Skip to main content

330855

Page 1

Inhaltsverzeichnis 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16.

Was wir wirklich nötig haben ................................... 7 Ein kurzer Lebensabriss Josuas ................................ 22 Wen Gott gebraucht ...............................................26 Josuas Name, ein Programm ...................................34 Heute Entscheidungen für morgen treffen .............42 Große Aufgaben und ich .........................................49 Worin wir Jesus am ähnlichsten sind ......................63 In der Konfrontation ...............................................85 Gipfelerlebnisse .................................................... 103 Der Supergau ....................................................... 113 In seiner Gegenwart ............................................. 132 Was echten und falschen Eifer kennzeichnet ....... 153 Als Spion im Dienst seiner Majestät ................... 183 Unvergessliche Inspirationen ............................... 224 Ermutigung zur eigentlichen Lebensbestimmung . 249 Wenn letzte Sicherheiten wegbrechen ................. 264


F端r Rosi und unsere Kinder Katrin, Markus, Thomas und Sarah, mit denen ich auf dem Weg mit Jesus sein darf.


1. Was wir wirklich nötig haben Unsere Fragen, Nöte und Ausweglosigkeiten bleiben der große Magnet, von dem Gott wie magisch angezogen wird.

Wissen Sie, was das ist: Keiner will sie, doch jeder hat sie. Jeder meidet sie wie die Pest und keiner kann vor ihnen davonlaufen. Niemand sehnt sie sich herbei und doch suchen sie jeden Menschen auf. Nun, vielleicht haben Sie es schon erraten. Es sind Probleme, Schwierigkeiten, Nöte, Ängste, Zerreißproben. Keiner will Probleme, doch jeder von uns hat sie. Niemand will Schwierigkeiten, aber jeder hat schon eine Menge davon gehabt. Niemand will von der Angst erfasst werden und doch überkommt sie uns manchmal derart stark, dass wir uns ihr nur schwer entziehen können. Wer betet schon als Christ darum, dass Gott ihm Hindernisse, Sackgassen und Bedrängnisse schickt? Und doch sind sie ungefragt da und streichen unsere Pläne durch und löschen unsere Lebensentwürfe aus. Entbehrungen, Missgeschicke und Gefahren jeder Art kreuzen unsere Lebenswege. Mit Macht drängen entmutigende Gedanken, Verstrickungen und Heidenängste in unser Leben und wollen es gefangen nehmen. Da fragen wir uns schon als Christen, ob das wirklich auch alles nötig sei und warum uns Gott manches nicht vom Halse hält. Erhört er Ihre und meine Gebete auf eine falsche Weise? Denn um Schwierigkeiten habe ich noch nie gebetet. Oder Sie etwa? Diese unerbetenen „Gäste“ platzen aber in unseren Alltag und Sonntag hinein, werfen uns nicht selten aus der Bahn und drängen uns in Gräben der Verzweiflung ab, in die wir uns von selbst wohl 7


In der Wüste gereift nie hineinbegeben hätten. Sind etwa Schwierigkeiten das, was wir unbedingt brauchen? Versuchen wir nach der Reihe eine Antwort auf die Frage zu finden, was wir wirklich nötig haben. Als mir bei einer evangelistischen Großveranstaltung Gottes Liebe so groß wurde, dass sie all meine Zweifel und Befürchtungen überwand, entstand ein großer Wunsch in meinem Herzen: ein brauchbarer Mensch für Gott selbst zu werden. Damals war ich 21 Jahre alt. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich, wie jeder meiner Freunde zwar eine kirchliche aber in meinem Fall eine weithin traditionelle christliche Prägung ohne wirkliches Leben aus Gott. Außerhalb der Kirche hörte ich etwas von der Notwendigkeit einer persönlichen Bekehrung zu Jesus Christus. Vor meiner Hinwendung zu Jesus Christus erschien mir der Gedanke an Gott mehr lästig und ein Hindernis zu meiner eigenen Lebensgestaltung. Seit 1 ½ Jahren war ich damals Zeitsoldat bei der Luftwaffe. Nachts, während des Wachdienstes, vertraute ich im Beisein eines Kameraden mein Leben der Führung Gottes an. Im Handumdrehen wusste ich, dass ich das, oder besser: den gefunden hatte, nach dem ich mich – unbewusst – zutiefst sehnte: Gott selbst. Von da an wurde mir mehr und mehr deutlich, dass man mehr als Gott selbst in dieser Welt nicht finden kann. Überglücklich legte ich mich nach Beendigung meines Wachdienstes kurz vor 01.00 Uhr auf meine Pritsche. Eine tiefe Überzeugung kam in mein Herz: Endlich hatte ich den gefunden, den ich in den Kneipen und beim übermäßigen Alkoholgenuss über Jahre nicht finden konnte. Lange Zeit hatte ich an der falschen Tür angeklopft, um das Leben zu finden, nach dem ich mich zutiefst sehnte. In den verbleibenden sechs Monaten meines Dienstes las ich christliche Bücher, die diesen Wunsch, von Gott 8


1. Was wir wirklich nötig haben gebraucht zu werden, sehr verstärkten. Drei Monate nach dem Start meines neuen Lebens an Gottes Seite bekam ich auf einem Jugendtreffen die innere Aufforderung von Gott, mich in einem theologischen Seminar zum Dienst für Gottes Reich ausbilden zu lassen. Sieben Monate nach meiner Umkehr hin zu Jesus Christus befand ich mich erneut auf der Schulbank und büffelte Griechisch-Vokabeln und anderes, was so notwendig sein sollte (und gewiss auch sein kann!), um für Gott ein tauglicher Mensch zu werden. Nach zwei Tagen dachte ich, dass ich hier wohl im falschen Film sitze. Sehr schnell zweifelte ich an meiner Berufung, zumal ich nicht geringe Bedenken hatte, ob ich das geforderte Lernpensum auch schaffen würde (unbegründet, wie sich mit der Zeit herausstellte). Dazu plagte mich ein Gedanke noch viel mehr: Immer wieder dachte ich an die Menschen draußen in der Welt, die ohne Jesus verloren gingen, während ich hier in meinem Studierzimmer hockte um zu lernen, dass es zwölf kleine Propheten im Alten Testament und sieben Zornesschalen in der Offenbarung gibt. Während der restlichen Zeit bei der Bundeswehr als bekennender Christ hatte mir Gott viele Möglichkeiten geschenkt, von den Mannschaftsdienstgraden an bis hin zu den Offizieren von meiner unglaublichen Erfahrung mit dem lebendigen Gott zu erzählen. Der Gedanke an diese erlebnisreiche Zeit und den Zustand der Menschen ohne Jesus ließen mich während der ersten zwei Jahre meiner theologischen Ausbildung nicht in Ruhe. So machte ich mich in der freien Zeit öfters auf, um Menschen in der Stadt auf den Sinn ihres Lebens hin anzusprechen. Jedoch nach etwa zwei Jahren verlor sich dieses Engagement etwas. Das Lernen des vorgeschriebenen Stoffs fing an mir mehr und mehr Spaß zu machen. Ich 9


In der Wüste gereift erkannte zunehmend den Sinn, wozu ich dies alles – oder das meiste – zu lernen hatte. In Gesprächen mit Menschen innerhalb und außerhalb der Gemeinde Jesu konnte ich fundierter Antworten als vorher geben. Auch ersparte ich mir in nächster Zeit ähnliche Blamagen wie in einer hitzigen Diskussion mit meinen Kameraden beim „Bund“, in der ich statt Noah den Abraham in die Arche steckte. Langsam spürte ich, Gott ist auch in der „Wüste“ meiner Ausbildung (so empfand ich die Zeit dort immer wieder) gegenwärtig und zieht seinen Plan mit mir durch. So schloss ich meine theologische Ausbildung ab und wurde mit 24 Jahren in den Dienst einer Großstadtgemeinde gesandt. Mit der Zeit wuchs die Überzeugung, dass besondere Aufgaben auch besondere Vorbereitungen benötigen. Egal, ob es sich um einen handwerklichen, kaufmännischen oder akademischen Beruf handelt, eine Ausbildung ist in unserem Land erforderlich um sich gewisse Fähigkeiten für bestimmte Arbeiten anzueignen. Das ist im Dienst für Gott nicht anders. Dabei sollten wir allerdings nicht übersehen, dass die Zubereitung und Ausrüstung zum Dienst im Dienst für Jesus stattfindet. Jede Bekehrung hin zu Gott, das ist mir heute bewusst, ist immer auch eine Bekehrung zum Dienst (1. Thessalonischer 1,9). Seit meinem schlichten Gebet damals im Mai 1971 auf der Wache hat mich das Wissen nie verlassen, was diese Welt wirklich nötig hat: Es ist Jesus, der Sohn Gottes, der uns in die Gemeinschaft mit dem himmlischen Vater und damit zu unserer ewigen Bestimmung führt. Er allein kann garantieren, dass ein Mensch die Ewigkeit nicht verfehlt. Er sorgt auch für seine Leute, dass ihnen in dieser Welt nicht die Puste ausgeht (Hebräer 13,5–6). Mir wurde immer klarer, dass Gott Menschen benötigt, die sich ins Zentrum seines Willens und seiner Kraft rufen lassen. Durch seine Leute hat sich 10


1. Was wir wirklich nötig haben Gott manchmal leise und verborgen, ein anderes Mal bahnbrechend und unüberhörbar in diese Welt eingemischt, Segen gespendet und Böses verhindert. Jedes Mal konnten Menschen aufleben, wenn Männer und Frauen ihren Auftrag von Gott für ihre Umgebung erkannten und umsetzten. Egal, ob es ein Mose oder David vor über 3000 Jahren waren oder ein Martin Luther (1483– 1546) oder George Whitefield (Erweckungsprediger in England und Amerika, 1714–1770), die alle weltweit tiefe Segensspuren hinterließen. Denken wir an die irischen Mönche, die um des Auftrags Jesu willen bereit waren ihre geliebte Heimat für immer zu verlassen. Ihre Liebe zu Gott und den Menschen trieb sie dazu, auf Europas Festland neue Hoffnung zu bringen und das Licht des Evangeliums in der zunehmenden geistlichen Finsternis anzuzünden. Sie und viele andere unbekannte „Lichter“ konnten unter ihrem Volk und darüber hinaus etlichen den Weg zu Gott weisen und dadurch begründete Zuversicht bringen. Wie entscheidend in diesem Prozess die Menschen sind, die Schlüsselpositionen im Volk Gottes einnehmen um dieses seiner eigentlichen Bestimmung zuzuführen, zeigt das Studium der Bibel und der Kirchengeschichte unübersehbar. Gott hat tiefe Furchen in der Weltgeschichte durch Menschen gezogen, die sich von ihm beschlagnahmen und gebrauchen ließen. Doch, um auf den Beginn dieses Kapitels zurückzukommen, auf dem Weg, in Gottes Bestimmung hineinzuwachsen und sich darin zu bewähren, gibt es fortwährend Probleme, Auseinandersetzungen und Zerreißproben verschiedenster Art. Bill Bright, der Gründer und langjährige Leiter von Campus für Christus, sagte einmal einer Mitarbeiterin, dass 75 % im Leben eines Jüngers Jesu von Widerständen unterschiedlichster Art geprägt sind. 11


In der Wüste gereift Eigentlich, so denken wir insgeheim, habe ich mich doch für ein Leben mit Jesus Christus entschieden, damit die Probleme kleiner und die Konflikte weniger werden. Doch scheint diese Rechnung ohne den „Wirt“ gemacht zu sein. Wenn wir uns das Leben Josuas oder seines Mentors Mose anschauen, dann werden wir sehr schnell in die Realität zurückgeholt. Der Lebensweg dieser beiden Männer war seit ihrer Hingabe an Gott mit etwas unbedingt Nötigem zu ihrem geistlichen Wachstum gesegnet: Spannungen, Schwierigkeiten, Meinungsverschiedenheiten, Streitereien bis hin zu Kriegen. Es waren die unliebsamen und zuweilen heftigen „Unterbrechungen“ im Tagesgeschehen, die sie dazu zwangen, dichter an Gott heranzurücken. Manches Mal erlebten sie Gottes erquickende Gegenwart und ein anderes Mal hing ihr Leben an einem seidenen Faden. Trotz aller Konflikte und starker Herausforderungen tauschten sie auch in den gefährlichsten Situationen ihren göttlichen Auftrag nicht gegen faule Kompromisse ein. In oder nach spannungsreichen Zeiten mit mancherlei Anfechtungen und Versuchungen steigen nicht selten Fragen bei denen auf, die sich Gott mit ihrem Leben anvertrauten: Was nur habe ich falsch gemacht, dass mich solche herben Niederschläge treffen? Warum nur muss das sein? Ist Gott die ganze Angelegenheit, in der ich stecke, aus dem Ruder gelaufen? In solchen Stunden werden wir hin- und hergeworfen zwischen Ignoranz und Akzeptanz. Mal neigen wir dazu, vor den Herausforderungen den Kopf in den Sand zu stecken oder wegzulaufen, und dann sind wir wieder davon überzeugt, dass wir uns den Anforderungen unbedingt stellen müssen. Dies wird leichter, wenn wir bedenken: Gott macht keinen Bogen um die Krisengebiete dieser Welt, weder um die lokalen noch um die 12


1. Was wir wirklich nötig haben globalen. Er verdrückt sich nicht, wenn es eng wird und eine Lage in Hass, Gewalt und Terror zu eskalieren droht. Er schließt nicht die Augen davor, wenn Menschen in ihrem Job gemobbt werden. Er macht sich nicht aus dem Staub, wenn wir in Depressionen zu versinken drohen. Gott ist ein Gott für menschliche Probleme, Sackgassen und Ausweglosigkeiten aller Art. Probleme sind nicht erst seit heute da um Gottes Herrlichkeit zu offenbaren (Johannes 9,3)! Ja, Gott selbst wird wie magisch von unseren Schwierigkeiten und unserer Hilflosigkeit angezogen. Für Josua wurde die staubige Wüste zum Heiligtum, wo ihm der lebendige Gott begegnete, ihn segnete und beauftragte. Dort sollte er Gottes Gegenwart in einem Maß erleben, wie er es sich in seinen kühnsten Träumen nicht vorzustellen wagte. Gott offenbarte sich dem jungen Josua in einer Weise, die ihn seiner eigentlichen Lebensbestimmung zuführen sollte. Gottes Offenbarungen wurden ihm so zu einem soliden Fundament, auf dem er seine Zukunft in herausragender Position wagen durfte. Die 40jährige Wüstenwanderung, mit mancherlei Prüfungen gespickt, ließen ihn zu dem Mann heranreifen, der dann Gottes verheißenes Land, mit Feinden gespickt, einnehmen konnte. Die Erfahrung, dass Wüstenzeiten keine verlorene Zeit im Ablauf eines Lebens sein müssen, lassen Josua zu einem ermutigenden Vorbild für alle werden, die in ihrem Leben manche entbehrungsreiche Wegstrecke zurücklegen müssen. Denken wir an den Apostel Johannes, wie er um das Jahr 95 n. Chr. von der römischen Staatsmacht in hohem Alter wegen seines „gefährlichen“ Einflusses und seiner Kompromisslosigkeit in der Frage der Einzigartigkeit Jesu auf eine karge Insel verbannt wurde. Und was kam dabei heraus? Er empfing die größte Offenbarung Gottes, die je ein Mensch sehen und hören durfte. 13


In der Wüste gereift Gott war eben noch nie durch bedrückende und deprimierende Umstände in dieser Welt schachmatt zu setzen. Nicht zuletzt illustriert uns gerade das ungerechte, unsägliche Leiden und Sterben Jesu, dass alle auf ihn konzentrierten menschlichen Grausamkeiten und teuflischen Versuchungen im Triumph der Auferstehung des Gottessohnes endeten. Damit will Gott uns tief ins Herz einprägen, dass Wüste nie Endstation, sondern Durchgangsstation für seine Leute ist. Durch die ganze Bibel hindurch will uns Gott sagen: Ich verwandle deine Probleme in meine Pläne. Denn wo der Feind sein einschüchterndes „Kontra“ hinausbrüllt, spricht Gott sein unwiderstehliches: „Es werde“. Die belebende und tröstende Gemeinschaft mit diesem Gott entschädigt für alle „Mückenstiche“ und „Keulenhiebe“ in dieser Welt! Das erlebte Josua damals in der Wüste und das werden alle erleben, die nicht mehr ohne Jesus in dieser Welt leben wollen. In der Ewigkeit wird uns einmal der Anblick seiner Herrlichkeit den „Verstand rauben“ und auch das für immer vergessen lassen, was uns in dieser Welt schmerzlich und rätselhaft blieb. Denn die Gemeinschaft mit Gott beinhaltet auch, dass es auf manche Ereignisse keine letzte entschlüsselnde Antwort gibt. Unvergesslich sind mir die Berichte eines Missionars im Ruhestand. Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre im vorigen Jahrhundert leitete er die Verteilung mancher Hilfssendungen aus Deutschland in Uganda. Gelegentlich geschah es, wenn Mister Haferflocke mit seinen afrikanischen Brüdern unterwegs war um die Hilfsgüter an die Not leidende Bevölkerung zu bringen, dass sie eine Autopanne hatten oder sie sich räuberischen Banden gegenübersahen. Die erste Reaktion der afrikanischen Brüder auf auftretende Schwierigkeiten und manche Unmöglichkeiten war der Ausruf: Praise the Lord! (Lobt den Herrn). Sie 14


1. Was wir wirklich nötig haben lebten, was geistreiche Prediger im Westen manchmal von der Kanzel verkündigen: „Schwierigkeiten sind Herrlichkeiten.“ Diese Brüder hatten etwas ganz Wesentliches verstanden. Egal, ob sie ausgeraubt wurden oder in einer einsamen Gegend die Achse des Lasters brach, sie wussten, dass Gott diejenigen nie im Stich lässt, die ihm vertrauen. Denn Gott geht gerne zu den Menschen, die seine Hilfe suchen. So erlebte dieser Missionar in seinem Feierabend die wichtigste und köstlichste Lektion seines Lebens, wie er selbst bestätigte: Gott ist für mich da – überall und zu jeder Zeit! Genau das erlebte ein Josua über vier Jahrzehnte, als Gott ihn für seine zukünftigen Aufgaben vorbereitete. Aber auch das Folgende wurde ihm durch Jahrzehnte in der Wüste deutlich: Wir wachsen geistlich viel stärker durch Tage voller Probleme als durch Jahre angenehmer Bequemlichkeiten. Ja, Schwierigkeiten brauchen wir wie das tägliche Brot um in der Gemeinschaft mit Gott stark und mutig zu werden. So berichtet es auch der Schreiber des Hebräerbriefes von den „Glaubenshelden“, „die im Kampf stark wurden“ (Hebräer 11,34). Nicht dass die Schwierigkeiten alleine schon die Hilfe wären, nein, ganz gewiss nicht, aber sie bieten Gott die Chance mein Wachstumspotential in großem Maße freizusetzen. Gerade Frauen und Männer, die Gott gebrauchen will, benötigen eine ganze Menge Herausforderungen, wenn sie nicht nur alt, sondern auch reif werden sollen. In einem ungünstigen und unsicheren Klima wird deutlich, ob wir an Gott und seinen Verheißungen festhalten und das von ihm gesteckte Ziel nicht aus den Augen verlieren. Darin geschieht nämlich das Sonderbare, dass gerade diese Schwierigkeiten Energien freisetzen und Bekenntnisse zu Tage fördern, die wegweisend für die nächsten Generationen sein 15


In der Wüste gereift werden. Denken wir dabei nur an das eine Bekenntnis Josuas während des Unheils der verweigerten Landeinnahme, als nur noch eine Handvoll Israeliten Gott vertraute. Welche Überzeugung wuchs damals in dem Hexenkessel in ihm, als sein Leben nur noch an einem seidenen Faden hing (4. Mose 14,10) und das Volk ihn steinigen wollte: „Wenn der Herr Gefallen an uns hat, so wird er uns in dieses Land bringen“ (4. Mose 14,8). Diese brenzlige Situation förderte in Josua etwas zutage, was das ganze Problem auf den Punkt brachte und die einzig praktikable Lösung aufzeigte: Gott kann! Er, der Schöpfer des Universums, wird nie und nimmer vor drei Meter großen Riesen und zehn Meter hohen Befestigungsmauernkapitulieren. Er erlebte in dieser prekären Situation, in der alle Nerven bis aufs Äußerste angespannt waren, dass er über sich selbst hinauswuchs. Josua kapitulierte nicht vor den Riesen. Er weigerte sich die Befestigungsmauern der Kanaaniter als ein Problem für Gott anzusehen. Er glaubte in den Widerwärtigkeiten daran, dass die sehr real existierenden mächtigen Hindernisse für ihn und alle anderen zu einem Sprungbrett in Gottes Möglichkeiten werden konnten. Wo, wenn nicht hier, enthüllte sich Josuas Begabung als Leiter. Niemals fördert ein genussabhängiges Wohlfühl-Christentum solche Charaktere. Im Gegenteil: Egoistische Genuss-süchtigkeit – auch fromme – lässt uns im Glauben stagnieren, in die Bedeutungslosigkeit abrutschen und sündiges Verlangen nach uns greifen. Durch gefühlsselige, wohltemperierte und süße „Götterspeise“ wird dem Teufel Tor und Tür für sein persönlichkeitszersetzendes Werk geöffnet. Viele Christen und Gemeinden stehen in der großen Gefahr, das zu vergessen, was Paulus als unseren wahren Gottesdienst beschrieb:

16


1. Was wir wirklich nötig haben „Ich ermahne euch nun, Brüder, durch die Erbarmungen Gottes, eure Leiber darzustellen als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer, was euer vernünftiger Gottesdienst ist“ (Römer 12,1). Gewiss, auch das andere benötigen wir neben den Problemen unbedingt: Es ist Gottes tröstendes Wort. Die Bibel gibt ein beredtes Zeugnis davon, wie oft Gott sein Wort: „Hab keine Angst“ in den unterschiedlichsten Lebenslagen an seine Leute richtete. Was brauchen Leiter, die Gott beruft? Ich denke, dass sie alle auf dem Weg der Nachfolge Jesu freundliche Worte und Gesten der Ermutigung benötigen. Wenn eine der erfolgreichsten Strategien Satans die Entmutigung der Jünger Jesu ist, dann ist es Gottes größtes Anliegen uns zur Gemeinschaft mit ihm und zum Dienst für ihn zu ermutigen. Auf kaum einem anderen Feld haben Jünger und Jüngerinnen Jesu sich mehr zu bewähren als dem der anklagenden, niederdrückenden Grübeleien. Gewiss, das Netz der Mutlosigkeit fällt täglich auf viele Menschen. Aber es senkt sich gerade auch auf die herab, die ernst mit dem Angebot Gottes machen ihr Leben seiner Leitung und Herrschaft zu unterstellen. Jeder, der aus den Reihen Satans tanzt um sich Jesus Christus anzuvertrauen, stellt anscheinend eine nicht geringe Herausforderung und Gefahr für Satan dar. Jedenfalls lassen die vielfältigen Angriffe des Bösen darauf schließen. Um verblendete und in seinen Augen geistlich harmlose Menschen braucht der Widersacher sich aber nur wenig zu kümmern. Angst, Entmutigung und Niedergeschlagenheit sind bestimmt keine Wesensarten Gottes. Im Gegenteil! Es sind Wesenszüge seines großen Widersachers, Satans. Wie fremd uns dieser Gedankengang auch erscheinen mag, aber der eigentlich Frustrierte ist seit Golgatha, Ostern und Pfings17


In der Wüste gereift ten der Teufel. Er muss wohl sehr deutlich um seine entscheidende Niederlage wissen, auch wenn er sie sich selbst und seinen Untertanen nie eingestehen würde. Seine Verzweiflungstaten hinterlassen in dieser Welt und auch in der Gemeinde Jesu allerdings eine Spur von Blut, Tränen und Trostlosigkeit. Da, wo der Durcheinanderbringer seine „Duftnoten“ setzt, herrschen Zweifel und Verzweiflung. Seine diabolischen Wesenszüge versucht der Teufel auf uns Menschen zu übertragen. Mit List und Tücke schafft er es immer wieder uns seine Injektionen zu verabreichen, damit unsere Beziehung zu Gott schwächelt und kränkelt. Seine Aktivitäten bleiben bei denen, die zu Gott gehören und in seinem Dienst stehen, nicht ohne Erfolg. Seine intrigante Tätigkeit unterwandert die Gemeinde Jesu, damit sie seine teuflischen Charakterzüge wie Verleumdungen, Zänkereien, destruktive Gedanken oder chaotische Verhältnisse annimmt, die uns allerdings oft nur allzu menschlich erscheinen. Wir alle wissen nur zu gut, dass wir ihm schon zu oft auf den Leim gegangen sind. Zuerst lockt er uns mit den allergrößten Versprechungen und Begierden. Haben wir uns erst einmal auf einen gedanklichen oder gefühlsmäßigen Dialog mit ihm eingelassen, gebiert die Lust die Sünde (Jakobus 1,15). Denn in der Anfechtung sehen wir oft nur den viel versprechenden Köder und vergessen völlig den Haken, der darin verborgen ist. Und haben wir erst einmal zugebissen, dann spüren wir, wie fest der Widerhaken sitzt. Dann lässt uns Satan unseren ganzen Schmerz und unser ganzes Elend spüren. Sind wir vor ihm in die Knie gegangen und haben seinen Willen ausgeführt, setzt sein Trommelfeuer der Anklagen ein. Nachdem er uns in eine schmutzige Pfütze gestoßen hat, lästert er über unseren schmutzigen Zustand. 18


1. Was wir wirklich nötig haben Genau diese Taktik des Bösen kennt Gott nur zu gut. Deshalb bemüht sich Gott, um gerade an diesem so wichtigen Punkt der Ermutigung anzusetzen. Dass entmutigende Gedanken unterschiedliche Ursachen haben können, wissen wir. Jedoch muss die Niedergeschlagenheit in unserem Leben nicht unbedingt mit lasterhaften Sünden einhergehen. Sie kann ebenso in einem Charakterzug begründet sein, der uns nicht zu den Mutigsten in dieser Welt zählen lässt. Oder wir leiden einfach unter den Umständen, unter denen wir seit Jahren leben müssen, für die sich trotz all unserer Bemühungen in nächster Zeit keine Besserung abzuzeichnen scheint. Das Endergebnis aber ist oft das Gleiche: Wir resignieren, stehen in der Gefahr aufzugeben und fügen uns erwartungslos in Gegebenheiten, die wir für nicht mehr revidierbar halten. Doch Gott möchte nicht, dass unsere Tage und Jahre hoffnungslos dahinstreichen. Gott will uns neu stärken und ermutigen. Josua ist eine markante Illustration dafür, wie sehr ein Mensch von Gott gebraucht werden kann, obwohl er wirklich nicht zu den Mutigsten dieser Welt gehört. Wohl keiner der Diener Gottes musste so oft zum Dienst für Gott ermutigt werden wie Josua. Zwischendurch könnte man auf den Gedanken kommen, dass sich Gott in seiner Wahl des Josua getäuscht hatte. Aber Gottes Wahl war entgegen allem Anschein wieder einmal treffsicher, wie vorher bei Mose und letztlich bei jedem von uns. Denn: „Gottes Gabe und Berufung sind unbereubar“ (Römer 11,29). Unter seinem Segen und Schutz entwickelte sich ein exzellenter Leiter, der für uns auch heute noch zu den ermutigenden Vorbildern gehört. Die Worte, die Gott damals vor der größten Herausforderung Josuas an ihn richtete, sollen uns am Anfang dieser kurzen Betrachtung Josuas auch zum Leitmotiv dienen: 19


In der Wüste gereift „Ich sage dir noch einmal: Sei mutig und entschlossen! Hab keine Angst, und lass dich durch nichts erschrecken; denn ich, der HERR, dein Gott, bin bei dir, wohin du auch gehst!“ (Josua 1,9).

Fragen: Was ist Ihnen jetzt wichtig, was streben Sie neu an? .................................................................................... .................................................................................... ....................................................................................

Was haben Sie in den letzten fünf Jahren in Gottes Schule gelernt? .................................................................................... .................................................................................... ....................................................................................

Gebet: Herr Jesus Christus, nichts habe ich nötiger als dich, in dem die ganze Fülle Gottes wohnt. Du allein garantierst, dass mein Leben nicht das Ziel verfehlt. Manchmal habe ich aber den Eindruck, dass ich meine Zeit und meine Kraft für Dinge investiere, die du nicht für mich vorgesehen hast. Bewahre mich des20


1. Was wir wirklich nötig haben halb, ohne deine inspirierende Wegweisung vorwärts zu gehen. Ich möchte gerne das tun, was du für mich vorbereitet hast. Ich öffne mich jetzt bewusst für deine Leitung und Kraft und bitte dich, dass ich mein Leben nicht mit unnützen Dingen verplempere. Mach mir bitte neu wichtig, was dir wichtig ist. Lass meinen Augen das klein erscheinen, was dir auch klein und bedeutungslos ist. Richte meinen inneren Wertekatalog neu auf dich und deinen Auftrag für mein Leben aus. AMEN. Gott verspricht in seinem Wort: „In Jesus sind alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen ... Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig; und ihr seid in ihm zur Fülle gebracht. Er ist das Haupt jeder Gewalt und jeder Macht“ (Kolosser 2,3.9-10).

21


Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook
330855 by Fontis-Shop - Issuu