Ellen Banks Elwell
Ein kleines Stück vom
Himmel sehen 365 Andachten für Mütter
Vorwort
A
ls meine Kinder noch klein waren, wollte ich gerne jeden Tag Zeit mit Gott verbringen – es war nur so schrecklich schwierig, das zeitlich einzurichten. Inzwischen macht es mir nicht mehr so viel aus, früh aufzustehen, aber damals war das anders. Abends kam ich auch nicht zur Ruhe, denn nachdem ich die Kinder ins Bett gebracht hatte, war ich total erschöpft. Aber zu einer bestimmten Zeit am Tag war es häufig still im Haus, und das war gleich nach dem Mittagessen. Um nicht komplett den Kopf zu verlieren, bestand ich darauf, dass meine Jungs eine Stunde lang entweder Mittagsschlaf hielten oder sich still in ihrem Zimmer beschäftigten. Manchmal, wenn aus der einen Stunde zwei wurden, konnte ich mich über einen Extrabonus freuen. Mir war jeden Tag bewusst, wie viel Ermutigung ich brauchte, wie viel Weisheit, Hoffnung und Zuversicht. Also bat ich Gott, mir zu helfen. Ich betete: Gott, wenn Du dafür sorgst, dass meine Kinder nach dem Mittagessen schlafen oder leise lesen, dann werde ich diese Zeit mit Dir verbringen. Und Gott half mir wirklich – fast jeden Tag konnte ich es mir mit einem Eistee oder einer Limonade gemütlich machen, in meiner Bibel lesen und beten. Weil ich diese Zeit mit Gott hatte, wuchs ich im Glauben. Ich bekam auch immer wieder die Kraft, die ich als Mutter mehrerer kleiner Kinder brauchte. Mittlerweile habe ich die fünfzig überschritten und mein jüngster Sohn ist schon fast mit der Schule fertig. Nun genieße ich es, jeden Morgen früh aufzustehen und Zeit mit Gott zu verbringen. Statt Eistee oder Limonade trinke ich heute Kaffee mit Vanillesirup. Und wissen Sie was? Ich merke immer noch, wie viel Ermutigung ich brauche, wie viel Weisheit, Hoffnung und Zuversicht. Aber nach so vielen Jahren, in denen Gott mir immer vertrauter geworden ist, weiß ich, dass ich mich auf ihn verlassen kann. Ich bin überzeugt, dass er mir alles geben wird, was ich brauche – und noch viel mehr. Ich freue mich, dass dieses Andachtsbuch für Mütter Sie in den nächsten Monaten begleiten wird. Es kommt nicht darauf an, wo oder wann Sie anfangen zu lesen; gehen Sie einfach nach dem Datum. Die Andachten sind wochenweise nach Themen geordnet. Egal, zu welcher Tageszeit Sie Ihre Andacht machen – ich wünsche Ihnen von Herzen, dass die Zeit, in der Sie über Gott und sein Wort nachdenken, Ihr Leben reicher macht und Sie dadurch Ihre Aufgabe als Mutter immer besser wahrnehmen können. Gott segne Sie! Ellen Banks Elwell 5
Ich w체nsche euch, dass Gottes Gnade und sein Friede euch immer mehr erf체llen. Das wird geschehen, wenn ihr Gott und unseren Herrn Jesus Christus immer besser kennen lernt. Alles, was wir brauchen, um ein Leben zu f체hren, wie es Gott gef채llt, hat uns Christus geschenkt. Denn durch ihn haben wir Gott kennengelernt, der uns in seiner Macht und Herrlichkeit zu einem neuen Leben berufen hat. 2. Petrus 1,2-3
6
1. Januar
Glaube
Alle kommenden Generationen werden ihm dienen. Eine erzählt der nächsten von Gott und von dem, was er Gutes getan hat. Die noch nicht geboren sind, werden es hören und weitersagen: Gott ist treu, auf seine Hilfe ist Verlass! Psalm 22,31-32
A
ls meine Kinder in den Kindergarten und die Grundschule gingen, las ich ihnen sehr gerne etwas vor. Ob wir zusammen in einem Schaukelstuhl saßen oder uns in einem unserer Betten zwischen die Kissen kuschelten – es war einfach herrlich, zu lesen und es dabei so gemütlich zu haben. Obwohl wir viele verschiedene Bücher lasen, nahmen wir aus Gottes Wort doch immer am meisten mit. Wir betrachteten zusammen, wie Gott sich um seine Leute kümmerte und in ihrem Leben Wunder wirkte, und so konnten wir immer besser glauben, dass er sich auch um uns kümmern würde. Das machte uns Mut. Die Geschichte des Jungen Mose faszinierte mich über lange Zeit. Der König von Ägypten hatte den hebräischen Hebammen befohlen, alle hebräischen neugeborenen Jungen umzubringen. Weil Jochebed, Moses Mutter, eine gläubige Frau war, legte sie ihn in einen Korb und versteckte diesen an einem Fluss im Schilf. Seine ältere Schwester, Miriam, sollte beobachten, was mit dem Korb passierte. Schließlich fand die Tochter des Pharao den kleinen Mose und adoptierte ihn. Gott hatte vorgesorgt: Miriam fragte die Prinzessin, ob sie eine hebräische Amme für das Kind finden sollte, und so konnte Mose von seiner eigenen Mutter gestillt und mehrere Jahre lang großgezogen werden, bis seine weitere Erziehung vom Hof des Pharao übernommen wurde. Stellen Sie sich einmal vor, wie viel Jochebed ihren Kindern Mose, Miriam und Aaron erzählt haben muss, bis Mose zum Königshof umzog. Diese Geschwister hörten immer wieder, dass Gott alles im Blick hat und sich um seine Leute kümmert. Später gebrauchte Gott sie, um das Volk Israel aus Ägypten zu führen. Genauso können auch wir den Glauben unserer Kinder stärken, indem wir ihnen immer wieder erzählen, wie gut Gott sich um uns kümmert. Was wir ihnen jetzt vermitteln, wird sie bis ins Erwachsenenalter prägen, wenn sie selbst Verantwortung zu tragen haben. Lieber Vater, du bist ein Gott, der uns sieht und für uns sorgt. Hab Dank, dass Du uns Kinder anvertraut hast, für die wir sorgen und die wir lieben. Danke auch, dass Du uns Dein Wort gegeben hast, das uns dabei helfen will. Bitte hilf uns, uns immer wieder neu bewusst zu machen, wie gut Du zu uns bist, sodass wir unseren Kindern davon erzählen können. Wir bitten dich, dass der Glaube unseren Kindern dadurch ein festes Fundament wird und auch unser eigener Glaube gestärkt wird. Amen. 7
2. Januar
Glaube
Dann wandte [ Jesus] sich an Thomas: „Lege deinen Finger auf meine durchbohrten Hände! Gib mir deine Hand und lege sie in die Wunde an meiner Seite! Zweifle nicht länger, sondern glaube!“ J o h a n n es 2 0 , 2 7
O
bwohl Thomas einer der Jünger Jesu war, fiel es ihm schwer, zu glauben, dass Jesus tatsächlich von den Toten auferstanden war. Daher rührt auch sein Spitzname „der Zweifler“. Thomas war nicht dabei, als Jesus den Jüngern zum ersten Mal nach seiner Auferstehung erschien. Als Thomas hörte, dass Jesus da gewesen sei, erklärte er, dass er es erst dann glauben würde, wenn er die Hände und die Seite Jesu berühren dürfe. Sieben Tage später traf er Jesus tatsächlich, und Jesus forderte Thomas auf, seine Wunden zu berühren. Der wunderschöne Ausruf des Thomas – „Mein Herr und mein Gott!“ – veranlasste Augustinus später zu der Bemerkung, dass Thomas gezweifelt hat, damit wir glauben können. Dass Thomas so mit Zweifeln zu kämpfen hatte, ist für uns eigentlich ermutigend. Wenn Jesus so viel Geduld mit ihm hatte und sich so auf ihn einließ, wird er das Gleiche für uns tun. Wenn wir oder unsere Kinder Zweifel haben, können diese Zweifel zu Fragen führen, die Fragen zu Antworten, und die Antworten zu einer Stärkung unseres Glaubens – dann haben sie sich gelohnt. Aber manchmal bleiben wir bei unseren Zweifeln stehen. Wir lassen uns von ihnen nicht herausfordern weiter nachzudenken, sondern wir treten auf der Stelle. Wir tun gut daran, uns in unseren Zweifeln nicht „häuslich einzurichten“. Es ist bemerkenswert, dass Jesus einige Verse weiter die Person noch mehr lobt, deren Glaube ohne Beweise auskommt: „Du glaubst, weil du mich gesehen hast. Wie glücklich können erst die sein, die nicht sehen und trotzdem glauben.“ ( Johannes 20,29) Wir haben nun Gottes Wort in Händen und besitzen das Zeugnis von Menschen wie Thomas – das darf unseren Glauben weiter anregen. Vater, hab Dank für die Geduld, die Du mit Thomas gehabt hast, und für die Geduld, die Du mit uns hast, wenn uns Zweifel kommen. Danke, dass die Erfahrung, die Thomas gemacht hat, mir in meinem Glauben helfen kann. Amen.
8
3. Januar
Essen & Trinken Nachdem wir durch den Glauben von unserer Schuld freigesprochen sind, steht nun nichts mehr zwischen uns und Gott. Wir haben Frieden mit ihm. Wem verdanken wir das? Allein Jesus Christus. Rö m er 5 , 1
I
n einem kleinen Dorf auf dem Lande brach mitten in der Nacht ein Feuer aus. Das kleine Haus, das nun lichterloh brannte, gehörte einer jungen Familie mit mehreren Kindern. Die Familie rannte aus dem Haus, aus dem inzwischen dichter Rauch quoll, und versammelte sich draußen auf dem Rasen – nur der Fünfjährige fehlte. Als der Vater zum Kinderzimmer im ersten Stock sah, stand dort der Kleine im Fensterrahmen. Er weinte und rieb sich die Augen. Der Vater wusste, dass es keinen Zweck hatte, ins Haus zurückzugehen, um seinen Sohn zu retten, und so schrie er nach oben: „Du musst springen! Ich fang dich auf!“ Der kleine Junge, der die Stimme seines Vaters hörte, vor lauter Rauch aber nichts sehen konnte, schluchzte und rief: „Aber ich kann dich gar nicht sehen!“ Der Vater rief zurück: „Aber ich kann dich sehen! Mach ruhig! Spring!“ Und das tat der Junge. Er sprang aus dem Fester und landete sicher in den Armen seines Vaters. Die Entscheidung, die dieser kleine Junge hier traf, erinnert mich an den Sprung, den wir wagen, wenn wir unser Leben ganz in Gottes Hände legen. Weil der kleine Junge sich nicht selbst helfen konnte, kam sein Vater und rettete ihn. Und weil wir uns selbst nicht helfen konnten, kam Gott und rettete uns. Er kam nicht in diese Welt, weil wir so stark und unabhängig waren – sondern weil wir schwach waren und Hilfe brauchten. In Römer 5,1-5 lesen wir, dass Jesu Tod und unser Glaube Frieden mit Gott, freien Zutritt zu ihm, Hoffnung und Zuversicht mit sich bringt. Wenn wir uns klarmachen, dass Jesus starb, um uns von unseren Sünden zu retten, wird uns unsere eigene Hilflosigkeit umso deutlicher bewusst. Wir merken, dass es eine sehr weise Entscheidung ist, in seine Arme zu springen. Und eigentlich ist es sogar mehr – es ist die einzige Art, wie wir überhaupt leben können. Vater, danke, dass Du uns immer siehst – egal, wo wird sind. Danke, dass Du Jesus auf die Erde geschickt hast, weil wir uns nicht selber helfen konnten. Bitte hilf uns, Dir ganz zu vertrauen. Amen.
9
4. Januar
Glaube
Aus seinem Reichtum wird euch Gott, dem ich gehöre, durch Jesus Christus alles geben, was ihr zum Leben braucht. P h i lipp er 4 ,19
A
ls ich kürzlich eine Kiste mit Bildern und sonstigen Kostbarkeiten aus der Schulzeit meines Sohnes Chad durchsah, fiel mir ein ganz besonderer Schatz in die Hände. Auf ein kariertes Blatt Papier hatte Chad zwei Ölkrüge gemalt, die uralt aussahen, und daneben hatte er ein kleines Gedicht geschrieben: Die Witwe war so arm, der Ölkrug war ganz leer. Doch Gott schuf neues Öl, und so floss mehr und mehr und mehr. Zu der Zeit, als Chad dieses Gedicht schrieb, war gerade der Vater von Chads Freund Brad auf tragische Weise umgekommen. Ein verärgerter Mitarbeiter war wutentbrannt auf ihn losgegangen und hatte ihn getötet. Brads Mutter stand alleine mit zwei kleinen Söhnen da. Chad entging in den nächsten Monaten und Jahren nicht, wie liebevoll Gott sich dieser kleinen Familie annahm, nachdem der Vater das nicht mehr tun konnte. Wir alle nahmen als Familie Anteil daran. Ich werde nie den Abend vergessen, an dem Brads Mutter Brenda bei uns vorbeischaute und uns ein Geschenk mitbrachte. Sie hatte kleine Ölkrüge gekauft und schenkte sie nun jeder Familie, die ihr und den Jungs in der ersten Zeit nach dem Tod ihres Mannes beigestanden hatte. Diese Krüge riefen uns die Geschichte von Elisa und der Witwe ins Gedächtnis, die im Alten Testament, im zweiten Buch der Könige (Kapitel 4,1-7) berichtet wird. Diese Witwe hatte auch zwei Kinder, die sie alleine nicht ernähren konnte. Gott benutzte – durch Elisa – die leeren Ölkrüge ihrer Nachbarn, um sie besser zu versorgen, als sie sich das selbst je hätte vorstellen können. Brenda, Bratt und Andy glaubten fest, dass Gott sich um sie kümmern würde, und – wie das bei Gott so ist – seine Fürsorge überstieg ihren Glauben sogar noch bei Weitem. Vater, danke, dass Du uns hilfst, weit über das hinauszusehen, was wir vor Augen haben. Danke, dass Du ein Gott bist, der uns sieht und für uns sorgt. Amen.
10
5. Januar
Glaube
Ihr habt Christus als euren Herrn angenommen; nun lebt auch mit ihm und tut seinen Willen. Wie ein Baum in der Erde, so sollt ihr in Christus fest verwurzelt bleiben, und nur er soll das Fundament eures Lebens sein. Haltet fest an dem Glauben, den man euch lehrte, und dankt Gott für alles, was er euch geschenkt hat. Lasst euch von keiner Ideologie oder irgendwelchem leeren Gerede einfangen. All das haben sich Menschen ausgedacht; aber hinter ihren Gedanken stehen dunkle, dämonische Mächte und nicht Christus. Ko l o s s er 2 , 6 - 8
V
on Pastor Gary Dausey stammt die folgende Geschichte: Als er ein Junge war, bat ihn sein Vater, für eine Bastelarbeit vierundsechzig gleich große Rechtecke, so etwa vier mal sechs Zentimeter groß, aus Karton auszuschneiden. Sein Vater schnitt selbst das erste Rechteck aus, und Gary sollte es als Vorlage benutzen. Also legte Gary dieses Rechteck auf den Karton, zeichnete die Linien nach und schnitt das zweite Rechteck aus. Dann nahm er das Rechteck, das er gerade ausgeschnitten hatte, legte es wieder auf den Karton und markierte das nächste Rechteck, schnitt dieses wieder aus und benutzte es als Vorlage für das nächste und so weiter, bis er vierundsechzig Rechtecke ausgeschnitten hatte. Erst als er sie sich dann genauer ansah, fiel ihm auf, dass etwas schiefgelaufen war. Das letzte Rechteck war viel größer als die Vorlage, die sein Vater ihm gegeben hatte. Warum? Weil er sich nicht am ursprünglichen Muster orientiert hatte. Später fiel Gary auf, dass dies eine gute Illustration dafür sei, dass sich unser Glaube auf das „Originalmuster“ stützen muss, wenn wir unser Leben darauf bauen wollen. Es reicht nicht aus, sich auf die Vorbilder der zweiten oder dritten Generation vor uns zu stützen. Wir müssen direkt an die Quelle. Als gläubige Mütter wollen wir natürlich, dass unsere Kinder in den Glauben hineinwachsen. Aber genauso wie unser geistliches Leben und Wachstum an unserem Glauben hängt, muss sich auch ihr Leben und Wachstum auf ihren Glauben stützen. Wir können ihnen dabei natürlich ein Stück weit helfen, indem wir ihnen Gottes Wort nahe bringen und ihnen vermitteln, was es heißt, zu glauben. Aber unsere Kinder müssen selbst Jesus kennenlernen, damit ihr Glaube in ihm und seinem Wort verwurzelt ist. Ist dies nicht der Fall, lassen sie sich zu leicht von der Wahrheit abbringen. Sie entfernen sich dann immer weiter von Gott, und das spiegelt sich auch in ihrem Verhalten wider. Wir wollen doch, dass unsere Kinder nicht einfach nur denken, dass Christus wichtig ist, sondern dass sie es selbst erleben. Lieber Vater, hab Dank, dass Dein Wort Nahrung für unsere Herzen ist. Bitte hilf uns, dass wir unsere Kinder zum Glauben führen können, indem wir ihnen Dein Wort nahe bringen. Amen. 11
6. Januar
Glaube
Das eine aber wissen wir: Wer Gott liebt, dem dient alles, aber auch wirklich alles zu seinem Heil; denn dazu hat Gott selbst ihn erwählt und berufen. Rö m er 8 , 2 8
B
ob, könntest du bitte den Truthahn mit der Brühe übergießen, die auf dem Herd steht?“, rief meine Mutter durchs Treppenhaus nach unten. „Ich bin gleich hier oben fertig.“ Es war der Morgen des Erntedankfestes, und meine Mutter hatte für unsere Familienfeier ihre köstlichsten Rezepte hervorgekramt. Als meine Mutter wenig später nach unten kam, um ihren besonderen Limetten-Birnen-Salat vorzubereiten, nahm sie den Deckel von dem kleinen Töpfchen mit Birnensaft. „Warum ist der Topf denn plötzlich leer?“, wunderte sie sich. Sie sah in dem anderen Topf nach, der noch auf dem Herd stand, und stellte fest, dass die Truthahn-Brühe noch darin war. Oh je! Meinem Vater stand Ärger ins Haus. Er hatte den Truthahn mit Birnensaft übergossen. Sie fragen sich jetzt vielleicht, ob meine Mutter meinen Vater je wieder in der Küche etwas machen ließ. Oh ja, das tat sie. Der Truthahn, den wir in jenem Jahr aßen, war der leckerste, den wir je gehabt hatten, und er sah auch großartig aus. Was als Missgeschick begonnen und zuerst zu einiger Enttäuschung geführt hatte, begründete eine neue Familientradition. Ich gieße auch jedes Jahr zu Erntedank Birnensaft über unseren Truthahn. Dabei fallen mir noch andere Erfahrungen ein, die ich im Laufe meines Lebens gemacht habe, schlimme Enttäuschungen, Verluste und großes Leid. Wenn ich mittendrin stecke, kann ich kaum etwas anderes denken als: Wie komme ich hier nur am schnellsten wieder heraus? Was kann ich nur machen, damit der Schmerz aufhört? oder Das hier kann ja nun wirklich zu nichts Gutem führen. Aber ich habe immer wieder erlebt, wie Gott genau diese schwierigen Situationen benutzt hat, um an mir zu arbeiten und mein Herz zu verändern. Ich habe so gelernt, ihm zu vertrauen. Meine Freundin Wanda drückt das so aus: „Gott macht alles zu seiner Zeit richtig. Und manchmal lässt er uns sogar schon zu unserer Zeit sehen, was er vorhat.“
„
Lieber Vater, danke für Deine Treue. Danke, dass Du so viele Mittel und Wege hast, um Deinen Plan mit uns zur Vollendung zu bringen. Es macht uns Mut zu wissen, dass Du letzten Endes alles zum Guten werden lässt. Amen.
12
7. Januar
Glaube
Kämpfe den guten Kampf des Glaubens! Erringe so das ewige Leben. Dazu hat dich Gott berufen, und das hast du vor vielen Zeugen bekannt. 1 . Ti m o t h e u s 6 , 1 2
I
mmer wieder gibt es Zeiten, in denen wir an Gott zweifeln. Dann ist es hilfreich, wenn wir uns ins Gedächtnis rufen, dass Zweifel nicht dasselbe ist wie Unglaube. Alister McGrath hat das einmal so ausgedrückt: „Unglaube ist der Entschluss, zu leben, als gäbe es Gott nicht. Es ist die bewusste Entscheidung gegen Jesus Christus und gegen alles, was er für uns getan hat. Aber Zweifel ist etwas ganz anderes. Zweifel entsteht im Zusammenhang mit Glauben. Es ist die sehnsüchtige Hoffnung, das sicher zu wissen, was wir jetzt nur glauben können.“ Es ist tröstlich zu wissen, dass Zweifel ganz natürlich zum normalen Glaubenswachstum gehören. Glauben ist nicht immer einfach. Den Kampf des Glaubens zu kämpfen bedeutet nicht nur, für den Glauben zu streiten, sondern auch gegen unseren Feind, den Teufel. Im sechsten Kapitel des ersten Briefes an Timotheus werden wir aufgefordert, drei Dinge zu tun: weglaufen, nachjagen und kämpfen. Wir sollen vor dem Stolz davonlaufen, vor der Geldliebe und falschen Lehren; wir sollen der Gerechtigkeit nachjagen, der Frömmigkeit, dem Glauben, der Liebe, Geduld und Freundlichkeit; und wir sollen für den Glauben kämpfen, gegen die Welt, das Fleisch und den Teufel. Eine Mutter mit Depressionen, deren Mann in einer Sucht gefangen ist oder deren Kind sich mit schlechten Freunden herumtreibt, schlägt sich mit einer Menge Zweifeln und Schwierigkeiten herum – dass sie mitten im Kampf steckt, merkt man sofort. Wenn Gottes Wort und Gottes Geist uns helfen zu kämpfen, „erringen“ wir „das ewige Leben“ – wir klammern uns regelrecht daran und setzen unsere Hoffnung nicht auf das, was vergeht. Wir vertrauen auf den Gott, der ewiges Leben schenkt und Hoffnung gibt. Vater, bitte gib uns die Kraft, den guten Kampf des Glaubens zu kämpfen. Danke, dass Du uns verheißen hast, immer bei uns zu sein. Bitte hilf uns, an Deinen Verheißungen festzuhalten, wenn sich in unserem Kopf oder unseren Herzen Zweifel breitmachen wollen. Amen.
13
8. Januar
Gebet
Vor lauter Verzweiflung weinte Hanna hemmungslos. Unter Tränen betete sie (...) 1 . S a m u el 1 , 1 0 - 1 1
K
ennen Sie solche Zeiten in Ihrem Leben, in denen Kummer, Bitterkeit oder Schmerz regelrecht über Ihnen zusammenbrechen? Hanna erlebte so eine Zeit. Im ersten Buch Samuel im Alten Testament (1. Sam 1,1-2,21) erfahren wir, dass Hanna mit Elkana, einem levitischen Priester, verheiratet war. Er hatte noch eine zweite Frau mit Namen Peninna. Einmal im Jahr schlossen sich seine beiden Familien zusammen und gingen nach Silo, um Gott ein Opfer zu bringen, und jedes Mal spielte sich die gleiche Szene ab. Elkana nutzte die Gelegenheit und versorgte Peninna und jedes ihrer Kinder mit Geschenken, aber Hanna bekam nur ein Geschenk, weil sie keine Kinder hatte. In der Bibel wird uns berichtet, dass Peninna Hanna wegen ihrer Unfruchtbarkeit auslachte. Hanna war so traurig, dass sie gar nicht mehr essen wollte. An einem Abend in Silo ging Hanna zum Haus Gottes hinüber. Sie schrie dem Herrn ihre ganze Bitterkeit, ihr Leid und ihren Schmerz im Gebet entgegen und wurde selbst dafür noch schief angesehen. Der Priester hielt sie für betrunken. Aber nachdem sie Gott ihr Herz ausgeschüttet hatte, geschah etwas Erstaunliches. Der Priester segnete sie und sprach ihr Frieden zu, und nachdem sie von ihm wegging, konnte Hanna wieder essen und war nicht mehr so niedergeschlagen. Danach kehrten die Familien wieder nach Hause zurück, und bald darauf wurde Hanna schwanger. Ihr wunderschönes Loblied ist in 1. Samuel 2,1-10 festgehalten. Was können wir daraus lernen? Wenn wir Kummer haben und leiden, können wir zu Gott schreien – in dem Bewusstsein, dass er Gott ist. Wir können vor ihm unser ganzes Herz ausschütten, mit aller Bitterkeit, dem Kummer und den Sorgen. Und wenn wir damit fertig sind, können wir weiterleben und Gott dafür loben und danken, dass er uns hört. Vater, danke, dass Du uns Vorbilder wie Hanna gibst, die einige der traurigen und schmerzhaften Gefühle kannten, die uns von Zeit zu Zeit überkommen. Danke, dass wir mit all unseren Gefühlen zu Dir kommen können, und dass Du uns in Deiner Gnade immer wieder die Kraft gibst, aufzustehen und weiterzugehen. Und hab Dank für die vielen Antworten, die Du uns auf unsere Gebete schon gegeben hast. Amen.
14
9. Januar
Gebet
Deshalb hören wir auch nicht auf, für euch zu beten, dass ihr so lebt, wie man es von Menschen erwarten kann, die Gott zu Großem berufen hat. Wir bitten ihn, dass es nicht bei eurem guten Willen bleibt, sondern dass ihr diesen Willen auch in die Tat umsetzt. Alles, was ihr im Glauben begonnen habt, sollt ihr durch Gottes Kraft auch vollenden. 2 . T h es s a l o n i c h er 1 , 1 1
E
ben bin ich ins Schlafzimmer meines Sohnes Nate geschlichen und habe die Bettdecke über ihm zurechtgezogen – über den ganzen 187 Zentimetern, die er inzwischen groß ist. Er ist heute von einem Missionseinsatz in Bukarest zurückgekommen. Es ist so gut, dass er wieder hier ist – auch wenn er schläft. Er war mehrere Wochen weg und wir konnten glücklicherweise in der Zeit den Kontakt per E-Mail halten. Noch dankbarer war ich aber, dass ich zu jeder Tages- und manchmal auch Nachtzeit, wenn ich plötzlich wach wurde, für ihn beten konnte. Wenn Briefe oder E-Mails zwischen Nate und mir hin- und hergehen, erfahre ich, was in seinem Leben gerade passiert. Aber wenn ich für ihn bete, öffnet sich hinter all dem noch eine weitere Dimension. Ich spreche mit dem, der Nate und mich geschaffen hat, der sein und mein Leben in der Hand hält. Gott ist überall gleichzeitig und weiß alles, er weiß, wie wichtig mir Nate ist, und er hört meine Gebete immer und überall. Ob unsere Kinder gerade zu Hause sind, die Straße hinunter bei Freunden oder am anderen Ende der Welt, wir können uns ihretwegen immer an Gott wenden. Wir können ganz sicher sein, dass Gott sie sieht, bis in ihre Gedanken und Wünsche hinein. Mark Twain hat einmal gesagt: „Ich kenne kein einziges Produkt, das nicht in Amerika hergestellt wurde, das steuerfrei in dieses Land eingeführt wird – außer der Antwort auf ein Gebet.“ Im Gegensatz zu Ferngesprächen sind Gebete kostenlos. Wir müssen nicht im Internet nach der billigsten Vorwahlnummer oder den günstigsten Zeiten Ausschau halten – wir können jederzeit mit ihm reden. Vater, es ist gut zu wissen, dass Du immer da bist und nie schläfst. Danke, dass wir für unsere Kinder immer und überall beten können. Danke, dass Du sie siehst, wo sie auch sind, und auf sie achtest. Amen.
15
10. Januar
Gebet
Steh jede Nacht auf, flehe zu Gott um Hilfe, und schütte ihm dein Herz aus! Heb deine Hände zu ihm empor, und bitte für das Leben deiner Kinder (...) K l ag eli ed er 2,19 a
P
farrer Dennis Eenigenburg hat einmal erzählt, wie er als Schuljunge mit einem Brief der Lehrerin nach Hause kam. Sie fand es bedenklich, dass Dennis ihr ständig Widerworte gab. Seine Mutter machte sich auch Sorgen wegen seines Verhaltens in der Schule und war enttäuscht, dass Dennis so gar keine Fortschritte zu machen schien. Diesmal stand sie eine Weile lang da und sah ihn mit Tränen in den Augen an. Dann nahm sie ihn bei der Hand und führte ihn in ihr Zimmer. Dennis erwartete eine Tracht Prügel, aber was er stattdessen erlebte, wirkte viel nachhaltiger. Seine Mutter forderte ihn auf, sich neben sie zu knien, und dann betete sie. Sie bat Gott, ihr Weisheit zu geben, damit sie ihren Sohn richtig erziehen konnte. Sie weinte beim Beten. Dennis war sehr bewegt, als er das sah. Wenn sein Verhalten seiner Mutter so wichtig war, dachte er, sollte er sich wirklich mehr anstrengen. Später wurde ihm klar, dass keine einzige Tracht Prügel so viel Wirkung gezeigt hatte wie das Erlebnis, neben seiner Mutter zu knien und ihr Gebet mit anzuhören. Wir Mütter sind vermutlich alle gelegentlich frustriert und enttäuscht, weil unsere Kinder, unsere Männer oder auch wir selbst einfach nicht weiterzukommen scheinen. Der Vers oben kann uns genau in diesen Situationen eine Hilfe sein. Er greift den Schmerz der Juden auf, als sie ihre Stadt in Trümmern liegen sahen. Obwohl die meisten von uns nicht wirklich nachvollziehen können, wie es ist, einen Krieg zu verlieren, empfinden wir doch oft genug Schmerz – über ein aufmüpfiges Kind, einen Mann, um den wir uns Sorgen machen, oder einen Bereich in unserem Leben, in dem wir auf der Stelle treten. Wenn wir Gott in diesen Situationen das Herz ausschütten, ist das das Beste, was wir tun können. Lieber Vater, hilf uns, unseren Schmerz so zuzulassen wie Jeremia, und hilf uns, dann auch immer wieder daran zu denken, dass Du größer bist als alles Leid: „Die Güte des Herrn hat kein Ende, sein Erbarmen hört niemals auf, es ist jeden Morgen neu! Groß ist Deine Treue, o Herr!“ (Klagelieder 3,22-23) Amen.
16
11. Januar
Gebet
Der Herr ist mein Licht, er rettet mich. Vor wem sollte ich mich noch fürchten? Bei ihm bin ich geborgen wie in einer Burg.Vor wem sollte ich noch zittern und zagen? P s a l m 2 7 ,1
E
inmal machten wir als Familie Urlaub in den Rocky Mountains. Wir verbrachten eine abenteuerliche Woche inmitten der atemberaubenden Collegian Peaks, von denen jeder einzelne mehr als 4000 Meter hoch ist. Sie ragten gleich hinter unserer Hütte empor. Als unser Urlaub schon halb vorbei war, beschlossen wir, einen Jeep mit Allradantrieb zu leihen, um das Hinterland zu erkunden. Wir fuhren also auf einen besonders felsigen Berg hinauf, bis weit über die Waldgrenze, und dann hielten wir an und bestaunten das großartige Panorama. Sie können sich vielleicht vorstellen, wie bestürzt wir waren, als wir wieder losfahren wollten und der Wagen einfach nicht ansprang. Nicht nur das – die Batterie wurde immer schwächer. Die nächste Stadt lag fast zehn Kilometer entfernt und war zu allem Unglück eine Geisterstadt, in der schon seit einem Jahrhundert niemand mehr wohnte. Wir hatten nur wenig zu essen und zu trinken dabei, und es wurde bereits dunkel. David, der Autor des 27. Psalms, konnte auf eine ganze Reihe schwieriger Erfahrungen zurückblicken. Weil ihn König Saul voller Eifersucht jagte und umzubringen versuchte, verbrachte David viele Jahre auf der Flucht. Er lebte auf Bergen und in Höhlen und musste sich darauf konzentrieren, seinem Feind immer einen Schritt voraus zu sein. Manchmal kommt uns das Leben ähnlich unberechenbar und gefährlich vor. Aber David erinnert uns daran, dass der Herr unser Licht und unsere Rettung ist – warum sollten wir uns also fürchten? Uns gilt Gottes Zusage, dass er immer für uns da ist – bei Tag und bei Nacht. Der Herr wird uns alles geben, was wir brauchen, egal, wie sehr wir uns sorgen und wie gefährlich uns die Situation vorkommt. Als wir damals oben auf dem Berg festsaßen, fassten wir einander an den Händen, riefen uns wieder in Erinnerung, dass Gott treu ist, und baten den Herrn, uns zu helfen. Wir beteten, dass er uns sicher nach unten bringen würde. Dann beschlossen wir, es noch ein einziges Mal zu probieren. Sie können sich bestimmt unsere Erleichterung vorstellen, als das Auto ansprang. Allmächtiger Herr, danke, dass Du immer bei uns bist – egal, wo wir sind. Danke, dass Du für uns einstehst und uns beschützt. Amen.
17
12. Januar
Gebet
Darum sollt ihr einander eure Sünden bekennen und füreinander beten, damit ihr geheilt werdet. Denn das Gebet eines Menschen, der unbeirrbar glaubt, hat große Kraft. Ja ko b u s 5 , 1 6
W
ie oft im Laufe eines Tages stehe ich vor einer Situation, in der ich eigentlich beten sollte? Sehr oft. Und wie viel Zeit verbringe ich täglich tatsächlich mit Gebet? Vermutlich nicht genug. Gerade gehen mir verschiedene schwierige Situationen durch den Kopf, die meiner Familie, Verwandten oder Freunden zu schaffen machen, und eigentlich muss ich im Lauf eines gewöhnlichen Tages sogar ziemlich oft an all diese Dinge denken. Gibt es irgendwelche Hinweise in Gottes Wort, wie wir mit all diesen Sorgen umgehen können? Ist es nicht interessant, dass der oben genannte Vers mit einem Aufruf zum Schuldbekenntnis beginnt? Sünde macht einsam. Der Mensch, der selbst sündigt, beginnt sich um sich selbst zu drehen. Andere Menschen, an denen er schuldig geworden ist, reagieren oft falsch, indem sie seine Sünde leugnen oder ihn immer wieder vor den Konsequenzen seiner Schuld bewahren. Wenn wir einander unsere Sünden bekennen, werden diese Schranken zwischen Menschen beseitigt. Wir können von vorne beginnen und uns um Gott drehen, anstatt um uns selbst. Es gibt ein paar praktische Ratschläge, wie wir für besondere Nöte beten können: • • • • •
Gründen Sie Ihr Gebet auf Bibelverse (vgl. Psalm 25,8; 86,11; 119,37; 1. Thessalonicher 5,23-24; Hebräer 13,20-21). Beten Sie regelmäßig zu bestimmten Tageszeiten – zum Beispiel wenn die Kinder einen Mittagsschlaf halten oder wenn Sie das Essen vorbereiten. Kleben Sie Zettel an den Badezimmerspiegel oder über die Spüle, die Sie immer wieder an bestimmte Gebetsanliegen erinnern. Nutzen Sie die Zeit, wenn Sie alleine im Auto unterwegs sind, um zu beten. Vergessen Sie nicht: Es ist gut, sich für bestimmte Dinge verantwortlich zu fühlen und alles Mögliche zu unternehmen, damit Schwierigkeiten beseitigt werden. Aber vergessen Sie nie, wie mächtig und wirkungsvoll das Gebet sein kann.
Vater, danke, dass Du uns in Deinem Wort immer wieder daran erinnerst, dass unsere Gebete wirklich etwas bewirken. Danke für die Menschen, die für uns beten. Hilf uns auch, für unsere Familie und unsere Freunde im Gebet einzustehen. Amen.
18