GARY CHAPMAN • PAUL WHITE
1. Motivation durch Wertschätzung – Das Konzept ...................
2. Für Führungskräfte in der Wirtschaft: Anerkennung und Wertschätzung führen zu hohen
3. Wertschätzung
5. Die zweite Sprache der Wertschätzung: Sich Zeit nehmen . 69
6. Die dritte Sprache der Wertschätzung: Hilfsbereitschaft ..... 84
7. Die vierte Sprache der Wertschätzung: Geschenke................ 96
8. Die fünfte Sprache der Wertschätzung: Körperkontakt......
Teil 3 – Anwendung im Alltag.........................................................
9. Entdecken Sie die Sprache der Wertschätzung, die für Sie am wichtigsten ist: Der MdW-Fragebogen .................... 120
10. Die Sprache der Wertschätzung, die Ihnen am wenigsten bedeutet: Ihr potenzieller blinder Fleck ............ 129
11. Der Unterschied zwischen Anerkennung und Wertschätzung ..................................................................... 140
12. Wie drückt man Mitarbeitenden Wertschätzung aus, die im Homeoffice, mobil oder hybrid arbeiten ................. 149
13. »Reagiert jede Generation gleich auf Zeichen der Wertschätzung?« und andere häufig gestellte Fragen ....... 175
14. Motivation durch Wertschätzung in unterschiedlichen Branchen ....................................................................................... 188
15. Besondere Aspekte der ehrenamtlichen Arbeit .................... 201
Teil 4 – Hindernisse überwinden...................................................
16. Kann sich die bevorzugte Sprache der Wertschätzung eines Menschen im Lauf der Zeit ändern? ........................... 216
17. Motivation durch Wertschätzung: Hindernisse überwinden .......................................................... 229
18. Authentische Wertschätzung: Was man tun kann, wenn man seine Teammitglieder nicht schätzt ...................
Dr. Gary Chapman hat Anthropologie studiert und war viele Jahre in der Paarberatung tätig. Er ist der Autor zahlreicher Bücher und als Experte für Beziehungsfragen international bekannt. Mit seinem New York Times-Bestseller Die 5 Sprachen der Liebe, der in über 30 Sprachen übersetzt wurde, hat er einen neuen Schlüssel zur Kommunikation gefunden und ein Millionenpublikum erreicht. Zusammen mit seiner Frau Karolyn lebt er in North Carolina.
Dr. Paul White ist Psychologe, Redner und Berater für Führungskräfte. Sein Ziel ist es, »Arbeitsbeziehungen zum Laufen zu bringen«. Daher liegt sein beruflicher Schwerpunkt auf der Entwicklung praktischer, leicht umsetzbarer Ressourcen, die Führungskräfte und Organisationen beim Aufbau einer gesunden Arbeitsplatzkultur unterstützen. Er hat als Berater unter anderem mit multinationalen Unternehmen, Regierungsbehörden, medizinischen Einrichtungen, Schulen, Familienbetrieben und gemeinnützigen Organisationen zusammengearbeitet.
Vorwort
2009 begannen wir gemeinsam zu erforschen, wie das Konzept der 5 Sprachen der Liebe auf Arbeitsbeziehungen übertragen und damit im beruflichen Kontext angewendet werden könnte. Das Konzept der 5 Sprachen der Wertschätzung entstand und wir entwickelten den Fragebogen »Motivation durch Wertschätzung« (kurz MdW, siehe Anhang).
Seit Die 5 Sprachen der Mitarbeitermotivation 2011 erstmals erschien, ist die Resonanz ungebrochen groß. Allein im englischsprachigen Raum wurden über 575.000 Exemplare des Buches verkauft und über 375.000 Personen haben unseren Fragebogen ausgefüllt, um die Sprachen der Wertschätzung zu ermitteln, die ihnen am wichtigsten, am zweitwichtigsten und am unwichtigsten sind.
Unser Buch wurde in fünfundzwanzig Sprachen übersetzt und unsere Materialien wurden in mindestens sechzig Ländern eingesetzt. Rund um den Globus sind über 1.250 zertifizierte Trainer mit unserem Workshop Wertschätzung am Arbeitsplatz im Einsatz. Und das Interesse ist ungebrochen: Jahr für Jahr wollen
mehr Führungskräfte und Mitarbeitende in aller Welt lernen, wie sie ihren Teammitgliedern effektiv ihre Wertschätzung vermitteln können.
Das Konzept der Wertschätzung ist nach wie vor von größter Relevanz für die Entwicklung eines positiven Arbeitsumfelds. Doch die Arbeitswelt verändert sich permanent und wir haben in den letzten Jahren viel darüber gelernt, wie man Wertschätzung in einem breiten Spektrum von Arbeitsumgebungen authentisch und effektiv vermitteln kann.
Daher möchten wir in dieser aktualisierten und erweiterten Neuauflage von Die 5 Sprachen der Mitarbeitermotivation:
h die neuesten Forschungsergebnisse zum Thema Wertschätzung präsentieren;
h wichtige Erkenntnisse aus der Zusammenarbeit mit Tausenden Angestellten in den letzten Jahren weitergeben; h Beispiele aus einer Vielzahl von Branchen anführen; h auf neue Herausforderungen eingehen wie beispielsweise die Motivation von Mitarbeitenden, die im Homeoffice, komplett mobil oder hybrid arbeiten.
Wir sind zuversichtlich, dass diese aktualisierte Version sowohl für diejenigen eine wertvolle Ressource darstellt, die frühere Versionen gelesen haben, als auch für diejenigen, die sich erstmals mit unserem Konzept vertraut machen. Die Wertschätzung von Mitarbeitenden ist extrem wichtig und ein entscheidender Faktor, wenn es darum geht, Beziehungen am Arbeitsplatz gesünder und positiver zu gestalten.
Dr. Paul White
Dr. Gary Chapman
Einführung
Der wichtigste Einflussfaktor auf die Zufriedenheit im Beruf ist nicht die Bezahlung, sondern die Anerkennung und Wertschätzung, die die Betreffenden am Arbeitsplatz erfahren.
Fühlen Sie sich von den Menschen, mit denen Sie zusammenarbeiten, anerkannt und wertgeschätzt? Wenn ja, gehen Sie vermutlich jeden Tag gern zur Arbeit. Wenn nicht, arbeiten Sie vielleicht nur, damit etwas zu essen auf den Tisch kommt. Jeder von uns erwartet, dass er für seine Arbeit bezahlt wird, abgesehen von ehrenamtlich Arbeitenden. Die meisten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter würden auch gern noch mehr verdienen. Doch der wichtigste Einflussfaktor auf die Zufriedenheit im Beruf ist nicht die Bezahlung, sondern die Anerkennung und Wertschätzung, die die Betreffenden am Arbeitsplatz erfahren. Laut einer Studie der Sloan School of Business am Massachusetts Institute of Technology führt das Gefühl, nicht wertgeschätzt zu werden, dreimal häufiger zur Kündigung eines Mitarbeitenden als die Aussicht auf ein höheres Gehalt.1
Dass Wertschätzung extrem wichtig ist, gilt durch die Bank weg für alle Mitarbeitenden, angefangen vom Vorstandsmitglied bis hin zur Haushaltshilfe. Irgendetwas tief in der menschlichen Psyche schreit nach Anerkennung und Wertschätzung. Wenn dieses Bedürfnis nicht gestillt wird, sinkt die Zufriedenheit im Beruf.
Lesen Sie doch einmal die folgenden drei Stellungnahmen von Personen, die in ganz unterschiedlichen Bereichen arbeiten – das Bedürfnis nach Anerkennung ist ihnen allen gemeinsam. »Ich würde nicht gehen, wenn ich wüsste, dass sie meine Arbeit anerkennen«, meinte Dave. Der Dreißigjährige war Assistent des Finanzchefs einer Immobilienfirma. Er hatte etwa fünfzehn Monate dort gearbeitet und war zunächst begeistert gewesen, weil ihm die Stelle Möglichkeiten zur beruflichen und persönlichen Weiterentwicklung geboten hatte. Doch mit der Zeit war er immer desillusionierter geworden.
Dave teilte uns mit, dass er seine Stelle in der Buchhaltung gekündigt hatte und in eine andere Firma gehen würde. »Mir geht es überhaupt nicht ums Geld. Es ist nur so: Ganz egal, was ich mache – wie lange ich arbeite oder was ich erreiche –, ich höre niemals etwas Positives. Wenn ich einen Fehler mache, bekomme ich sofort eine Rückmeldung, aber wenn ich meinen Job gut mache, herrscht einfach Schweigen.«
Bei einer Sitzung, die wir mit den Mitarbeitenden eines erfolgreichen Fabrikbetriebes abhielten, platzte Cindy heraus: »Endlich!«
»Bitte?«, fragte einer ihrer Kollegen nach.
Wir hatten jedem einzelnen Teammitglied gerade die Ergebnisse seines MdW-Fragebogens mitgeteilt und sie lasen sich nun die Beurteilung durch, bevor wir die Ergebnisse in der
Gruppe diskutierten. Bei Cindy zeigte sich, dass die wichtigste Sprache der Wertschätzung für sie Hilfsbereitschaft war. Das heißt, sie schöpfte dann neuen Mut, wenn ihre Kolleginnen und Kollegen ihr zur Seite sprangen und bei der Arbeit halfen, vor allem wenn gerade besonders viel zu tun war.
Cindy war die Chefsekretärin eines Familienbetriebes, der von einem waschechten Patriarchen geführt wurde. Über zwanzig Jahre hatte sie für ihn gearbeitet und kannte ihn besser als sonst irgendjemanden. Obwohl Mr Stevens, inzwischen schon über siebzig Jahre alt, nur noch in Teilzeit arbeitete, hatte Cindy trotzdem alle Hände voll zu tun – sie plante seine vielen Reisen, kümmerte sich um seine persönlichen Angelegenheiten und brachte ihn auf den neuesten Stand, was die Firma betraf.
In ihrer MdW-Selbsteinschätzung schrieb Cindy, dass die Mitarbeitenden der Firma und ihr Vorgesetzter ihr am besten Wertschätzung und Anerkennung zeigen könnten, indem sie ihr unter die Arme griffen, wenn es besonders viel zu tun gab. Sie sagte: »Wenn Mr Stevens auch nur den kleinen Finger krumm machen würde, um mir bei meiner Arbeit zu helfen, würde ich vor Schreck einen Herzinfarkt bekommen und sterben.« Das war natürlich nur ein Scherz, aber er zeugte von ihrer Verbitterung.
Wir und auch ihre Kolleginnen und Kollegen wussten, dass Cindy sich entschieden hatte, die Zeit bis zu ihrer Pensionierung einfach abzusitzen. Sie verdiente sehr gut (angeblich sogar besser als jede andere Sekretärin in der Stadt) und es dauerte nicht mehr allzu lange, bis sie in Rente gehen konnte. Und obwohl sie zu den unzufriedensten Angestellten gehörte und eine Menge Wut im Bauch hatte, würde sie nicht so bald kündigen – sehr zum Leidwesen der anderen im Unternehmen Beschäftigten.
»Ich arbeite hier so gerne!«, rief Elena aus. »Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich für irgendjemanden lieber arbeiten würde als für Dr. Jones«, fuhr sie mit einem Lächeln fort. »Verstehen Sie mich nicht falsch. Dr. Jones ist anspruchsvoll. Sie erwartet von je-
dem, dass er seine Arbeit gut macht. Wir arbeiten hart, behandeln jeden Tag viele Patienten und jeder trägt persönlich Verantwortung dafür, dass wir unsere Arbeit erledigen, und zwar so, dass unsere Patienten dabei optimal versorgt werden.«
Wir hatten auch schon von anderer Seite gehört, dass die Augenärztin Dr. Jones sehr hart arbeitete, effizient war und ihren Patientinnen und Patienten eine ausgezeichnete Behandlung bot. Und wir hatten gehört, dass die Sprechstundenhilfen schon Schlange standen, um bei ihr arbeiten zu dürfen.
»Warum arbeiten Sie denn hier so gern?«, fragte ich (Paul).
»Weil sie uns gut behandelt. Obwohl wir unglaublich viel zu tun haben und sehr schnell arbeiten müssen, lässt sie sich immer etwas einfallen, um uns zu zeigen, dass wir ihr am Herzen liegen.«
Das machte mich neugierig. »Tatsächlich? Was denn zum Beispiel? Wie zeigt sie Ihnen und den anderen Mitarbeitenden, dass Sie ihr am Herzen liegen?«
»Also, zum einen gibt es einmal pro Woche ein Mitarbeitertreffen, bei dem wir darüber reden, was in der Praxis gerade anliegt – was gut funktioniert und wo es Probleme gibt. Und wir reden darüber, wie wir das eine oder andere besser machen könnten.
Einmal pro Monat bestellt sie für uns Mittagessen und lässt es in die Praxis liefern (dafür nehmen wir uns eine halbe Stunde mehr Zeit als sonst). Manchmal erzählt sie dann von den neuesten Forschungsergebnissen oder neuen Behandlungstechniken in unserem Bereich. Und in der Weihnachtszeit gibt uns Dr. Jones einen Tag bezahlten Urlaub und einen Geschenkgutschein über einhundert Dollar, den wir in der Einkaufspassage einlösen können. Aber am wichtigsten ist für uns ihre positive und ermu-
»Ich würde niemals zu einer anderen Firma wechseln, ganz egal, wie viel Geld man mir dort bieten würde.«
tigende Art. Sie sagt uns häufig, dass wir gute Arbeit leisten – als Einzelne und als Team. Ich würde niemals zu einer anderen Firma wechseln, ganz egal, wie viel Geld man mir dort bieten würde.«
Die 5 Sprachen der Liebe am Arbeitsplatz
Diese drei Geschichten aus dem wirklichen Leben zeigen, welche Auswirkungen es haben kann, wenn Menschen am Arbeitsplatz das Gefühl haben, anerkannt und wertgeschätzt zu werden oder eben auch nicht. Sie schildern keine Einzelfälle, sondern man findet sie überall. Sie wiederholen sich immer wieder an ganz unterschiedlichen Arbeitsplätzen. Tatsache ist: Was einem bestimmten Menschen das Gefühl vermittelt, anerkannt und wertgeschätzt zu werden, muss bei einem anderen Menschen nicht unbedingt genauso wirken. Daher erweist sich der Versuch, Anerkennung und Wertschätzung zu zeigen, häufig als ineffektiv – und das sogar in Firmen, wo eigentlich Wert darauf gelegt wird.
Tatsache ist: Was einem bestimmten Menschen das Gefühl vermittelt, anerkannt und wertgeschätzt zu werden, muss bei einem anderen Menschen nicht unbedingt genauso wirken.
Weil Die 5 Sprachen der Liebe schon Millionen von Beziehungen positiv beeinflusst haben und Lob, Anerkennung und Ermutigung am Arbeitsplatz von entscheidender Bedeutung sind, haben wir dieses Prinzip auf Beziehungen am Arbeitsplatz übertragen. Die Ziele dieses Buches sind:
h Wir möchten Sie über das Konzept informieren, das hinter den Sprachen der Wertschätzung steht, und zwar so, dass wir ganz praktisch beschreiben, worum es sich dabei handelt und wie diese Sprachen im Berufsalltag konkret aussehen.
h Wir möchten Ihnen helfen, die Sprachen zu identifizieren, die Ihnen am wichtigsten, am zweitwichtigsten und am unwichtigsten sind (und zwar anhand des Fragebogens »Motivation durch Wertschätzung«).
h Wir möchten Ihnen zeigen, dass die Sprachen der Wertschätzung eingesetzt werden können, um in ganz unterschiedlichen Situationen Beziehungen am Arbeitsplatz zu verbessern.
h Wir möchten Ihnen Werkzeuge an die Hand geben, mit denen Sie diese Prinzipien im Alltag umsetzen können.
Als Erstes sehen wir uns an, wie wir am Arbeitsplatz Wertschätzung und Anerkennung zum Ausdruck bringen können und warum das wichtig ist, um dort gute Beziehungen aufzubauen und zu pflegen.