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Julia Kramer-Wiesgrill

Maya Finn

und

Die rätselhaften Briefe


Das bin ich Ich bin Maya und bin zehn Jahre alt, habe kinnlange, blonde Haare und lache gerne. Ich wohne mit meiner Familie in einer Wohnung am Stadtrand. Das Zimmer teile ich mir mit meinem kleinen Bruder, was manchmal nervig ist. Aber wenn mein Nachbarsfreund Finn oder eine Freundin zum Spielen kommt, sorgt Mama dafür, dass wir das Zimmer auch mal für uns allein haben. Mama hat auch versucht, unser Zimmer, so gut es geht, zu teilen, obwohl es nur ein Fenster gibt. Lukas, meinem Bruder, gehört die Ecke neben dem Bett. Dort stehen seine Autokiste, das Parkhaus und all seine Bagger, Lastwagen und die große Müllabfuhr. Ich habe meine Ecke auf der anderen Seite, neben dem Kleiderschrank. Dort ist nicht nur mein Schreibtisch, sondern auch ein Stufenregal, das so steht, dass ich 5


dahinter eine gemütliche Leseecke habe. Eine Leselampe, ein flauschiger Teppich und ein Sitzsack machen meine Ecke gemütlich – wenn nicht gerade Lukas mit einem Bilderbuch dazukommt und sich ungefragt auf meinen Schoß setzt, damit ich ihm vorlese! Süß ist er ja schon, aber ich brauche auch manchmal Zeit für mich! Ich lese sehr gerne, und wenn ich groß bin, möchte ich selbst Autorin werden. Ich hab auch schon angefangen, mit dem Zehnfingersystem tippen zu lernen. Das geht aber noch ziemlich langsam. Vielleicht werde ich mir eine Geschichte ausdenken und sie einfach auf mein Handy sprechen. Ich interessiere mich auch für Vögel. Zu meinem letzten Geburtstag hab ich mir ein Vogelhaus gewünscht, das Papa vor meinem Fenster montiert hat. Da gebe ich regelmäßig Sonnenblumenkerne, aber auch Haferflocken und Rosinen hinein. Weil nicht alle Vögel die Schalen der Kerne mit ihrem Schnabel öffnen können. Viele fressen eigentlich Insekten und Würmer, können aber auch Haferflocken oder Beeren fressen. Rotkehlchen zum Beispiel. Die mag ich sehr gerne. Die sind auch im Winter hier bei uns und singen so schön. Eines kommt mich sogar öfter besuchen und setzt sich immer wieder auf mein

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Fensterbrett! Ich würde es gerne so weit zähmen, dass es sich auf meine Hand setzt und daraus frisst. Noch hat es sich nicht getraut, aber so was gibt es bei Rotkehlchen! Sie sind ziemlich mutige kleine Vögel. Und so hübsch! Unsere Wohnung ist im ersten Stock einer Wohnanlage. Auf der einen Seite sieht man in den Innenhof, auf der anderen Seite auf eine Grünfläche hinter den Häusern. Finn ist mein Nachbar vom Haus gegenüber. Er ist ein Jahr älter als ich, aber wir treffen uns fast jeden Tag, um gemeinsam draußen zu spielen. Schon als wir noch ganz klein waren, haben wir das gemacht. Im Sommer machen wir oft Wasserschlachten im Hof oder malen mit Straßenmalkreide. Im Winter spielen wir hinter dem Haus im Schnee und bauen Iglus. Manchmal gehen wir auch gemeinsam Klettern oder Eislaufen. Finn hat braunes Haar und Sommersprossen und ist ein Einzelkind. Deshalb treffen wir uns auch öfter bei ihm. Da ist es ruhiger und wir können ungestört Lego bauen, ohne dass wir aufpassen müssen, was Lukas gerade anstellt. Finns Eltern singen in einer Band. Mein Papa spielt auch Gitarre, aber nur so für sich daheim. Meine Mama wollte immer mal ein Buch schreiben. Vielleicht schafft sie das, wenn Lukas

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größer ist, sagt sie. In der Zwischenzeit erzählt sie uns selbst erfundene Geschichten vor dem Schlafengehen. Und die sind ziemlich gut. Ich mag den Winter. Er hat gerade erst begonnen, aber dieses Jahr liegt schon früh Schnee. Nicht nur oben auf den Bergen, sondern sogar hier unten im Tal. Der Advent ist richtig schön, wenn alles weiß ist! Finn und ich wollen bald ein Iglu hinter dem Haus bauen. Und ich geh auch total gerne mit meiner Familie rodeln.

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1. Kapitel Papa kommt heute früher von der Arbeit nach Hause und Mama steckt Lukas gleich nach seinem Mittagsschlaf in seinen knallgrünen Skianzug. Ich bin schon mit den Hausaufgaben fertig, die ich immer am Küchentisch mache, während Lukas in unserem Zimmer sein Schläfchen hält. »Mama? Wo sind meine Handschuhe?«, rufe ich verzweifelt. »Die müssen im Korb im Vorzimmer sein. Schau noch mal nach!« »Da sind sie aber nicht! Oh. Doch, hab sie gefunden!« Irgendwie hab ich die blauen Handschuhe im Korb übersehen. Mama seufzt, während sie Lukas’ Füße in die Schneestiefel quetscht. Der macht sich einen Spaß daraus und spreizt absichtlich seine Zehen ab. 9


»Lukas! Mach deine Füße schmal! Wir wollen rodeln gehen!« Lukas lacht und ist nun doch brav. »Rodeln gehen!« Papa hat derweil den Rucksack mit einem Picknick gepackt und schnappt nun Lukas von hinten, sodass dieser vor Freude quietscht. »Auf geht’s, Leute! Es gibt frischen Schnee, heute kann man bestimmt super rodeln!« Wir gehen in die Tiefgarage hinunter, packen die Schlitten ins Auto und fahren die Strecke zum Parkplatz bei der Hinterhorn-Alm hinauf. Meine Freundin Fanny, die in der Schule neben mir sitzt, wohnt dort im Forsthaus. Die Forststraße führt durch den Wald hinter ihrem Haus den Berg hinauf und ist im Winter eine Rodelbahn. Da dürfen dann natürlich keine Autos den Berg hinauffahren. Man geht fast eine Stunde die kurvige Straße bergauf, bevor man dann den ganzen Weg wieder hinunterfahren kann. So eine lange Strecke zu rodeln, macht irrsinnigen Spaß! Lukas darf im Schlitten mit der Lehne und dem Lammfellsack sitzen und sich nach oben ziehen lassen. Ich stapfe durch den Schnee. Immer wieder mal

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forme ich mit meinen Fäustlingen einen Schneeball und bewerfe damit Papa oder ich ziele auf die Beine meines Bruders. Die Tannenbäume biegen sich unter der Schneelast und die Luft glitzert von kleinen Schneeflocken, die von den Bäumen herabrieseln. Es ist ganz still und jedes Geräusch ist gedämpft, außer unsere eigenen. Jeder Schritt knirscht im Schnee und aus unseren Nasen steigen Dampfwolken. Lukas’ Wangen sind ganz rot und mit seiner grünen Zipfelmütze und den großen Augen sieht er echt niedlich aus. Vorne an seinem Schlitten ist eine kleine Glocke montiert, die bei jedem Schritt, den Papa macht, klingelt. »Jingle bells, jingle bells!«, fängt Mama plötzlich an zu singen und Papa und ich stimmen mit ein. Lukas versucht zu klatschen, was aber mit seinen dicken Fäustlingen nicht geht. »Aus der Bahn!«, höre ich da plötzlich jemanden rufen und ich springe schnell zur Seite. Vor lauter Singen haben wir nicht auf den Weg geachtet! Da saust auch schon ein Mann mit seinem Schlitten auf uns zu und wir können gerade noch rechtzeitig ausweichen. Ab jetzt gehen wir brav hintereinanderher; der Mann ist bestimmt nicht der Einzige, der uns heu-

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te entgegenkommen wird! Und da ist auch schon die nächste Rodlerin in Sicht: eine Frau mit einem Hund, der bellend neben ihr herläuft und aufgeregt mit dem Schwanz wedelt. »Wauwau!«, sagt Lukas aufgeregt, aber da sind sie auch schon wieder weg. »Lukas, schau!« Ich ziehe an einem Ast am Wegrand. Ich will eigentlich nur ein bisschen Schnee herunterrieseln lassen, aber mit der Menge an Schnee habe ich nicht gerechnet, die da wie eine kleine Lawine auf mich herunterschneit! Lukas lacht, als ich von einem großen Schneeklumpen getroffen werde und ich quietschen muss: »Ah! Ich hab Schnee im Nacken!« Schnell kommt mir meine Mama zu Hilfe und holt das weiße Pulver aus meinem Kragen. »Puh, ist das kalt!« Ich schüttle mich. »Na, Hauptsache Lukas hat seinen Spaß.« Vor der letzten Kurve fliegen plötzlich lauter kleine, knallgelbe Vögel über unsere Köpfe hinweg und landen auf einem Baum auf der anderen Seite der Rodelbahn. Kaum hat jeder Vogel des Schwarms einen Platz auf einem Ast gefunden, fliegen sie auch schon wieder auf die andere Seite der Rodelbahn zurück, als wüssten sie nicht recht, was sie von den

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Menschen halten sollen, die da durch ihren Wald spazieren. »Wow! Sind die schön!«, ruft Mama. »Habt ihr schon mal solche Vögel gesehen?« »Ich glaub, das sind Erlenzeisige!«, rufe ich aufgeregt. »Die hab ich noch nie bei uns gesehen! Aber ich kenne sie aus meinem Vogelbuch!« Wir beobachten die kleinen gelben Vögel noch eine Weile, aber als Lukas unruhig wird, fliegen sie endgültig weg und wir setzen unseren Weg fort. Als wir endlich am oberen Ende der Rodelbahn angelangt sind, setzen wir uns alle müde auf unsere Schlitten und Papa packt den Rucksack aus. »Wer will Tee?« »Ich! Und Kekse bitte!« »Keksi!«, stimmt Lukas ein. Am Berg schmeckt das Picknick immer besonders gut. Oder liegt es am Schnee und der anstrengenden Wanderung bergauf ? Ich blicke ins Tal, wo die Häuser und Autos winzig klein aussehen. Ich kann sogar bis zu unserem Haus sehen! Dann drehe ich mich um und schaue in die andere Richtung, nach oben zu den Bergspitzen. Der Himmel ist blitzblau und die Berge leuchtend weiß mit

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grauen Flecken. Weiß, weil sie voller Schnee sind, und grau an den Stellen, wo der Felsen hervorsticht, weil der Schnee heruntergerutscht ist. »Da, schaut! Ist das ein Adler?« Ich zeige nach oben, wo ein Greifvogel seine Bahn zieht. »Das ist, glaub ich, ein Bussard«, erklärt Papa, der sich auch gut mit Vögeln auskennt. »Aber die sehen den Adlern recht ähnlich.« »Du hast recht, das ist ein Bussard«, stimme ich ihm zu. »Das nächste Mal nehme ich mein Fernglas mit!« Lukas stapft durch den Schnee, weil er nicht mehr im Schlitten sitzen will. Immer wieder fällt er hin, lacht und steht wieder auf. Bis Mama ihn einfängt. »So! Jetzt fahren wir wieder runter! Mir wird langsam kalt«, schlägt Mama vor. Lukas fährt mit Papa, der schützend vor ihm auf dem Schlitten Platz nimmt. Mama und ich haben jeweils unseren eigenen kleinen Rodelschlitten. Los geht’s! Ich liebe es, den Berg hinunterzufahren! Wenn es schnell geht, lache ich vor Freude. Und an den Stellen, wo zu viel Schnee ist und es nur langsam vorwärtsgeht, genieße ich die Aussicht auf die schnee-

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bedeckten Bäume und singe ein Lied vor mich hin. Da überholt Mama mich plötzlich von links, sie hat die schnellere Spur erwischt! Schnell steuere ich auch nach links, nachdem ich geschaut habe, dass mich auch niemand überholt. Ja! Jetzt geht es wieder schneller! Nach zehn Minuten sind wir wieder unten am Parkplatz angekommen, wo die Rodelbahn zu Ende ist. »Das war super!«, freue ich mich und auch Mama und Papa hatten sichtlich ihren Spaß. Vor allem Mama war recht schnell unterwegs, aber sie hatte ja auch nicht den kleinen Lukas mit auf dem Schlitten. »Sollen wir heute noch Weihnachtskekse backen?«, fragt Mama, während sie sich Schnee von der Hose klopft. »Ja!«, antworten wir einstimmig und voller Freude. Und dann machen wir uns auf den Heimweg, nachdem wir die Schlitten mit einem Besen abgekehrt und im Kofferraum verstaut haben. Lukas hat ganz kalte Hände und Mama wärmt sie mit ihren eigenen. Ich male mit meinem Finger einen Stern auf die angelaufenen Fensterscheiben im Auto und summe vor mich hin.

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Morgen ist Nikolaustag und in drei Tagen hab ich Geburtstag. Dezember ist eindeutig mein Lieblingsmonat.

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2. Kapitel Am nächsten Morgen werde ich von meinem kleinen Bruder geweckt: »Der Nikolaus war da!« Schnell schlage ich die Decke zurück und eile zum Fenster. Unsere roten Nikolaussäcke stehen am Fensterbrett, wie jedes Jahr am 6. Dezember. Ich habe meinen vor vielen Jahren im Kindergarten gebastelt. Er ist aus rotem Filz und mit Fingerfarben verziert. Mama füllt ihn jedes Jahr mit Süßigkeiten, einem Buch und einem Paar Socken. Was sie wohl diesmal ausgesucht hat? Mein Bruder hat sich schon seinen Sack geschnappt und leert ihn auf dem Teppich aus. Ich knie mich neben ihn und tue es ihm gleich. Meine Lieblingsschokolade, Schokoriegel, eine Tüte Gummibärchen und Nüsse fallen auf den Teppich. Aber am meisten 17


bin ich auf das Buch und die Socken gespannt. Ein neues Buch meiner Lieblingsautorin! Ich hab gar nicht gewusst, dass es wieder ein neues gibt! Glücklich nehme ich es in die Hand. Schade, dass heute Schule ist, da muss ich wohl bis zum Nachmittag warten, bis ich mit dem Lesen beginnen kann. Aber die Socken! Die kann ich gleich anziehen, wenn ich in die Schule muss. Sie sind grau und haben lauter Quietscheentchen mit Weihnachtsmannmützen darauf. Süß! Ich mag bunte und lustige Socken. Meine Freundin Fanny auch. Ich angle mir die Schere von meinem Schreibtisch und schneide die Etiketten ab, damit ich sie gleich anziehen kann. »Auch! Bitte!«, sagt Lukas und hält mir seine Socken hin. Es sind dunkelblaue mit grünen Dinosauriern, die ebenfalls Weihnachtsmannmützen auf dem Kopf haben. Ich erfülle ihm den Wunsch und sehe ihm dann dabei zu, wie er sich mühevoll die neuen Socken über die Zehen zieht. Aber wenn er will, schafft er schon viel. »Warte kurz, Lukas«, sage ich dann doch, bevor er aufstehen will. »Ich dreh dir noch die Ferse an die richtige Stelle.«

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Lukas wackelt mit den Zehen. »Schau! Die Dinos tanzen!« Ich lache und drehe meine Füße nach innen und nach außen, wie bei einem Tanzmove. »Meine Enten auch!« Dann gehen wir gemeinsam in die Küche, wo Papa schon das Frühstück macht, und zeigen ihm unsere neuen Nikolaussocken. *** Am Nachmittag will ich eigentlich gleich damit beginnen, mein neues Buch zu lesen. Aber der Schnee ist so schön draußen, das sollte man auch ausnutzen! Es hat den ganzen Vormittag geschneit und der Schnee ist perfekt zum Iglubauen, hat Finn gesagt. »Mama, ich geh runter Iglu bauen mit Finn, okay?« »Ist gut, Schatz! Lukas und ich kommen dann später auch runter.« Ich ziehe meinen Skianzug an und gehe nach draußen. Weil Finn noch nicht da ist, läute ich bei ihm an der Haustür. Aber seine Mama sagt, dass er mit seinen Haus-

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aufgaben noch nicht fertig ist und ich schon mal allein anfangen soll. Also gehe ich hinters Haus, wo besonders viel Schnee liegt und wir letztes Jahr auch schon ein Iglu gebaut haben. Aber als ich um die Ecke biege, bleibe ich plötzlich wie angewurzelt stehen. Da ist schon jemand und baut einen Schneemann! Das fremde Mädchen hebt den Kopf, schiebt sich die Mütze aus dem Gesicht und mustert mich neugierig. »Hallo. Ich bin Rima.« »Was machst du da?«, frage ich sie irritiert. »Ich baue einen Schneemann«, lacht Rima. »Willst du mitmachen? Wir brauchen noch Augen und eine Nase!« Rima formt noch eine kleine Kugel Schnee und steckt sie seitlich als Hand an den Bauch des Schneemanns. »Aber was machst du hier auf unserem Grundstück?«, frage ich. »Ich wohne jetzt auch hier,« antwortet das fremde Mädchen. »Echt? Wo denn?« »Da oben, im dritten Stock.« Rima zeigt auf das Haus neben unserem. »Dann seid ihr die neuen Nachbarn?«, frage ich.

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»Sieht so aus!«, antwortet Rima und formt die zweite Hand vom Schneemann. »Na gut, wenn das so ist«, sage ich und hole zwei Steine von dem Kiesbett am Haus. »Das wären gute Augen, was meinst du?« Ich halte meiner neuen Nachbarin die Steine hin. »Super! Und wie heißt du?«, will das neue Mädchen von mir wissen. »Maya! Ich wohne da oben im ersten Stock.« Gemeinsam verschönern wir den Schneemann noch mit dünnen Zweigen aus Sträuchern. »Jetzt fehlt uns nur noch eine Karottennase und ein Topf als Hut!«, stelle ich zufrieden fest. »Wart mal kurz! Ich habe eine Idee.« Schnell laufe ich ums Haus und läute an der Gegensprechanlage. »Mama? Kannst du uns bitte eine Karotte vom Balkon zuwerfen? Und einen Topf ?« Mama lacht. »Eine Karotte ist okay. Aber einen Topf ?« Doch kurze Zeit später landen zuerst eine große Karotte und dann ein knallroter Sandeimer von Lukas im Schneehaufen unter dem Balkon. »Danke, Mama!« Ich schnappe mir die Sachen und sause zurück zu Rima und dem Schneemann.

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»Rima! Ich hab die …« Doch da bleibe ich plötzlich stehen. Finn steht neben Rima und blickt sie finster an. »Wir wollten doch ein Iglu bauen und keinen Schneemann! Wir beide! Du und ich«, sagt er vorwurfsvoll zu mir. Ich bin irritiert. Ist Finn etwa eifersüchtig? »Ja klar. Das ist übrigens Rima. Sie wohnt jetzt auch hier«, versuche ich zu vermitteln. Doch Finn lässt seine Schaufel fallen und stapft wütend davon. »Schneemänner sind doof«, ruft er uns zu, kurz bevor er um die Ecke biegt. »Oh nein. Habe ich etwas falsch gemacht?« Rima schaut mich fragend an. »Nein! Ich weiß auch nicht, wieso er so komisch ist«, wiegle ich ab. Irgendwie ist mir jetzt die Lust am Schneemannbauen vergangen. Rima ist doch voll nett! Wieso will Finn sie noch nicht einmal kennenlernen? »Hast du noch Geschwister?«, frage ich sie nachdenklich. »Ja, einen Zwillingsbruder, wieso?« »Prima Rima!« Ich muss lachen »Prima Rima! Prima Rima!«, wiederhole ich ein paarmal.

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Rima lacht mit. »Der Reim ist gut! Hab ich noch gar nicht gekannt!« »Echt jetzt? Es hat noch nie jemand ›Prima Rima‹ zu dir gesagt? Das wundert mich.« Rima schüttelt den Kopf. »Dann ist das jetzt mein Spitzname für dich! Prima Rima! Und weißt du, wieso es so prima ist, dass du einen Zwillingsbruder hast?« »Nein, das musst du mir erklären. Er ist nämlich ziemlich oft ganz schön nervig«, antwortet Rima. »Du hast ja keine Ahnung!«, stöhne ich und erzähle ihr von meinem kleinen Bruder. Doch Rima ist nicht überzeugt: »Ein kleiner Bruder ist sicher total süß! Ich würde am liebsten mit dir tauschen!« Ich lache. »Na ja, eintauschen würde ich Lukas jetzt auch wieder nicht. Ich hab ihn schon lieb, auch wenn er oft ganz schön anstrengend ist. Aber es ist trotzdem gut, dass dein Bruder so alt ist wie wir und nicht so klein wie meiner.« Rima hebt die Augenbrauen und blickt mich fragend an. »Weil er dann nämlich auch beim Iglubauen helfen und sich mit Finn anfreunden kann! Und wenn der auch einen neuen Freund hat und nicht nur ich

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eine neue Freundin, dann ist er bestimmt nicht mehr sauer«, erkläre ich Rima. Die lächelt mich an. »Echt? Ich bin deine neue Freundin?« »Wenn du willst?«, sage ich und zucke mit den Schultern. »Voll gern, Maya«, sagt Rima und drückt mich kurz an sich. »Lass uns noch dem Schneemann seine Nase ins Gesicht drücken und den Hut aufsetzen und dann läuten wir die Jungs aus der Wohnung, okay?«

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