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DIE AUTOBIOGRAFIE

Wie die 5 Sprachen der Liebe mein Leben prägten


Inhaltsverzeichnis

Einführung........................................................................................ 13 Bereich eins – Frühe Prägung durch mein Elternhaus: 1938 bis 1955.................................................................................... 19 Das Leben in einer amerikanischen Kleinstadt........................ 21 In der Schule..................................................................................... 30 In der Kirche..................................................................................... 34 Was man von den Nachbarn lernen kann................................. 41 Die Entscheidung, die mein Leben für immer veränderte.... 44 Bereich zwei – Kraftvolle Impulse, die ich auf meinem Ausbildungsweg empfing: 1955 bis 1967................................... 47 Das Leben in der Stadt – Chicago: Das Moody Bible Institute................................................................................... 49 Was ich in der Bergen von Tennessee lernte............................ 58 Ich entdecke die Anthropologie – das Wheaton College........ 62 Was ich in Colorado Springs lernte............................................. 67 Ich erkunde die Theologie – das Southeastern und das Southwestern Baptist Seminary.................................... 70 Bereich drei – Lektionen, die ich in meiner Ehe lernte: 1961 bis heute................................................................................... 83 Der Weg in die Ehe......................................................................... 85 Mühsame Schritte zur Einheit...................................................... 92 Ein Sprung nach vorn................................................................... 102 Als der Krebs kam.......................................................................... 107


Bereich vier – Der Einfluss meiner Kinder: 1964 bis heute................................................................................. 113 Wenn man begreift, dass kein Kind dem anderen vollkommen gleicht...................................................................... 115 Eltern sind älter als ihre Kinder … und klüger....................... 120 Shelleys Gedanken........................................................................ 124 Dereks Gedanken........................................................................... 127 Wie ich Wege fand, mit meinem Ärger umzugehen............. 129 Was ich von meinem »Sohn im Glauben« lernte – Clarence........................................................................................... 133 Von den Freuden des Großvaterseins....................................... 136 Bereich fünf – Herausforderungen und Erfolge, die den Weg begleitet haben, auf den Gott mich rief: 1967 bis heute................................................................................. 141 Wie man sich von Enttäuschungen erholt.............................. 143 Der Dienst an der Hochschule................................................... 148 Die Arbeit mit erwachsenen Singles......................................... 154 Der seelsorgerliche Dienst.......................................................... 158 Die Tätigkeit als Autor.................................................................. 162 Der Verkündigungsdienst im Radio.......................................... 167 Der Dienst als Redner................................................................... 171 Als Vortragsreisender rund um die Welt unterwegs.............. 180 Nachwort......................................................................................... 188


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Stimmen zum Buch

»Gary Chapmans brandneue Biografie erinnert uns daran, dass Gott jedes Erlebnis und jede unerwartete Wendung in unserem Leben gebrauchen kann, um uns zu läutern und uns für den Dienst in seinem Reich auszurüsten. Schöpfen Sie diese Zuversicht auch für Ihr Leben, wenn Sie lesen, was Gott in Garys Leben getan hat!« Max Lucado Pastor und Bestsellerautor

»Ich kenne kaum jemanden, der einen größeren Einfluss auf das Leben und die Familien anderer Menschen hatte als Gary Chapman. Seine Biografie gewährt uns einen tiefen Einblick in die Ereignisse, die Gott nutzte, als er aus Gary einen Leiter mit einem dienenden Herzen machte, der so vielen Menschen hingebungsvoll und erfolgreich geholfen hat.« Jim Daly Präsident von »Focus on the Family«


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»Wie ein Blick hinter die Kulissen kommt er daher, dieser Einblick in das Leben und den Dienst von Dr. Gary Chapman, und Sie werden ihn genießen wie das vertraute Gespräch mit einem alten Freund. In diesem Buch schildert Dr. Chapman den ungewöhnlichen Weg, den Gott ihn all die Jahre geführt hat und der ihn wahrscheinlich zu einer der bekanntesten christlichen Persönlichkeiten gemacht hat. Ich kenne Dr. Chapman nun schon lange Zeit und kann sagen, dass er etwas ganz Besonderes ist – ein demütiger, rücksichtsvoller, großzügiger und weiser Nachfolger Christi. Sein Lebensbericht ist eine inspirierende Geschichte darüber, was Gott mit einem Menschen machen kann, der seinen Ruf mit Ja beantwortet.« Shaunti Feldhahn Sozialwissenschaftler und Bestsellerautor (»Männer sind Frauensache: Was Frauen über Männer wissen sollten«, »Stille für die Seele« usw.)

»Gary Chapman ist für mich wie ein Bruder, den ich nun schon seit vierzig Jahren kenne. Doch erst jetzt, da ich dieses Buch gelesen habe, habe ich das Gefühl, ›die ganze Geschichte‹ zu kennen und das, was diesen Diener Gottes ausmacht, der so treu und konzentriert und gleichzeitig dynamisch und beweglich lebt und handelt. In Psalm 71,17 lesen wir: ›Gott, du hast mich von Jugend auf gelehrt, und noch jetzt verkündige ich deine Wunder.‹ Der unbekannte Verfasser dieses Psalms und Gary Chapman haben viel gemeinsam. Lesen Sie dieses kraftvolle Zeugnis und lassen Sie sich motivieren. Mir hat es auf jeden Fall viel gegeben!« Greg Thornton CFO, Moody Bible Institute


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»Wer hat schon die Gelegenheit, sich mit seinem Lieblingsautor zusammenzusetzen und zu erfahren, wer wirklich hinter diesem Namen steckt? Und welche Ereignisse und Erfahrungen ihn zu dem machten, was er heute ist? Mit diesem unglaublichen Buch lässt uns Gary Chapman in sein Innerstes schauen und wir beginnen zu verstehen, wie ein Mensch so bescheiden sein kann, der doch einen so wichtigen Einfluss auf das Leben von Millionen von Menschenleben nimmt. Aus erster Hand erfahren wir hier von den Geschichten, Erlebnissen, Schwierigkeiten und erstaunlichen Lektionen, die das Leben von Dr. Chapman geprägt haben. Ja, mehr noch, wenn wir von all den Herausforderungen lesen, die er an Gottes Hand gemeistert hat, dann wird auch unser Vertrauen auf Jesus und unsere Liebe zu ihm gestärkt. Was für ein kraftvoller, belebender und inspirierender Blick auf einen Mann, den man als Beispiel für ein gelungenes Leben bezeichnen kann – und der uns Mut macht, Ähnliches für Jesus zu tun.« John Trent Buchautor (»Bitte segne mich« / Francke-Buch GmbH) und Gründer von www. StrongFamilies.com


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Einführung

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iele von uns leben ihr Leben in einem Tempo, das ihnen kaum gestattet, innezuhalten und über das nachzudenken, was sie tun, warum sie es tun, und wohin es sie führen wird. Wir sind Menschen der Tat, immerzu machen wir irgendetwas und nur selten nehmen wir uns Zeit für einen Austausch mit dem eigenen Ich über die großen Themen des Lebens. Unterhaltung, Vergnügen und das Streben nach dem persönlichen Glück sind für viele zur Lebensmaxime geworden. Und selbst wenn diese Ziele erreicht sind, will der menschliche Geist mehr und mehr davon. Im Bereich der Technologie hat die Menschheit einen Leistungsstand erreicht, der noch in meinen Kindertagen unvorstellbar war. Egal, um welchen Wissensbereich es sich handelt – der Zugang zu Informationen ist einen Knopfdruck weit entfernt. Wir haben das höchste Bildungsniveau in der Geschichte und trotzdem bekämpfen wir einander wie alte Stammes-


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krieger. Warum? Was wollen wir damit erreichen? Wo werden wir damit landen? Das sind Fragen, mit denen sich kommende Generationen auseinandersetzen müssen. Wir können nur hoffen, dass sie Antworten finden werden. Für diejenigen unter uns jedoch, die sich dem Ziel ihrer Reise nähern, ist es eher an der Zeit, in sich zu gehen, Zeit, zurückzuschauen und sich zu fragen: Wo waren wir? Was haben wir erreicht? Und was wartet noch auf uns? Wie bin ich an den Punkt gelangt, an dem ich jetzt bin? Oder wie wurde ich der Mensch, der ich jetzt bin? Jetzt, wo ich langsam auf die Zielgerade meines Lebens einschwenke, nehme ich mir die Zeit, solche Fragen zu stellen. Ich blicke zurück auf ungewöhnlich erfolgreiche Jahre. Zu bedauern habe ich nur sehr wenig, vielmehr finde ich so viel Grund zu Dankbarkeit und Demut, wenn ich über meinen zurückgelegten Weg nachdenke. Auf den folgenden Seiten möchte ich meine Gedanken mit denen teilen, die nach mir kommen. Ich glaube, dass so manche Ich glaube, dass so manche GeGeneration es einfach neration es einfach versäumt, ihren versäumt, ihren Schatz an Schatz an Lebensweisheit, der sich Lebensweisheit, der sich aus aus frohen wie kummervollen Lefrohen wie kummervollen benserfahrungen zusammensetzt, an die nächste Generation weiterzuLebenserfahrungen geben. Und häufig legen die Jungen zusammensetzt, an die auch kaum Wert darauf, den älteren nächste Generation Erwachsenen Fragen zu stellen und weiterzugeben. auf ihre Antworten zu hören. Auf ihrer Jagd nach der gerade angesagtesten Weltsicht übersehen sie diese wertvollen Erfahrungswerte direkt vor ihrer Nase. Ich würde mich freuen, wenn meine Denkanstöße Ihnen, liebe ältere Leser, Mut machen,


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ebenfalls Ihre Erfahrungen festzuhalten. Ob in Buchform oder unveröffentlicht – Ihr »Reisebericht« wird auch noch Bedeutung für Ihre Enkel und Urenkel haben. Und ich bete dafür, dass in Ihnen, den jüngeren Lesern dieses Buches, das Interesse erwacht, auf die Älteren zuzugehen und zu fragen, wie sie ihr Leben gemeistert haben. Es kann durchaus sein, dass ihre Erfolge Sie inspirieren werden und ihre Fehler Ihnen als Warnung dienen. Ich werde versuchen, Sie mit hineinzunehmen in die Niederlagen und Erfolge meines Lebens und in die Schlüsse, die ich daraus gezogen habe. Gleichzeitig möchte ich die vielen Menschen würdigen, die mein Leben bereichert haben. Keiner von uns ist das, was er erreicht hat, kraft eigener Leistung. Wir alle werden durch zahlreiche Menschen und vielerlei Umstände beeinflusst. Das Leben, das ich gelebt habe, hätte ich so nicht planen können. Um nicht falsch verstanden zu werden – natürlich hatte ich Pläne, doch die meisten gingen nicht so in Erfüllung, wie ich mir das vorgestellt hatte. Eindringlich wurde mir die Bedeutung des alten hebräischen Sprichwortes bewusst: »Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg; aber der Herr allein lenkt seinen Schritt« (Sprüche 16,9). Bereits im Alter von siebzehn Jahren wusste ich, dass mein Leben im Dienst Christi stehen sollte, indem ich anderen Menschen diente. Dieser Plan ging zwar in Erfüllung – allerdings in einer Weise, die ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht hätte vorstellen können. Hätte mir jemand in meinen jungen Jahren vorausgesagt, dass ich mein halbes Leben damit verbringen würde, Ehepaare zu beraten, dann wäre meine Antwort gewesen: »Was ist das denn, ein Eheberater?« Der Gedanke, dass ich Schriftsteller und Autor von über 50 Büchern werden könnte, hätte mich zu


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der Frage veranlasst: »Warum sollte ich ein Buch schreiben und was um alles in der Welt sollte da drinstehen?« Selbst als ich schon Autor war, hätte man mir prophezeien können, dass meine Bücher einmal in über fünfzig Sprachen übersetzt und publiziert werden würden, und ich hätte erwidert: »Mach keine Witze!« Und auf die Voraussage, dass ich einmal höchste akademische Grade in Anthropologie erreichen würde, hätte ich gefragt: »Anthropologie – was ist das denn?« Ähnlich wäre meine Rückfrage ausgefallen auf die Ankündigung, dass ich einmal Doktorwürden erlangen könnte. Zwar wollte ich die Highschool absolvieren und ein College besuchen, danach aber plante ich, ganz normal »zur Arbeit zu gehen«. Nie hätte ich mir träumen lassen, dass mein Lebensweg mich ins Pentagon nach Washington führen würde, wo ich einen Auftritt als Redner hatte, oder zu einem Treffen von Spitzendiplomaten aus dreißig verschiedenen Ländern oder zu einem Arbeitsessen mit Parlamentsabgeordneten nach London, wo wir die Frage diskutierten, inwieweit Kirche und Staat besser zusammenarbeiten könnten, wenn es um die Erfüllung menschlicher Grundbedürfnisse ging. Unvorstellbar war auch der Gedanke für mich, dass ich eines Tages Ehe- und Familienseminare in mehr als zwanzig Ländern weltweit leiten würde. Und ganz sicher hatte ich nicht geplant, fünfzig Jahre lang in derselben Gemeinde mitzuarbeiten. Nein, das Leben, das ich gelebt habe, stand so nicht auf meiner Agenda. Ja, Pläne hatte ich durchaus, der Herr aber lenkte meine Schritte. Ich möchte auf den folgenden Seiten beschreiben, wie Gott so viele Menschen und Ereignisse gebrauchte, um mit seinem Plan für mein Leben ans Ziel zu gelangen. Um meine Reise zu gliedern, werde ich die fünf wichtigsten Faktoren aufzeigen, die meine Route beeinflusst haben. (Wie Sie vielleicht wissen,


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habe ich eine gewisse Vorliebe für die Zahl 5.) Jeden wichtigen Lernschritt, den ich gemacht habe und der mich auf den nächsten Wegabschnitt vorbereitet hat, möchte ich mit Ihnen teilen. Dabei hoffe ich, dass das, was ich erlebt habe, Ihnen Mut macht für Ihre eigene Reise mit Gott. Vielleicht haben Sie ja auch Pläne für Ihr Leben. Das ist gut – es wäre nur wichtig, sie Gott hinzuhalten. Er wird auch Ihre Schritte in die richtige Richtung lenken.


Bereich eins Frühe Prägung durch mein Elternhaus: 1938 bis 1955

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Das Leben in einer amerikanischen Kleinstadt

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m Folgenden möchte ich Ihnen einen Eindruck vermitteln, wie es war, in einer Kleinstadt in North Carolina heranzuwachsen, wo ich mit meinen Eltern und meiner Schwester Sandra wohnte. Die ersten siebzehn Jahre meines Lebens in diesem Umfeld haben mich sehr geprägt. Nach vierzig Jahren in der Ehe- und Familienberatung steht für mich zweifelsfrei fest, dass nichts ein Kind so sehr beeinflusst wie seine Herkunftsfamilie. Es hat mir den größten Kummer bereitet, Kinder zu sehen, die bei Eltern aufwachsen mussten, welche entweder abwesend waren oder sie missbraucht haben. Einen Großteil meiner Arbeit habe ich darauf verwendet, ihnen zu helfen, die destruktiven Verhaltensmuster aufzulösen, die sie sich in ihrer Kindheit angeeignet hatten. Wer in einer stabilen, liebevollen Familie aufwächst, hat definitiv einen Vorteil beim Start ins Leben. Ich bin sehr dank-


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bar, dass ich das hatte. Sam und Grace – meine Eltern – waren 62 Jahre verheiratet. Auch wenn sie nicht perfekt waren, so schufen sie doch als hart arbeitendes Paar, das Gott liebte, ein behütetes und liebevolles Umfeld für Sandra und mich. Alles begann in Kannapolis in North Carolina. Als der Baumwollkapselkäfer die Baumwollpflanzen in Georgia vernichtet hatte, verließ die Familie meines Vaters ihre Farm, um in den Textilfabriken in Kannapolis zu arbeiten. Alles Leben in dieser Stadt war auf die Firma Cannon Mills ausgerichtet. Sämtliche Stofffabriken wurden von ihr betrieben oder vermietet. Sie besaß alle Geschäfte und stellte sowohl die Polizei als auch die Feuerwehr. Dort lernten Sam und Grace sich kennen und lieben. 1935 heirateten sie – 23 und 25 Jahre alt – heimlich in South Carolina. Beide Elternhäuser bekamen davon nichts mit. Ganze drei Monate lebten sie weiter bei ihren Familien, bis sie etwas Geld zusammengespart hatten, um sich ein eigenes Häuschen mieten zu können. Viele Jahre später fragte ich meine Mutter: »Hattet ihr eigentlich Sex während dieser Zeit?«, worauf sie antwortete: »Nein, nicht bevor wir unser eigenes Heim hatten.« Das Leben war einfach anders in den Dreißigern. Eines Tages eröffnete ein Arzt meiner Mutter, dass sie wahrscheinlich keine Kinder zur Welt bringen könnte. Sie aber betete und ein Jahr später, am 10. Januar 1938, wurde ich geboren. Vier Jahre später folgte meine Schwester. Meine Mutter war unglaublich dankbar für ihre Kinder und seit ich von der Diagnose des Arztes gehört habe, werde ich das Gefühl nicht los, das Gott seine Hand im Spiel gehabt haben muss, als wir geboren wurden. Als ich zwei Jahre alt war, zogen meine Eltern mit mir in das neue Haus, das sie in China Grove gebaut hatten, gut sechs Kilometer nördlich von Kannapolis. Der Ort hat seinen


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Namen vom Chinesischen Holunder oder Zedrachbaum, einem Mahagonigewächs, von dem es in dieser Gegend ganze Wälder gibt. Alle meine Kindheitserinnerungen drehen sich um dieses Haus, dessen Neubau meine Eltern ganze 5.016 Dollar gekostet hatte. Das Leben war einfach anders in den Dreißigern. Dann kam der Zweite Weltkrieg. Der Bruder meines Vaters war nach Syracuse im Staat New York gegangen, um in einem Stahlwerk zu arbeiten. Es hieß, dass man nicht zur Armee eingezogen würde, wenn man in einem kriegswichtigen Betrieb arbeitete. Auch mein Vater hielt es für besser, in einer Stahlfabrik zu schuften, als sich die Kugeln um die Ohren pfeifen zu lassen. Also zogen wir ebenfalls nach Syracuse. Allerdings blieben wir nur achtzehn Monate dort. Das Einzige, woran ich mich aus dieser Zeit erinnere, sind die Schneemassen dort, die mich um Haupteslänge überragten. Nachdem wir zwei harte Winter überstanden hatten, beschloss mein Vater, doch lieber den Militärdienst anzutreten, zog mit seiner Familie zurück nach China Grove und trat in die Marine ein. Die nächsten drei Jahre waren wir mit meiner Mutter allein. Fast täglich schrieb sie einen Brief an meinen Vater. Er diente jedoch auf einem Schiff, das nur sporadisch Post aufnahm. Später erzählte er, dass er von Zeit zu Zeit ganze Bündel von Briefen erhielt, von denen er aber jeden einzelnen sorgfältig durchlas. Dann und wann erhielten wir auch einen Brief von Papa. Ich weiß noch, wie Sandra und ich aufmerksam zuhörten, als Mama sie uns vorlas. Am Ende eines jeden Briefes wandte er sich an uns und schrieb: »Gebt Eurer Mutter einen dicken Kuss und denkt dran, immer gehorsam zu sein.« Unser Haus war das dritte auf der rechten Seite einer noch unbefestigten, einspurigen Straße, die an einer Eisenbahnböschung endete. Die Gebäude waren dicht aneinanderge-


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baut und die Nachbarn waren nett. Mein Großvater lebte im ersten Haus der Reihe, zusammen mit meiner Großmutter, die bettlägerig war, ihrer Tochter Reba Nell und ihrem Sohn Kinney. Onkel Bob und Tante Hazel bewohnten das zweite Haus. Sie hatten zwei Söhne, Bobby und Darrell, mit denen ich oft Basketball im Hinterhof spielte. Samstags kamen häufig junge Männer aus dem Wohngebiet der Schwarzen, das einen knappen Kilometer weit entfernt lag, und machten mit. Das war noch zu Zeiten der Rassentrennung. Bei der gemeinsamen Jagd nach dem Ball hatten wir immer viel Spaß, doch als das Spiel vorüber war, kehrten sie zurück in ihr Viertel und am Montag gingen sie in ihre Schule und wir in die unsere. Das Leben war einfach anders in den Vierzigern. Und doch pflanzte sich in diesen Jahren ein Same in mein Bewusstsein – der Same der Überzeugung, dass alle Menschen gleichberechtigt erschaffen wurden. Mit den Jahren ist dieser Same beständig gewachsen. Hinter dem Haus erstreckte sich eine große Grünfläche, wo ich lernte, Kartoffeln, Mais, Bohnen, Kürbisse, Gurken, Tomaten, Rüben und Paprika anzupflanzen. Seitdem ich denken kann, half ich meinem Vater im Garten, vom Frühlingsbeginn bis in den Sommer. Mutters Aufgabe war es, all das, was unser Grund und Boden hervorgebracht hatte, zu kochen und einzumachen. Das war die Zeit, bevor die Gefrierschränke erfunden wurden. Arbeit war ein Teil meines Lebens, was – da bin ich ganz sicher – meine Arbeitsethik geprägt hat und was mir wiederum sehr zugutekam. Nie habe ich das Tätigsein als eine lästige Pflicht betrachtet, vielmehr als Gelegenheit, produktiv zu sein, etwas zu erschaffen. Die linke Seite des Anwesens begrenzte ein Schuppen, der Platz bot für ein Auto und zum Garten hin flankiert wurde von zwei Abstellräumen. Im einen lagerten wir die Kohle,


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mit der wir im Winter unseren Ofen anheizten. Im anderen bewahrten wir unsere Gartenwerkzeuge und unseren Rasenmäher auf. Der Pflug war ein Handpflug und der Rasenmäher ein Handrasenmäher. Das heißt, unsere schiere Muskelkraft erledigte die Arbeit. Das Leben war einfach anders in den Vierzigern. Hinter dem Autoschuppen befand sich der Hühnerstall, wo wir uns mindestens ein Dutzend Hühner und einen Hahn hielten. Mir oblag die Versorgung mit Futter und Wasser und das Einsammeln der Eier. Sandwiches mit Eiersalat oder Russische Eier standen häufig auf unserem Speiseplan. An den Verschlag für das Federvieh schloss sich der Schweinestall an. Wir hatten nur ein Schwein und als dieses das »Stadium der Essbarkeit« erreicht hatte, wurde es zu Würstchen, Koteletts und Speck verarbeitet. Keine Ahnung warum – aber wir haben uns danach nie wieder so ein Borstentier angeschafft. Ich war jedenfalls erleichtert, weil ich das Schweinfüttern nicht unbedingt geliebt habe. Mein Tagesablauf während der Schuljahre sah so aus, dass ich nach Hause kam, eine Kleinigkeit aß und dann meine Hausaufgaben machte. Danach half ich – zur Frühlings- und Sommerzeit – meinem Vater im Garten. Als ich schon etwas älter geworden war, übernahm ich samstags das Rasenmähen. Und was die Arbeiten im Haus betraf, so teilte ich mir mit meiner Schwester die Aufgabe des Abwaschs nach dem Abendessen – eine Pflicht, der ich übrigens auch heute noch gerne nachkomme. Ich liebe das Gefühl, eine Aufgabe erfolgreich abzuschließen, wenn ich die Spülmaschine mit Geschirr fülle oder die Töpfe und Pfannen im Spülbecken schrubbe. In meinen Kindertagen hatten wir natürlich keine Spülmaschine, wir spülten alles mit der Hand und ließen es auf einem Plastikgestell trocknen. Diese Fertigkeit kam mir in meiner


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Ehe sehr zugute, da Karolyn, meine Frau, ihrer Liebessprache entsprechend auf Hilfeleistungen besonders anspricht. Danke, Mutter, dass du mir das Abwaschen beigebracht hast. Damit hast du einen großen Beitrag zum Gelingen meiner Ehe geleistet! Wenn es zu kalt wurde, um im Garten zu arbeiten oder draußen zu spielen, brach für Sandra und mich die Zeit der Brettspiele im Haus an. Ein- oder zweimal in der Woche versammelte sich die ganze Familie vor dem Radio und hörte die Nachrichten. Manchmal wurde uns auch die eine oder andere Unterhaltungssendung im Radio erlaubt. Die einzigen beiden, an die ich mich erinnere, waren »The Lone Ranger« und »Life with Luigi«. Bei Letzterer handelt es sich um eine Comedyreihe rund um die Erlebnisse von Luigi, einem italienischen Einwanderer in Chicago. Er sorgte für Heiterkeit in der ganzen Familie. Das sind Kindheitserinnerungen, die mich heute noch froh machen. Nur falls Sie sich wundern – das Fernsehen war noch nicht in unsere Straße vorgedrungen. Im Jahr 1946 verfügten erst sechstausend Haushalte in den USA über einen TV-Anschluss. Diese Zahl wuchs bis 1951 auf zwölf Millionen. 1955 wurde die Hälfte aller Haushalte in Amerika versorgt. Natürlich sah man alles in Schwarz-Weiß, das Farbfernsehen kam später. Die ersten Nachbarn in unserer Straße, die sich einen Fernseher anschafften, waren Onkel Bob und Tante Hazel, die gleich nebenan wohnten. Das war 1951. Ich war dreizehn. Ich weiß noch, wie ich zu ihnen rüberging, um das erste Mal fernzusehen. Man konnte es kaum fassen, dass man Leute aus ganz anderen Teilen unseres Landes bei ihren Tätigkeiten zusehen konnte. Wenn ich mich recht erinnere, mussten wir noch bis 1953 warten, bis ein Fernsehapparat auch in unserem Haus einzog. In erster Linie lief das Programm von CBS und einem lokalen


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Nachrichtensender aus Charlotte. Da ich aber 1955 bereits die Highschool abschloss, spielte der Fernseher in meiner Kindheit keine große Rolle mehr. Oft stelle ich mir die Frage, wie mein Leben ausgesehen hätte, wäre ich unter dem Einfluss von Fernsehern und Computern aufgewachsen. Es ist mir klar, dass ich wie ein alter Mann klinge, der über »die gute alte Zeit« spricht, wenn ich dankbar feststelle, dass meine Kindheit geprägt war durch Lernen, Arbeiten, Spielen und den Gang zur Kirche. Ich wurde auch nicht in Angst und Schrecken versetzt durch die vielen traumatischen Nachrichten aus aller Welt, die heutzutage ununterbrochen in die amerikanischen Wohnstuben gepumpt werden. Ich war stets damit beschäftigt, einfach das zu erledigen, was als Nächstes dran war. Den Eltern unter meinen Lesern möchte ich Mut machen, feste Strukturen in das Leben ihres Kindes zu integrieren. Kinder profitieren von festen Abläufen in ihrem Alltag. Mit Strukturen meine ich feste Zeiten für das Lernen und das Spielen, das Arbeiten und das Nutzen von TV/PC/Handy und schließlich auch das Schlafen. In meiner Zeit als Ratgeber habe ich gelernt, dass Kinder, die jederzeit das tun können, was ihnen gerade in den Sinn kommt, immer stärker mit Langeweile zu kämpfen haben, wenn sie ins Teenageralter kommen. Kinder brauchen Führung. Sie wissen selbst nicht, was das Beste für sie ist. Eltern sind älter als ihre Kinder und verfügen – zumindest die meisten von ihnen – über viel mehr Lebensweisheit. Eingebunden zu sein in einen strukturierten Tagesablauf, das vermittelt dem Kind ein Gefühl von Sicherheit. Erlauben Sie ihm nicht, seine gesamte freie Zeit damit zu verbringen, auf eine Mattscheibe zu starren oder Videospiele zu spielen. Ein solches Verhaltensmuster wird es bis ins Erwachsenenalter prägen und keineswegs seinem Wohlbefinden dienen.


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Lassen Sie mich auch darauf hinweisen, wie wertvoll es für ein Kind ist, feste Zeiten für seine Bettruhe zu haben. Ich bin immer wieder verblüfft, wenn ich abends gegen halb zehn im Einkaufszentrum Eltern sehe, die mit ihren vier oder fünf Jahre alten Kindern im Schlepptau ihre Einkäufe erledigen. Auch wenn Sie eine alleinerziehende Mutter sind, möchte ich Ihnen doch ans Herz legen, feste Zeiten fürs Zubettgehen Ihres Kindes festzulegen. Kinder brauchen regelmäßige Schlafzeiten. Sowohl ihre physische als auch ihre emotionale Gesundheit steht auf dem Spiel, wenn sie keine angemessenen Ruheperioden bekommen. Nicht zuletzt sind diese auch für die Eltern vorteilhaft. Sie bringen mehr Freiraum für besondere Vorhaben mit sich, ein paar Mußestunden, um runterzukommen und einfach mal Zeit zu zweit zu genießen. Ein weiteres Erziehungsziel für Eltern ist, den Kindern Fähigkeiten zu vermitteln, die sie fürs Leben brauchen. Ich hätte keine Ahnung davon gehabt, wie man einen Garten anlegt und pflegt, wenn mein Vater es mir nicht beigebracht hätte. Kürzlich saß ich mit einer Gruppe von professionellen Footballspielern und ihren Frauen zu Tisch. Im Zuge unserer Unterhaltung kamen wir auch auf die Frage zu sprechen, was geschieht, wenn man die Altersgrenze im Football überschreitet. Einer aus der Gruppe meinte: »Unser Problem ist, dass wir nichts anderes können als Football spielen. Seit ich Kind bin, ist Football mein Lebensinhalt. Ich habe nichts anderes gelernt.« Die anderen nickten zustimmend. Ich riet ihnen, eine Liste anzulegen mit den Kompetenzen, die ihre Kinder nach ihren Vorstellungen bis zu ihrem achtzehnten Lebensjahr erwerben sollten. Ihre Aufgabe dabei sollte sein, den Kindern im jeweils passenden Alter jene Fähigkeiten beizubringen. Jahrelang habe ich das Eltern empfohlen. Wenn Sie Teen-


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ager haben, dann lassen Sie sie beim Zusammenstellen der Liste helfen. Sie könnten durchaus überrascht sein, was da so an Vorschlägen kommt. Ein altes hebräisches Sprichwort besagt: »Bring einem Kind am Anfang seines Lebens gute Gewohnheiten bei, es wird sie auch im Alter nicht vergessen« (Sprüche 22,6). Und wenn Ihr Kind dann als Erwachsener heiratet, wird sein Ehepartner wahrscheinlich darüber ein Loblied anstimmen, wie gut Sie es auf das Leben vorbereitet haben.


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In der Schule

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ls wir zurückzogen in unser Haus in North Carolina, war ich sechs. In Syracuse war ich mit fünfeinhalb Jahren eingeschult worden, also hatte ich bei unserer Rückkehr die erste Hälfte meines ersten Schuljahrs absolviert. Mutter und die Schulverwaltung kamen überein, dass ich bereit war für die zweite Klasse. Das war der Grund dafür, dass ich immer ein Jahr jünger war als die meisten meiner Klassenkameraden und die Highschool bereits im Alter von 17 Jahren abschloss. Jeden Morgen lief ich zur Bushaltestelle an der Kreuzung zwischen dem Highway 29A und der Straße zur Mt. Moriah Church, von wo aus ich zusammen mit den Nachbarskindern zur Landis-Grundschule fuhr. All die Jahre habe ich immer den gleichen Bus genommen, egal, ob ich die


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Grundschule, die Mittelstufe oder die Highschool besuchte, die im Übrigen alle in derselben Gegend lagen, nahe bei der Landis-Textilfabrik. An meine schulische Karriere erinnere ich mich gern, die einzige Ausnahme bildet die fünfte Klasse. Das war das Jahr, in dem mir Frau Coffee den Hintern versohlt hat. Ich kann mich nicht mehr erinnern, was ich angestellt hatte, aber den Schmerz, den ihr Rohrstock verursachte, vergesse ich nicht. Das Leben war einfach anders in den Vierzigern. Im Großen und Ganzen aber machte mir die Schule durchaus Spaß. Lesen mochte ich besonders. In der Grundschule las ich gerne die Bücher aus der Serie »Silver Chief – der Hund aus dem Norden«. Ich konnte die Atemwolken der Hunde im eisigen Norden Kanadas förmlich sehen und meinte den schneidenden Wind zu fühlen. Damals spürte ich das erste Mal den Reiz des Abenteuers. In den höheren Klassen war ich ganz gut in Mathematik, auch wenn ich mich für Algebra und Geometrie nicht restlos begeistern konnte. Von den naturwissenschaftlichen Fächern lagen mir eher Physik und Biologie. Englisch habe ich geliebt – sowohl Grammatik als auch Literatur. Aber begeistern konnte ich mich für »Einführung in die Bibel«. Ja, Bibelkunde war damals Unterrichtsfach in der öffentlichen Oberschule. Das Leben war einfach anders in den Fünfzigern. Frau Jabor war meine Bibellehrerin und sie hatte einen größeren Einfluss auf mein Leben, als ihr bewusst war. Tatsächlich waren es ihre Bemerkungen, die mich nach Chicago ins Moody Bible Institute brachten. Aber das ist eine andere Geschichte. Zu meiner Highschool-Zeit ereignete sich ein tragisches Unglück, das mich erschütterte. Der Bezirk ließ ein neues Schulgebäude errichten. Während des Baugeschehens gab es eine Explosion und einer unserer Hausmeister kam ums Le-


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ben. Bis zu diesem Ereignis hatte ich mir noch kaum Gedanken über den Tod gemacht. Nun machte es mich traurig, dass eine Familie ihren Vater und Ehemann verloren hatte. Auch wenn ich ihn nicht persönlich kannte, konnte ich doch ihren Schmerz nachempfinden. Überdies beschäftigte mich der Gedanke, dass das Leben endlich ist. Der Tod kann sehr plötzlich kommen. Das war das erste Mal, dass ich mich mit dem Gefühl der Trauer auseinandersetzen musste. In all den Jahren, in denen ich als Pastor tätig war, stand ich an vielen offenen Gräbern und begann Mit den Jahren habe ich zu verstehen, warum Jesus am Grab gelernt, mich mit den von Lazarus geweint hat (Johannes Fröhlichen zu freuen und mit 11). Sicher rührte ihn nicht unbedingt nur das Schicksal dieses Manden Trauernden zu weinen nes und seiner Verwandten, weil er (Römer 12,15). ja wusste, dass er ihn gleich ins Leben zurückrufen würde. Ich denke, Jesus blickte voraus in die Zukunft wie in einen langen Korridor und fühlte den Schmerz, den der Tod dem menschlichen Herz noch bereiten würde. Mit den Jahren habe ich gelernt, mich mit den Fröhlichen zu freuen und mit den Trauernden zu weinen (Römer 12,15). In meinem Abschlussjahr wurde ich zum Klassensprecher gewählt. Oft habe ich mich gefragt, warum, weil ich in meinen Augen kein Leitertyp bin. Als sich die Klasse daranmachte, die Kandidaten nach verschiedenen Merkmalen zu bewerten, erhielt ich fünfmal die Bestnote. Zwei Kriterien durfte jeder wählen und ich ordnete mich unter »Der Netteste« und »Der wahrscheinlich Erfolgreichste« ein. Diese beiden Eigenschaften passten meiner Meinung nach am besten zusammen. Mit siebzehn ging ich dann auf ein College in Illi-


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nois und kehrte nur noch besuchsweise zurück nach China Grove. Kontakt zu meinen ehemaligen Klassenkameraden habe ich nicht gehalten. Doch schon so manches Mal habe ich mir gewünscht, ich hätte mich mehr bemüht, mit ihnen in Verbindung zu bleiben.


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In der Kirche

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s gab eine weitere Institution, die eine große Bedeutung für mich in meinen ersten siebzehn Lebensjahren hatte: die Kirche. Genauer gesagt, die Landis Baptist Church, wo Arthur Blackburn, mein Sonntagsschullehrer, Bertha Cranford und Elmer Phipps, mein Jungscharleiter, enormen Einfluss auf mein Leben nahmen. Die Kirche spielte eine sehr wichtige Rolle in unserem Familienleben. Jeden Sonntagmorgen gingen wir in die Sonntagsschule und in den Gottesdienst. Auch am Abend des gleichen Tages und am Mittwochabend besuchten wir Gemeindeveranstaltungen. Während der Highschool-Zeit verbrachte ich den Großteil meines Lebens in unserer Jugendgruppe. Mein Vater kam erst zum Glauben, nachdem er Mutter geheiratet hatte. Sie war bereits Christin und eine eifrige Kirchgängerin. Als sie sich kennen- und lieben gelernt hatten, kam


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er einfach mit in den Gottesdienst (unterschätze nie den Einfluss eines jungen Mädchens auf einen jungen Mann!). Etwa zwei Jahre nach ihrer Hochzeit wurde er zu einem treuen Nachfolger Jesu. Als Mutter schon älter war, stellte ich einmal fest: »Du bist ein großes Risiko eingegangen, als du Papa geheiratet hast, bevor er Christ wurde.« – »Ja, ich weiß«, antwortete sie, »aber Gott hat sich dieser Sache angenommen.« Sie hatte recht, denn seitdem Vater sein Leben Christus übergeben hatte, war er von ganzem Herzen dabei. Eine Entscheidung, die er getroffen hat, zeigt, wie ernst er das nahm, was die Bibel über die Bedeutung eines Vaters für das Leben seiner Kinder lehrt. In der Textilfabrik wurden drei Schichten gefahren: Die erste von 7 Uhr bis 15 Uhr, die zweite von 15 Uhr bis 23 Uhr und die dritte von 23 Uhr bis 7 Uhr morgens. Vater wählte die dritte. Warum? Weil er nachmittags und abends anwesend sein wollte, wenn meine Schwester und ich zu Hause waren. Also arbeitete er die Nacht durch und schlief jeden Tag bis 15 Uhr. So war er in der Lage, die Nachmittags- und Abendstunden mit uns zu verbringen. Natürlich gab ihm das auch die Gelegenheit, im Garten zu werkeln. Und das weckte und verfestigte wiederum in mir, seinem »Gehilfen«, die Freude, zu arbeiten und die Früchte harter Arbeit zu genießen. Es erlaubte uns auch, das Abendessen gemeinsam als Familie einzunehmen. Eine Tradition, die Karolyn und ich übernommen haben, solange unsere Kinder zu Hause waren. Die Kirche war auch der Ort, an dem ich irgendwann feststellte, dass ich noch kein Christ war. Im Alter von zehn Jahren saß ich an einem Sonntagabend im Gottesdienst. Während der Prediger sprach, wurde mir zum ersten Mal in meinem Leben bewusst, dass ich Christus noch nicht als meinen Retter und Herrn angenommen hatte. Die Geschichten der Bibel kannte ich, es war mir aber noch nie in den Sinn gekommen, dass


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Gott mich persönlich bitten könnte, in mein Leben kommen zu dürfen, dass ich ihm mein Leben anvertrauen sollte, und dass ich ihm die Leitung überlassen könnte. Mir war auf einmal vollkommen klar, dass Gott mich rief, und doch hatte ich Angst davor, vor all den Leuten aufzustehen und zuzugeben, dass ich kein Christ war. Ich denke, viele Leute glauben, dass regelmäßiger Kirchenbesuch sie zu guten Christen macht. An jenem Abend begriff ich, dass das nicht stimmt. Es gehört mehr dazu als dieses Ritual. Jesus wartet auf eine ganze persönliche Reaktion. Heftig rang ich mit den Gedanken und Gefühlen, die mir durch Kopf und Herz gingen, und doch reagierte ich nicht, als der Pastor alle die, die Christen werden wollten, aufrief, sich zu erheben und nach vorn zu kommen. In dieser Nacht ging ich nach Hause mit dem Gefühl, Gott abgewiesen zu haben. Dabei schwor ich mir, am nächsten Sonntag anders zu handeln. Als ich jedoch eine Woche später im Gottesdienst saß, war von dem Drang, nach vorn zu gehen, nichts mehr zu spüren und ich fragte mich, ob ich meine große Chance verpasst hatte. Dass Gott mich gerufen hatte, wusste ich, jedoch hatte ich mich gesträubt. Auch in dieser Nacht ging ich aufgewühlt nach Hause. Dann aber, am darauffolgenden Sonntag, saß ich wieder im Gottesdienst und diesmal verspürte ich ihn wieder, den Ruf Gottes, ihm mein Leben anzuvertrauen. Diesmal rannte ich fast nach vorn, als der Pastor dazu einlud. In dieser Nacht übergab ich Christus mein Leben – und dies war die beste Entscheidung, die ich je getroffen habe. Ich weiß, dass viele Erwachsenen sich fragen, ob Kinder wirklich verstehen, was sie da tun, wenn sie die Absicht äußern, Jesus nachfolgen zu wollen. Auch wenn ich nicht die ganze Tragweite meines Schrittes begriff, so wusste ich doch, dass Gott mich gerufen und ich geantwortet hatte. Das er-


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fuhr ich ganz konkret, als der Friede Gottes an jenem Abend in mein Herz kam und für mich feststand, dass ich nun ein Christ war. Dieser Schritt hatte Auswirkungen auf jede weitere Entscheidung meines Lebens. Etwa zwei Wochen später, morgens an der Bushaltestelle, wurde dieser Schritt das erste Mal auf die Probe gestellt. Bo Gulledge, ein älterer Schüler der Highschool, kam zu mir und knurrAuch wenn ich nicht te mich an: »Man hat mir gesagt, du wärst Christ. Stimmt das?« Ich sah die ganze Tragweite meines hoch auf sein weißes T-Shirt und Schrittes begriff, so wusste starrte auf die Packung Zigaretten, ich doch, dass Gott die unter einem Ärmel steckte, und mich gerufen und ich brachte kein Wort hervor. »Also, geantwortet hatte. bist du einer?«, fuhr er mich an. »Nein, bin ich nicht«, antwortete ich. »Alles klar«, raunte er und ging seiner Wege. Mein Herz aber wollte brechen. Mir ging die Geschichte von Petrus durch den Kopf, der Jesus dreimal verleugnet hatte. Ich hatte das Gefühl, Gott enttäuscht zu haben, genauso wie Petrus. An diesem Abend betete ich unter Tränen und bat Gott, mir zu vergeben und mir zu helfen, ihn nie wieder zu verraten. Bo ließ mich danach in Ruhe und ich suchte Abstand zu ihm. Später jedoch habe ich bereut, dass ich nie zu ihm gegangen bin, um die Sache mit meinem Glauben richtigzustellen. Bo schloss noch im selben Jahr die Schule ab und ich sah ihn nie wieder. Erst als ich längst erwachsen war, fragte ich anlässlich eines Besuches in China Grove ein paar Leute, ob sie sich an ihn erinnern konnten, aber ohne Erfolg. Und so geht mir immer wieder mal die Frage durch den Kopf: »Was mag wohl aus Bo Gulledge geworden sein?«


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Diese schmerzliche Erfahrung hinterließ tiefe Spuren in meinem Leben. Sie spornte mich an, offen und ehrlich über meinen Glauben zu sprechen, weder aggressiv noch selbstgerecht, sondern voller Dankbarkeit für das, was Gott für mich getan hat, und immer bereit, anderen die Frohe Botschaft weiterzusagen. In China Grove traf ich auch eine grundsätzliche Entscheidung über meinen Umgang mit Alkohol. Mein Großvater war Alkoholiker. Nachdem seine Frau gestorben war, führte er ein ausgesprochen einfaches Leben. Er arbeitete in der Textilfabrik und ging immer zur ersten Schicht. Danach kam er nach Hause, aß etwas und zog dann los zu Goat-Turners-Tankstelle, die etwa eine halbe Meile weit den Highway 29A runter lag. Das war die beliebteste Bierpinte am Ort. Er und seine Kumpel hingen dort herum, redeten und tranken bis etwa acht Uhr abends, gingen dann nach Hause und fielen ins Bett. Eines Nachts klopfte ein Mann an unsere Hintertür und berichtete meinem Vater, dass mein Großvater sturzbetrunken in einem Graben am Highway läge. Da es ein kalter Abend war, sagte mein Vater: »Zieh dir deinen Mantel an und komm, wir müssen deinem Großvater helfen.« Wenn ich mich recht erinnere, war ich elf oder zwölf Jahre alt. Als wir ihn fanden, lag er tatsächlich in einem Straßengraben und brabbelte irgendetwas vor sich hin. Mein Vater griff ihm unter die Achsel, zog ihn hoch und meinte: »Komm hoch, Papa, und lass uns nach Hause gehen.« Wir nahmen ihn in unsere Mitte, hielten ihn aufrecht, schleppten ihn heim und legten ihn ins Bett. Die ganze Zeit über lamentierte er lallend, dass er unsere Hilfe nicht bräuchte. Das war die Nacht, in der ich entschied, niemals Alkohol zu trinken. Ob mein Vater mit mir darüber gesprochen hat, weiß ich nicht, aber es war auch gar nicht nötig. Ich sah selbst,


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wohin Alkoholmissbrauch führte, und wollte damit nichts zu tun haben. Diesen Entschluss musste ich nie bereuen oder widerrufen. Im Lauf der Jahre habe ich so viele junge Menschen gesehen, deren Leben durch Alkohol und Drogen zerstört worden war. Und damit kommen wir zu dem Tag, an dem ich mich entschied, auch keiner Droge zu erlauben, mein Leben zu ruinieren. Wir spielten gerade Basketball hinter dem Haus, als wir das Dröhnen eines Motorrades hörten. Ein Blick auf den Highway genügte, um eine Maschine buchstäblich durch die Luft fliegen zu sehen. Der Fahrer war die Mt. Moriah Church Road heruntergerast, wo wir immer auf den Schulbus warteten, war über den Highway 19 A geschossen, eine Böschung hinuntergestürzt und auf einem Acker liegen geblieben, keine hundert Meter von unserem Spielfeld entfernt. Als wir zum Unfallort liefen, hörten wir schon die Schmerzensschreie des Mannes. Wie ineinander verkeilt lagen sie da, er und seine Maschine. Vergeblich versuchten wir, mit ihm zu sprechen. So verletzt wie er war, war er nicht ansprechbar. Einer von den Jungs rannte zurück zum Haus, um die Polizei zu rufen. Es war die Zeit, bevor Handys in Gebrauch kamen, und Telefone waren nur in Gebäuden zugänglich. Kurze Zeit später erschienen Polizeibeamte und Sanitäter und nahmen, sich der Situation an. Wir standen da und sahen zu, wie sie ihn abtransportierten. Am nächsten Tag hörten wir, dass der junge Mann unter Drogen gestanden hatte. Ich habe nie erfahren, ob er überlebt hat, doch das war die Woche, in der ich beschloss, niemals »bewusstseinserweiternde« Drogen zu nehmen. Seither bemühe ich mich, jungen Menschen die Bedeutung einer solchen Entscheidung klarzumachen. Eine der größten Tragödien unserer Zeit verbirgt sich hinter der Zahl der Teenager,


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die schon drogenabhängig sind, bevor sie volljährig werden. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass das Gehirn eines Menschen vor seinem 25. Lebensjahr noch nicht vollständig entwickelt ist. Wie traurig ist es, wenn es da bereits durch Drogen zersetzt wurde. In meiner Arbeit habe ich mich immer bemüht, jungen Leuten Mut zu machen, länger und glücklicher zu leben, indem sie auf Drogen und Alkohol verzichten. Ich glaube, das ist eine der wichtigsten Entscheidungen, die ein Jugendlicher treffen kann. Es macht mich dankbar, dass ich selbst mich dahin gehend festgelegt habe, als ich noch jung war. Und ich habe gemerkt, dass ein gesunder Verstand ein wertvolles Gut darstellt.


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