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Georg Gremels

Blaise Pascal EI N BRI E FWE C H SE L


Vorwort Als mich die Verlegerin Anne Meiß vom Francke-Buch Verlag fragte, ob ich anlässlich des 400. Geburtstags von Blaise Pascal im Jahr 2023 ein Buch über ihn schreiben könnte, war ich im doppelten Sinne angeregt. Denn ähnlich wie sich bei ihm das Mathematisch-Physikalische mit einem lebendigen Gottesglauben verbunden hatte, bin ich durch mein Studium der Chemie und der Theologie den beiden so verschiedenen Hauptzweigen der Wissenschaft überhaupt verbunden. Wie Pascal habe ich erlebt, dass zwischen den Wissenschaften der Natur und denen des Geistes kein Widerspruch herrschen muss, weil beide der Vernunft gehorchen, mit der sie ihren jeweiligen Stoff durchdringen, Fragestellungen nachgehen und Antworten darauf suchen! Wer sich Blaise Pascal zuwendet, kann sich an einer hervorragenden Quellenlage erfreuen! Vater und Mutter waren gut bekannt, Tag der Geburt, Wohnorte und Lebensstil der Familie zuverlässig nachzulesen. Auch seine physikalisch-mathematischen Arbeiten sind veröffentlicht worden. Nach seiner tiefen Gotteserfahrung am 23.11.1654 ragen zwei Bücher aus seiner schriftlichen Hinterlassenschaft heraus: Die Briefe in die Provinz, in denen er sich mit den Jesuiten auseinandersetzt, und die Pensées, eine Sammlung von Texten, in denen er seine Apologie, seine Verteidigung des Christentums, vorlegen wollte. Sein früher Tod verhinderte, dass daraus ein vollständiges Werk hätte entstehen können. Überliefert sind nur die Fragmente davon, die sich allerdings einen bleibenden Platz in der Geistesgeschichte erobert haben und bis heute viele Menschen ansprechen. Angesichts zahlreicher Untersuchungen und Biografien zu Pascal, die in den letzten 350 Jahren entstanden sind, stellte sich mir die Frage, zu welcher Form ich greifen könnte, um nicht schon längst Bekanntes wiederzukäuen. Da lag es nahe, den Weg 7


senschaft – was für zwei unvereinbare Welten! Die Zauberei bedarf des Glaubens, sonst funktioniert sie nicht! Die Wissenschaft dagegen arbeitet mit Gesetzen und Beweisen. Daher ist sie frei von jeglichem Glauben und erst recht von jedem Hokuspokus! – Aber noch herrschten im 17. Jahrhundert neben der aufsteigenden Macht der Wissenschaft die Mächte einer archaischen Religiosität und ihrer okkulten Praktiken! Durch diesen Ausflug in die Welt furchterregender Zaubermächte wollte ich dir die Augen für die religiösen Phänomene öffnen, über die wir heute ungläubig zu lächeln geneigt sind. Étienne aber war damals noch so tief in der mittelalterlichen Frömmigkeit verankert, dass Hexerei zu den unhinterfragten Gegebenheiten seiner Zeit gehörte! Gleichwohl war er aber auch schon so vernünftig, dass er mehr auf die natürliche Wirkung der Kräuter als auf das Wirken okkulter Riten vertraute, mit denen die Alte seinen kleinen Blaise geheilt hatte! Das ist jedenfalls meine Deutung! Ich bin gespannt, wie es dir mit diesem Einbruch des Übersinnlichen geht, und erwarte neugierig deinen Brief, dein Luca

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