................................... 188 Tiefer graben: Starke Wurzeln ausbilden und neue Zweige treiben ...................................................................... 198 Den Weg der Freude weitergehen................................................ 203 Danksagungen................................................................................ 206


Eine Einladung zur Veränderung

A

ls ich noch ein Kind war, war es in unserer Gemeinde üblich, dass die Jugendleiter die Teenie-Mädels ermutigten, eine Liste mit allen Eigenschaften aufzuschreiben, die ihnen in Bezug auf ihre zukünftigen Ehemänner wichtig waren. Wahrscheinlich wollten sie uns ins Nachdenken darüber bringen, damit wir eine klare Vorstellung von unseren Prioritäten und No-Gos hatten. Auf meiner ersten Liste standen damals die folgenden Eigenschaften: ł ł ł ł

liebt Jesus will sechs Kinder kann kochen ist freundlich

Sagen wir es mal so: Meine Liste hat sich über die Jahre ganz schön verändert. Besonders, was die Anzahl der Kinder betrifft. Irgendwann war meine Liste eine ganze Seite lang und ich besprach sie im Gebet mit Gott in dem festen Glauben, dass Gott nichts lieber wollen konnte, als mich zum perfekten Zeitpunkt (also ganz bald) meinem absoluten Traummann vorzustellen. Machen wir einen kleinen Zeitsprung zum Tag meines ersten Treffens mit Josh, meinem späteren Ehemann. Wir saßen bis spät in der Nacht in einem Café, das nur einen Steinwurf vom Campus unseres Colleges entfernt lag. In diesem Moment verkörperte er meine Liste. Alles an ihm, was bisher nicht auf meiner Liste stand, wurde dieser nun in Gedanken hinzugefügt. Alle Eigenschaften, die er nicht hatte und die vorher Teil der Liste gewesen waren, waren jetzt nur noch Nice-to-haves, aber keine Must-haves mehr. Mir war schon bewusst, dass auch er seine Macken hatte, aber da er

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einige meiner Prioritäten auf der Liste wie »liebt Jesus«, »ist nett«, »ist fleißig« erfüllte, dachte ich, dass alles andere sich irgendwie schon von selbst ergeben würde. Machen wir noch einen kleinen Zeitsprung bis zum heutigen Tag. Es hat tatsächlich funktioniert! Josh und ich haben vor Kurzem unseren elften Hochzeitstag gefeiert und wir sind heute glücklicher als je zuvor in unserer Beziehung. Das ist ein wunderbares Gefühl. Aber es hat uns auch einiges gekostet und viele Paare wie wir kommen überhaupt nicht an diesen Punkt. Tatsächlich kommt es immer seltener vor, dass ein Paar länger als zehn Jahre verheiratet ist – und das dann auch noch glücklich. Die Statistiken zeigen, dass die Scheidungsrate bei Paaren, die fünf bis acht Jahre miteinander verheiratet sind, am höchsten ist. Vielleicht hast du dich gerade heute Morgen gefragt: Was ist passiert? Was ist mit der rosaroten Brille geschehen, durch die ich meinen Partner betrachtet habe? Er hat doch alle meine »Kriterien« erfüllt und ich dachte, wir wären das perfekte Paar! Aber irgendwie sind die Liebe und die Freundschaft in unserer Beziehung auf der Strecke geblieben … Wenn dies das Gefühl ist, welches beim Gedanken an deine Beziehung gerade bei dir hochkommt, habe ich eine gute und eine schlechte Nachricht für dich. Die gute Nachricht lautet: Irgendwann kommt jedes Paar in der Beziehung mal an diesen Punkt. Das bedeutet: Ihr seid nicht allein damit. Die schlechte Nachricht? Eure Beziehung wird nicht von allein besser werden. Wahrscheinlich wird sie sogar schlechter werden – es sei denn, du tust aktiv etwas und entscheidest dich für Veränderung. Vielleicht denkst du jetzt: Warum muss ich ausgerechnet diejenige sein, die eine Veränderung herbeiführt? Ich bin doch überhaupt nicht die Ursache für die meisten unserer Probleme! Selbst wenn das wahr sein sollte – du warst diejenige, die dieses Buch gekauft hat, weil du dir um deine Ehe Sorgen gemacht hast. In gewisser Weise hast du dir dein inneres Fernglas geschnappt und damit den Weg betrachtet, der vor dir liegt – und dir hat nicht gefallen, in welche Richtung es geht. Im Klartext bedeutet das: Sowohl du als auch dein Partner müssen bereit für eine Veränderung sein, wenn

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ihr eine solche in eurer Ehe sehen wollt. Wenn ihr herausfindet, was sich verändern muss, und dann auch aktiv werdet, verlasst ihr den Weg, auf dem ihr euch gerade befindet, und schlagt eine neue Richtung ein, die euch in eine bessere Zukunft führt. Jesus Christus hat die Ehe als Abbild seiner unerschütterlichen Liebe zu uns geschaffen. Oft geben wir allerdings ein ganz schön schlechtes, unvollkommenes Abbild ab – wie ein altes, verstaubtes Porträt, das irgendwo im hintersten Winkel eines Antiquitätenhandels an der Wand hängt. Aber durch Gottes Barmherzigkeit und mit seiner Hilfe und Kraft kann deine Ehe sowohl deine eigenen Unzulänglichkeiten als auch die deines Partners überwinden und ihr könnt gemeinsam die Herausforderungen angehen, vor denen ihr vielleicht steht. Eure Ehe kann – im Bild gesprochen – aus dem hintersten Winkel des Antiquitätenladens wieder hervorgekramt, vom Staub befreit und restauriert werden, sodass ihre ursprüngliche Schönheit, ihr Ziel und ihr Zweck in neuem Glanz erstrahlen. Josh und ich können heute förmlich spüren, dass in unserer Ehe etwas anders ist. Und ich möchte, dass du dir bewusst wirst, dass auch du und dein Partner es schaffen könnt. Ja, es ist tatsächlich möglich! Es war für uns nicht leicht und ich kann dir auch nicht versprechen, dass es für euch leicht werden wird. Aber was ich weiß, ist: Es ist all die Mühe wert! Während du die nun folgenden Seiten liest, bete ich dafür, dass Gott dir und deinem Partner ein Herz gibt, das wie ein guter, lockerer Boden ist und sein Wort gut aufnehmen kann. Und ich bete dafür, dass aus deinem Willen zur Veränderung eine Ehe entsteht, die tief verwurzelt und lebendig ist. Eine Ehe, die sich immer wieder Christus zuwendet, so wie eine Sonnenblume sich zur Sonne dreht. Eine erneuerte Ehe, die Leben spendet, ist tatsächlich möglich. Ich lade dich ein, die ersten Schritte zur Veränderung zu gehen!

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TEIL 1

Unkraut jäten und Samen säen

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enn wir wollen, dass sich unsere Ehe zum Guten verändert, müssen wir ein wenig »Unkraut jäten« und neuen Samen in unserem persönlichen Leben und in unserer Beziehung säen. Dafür müssen wir einen ehrlichen Blick darauf werfen, was in der Zeit gewachsen ist, in der wir uns nicht immer gut um unsere Ehe gekümmert haben. Das können teilweise gute Dinge sein, z. B. Kameradschaft, Zärtlichkeit und Vertrauen. Aber zwischen all den guten Pflänzchen können auch unerwünschte Gewächse emporgewuchert sein, z. B. Groll, Stolz und Egoismus. Wenn wir uns einen Überblick verschafft haben, was in unserem Beziehungsgarten so alles wächst, können wir das ausreißen, was wir nicht wollen, und dem die nötige Pflege zukommen lassen, was unserer Ehe guttut. Um das »Unkraut« zu jäten, müssen wir erst einmal einen Schritt zurücktreten und demütig vor Gott kommen. Es ist wichtig, dass wir uns klarmachen, dass wir vor Gott kein bisschen besser sind als unser Partner – wir sind beide gebrochene Menschen, die Vergebung brauchen, und sind aneinander und vor Gott schuldig geworden. Das zuzugeben, braucht Aufrichtigkeit und ein demütiges und reumütiges Herz. Aber stell dir einmal all die positiven Veränderungen vor, die sich einstellen, wenn wir Gott erlauben, in unser Leben hineinzusprechen, uns zu korrigieren und uns Weisheit zu schenken, um unsere Ehe zu verbessern. Wenn wir immer auf diese Weise auf die uns begegnenden Schwierigkeiten reagieren würden, wären unsere Ehen mit Sicherheit besser. Leider neigen wir jedoch dazu, ganz schnell und, ohne nachzudenken, auf das zu reagieren, was unsere Ehepartner getan haben. Und wir nehmen dabei in unserem Stolz an, dass unsere Reaktion eine legitime Antwort auf diese Handlungen darstellt. Vielleicht vermeiden wir solche Situationen aber auch und versuchen den Frieden zu wahren, indem wir unsere inneren Konflikte dem Partner gegenüber verschweigen oder die Schwierigkeiten kleinreden, die unser Partner mit uns hat. Wie viel besser wäre es doch, wenn wir stattdessen zuerst Gott um sein Leiten bitten, liebevoll reagieren und das tun, was richtig ist, unabhängig von den Gefühlen, die wir in diesem Moment haben. Dazu müssen wir dem Gehorsam Gott gegenüber den Vorzug

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vor unseren Emotionen geben und das wiederum braucht Reife und Selbstdisziplin. Außerdem ist eine Denkweise vonnöten, die den anderen in den Mittelpunkt stellt, so wie Jesus es uns vorgelebt hat. Er hat uns nicht um unserer Fehler und unseres Versagens willen verurteilt, sondern sich dazu entschieden, uns zu lieben und für uns sein Leben zu geben. Damit hat er das größte Opfer gebracht, damit wir in Gemeinschaft mit ihm und Gott, dem Vater, leben können. Wir können unserem Ehepartner in der Nachfolge Jesu zum Vorbild werden, ihn mit unseren Worten und Taten lieben und mit der Zeit eine erfüllende Ehe führen. Wenn wir mit Gott verbunden bleiben und nach seinem Willen für uns und unsere Ehe fragen, wenn wir unserem Partner mit Weisheit, Gnade und Liebe begegnen, dann schaffen wir eine Atmosphäre in unserer Beziehung, die von Frieden und Einheit geprägt ist und uns mit tiefer Freude erfüllt. Ich lade dich ein, beim Lesen der Kapitel von Teil 1 ehrlich dein Herz zu prüfen und auf deine Motive, Werte und Ängste zu schauen, die dein Handeln und deine Reaktionen prägen. Wir werden uns anschauen, wie sich Sünde durch Egoismus, Stolz und Wut in unser Leben einschleichen kann und wie diese Dinge nicht nur in unserem eigenen Herzen Schaden anrichten, sondern auch Auswirkungen auf unsere Beziehung zu unserem Ehepartner haben können. Wir betrachten die oberflächlichen Symptome der Sünde, die oft in einer Ehe auftreten, und werfen einen Blick auf die tieferen Ursachen hinter diesen Verhaltensweisen. Wir sehen uns an, wie sie zerstörerisch wirken und wie wir in Zukunft besser mit ihnen umgehen können. Bitte Gott vor dem Weiterlesen darum, dass er dir ein demütiges Herz schenkt und dir hilft, dich mit seinen Augen zu sehen – mit ungeschöntem Blick auf die Wahrheit, aber dennoch voller Liebe. Auch wenn es vielleicht den Anschein hat, dass all das, was in deiner Ehe schlecht läuft, die Schuld deines Partners ist, ermutige ich dich, diesen Gedanken jetzt erst einmal beiseitezulassen. Es geht nicht darum, deinen Ehepartner auf seine Schuld festzunageln, sondern darum, erst einmal an deinem eigenen Herzen zu

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arbeiten. Wenn du um Vergebung deiner Schuld bittest und Christus näherkommst, jätest du das schädliche Unkraut und säst den guten Samen aus, der für eine Beziehung zu deinem Ehepartner notwendig ist, die durch Gottes erlösende Barmherzigkeit geprägt ist.

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KAPITEL 1

Auf Schatzsuche im eigenen Herzen

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ls ich jünger war, gab es in meinem Leben keinen einzigen Moment, in dem ich nicht eine enge Beziehung zu einer mir nahestehenden Person hatte. Ich brauchte das, um mich sicher zu fühlen und mir meiner Identität bewusst zu sein. Als ich ein kleines Mädchen war, war diese Person mein Zwillingsbruder. Wir haben alles zusammen gemacht – die Schule, Geburtstagspartys und wir haben auch gemeinsam in einem Bett geschlafen. Als ich dann älter wurde, war diese Person meine beste Freundin, mit der zusammen ich praktisch jedes Wochenende verbrachte. In dieser Zeit betraten auch die ersten Jungs die Bühne. Immer wenn einer dieser Freunde mit mir Schluss gemacht hatte, rannte ich zu meiner besten Freundin und wir fingen dort wieder an, wo wir vorher aufgehört hatten. Diese eine Person nicht in meinem Leben zu haben, also jemanden, der mich bedingungslos akzeptierte, war für mich überhaupt nicht vorstellbar. Der Gedanke, ganz auf mich allein gestellt zu sein und überhaupt niemanden zu haben, dem ich vor dem Schlafengehen noch eine Gute-Nacht-Nachricht schicken konnte, machte mir Angst. Wie du dir vielleicht vorstellen kannst, war deswegen die Aussicht zu heiraten eine extrem attraktive Vorstellung für mich. Ich verliebte mich geradezu in den Gedanken, mit einer Person ganz eng verbunden zu sein, die mich niemals verlassen würde. Eine Person, die nicht nur meine Macken kannte, sondern sie auch akzeptierte – oder sie vielleicht sogar irgendwie süß fand. 15


Jahrelang träumte ich von dem Tag, an dem »mein« Lieblingsmensch und ich uns ineinander verlieben und gemeinsam durchs Leben gehen würden. Und irgendwann war dieser Tag tatsächlich gekommen. Josh und ich standen vor einer kleinen Gruppe Freunde und Familie an einem der Sandstrände des Bundesstaats Washington und sprachen zitternd unser Ehegelübde. Machen wir einen Zeitsprung von 15 Monaten in die Zukunft. Wir waren beide noch am College und mussten uns um ein Baby kümmern, während wir nebenbei arbeiteten, um unseren Lebensunterhalt bestreiten zu können. Das war der Moment, in dem ich begann, mich zu fragen, warum sich das alles nicht richtig anfühlte. Ja, ich hatte die eine Person für mich gefunden, wir hatten uns feierlich die Treue gelobt und wir liebten uns wirklich innig. Aber warum war unsere Beziehung so schwierig? Warum fühlte es sich nicht danach an, dass wir ein Team waren? Was fehlte uns? Ich schlug mich monatelang mit diesen Fragen herum, bis ich endlich einen Wendepunkt erreichte. Eines Abends stand ich allein in der Küche. Josh war ins Schlafzimmer gegangen. Wir hatten uns einmal mehr über das liebe, aber sehr knappe Geld gestritten – genauer gesagt über den Unterschied zwischen vernünftigen Ausgaben und purer Geldverschwendung. Pure Geldverschwendung war zu diesem Zeitpunkt beispielsweise der Kauf einer Tüte Mais-Chips. Um diesem Streit aus dem Weg zu gehen, kaufte ich manchmal heimlich eine neue Tüte Chips, wenn Josh gerade arbeiten war. Diese versteckte ich dann irgendwo, sodass ich die alte Tüte nur noch auffüllen musste. Verzweifelte Zeiten brauchen verzweifelte Maßnahmen. Josh war sehr gestresst und das zeigte sich meist in Vorträgen zum Thema »Geld«, die dann jedes Mal in Streit ausarteten, wenn ich mit mehr als drei Tüten vom Einkaufen wieder nach Hause kam. Wir wussten jedoch beide, dass es um mehr als das ging. Ich war nur sechs Monate nach unserer Hochzeit mit unserem Sohn schwanger geworden. Ich hatte immer die Einstellung gehabt, dass »schon alles gut werden würde«, und konnte es kaum erwarten, eine kleine Minikombination aus Josh und mir mit Babybäckchen zur Welt zu bringen. Ich musste diese freudige Er-

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wartung jedoch unterdrücken, als ich feststellte, dass Joshs Überforderung wie kalter Schweiß aus jeder Pore trat. Und das kam häufig vor. Ich machte ihm deswegen überhaupt keine Vorwürfe. Es war nicht so, dass er keine Kinder wollte. Er hatte nur nicht damit gerechnet, nur knapp ein Jahr nach der Hochzeit für eine dreiköpfige Familie sorgen zu müssen. Als unser Baby an diesem Abend eingeschlafen war und Josh sich bettfertig machte, stand ich barfuß auf dem kalten Boden in der dunklen Küche und fühlte mich vollkommen allein. Dort in der Stille nach diesem herzzerreißenden Abend traf ich eine Entscheidung. Ich würde meine Umgebung nicht mehr manipulieren. Ich würde mich nicht mehr darauf verlassen, dass andere Menschen dafür sorgten, dass mein Leben so lief, wie ich es wollte. Das hatte sowieso noch nie geklappt. Ich merkte auch, dass ich Josh nicht mehr unter Druck setzen durfte, mein Ein und Alles zu sein. Oder meine Unsicherheit zu kompensieren. Mich zu beschützen und zu verhindern, dass ich mich überhaupt aus meiner Komfortzone herauswagen musste. Das war etwas, was ich mit allen meinen besten Freundinnen und auch meinen Freunden bis zu diesem Zeitpunkt getan hatte. Josh und ich waren immer noch ein Team, doch ohne meine ungesunde Abhängigkeit von ihm löste sich der Druck. »Jetzt sind es nur noch wir beide«, sagte ich zu Gott, während ich mit den Händen meine Ellbogen umklammerte und die Küchenschränke anstarrte. »Ich habe keine Ahnung, was das bedeutet, aber ich fange einfach an, mich damit zufriedenzugeben, dass ich dich habe. Ich muss mein Leben nicht mit anderen Menschen oder Dingen füllen, um mich sicher und geliebt zu fühlen. Bei dir zu sein, ist mehr als alles, was ich brauche.« Ich spürte Gottes sanfte Gegenwart, als er sagte: »Gut. Wir versuchen es jetzt auf meine Weise. Ich weiß, dass du den Unterschied merken wirst.« In diesem Moment fühlte ich mich frei und leicht, als wäre eine riesige Last von meinen Schultern genommen worden. Ich wusste, dass das genau das war, was Gott immer für mich gewollt hatte. Und jetzt war es vielleicht das erste Mal, dass

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ich nicht selbst kämpfte. Ich sagte nicht länger: »Ja, Gott ist alles für mich!« – und arbeitete hinter den Kulissen dann doch wieder ängstlich daran, dass die Menschen, die ich liebte, mich niemals verlassen würden und ich eine sichere Zukunft hatte. Dieser Moment war ein Wendepunkt. Doch das bedeutete nicht, dass ich nicht weiterhin zu kämpfen hatte. Tatsächlich war es erst der Beginn einer langen Reise, auf der ich lernen würde, mich von Gott abhängig zu machen. Doch anstatt mich davor zu fürchten, freute ich mich darauf! Irgendwie überraschte mich dieses Gefühl, denn der Gedanke, meine Pläne und Hoffnungen einfach so an Gott abzugeben, flößte mir immer noch Angst ein. Was wäre, wenn die Zukunft, die er sich für mich vorgestellt hatte, gar nicht die Dinge bereithielt, die ich mir selbst immer gewünscht hatte? Wie sähe das überhaupt praktisch aus, wenn ich meine Erfüllung bei Jesus und nicht mehr bei anderen Menschen oder Dingen suchte? Es fühlte sich wie ein Schritt ins Unbekannte und Unsichere an, weil ich mein Recht aufgab, Beziehungen und Umstände zu manipulieren, um das zu bekommen, was ich haben wollte. Und ich wusste auch, dass Veränderungen in meinem persönlichen Alltag jede Menge Demut und Übung erfordern würden. Zugleich hoffte ich jedoch, dass ich, wenn ich Christus als meinen größten Schatz über alles setzte, auch lernen würde, Freude an vielen Dingen und Menschen zu finden, über die ich keinerlei Kontrolle hatte. Einer dieser Menschen sollte mein Ehemann sein. Zur selben Zeit fanden sich viele meiner Freunde in einer ähnlichen Situation wieder, in der ich vor meiner Heirat mit Josh gewesen war. Sie suchten nach der einen Person oder der einen Sache, die ihr Leben dauerhaft und »so richtig« erfüllen würde. Manche von ihnen hatten eine Beziehung nach der anderen und dachten jedes Mal, sie hätten nun endlich das gefunden, was sie gesucht hatten. Doch nach einer kurzen Weile löste sich diese Illusion in Luft auf und sie mussten feststellen, dass sie ihren Partner doch noch nicht gefunden hatten. Was sie vorher für ihren Schatz gehalten hatten, wurde plötzlich zu einem Hindernis oder gar zu einem Umweg, der sie frustrierte. Hinzu kam die Sorge, dass ih-

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nen für ihre Suche nach Glück und Erfüllung gefühlt mit jedem Tag weniger Zeit blieb. Sie fingen also an, sich fast schon panikartig zu verabreden, um endlich den einen Menschen zu finden, bevor es dafür zu spät war. Aber was ist, wenn du – so wie ich – deinen Lieblingsmenschen schon vor einer ganzen Weile gefunden hast und dir nun eingestehen musst, dass er oder sie dich in der Vergangenheit und auch heute nicht so glücklich machen konnte, wie du es dir erhofft hattest? Was dann? Einige entscheiden sich einfach dafür, ihr Schicksal zu akzeptieren, und arrangieren sich mit einer Art WG-Leben. Sie tun dann nur das, was gerade so nötig ist, um harmonisch mit ihrem Partner zusammenleben zu können. Diese Menschen würden ihre Ehe wohl nicht als erfüllend bezeichnen, haben aber auch kein schlechtes Leben. Sie streiten nur selten mit ihrem Ehepartner, lachen aber auch kaum miteinander. Andere entscheiden sich, jede Möglichkeit zu nutzen, um ihren Partner und die Situation in ihrer Ehe zu verändern. Sie wirken, als wären sie von ihrer eigenen Unzufriedenheit geradezu besessen und nörgeln und schimpfen ständig. Sie werden gegenüber ihrem Ehepartner bitter und kreisen um ihre Enttäuschung darüber, wer ihr Ehepartner ist (bzw. nicht ist) und was ihr Partner für sie tut (bzw. nicht tut). Sie versuchen verzweifelt, das zu bekommen, was sie wollen, indem sie ihren Partner konfrontieren und kritisieren. Wenn du dich in einem dieser Szenarien oder vielleicht sogar in beiden wiederfinden kannst, wäre es möglicherweise angebracht, dir selbst dieselbe Frage zu stellen, die ich mir auch stellen musste: Habe ich bisher immer an der falschen Stelle nach dem Schatz meines Herzens gesucht? An diesem Abend in der Küche schaffte ich es, mir selbst einzugestehen, dass Josh nicht der Schatz meines Herzens sein sollte. Er hatte jede Menge tolle Eigenschaften: Er war großzügig, freundlich, klug, fleißig und sah gut aus – und nach einem solchen Schatz hatte ich jahrelang gesucht. Ich hatte allerdings nicht verstanden, dass es noch einen viel größeren Schatz gab als einen gut aussehenden Mann, der jeden Abend um 18 Uhr wieder nach Hause

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kam: nämlich einen ewigen Schatz, der niemals seinen Wert verlieren würde und mir auch nicht wieder genommen werden konnte. Und ich hätte ihn beinahe verpasst! Ich fand diesen wahren Schatz erst, als ich entschied, das loszulassen, was ich einmal für meinen Schatz gehalten hatte. Nur so konnte ich mich dann darauf einlassen, dass Gott mein Ein und Alles sein wollte.

Der wahre Schatz Jesus erzählte einmal seinen Jüngern ein einfaches Gleichnis, um ihnen die Bedeutung eines wahren Schatzes zu erklären: Das Himmelreich ist wie ein Schatz, den ein Mann in einem Feld verborgen fand. In seiner Aufregung versteckte er ihn wieder und verkaufte alles, was er besaß, um genug Geld zu beschaffen, damit er das Feld kaufen konnte – und mit ihm den Schatz zu erwerben! (Matthäus 13,44) Wenn du einen echten Schatz entdeckt hast, bist du bereit, dafür ein Opfer zu bringen. Auch wenn das erst einmal unlogisch erscheint. Und was dieser Mann tat, war auf den ersten Blick definitiv ziemlich unlogisch. Ich meine: Wenn du das Ziel hast, viel zu besitzen – ergibt es dann wirklich Sinn, all das loszulassen, wofür du so hart gearbeitet hast? Ich kann mir gut vorstellen, dass die Familie und die Freunde dieses Mannes ihn für vollkommen verrückt gehalten haben. Aber in seinen Augen ergab dieses Opfer durchaus Sinn. Letztlich war es für ihn kein Opfer, sondern eine Möglichkeit, einen viel höheren Gewinn zu erzielen! Als der Mann alles verkauft hatte, was er vorher besessen und für seinen Schatz gehalten hatte, wurde er frei, um noch mehr zu gewinnen als zuvor. Es war kein Opfer, da er nun alles, was er einmal besessen hatte, im Vergleich zu dem wahren Schatz als billigen Schmuck betrachtete. Genau dasselbe passiert, wenn wir es uns erlauben, Jesus als den zu betrachten, der er wirklich ist – im Vergleich dazu wird uns klar, wie unwichtig unsere irdischen Schätze sind. Sie sind nur ein 20


blasses Abbild dessen, was wir erhalten, wenn wir Jesus allein zu unserem größten Schatz machen. Erst wenn wir den Reichtum Christi erkannt haben – den ewig gültigen Wert seiner Vergebung, Güte, Liebe und Heiligkeit –, können wir wirklich die Schätze loslassen, für die wir einst gekämpft und an denen wir uns verkrampft festgehalten haben. Wenn wir den Reichtum Christi erkennen, wird er derjenige sein, den wir festhalten wollen. Und wie Paulus werden wir sagen können: Ja, alles andere erscheint mir wertlos, verglichen mit dem unschätzbaren Gewinn, Jesus Christus, meinen Herrn, zu kennen. (Philipper 3,8a) Wir brauchen keine Angst zu haben, leer auszugehen. Denn Paulus ermutigt uns an anderer Stelle im Philipperbrief: Und mein Gott wird euch aus seinem großen Reichtum, den wir in Christus Jesus haben, alles geben, was ihr braucht. (Philipper 4,19) All das heißt aber nicht, dass irdische Schätze grundlegend falsch wären. Ganz im Gegenteil. Gott hat die Ehe und die Familie erschaffen und er möchte, dass wir uns daran erfreuen. Aber wenn diese oder andere irdische Schätze Gott als Quelle unserer Sicherheit und Identität von seinem Platz verdrängen, werden sie zu Götzen. Wir schaffen einen Götzen, wenn wir das Geschenk höher achten als Gott, der es geschaffen und uns damit beschenkt hat. Das kann auch in der Ehe passieren. Nämlich dann, wenn wir unseren Ehepartner statt Gott als unseren größten Schatz betrachten. Es ist wichtig, auf eine Stelle im Gleichnis zu achten: Jesus sagt über den Mann: »In seiner Freude ging er hin und verkaufte alles, was er hatte.« So ähnlich ist das, wenn Josh und ich unseren Kindern sagen, dass sie ein Eis als Nachtisch bekommen, wenn sie ihre Spielsachen aufgeräumt haben. Wenn wir ihnen einfach nur sagen, dass sie aufräumen sollen, hören wir oft das typische Stöhnen und Beschweren. Aber mit der Aussicht auf ein Eis? »Klar, Mama und Papa! Machen wir!« Und so wird plötzlich aus einer nervigen Pflicht eine großartige Möglichkeit. Unsere Kinder freuen sich riesig, weil sie wissen, dass ihre Anstrengungen belohnt werden – der Eisbecher wartet auf sie, wenn das Zimmer schön aufgeräumt ist.

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Ich denke, im Gleichnis, das Jesus erzählt, passiert etwas Ähnliches: Der Mann musste das loslassen, was er hatte, aber er wusste, dass es all das wert sein würde. Und zwar so was von! Das ist das Versprechen, das Jesus auch uns gibt: dass auch wir Freude erleben dürfen, während wir die Schätze loslassen, die weniger wert sind – weil ER selbst es wert ist. Ich finde an dem Gleichnis den kurzen Moment interessant, in dem der Mann gar nichts hatte. In der Zeit zwischen dem Verkauf seines gesamten Besitzes und dem Kauf des Ackers hatte er absolut nichts, worauf er sich im Zweifel hätte verlassen können. Er setzte sein gesamtes Vertrauen auf den Schatz, den er in Zukunft besitzen würde. Und das war mehr als genug, um seine Freude zu erhalten. Wir müssen das im Blick behalten, wenn wir selbst eine solche Zeit erleben, in der wir irdische Schätze für die wahren, ewigen Schätze eintauschen. Vielleicht erleben wir eine Zeit des Wartens. Aber wir wissen auch, dass der Schatz im Acker – die Verheißung des ewigen Lebens mit Christus – auf uns wartet. Wir werden zwar in unserem Leben hier auf der Erde nicht in der Lage sein, diesen Schatz in all seiner Fülle auszukosten, aber wir können uns dennoch dafür entscheiden, voller Freude zu leben. Vielleicht fragst du dich jetzt: Woher weiß ich denn, ob etwas in meinem Leben zu einem Götzen geworden ist oder ob ich mich einfach über ein tolles Geschenk freue? Hier ist eine Frage, die dir bei einer ersten Antwort helfen könnte: Wie würdest du reagieren bzw. dich fühlen, wenn du diese gute Gabe Gottes wieder verlieren würdest? Ein Beispiel: Nehmen wir an, dein Schatz ist »Sicherheit«. Diese Sicherheit kann verschiedene Formen annehmen. Mein jüngeres Ich hätte Sicherheit als »das Finden eines Ehemanns« bezeichnet. Für andere ist es vielleicht der gut bezahlte Job, Lob und Anerkennung oder eine gute Altersvorsorge. Was auch immer es für dich ist: Wie würdest du dich fühlen, wenn dein Schatz aus irgendeinem Grund morgen nicht mehr da wäre? Natürlich wäre der Verlust eines irdischen Schatzes extrem schmerzhaft und es wäre auch nicht leicht, damit umzugehen.

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Jesus fordert uns auch nie dazu auf, in Beziehungen oder auch in Bezug auf den Lebensunterhalt für uns und unsere Familien gleichgültig zu sein. Aber die Wahrheit ist auch: Kein Job und kein Rentenplan kann uns retten. Und auch andere Menschen werden nicht für immer da sein. Wenn du durch den Verlust deines wie auch immer gearteten Schatzes gleichzeitig dich selbst verlieren würdest – also ohne ihn keine Identität oder Ziel mehr hättest –, dann hast du ihn sehr wahrscheinlich zu deinem Götzen gemacht, der dir ein falsches Gefühl von Sicherheit vermittelt. Das ist der Unterschied zu einer guten Gabe, die man mit Freude genießen kann. Genau das ist mir passiert, als ich »den einen Menschen« in meinem Leben als meinen größten Schatz auserkoren habe – meinen Zwillingsbruder, die beste Freundin, meinen Freund oder auch meinen Ehemann. Wenn du, so wie ich, darauf gehofft hast, dass deine Ehe und dein Partner die ultimative und ständige Quelle deines Glücks und deiner Erfüllung sein würden, und du jetzt denkst: »Ich wusste, dass es in einer Ehe manchmal schwierig sein kann, aber dass es so schwierig wird, hätte ich nicht gedacht!« – dann habe ich eine gute Nachricht für dich: Du musst nicht noch einmal mit einer anderen Person ganz von vorne anfangen, um das zu finden, was du suchst. Und es ist auch nicht die Lösung des Problems, die Fehler deines Ehepartners zu korrigieren. Der Anfang der Lösung ist eine Schatzsuche. Und diese findet in deinem eigenen Herzen statt!

Wie Savannah losließ, was zu einem Götzen geworden war »Mein Mann und ich waren gerade einmal 19 Jahre alt, als wir heirateten und die ersten Kinder bekamen. Wir waren noch so jung und hatten keine Ahnung, was wir taten. Ich erlitt zuerst eine Fehlgeburt und brachte danach unser erstes Kind zur Welt – noch vor unserem ersten Hochzeitstag. Wir lebten damals in einem kleinen Wohnwagen. Ich selbst

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ging noch ins College und mein Mann machte Überstunden in seinem harten Job als Holzfäller. Das war alles ziemlich viel. Wir hatten kein sorgloses Leben mehr, wie wir es noch während unserer Datingphase gehabt hatten. Und ich spürte eine große Distanz zwischen uns. Wir stritten über Geld und waren hinsichtlich der Erziehung unseres Kindes nicht auf Augenhöhe. Mein Mann zog sich emotional zurück und ich körperlich. Unsere Entfremdung und gegenseitige Abneigung wuchs und wuchs und irgendwann fand ich heraus, dass er in den sozialen Medien mit anderen Frauen chattete. Ich bin wieder zu meinen Eltern gezogen, habe einen Anwalt eingeschaltet und die Scheidung eingereicht. Wir waren beinahe fünf Jahre verheiratet gewesen und ich war gerade mit unserem zweiten Kind schwanger. Trotz all dem, was wir durchgemacht hatten, liebte ich meinen Mann noch immer und wollte ihn nicht verlieren. Es tat so weh und trotzdem war genau das der Moment, der meine Beziehung zu Gott von Grund auf veränderte. Ich war zwar als Christ aufgewachsen, doch meine Beziehung zu Gott war bis zu diesem Zeitpunkt sehr oberflächlich gewesen. Doch in diesen Zeiten der Krise schrie ich oft zu Gott und zum ersten Mal merkte ich, dass er mir tatsächlich antwortete. Als Erstes spürte ich, wie er mir sagte, dass ich meinen Ehemann zu meinem Götzen erhoben hatte. Ich musste ihn aufgeben und mir Gott genügen lassen. Irgendwann kam ich an den Punkt, an dem ich meinen Mann ziehen lassen und mich vollständig auf Gott verlassen konnte. Das war eine harte Entscheidung, aber auch eine sehr gute. Als mein Ehemann nicht mehr länger mein Götze war, spürte ich, wie Gott mir sagte, dass ich trotzdem noch mit ihm zusammenbleiben konnte. So ähnlich muss sich auch Abraham gefühlt haben, als er bereit war, Gott seinen Sohn als Opfer zu überlassen, und dann doch noch in letzter Minute gestoppt wurde. Als mein Mann und ich uns dazu durchrangen, unserer

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Ehe noch eine Chance zu geben und an unserer Beziehung zu arbeiten, veränderte sich unsere Art zu streiten: Statt uns gegenseitig anzuschreien, Gegenstände aufeinander zu werfen oder uns mit Worten zu verletzen, schafften wir es nun, ruhig zu diskutieren. Ich nutzte nicht länger Intimität als Waffe oder Bestrafung und mein Mann und ich kamen uns auch emotional wieder näher. Seitdem ist meine Beziehung zu Gott immer tiefer geworden und er hat mir auch gezeigt, wie ich meinen Teil dazu beitragen kann, dass unsere Ehe immer besser wird. Es ist erstaunlich, was Gott tun kann, wenn wir unsere Götzen loslassen und uns ganz Gott überlassen.«

Schätze im Himmel Jesus redete oft davon, wie vergänglich irdische Schätze im Vergleich zu den Schätzen sind, die uns im Himmel erwarten: Sammelt keine Reichtümer hier auf der Erde an, wo Motten oder Rost sie zerfressen oder Diebe einbrechen und sie stehlen können. Sammelt eure Reichtümer im Himmel, wo sie weder von Motten noch von Rost zerfressen werden und vor Dieben sicher sind. Denn wo dein Reichtum ist, da ist auch dein Herz. (Matthäus 6,19-21) Wir sollen unsere Ehepartner zwar lieben und wertschätzen, aber sie sollten nicht zu unserem größten Schatz werden. Unseren Ehepartner zu lieben oder Sicherheit und Glück erleben zu wollen, ist keine Sünde. Aber wenn wir es Christus nicht erlauben, unseren Ehepartnern den ihnen gebührenden Platz in unserem Leben zuzuweisen, riskieren wir, dass wir sie auf ein Podest heben und ihnen viel zu viel Einfluss einräumen. Das aber wäre nicht gut, denn unser Schatz – was oder wer auch immer es sein mag – kann schnell zu unserer wichtigsten Quelle der Identität werden und zu dem, was uns antreibt und uns motiviert. All das einem 25


anderen Menschen aufzuerlegen, ist eine Überforderung. So wie eine Pflanze eingeht, wenn sie zu viel Wasser bekommt, können wir auch die Dinge und Menschen, die uns lieb und teuer sind, überfordern – nämlich dann, wenn wir sie zu unserem höchsten Gut machen und uns zu sehr an sie klammern. Jesus freut sich, wenn wir heiraten und unseren Ehepartner lieben. Wichtig dabei ist, dass wir Jesus die Quelle unserer Liebe sein lassen, indem wir ihn mehr lieben als alles andere. Ich liebe das folgende Zitat von C. S. Lewis, das wir eingerahmt und in unserem Treppenhaus aufgehängt haben: Wenn ich lerne, Gott mehr zu lieben als meine Liebsten hier auf Erden, kann ich auch meine Liebsten besser lieben. Liebe ich meine Liebsten jedoch auf Kosten von Gott und anstelle von Gott, werde ich sie irgendwann gar nicht mehr lieben. Wenn man das Wichtigste an die erste Stelle setzt, wird das Zweitwichtigste nicht unterdrückt, sondern gestärkt.1 Kein Mensch – auch nicht der eigene Ehepartner – ist dazu da, unsere tiefsten Bedürfnisse zu erfüllen. Also begib dich auf Schatzsuche und achte genau darauf, was dir am wichtigsten ist. Überlege, was deine täglichen Entscheidungen wirklich prägt: wie du deine Zeit und deine Ressourcen investierst, wie du deinen Ehepartner siehst und ihn oder sie behandelst und welche Gedanken dir jeden Tag durch den Kopf gehen. Dahinter verbirgt sich das, was dir auf der Erde am wichtigsten ist – der Schatz, der dein Herz beherrscht. Gott lädt dich dazu ein, ihm diesen Schatz zu überlassen, damit du IHN noch mehr lieben kannst.

1 Walter Hooper (Hrsg.): The Collected Letters of C. S. Lewis: Narnia, Cambridge, and Joy 1950–1963, Band 3 (New York: HarperCollins, 2007), S. 247.

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Zum Nachdenken ➪ Worauf hast du dich in deiner Kindheit und Jugendzeit am meisten verlassen, um ein Gefühl der Sicherheit und Identität zu gewinnen? Waren es eine Person, ein Ort, etwas, was du sehr genossen hast, oder eine Fähigkeit, die du gut beherrscht hast? Inwiefern hast du auch als Erwachsener weiterhin darauf deine Identität und Sicherheit aufgebaut? ➪ Ein wahrer Schatz ist etwas, wofür wir bereitwillig ein Opfer bringen. Was könnten die Opfer, die du erst vor Kurzem oder auch vor längerer Zeit gebracht hast, darüber aussagen, wo dein wahrer Schatz zu finden ist? ➪ Wo fordert dich das Gleichnis vom Schatz im Acker heraus? Wo ermutigt es dich? ➪ Wage eine Vorausschau auf die nächsten 24 Stunden, die du gemeinsam mit deinem Ehepartner verbringen wirst. Wie könnte das, was C. S. Lewis beschrieben hat, praktisch aussehen? Wie kannst du deinen Partner mehr lieben, indem du Gott noch mehr liebst?

Gebet ➪ Bitte Gott, dein Herz zu erforschen und dir dabei zu helfen, die unerfüllten Wünsche zu entdecken, die vielleicht zu einer Quelle für Groll in deiner Ehe geworden sind. Gib diese Wünsche an Gott ab und vertraue ihm, dass er sich darum kümmert. ➪ Bitte um Vergebung dafür, wenn du deinen Partner oder die Erwartungen, die du an ihn hattest, an Gottes Stelle gesetzt hast und sie zu deinem wahren Schatz wurden. ➪ Bitte Gott darum, dir den Reichtum seiner Liebe zu zeigen, sodass er für dich zum größten Schatz deines Leben wird.

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