Hansjörg Bräumer ICH BIN GETAUFT
Hansjörg Bräumer
Ich bin getauft
Über den Autor: Dr. Bräumer ist seit 42 Jahren verheiratet, hat 3 Kinder, 3 Schwiegerkinder, 7 Enkelkinder und 8 Patenkinder. Er studierte Theologie in Neuendettelsau, Hamburg, Heidelberg und zuletzt Göttingen, wo er an der Theol. Fakultät promovierte. Bis 2004 war er Vorsteher der Lobetalarbeit e.V. in Celle. Er ist Autor zahlreicher Bücher zu Themen der Seelsorge und hat Kommentare zu Genesis, Exodus, Hiob und 2. Chronik geschrieben.
Bibliografische Information Der Deutschen Bibliothek Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar.
ISBN 978-3-86122-971-1 Alle Rechte vorbehalten © 2007 by Verlag der Francke-Buchhandlung GmbH 35037 Marburg an der Lahn Umschlaggestaltung: Christian Heinritz Foto: Privat Satz: Verlag der Francke-Buchhandlung GmbH Druck: Koninklijke Wöhrmann, Niederlande www.francke-buch.de
Inhaltsverzeichnis
Zum Geleit ............................................................ 7 Vorwort .................................................................. 9 Einleitung ............................................................ 12 I. Die Taufe – eine biblische Betrachtung für Angefochtene................................................. 15 Taufe im Alten Testament und im Judentum ..... 16 Die Taufe des Johannes ........................................ 25 Die christliche Taufe ............................................ 31 Taufpraxis und Taufnot ........................................ 62 Ein Leib und eine Taufe ...................................... 92 II. Thesen zur Taufe ........................................... 97 Die Glaubenstaufe Erwachsener .......................... 98 Die Glaubenstaufe von Kindern ........................ 105 III. Die Einmaligkeit der Taufe und die Frage nach der Wiedertaufe ......................... 115 IV. Das Taufgedächtnis und die Konfirmation . 119 V. Beispiele ........................................................ 123 Die Glaubenstaufe Erwachsener ........................ 124 Die Glaubenstaufe von Kindern ........................ 136 Der Irrweg der Wiedertaufe .............................. 149 Das Taufgedächtnis und die Konfirmation ....... 155
VI. Impulse zur Taufverkündigung .................. 167 Die Darstellung Jesu im Tempel ....................... 168 Der zwölfjährige Jesus im Tempel ..................... 174 Taufe und Wiedergeburt ................................... 186 Taufe und Bekehrung ........................................ 194 Taufe und Heiligung ......................................... 201 Anmerkungen .................................................... 209 Literatur in Auswahl .......................................... 218
Zum Geleit In manchen Gemeinden löst das Thema „Taufe“ heftige Diskussionen aus: Soll man kleine Kinder taufen? Ist es nicht sinnvoller, sie lediglich zu segnen, damit sie sich später selber entscheiden und ihre Taufe bewusst erleben können? Welche Form der Taufe ist die richtige: Untertauchen oder Besprengen? Viele Christen sind im Blick auf ihre Taufe angefochten und verunsichert. Bei vielen Diskussionen über die Taufe kommt an den Tag: Die Taufe ist nicht das Problem, sondern sie zeigt das Problem: Unklarheit im eigenen Glauben, diffuse Vorstellungen über das biblische Zeugnis, Irritationen in der Gemeinde. Doch Gott hat uns die Taufe nicht als Problembündel gegeben, sondern als Geschenk und damit als Anlass zur Freude und als geistliche Chance. Wir haben es bei der Taufe nicht mit einem „heißen“ Eisen zu tun, das man tunlichst nicht anfassen sollte, sondern mit einer Gottesgabe. Deshalb brauchen wir hier ein neues Wertebewusstsein. Dazu verhilft das Buch von Dr. Hansjörg Bräumer, dem ausgewiesenen Theologen und langjährigen Leiter der Lobetalarbeit in Celle. In seinem Buch führt er ebenso sachkundig wie verständlich in die biblischen Aussagen ein. Zugleich vermittelt er praktische Impulse für die Taufverkündigung und für die Durchführung von Taufen in der Gemeinde. 7
Zum Geleit
Es ist mein Wunsch und mein Gebet, dass durch dieses Buch die Freude an der eigenen Taufe und damit die Freude des Glaubens an Jesus Christus gest채rkt wird. Kassel, im Mai 2007 Dr. Christoph Morgner Pr채ses des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes
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Vorwort Das vorliegende Buch zur Taufe ist den jüngsten unserer sechs Enkelkinder gewidmet: Annalena Sophie Engelking geboren am 4. April 2000 getauft am 16. Juli 2000 und Loni Cara Wittstock geboren am 26. Oktober 2004 getauft am 25. Juni 2005. Zur Taufe wählten jeweils die Eltern der Kinder die Worte des lebendigen Gottes. Bei Annalena: „Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir“ (Jes 41,10). Bei Loni: „Siehe, ich sende einen Engel vor dir her, der dich behüte auf dem Wege und dich bringe an den Ort, den ich bestimmt habe“ (2Mo 23,20). Der Taufspruch ist jeweils am Rand auf ihrem Taufteller eingraviert. Die Teller wurden im Töpferhof Mühlendyck nach einem Entwurf von Wim Mühlendyck gefertigt. Die Blume symbolisiert die Unruhe des aufwachsenden Lebens. Der Engel, der Bote des in der Taufe 9
Vorwort
handelnden Herrn und Heiland Jesus Christus, hält seine Segenshände über die Blume, die den Täufling darstellt. Solange der Täufling unter den Segenshänden bleibt, gleicht er einer blühenden, aufgerichteten Pflanze. Der Heilige Geist, dargestellt durch die kleine Taube, kann ohne, vor oder nach der Taufe empfangen werden. Es hängt alles davon ab, soll der Getaufte einmal in der Ewigkeit bei Jesus sein, dass er das an ihm Geschehene persönlich annimmt und in der Nachfolge Jesu lebt. „Was du erfahren hast, ehe du es recht erfassen konntest, das muss innerlich erlebt werden.“ H. Bezzel Eine Hilfe auf diesem Weg sind die Taufkerze und die Gottesdienste zur Tauferinnerung. Bei Lonis Taufe hatte der Täufer, Pastor Carsten Bräumer, alle Cousinen und Cousins von Loni eingeladen, ihre Taufkerze mitzubringen. Es war eine große Schar von Kindern. Jede Taufkerze wurde an der Osterkerze entzündet zur Erinnerung an die eigene Taufe. Annalena bringt ihre Taufkerze zu jedem Gottesdienst zur Tauferinnerung mit. Ihr Vater, Pastor Stefan Engelking, lädt regelmäßig seine Gemeindeglieder in Eisbergen zu solchen Gottesdiensten ein, um die einmal Getauften an Jesu Handeln in ihrer Taufe zu erinnern. 10
Vorwort
Meine Frau und ich wünschen Annalena und Loni, aber auch jedem, der dieses Taufbuch liest, eine persönliche Begegnung mit Jesus, auf dessen Namen wir getauft sind. Wietzendorf, im Oktober 2006 Dr. Hansjörg Bräumer
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Einleitung Unter dem Titel „Taufe – eine biblische Betrachtung für Angefochtene“ verlegte Friedrich Hänssler 1987 meine erste Version der vorliegenden Schrift zur Taufe. Das kleine Buch war bald vergriffen und wurde trotz bleibender Nachfrage nicht wieder aufgelegt. Auf Anregung von Dr. Christoph Morgner, dem Präses des Gnadauer Verbandes, veröffentlicht der Verlag der Francke-Buchhandlung unter dem Dach des Deutschen Gemeinschafts-Diakonie-Verbandes die vorliegende Neubearbeitung. Beiden gilt mein herzlicher Dank. Anlass zu der Veröffentlichung 1987 war ein in der Gemeinde „Zum Guten Hirten“ des Lobetalarbeit e.V. in Celle entbrannter Taufstreit. Die verschiedenartigen Begründungen der Erwachsenen-, Glaubens- oder Wiedertaufe führten zu Taufunsicherheit. Taufnot trat an die Stelle des Trostes der Taufe. Unter dem Titel „Eine biblische Betrachtung für Angefochtene“ war es das Ziel des Taufbuches, eine Brücke zu schlagen, und zwar durch das Aufzeigen des Hintergrunds der unterschiedlichen Stellen und Berichte zur Taufe im Neuen Testament. Die Betrachtung war gedacht als Taufunterweisung, als Grundlage für Gespräche mit dem Ziel, den Andersdenkenden, den Andersglaubenden zu achten und besser zu verstehen. 12
Einleitung
Die Fragestellungen bzgl. der unterschiedlichen Beurteilungen der verschiedenen Stellen über die Taufe im Neuen Testament und die sich zum Teil widersprechenden Meinungen in der Kenntnis und Lehre haben sich nicht geändert. Aus diesem Grund ist auch der erste Teil des vorliegenden Taufbuches bis auf wenige Korrekturen unverändert. Meine über dreißigjährige Praxis zunächst als Vikar und dann als Gemeindepfarrer in der Gemeinde „Zum Guten Hirten“ in Lobetal sowie die zahlreichen Vortragsreisen und Seminare im In- und Ausland führten zu immer neuem Nachdenken und Arbeiten über das Geheimnis der Taufe. Dafür danke ich an erster Stelle allen Lobetalern. Das Ergebnis der immer neuen Beschäftigung mit der Taufe sind die Thesen im zweiten Teil des vorliegenden Buches. Diese Thesen sind jeweils verbunden mit Literatur- und Quellenhinweisen. Jedem, der weiter über die Fragen, die mit der Taufe zusammenhängen, arbeiten will, ist zu empfehlen, sich zuerst mit den Thesen zu befassen. Eine dritte Möglichkeit ist, als Erstes die Beispiele aus der Praxis zu lesen. Für einen weiteren Leserkreis können auch die Impulse zur Taufverkündigung ein Einstieg sein. Mein Wunsch und meine Empfehlung für die Beschäftigung mit dem Geheimnis der Taufe ist das Sich-ins-Bewusstsein-Rufen des eigenen „Vorverständnisses“. „Vorverständnis“ ist das Verständnis, das ich als Bibelleser mitbringe, bevor ich die Bibel aufschlage. Es ist das „dem Wort Gottes vorgelagerte Verständnis“ (H. J. Kraus). Als Bibelleser 13
Einleitung
und Glied einer Gemeinde weiß ich schon so viel über die Taufe, dass mein Wissen dem unmittelbaren Hören des Wortes im Wege steht. Der Christ in der Freikirche bezieht alle Stellen im Neuen Testament auf die Erwachsenentaufe. Der lutherische Christ hat das Wort Luthers im Ohr, das dieser zu verschiedenen Zeiten immer wieder mit Kreide auf sein Pult schrieb: „Ich bin getauft“, d. h. ich berufe mich auf Jesu vorausgehendes Handeln. Jesus ist für mich gestorben und auferstanden, bevor ich handeln und glauben konnte. Sich seines Vorverständnisses bewusst zu werden heißt: Ich gebe die Texte der Bibel zurück in die erste Situation. Ich frage: Wie war das damals, als sie zum ersten Mal gesprochen und niedergeschrieben wurden, und welche Bedeutung haben sie dann für mich? Die vorliegende Arbeit über die Taufe lädt Sie ein, sich mit den biblischen Texten zu beschäftigten. Sie will keinen neuen Streit oder Gezänk anzetteln. Sie möchte vielmehr zum Tauffrieden unter den Konfessionen und Kirchen beitragen.
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I. Die Taufe – eine biblische Betrachtung für Angefochtene Die christliche Taufe ist etwas völlig anderes und völlig Neues im Vergleich zu den Taufen im Alten Testament und im Judentum. Vieles jedoch ist nur für den verständlich, der die Vorgeschichte der christlichen Taufe nicht außer Acht lässt.
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Taufe im Alten Testament und im Judentum „Der Reine soll den Unreinen am dritten und siebten Tag besprengen und ihn so am siebten Tag entsündigen. Alsdann soll der Betreffende seine Kleider waschen und ein Tauchbad nehmen (sich selbst taufen), dann wird er am Abend wieder rein sein.“ 4. Mose 19,19 Die Welt des Alten Testaments war bis in das alltägliche Geschehen hinein in zwei Sphären gespalten, in rein und unrein. Der Unreine durfte sich Gott erst nähern, wenn er mit Hilfe einer Reinigungshandlung wieder gottesdienstwürdig ist. Die Reinigung erreichte der Glaubende des Alten Bundes durch ein Taufbad oder durch das Besprengtwerden. Für die messianische Zeit weissagt Hesekiel die Besprengung mit Wasser. Tauchbäder der Reinigung „Der Hohepriester muss die heiligen Kleider anlegen ..., nachdem er ein Tauchbad genommen hat.“ 3. Mose 16,4
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Taufe im Alten Testament und im Judentum
Die Reinheitsbestimmungen galten im Alten Testament zuerst den Priestern. Der Hohepriester musste am Versöhnungstag, gleichgültig, ob er sich einer Verunreinigung bewusst war oder nicht, vor seiner Amtshandlung ein Tauchbad nehmen (vgl. 3Mo 16,4). Nach einer späteren Anweisung hatte der Hohepriester am Versöhnungstag fünf Tauchbäder zu vollziehen. Zehnmal musste er sich Hände und Füße waschen. War ein Glaubender des Alten Testaments unrein geworden, so musste er ein Tauchbad nehmen. Unrein konnte er werden durch Krankheit (vgl. 3Mo 14,2), durch geschlechtliche Verunreinigung (vgl. 3Mo 15) oder durch die Berührung mit Leichen (vgl. 4Mo 19,11 f ). Im Tauchbad wurde die Reinheit wiederhergestellt. Das Tauchbad gehörte zu den regelmäßigen religiösen Pflichten des alttestamentlich Glaubenden. Unzählige Male unterzog sich der Gesetzestreue eines Tauchbades. In nachalttestamentlicher Zeit bauten zwei Hauptrichtungen des Judentums, die Pharisäer und die Gruppe aus Qumran, das System der Tauchbäder weiter aus. Bei den Pharisäern wurden Waschungen üblich vor dem Betreten des Tempels, nach dem ehelichen Verkehr, vor allem aber während des Aufenthalts in heidnischer Umwelt. Judith badete sich, solange sie sich im heidnischen Lager aufhielt, jeden Morgen an einer Quelle außerhalb des Lagers, bevor sie ihr Gebet sprach (vgl. Jdt 12,6-8). Die Frommen, die sich aus dem ganzen Land in die Wüste Judas zurückzogen, um in der Gegend 17
Taufe – eine biblische Betrachtung für Angefochtene
des Toten Meeres in Chirbet Qumran ihr frommes Leben zu führen, praktizierten das Tauchbad täglich. Vor jeder Mahlzeit tauchten sie in großen Wasserbecken ihren ganzen Körper unter. Die Reinigungstaufe hatte bei den Pharisäern und in der Gemeinschaft von Qumran eine Schlüsselfunktion. Wenn ein Heide zum Judentum übertreten wollte, musste er sich taufen lassen. Das Gleiche galt für einen Juden, der beabsichtigte, Mitglied der Gemeinschaft von Qumran zu werden. Von einem Heiden, der Jude werden wollte, verlangten die Juden ursprünglich drei Dinge: die Beschneidung, ein Opfer und das Tauchbad, die sogenannte Proselytentaufe. „Proselyt“ ist ein griechisches Wort und heißt „der Hinzukömmling“. Das Proselytenopfer fiel nach der Zerstörung des Tempels weg; auf die Beschneidung konnte nach Aussagen der Schüler Rabbi Hillels (Hillel lebte von 30 v. Chr. bis 10 n. Chr.) verzichtet werden. Zurück blieb nur das Tauchbad, d.h. die Proselytentaufe. Die Anfänge der Proselytentaufe reichen in die vorchristliche Zeit zurück.1 Einzelheiten über den Ablauf der Proselytentaufe wurden aber erst im 2. Jahrhundert n. Chr. niedergeschrieben. Der sich zum Übertritt ins Judentum meldende „Heide“ wurde auf den Ernst seines Schrittes aufmerksam gemacht. Zwei Gelehrte, die ihm die Gebote auslegten, begleiteten ihn zum Tauchbad. Noch einmal während des Tauchbades, wenn das Wasser schon die untere Hälfte des Körpers bedeckte, fragten sie ihn, ob er bereit sei, die Pflichten des Juden kom18
Taufe im Alten Testament und im Judentum
promisslos zu erfüllen. Wenn sein Entschluss noch immer feststand, ließ man ihn untertauchen. In dem Augenblick, da er dem Tauchbad entstieg, galt er in jeder Hinsicht als Jude. Die Missionierung von Heiden war zur Zeit Jesu ein Hauptanliegen der Pharisäer. Ihnen zugewandt spricht Jesus: „Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler! Denn ihr durchreist Land und Meer, um einen einzigen Judengenossen (griech. einen Proselyten) zu gewinnen; und wenn er es geworden ist, macht ihr ihn zu einem Kind der Hölle, das doppelt so schlimm ist, wie ihr selbst seid“ (Mt 23,15). In der Gemeinschaft von Qumran gab es ein besonderes Reinigungsbad für den, der in die Gruppe der Frommen aufgenommen werden wollte. Er wurde mit Reinigungswasser besprengt und heiligte sich selbst durch ein Taufbad. Das Besondere an allen Tauchbädern der Gemeinschaft von Qumran war, dass diese die Waschungen mit Umkehr und Vergebung der Sünden in Verbindung brachten. Für die Leute von Qumran waren die Tauchbäder nur dann wirksam, wenn ihnen die durch den Geist vermittelte Umkehr vorausgegangen war. In der Gemeinderegel von Qumran heißt es: „Unrein wird er sein, solange er die Satzungen Gottes verwirft, bis er sich in Zucht nehmen lässt in der Gemeinde seines Heilrates. Denn im Geist des Ratschlusses der göttlichen Wahrheit werden die Wege eines Menschen versühnt ..., und im Geist der Rechtschaffenheit und Demut wird seine Sünde versühnt werden, und durch die Demut seiner Seele allen Gesetzen Gottes gegenüber wird er 19
Taufe – eine biblische Betrachtung für Angefochtene
auch sein Fleisch reinigen, dass man es besprenge mit Wasser der Tilgung und er sich heilige im Wasser seiner Zerknirschung“ (1Qu 3,5-9). In der Gemeinschaft von Qumran gab es im Blick auf die Tauchbäder eine strenge und feste Ordnung. An erster Stelle standen die Buße und die Versöhnung durch den Geist. Dann folgten die Besprengung und das Tauchbad im „Wasser der Zerknirschung“! Der alttestamentliche und jüdische Fachausdruck für das Eintauchen in das Wasser der Reinigung, „untertauchen“ (hebr. tabal, griech. bápto oder baptízo), beschreibt im Alten Testament das Eintauchen eines Bissens in Wein (vgl. Rt 2,14), der Füße in den Fluss (vg. Jos 3,15), das Tauchen des Fingers in Blut (vgl. 3Mo 4,6+17) und das Eintauchen verunreinigter Gefäße ins Wasser (vgl. 3Mo 11,32). Im alttestamentlichen Reinigungsbad tauchte sich der unrein Gewordene selbst unter, so dass das Wasser mindestens einmal über seinen ganzen Körper hinwegging. Der durch Aussatz unreine Naeman tauchte sich auf Weisung des Propheten Elisa siebenmal unter (vgl. 2Kön 5,14). Im Neuen Testament wird der Begriff „untertauchen“ (griech. bápto oder baptízo) nur noch an wenigen Stellen in seiner ursprünglichen Bedeutung von „eintauchen“ gebraucht. In der Erzählung vom reichen Mann und vom armen Lazarus ruft der Reiche in seiner Verzweiflung: „Vater Abraham, erbarme dich mein, sende Lazarus, damit er seine Fingerspitze ins Wasser eintauche und mir die Zunge kühle“ (Lk 16,24). 20
Taufe im Alten Testament und im Judentum
Beim Abendmahl mit seinen Jüngern kennzeichnet Jesus den Verräter mit den Worten: „Der ist es, dem ich den Bissen in die Schüssel eintauchen und reichen werde“ (Joh 13,26). Das sonst mit „taufen“ übersetzte Wort kann im Neuen Testament noch so viel bedeuten wie färben, in Farbe tauchen: Der Reiter auf dem weißen Ross mit dem Namen „Treu und Wahrhaftigkeit“ war bekleidet „mit einem in Blut getauchten Gewand, und sein Name lautete das Wort Gottes“ (Offb 19,13). Später wird das Wort „tauchen“, „eintauchen“ zum Fachausdruck für die christliche Taufe. Der Begriff Tauchbad oder Taufe (griech. baptismós, báptisma) ist außerhalb des Alten Testamentes nicht belegt. Die Christen beschreiben ihre Taufe mit dem ursprünglichen Fachausdruck für das alttestamentliche Reinigungsbad. Das Besprengen mit Wasser „Ich will reines Wasser über euch sprengen, damit ihr rein werdet: Von all euren Befleckungen und von all eurem Götzendienst will ich euch reinigen. Und ich will euch ein neues Herz verleihen und euch einen neuen Geist eingeben.“ Hesekiel 36,25+26 Der Prophet Hesekiel verheißt für die messianische Zeit eine Reinigung durch das Besprengen mit Wasser. Das vom Propheten gewählte Wort „besprengen“ (hebr. zaraq) wird im Alten Testament 25-mal 21