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1 „Du hast es geschafft, Schatz!“ Jonica Granger wurde von ihrer Mutter etwas zu stĂŒrmisch umarmt und ihr Absolventenbarett fiel zu Boden. „NatĂŒrlich hat sie es geschafft, Laura. Hast du jemals daran gezweifelt?“ John Granger beugte sich nach unten und hob das Barett seiner Tochter wieder auf, bevor jemand aus Versehen darauftrat. Er setzte es wieder auf die Locken seiner Tochter. Johns braune Augen funkelten, als er sie stolz betrachtete. „Unser MĂ€dchen hat doch bisher immer ihr Ziel erreicht.“ Sein breites Grinsen zeigte, wie stolz er auch darauf war, dass Jonica sich immer wieder neue Ziele setzte und zielstrebig versuchte, diese zu erreichen. „Ein Master in Betriebswirtschaft!“ Jetzt umarmte auch er seine Tochter und fuhr dann fast ehrfurchtsvoll mit der Hand ĂŒber die braune Ledermappe, in der Jonicas Zeugnis und Urkunde steckten. Wie sehr sie ihre Familie doch liebte. In den letzten Jahren, die sie von zu Hause entfernt verbracht hatte, war ihr aufgefallen, dass ihre Eltern langsam Ă€lter wurden. Grau zog sich durch das braune Haar ihres Vaters und um die Augen ihrer Mutter waren nun permanent ihre LachfĂ€ltchen zu erkennen. Aber sie waren immer noch ein beeindruckendes Paar. Niemals in ihrem Leben hatte Jonica an der Liebe der beiden zueinander oder zu ihr gezweifelt. WĂ€hrend ihre Eltern immer noch ihre Leistungen bestaunten, nagten Zweifel an Jonica. Habe ich den grĂ¶ĂŸten Fehler meines Lebens gemacht? Sie sah sich auf dem voll gedrĂ€ngten Hof des UnigelĂ€ndes um und fragte sich, ob einer ihrer Kommilitonen die gleiche Verunsicherung spĂŒrte. Zuerst war es fĂŒr sie nur ein Spiel gewesen, sich immer neue Ziele zu setzen – den Buchstabierwettbewerb in der fĂŒnften Klasse zu 5


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