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Kapitel 1 Dreihundert Jahre trennten Theophile „Ted“ Breaux IV und die Flüchtlinge, die sich in diesem Teil des Bayou angesiedelt hatten. Vor gut hundert Jahren hatte sein Urgroßvater das Haus gebaut, vor dem er jetzt stand. Und trotz unzähliger Veränderungen blieb vieles doch gleich. Auch nach dem Tod seiner Mutter und obwohl Pop jetzt nach seiner Pensionierung seinen Traum verwirklichte, durch die Welt reiste und Kirchen baute, war dieses Stück Land für ihn sein Zuhause und würde es vermutlich immer sein. Auf der gegenüberliegenden Seite des Weges stand das Gebäude, das Großvaters Vater, der erste Theophile Breaux, aus dem Material des ursprünglichen Breaux-Hauses zu einem Schulhaus umgebaut hatte. Erst im vergangenen Jahr hatte der Staat es offiziell zu einer historischen Stätte erklärt. Zum Glück stand es jetzt unter Denkmalschutz, ganz anders als viele andere Gebäude der Stadt, in der seine Familie seit vielen Generationen lebte. „So viel Geschichte.“ Während Ted mit der Hand über die Bohlen strich, die aus den Zypressen auf dem Grundstück geschnitten waren, schüttelte er den Kopf. Wie viele Menschen hatten hier bereits gestanden, hatten dieses Geländer berührt, wie Ted es jetzt tat. Sein Architektenauge sagte ihm, dass das Haus die guten und schlechten Tage nicht gleich gut überstanden hatte. Das Gute schien immer das zu sein, was in Erinnerung blieb; das Schlechte ließ das Gute, wenn es kam, noch besser erscheinen. Seine Vorfahren hatten das Land gegen alle Widrigkeiten verteidigt und allen Stürmen getrotzt. Und jetzt könnte durch einen Hammerschlag des Richters geschehen, was kein Hurrikan vermocht hatte. Aber das würde Ted natürlich zu verhindern wissen.

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