Befreit, unverbittert, kraf voll
Johannes Pflaum
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Johannes Pflaum
Johannes Pflaum
Befreit, unverbittert, kraf voll
Johannes P faum
Copyright by:
Verlag Mitternachtsruf
Ringwiesenstrasse 12a CH-8600 Dübendorf
1. Au fage 2024 (Koproduktion)
Verlag Mitternachtsruf, CH-8600-Dübendorf www.mitternachtsruf.ch
Artikel-Nr. 180234
ISBN 978-3-85810-626-1
EBTC Europäisches Bibel Trainings Centrum e. V., DE-10243 Berlin www.ebtc.org
ISBN 978-3-96957-118-7
Umschlag, Satz und Layout: Verlag Mitternachtsruf
Herstellung: ARKA Druck, PL-43-400 Cieszyn
Bildnachweis Titelseite: shutterstock.com/Valentin Valkov
Bibelzitate folgen, wenn nicht anders bezeichnet, der Elberfelder Bibel 2006, © 2006 by SCM R. Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbH, Witten/Holzgerlingen.
Danke, Thomas und Madelaine, für Eure Unterstützung und Hilfe bei der Bearbeitung der Manuskripte!
Dieses Buch ist meinem Freund Martin Vedder gewidmet. Danke für die Weg- und Dienststrecke, die ich mit Dir gehen durfe!
Danke für Dein Anliegen, Christus zu verkündigen und nah bei seinem Wort zu bleiben!
Soli Deo Gloria
Als Teenager war ich mit meinen Eltern in den Ferien. Leider gab es dort mehr Regen als Sonnenschein. Mein Vater nahm mich mit in eine Buchhandlung, damit ich mir etwas zum Lesen aussuchen konnte. Da stiess ich auf ein Buch über das Bermudadreieck. Dieses geheimnisvolle Meeresgebiet hatte mich schon zuvor interessiert. Schliesslich verschwanden dort immer wieder Flugzeuge und Schife auf mysteriöse Weise. Voller Spannung las ich das Buch und hofe, dass ich der Auflärung dieses Geheimnisses näherkam. Am Ende der Lektüre war ich aber immer noch ratlos. Waren es besondere Wetterphänomene, Magnetfelder oder sogar Ausserirdische1, die das Verschwinden von Flugzeugen und Schifen verursachten? Der Autor hielt manches für möglich und liess vieles ofen. So wurde das Geheimnis rund um das Bermudadreieck nur noch geheimnisvoller. Im vorliegenden Buch geht es um Geheimnisse in der Nachfolge Jesu. Damit meine ich aber keine rätselhafen Dinge, die
1 Trauriger- und zugleich lächerlicherweise meinte der Autor, in der Bibel Ufos (unbekannte Flugobjekte) zu fnden. Welch ein törichter Umgang mit Gottes Ofenbarung!
wir nicht erkennen und verstehen können. Auch nicht irgendwelche besonderen Erkenntnisse und Erlebnisse, die sich nur für «besonders erleuchtete» Nachfolger Jesu erschliessen. Ein solches Denken würde sowieso im Gegensatz zur biblischen Wahrheit stehen. Mit Geheimnissen meine ich biblisch-göttliche Wahrheiten, die mit dem neuen Leben aus Christus in Verbindung stehen und wichtig sind für das tägliche Leben und Wachstum in der Jesusnachfolge. Wir entdecken diese Geheimnisse in der Bibel, indem wir Gottes Wort lesen und um ein Verstehen durch den Heiligen Geist beten. Diese Geheimnisse werden uns aufgeschlüsselt, indem wir die Bibeltexte so lesen, wie sie Zeile für Zeile dastehen, nicht indem wir zwischen den Zeilen nach verborgenen Wahrheiten suchen. Schliesslich geht es darum, im Glauben an und im Gehorsam gegenüber dem Herrn das Erkannte mit seiner Hilfe anzuwenden und auszuleben. So wie es Jesus selbst sagt:
«Wenn ihr in meinem Wort bleibt, so seid ihr wahrhaf meine Jünger; und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen» (Joh 8,31-32).
«Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von Neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen.»
Johannes 3,3
In den Evangelien werden uns viele Begegnungen Jesu mit verschiedensten Menschen geschildert. Er wird uns dabei in einzigartiger Weise als ein Freund der Sünder gezeigt. Jesus war gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.
Dabei machte er auch vor solchen Personen nicht halt, die manche selbstgerecht als «Abschaum» der damaligen Gesellschaf abstempelten. Dazu gehörte der Zöllner Zachäus. Er war mit allen schmutzigen Wassern gewaschen und verstand es grossartig, das Volk wie eine Weihnachtsgans auszunehmen. Jesus ging an ihm nicht achtlos vorbei. So erlebte dieser Mann, wie sein Leben durch Gottes Gnade von Grund auf verändert wurde. Dann war da noch diese Samariterin. Eine Frau, vor der man
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schon wegen ihrer Zugehörigkeit zu diesem verachteten Mischvolk die Nase rümpfe. Dazu kam ihr bekannter Lebenswandel als Ehebrecherin. Jesus suchte sie und begann etwas völlig Neues in ihrem Leben.
Die Zeit, in der wir heute leben, ist eine böse Zeit. Die Gottlosigkeit und Sünde nehmen gleich einem Vulkanausbruch unvorstellbare Dimensionen an. Aber lassen wir uns nicht dazu verleiten, die in Böses verstrickte Menschen zu verachten, sie selbstgerecht und geringschätzig zu betrachten, sondern lernen wir ganz neu von dem Freund der Sünder. Gegenüber der Sünde kannte er als der heilige Gottessohn keinen Millimeter Toleranz. Aber er liebte die Sünder. Er suchte sie auf, um neue Menschen aus ihnen zu machen.
Der Textabschnitt zeigt uns einen Mann – Nikodemus, der eine Begegnung mit Jesus suchte und bei dieser Begegnung sehen wir etwas sehr Interessantes. Es war kein Zöllner oder Ehebrecher, der zu nächtlicher Stunde kam. Es war auch kein Aussätziger oder Kranker, der Jesus um Hilfe anrief. Nikodemus gehörte auch nicht zu den Menschen der religiösen Oberschicht, die Jesus verachteten oder als Gotteslästerer denunzierten. Wenn wir uns diesen Bericht einmal anschauen, werden wir etliche Besonderheiten entdecken.
Nikodemus – ein erweckter Mensch
Nikodemus war ein Schrifgelehrter, der einem wichtigen und bedeutenden geistlichen Gremium im Judentum angehörte, dem Sanhedrin (Hohen Rat). Er besass eine erstklassige Kenntnis der Thora und anderer Teile des Alten Testaments (AT). Bei einem Gespräch über das AT hätte dieser Mann jeden von uns mit seiner Schrifkenntnis in den Schatten gestellt. Nikodemus nahm
Gottes Wort ernst und beschäfigte sich wohl intensiv damit. Ich kann mir schlecht vorstellen, dass er zu der Art von Menschen gehörte, die zwar fromm reden, aber ganz anders leben. Man konnte ihm wahrscheinlich seine Ernsthafigkeit im täglichen Leben abspüren. Er war wohl bemüht, den Glauben im Alltag wirklich umzusetzen. Nikodemus können wir uns so vorstellen: Dieser Mann kannte Verzicht, um grosszügige Spenden zu geben, und wusste die Missstände seiner Zeit anzugehen. Als Mitglied des Sanhedrins war es auch sein Anliegen, gegen die moralisch zersetzenden und schädlichen Einfüsse seiner Zeit, die das Volk Gottes immer mehr bedrohten, anzukämpfen. Sittlich und moralisch hatte er wahrscheinlich eine «persilweisse» Weste vorzuweisen. Nikodemus war kein «Laschi» oder «Schlaf», der sich mit Halbheiten zufriedengab. Er ging aufs Ganze. Auch wenn er über das Gesetz redete, waren das nicht nur leere Worthülsen oder rhetorische Sprüche. Man konnte ihm dabei sein echtes Anliegen abspüren.
Die Heilige Schrif berichtet uns, wie die Schrifgelehrten und die religiöse Oberschicht der damaligen Zeit Jesus von Anfang an feindlich und ablehnend gegenüberstanden. Aber bei Nikodemus war das anders. Er fühlte sich zu Jesus hingezogen. Es war in seinem Inneren der Wunsch, ihn zu sehen und mit ihm zu reden. So suchte er Jesus auf. Es entsprach der damaligen Gewohnheit, dass die Gelehrten of erst nachts, in der angenehmen Kühle, miteinander diskutierten. Vielleicht suchte Nikodemus den Schutz der Nacht, um nicht von den anderen, welche Jesus feindlich gesinnt waren, gesehen zu werden. Wie dem auch sei: Er liess sich jedenfalls durch nichts abhalten, die Nähe Jesu zu suchen.
Als Jesus göttliche Wunder tat, Kranke heilte, Besessene befreite, berichtet die Bibel, dass dies immer wieder von den Schrifgelehrten und Pharisäern angezweifelt und verlästert wurde. Nicht so bei Nikodemus! Er hatte klar erkannt, dass diese Wunder nur göttliche Wunder sein konnten. Vielleicht war er selbst Augenzeuge solcher Wunder geworden, die durch Jesus geschahen. Nikodemus, dieser gebildete und angesehene Mann, war sich auch nicht zu schade, den Zimmermannssohn aus Nazareth als Rabbi anzusprechen. Er hatte erkannt, dass die Lehre und die Reden Jesu göttlichen Ursprungs und vollmächtiges Reden waren. Nikodemus nennt ihn deshalb «ein Lehrer …, von Gott gekommen.»
Vor uns steht ein Mann, an dem etwas geschehen war. Nikodemus war kein Atheist oder verirrter Sünder, der fernab von Gott seine Runden drehte. Er war auch kein blinder «Religionsausüber», der durch religiöse Rituale oder tote Tradition das eigene Gewissen zu beruhigen suchte. Nikodemus war durch Christus erweckt worden. Er spürte etwas von der göttlichen Kraf in den Worten Jesu. Er fühlte sich zu ihm hingezogen. Und solche Menschen gab es nicht nur damals; es gibt sie auch heute noch.
Dem erweckten Menschen ist der Glaube nicht gleichgültig. Er hat ein echtes Interesse an Gottes Wort bekommen. Der durch den Geist Gottes erweckte Mensch liest in der Bibel. Er fühlt sich zu Christus hingezogen. Er betet und erlebt, wie Gott seine Gebete erhört und helfend in notvolle Situationen eingreif, so wie Nikodemus wusste, dass die Wunder Jesu göttlichen Ursprungs waren. Der erweckte Mensch kann vielleicht schon in Gesprächen mit der Bibel argumentieren und bestimmte Standpunkte vertreten. Er ist dankbar, eine gute Verkündigung zu hören. Sein Privatleben wird ihm nicht gleichgültig sein. Er
bemüht sich, im Alltag den Glauben umzusetzen, praktisches Christsein auszuleben. Wo er Not bei anderen sieht, packt er mit an. Vielleicht ist er auch bereit, wichtige Anliegen mit grosszügigen Spenden zu unterstützen. Aus ernstem Interesse gehört er einer christlichen Denomination an oder er hat die Mitgliedskarte einer Freikirche unterschrieben. Wir wären vielleicht froh, mehr solcher Menschen in den eigenen Gemeinden zu haben. Nun beginnt Nikodemus dieses Gespräch und tastet sich damit weiter vor:
«Rabbi, wir wissen, dass du ein Lehrer bist, von Gott gekommen, denn niemand kann diese Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm» (Joh 3,2).
Wie antwortet nun Jesus auf die aufrichtige Frage dieses interessierten Schrifgelehrten, der ihn aufgesucht hat? Er gibt eine überraschende Entgegnung, die oberfächlich gesehen scheinbar nichts mit dem zu tun hat, was Nikodemus sagte. Aber genauer betrachtet schlug diese Antwort mit ihrer folgenden
Erklärung wie eine Bombe ein:
«Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von Neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen. ... Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes hineingehen» (Joh 3,3.5).
Da sass er nun, dieser erweckte Mann, der es aufrichtig meinte, der in den Heiligen Schrifen forschte, der in den Zeichen Jesu den göttlichen Ursprung erkannte, der sich auf den Weg zu
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Jesus gemacht hatte – und dem vor Augen gestellt wurde, dass ihm das Eigentliche noch fehlte.
Weisst du, wie erschreckend, aber zugleich auch hilfreich diese Antwort ist? Es kann sein, dass du erlebst, dass Gott auf deine Gebete antwortet, dass du etwas von der Bedeutung Jesu erkannt hast, über reichlich Bibelwissen verfügst, aus einem ehrlichen Anliegen in einer Gemeinde mitarbeitest. Vielleicht bist du bestrebt, deinen Glauben im Alltag umzusetzen und, wie man so schön sagt, hast du auch einmal eine «Entscheidung getrofen», aber du bist immer noch verloren. Erweckt zu sein, ist auch schon ein Wirken Gottes, weil der Mensch von sich aus gar nicht in der Lage ist, nach göttlichen Dingen zu fragen (1Kor 2,14). Aber es genügt nicht, um gerettet zu werden. Wir fnden in der Bibel verschiedene Beispiele von erweckten Menschen. In Johannes 5,35 sagt Jesus in Bezug auf die Botschaf von Johannes dem Täufer und die Reaktion seiner Zuhörer:
«Jener war die brennende und scheinende Lampe; ihr aber wolltet für eine Zeit in seinem Licht fröhlich sein.»
Bei erweckten Menschen steht die grundlegende Veränderung, der Wechsel von der Finsternis ins Licht, noch aus. Man ist interessiert, man fühlt sich angezogen vom Licht, aber man ist nur für eine kleine Zeit fröhlich in diesem Licht, um dann irgendwann wieder in die Finsternis abzutauchen. Im Gleichnis vom vierfachen Ackerfeld spricht Jesus von der Saat, welche auf das Felsige fel. Sie ging sogar schneller auf als die anderen
Samenkörner. Aber als die Hitze brannte, verdorrte sie, weil sie nicht tiefe Wurzeln hatte. Das Wort Gottes wird freudig und begeistert aufgenommen, es ist sogar eine gewisse Euphorie dabei. Aber es bleibt am Ende nichts, weil es keine bleibenden Wurzeln geschlagen hat.
Da wird uns von diesem jungen, reichen Mann berichtet, der erkannte, dass es in seinem Leben um mehr als nur um Materialismus geht. Er kam mit der richtigen Frage – der Frage nach dem ewigen Leben – an die richtige Adresse: zu Jesus, dem Herrn. Und Jesus zog die vier geistlichen Gesetze aus seiner Tasche, ging sie noch schnell mit diesem Mann durch und sprach ein kurzes Übergabegebet, damit alles klar ist – nein! Er liess ihn gehen, weil diesem jungen Mann trotz seines guten Anliegens die Sündenerkenntnis fehlte. So nahe war er dran, aber Entscheidendes fehlte noch.
Als die Schrifgelehrten Christus nach dem wichtigsten Gebot fragten, gab er ihnen in göttlicher Autorität die Antwort. Einer der Schrifgelehrten erkannte klar an, dass Jesus in Wahrheit geredet hatte. Und was macht Jesus? Freut er sich darüber und begrüsst diesen Schrifgelehrten im Kreis seiner Jünger? So war es nicht! Jesus sagte zu ihm: «Du bist nicht fern vom Reich Gottes» (Mk 12,34). Er war erweckt, aber noch nicht von Neuem geboren.
In Hebräer 6,4-6 lesen wir:
«Denn es ist unmöglich, diejenigen, die einmal erleuchtet worden sind und die himmlische Gabe geschmeckt haben und des Heiligen Geistes teilhafig geworden sind und das gute Wort Gottes und die Kräfe des zukünfigen Zeitalters geschmeckt haben und (doch) abgefallen sind, wieder zur
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Busse zu erneuern, da sie für sich den Sohn Gottes wieder kreuzigen und dem Spott aussetzen.»
Über diesen Text gibt es verschiedene Erkenntnisse, worüber ich nicht streiten und niemandem meine Erkenntnis aufdrängen möchte. Nach meiner Sicht wird uns hier der erweckte Mensch geschildert, an dem Gottes Geist gewirkt hat und der sich, wie Nikodemus, zu Christus gezogen fühlte und etwas von seiner Bedeutung erkannte, in dessen Leben es aber nie zur göttlichen Neugeburt und Errettung gekommen war. Nur erweckt oder wirklich errettet? Das ist die Frage, die dieser Bibeltext an dich richtet. Wie wichtig und entscheidend diese Frage ist, wird daran deutlich, dass Jesus seine Antwort mit einem doppelten «Wahrlich» einleitet: «Wenn jemand nicht von Neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen.» Die Juden warteten auf den sichtbaren Beginn des Reiches Gottes. Wann würde der Messias kommen, der die Römer aus Israel vertreibt und sein Reich aufrichtet? Wann würde endlich die Gottesherrschaf sichtbar beginnen? Trotz seiner Erkenntnis über die göttlichen Zeichen, trotz der Anerkennung, die er Jesus gegenüber aussprach, kann Nikodemus so, wie er ist, nicht am Reich Gottes teilhaben, es nicht einmal sehen.
Etwas von Christus und der Wahrheit seines Wortes zu erkennen, reicht nicht aus, um gerettet zu werden. Ein ehrlich gemeinter evangelikaler Lebensstil und Aktionismus sind noch nicht das neue Leben, so gut und ernst das alles gemeint ist. Ohne die von Gott gewirkte Neugeburt wird kein Mensch den Himmel sehen. Ohne diese grundlegende Veränderung kennt man auch das neue Leben in Christus nicht. Es gibt in der Bibel zwei verschiedene Arten von Glauben: einen allgemeinen Glauben und
einen rettenden Glauben. Der allgemeine Glaube weiss, dass es einen Gott gibt. Er erkennt Jesus Christus als Gottes Sohn an und kann auch die Bibel für ein göttliches Buch halten. Er hat vielleicht auch schon die Hilfe des Herrn in Notsituationen erfahren. Aber der rettende Glaube ist mehr. Von diesem Glauben spricht der bekannte Vers aus demselben Johanneskapitel:
«Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat» (Joh 3,16).
Und diese Art Glaube fehlte Nikodemus noch. Er hatte einiges über Jesus erkannt und fühlte sich zu ihm hingezogen. Aber er hatte Jesus noch nicht als Sohn Gottes erkannt und was das für ihn persönlich bedeutete.
Vielleicht weisst du auch schon viel über Jesus. Du glaubst, dass er Gottes Sohn ist, am Kreuz starb und auferstand. Aber es ist das eine, diese biblischen Wahrheiten verstandesmässig zu bejahen. Wirklich zu erkennen, warum Christus für mich, als durch und durch verlorener Mensch, kommen musste und welche grundlegenden Konsequenzen das für mein Leben hat, ist das andere. Nikodemus versteht noch nicht, was ihm Jesus sagte. Zugleich liegt in seiner Frage eine tiefe Sehnsucht: Wie kann ein Mensch von Neuem geboren werden? Wenn bei dir dasselbe Heimweh ausgebrochen ist, schieb diese Frage nicht zur Seite. Bleib nicht stehen bei einem erweckten und christlich ernst gemeinten Leben, sondern sieh auf den, der allein diese Sehnsucht stillen kann.
Die Neugeburt – eine göttliche Notwendigkeit
«Wenn jemand nicht von Neuem geboren wird», lässt sich auch übersetzen mit: «von oben her geboren wird». Schon die natürliche Geburt ist ein Wunder. Mit ihr erblickt ein neuer Mensch das Licht dieser Welt. So sehr wir uns über jedes Neugeborene freuen, wird es doch als ein Sünder geboren. Deshalb kann kein natürlicher Mensch in das Reich Gottes kommen, so sehr er sich auch anstrengen mag. Kein natürlicher Mensch kann sein Leben noch einmal unter anderen Voraussetzungen neu beginnen. Kein Mensch kann von sich aus irgendetwas zu seiner Rettung beitragen.
«Von Neuem» oder «von oben her» geboren heisst deshalb, dass ein göttliches Wunder, eine zweite Geburt auf geistlicher Ebene in meinem Leben geschehen muss, um gerettet zu werden. Diese Neugeburt kann ich nicht machen oder erzwingen. Sie ist allein ein göttliches Geschenk. Neugeboren werde ich nicht, indem ich bei einer christlichen Veranstaltung die Hand hebe, eine Entscheidungskarte unterschreibe oder einem Aufruf nach vorne folge. Damit man mich nicht falsch versteht – auch diese Dinge haben Menschen getan, die von Neuem geboren wurden. Aber viele taten dies auch aus einer gefühlsmässigen Regung, einer momentanen Begeisterung oder einer mangelhaften Erkenntnis des Evangeliums, ohne dass es zu einer Neugeburt kam. Von Neuem geboren werde ich auch nicht durch eine Entscheidung: «Ich will (halt) Christ werden», so wie ein Kind sagt: «Ich will mal ein Fussballstar werden». In Johannes 1,13 lesen wir:
«… die nicht aus Geblüt, auch nicht aus dem Willen des Fleisches, auch nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.»
Die göttliche Neugeburt ist ein göttliches Wunder. Gott greif von oben her ein und beginnt etwas völlig Neues im Leben, eine ganz neue Schöpfung, wie der Apostel Paulus sagt. Nur dieses von Gott eingepfanzte göttliche Leben hat Zugang zum Himmel. Allein durch diese Neugeburt kommt es wirklich zu einer grundlegenden Veränderung im Leben. Alles andere, eine noch so gut gemeinte christliche Verhaltensweise, ist dagegen nichts anderes als ein Übertünchen meines verlorenen Zustands. «Was aus dem Fleisch geboren ist, ist Fleisch». Anders gesagt: Der irdischsündige Mensch kann nur Irdisch-Sündiges hervorbringen. Nikodemus konnte das nicht verstehen. Dadurch wird deutlich, dass er noch nicht von Neuem geboren war. Aber in seiner Liebe öfnet ihm Jesus weiter den Blick für das Eigentliche: «Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes hineingehen» (Joh 3,5). Viele haben diesen Vers missverstanden und meinten, dass mit dem Wasser die Taufe gemeint sei. Dies kann aber nicht sein. Die Wassertaufe wird durch Menschen ausgeführt. Die göttliche Neugeburt dagegen kann nur Gott durch seinen Geist in einem Menschen wirken. Ausserdem gab es die christliche Taufe zum Zeitpunkt, an dem Jesus das sagte, noch nicht. Durch die Taufe oder andere christliche Rituale wird kein Mensch gerettet. Es wird erzählt, dass nach einer Predigt eine sehr beunruhigte Frau zu ihrem Pastor kam: «Herr Pastor, was fehlt mir denn noch? Ich bin getauf, konfrmiert, kirchlich getraut und nehme of das Abendmahl.» «Zwei Dinge fehlen Ihnen noch»,
antwortete der Pastor, «die kirchliche Bestattung und die ewige Verdammnis». Mit dieser drastischen Antwort machte er deutlich, dass äussere Handlungen niemals einen Menschen retten können.
Mit dem Wasser muss also etwas anderes als ein äusseres Zeichen gemeint sein. In Epheser 5,25-27 spricht Paulus von dem reinigenden und heiligenden Wasserbad des Wortes Gottes. Petrus bringt die Wiedergeburt auch in den Zusammenhang mit dem unvergänglichen Samen von Gottes Wort. Die Heilige Schrif, Gottes Wort, hat in sich die Kraf, neues Leben zu schafen. Das ist ein göttliches Wunder. Wie viele Menschen haben das schon erlebt, als sie beim Hören von Gottes Wort die Wahrheit erkannten und von Grund auf verändert wurden. Das Wasser kann hier noch eine zweite Bedeutung haben. In Johannes 7,38-39 lesen wir:
«Wer an mich glaubt, wie die Schrif gesagt hat, aus seinem Leibe werden Ströme lebendigen Wassers fiessen. Dies aber sagte er von dem Geist, den die empfangen sollten, die an ihn glaubten; denn noch war der Geist nicht da, weil Jesus noch nicht verherrlicht worden war.»
Das Wasser steht hier auch für den Heiligen Geist. Es ist möglich, Johannes 3,5 wie folgt zu übersetzen:
«Wenn jemand nicht aus Wasser (und) «oder sogar»2 nicht aus Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes hineineingehen.»
Die göttliche Neugeburt ist ein Wunder, welches nur der Heilige Geist durch das Wort Gottes bewirken kann. Weil die Neu- oder Wiedergeburt ein göttliches Wunder ist, kann sie rational nicht nachvollzogen werden. Auch alle menschlich-religiösen Theorien versagen an dieser Stelle. «Der Wind weht, wo er will, und du hörst sein Sausen, aber du weisst nicht, woher er kommt und wohin er geht; so ist jeder, der aus dem Geist geboren ist» (Joh 3,8). Wenn ich draussen stehe, kann ich den Wind spüren. Ich weiss aber nicht, woher er kommt und wohin er weht. Genauso kann der Mensch von Natur aus die Neugeburt nicht erklären. Sie ist eine Realität, nicht eine philosophische Idee oder ein intellektueller Vorgang. Wie man den Wind spürt, so hat sie wahrnehmbare Auswirkungen und sichtbare Kennzeichen. Genauso wenig wie ein Wind wehen kann, ohne dass man ihn spürt, kann ein Mensch von Neuem geboren werden ohne eine wahrnehmbare Lebensveränderung. Die Bibel nennt uns verschiedene Kennzeichen eines wiedergeborenen Menschen:
• Erkenntnis der eigenen Verlorenheit und der Bedeutung des Werkes Christi (Röm 3,10-12.23-26)
• Durch Gottes Wort Gewissheit der Sündenvergebung und Gotteskindschaf (Röm 8,16; 1Petr 1,3)
2 Vgl. William MacDonald, Kommentar zum Neuen Testament Band 1, S. 357, CLV Bielefeld 1989
BEFREIT, UNVERBITTERT, KRAFTVOLL
• Eine sichtbar veränderte Lebensführung, ein neuer Lebensinhalt, ein neues Lebensprogramm und ein neues Lebensziel (Eph 5,8-11; 1Thess 1,9-10)
• Ein innerer Hunger nach Gottes Wort und ein innerer Zug zum Gebet (1Petr 2,2; Röm 8,26)
• Anfechtungen – durch das eigene Fleisch, den Satan und die Welt (Röm 7,22-25; 1Petr 5,7; 1Joh 2,15-16)
• Durch Christus – Sieg über die Sünde und die Anfechtung (Röm 6,14; Gal 5,19)
Die Wiedergeburt kann nur Gott durch seinen Heiligen Geist bewirken. Sie entzieht sich jeder menschlichen Anstrengung oder Einfussnahme. Jesus macht deutlich, wie es in einem Leben zur Neugeburt kommt. Er greif dazu eine Geschichte auf, die Nikodemus aus dem Alten Testament gut bekannt war.
Die Israeliten waren damals in der Wüste Gott ungehorsam.
Zur verdienten Strafe sandte Gott feurige, gifige Schlangen in das Lager. Wer von solch einer Schlange gebissen worden war, war todgeweiht, er hatte keine Chance mehr auf Rettung. Aber in seiner Gnade liess Gott durch Mose eine bronzene Schlange an einem Pfahl aufrichten. Die vergifeten Todeskandidaten konnten nichts zu ihrer Rettung tun, als allein auf diese sichtbare bronzene Schlange zu blicken. Vielleicht versuchten manche selbst, ihre Bisswunden auszuwaschen, aufzuschneiden oder abzubinden. Aber es war genauso nutzlos wie der Versuch, sich zu einem Heilkundigen zu schleppen oder mit Arznei dem Gif entgegenzuwirken. Allein der Blick auf die aufgerichtete Schlange rettete. Wer diesen Blick tat, bekam das Leben neu geschenkt.
Keiner von uns kann durch irgendeine Bemühung oder Willensanstrengung die Neugeburt erwirken. Genauso wie die Israeliten damals, sind wir hofnungslos durch die Sünde vergifet. Der Tod und die ewige Verdammnis sind das gerechte und heilige Gericht Gottes über uns. Daran können auch alle noch so gut gemeinten Anstrengungen und christlichen Bemühungen nichts ändern. Aber weil Gott uns trotzdem so sehr liebt, liess er den ewigen Gottessohn Jesus Mensch werden. Er durchlebte Menschsein in seiner ganzen Tiefe. Er erfuhr am eigenen Leib, was Armut, Schmerzen, Einsamkeit und Versuchung bedeuten. Aber Jesus blieb bei allem ohne Sünde. Nie kam ein unwahres oder gehässiges Wort über seine Lippen. Nie hatte er einen unsauberen Gedanken. Niemals suchte er den eigenen Vorteil. In allem tat er nur den Willen Gottes und suchte allein die Ehre seines Vaters im Himmel. Im Licht seines gottgefälligen Lebens wird unser sündiges Elend umso deutlicher. Mit seinem Leben erfüllte er ohne den geringsten Abstrich das vollkommene Gesetz Gottes. Von uns Menschen verkannt, liess sich der sündlose und gerechte Gottessohn unschuldig verurteilen und ans Kreuz nageln. Und dann hing er blutüberströmt unter grausamsten Schmerzen zwischen Himmel und Erde in der stechenden Sonne – wegen deiner und meiner Sünde. Er tat dies aus Liebe zu dir und zu mir. Gott liess seinen unschuldigen Sohn für dich und mich sterben. Er gab sein Leben stellvertretend hin, um dir und mir Rettung zu ermöglichen. Er erlebte am Kreuz völlige Gottverlassenheit und trug das gerechte Gericht Gottes über eine verlorene Menschheit. Sein Blut foss zur Vergebung der Sünde.
«Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht,
BEFREIT, UNVERBITTERT, KRAFTVOLL
sondern ewiges Leben hat» (Joh 3,16). Vorhin machte ich deutlich, dass die Neugeburt ausschliesslich ein göttliches Wunder ist. Nur Christus, durch seinen Heiligen Geist, kann sie in uns bewirken. Trotzdem sind wir damit nicht aus der Verantwortung genommen. Er wird Neugeburt aber nur dort schenken, wo Menschen ihre eigene Unfähigkeit erkennen und sich nach der Neugeburt sehnen. Das ist der rettende Glaube, von dem die Bibel spricht: Die Erkenntnis der eigenen Verlorenheit, die Erkenntnis, gar nichts zu meiner Rettung hinzutun zu können, und die Erkenntnis, dass Christus alles für mich getan hat, dass er allein in meinem Leben etwas völlig Neues beginnen kann: «Herr Jesus, du siehst meinen hofnungslosen Zustand, ich habe erkannt, dass ich dir nichts als Schuld zu bringen habe, dass auch alle meine gut gemeinten christlichen Anstrengungen Sünde sind, weil sie nichts anderes sind als ein Aufegehren gegen meine völlige Verdorbenheit. Weil ich gar nichts zu meiner Rettung tun kann, bitte ich dich, dass du selbst mich rettest, dass du in mein Leben kommst, in mir etwas völlig Neues schafst und mir meine Sünde vergibst. Ich kann dir nur danken, dass du alles für mich getan hast.»
Die Bibel ruf zur Umkehr auf: Bekehrung ist die Erkenntnis der eigenen Verlorenheit, die Bereitschaf zur Abkehr von allem, was in meinem Leben bisher damit zusammenhing, und die Zuwendung zu dem, der allein durch seinen Geist einen neuen Menschen aus mir machen kann. Diese Erkenntnis zieht jeden Boden unter eigenständigen Füssen hinweg, sie ist etwas völlig anderes als ein selbstgefälliges «ich habe mich für Christus entschieden». So wie man sich für eine neue Automarke entscheidet. Kein Mensch kann die Neugeburt machen, aber Christus schaf sie in jedem, der aufrichtig zu ihm kommt, der seine
eigene Verlorenheit erkannt hat und im Glauben ihn darum bittet. In Johannes 1,12-13 lesen wir:
«So viele ihn aber aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben; die nicht aus Geblüt, auch nicht aus dem Willen des Fleisches, auch nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.»
Die Neugeburt – ein göttliches Erfordernis, um gerettet zu werden, um das Leben aus Gott zu haben. Am Beispiel von Nikodemus sehen wir, dass es nicht ausreicht, erweckt zu sein, sich von Christus angezogen zu fühlen und sich zu bemühen, christlich zu leben. Es genügt nicht, über biblisches Wissen zu verfügen und es intellektuell zu bejahen. Die Frage ist, ob du von Neuem geboren bist, ob dein Glaube der rettende Glaube an den ist, der dich geliebt und sich selbst für dich hingegeben hat, der alles für deine Rettung vollbracht hat.
Das Geheimnis des neuen Lebens ist das Geheimnis der Neugeburt. In der Bibel steht dazu:
«Daher, wenn jemand in Christus ist, so ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden» (2Kor 5,17).
«Alles, was mir der Vater gibt, wird zu mir kommen, und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstossen; denn ich bin vom Himmel herabgekommen, nicht dass ich meinen Willen tue, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat. … dass ich von allem, was er mir gegeben
BEFREIT, UNVERBITTERT, KRAFTVOLL hat, nichts verliere, sondern es auferwecke am letzten Tag. Denn dies ist der Wille meines Vaters, dass jeder, der den Sohn sieht und an ihn glaubt, ewiges Leben hat; und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag. … Niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater, der mich gesandt hat, ihn zieht; und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag»
(Joh 6,37-40.44).