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Noor van Haaften

Jesus

Wenn Menschen begegnen


Inhalt

Vorwort.............................................................................5 1. Kapitel Jesus – vom Himmel gesandt ......................................11 2. Kapitel Ein Gespräch in der Nacht ..........................................21 3. Kapitel Eine Begegnung in Samaria .........................................29 4. Kapitel Neu gemacht! ................................................................39 5. Kapitel Aufgerichtet ...................................................................46 6. Kapitel Keiner bleibt ungesehen! .............................................53 7. Kapitel Wie aus wenig viel wird ...............................................61


8. Kapitel Rastlos wie Schafe ohne Hirten .................................68 Nachwort.......................................................................74 Fünf Schritte zu einem neuen Leben.........................79


Vorwort

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er war dieser Mensch, der vor gut zweitausend Jahren auf der Erde lebte und so viel Staub aufwirbelte, weil er so total »anders« war? Wer war dieser Mensch, der einerseits auffallend barmherzig war und anderseits ausgesprochen kritisch sein konnte? Wer war dieser Mensch, der einen besonderen Draht zu Gott zu haben schien und dessen Wunder die besten Magier sprachlos dastehen ließen? Wer war dieser Mensch, dessen Leben eine überwältigende Auswirkung auf sein Umfeld und weit darüber hinaus hatte? Wie kann das sein, dass bis heute noch über ihn gesprochen wird und dass die Anzahl seiner Nachfolger nach wie vor wächst? Die Antwort auf diese Fragen fand ich, als ich neunzehn Jahre alt war und in Utrecht studierte. Freunde luden mich ein, im Sommer an einer internationalen, christlichen Studentenfreizeit in Österreich teilzunehmen. Die vier waren bewusste Christen, was ich von mir selbst nicht sagen konnte. In eine Kirche ging ich eigentlich nur zu besonderen Anlässen wie an Weihnachten. Die »Nachtgottesdienste«, die wir als Familie an Heiligabend besuchten, gehören zu den kostbaren 5


Erinnerungen aus meiner Jugendzeit. Merkwürdig ist, dass ich in diesen Jahren von der Weihnachtsbotschaft nicht viel mitbekommen habe. Zwar wusste ich von dem Kind, das in Bethlehem in einem Stall geboren worden war und dessen Mutter Jungfrau war. Aber was das Kommen dieses Kindes für mich und für mein Leben bedeutete, das entdeckte ich erst in dem denkwürdigen Sommer, als ich neunzehn Jahre alt war. Dass ich in den Sommerferien an einer internationalen, christlichen Studentenfreizeit in Österreich teilnahm, lag vornehmlich daran, dass mich die Berge anzogen. Dass bei dieser Freizeit die Bibel in Vorträgen und Gesprächskreisen zu Wort kommen würde, interessierte mich weniger. Ich nahm mir vor, dann und wann zu schwänzen und mein eigenes Programm zu gestalten. Ich freute mich darauf, die Umgebung zu erkunden und wandern zu gehen. Dass mir das nicht gelang, hatte mehrere Gründe. Ich hatte mir, ehrlich gesagt, vorgestellt, dass die Vorträge bei dieser Freizeit langweilig und dass die Teilnehmer Menschen sein würden, die etwas abseits vom normalen Leben (und erst recht vom aufregenden Studentenleben) standen. Wer sonst würde seinen Urlaub damit verbringen wollen, die Bibel zu studieren? Bald merkte ich, dass ich das völlig falsch eingeschätzt hatte. Die Freizeitteilnehmer waren Studenten 6


aus aller Welt, die das Leben voll liebten und lebten. Die Gespräche beim Essen waren rege und interessant. Ich besuchte einige Referate, weil ich neugierig war, wovon man so begeistert war, und entdeckte, dass ich von den Vorträgen des Hauptreferenten, einem britischen Historiker, gefesselt war. In allem war ihm anzusehen, dass er die Bibel und den Gott dieser Bibel liebhatte. Er erweckte die alten biblischen Geschichten zum Leben. Als er von Paulus sprach, war es, als sei dieser Apostel unter uns anwesend. Als er seine Botschaft auslegte, wurden die alten Worte der Bibel lebendig und aktuell. Noch nie war ich einem Menschen begegnet, der so offensichtlich begeistert von Gott war. Noch nie hatte mir jemand die Bibel so nahegebracht. Ich hätte nie erwartet, wie faszinierend dieses alte Buch ist. Bald nahm ich an den Bibelgesprächsgruppen teil, in denen es um Begegnungen von Jesus mit Menschen ging. Die Fragen, die uns gestellt wurden (und die wir uns selbst stellten), führten dazu, dass die Bibelstellen nicht nur gelesen, sondern richtig erforscht wurden. Dabei geschah es immer wieder, dass wir uns vorstellten, wie wir das eine oder andere erlebt hätten, wenn wir dabei gewesen wären. Das alles machte das Bibellesen zu einer faszinierenden Entdeckungsreise. Das war aber nicht alles. Meine Zimmernachbarin bei dieser Freizeit war eine amerikanische Studentin, 7


die körperlich beeinträchtigt war. Sie hatte als Kind Polio gehabt und brauchte Schienen an den Beinen, um stehen und laufen zu können. Diese junge Frau wurde mir ein großes Vorbild. Sie war eine, die einen tiefen inneren Frieden besaß. Ihr körperlicher Zustand hinderte sie nicht daran, sich am Leben zu freuen und mit Hoffnung in die Zukunft zu schauen. Ich, die gesund war, sah bei ihr, dass mir Wesentliches fehlte. Dass sie einen Halt im Leben hatte, den ich nicht kannte. Dass ihre Freude nicht von ihren Umständen abhing, sondern einen tieferen Grund hatte. Ich beobachtete sie, wenn sie morgens früh aufstand, um in der Bibel zu lesen. Ich nahm wahr, dass sie betete. Jeden Morgen bekam ich in aller Frühe eine anschauliche Lektion und merkte, wie gut es ist, den Gott der Bibel zu kennen. Ich sah, dass er die Lebensquelle war, aus der meine Zimmernachbarin schöpfte. Ich wünschte mir, diesen Gott persönlich kennenzulernen. In diesem Sommer in den österreichischen Alpen ging mir ein Licht auf. Ich verstand, dass Gott seit Anfang der Schöpfung die Menschen sucht. Dass sie eingeladen sind, zu ihm zu kommen und in Verbindung mit ihm zu leben. Ich verstand, dass Jesus vor gut zweitausend Jahren in Menschengestalt von Gott auf diese Erde gesandt wurde, um Menschen sein Herz zu zeigen. Mir wurde deutlich, dass er, Gottes Sohn, ge8


kommen war, um uns mit Gott zu versöhnen. Um die Kluft zwischen Gott und Mensch zu überbrücken, die entstanden war, weil wir eigene Wege gegangen waren und uns von Gott entfremdet und getrennt hatten. In Österreich habe ich die Botschaft Jesu gehört und angenommen: »Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als nur durch mich.« In einem alten Schloss in den Bergen habe ich Jesus kennengelernt und er hat mein Leben auf den Kopf gestellt. Jahrzehnte später kann ich nur sagen, dass es gut ist und guttut, wenn man sein Leben dem Gott der Bibel und seinem Sohn Jesus Christus anvertraut. Mit diesem Buch möchte ich Sie einladen, Jesus zu »entdecken«. Hören Sie auf das, was er über sich sagte. Entdecken Sie, wie er mit Menschen wie Ihnen und mir umgeht. Entdecken Sie, wie er Menschen zu einem lebendigen Glauben aufrief. Entdecken Sie, dass dieser Jesus mehr ist als eine alte Geschichte und dass er uns bis heute einlädt, zu ihm zu kommen und mit ihm zu leben. Sie werden in diesem Buch immer wieder Bibelstellenangaben finden, z. B. »Johannes 3,16«. Der Name bezeichnet das jeweilige biblische Buch, wie das Johannesevangelium, die erste Ziffer das Kapitel, die Ziffer danach den jeweiligen Vers. »Johannes 3,16« wird also so gelesen: »Johannesevangelium, Kapitel 3, 9


Vers 16«. Es gibt viele unterschiedliche Bibelübersetzungen; in diesem Buch zitierte ich in der Regel die NeÜ bibel.heute, aber auch andere Versionen. Noor van Haaften, 2020

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1. Kapitel

Jesus – vom Himmel gesandt (ein kurzer Überblick)

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er die »Weihnachtsgeschichte« von der Geburt Jesu in Bethlehem kennt, weiß, dass sein Kommen in diese Welt von himmlischen Zeichen begleitet wurde. Seiner Mutter Maria wurde in ihrem Wohnort Nazareth von einem Engel gesagt, dass sie, eine Jungfrau, schwanger werden und einen Sohn zur Welt bringen würde, dessen Name Jesus sein sollte. Man würde ihn Sohn des Höchsten (hier ist Gott gemeint) nennen. Ihrem Verlobten Josef erschien in diesen Tagen ebenfalls ein Engel, und zwar in einem Traum. Dieser sagte ihm, dass die Schwangerschaft seiner zukünftigen Frau von Gott kam und die Erfüllung eines uralten Wortes des Propheten Jesaja war. Josef sollte seine Verlobte wie geplant heiraten und ihrem Sohn ein irdischer Vater sein. Hut ab vor Josef, der das tatsächlich so gemacht hat! Als Jesus in Bethlehem auf die Welt kam, wurde Hirten, die sich mit ihrer Herde in der direkten 11


Umgebung dieses Ortes befanden, in der Nacht von einem Engel des Herrn verkündigt, dass der »Retter, der Messias, der Herr« geboren worden war. Während die Männer in dieser Nacht völlig überwältigt im Licht standen (in der Bibel lesen wir, dass das Licht der Herrlichkeit Gottes sie umstrahlte), fanden sie sich plötzlich umgeben von einer Menge himmlischer Wesen, die Gott lobten. Die Hirten verloren keine Zeit; sie liefen so schnell sie konnten in die Stadt, um das neugeborene Kind zu suchen. Im Orient, Tausende Kilometer von Bethlehem entfernt, entdeckten Astrologen in diesen Tagen ein kurioses Phänomen am Himmel, das dazu führte, dass sie sich aufmachten und sich von dem besonderen Stern, der so hell aufgeleuchtet war, nach Bethlehem führen ließen. Sie waren davon überzeugt, dass dort ein besonderer König geboren worden war. In ihrem Gepäck befanden sich kostbare Geschenke, eines Königs würdig. Aus der Kindheit und Jugend von Jesus wissen wir nicht viel. Seine Eltern sind vierzig Tage nach seiner Geburt1, mit ihm nach Jerusalem gereist, um ihn im Tempel »vorzustellen«, wie das im mosaischen Gesetz vorgeschrieben war (der Erstgeborene in einer jüdischen Familie sollte Gott »geweiht« werden). Auch dann sind wunderliche Dinge geschehen: Ein alter 1

Nach dem Gesetz des Mose wurde ein jüdischer Junge acht Tage nach seiner Geburt beschnitten. Eine Frau, die einen Sohn zur Welt gebracht hatte, galt nach seiner Geburt vierzig Tage als unrein.

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Mann, dem vom Heiligen Geist zugesagt worden war, dass er nicht sterben würde, bevor er »den vom Herrn gesandten Messias« gesehen habe, wurde vom Heiligen Geist zum Tempel geführt und war rechtzeitig anwesend, um Jesus zu sehen. Er erkannte ihn direkt als den von Gott gesandten Erlöser der Welt. Dasselbe gilt für eine alte Witwe, die in diesem Moment auch im Tempel war. Diese beiden Menschen waren völlig überwältigt und lobten Gott für dieses Kind. Gott in menschlicher Gestalt! Jesus hat in seinen frühen Jahren einige Zeit in Ägypten verbracht, wohin seine Eltern auf Hinweis eines Engels hin geflohen waren. Der Grund dafür war, dass König Herodes, der von der Geburt eines neuen Königs gehört hatte, befohlen hatte, dass alle neugeborenen jüdischen Jungen aus der Gegend um Bethlehem umgebracht werden sollten. Nach dem Tod des Königs kehrten Josef und Maria, wiederum auf Hinweis eines Engels, an ihren Wohnort Nazareth zurück. Dort lernte Jesus ein Handwerk, wie das für Jungen in jüdischen Familien üblich war: Er wurde Zimmermann. Der folgende Vorfall ist aus seiner frühen Jugendzeit bekannt: In Jerusalem hatte man das Passafest gefeiert und es war eine große Menschenmenge auf dem Weg nach Hause. Auch Josef und Maria waren mit ihrem Sohn Jesus dabei. Die beiden gingen davon aus, 13


dass er sich irgendwo unter diesen vielen Menschen aufhielt. Als sie aber feststellten, dass er fehlte, kehrten sie sofort zurück nach Jerusalem. Dort fanden sie Jesus im Tempel, wo er sich mit religiösen Lehrern unterhielt. Erstaunlich ist die Antwort des Zwölfjährigen, als seine Eltern ihn fragten, warum er in Jerusalem zurückgeblieben war: »Wusstet ihr nicht, dass ich im Haus meines Vaters sein muss?« Man kann es auch so lesen: »Wusstet ihr nicht, dass ich mich mit den Dingen meines Vaters beschäftigen soll?« Wir sehen hier, dass Jesus sich schon früh seiner Identität und seines Auftrags (als Gottes Sohn) bewusst war. Von ihm wird in dieser Zeit gesagt: »Jesus nahm weiter an Weisheit zu und wuchs zu einem jungen Mann heran. Gott und die Menschen hatten ihre Freude an ihm.« Man nimmt an, dass Jesus etwa dreißig Jahre alt war, als er sein Elternhaus definitiv verließ und seinen öffentlichen Dienst aufnahm. Am Jordan, wo sein Cousin Johannes Menschen taufte und ihnen die Ankunft des Messias verkündigte, wurde auch er getauft und es geschah ein großes Wunder. Der Himmel öffnete sich und der Geist Gottes kam wie eine Taube auf Jesus. Dann sprach eine Stimme aus dem Himmel: »Dies ist mein lieber Sohn. An ihm habe ich meine Freude.« Ähnliche Worte erklangen gegen Ende seines Lebens wieder aus dem Himmel, und zwar als Jesus sich mit drei seiner Jünger auf einen Berg zurück14


zog, um zu beten. Während Jesus das tat, veränderte sich sein Gesicht und seine Kleider wurden strahlend weiß. Kurz darauf überschattete eine Wolke die Männer und eine Stimme sprach aus der Wolke: »Das ist mein lieber Sohn. Hört auf ihn!« Zeichen und Wunder begleiteten Jesus auf dieser Erde. Zeichen aus dem Himmel und Wunder, die durch ihn auf dieser Erde vollbracht wurden: Heilungen, die Austreibung von bösen Geistern und sogar die Auferweckung von Toten. Obwohl die jüdische religiöse Obrigkeit Jesus abwies und loswerden wollte, erkannten ihn immer mehr Menschen als Sohn Gottes. Viele nahmen sein Zeugnis (»Ich bin von Gott gesandt worden«) und seine Botschaft (»Ich bin der Weg zu Gott, wer an mich glaubt, wird leben«) an und wurden seine Nachfolger und damit Kinder Gottes. Der Jünger Johannes drückte es so aus: »Doch allen, die ihn aufnahmen und an seinen Namen glaubten, gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden.« Nachdem Jesus und seine zwölf Jünger etwa drei Jahre in der Öffentlichkeit gewirkt hatten, fing er damit an, sie auf einschneidende zukünftige Veränderungen vorzubereiten. Er sprach mit ihnen über das große Leiden, das ihn erwartete. Er bereitete sie darauf vor, dass er diesem Leiden nicht ausweichen würde, weil es Teil von Gottes Plan und notwendig war. Notwendig deswegen, weil die Schuld der Menschen 15


– ihr Eigensinn und ihr Ungehorsam Gott gegenüber – vor Gott »bezahlt« werden musste, damit ein neuer Anfang möglich sein würde. Die Kluft zwischen Gott und Menschen, die durch die Sünde verursacht worden war, konnte nur von Jesus überbrückt werden, weil er ohne Sünde war. Er würde, so kündigte er es seinen Jüngern an, die Sünden der Menschen auf sich nehmen und sich Gottes Urteil und Gericht unterwerfen. Er würde sich kreuzigen lassen, damit für die Menschen eine Versöhnung mit Gott möglich und der Weg zu ihm wieder frei wäre. Sie sollten nicht entsetzt sein, denn das Kreuz und sein Sterben würden nicht das letzte Wort haben. Er würde vom Tod auferstehen und zu seinem Vater zurückkehren. Und sie sollten dann diejenigen sein, die sein Werk fortsetzen. Als Jesus im Garten Getsemani verhaftet wurde, waren seine Jünger zutiefst schockiert. Daraufhin wurde er im Haus des Hohenpriesters verhört und später dem Statthalter Pilatus vorgeführt, der ihn gegen besseres Wissen preisgab, weil das Volk die Kreuzigung von Jesus forderte. In den Augen der Jünger Jesu war nun alles verloren. Aber als Jesus am Kreuz hing, kam eine unverkennbare Botschaft Gottes aus dem Himmel. Die Sonne verdunkelte sich und es wurde stockfinster im ganzen Land. Im Tempel in Jerusalem zerriss der Vorhang, der den heiligsten Teil des Tempels, wo Gott thronte, vom restlichen Tem16


pel trennte, in zwei Teile. Es war eine anschauliche Lektion dafür, dass die Trennung zwischen Gott und Mensch durch das Sterben – das Opfer Jesu – aufgehoben worden war. Hiermit endet die Geschichte aber nicht, sie beginnt erst richtig. Denn der Tod hatte nicht das letzte Wort! Als drei Tage später Frauen frühmorgens das Grab von Jesus besuchten, war der schwere Stein, den man davorgerollt hatte, entfernt worden und das Grab war leer. Wieder kam eine Botschaft aus dem Himmel: Es erschienen zwei Männer in strahlenden Gewändern, die den Frauen sagten, dass man Jesus nicht bei den Toten suchen sollte. Diese himmlischen Boten erinnerten die Frauen daran, was Jesus selbst verkündigt hatte, nämlich dass er auferstehen würde. In den vierzig Tagen nach der Auferstehung begegneten Menschen dem auferstandenen Jesus an verschiedenen Orten. In diesem Zeitraum beauftragte Jesus seine Jünger damit, in seinem Namen unter allen Völkern zur Buße aufzurufen und Vergebung der Sünde zu verkündigen. Beginnen sollten sie in Jerusalem. Dort sollten sie auch darauf warten, dass sie mit himmlischer Kraft ausgerüstet wurden. Die Himmelfahrt Jesu geschah in der Nähe von Bethanien. Dort segnete Jesus seine Jünger; danach wurde er in den Himmel aufgenommen. Sie beobach17


teten, wie er emporgehoben wurde, aber dann wurde er von einer Wolke weggenommen, sodass sie ihn nicht mehr sahen. Zwei Männer in weißer Kleidung sagten denen, die dabei waren, dass Jesus auf dieselbe Weise wiederkommen würde, wie sie ihn gerade in den Himmel hatten auffahren sehen. Auch das war (und ist!) nicht das Ende dieser Geschichte. Vierzig Tage nach Ostern öffnete sich beim Pfingstfest in Jerusalem der Himmel. Es setzten sich »Feuerzungen« auf die Jünger Jesu. Erfüllt von Gottes Geist fingen sie an, die großen Werke Gottes zu verkündigen, und zwar in verschiedenen Sprachen, sodass alle, die zum Fest nach Jerusalem gereist waren, das Evangelium in der eigenen Sprache hörten. Es kamen viele zum Glauben an Jesus und in Jerusalem entstand die erste christliche Gemeinde. Der Rest ist … Geschichte. Weltweit wird Jesus bis heute verkündigt, weltweit gibt es unzählige Menschen, die an Jesus glauben. Lassen Sie sich mitnehmen von den Berichten über die Zeit, in der Jesus auf dieser Erde war. Versetzen Sie sich in die Lage der Menschen, die ihn erlebten. Lassen Sie sich von ihm überraschen. Dieser Jesus, der vor gut zweitausend Jahren auf dieser Erde wandelte, ist nicht tot! Zwar ist er in den Himmel zurückgekehrt, aber es kommt der Tag seiner Wiederkunft. Dann wird er die abholen, die an ihn glauben. Bis da18


hin ist er nach wie vor unter uns. Zwar unsichtbar, aber dennoch aktiv anwesend. Lassen Sie sich auf ihn ein! Denn wer ihn aufrichtig sucht, wird ihn finden. Wer ihn einlädt, in sein Leben zu kommen, wird das Wunder seiner Anwesenheit erleben.

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»Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.« Jesus in Johannes 3,16

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2. Kapitel

Ein Gespräch in der Nacht Johannes 3,1-21

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r war Pharisäer und hatte es weit gebracht: Er war Mitglied des jüdischen Hohen Rates. Sein Name Nikodemus ist Griechisch und bedeutet Volkssieger. Die Pharisäer waren studierte Menschen (Theologen und Rechtsgelehrte), die besonders darauf achteten, dass die Menschen das alte mosaische Gesetz genau befolgten. Sie waren die »Frommen«, die den orthodoxen Kern des Judentums repräsentierten. Ihr Grundanliegen war es, dass sich nicht nur die Priester und andere religiöse Leiter strikt an die Heiligkeitsund Reinheitsvorschriften aus dem Gesetz des Mose hielten, sondern das ganze Volk im Alltag. Die Pharisäer schienen darauf aus zu sein (und einen Gefallen daran zu haben), Menschen bei Fehlern oder Übertretungen zu ertappen. Ihr Urteil war schnell gefällt, eine Strafmaßnahme unverzüglich festgelegt. Beliebt waren diese Männer nicht! Mitglied des jüdischen Rates zu werden, war nur 21


wenigen vorbehalten; der Rat bestand aus 71 Mitgliedern. Sie bildeten das höchste Regierungs- und Richtergremium der Juden, das zuständig war für Gesetzgebung, Rechtsprechung und Rechtsdurchsetzung. Der Vorsitz lag in den Händen des amtierenden Hohenpriesters, die Mitglieder stammten aus den herrschenden und früheren Hohenpriesterfamilien. Und Nikodemus war einer dieser Männer. Als wir ihm begegnen, ist Jesus schon eine Weile unterwegs in Galiläa. Er hat zwölf Männer um sich versammelt, die mit ihm ziehen. In dieser Anfangszeit seines öffentlichen Auftritts tut sich viel und es wird viel Staub aufgewirbelt. Bei einer Hochzeit in Kana hat Jesus aus Wasser Wein gemacht und in Jerusalem hat er Chaos im Tempel verursacht, als er kurz vor dem Passafest die Händler und Verkäufer vom Tempelplatz verjagt hat. Er hat ihnen vorgeworfen, sie hätten das Haus seines Vaters zu einem Kaufhaus gemacht. Die jüdische Obrigkeit ist beunruhigt, weil dieser Jesus, der aus dem Nichts aufgetaucht zu sein scheint, Dinge tut und sagt, die man nicht einordnen kann. Beunruhigend ist auch, dass Menschen sich offensichtlich zu ihm hingezogen fühlen, ihn suchen und ihm nachfolgen. Dieser Mensch ist eine Gefahr für die öffentliche Ordnung. Was kann und soll man tun, um zu verhindern, dass er zu viel Einfluss gewinnt und immer mehr Menschen an ihn glauben? 22


Als Mitglied des renommierten jüdischen Rates wird auch Nikodemus Fragen zu dem Auftreten von Jesus gehabt haben. Er reagiert aber auffallend anders als seine Kollegen. Mehr als die Überlegungen, wie man den Einfluss Jesu einschränken (oder diesen Menschen sogar beseitigen) kann, beschäftigt Nikodemus die Frage, wer dieser Mann aus Nazareth ist, was er verkündigt und was er vorhat. Nikodemus will sich nicht nur mit dem Sachverhalt »Jesus« beschäftigen, sondern diesem Menschen persönlich begegnen, um anhand dieser Begegnung beurteilen zu können, was hier abläuft bzw. wer Jesus ist und was er vertritt. Es ist immer gut, wenn man sich selbst ein Urteil bildet, anstatt zu spekulieren und darauf zu hören, was geredet wird. Am besten geht man zur Quelle und erkundigt sich dort. Es ist schon Nacht, als Nikodemus sich auf den Weg macht, um Jesus zu begegnen. Wo der sich aufhält, ist ihm offensichtlich bekannt. Besucht hat ihn aber noch keiner der überaus kritischen Pharisäer. Nun aber steht dieses ehrenwürdige Mitglied des Hohen Rates nachts bei Jesus vor der Tür. Seine Begrüßung ist auffallend. Dass er Jesus »Rabbi« und »Lehrer« nennt, ist nicht überraschend, denn daran zweifelte man nicht. Dass er aber auch sagt: »Wir wissen, dass du ein Lehrer bist, den Gott uns geschickt hat, denn deine Wunderzeichen beweisen, dass Gott 23


mit dir ist«, ist sehr auffallend. Aus den Worten des Nikodemus können wir auf jeden Fall schließen, dass die Pharisäer nicht nur ahnten, sondern sich eingestehen mussten, dass Jesus nicht nur ein besonderer Mensch war, sondern mit göttlicher Kraft ausgestattet war, der von Gott gesandt worden war. Aber während diese Erkenntnis diese Männer in Aufregung versetzte, führte es bei Nikodemus zum Erstaunen und zur Neugier. Bei der jüdischen Obrigkeit sehen wir also einerseits Widerstand, andererseits Offenheit. Während für die Kollegen des Nikodemus schon feststeht, dass sie Jesus kaltstellen wollten, ist es Nikodemus wichtig, Information aus erster Hand zu bekommen, also von Jesus selbst. In dem nächtlichen Gespräch unter vier Augen erfährt Nikodemus von Jesus, dass man neu geboren werden muss, um »das Reich Gottes« zu sehen. Jesus sagt damit, dass uns Menschen die Grundlage fehlt, um himmlische Dinge zu verstehen. Als Theologe hat Nikodemus ein großes Wissen, dennoch sind seine Kenntnisse nicht ausreichend und sein Denken beschränkt. In dem Gespräch mit Jesus erfährt er, dass sein Wesen radikal umgestaltet werden muss, was nur durch Gottes Geist möglich ist. Er ist das Geschenk, das Gott den Menschen geben will, die an seinen Sohn Jesus glauben. 24


Der Geist Gottes will in unser Herz einziehen und dort sein »Erneuerungswerk« anfangen. Dazu gehört auch, dass er uns eine neue Sicht und eine neue Perspektive geben will. Er ermöglicht es uns, die bisher für uns verborgene Welt Gottes zu sehen. Kurz gesagt: Wer mit Gottes Geist »ausgerüstet« ist, wird ein neuer Mensch. Wir erfahren keine weiteren Details über das, was in diesen nächtlichen Stunden unter vier Augen besprochen wird. Wir lesen nur, was Jesus über sich sagt, und nicht, was Nikodemus eventuell noch fragt, nachdem er seine Verwunderung darüber ausgesprochen hat, dass ein Mensch neu geboren werden soll, um die Dinge Gottes erkennen zu können und Anteil daran zu haben. Nikodemus denkt zunächst ganz praktisch an eine physische Geburt, die man nur einmal erleben kann. Ich persönlich verstehe seine Reaktion, es wäre mir wahrscheinlich nicht anders gegangen. Es gibt Informationen, aus denen wir schließen können, dass dem großen Theologen während des Gesprächs mit Jesus die Augen für die geistliche Realität, von der Jesus spricht, aufgehen. Dass er daraufhin eine neue Geburt im geistlichen Sinn erlebt, sehen wir, als wir Nikodemus später wiederbegegnen. Die Volksmenge ist gespalten, weil einige in Jesus den lang ersehnten Messias sehen, während andere ihn festnehmen und loswerden wollen. Wir erfahren, dass 25


Nikodemus in diesen Tagen im Hohen Rat für Jesus eintritt. Zwar bekennt er sich noch nicht öffentlich als Nachfolger Jesu, er tritt aber mit dem Hinweis auf das Gesetz für Jesus ein. Damit nimmt er ein Risiko auf sich, weil er der Einzige unter den Pharisäern ist, der es wagt, für Jesus einzustehen. Später, nach Jesu Kreuzigung und Tod, zeigt Nikodemus seinen Glauben öffentlich, indem er sich aktiv an der Beerdigung von Jesus beteiligt. Er schenkt eine kostbare Mischung aus Myrrhe und Aloe, Gewürze, die man damals bei der Einwicklung des Körpers eines Verstorbenen verwendete, um dem unangenehmen Geruch der Verwesung entgegenzuwirken. Man benutzte dazu Tücher aus Leinen und steckte die Gewürze in die Falten. Nikodemus ist ein Mensch, der sich dem Denken seiner Theologen-Kollegen nicht automatisch anschließt. Anstatt ihre negative Meinung über Jesus zu übernehmen, macht er sich auf den Weg, um selbst nachzuforschen bzw. nachzufragen. Er tut das bei der Quelle: Jesus selbst. Der spricht anfangs etwas verhüllt, dann aber klarer über sich. Er weist Nikodemus darauf hin, dass er von Gott gesandt worden war, um die, die an ihn glauben, vor Gottes Gericht zu retten und ihnen ewiges Leben zu schenken. Er nennt sich das Licht, das in die Welt gekommen ist. Die Geschichte des Nikodemus zeigt uns, dass sich 26


Nachfragen und Recherchieren lohnen! Hätte Nikodemus sich mitreißen lassen von der Meinung der Mehrheit der Pharisäer, dann wäre für ihn alles beim Alten geblieben. Nun aber findet er Gottes Sohn und damit das Leben. »Und ich sage euch: Bittet, und ihr werdet bekommen, was ihr braucht; sucht, und ihr werdet finden, klopft an, und es wird euch geöffnet!« (Jesus in Lukas 11,9-10)

Fragen

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Wozu fordert Nikodemus uns heraus?

ӹ

Was entdecken Sie in dieser Geschichte über Jesus?

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Was entdecken Sie über sich selbst?

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Denken Sie über Jesu Aussage nach, dass es notwendig ist, von Neuem geboren zu werden, um die Dinge Gottes zu verstehen. Der Apostel Paulus schreibt: »… lasst die Art und Weise, wie ihr denkt, von Gott erneuern und euch dadurch umgestalten.« Was braucht es, um neu geboren zu werden? 27


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