Sabine Herold (Hrsg.)
Vorwort „Alles menschliche Leben ist Begegnung“, hat Martin Buber gesagt. Ja, das stimmt! In unserem Leben, in unserem Alltag begegnen wir Menschen, begegnen wir einander. Manche Begegnungen sind oberflächlich und kurz, andere tiefgründig und gehaltvoll. Besonders in meiner Tätigkeit als Pfarrerin habe ich viele Begegnungen und wertvolle Gespräche, in denen Menschen aus ihrem Leben erzählen. Oft begegne ich Menschen mehrmals oder sogar regelmäßig. Und manchmal ergibt es sich, dass ich an verschiedenen Wegstücken des einen oder anderen Lebensweges teilhaben darf. Ich habe großen Respekt vor der Lebensgeschichte anderer Menschen, denn jede Person ist auf ihrem Weg unterwegs, hat ihre eigene, einzigartige Geschichte. Jeder Mensch trägt seine Lasten, hat seine Herausforderungen und bewältigt das Leben auf seine Weise. Und in allem wirkt Gott und ist gegenwärtig – nicht immer auf den ersten Blick erkennbar, aber oft wird im Rückblick klar, dass da ein Größerer die Hand über einem Leben gehalten hat, –7–
dass das dunkle Tal nicht allein durchschritten werden musste, sondern dass Gott da war und mitgekommen ist, leitend, helfend, tröstend … Diese Erlebnisse sind wie Diamanten – viel zu kostbar, um sie zu verschweigen oder zu verbergen. Es ist wertvoll, wenn wir hin und wieder mit anderen teilen, was wir erlebt haben; wenn wir mit-teilen, was uns im Leben widerfahren ist und was uns geprägt hat, wofür wir dankbar sind, worauf wir hoffen, was uns Gott geschenkt hat. Dieses Mit-Teilen wird zum einander Beschenken und eine gegenseitige Ermutigung zum Leben. Zu diesem Teilen und Mit-Teilen der Lebens-Diamanten lade ich an bestimmten Anlässen in der Gemeinde ein. Oft kommt dabei eine ganze Schatztruhe zusammen – manchmal wird sogar eine Geschichte daraus. Unsere persönliche Geschichte ist nicht fertig. An jedem Tag gibt es eine Fortsetzung. Und auch Gottes Geschichte mit uns ist noch nicht fertig. Er schreibt seine Geschichte mit uns weiter, Tag für Tag. An jedem Tag will er uns begegnen, an jedem Tag bietet er uns an, dass wir seine Hand ergreifen und mit ihm unterwegs sind. Jeder Tag ist eine Einladung, Gott, uns selbst und einander zu begegnen! Das Buch „Diamanten am Weg“ möchte mit seinen vielseitigen Texten ermutigen und berühren. Menschen, die sich rückblickend an ihre ersten Begegnungen mit Gott, an Gottes Eingreifen in ihrem Leben, an unerwartete Geschenke Gottes (trotz Herausforderndem und Schwierigem) erinnern, teilen uns ihre Erfahrungen mit. Die Texte laden dazu ein, die Hoffnung nicht aufzugeben, sondern weiterhin dem Gott zu vertrauen, der zugesagt hat, immer bei uns zu sein. Geschichten, Meditationen, Gebete … wechseln sich ab. –8–
Menschen aus unterschiedlichen Lebenssituationen geben uns Einblick, wie sie auch in Lebenstälern Gottes Güte erfahren durften. Dieses Buch möchte uns ermutigen, das eigene Leben aus einer neuen Perspektive, aus biblischer Sicht zu betrachten und zu entdecken, wo Gottes Hand und Hilfe erfahren wurde. Ich danke allen, die sich bereit erklärt haben, ein Stück von ihrem Leben mitzuteilen, es dadurch mit anderen zu teilen und sie zu beschenken. Alles menschliche Leben ist Begegnung. Wertvolle Begegnungen miteinander und mit diesem Buch wünscht Ihnen Sabine Herold
Sofern nicht anders angegeben, werden die Bibelverse nach „Hoffnung für alle“ zitiert. –9–
Gebet DANKE Dir, Gott, sei Dank für dieses Leben, das du mir schenkst und erhältst. Du machst mein Leben reich, du allein genügst. Danke! Alleine du bist und gibst ein Leben in Fülle. Erfüllt lebe ich in deiner Gegenwart. Du in mir und ich in dir – danke! Niemals könnte ich leben ohne dich; nicht das leben, was Leben heißt. Danke, Gott, für jeden neuen Tag als Einladung, mit dir zu leben! Kein Tag vergeht ohne dich. Du bist der Anfang an jedem Morgen und auch an seinem Ende bist du noch immer da, vom Morgenrot bis in die Abenddämmerung und wieder bis zum Morgen … danke! Ewig bist du und endlos deine Liebe, ich kann nicht anders, als dir DANKE zu sagen: DANKE von Herzen, du großer Gott! sh
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Mit Gott! Meine Geschichte mit Gott begann schon sehr früh – Gottes Geschichte mit mir noch viel früher. Gott sei Dank! Von klein auf liebte ich biblische Geschichten und Jesus. Ich ging gerne in die Kinderstunde, sang von Herzen die Lieder, hörte gebannt den Erzählungen aus der Bibel zu und lebte förmlich mit. Dennoch war mir klar, dass Gott keine Enkelkinder hat und wir nicht automatisch seine Kinder sind, aber jederzeit seine Kinder werden dürfen. So war ich erst acht Jahre alt, als ich Gott zum ersten Mal bewusst mein Herz öffnete und Jesus bat, in meinem Herzen zu wohnen. Das auswendig gelernte Abendgebet erinnerte mich täglich daran: „Ich bin klein, mein Herz mach rein, soll niemand drin wohnen als Jesus allein!“ Nun war es nicht mehr nur gesagt, sondern auch getan. Meine Liebe zu Jesus wurde tiefer und größer und in jedem Ferienlager, auf jeder Freizeit gefestigt. Wovon mein Herz voll war, davon ging auch mein Mund über, und so spielte ich mit meinen Freundinnen fröhlich „Kinderstunde“. Ich lud die Kinder aus der Nachbarschaft ein und übte mich als Missionarin. Ob das den andern gefiel oder nicht und – 11 –
wie sie über mich dachten, war mir nicht so wichtig. Ich fragte meine Lehrerin, ob ich der Klasse ein Lied vorsingen dürfte, und sang aus vollem Herzen und Kehle Lieder wie „Zünde an dein Feuer, Herr, im Herzen mir …“ Zu meiner Konfirmation wählte ich sehr bewusst den Spruch aus Psalm 100,2: „Dienet dem HERRN mit Freuden, kommt vor sein Angesicht mit Frohlocken.“ Ja, das wollte ich: Gott dienen, mit Freude, von ganzem Herzen, mit ihm leben, von ihm reden, mit ihm wirken. Doch dann kam eine Zeit in meinem Leben, die ganz anders war. Ich stand nicht mehr vor der Klasse und sang voller Freude von Gott. Nein, ich war zur Außenseiterin geworden, gehörte zu denen, die gemieden wurden, die nicht dazugehörten. Diese Erfahrung tat tief drinnen sehr weh und eine große Einsamkeit breitete sich aus. So überstand ich Jahr um Jahr in der Schule und hungerte nach Leben und Zugehörigkeit. Der Glaube war nach wie vor das tragende Fundament für mich, hatte aber an Lebendigkeit verloren. Er war äußerliche Fassade ohne überzeugende Ausstrahlung. Und dann kam die Sucht, um die Leere zu füllen – die Sucht nach dem Nichts, besser gesagt nach Hungern, Abmagern, Trainieren, Kalorien verbrauchen. Ich rutschte immer tiefer in die Essstörung Magersucht. Zuerst unbewusst und peu à peu, dann ganz bewusst, um Gramm für Gramm loszuwerden. Alles wurde mir zum Zwang, zum Muss. Sogar der Glaube wurde zum streng kontrollierten Leistungs-System, bis zum Zusammenbruch. Endlich! Nun, am Ende meiner Kraft, am Tiefpunkt meines Lebens, begegnete mir Gott ganz neu, ganz anders und so wohltuend. Ich durfte loslassen, mich fallen lassen, nicht mehr müssen, nicht mehr funktionieren, sondern sein … Das ging nicht von heute auf morgen, sondern es begann ein – 12 –
jahrelanger, aber lohnenswerter Weg, Schritt für Schritt. Noch immer bin ich unterwegs und buchstabiere bis ins Innerste die Liebe und Annahme Gottes, weil ich bin – und nicht, weil ich leiste. In diesem Prozess entschied ich mich neu, den Weg mit Gott zu gehen und mich meinen Fragen und Zweifeln zu stellen, auch meinen Glauben zu hinterfragen und hinterfragen zu lassen – von Freunden, von meinem Mann, im Studium, im Gespräch mit anderen. Was und an wen glaube ich? Wer ist mein wahrer Halt im Leben? Warum glaube ich und warum so, wie ich es tue? Dieses Fragen hat mich gestärkt. Bis heute. Heile Welt? Nein, ich will mich nicht belügen. Es bleibt ein Unterwegssein. Die erste Entscheidung für Gott in meiner Kindheit war der Anfang von einem langen Weg. Ohne das „Ja!“ von Gott zu mir wüsste ich nicht, wo ich heute wäre. Aber ich weiß: In meinem Leben brauche ich immer wieder neu die Hinwendung zu und die Hingabe an Gott, damit er erneut sein Feuer in mir entzündet. Denn nach und nach entdecke ich Anteile in mir, die lieber ohne Gott durchs Leben wollen, lieber so, wie es ihnen am besten passt. Immer wieder steht das Ego im Weg und möchte selbst im Leben herrschen. Und immer wieder neu bin ich eingeladen, Gott auch in diese Lebensräume einzuladen und sie ihm zu überlassen. Mein Konfirmationsspruch ist mir in den letzten Jahren wieder sehr wichtig geworden, insbesondere als Pfarrerin. Er ist in meinem Talar-Innern eingestickt, um mich beständig daran zu erinnern und wieder neu dazu einzuladen, mit Freuden mit Gott unterwegs zu sein, so wie ich bin – echt, ganz, authentisch –, und mich mit meinen Gaben ins Reich Gottes einzubringen: „Dienet dem HERRN mit Freuden!“ Ja, das will ich von ganzem Herzen – mit Gott! Sabine Herold (sh) – 13 –
Bibelvers Psalm 100 Ein Lied für den Dankgottesdienst Jubelt dem HERRN zu, ihr Völker der Erde! Dient ihm voll Freude, kommt zu ihm mit fröhlichen Liedern! Erkennt, dass der HERR allein Gott ist! Er hat uns geschaffen, wir gehören ihm! Wir sind sein Volk, das er umsorgt wie ein Hirte seine Herde. Geht durch die Tempeltore ein mit Dank, betretet die Vorhöfe mit Lobgesang! Preist ihn und rühmt seinen Namen! Denn der HERR ist gut zu uns, seine Gnade hört niemals auf, für alle Zeiten hält er uns die Treue.
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Gebet Umgeben von deiner Liebe Am Anfang meines Lebens steht dein bedingungsloses JA zu mir. Du bist der Gott, der mich ins Dasein liebte und liebt. Am Ende meines Lebens empfängst du mich mit deiner Liebe. Du bist der Gott, der mich nach Hause bringt. In Tiefen meines Lebens bist du mit mir, leidest und weinst mit mir. Du bist der Gott, der mit mir durch die Tiefen geht. Auf Höhen meines Lebens erkenne ich, dass nicht meine Kraft und Weisheit das geleistet haben – du bist der Geber aller guten Gaben, Herr. So umgibst du mich mit deiner Liebe – im Gestern, im Morgen, in Tiefen und auf Höhen – jetzt und hier und immer! sh
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Einer kommt immer mit Es war ein magischer Moment für mich: Bei strahlend blauem Himmel und gleißendem Sonnenschein zog der Frühling zaghaft ins Land und der Schnee begann zu schmelzen. An den Straßenrändern auf meinem Schulweg bildete sich ein faszinierendes Tunnelsystem von Eisdeckelchen. Beim genauen Hinhören klang das durchfließende Wasser wie eine Symphonie. In solchen Situationen verlor ich jedes Zeitgefühl und vergaß jede noch so verbindliche Abmachung. Es gab häufiger Konflikte als Kontrast zur Faszination dieser bezaubernden, ja magischen Momente. Und irgendwie steht meine Hinwendung zu Gott genauso symbolisch für eine schlichte und doch so unvergleichliche persönliche Erfahrung außerhalb des Alltäglichen oder Rationellen. Ich wuchs mit mehreren Geschwistern auf. Meine tiefgläubige Mutter hatte mit uns das Abendritual eingeübt, dass wir der Reihe nach – vom Ältesten bis zum Jüngsten – das gleiche Abendgebet aufsagten. Doch an einem Abend, ich erinnere mich noch sehr genau, verträumte ich meinen Einsatz. Meine Mutter warf das sichtlich aus der Bahn. Ich habe sie sehr auf– 16 –
gebracht in Erinnerung, als sie mich entrüstet fragte, ob mir denn der Glaube egal sei?! Überhaupt war meine Mutter oft unangemessen heftig mir gegenüber. Ich verkörperte eine Art Pufferfunktion in der Familie, die mich erdrückte. Sehr positiv erlebte ich dagegen den Glauben in der Sonntagsschule durch einen Lehrer, der ein Genie war im lebendigen, bildhaften Erzählen der biblischen Geschichten. Obwohl ich erst zehn Jahre alt war, hatte diese Kombination einer anschaulichen, lebhaften, kindgerechten Verkündigung und der aufgebrachten Mutter eine durchaus nachhaltige Wirkung. Es kam noch dazu, dass ich mit meinen erst zehn Jahren schon recht erschüttert wurde nach schwerer lebensbedrohlicher, aber überstandener Krankheit. Einige Zeit nach diesen Erfahrungen sprach ich allein in der Verborgenheit meines Kinderzimmers ein Gebet, in dem ich Jesus einlud, in mein Leben zu kommen. Es waren schlichte Worte, frei formuliert. Und ich erinnere mich, dass ich Jesus bat, mir zu helfen. Ich hatte schon die Erfahrung gemacht, dass ich zwar etwas wollte, aber bei der Umsetzung scheiterte. Damals war mir der Vers noch unbekannt, den ich später lernte: „Sind wir untreu, bleibt er doch treu, denn er kann sich selbst nicht untreu werden.“ (2. Timotheus 2,13) Ich tauchte ein in ein Leben der blanken Gegensätze. Zu Hause erlebte ich oft Willkür und Gewalt; in der Gemeinde und Sonntagsschule lernte ich die Grundsätze der christlichen Werte. Was mich tief prägte, so erkenne ich im Rückblick, war das Geschenk der ersten Bibel durch meine Großmutter und eine Bibellesehilfe für Kinder. Es war nicht in erster Linie das Wort, sondern die Kombination der Zeit im Gespräch mit meinem neu gewonnenen Zufluchtsort. Ich machte Gebetserfahrungen, doch zugleich ging mein Glaube durch den Glutofen von Suizidgedanken, bis ich mit 26 Jahren wirklich körperlich und – 17 –
psychisch zusammenbrach und mich in ärztliche Behandlung begeben musste. In alledem erlebte ich Schritt um Schritt, Tag um Tag dieses Unterwegssein, wie es Psalm 23 sehr eindrücklich beschreibt: Ein Hirte ist immer an meiner Seite. Es ist kein „Grüne-Wiesen-Klischee“, sondern das Unterwegssein zwischen dunklen bedrohlichen Felswänden, Tälern und Berghöhen, abwechselnd mit Wiesen zum Innehalten und Träumen, dann der Ruf zum Aufbruch und Weiterziehen. Und einer ist immer mit dabei: mein Hirte, mein Jesus. Ich denke an dieser Stelle an eine meiner ersten Gebetserhörungen: Es war Winter geworden. Wir taten die ersten Versuche auf Skiern auf heimischem Grund und Boden. Und da verlor meine zwei Jahre jüngere Schwester den Boden unter den Füßen. Sie stürzte so unglücklich, dass ihre Brille zerbrach. Sofort war mir klar: Da das Geld in unserer Familie sehr knapp bemessen war, war es entscheidend wichtig, wenn wir wenigstens die Gläser retten könnten und nur der Rahmen ersetzt oder repariert werden musste. Aber ein Glas blieb einfach verschollen. Wir waren vier oder fünf Kinder, suchten verzweifelt, doch wir tappten im Bodenlosen. Einer nach dem anderen stiefelte resigniert nach Hause, aber ich weigerte mich standhaft. Doch schließlich riss auch mein kindlicher Geduldsfaden und ich schlug mit dem Skistock in den Schnee: „Gott, wenn du all die Wunder getan hast, warum hilfst du jetzt nicht?!“ Ich erinnere mich, als wäre es gestern gewesen: In diesem Moment rissen die Wolken auf und die Sonne umstrahlte mich. Gleichzeitig hörte ich die Kirchenglocken, vermutlich das VierUhr-Läuten. Zutiefst ergriffen von einem heiligen Respekt blieb ich wie angewurzelt stehen und dachte nach. Da kam mir die Idee, dass der Skistock wie ein Pfeil zu liegen gekommen sein könnte. Und gegen jede rationelle Logik: Genau dort am – 18 –
Ende lag das gesuchte Glas! Ich war so überwältigt, dass ich den ganzen Hang hinaufrannte ... Bis heute hat sich dieses Erleben tief eingeprägt. Ich wünsche mir noch heute manchmal diese kindliche Entschlossenheit zurück, das Handeln und Eingreifen Gottes so real zu erbitten und zu erleben. Ja, was schreibe ich da – es gibt sie doch, diese vielen Geschichten seiner Treue. Ich habe es erlebt! Unterwegs sein. Bis heute. Immer noch! Hanna
Bibelvers Psalm 23 Ein Lied von David. Der HERR ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen. Er weidet mich auf saftigen Wiesen und führt mich zu frischen Quellen. Er gibt mir neue Kraft. Er leitet mich auf sicheren Wegen und macht seinem Namen damit alle Ehre. Auch wenn es durch dunkle Täler geht, fürchte ich kein Unglück, denn du, HERR, bist bei mir. Dein Hirtenstab gibt mir Schutz und Trost. Du lädst mich ein und deckst mir den Tisch vor den Augen meiner Feinde. Du begrüßt mich wie ein Hausherr seinen Gast und füllst meinen Becher bis zum Rand. Deine Güte und Liebe begleiten mich Tag für Tag; in deinem Haus darf ich bleiben mein Leben lang. – 19 –
Meditation Gott, der gute Hirte Gott, der gute Hirte, versorge dich äußerlich und innerlich mit dem, was du wirklich zum Leben brauchst. Gott, der gute Hirte, erquicke und erfrische dich mit seinem Guten. Gott, der gute Hirte, zeige dir das Ziel, für das du leben sollst, und er zeige dir auch den Weg dorthin. Gott, der gute Hirte, sei im Leid, in schweren Stunden, in Traurigkeit ganz nah bei dir und helfe dir. Er trage und tröste dich! Er zeige dir, dass er für dich und für dich da ist! Gott, der gute Gastgeber, schenke dir mitten in Schwierigkeiten und Konflikten von seiner Fülle, so viel du brauchst. Er berühre dich mit seiner Liebe und Wertschätzung! Gott, der Herr, begleite dich mit seiner Güte und Barmherzigkeit. Er schenke dir sein Zuhause, seinen Ort für dich, wo du Heimat findest und zur Ruhe kommst! AMEN. sh – 20 –
Mein Weg zum Glauben Eigentlich weiß ich gar nicht genau, wie ich zum Glauben kam! Meine Eltern schickten uns Kinder in die Sonntagsschule; sie selbst gingen aber nie in einen Gottesdienst. In der Schule hatten wir Religionsunterricht bei einem Pfarrer, der uns zu Kirchengesangbuchliedern tanzen ließ. Von daher stammt meine große Liebe zu diesen Liedern. Diese alten Lieder waren für mich stets mit positiven Erfahrungen verbunden. Auch in den Konfirmandenunterricht ging ich gerne, weil wir Jugendlichen ein sehr gutes Verhältnis zu unserem Pfarrer hatten und gemeinsam ein sehr intensives, lehrreiches Konfirmandenjahr erlebten. Während meiner Berufsausbildung nahm meine Chefin mich zu einer Veranstaltung von Billy Graham mit. Hier wurde ich tief berührt, ging nach vorn und öffnete mein Herz für Jesus. Von da an schloss ich mich einer Jugendgruppe an, die jedoch sehr streng und eng war. Es wurde uns vieles verboten und vorgeschrieben. Ich fühlte mich nie ganz wohl in dieser Gruppe und war froh, als ich endlich den Ausstieg schaffte. – 21 –
Der Gottesdienstbesuch gehörte für mich aber weiterhin zum Sonntag, während der Rest meiner Familie den Sonntagmorgen nutzte, um auszuschlafen. Zwar war mir ein regelmäßiger Besuch nicht mehr möglich, als ich die Ausbildung zur Krankenschwester begann, aber wann immer sich die Gelegenheit bot, besuchte ich den Gottesdienst. Bald schon lernte ich einen jungen gläubigen Mann kennen, der in der Gemeinde mitarbeitete. Wir konnten uns gut über den Glauben unterhalten, was mir sehr imponierte und mir Freude machte. Obschon ich eigentlich die Absicht gehabt hatte, Diakonisse zu werden, stand schon bald fest, dass wir in absehbarer Zeit heiraten wollten. Doch auch er war mitten in einer Zweitausbildung. Wir führten unsere Freundschaft über eine große Entfernung hinweg. In dieser Zeit begannen meine schweren manisch-depressiven Phasen. Dank der liebevollen und unermüdlichen Unterstützung der Pflegerinnenschule, meiner Eltern und meines Freundes, der trotz allem zu mir stand, konnte ich meine Lehre mit dem Diplom abschließen. Bei der Diplomfeier steckte mein Freund mir den Verlobungsring an den Finger und ein Jahr später läuteten die Hochzeitsglocken in jener Kirche, in der ich, sooft es möglich war, den Gottesdienst besucht hatte. Die manischdepressiven Phasen hielten noch Jahre an und ich musste viele Medikamente schlucken. Gott segnete uns mit drei gesunden Söhnen. Auch als Familie behielten wir die Gewohnheit bei, wann immer möglich am Sonntagsgottesdienst teilzunehmen. Auch heute vergeht kaum ein Sonntag, ohne dass wir einen Gottesdienst besuchen. Auch die thematischen Frauentage – Perlentreffen genannt –, die ich so gerne besuche, sind jedes Mal eine Oase, in der mein Glaube gestärkt wird. Wann und wo wurde ich also von Gott abhängig, d. h. gläu– 22 –
big? Nach wie vor weiß ich das nicht, aber ich bin äußerst dankbar dafür! VB
Bibelvers Römer 10,17 Es bleibt dabei: Der Glaube kommt aus dem Hören der Botschaft; und diese gründet sich auf das, was Christus gesagt hat.
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Gebet Lobgesang Gott, du bist der Schöpfer des Lebens. Durch deinen Willen und dein Wort hast du alles werden lassen, was ist – auch mich. Gott, du bist der Anfang und das Ende. Von dir komme ich und zu dir gehe ich. Gott, du bist der Grund des Lebens und die Quelle. Du gibst mir Halt und stillst mein Verlangen. Gott, du bist Ja und Nein. Du führst mich in die Weite und setzt mir doch klare Grenzen. Gott, du bist der Atem in mir. Jeder Atem ist dein Geschenk an mich. Gott, du bist der Lebensodem für alles. Mit deinem Odem bewirkst du neues Leben, schaffst du neu oder beendest die Zeit auf der Erde. Gott, du bist Liebe und Weisheit. Alles schufst du aus Liebe zum Menschen, auch zu mir. Gott, du bist im Großen und Kleinen gegenwärtig. Ich bin verschwindend klein – doch du siehst mich.
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Gott, du bist, der mich durch und durch kennt: Meinen Namen, mein Wesen – so wie ich wirklich bin. Gott, du bist Kraft und Stärke. Hier ist meine Schwachheit. Hier bin ich. sh
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Wie ein Sechser im Lotto Der Rückblick auf mein Leben lässt mich sehr dankbar werden. Geboren im Jahr 1949 in der Schweiz, gehöre ich zur privilegierten Nachkriegs-Generation. Laut eines Zeitungsberichtes gab es eine so gute Zeit, wie wir sie erleben durften, noch nie und werde es wahrscheinlich auch nicht mehr geben. Das sei wie ein Sechser im Lotto, schrieb die Journalistin! Die Wahrscheinlichkeit eines solchen Lottogewinns ist ja statistisch gesehen sehr klein. Umso mehr habe ich Grund, dankbar und froh zu sein. Es ging immer nur aufwärts für uns: Wir erhielten gute Schulbildung, Förderung auf allen möglichen Gebieten, Freiheiten, von denen frühere Generationen nur träumen konnten, und natürlich auch gute Berufschancen. Die Welt stand mir und meinen Altersgenossen offen – und diese Welt war irgendwie noch berechenbar. So fühle ich mich von Gott reich beschenkt! Ein besonderes Geschenk Gottes war für mich, dass er mir in seiner großen Liebe nachging und mich in vielen Situationen bewahrte. Er war da und hielt seine schützende Hand über – 26 –
mich, als ich als etwa zweijähriges Kind vom Fahrer des Milchwagens übersehen und überfahren wurde. Ich überlebte nur, weil das Auto relativ hoch war und ich genau zwischen die Reifen fiel, sodass ich mit wenigen Blessuren davonkam. Gott war auch da, als ich mich drei Jahre später von der Hand meiner Mutter losriss, weil ich voller Freude in die Arme meines Vaters springen wollte, der aus der Straßenbahn stieg. Dabei rannte ich direkt in ein heranfahrendes Auto. Auch diesmal überlebte ich, allerdings mit einigen Verletzungen. Gott ließ mich auch nicht los, als ich später eigene Wege ging und den Sinn des Lebens in der Esoterik suchte, aber nicht fand. Dass ich den Weg zu ihm zurückfand, damit hatte ich nie gerechnet, denn ich hatte mich sehr weit von ihm entfernt. Was für ein besonderes Geschenk und wie tröstlich ist es doch zu wissen, dass ich in dieser ver-rückten Welt (im wahrsten Sinne des Wortes) von ihm von unten gestützt und von oben gehalten bin! Gott schenkt mir täglich Mut und Kraft, um auch schwierige Situationen zu ertragen. So wurde ich vor etwa zwanzig Jahren mit der Diagnose CLE (kutaner Lupus erythematodes) konfrontiert. Das ist eine seltene Autoimmunerkrankung, bei der mein Körper Antikörper gegen körpereigene Zell- und Gewebestrukturen produziert. Bei einem gesunden Körper werden diese Antikörper zur Abwehr von Infektionen gebraucht. Es handelt sich um eine chronische Erkrankung, welche nicht heilbar ist. Als der Dermatologe, den ich konsultiert hatte, bei meinem massiven Haarausfall keine Behandlungsmöglichkeit mehr sah, meldete er mich an der Uni-Klinik an. Dort erhielt ich schließlich die Diagnose CLE. Der behandelnde Arzt erklärte mir, dass durch diese Krankheit meine Kopfhaut irrtümlicherweise zum Feind erklärt und bekämpft würde. Dadurch würden die Haarwurzeln unwiderruflich zerstört werden. Er könne mir nicht sagen, wie lange es dauern würde, bis ich keine Haare mehr – 27 –
haben werde. Es dauerte dann noch etwa fünfzehn Jahre, bis meine ehemals schönen und vollen Haare fast vollständig ausgefallen waren. Nun trage ich schon seit einiger Zeit eine Perücke. Trotzdem bin ich dankbar, dass ich „nur“ den Hautlupus habe. Mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 90 Prozent wird das auch so bleiben. Geht diese Krankheit in die innere Form (SLE) über, so werden innere Organe angegriffen, eine furchtbare Erkrankung. Dennoch war und ist es nicht so einfach, mit der Einschränkung durch die Krankheit zurechtzukommen, zudem vor vier Jahren noch ein Diabetes II diagnostiziert wurde … Doch nun kann ich auch das mit Gottes Hilfe akzeptieren und sehe sogar gewisse Vorteile: kein Färben der Haare, keine Dauerwellen und teure Frisörbesuche, und dennoch bin ich immer schnell und unkompliziert anständig frisiert! Gott schenkte mir im Laufe der Jahre eine neue Sichtweise, ein Akzeptieren dieser Krankheit, sie gehört nun einfach zu mir. Wenn ich manchmal völlig kraftlos und verzweifelt bin und keinen Schritt mehr weitergehen kann, so darf ich erleben, dass er mich trägt. Ich weiß, dass sein Lebensplan für mich gut ist, dass er mich liebt, dass ich bei ihm geborgen bin. LS
Bibelvers Jesaja 40,31 Alle, die ihre Hoffnung auf den Herrn setzen, bekommen neue Kraft. Sie sind wie Adler, denen mächtige Schwingen wachsen. Sie gehen und werden nicht müde, sie laufen und sind nicht erschöpft. – 28 –