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Mike Breen & Walt Kallestadt LEIDENSCHAFTLICH GLAUBEN – JÜNGERSCHAFT VERTIEFEN


Mike Breen & Walt Kallestadt

Leidenschaftlich glauben – Jßngerschaft vertiefen

8 Impulse zum geistlichen Wachstum


Über die Autoren: Mike Breen, Leiter der St. Thomas Church in Sheffield (England), lehrt am Fuller Seminary (Kalifornien) und betreut insbesondere Gemeindegründer. Walt Kallestad ist Pastor an der Church of Joy in Glendale (Arizona), Buchautor und Vortragsreisender in Sachen Leiterschaft und Gemeindewachstum.

Bibliografische Information Der Deutschen Bibliothek Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar.

ISBN 978-3-86122-964-3 Alle Rechte vorbehalten Originaltitel: A Passionate Life © 2005 by Mike Breen and Walt Kallestad Published by Cook Communications Ministries, 4050 Lee Vance View, Colorado Springs, Colorado 80918 USA © der deutschsprachigen Ausgabe: 2007 by Verlag der Francke-Buchhandlung GmbH 35037 Marburg an der Lahn Übersetzt von Ingo Rothkirch Bearbeitet von Katja Bluthardt Umschlaggestaltung: Verlag der Francke-Buchhandlung GmbH Satz: Verlag der Francke-Buchhandlung GmbH Druck: Koninklijke Wöhrmann, Niederlande www.francke-buch.de

Inhaltsverzeichnis

Vorwort ............................................................................................. 7

Einleitung: Ein neuer Anfang – War das schon alles? ......................... 9

1. Die LebensSchule ........................................................................15

2. LebensRhythmus ........................................................................35

3. Die LebensDimensionen ............................................................. 53

4. LebensBeispiel.............................................................................76

5. LebensAufgabe ............................................................................98

6. Das LebensGebet ..................................................................... 121

7. Die LebensMerkmale ............................................................... 138

8. Die LebensMission ................................................................... 159


Einfach genial!

Vorwort

Ich bin so dankbar, dass das Buch von Mike Breen und Walt Kallestadt jetzt auch in deutscher Übersetzung vorliegt. Als mir vor einiger Zeit das englische Original in die Hände fiel, konnte ich es kaum wieder niederlegen. Ich verschlang es in einem Rutsch – und nahm es danach immer wieder in die Hand. Das ist einfach genial! – dachte ich. Und zwar beides: Einfach und genial. Große Wahrheiten sind meistens im Kern ganz einfach. Und man fragt sich, warum man nicht selbst darauf gekommen ist. So ging es mir auch mit diesem Buch. Na klar! Ja, das stimmt! Das ist einleuchtend! So und ähnlich klang es in meinem Kopf, als ich Seite um Seite las und verdaute. Die Grundstrukturen, in denen sich geistliches Leben entfalten kann, sind einfach. Mike Breen und Walt Kallestadt schaffen es, uns grundlegende Wahrheiten anschaulich, praktisch und gleichzeitig tief und geistlich zuverlässig nahezubringen. Dabei erweisen sie sich als Schüler unseres Meisters. Jesus selbst hat die großen Wahrheiten des Reiches Gottes in Beispielgeschichten gepackt, die mitten aus dem Leben gegriffen waren. Der Bauer, der Saatgut auf seinem Feld aussät. Der Kaufmann, der immer weiter nach kostbaren Perlen sucht. Die Frau, die ihre Münze, einen Teil ihrer Mitgift, verloren hat und sucht, bis sie sie findet. Der Hirte, der nicht ruht, bis er auch das letzte Schaf sicher in den Schafstall zurückgebracht hat. Der Sohn, der aus dem Elternhaus ausbricht und schließlich scheitert. Ganz einfache Geschichten, die gerade darum so unvergleichlich genial sind. Und die uns deutlich machen, worum es Jesus im Tiefsten geht. In dieser guten, einfach genialen Tradition ist das, was die Autoren uns hier weitergeben. Beide schreiben aus einer jahrzehntelangen Erfahrung als Verkündiger und Gemeindeleiter: Mike Breen, der ehemalige Hauptpastor der unierten anglikanisch-baptistischen Gemeinde St. Thomas

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Leidenschaftlich glauben – Jüngerschaft vertiefen

Crooks in Sheffield in Nordengland, und geistliche Leiter des daraus entstandenen Netzwerks „The Order of Mission“ – und Walt Kallestadt, der Gründer und Hauptpastor der lutherischen Gemeinde „Community of Joy“ in Phoenix im US-amerikanischen Staat Arizona. Dass sich zwei Männer mit solchem Erfahrungsschatz zu einer engen Zusammenarbeit entschließen, ist schon etwas Besonderes. Das vorliegende Buch ist ein greifbares Ergebnis dieser Zusammenarbeit. Man merkt ihnen beim Lesen die Erfahrung an. Erfahrung in der lebenspraktischen Verkündigung des Evangeliums. Erfahrung in der Leitung großer Gemeinden. Erfahrung in der seelsorgerlichen Begleitung von Menschen. Was sie in Jahren der Verantwortung gelernt haben, packen sie in Formen, die einfacher und anschaulicher nicht sein könnten. „Lifeshapes“ – so heißen diese Grundstrukturen im Original. „Lebensfiguren“, „Grundmuster geistlichen Lebens“, so oder ähnlich könnte man diesen eingängigen Begriff übersetzen. Und dabei geht es um nichts anderes, als was der deutsche Titel ausdrückt: Leidenschaftliches Vertrauen auf Gott und die daraus folgende Vertiefung unserer Jüngerschaft. Menschen zur leidenschaftlichen Nachfolge von Jesus anzuleiten und sie zu einem vertieften Vertrauen zu ermutigen, das ist es, was Mike Breen und Walt Kallestadt wollen. Und es gelingt ihnen auch. Das finde ich einfach genial. Dieses Buch ist ein Muss für alle, die Verantwortung in Gemeinden tragen. Deshalb wünsche ich ihm eine ganz weite Verbreitung. Ich jedenfalls werde es immer wieder lesen. Denn nicht nur in der geistlichen Geometrie muss ich mich als mathematischer Stümper immer wieder neu üben. Dr. Roland Werner Leiter des Christus-Treff Netzwerks und Vorsitzender des Christival

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Einleitung: Ein neuer Anfang – War das schon alles?

Wir arbeiten tagaus, tagein, sorgen dafür, dass die Kinder etwas zu essen haben, gehen zum Gottesdienst, gehen zur Chorprobe, schauen die Nachrichten, gehen einkaufen und stopfen die Waschmaschine voll. Ehe man sich’s versieht, sind Jahre ins Land gegangen, und man fragt sich, was aus dem eigenen Leben geworden ist.

Ist das das Leben, von dem ich träumte? Ist das das Leben, nach dem ich mich sehnte? Habe ich erreicht, was ich wollte? Bin ich Jesus so gefolgt, wie ich das vorhatte? Verbringe ich so viel Zeit mit ihm, wie geplant?

In Matthäus 11,28-29 sagt Jesus: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken ... lernt von mir ... so werdet ihr Ruhe finden!“ Wenn wir den Spuren Jesu folgen, wird sich Erstaunliches ereignen. Wir werden zur Ruhe kommen und zufrieden sein, wenn Jesus unser Leben gestalten darf.

Jesus – der Radikale

Ja, Jesus war radikal. Er passte so gar nicht in das Bild, das sich das Judentum vom Messias – dem Retter – gemacht hatte. Er unterstützte weder die etablierten Frommen noch zeigte er Interesse daran, in die damalige Tagespolitik einzugreifen. Seit seinem zwölften Lebensjahr lebte Jesus radikal anders, denn er wagte es, im Sinne seines himmlischen Vaters zu sprechen und die altklugen Rabbis im Tempel zu belehren (Lukas 2,46-49). Auf seine revolutionäre Art sprach Jesus von einem Reich, in dem Gott

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Leidenschaftlich glauben – Jüngerschaft vertiefen

als König regiert. Das Kreuz, an dem er starb, war genauso real wie das Grab, das er leer hinterließ. Es handelte sich hier nicht um eine letzte Verzweiflungstat Gottes. Vielmehr hatte Gott von langer Hand geplant, sein Reich auf dieser Erde zu errichten. Kreuz und Auferstehung Das Reich haben einen Kurswechsel der GeGottes ist keine schichte herbeigeführt. Das Reich ferne FantasieGottes ist keine ferne Fantasie-Welt. Welt. Es ist kein Hirngespinst, keine Traumwelt, nach der wir uns vergeblich sehnen. Wir dürfen jetzt schon Bürger dieses Reiches werden! Gottes Reich ist Realität und wir sind schon mittendrin! Gott ist nicht der ferne Herrscher, der ab und zu mal Botschaften durch seine Diener schicken lässt, weil ihn wichtigere Staatsgeschäfte davon abhalten, selbst zu kommen. Der Herrscher dieser Welt ist zu uns gekommen, der König lebt gleich nebenan. Er kommt vorbei und lädt uns zu einem Spaziergang ein, bietet Nachbarschaftshilfe an und setzt sich an unseren Tisch, um mit uns zu essen. So nahe ist sein Reich. Er lädt uns ein mit ihm zu leben und wenn wir diese Einladung annehmen, verspricht er uns ewiges Leben. Jesus lädt uns ein, in diesem Reich mit ihm als unserem Ratgeber zu leben – das ist Jüngerschaft, darum geht es, wenn wir Jesus nachfolgen wollen. Jesu Jünger zu sein heißt im Kern nichts anderes, als mit dem Meister Zeit zu verbringen, mit ihm unterwegs zu sein, zu arbeiten, zu essen, auszuruhen. Nichts kann uns mehr erfüllen. Es geht hierbei nicht um Verhaltensregeln und Vorschriften. Niemand fragt, wie häufig Sie im Gottesdienst waren oder wie viele Verse am Tag Ihr Lesepensum in der Bibel umfasst oder gar, wie viel von Ihrem Einkommen die Gemeinde erhält. Gott meint durchaus, dass das alles gut für uns sei, aber aus einer anderen Motivation heraus, als die Pharisäer immer dachten. Gott möchte unsere Herzen für sich gewinnen. Jüngerschaft ist keine Teilzeitbeschäftigung. Sie verlangt vielmehr unseren ganzen Einsatz. Und so manches Mal werden wir gegen den Strom der Zeit schwimmen müssen, um an Jesus dranzubleiben. Jesus möchte uns nicht halb, sondern ganz.

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Einleitung

Und so wollen wir Sie einladen, uns zu begleiten in ein reiches, erfülltes Leben als Jünger Jesu in seinem Reich. Wir haben keine magischen Formeln oder ein Zehn-Schritte-Programm anzubieten. Alles, worüber wir sprechen, können Sie in Ihrer Bibel nachlesen. Wir werden uns anschauen, was Jesus vor zweitausend Jahren getan hat, um seine Jünger zu unterweisen. Diese Ideen werden wir aufnehmen und Vorschläge machen, wie diese heute umsetzbar sind. „Komm, folge mir nach“, ist die Einladung an Petrus und Andreas in Matthäus 4. Diese Einladung spricht Jesus auch an Sie:

„Komm, folge mir nach!“

Sag’s mir nicht – zeig’s mir lieber

Als Jesus durch Galiläa wanderte, bediente er sich der gesprochenen Sprache, um seine Schüler zu unterweisen. Die Worte Jesu wurden von den Jüngern mündlich an die nächste Generation weitergegeben, die sie dann wiederum an andere weitergab. Schließlich schrieben die Evangelisten, darunter auch direkte Jünger Jesu, ein paar Jahre später alles auf. Damit konnte man die Worte beliebig oft großen Versammlungen vorlesen. Der Apostel Paulus und die anderen Verfasser der neutestamentlichen Schriften hielten fest, was ihr Herz im Innersten bewegte, und diese Botschaften wanderten – häufig in Form von Briefen – von Gemeinde zu Gemeinde. Dort wurden die Texte laut verlesen, ja, sie wurden häufig sogar auswendig gelernt. Heute lernen wir kaum noch Texte auswendig. Der technologische Fortschritt erfolgte auf Kosten unserer Fähigkeit, große Informationsmengen im Gedächtnis zu speichern und wieder abzurufen. Erst über Symbole und andere graphische Zeichen gelingt es uns wieder, unser Gedächtnis zu fordern und Informationen zu speichern. In unserer zunehmend visualisierten Gesellschaft erkennen schon kleine Kinder Markenlogos lange bevor sie die Buchstaben, die den Namen bilden, entziffern können. Der gelbe Doppelbogen am Straßenrand verheißt: Pommes mit Ketchup und Majo.

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Leidenschaftlich glauben – Jüngerschaft vertiefen

Was erkennen Sie, wenn Sie diese Grafik betrachten?

Richtig! Eine Kirche. Und woran denken Sie dabei spontan? Gottesdienst, Orgelmusik, einen Pfarrer? Ist es nicht erstaunlich, was einem alles spontan einfällt, wenn man ein paar Striche aneinandersetzt? Wenn wir also durch Visualisierung Ideen besser verstehen, dann können wir uns das an dieser Stelle zunutze machen, um unser Leben zu verändern. Dieses Buch konzenSag’s mir nicht – triert sich auf acht Grundprinzipizeig’s mir lieber en, die Jesus seinen Jüngern gab. Jedes dieser Prinzipien veranschaulichen wir mit einer geometrischen Figur, die uns als Erinnerungsstütze dienen soll. Die Figuren stellen also Eselsbrücken dar, die uns dabei helfen, die Grundprinzipien zu verstehen und in den Fußspuren Jesu zu gehen.

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Einleitung

Hier bereits eine kleine Vorstellung der einzelnen Figuren – aber keine Angst, wir widmen im Folgenden jeder Figur ein eigenes Kapitel – der Überblick dient also nur als Appetizer.

Der Kreis: Die LebensSchule. Jesus begann sein Wirken, indem er dazu aufrief, umzukehren und zu glauben (Markus 1,15). Der Kreis nimmt Sie mit von dem Prozess der Umkehr bis hin zu einem aktiven Glaubensleben.

Der Halbkreis: Der LebensRhythmus. Jeder Tag, jede Woche, jeder Monat und jedes Jahr, in dem Jesus gewirkt hat, ist von Zeiten der Arbeit und der Ruhe geprägt. Er ruft uns dazu auf, den gleichen Rhythmus zwischen Frucht bringen und Verweilen, Arbeiten und Ruhen in unserem Leben umzusetzen (Johannes 15,1-4).

Das Dreieck: Die LebensDimensionen. Jesus gelang es, die richtige Balance in seinen Beziehungen zu finden. Er lebte in drei Dimensionen: Nach OBEN ausgerichtet auf seinen Vater, nach INNEN, indem er sein Leben mit seinen Jüngern teilte, und nach AUSSEN im Bezug zur ganzen Welt. Auch wir können ausgeglichen leben, wenn wir Jesu Beispiel folgen, wie wir es in Matthäus 9,35-38 und Lukas 6,12-19 kennenlernen.

Das Quadrat: Das LebensBeispiel. Jesus war der größte Leiter aller Zeiten. Da wir in Beziehungsgeflechten leben, in denen wir mindestens einer Person als Vorbild dienen, ist jeder von uns ein Leiter. Anhand des Beispiels, welches Jesus uns gegeben hat, arbeiten wir vier Prinzipien der Leiterschaft heraus (Markus 1,16-20; Lukas 12,32-34; Johannes 15,14-15; Matthäus 28,18-20).

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Leidenschaftlich glauben – Jüngerschaft vertiefen

Das Fünfeck: Die LebensAufgabe. Epheser 4,11-13 beschreibt fünf verschiedene Aufgaben in der Gemeinde, von denen Sie mindestens eine erfüllen können.

Das Sechseck: Das LebensGebet. In Matthäus 6,9-13 lehrte Jesus uns das perfekte Gebet. Lernen Sie die sechs Sätze neu kennen, die Jesus betete, und deren revolutionäre Bedeutung für Ihr persönliches GebetsLeben.

Das Siebeneck: Die LebensMerkmale. Das biologische wie auch das geistliche Leben hat sieben grundlegende Merkmale. Werden Sie sich der Merkmale bewusst, und Sie werden geistlich und körperlich erquickt (1. Petrus 2,4-5).

Das Achteck: Die LebensMission. Evangelisation kann einem schon Angst einjagen, aber Jesus fordert uns dazu auf, nach einem „Mensch des Friedens“ Ausschau zu halten (Lukas 10,5-6). In diesem Buch zeigen wir eine Art der Jüngerschaft auf, die vielleicht ein wenig Stirnrunzeln hervorrufen wird. Aber auch Jesus hatte keine Angst davor, Aufsehen zu erregen; er gab nicht viel auf anerkannte Moralvorstellungen. Einzig und allein interessierte ihn, ob Menschen ihre Herzen ehrlich zu Gott wandten. Wenn wir also in die Spuren Jesu treten, erfahren wir, was wahre Jüngerschaft ist. Dies kann uns nicht kalt lassen, sondern wird unser Leben durch ganz neue Erfahrungen verändern – hin zu einem Leben voller Leidenschaft.

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1. Die LebensSchule

Wir machen in unserem Leben unzählige Erfahrungen – manche davon empfinden wir als wunderbar, auf manche möchten wir lieber verzichten, jene erscheinen uns gut, andere eher schlecht. Einige dieser Erfahrungen haben unser Leben verändert, etliche haben wir rasch vergessen. Erfahrungen bieten die Chance zu einem deutlichen Wachstum und einer enormen Entwicklung der Persönlichkeit. Unzählige Pädagogen vertreten die Ansicht, dass wir einzig aus Erfahrung lernen. Kann man das wirklich so vereinfachen? Lernen wir nicht erst dann aus Erfahrungen, wenn wir uns dazu entscheiden? Wenn wir über wichtige Weichenstellungen in unserem Leben nachdenken, entdecken wir, dass am Anfang ein Ereignis stand, das uns zum Anhalten oder Innehalten motivierte. Das Ereignis löste etwas aus, wir mussten reagieren und haben meist daraus gelernt, wenn wir dazu bereit waren. Um wirklich an unseren Erfahrungen zu reifen, müssen wir bewusst leben und solche Momente entdecken, aus denen wir lernen können und wollen. Für die einen besteht das Leben aus lauter Zufällen und kleinen Ereignissen, jeder Tag hat 1.440 Minuten, 86.400 Sekunden. Für die anderen gleicht das Leben einer Wanderung, auf der sie von Gott begleitet werden. Wenn Sie zu den Letztgenannten gehören, dann lesen Sie weiter. Das Leben ist nämlich eine abenteuerliche Reise und Jesus ist unser Reiseführer. Lassen Sie sich von ihm zeigen, wie sich Ihr Leben in der Nachfolge verändert.

Zeit der Entscheidung

Leben an sich ist immer eine Herausforderung. Jeden Tag werden wir mit 1.440 überraschenden Augenblicken konfrontiert, und viele davon entziehen sich unserer Kontrolle – niemals aber seiner Kontrolle. Die Summe all dieser mehr oder weniger kurzen, überraschenden Momente macht unser Leben aus und bestimmt, ob wir das Gefühl haben, es sei sinnerfüllt oder unglaublich leer.

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Leidenschaftlich glauben – Jüngerschaft vertiefen

Als Freund und Nachfolger Jesu wünschen wir uns nichts sehnlicher als ein Leben, das zählt, das einen Sinn hat und eine Bedeutung jenseits all dessen, was uns die Welt bietet. Wir wissen, dass einzig und allein ein Leben mit Blick auf das Reich Gottes einen ewigen Wert darstellt. Jesus, unser Lehrer und Freund, zeigt uns, wie uns die Augenblicke unseres Lebens etwas lehren können. Jesus sprach: „Die Zeit ist erfüllt und das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium!“ (Markus 1,15). Gleich zu Anfang seines Dienstes erzählt Jesus von einer revolutionären Neuheit: Das Reich Gottes ist zum Greifen nahe! Um dieses Reich betreten zu können, gilt es jedoch, einen Prozess der Umkehr und des Glaubens zu durchleben. Dieser Prozess kann schwierig sein und herausfordernd. Manchmal kann der Prozess geradezu schmerzhaft sein. Aber wenn wir uns auf diesen Weg wagen, lernen wir, unser Leben loszulassen, das Kreuz Jesu aufzunehmen und Jesus in das Reich Gottes zu folgen. Als Symbol für dieses erste Kapitel wählen wir den Kreis – wie bereits in der Einleitung erwähnt, dienen die Symbole als Eselsbrücken, um Der Kreis steht das dahinterstehende Konzept zu als Symbol für verdeutlichen: Der Kreis repräsendie Reise ins tiert die Reise ins Reich Gottes. Das Reich Gottes. Tor, durch das wir uns auf diese Reise begeben, ist ein Kairos.

Kairos – was ist das?

In der griechischen Sprache gibt es zwei Wörter für den Begriff Zeit – chronos und kairos. Mit chronos ist der chronologische Zeitablauf gemeint – also die zeitliche Abfolge: So werfen wir einen Blick auf die Uhr, um herauszubekommen, in wie vielen Minuten unsere Mittagspause beginnt. Kairos dagegen beschreibt einen Zeitpunkt, zu welchem sich etwas Entscheidendes ereignet. Es ist die günstige Gelegenheit für etwas, der richtige Augenblick, der besondere Moment.

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1. Die LebensSchule

Die Griechen stellten sich den kairos wie ein Kind mit einem langen Haarschopf vor, das durch die Gegend düst. Rennt es an einem vorbei, so kann man es „beim Schopf packen.“ Daher kommt unsere Redewendung „die Gelegenheit beim Schopf packen.“ Der kairos ist also der Augenblick der Entscheidung, in dem man entweder etwas Entscheidendes tut oder es versäumt. In diesem Sinne wird der Begriff sowohl im Alten als auch im Neuen Testament verwendet. Gott, der Schöpfer, ist auch der Schöpfer der Zeit, er ist Herr der Geschichte und setzt die kairos-Momente in unseren Leben. Ein kairos ergibt sich also nicht rein zufällig, sondern Gott führt ihn gezielt herbei. Wir können uns daher vorstellen, dass die kairos-Momente sozusagen direkt aus der Senkrechten in den waagrechten Ablauf des chronos (der Zeit) kommen. Paulus drückt es in Galater 4,4 so aus: „Als die Zeit erfüllt wurde, sandte Gott seinen Sohn.“ kairos

…………………………………………….....……………..> (chronos)

Der kairos ist aus Gottes Perspektive ein günstiger Augenblick für eine Entscheidung. Nach Jesu Auferstehung gilt das weiterhin. „Siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade, siehe, jetzt ist der Tag des Heils“ (2. Kor. 6,2). Vielleicht ist einer Ihrer kairos-Momente der, in dem Sie sich für ein Leben mit Jesus entschieden haben, in dem Sie anfingen zu glauben.

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