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Marshall Segal

NOCH NICHT VERHEIRATET

Das Streben nach Freude im Single-Sein und in der Kennenlernphase

Marshall Segal

NOCH NICHT VERHEIRATET

Das Streben nach Freude

im Single-Sein und in der Kennenlernphase

Marshall Segal Noch nicht verheiratet

1. Aufage 2019

ISBN: 978-3-947196-19-7 Alle Rechte vorbehalten.

Originaltitel: Not Yet Married. The Pursuit of Joy in Singleness & Dating

Copyright © 2017 by Marshall Segal

Published by Crossway

A publishing ministry of Good News Publishers Wheaton, Illinois 60187, U.S.A.

This edition published by arrangement with Crossway. All rights reserved.

Copyright © der deutschen Ausgabe 2019

EBTC Europäisches Bibel Trainings Centrum e. V. An der Schillingbrücke 4 ∙ 10243 Berlin www.ebtc.org

Übersetzung: Benjamin Depner

Lektorat: Christina Riediger, Sinja Heinemann

Cover & Satz: Oleksandr Hudym

Herstellung: ARKA, Cieszyn (Polen)

Abkürzungen der Bibelübersetzungen:

ELB2003: Elberfelder Übersetzung 2003 (Edition CSV Hückeswagen)

ESV: English Standard Version

SCH2000: Schlachter 2000

Bibelzitate erfolgen in den meisten Fällen nach der Elberfelder Übersetzung 2003 (Edition CSV Hückeswagen).

Für Ellis Kai, ob verheiratet oder nicht, möge dein Herz Gott gehören.

Empfehlungen

„Ich bin seit achtundvierzig Jahren verheiratet. Doch selbst jetzt, ein halbes Jahrhundert später, sind mir die Tage, in denen ich mich in Noël verliebt habe und mit ihr ‚ausgegangen‘ bin, noch sehr lebhaft in Erinnerung. Sie sind einzigartig und fantastisch. Ehe hat ihre befügelnden Höhepunkte, aber die Jahre, die zur Ehe hinführten, waren gefutet mit unvergleichlichen Emotionen, die ich weder davor noch danach verspürte. Wir brauchen Gottes Weisheit. Und wir brauchen seine übernatürliche Hilfe, um sie auszuleben. Marshall Segal ist ein vertrauenswürdiger Wegweiser. Er ist sich der Welt bewusst, doch in Übereinstimmung mit der Schrift. Gott überließ uns nicht uns selbst in dieser unstetigen Lebensphase, sondern er gab uns Weisheit und Kraft. Marshall wird dich auf beide hinweisen.“

John Piper, Gründer von desiringGod.org; Kanzler des Bethlehem College & Seminary

„Marshalls Buch ist sehr aufschlussreich und regt zum Nachdenken und zur Selbstprüfung an. Er ist außerdem erfrischend transparent, indem er weitergibt, was er selbst – manchmal auf die harte Tour – durch Gottes Wort und seine Führung erfahren hat. Nachdem Marshall seine Reise durch die Jahre des Single-Seins aufgezeichnet hat, war ich erfreut zu sehen, wie Gott ‚zu seiner Zeit‘ Faye in sein Leben gebracht hat. Nun bin ich sehr glücklich, dass er dieses Buch geschrieben hat, das ein Fest für Männer und Frauen in jeder Lebensphase sein wird, während sie sich durch jedes unerfüllte Verlangen in diesem Leben kämpfen, um der Freude in Christus nachzujagen.“

Nancy DeMoss Wolgemuth, Moderatorin, Revive Our Hearts; Autorin von „Lügen, die wir Frauen glauben“; „Der Schlüssel zur Freude: Wie eine dankbare Haltung Ihr Leben verändert“ und „Das Tor zur Freiheit: Wie Vergebung Ihr Leben verändert.“

Inhaltsverzeichnis

Einführung

Teil I:

1. Liebe sucht dich

2. Single, erfüllt und ausgesandt

3. Mit ungeteiltem Herzen und festem Blick

4. Liebe das Leben, das du nie wolltest

5. Jeden kennend und doch ungekannt

6. 100.000 Stunden

7. Aufgeschobene Nachfolge

8. Der geheime wichtigste Schritt

9. Für mehr als nur die Ehe daten

10. Das beste Buch zum Thema Dating

11. Dein letztes erstes Date

12. Ist er der Richtige?

13. Sexuelle Freiheit und Reinheit

14. Kriegshandlungen für die Liebe

15. Das fünfte Rad, das wir alle brauchen

16. „Es hat nichts mit dir zu tun – Gott will das so“

Schlusswort: Was ich mir für deine Ehe wünsche

Danksagung

EINFÜHRUNG

Wir leben und daten1 in einer Instant-Gesellschaft. Wir können uns anschauen, was wir wollen, und zwar, wann wir wollen, und wo wir wollen. Wir können uns jede Art von Essen bestellen und haben es innerhalb von Minuten an unserer Haustür. Und wir können – sicher und bequem von der vollgekrümelten Couch unserer WG aus – alles „liken“, was wir wollen, und firten und schreiben, mit wem wir wollen. Diese Selbstbezogenheit und Ungeduld sind auch die Hauptgründe für den massiven Anstieg von vorehelichem Sex, sodass über die Hälfte von uns noch vor dem Schulabschluss Geschlechtsverkehr hat. Wenige computergenerierte Bilder genügen schon, dass auf den ersten Blick alles nach unbegrenzter Freiheit und nach einem wilden Abenteuer aussieht. Aber was, wenn wir eine viel größere Freiheit und ein größeres Abenteuer verpassen, weil wir uns mit etwas Schnellerem, Einfacherem und Billigerem zufriedengeben? Was, wenn wir realisieren, dass wir bisher ein Fünf-Gänge-Menü im Gourmet-Restaurant verschmäht haben, weil wir uns mit ein paar einzelnen Brotkrumen begnügt haben, die noch auf dem Frühstückstisch rumlagen?

1 Hinweis des deutschen Verlags: Das „Dating“ hat in Nordamerika eine lange Tradition und folgt dabei seinen eigenen gesellschaftlichen Regeln. So ist ein Date (vor allem das erste Date) dort eher unverbindlich und damit nicht mit einer klassischen Verabredung in unserer Kultur gleichzusetzen. Die englischen Worte date bzw. dating wurden dennoch in die Übersetzung des Buches aufgenommen, da sie im Deutschen mittlerweile gebräuchlich sind und auch zunehmend der modernen Ausdrucks- und Lebensweise unserer Gesellschaft entsprechen.

Wenn wir uns unser Datingverhalten anschauen – auch im Gemeindekontext – müssen wir zugeben, dass zu viele von uns einfach eine total verdrehte Vorstellung davon haben. Kaum aus der Grundschule raus, können wir es kaum erwarten, erste Bekanntschaften mit dem anderen Geschlecht zu machen, warten dann aber damit, zu heiraten und sesshaft zu werden, bis wir Karriere gemacht und etwas Freiheit genossen haben. Beziehungen sind für uns wie neue Schuhe, die wir kaufen und solange tragen, bis sie unbequem oder unpassend werden, und dann schauen wir uns sogleich nach dem nächstbesten Paar um. Meistens gefällt uns der Gedanke der sexuellen Enthaltsamkeit vor der Ehe, nur dann nicht, wenn es darauf ankommt. Unterdessen erfndet die Welt immer mehr Wege und einfachere technologische Mittel, die uns dabei helfen, uns zu früh jemandem hinzugeben, den wir nicht einmal kennen. Wir lieben es, geliebt zu werden, dabei sind wir uns nicht einmal sicher, was Liebe überhaupt ist.

Das ganze Dating-Spiel lebt von Adrenalin und der Uneindeutigkeit – immer nur so viel zeigen, um Interesse und Neugier zu wecken, aber nie genug, um die wichtigsten Fragen zu beantworten. Es ist ein Katz-und-Maus-Spiel ohne Mäuse (und ich denke, wir sind uns einig, dass es nichts Schlimmeres gibt als einen Raum voller Katzen). Wir ködern uns gegenseitig mit Halbwahrheiten, zeigen uns stets von unserer besten Seite und überlegen uns sorgfältig, welche Dinge wir anderen mitteilen und wie wir sie darstellen. Wir enthüllen nur das, was andere anlocken oder neugierig machen könnte. Bei der Partnersuche sind wir heutzutage versucht, uns selbst in den Mittelpunkt des Weltgeschehens zu rücken – es geht um meine Interessen, meine Freunde, meine Vorlieben. Wir meinen oft, unser Ziel beim Nachrichten schreiben und Flirten sei die Ehe, aber unser eigentliches Ziel sind nur wir selbst – unser eigenes Image und unser Selbstwert, unsere eigenen selbstsüchtigen Wünsche und unser eigenes Ego. Wir stellen uns selbst immer in so einem guten Licht dar, dass wir die Aufmerksamkeit und die Bestätigung bekommen

können, nach der wir uns so sehnen, aber ohne dabei jemals zu viel zu riskieren oder aufzugeben.

Jesus fordert uns auf, auf eine andere Weise zu lieben und zu daten; auf eine Art, die gegen fast jeden Trend unter den Noch-nicht-Verheirateten geht, aber unendlich viel besser ist. In einer Gesellschaft, in der Wert und Identität daran gemessen werden, von welchen und von wie vielen Menschen wir gemocht werden, erinnert er uns daran, dass unser Wert bereits viel höher ist, als wir wissen, und dass wir von einer Liebe defniert werden, die viel höher ist als menschliche Liebe. Entgegen dem ganzen Versteckspiel und entgegen aller Uneindeutigkeit impft er uns bewusstes Handeln ein – eine Freiheit, miteinander klar, bedacht und in Liebe zu kommunizieren und mit dem Vorrecht, sich in Beziehungen wirklich kennen zu dürfen. Während sich so viele leichtsinnig in dieser Ich-Generation verlieren, befreit er uns von Selbstsucht. Er zeigt uns, wie wir die Interessen, Bedürfnisse und Herzenswünsche anderer über unsere eigenen stellen und lehrt uns, wie wir davon wegkommen, unsere Erfüllung auf Kosten anderer zu suchen. Und wenn alle um uns herum meinen, sie hätten das Recht darauf, alles sofort zu bekommen, bewahrt er uns vor dieser Einstellung und macht uns zu willensstarken Menschen, die ganz bewusst warten, auch wenn ihr Verhalten befremdlich und eigenartig erscheint. Wenn christliches Daten – das bewusste, selbstlose und von Gebet begleitete Streben nach einer Ehe – sich nach Sklaverei anhört, haben wir es nicht kapiert. Wenn sexuelle Promiskuität ohne Verpfichtung sich nach Freiheit anhört, haben wir es nicht kapiert. Jesus mag vielleicht mehr von uns verlangen, aber das tut er nur, um uns etwas viel Besseres zu geben.

Noch nicht verheiratet

Einige von euch werden sich mit diesem Buchtitel bereitwillig identifzieren. Andere werden sich dadurch vielleicht angegrifen fühlen. Wenn du zu letzteren gehörst, liest du diese Einführung wahrscheinlich mit (nicht so geheimer) Absicht so, dass deine völlige Unzufriedenheit mit so einer oberfächlichen Sicht von dem Single-Sein bestätigt wird. Warum sollte unsere Identität davon abhängen, ob wir verheiratet sind oder nicht? – Vor allem, wenn wir Kinder des lebendigen Gottes sind, durch den Glauben an Jesus, erkauft mit einem unendlich hohen Preis, gefüllt mit göttlicher Kraft und mit dem Versprechen eines ewigen Lebens voller Freude.

Obwohl ich während meiner Jahre als Single auf den Rat und die Ermutigung von Verheirateten auf diese Weise reagiert habe – „Hör auf, mich über mein Single-Sein zu defnieren!“ – begann ich irgendwann, diesen Ausdruck „noch-nicht-verheiratet“ zu mögen. Und das aus mindestens vier Gründen. Erstens gibt es sehr viele Christen, die den tiefen und anhaltenden Wunsch nach einer Ehe haben; Menschen, deren Herzen sich zutiefst danach sehnen, einen Ehemann oder eine Ehefrau zu fnden. Es ist eine Berufung, die sie als gottgegeben erachten; und trotzdem bleibt sie für den Moment noch unerfüllt. Viele von ihnen haben sich um eine korrekte Herangehensweise bemüht – nicht zu schnell durchstarten, klare Regeln und Grenzen festlegen und sich an Freunde und Ratgeber halten. Aber es hat nicht funktioniert. Die Dates sind nicht gut gelaufen oder es hat überhaupt niemand Interesse gezeigt. Andere haben sich in eine Beziehung nach der anderen gestürzt, hinund hergezerrt von ihrem Verlangen nach Intimität, das sexuelles Fehlverhalten und Reue nach sich zog. Ihnen wurde erzählt, ihr Verlangen sei etwas Gutes, aber sie haben keine Ahnung, wie sie die ersten Schritte gehen sollten, oder wie sie all diese Monate oder Jahre der Zerrissenheit und Einsamkeit beurteilen sollten. Es kann sein, dass das nicht auf dich zutrift, aber es traf auf mich zu und wahrscheinlich auch auf ein paar deiner christlichen Freunde. Ich

wünschte mir, dass unser Warten und Sehnen sich ändert und dass wir unsere Aufmerksamkeit darauf lenken, was Jesus uns schon jetzt gegeben und versprochen hat. Lasst uns das beachten, was er uns zu tun aufgetragen hat – etwas, das in jeder Phase unseres Lebens gilt, unabhängig von unserem Familienstand.

Zweitens werden statistisch gesehen die meisten von euch einmal heiraten. Einige von euch werden zu einem Leben als Single berufen sein und es wird etwas Schönes sein, zu sehen, wie ihr euch an Christus erfreut und anderen als Single dient. Für die Welt wird es höchst erstaunlich sein, zu sehen, wie jemand die Freude ehelicher Liebe und sexueller Nähe dafür eintauscht, ein Leben lang Gott zu lieben und sein Leben dafür hinzugeben, Menschen zu Christus zu führen. Aber die meisten von euch werden heiraten, selbst wenn eine Ehe jetzt noch gar nicht in Aussicht steht oder Teil eurer Lebensplanung ist. Wenn der Trend der letzten Jahrhunderte anhält, wird der Durchschnittsgläubige irgendwann in seinem Leben einmal heiraten. Darum scheint es angemessen zu sein, wenn man mit Gläubigen in den Zwanzigern oder Dreißigern redet, davon auszugehen, dass sie einmal heiraten werden. Diese Tatsache sollte uns aber nicht völlig einnehmen. Wir dürfen unsere Entwicklung oder unsere Zufriedenheit nicht von unserem Familienstand abhängig machen. Auch sollen wir eine Ehe nicht um jeden Preis anstreben. Wir sollten jedoch schon vorbereitet und treu sein, wenn Gott uns dazu beruft, einen Ehepartner zu lieben und ihm zu dienen.

Manche von euch sind noch nicht überzeugt. Ihr seid immer noch skeptisch und fühlt euch angegrifen. Ironischerweise ist das ein weiterer Grund, warum ich den Ausdruck „noch-nicht-verheiratet“ mag. Immer mehr junge Leute werden desillusioniert und pessimistisch in Bezug auf die Ehe. Es gibt dafür verschiedene Gründe, da bin ich mir sicher. Scheidung ist wohl der größte. Viele von uns haben die Bitterkeit einer Scheidung selbst geschmeckt oder hatten Freunde, die darunter litten. Warum sollte gerade meine Ehe funktionieren? Warum sollte ich mich solcher Trauer und derartigem

Schmerz aussetzen? Ich möchte, dass zumindest einige von euch wieder an Ehe glauben. Eines der radikalsten und kulturwidrigsten Dinge, die wir heutzutage tun können, um unseren Glauben an Jesus zu bezeugen, ist, jemanden zu heiraten und dieser Person treu zu bleiben bis zum Tod.

Zu guter Letzt: Diesseits des Himmels sind wir alle noch nicht verheiratet. Jede Hochzeit ist nur ein kleines und unzureichendes Abbild von einer zukünftigen Hochzeit, bei der wir für alle Ewigkeit unserem Retter und König übergeben werden. An diesem Tag werden wir singen: „Lasst uns fröhlich sein und frohlocken und ihm die Ehre geben; denn die Hochzeit des Lammes ist gekommen, und seine Frau hat sich bereitet“. Gott gebraucht unsere Ehen sozusagen als Trailer für eine zukünftige Ehe. Die Art und Weise, wie wir unseren Ehepartner lieben, so unvollkommen diese Liebe auch sein mag, sagt viel über die Liebe aus, die Gott zu uns hat, aber im Vergleich dazu ist sie nichts. Eine Ewigkeit des Friedens, der Freude und des Lebens, am Kreuz erkauft von unserem Bräutigam – für uns. Eines Tages werden wir ihn von Angesicht zu Angesicht sehen. Es wird das größte Familienwiedersehen aller Zeiten – die Hochzeit aller Hochzeiten – wenn Gott uns mit ofenen Armen empfängt, uns zerbrochene Geschöpfe, die wir durch das Blut Jesu wunderschön und herrlich gemacht wurden. Wir werden alle verheiratet sein; und diese Ehe sollte all unser Wünschen und Sehnen in diesem Leben prägen.

In Noch nicht verheiratet konzentriere ich mich nicht auf das Negative. Wenn wir in Christus sind, liegt unsere Identität nicht länger darin begründet, was wir nicht sind. Wir haben zu viel in ihm, als dass wir uns davon entmutigen lassen müssten, dass wir etwas anderes nicht haben – auch wenn es um Dinge geht, die in diesem Leben als wichtig gelten, wie einen Job, einen Ehepartner oder Kinder. Die Dinge, die unser Leben hier erfüllen und uns glücklich machen, sind bloß kleine Sandkörner, verglichen mit den unendlichen Stränden der Erkenntnis Christi. Es war immerhin ein unverheirateter Mann,

der sagte: „… ja wahrlich, ich achte alles für Verlust wegen der Vortrefichkeit der Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, um dessentwillen ich alles eingebüßt habe und es für Dreck achte, damit ich Christus gewinne und in ihm gefunden werde“ (Phil 8,8–9).

Meine Geschichte des „Noch-nicht-verheiratet-Seins“

Mein Wunsch, einmal verheiratet zu sein, war schon da, lange bevor ich Auto fahren konnte. Vielleicht habe ich zu viele Disneyflme gesehen. Vielleicht hat das Brennen (1Kor 7,9) bei mir einfach zu früh begonnen. Ich denke, der Wunsch trat besonders dann auf, wenn ich sah, wie meine Eltern sich liebten. Meine Eltern sind nicht perfekt und ihre Ehe war auch nicht immer perfekt, aber das Bild von ihnen ist seit meiner Kindheit dasselbe geblieben: Sie waren immer glücklich miteinander – sie küssten sich, wenn Papa von der Arbeit kam, sie lasen zusammen im Wohnzimmer, Abend für Abend, sie liebten ihre Söhne, sie lachten über ihre langweiligen Witze, sie saßen jeden Morgen zusammen, um die Bibel zu lesen und miteinander zu beten, manchmal auch nur für ein paar Minuten. Ich sah die Freundschaft und die Romantik, die sie genossen und träumte davon, dasselbe für mich zu fnden.

Es war ein guter Wunsch, aber er rief in meinem unreifen Zustand nicht viele gute Dinge hervor. Genauer gesagt, war nichts in meinem Glaubensleben verwirrender und unsicherer als meine Suche nach einer Ehe. Schon viel zu früh sehnte ich mich nach der Zuneigung, Sicherheit und Intimität, die ich von einer Ehefrau erwartete. Leider richteten diese Sehnsüchte, wie zu erwarten, mehr Schaden an, als dass sie mir halfen. Ich fng zu früh an mit Daten. Ich ließ Beziehungen einfach ihren Lauf. Ich experimentierte zu viel mit meinem Herzen und mit den Herzen der Mädels und übertrat zu viele Grenzen. Ich sagte zu früh, „Ich liebe dich“. Ich suchte verzwei-

felt nach Liebe, ohne dass mein Herz und meine Hofnung fest in Christus verankert waren. Also landete ich stets da, wo ich startete: alleine, und sogar noch verunsicherter und beschämter als davor. Auf meinem Lebensweg sündigte ich gegen einige junge Frauen und verletzte sie, weil ich von meiner eigenen Selbstsucht geführt und verblendet wurde, anstatt in Beziehungen mit gutem Beispiel voranzugehen wie ein fürsorglicher und selbstbeherrschter Sohn Gottes. Während Gott mir also in meinen Zwanzigern die Ehe vorenthielt, erinnerte mich mein Single-Sein regelmäßig daran, über ein Jahrzehnt lang, dass ich es vermasselt, Gelegenheiten verpasst und alles falsch gemacht hatte.

Ich traf Alyssa Faye Nera am 11. Oktober 2012, einen Tag bevor wir Seite an Seite auf die Hochzeit von jemand anderem gingen, als Trauzeuge und Brautjungfer. Wir heirateten zweieinhalb Jahre später. Ich war neunundzwanzig. Sie war achtundzwanzig. Ich schrieb große Teile dieses Buches und lernte fast alle Lektionen, bevor ich meine Frau heiratete. Durch sie hat Gott mich in diesen zwei Jahren vieles gelehrt, insbesondere durch ihre Zufriedenheit in Christus, ihr Gebetsleben und ihren Eifer im Streben nach Reinheit. Meine Beziehung mit Faye war eine unerwartete, unverdiente Anomalie in meiner zerbrochenen Suche nach einer Ehe. Ein großer Teil unserer Geschichte wird sich an vielen Stellen des Buches wiederfnden, aber was ich schon mal vorausschicken kann, ist, dass unser Daten, unsere Verlobung und mittlerweile unsere Ehe eine Geschichte ist, in der Gott heilte, was zerbrochen war, wiederherstellte, was verloren ging, zurechtbrachte, was falsch lief, und etwas völlig Neues erschuf.

Wenn ich zurückschaue, bin ich überzeugt, dass Gott mir die Ehe vorenthielt, um mich zu erziehen, – nicht um mich zu strafen, sondern um mich vorzubereiten und mich zu einem Mann und einem zukünftigen Ehemann heranreifen zu lassen. Zum anderen glaube ich auch, dass er mich auf diese Weise näher zu sich hinziehen wollte und mir die Möglichkeiten geben wollte, meine Gaben zu nutzen,

um anderen zu dienen, während ich noch Single war. Darum ist Noch nicht verheiratet kein Buch, in dem es darum geht, sich in den letzten Winkel der Erde zu verkriechen und darauf zu warten, dass Gott einen Ehepartner vorbeibringt. Vielmehr geht es darum, dich – als Teil einer Generation, in der die Zahl der Singles stetig wächst – herauszubewegen aus Scham, Selbstsucht und Selbstmitleid und dich hineinzubewegen in eine tiefere Liebe zu Christus und einen beständigeren und kreativeren Dienst für andere.

Das Leben der Noch-nicht-Verheirateten

Dies ist ein Buch für Noch-nicht-Verheiratete, in dem es nicht hauptsächlich um Ehe oder Dating geht. Mein Ziel war es, ein Buch für noch nicht verheiratete Männer und Frauen zu schreiben, in dem es um Gott und unsere Rolle in seiner Welt geht. Anstatt nur davon zu sprechen, was du tun und lassen sollst, und was noch nicht an der Reihe ist, soll dich dieses Buch inspirieren und damit vertraut machen, was Gott jetzt für dich bereithält. In der ersten Hälfte des Buches geht es um das Leben der Noch-nicht-Verheirateten – um einen Sinn für Freude, Zweck und Zugehörigkeit im Singledasein. Ich will unbedingt, dass du verstehst, dass du für mehr geschafen wurdest als Ehe – und dass eine Ehe deine tiefsten Bedürfnisse und Sehnsüchte niemals stillen wird. Der Versuch, unser Glück und unsere Erfüllung in Menschen zu fnden, wird jede Beziehung aufzehren und zerstören. Und das sage ich als jemand, der jahrelang einer Ehe nachgejagt ist, eine Beziehung nach der anderen hatte, und versucht hat, Liebe, Selbstwert und Identität in einer Ehefrau zu fnden. In diesen Kapiteln geht es um das Single-Sein eines „Noch-nicht-Verheirateten“, aber sie sprechen nicht über die Situation eines jeden Singles. Single-Sein nimmt über die Zeit verschiedene Formen an und ist mit verschiedenen Prüfungen verbunden. Meine Geschichte als Noch-nicht-Verheirateter begann im Teenageralter und dauerte bis Ende zwanzig. Ich denke in diesem Buch also hauptsächlich

an junge Menschen. Wenn du nicht mehr zu diesen zählst, wirst du vielleicht enttäuscht sein, dass du in diesem Buch nicht öfter angesprochen wirst, aber ich hofe, dass du dich darin trotzdem wiederfndest und du mehr daraus mitnehmen kannst, als du erwartest.

Ich hätte auch ein Buch nur über Dating schreiben können – habe ich aber nicht. Ich habe über Single-Sein und Dating geschrieben, weil es bei den wichtigsten Dingen, die ich über Single-Sein und Dating gelernt habe, nicht um Dating oder Ehe ging. Es ging um das Leben und um Gott – darum, echten Sinn und echte Erfüllung zu fnden, die tiefer als jede Romantik ist. Gottes Pläne und Ziele werden nicht dann erfüllt, wenn du heiratest. Er sendet uns in die Welt, sobald er uns errettet, und nicht erst dann, wenn wir vor den Traualtar treten. Noch nicht verheiratete Christen sind keine „Ersatzbank-Christen“. Du bist genauso Christ wie jeder andere – es ist derselbe Retter, der uns davor bewahrt, unser Leben zu verschwenden; derselbe Geist, der uns erneuert und uns ausrüstet, um etwas zu verändern; derselbe Auftrag, aller Welt von Jesus zu erzählen.

In der zweiten Hälfte des Buches werden wir uns auf das Thema Dating konzentrieren. Wir werden damit beginnen, ein Verständnis von Ehe wiederherzustellen, das die mickrigen, oberfächlichen Bilder, die wir in Filmen und im Fernsehen beobachten können, in den Hintergrund drängt. Wir werden uns die Frage stellen, was die Ehe so erstrebenswert macht. Die Wahrheit ist, dass viele von uns aus falschen oder zweitrangigen Gründen nach einer Ehe streben. Andere sind bereit, komplett auf eine Ehe zu verzichten. Aber Gott schafte etwas einzigartig und erstaunlich Schönes, als er Mann und Frau zusammenbrachte. Und wir werden niemals „richtig“ daten, solange wir kein umfassendes, klares und durchdringendes Verständnis davon haben, wofür Ehe gedacht ist. In den restlichen Kapiteln werden wir den Diamanten des christlichen Datings langsam drehen und uns anschauen, was diese Art des Datens so gravierend von anderen Arten unterscheidet. Woher weiß ich, ob er der Richtige ist? Wo sollten wir in unserer Beziehung die Grenzen setzen? Was

mache ich, wenn sie mit mir Schluss macht? Die Art und Weise, wie wir daten, soll anderen zeigen, dass Jesus real und zuverlässig ist.

Wir streben nach Freude, nicht nach Ehe. Bevor uns irgendjemand in der Ehe glücklich machen kann, müssen wir unsere Herzen bereits einem anderen gegeben haben. Die sicherste Liebe, die völlige Glückseligkeit und die höchste Berufung liegen in Jesus für dich bereit – so wie du bist. Diese Dinge musst du zuerst in ihm suchen und fnden. Nur dann wirst du eine glückliche und bedeutungsvolle Ehe führen, sofern Gott dir eines Tages einen Ehemann oder eine Ehefrau zur Seite stellen wird. Und sollte es so sein, dass Gott dies –in seiner Weisheit und seiner unfehlbaren Liebe zu dir – nicht tun wird, dann wirst du dein Leben als Noch-nicht-Verheiratete(r) so viel mehr genießen, als du dir jemals vorstellen kannst, und dieses Leben wird dich mehr erfüllen als jedes Leben, das du ohne Gott hättest fnden können.

TEIL I: DAS LEBEN DER

NOCH-NICHTVERHEIRATETEN

1. LIEBE SUCHT DICH

Wir alle sind so gestrickt, dass wir Freude, Liebe und Anerkennung wollen. Wir wollen alle den emotionalen Höhenfug. Wir schmecken die Freude in vielen Dingen – im ersten Bissen eines nicht ganz durchgebackenen Brownies, in einem Sieg in der Nachspielzeit, in einem neuen Kleid oder neuen Schuhen – aber das Ausmaß dieser Freude ist immer nur so groß, dass wir merken: Wir sind für etwas Größeres geschafen. Jede diesseitige Freude bringt einen leeren, faden Nachgeschmack mit sich. Keine stillt unser inneres Verlangen komplett. Mit diesem Verlangen verbunden ist der Wunsch nach Anerkennung und Liebe. Unser Leben wurde gemacht und uns gegeben, um mit anderen gemeinsam gelebt zu werden. Wir sind alle für Beziehung geschafen, unabhängig davon, ob wir verheiratet sind. Und wir wollen alle, dass sich jemand für unser Leben interessiert. Wir wollen alle einen Beitrag zu einer sinnvollen Sache leisten. Wir wollen etwas verändern. Wenn ein Noch-nicht-Verheirateter beginnt, Liebe, Freude und Anerkennung in einer Person anstatt in Gott zu suchen, entsteht in seinem Leben unweigerlich Unzufriedenheit und Enttäuschung. Wir werden unglücklich; nicht, weil wir nicht verheiratet sind, sondern weil viele denken, Ehe würde uns endlich glücklich machen.

Hätte man mich als Zwanzigjährigen gefragt, was mich glücklich machen würde, hätte ich die richtige Antwort gegeben: „Jesus“. Ich war „christlich“ genug, um sie zu kennen. Aber wenn irgendjemand

damals mein Leben sorgfältig beobachtet hätte und er für mich hätte antworten dürfen, hätte er wahrscheinlich gesagt: „Ehe“. Ich ging jeden Sonntag in die Gemeinde. Ich machte Stille Zeit. Ich machte einen Dienst unter Jungs in der Oberstufe. Ich liebte Jesus wirklich. Aber wenn ich ehrlich bin, hing mein Leben mehr an den Mädels als an Gott. Ich wollte so gerne verheiratet sein, und ich liebte die Aufmerksamkeit, die Zuneigung und Sicherheit in einer Beziehung. Ich stürzte mich also in eine Beziehung nach der anderen, und das fünf oder sechs Jahre lang – fünf oder sechs erste Dates, fünf oder sechs Küsse, die zu früh waren, fünf oder sechs schmerzhafte Trennungen. Ich probierte nie Marihuana aus oder maßlosen Alkoholkonsum. Die Droge, die ich wählte, war in der Gesellschaft nicht so sehr in Verruf, ja, man wurde sogar dazu ermutigt. Ich versuchte verzweifelt, meinen Herzenshunger nach Gott durch Romantik und Intimität zu stillen.

Ich begann jede neue Beziehung unter dem Motto „Meine Suche nach einer Ehe“, aber eigentlich suchte ich in vielen Bereichen nur meinen eigenen Vorteil. Ich liebte das Konzept Ehe, weil ich dachte, durch das Heiraten würde ich erfüllt und vervollständigt werden. Aber weil ich Liebe, Freude und Bedeutung hauptsächlich in einer Ehe suchte, wurde mir das Single-Sein manchmal zum Albtraum. Single-Sein fühlte sich einsam an; ich wartete auf jemanden, der in mein Leben kommt und mich nie wieder verlässt. Single-Sein fühlte sich unvollständig an; ich fragte mich, ob Gott mir meine bessere Hälfte bringen und somit die riesige, klafende Lücke in meinem Leben schließen würde (jedenfalls fühlte sich diese Lücke riesig und klafend an). Single-Sein reizte mich zum Selbstmitleid; ich wollte, was andere bereits hatten in der Meinung, ich hätte es mehr verdient als sie. Beziehungen ragten über all meine anderen Götzen weit hinaus, somit wurde mein Single-Sein zum unerbittlichen Richter und ungewollten Zimmerkollegen, der mich ständig daran erinnerte, was mir noch fehlte und was ich alles vermasselt hatte.

Die Traum-Ehe

Die Bibel sagt, dass Menschen, die darauf aus sind, auf der Erde so viel Freude und Glück wie möglich zu haben – sei es durch Karriere, Sex, Alkohol, ein ausschweifendes Leben, ja sogar durch Ehe –, wie solche sind, die von Essen und Trinken träumen, aber hungrig und durstig aufwachen (Jes 29,8). Das verlockende Festmahl in ihrem Unterbewusstsein und vor ihren geschlossenen Augen – perfekt gegrilltes Fleisch, buntes und frisches Obst und Gemüse, frisch gebackenes Brot, Flaschen mit edlem Wein, Schokolade, gefüllt mit Schokolade, verziert mit Schokolade – ist einfach nur eine Illusion, die grausame Einbildung eines Hungrigen. Für die Noch-nicht-Verheirateten kann dieses imaginäre Festmahl ein gut aussehender, humorvoller, hingegebener Ehepartner sein, zwei oder vielleicht drei Kinder, das Haus, das sie schon immer wollten, Sommerurlaub an einem idyllischen Ort und eine herrliche Erinnerung nach der anderen – die Traum-Ehe. Aber jeder noch so schöne Traum muss einmal enden.

Das Problem ist nicht unser Hunger, sondern dass wir in der falschen Speisekammer suchen. Das tiefe Verlangen in uns ist eine barmherzige Gabe Gottes, die uns zu ihm führen soll. Gott möchte uns bedingungslose Liebe, unbeschreibliche Freude und einen unvergleichlichen Lebenssinn geben, aber viele wollen einfach nur heiraten. „Glückselig, die reinen Herzens sind, die nach der Gerechtigkeit hungern und dürsten, denn sie werden gesättigt werden.“ Gott verankerte Bedürfnisse – starke biologische, emotionale, sexuelle, geistliche, unvermeidliche Wünsche – in jeder menschlichen Seele, damit er sie stillen kann. Er möchte, dass sie erfüllt sind, nicht leer; geliebt, nicht einsam. Einer meiner Lieblingsverse in der Bibel lautet: „Fülle von Freuden ist vor deinem Angesicht, Lieblichkeiten in deiner Rechten immerdar“ (Ps 16,11). Keine größere Freude. Kein Ablaufdatum. Freude und Liebe dieser Art sind kostenlos – „durch Gnade seid ihr errettet“ (Eph 2,5.8) –, aber sie ist nicht billig. Sie benötigen Geduld, harte Arbeit und Ausharren: Tag für Tag müssen

wir uns Gottes Wort ausliefern, uns in seinem Namen für andere aufopfern und uns unter seinen Willen beugen. Paulus nennt das Christenleben einen Kampf und einen Wettlauf (2Tim 4,7). Es kann schwer sein, und man kann sich unterwegs verletzen, aber wir werden es niemals bereuen. Jesus mag vielleicht viel von uns verlangen auf dem Weg in den Himmel, aber er wird es uns – unabhängig davon, ob wir einmal heiraten oder nicht – hundertfach zurückerstatten und uns darüber hinaus noch beschenken (Mat 12,29).

Glaub‘ wieder an die Liebe

Für uns fühlt sich Single-Sein wohl so einsam und armselig an, weil wir uns schwer vorstellen können, dass jemand wie Gott so jemanden wie uns wirklich lieben kann. Manche haben so wenig Liebe in diesem Leben erfahren, dass sie sich gar keine Vorstellungen davon machen können, wie sich Liebe überhaupt anfühlt. Wir wurden von den Eltern verlassen, von Freunden betrogen oder von unserem Freund oder unserer Freundin aufgegeben. Ehe ist für uns also der allerletzte Versuch, Liebe zu fnden, aber tief im Inneren haben wir große Angst davor, wieder enttäuscht zu werden. Wir können uns einfach nicht vorstellen, wahrhaftig, zutiefst und beständig geliebt zu werden. Und dann sagt Gott: „Ich liebe dich.“ Im Ernst?

Gott liebt dich wirklich. „Seht, welch eine Liebe uns der Vater gegeben hat, dass wir Kinder Gottes heißen sollen!“ (1Joh 3,1) Wir sind wertvolle Söhne und Töchter. Gott liebte uns, obwohl wir diese Liebe keineswegs verdient haben (Röm 5,8). Du und ich, wir waren tot ohne Christus – nicht nur verdreht, krank oder dumm, sondern tot. „[…] euch, die ihr tot wart in euren Vergehungen und Sünden“ (Eph 2,1.2). Wir waren absolut nicht liebenswürdig. „Gott aber, der reich ist an Barmherzigkeit, wegen seiner vielen Liebe, womit er uns geliebt hat, hat auch uns, als wir in den Vergehungen tot waren, mit dem Christus lebendig gemacht – durch Gnade seid ihr errettet …“

1. Liebe sucht dich (V. 4–5). Als Gott dich fand, warst du tot in Sünde, in totaler Rebellion gegen ihn, ganz und gar hofnungslos; und er hat dich durch seine Liebe lebendig und zu seinem Eigentum gemacht. Er hat seinen Sohn für dich ans Kreuz gehen lassen, um dir zu zeigen, wie wahre Liebe aussieht, und um dir einen Grund zu geben, wieder an Liebe zu glauben.

Diese Liebe wird dich nie verlassen oder vergessen (Heb 13,5). Er wird niemals mit dir „Schluss machen“. Er wird niemals verschwinden, so wie dein Vater aus dem Leben deiner Familie verschwunden ist. Er lügt niemals, und er stirbt auch nicht, sodass er dich allein zurücklassen könnte. Ja, es kann dich nichts von seiner Liebe trennen (Röm 8,38.39). Wenn du durch den Glauben in Christus verborgen bist, liebt Gott dich, und nichts wird ihn davon abbringen, dich zu lieben. Gott hat Pläne für dich, gute Pläne, die besser sind als alles, was du dir jemals erträumen könntest. „Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört und keinem Menschen ins Herz gekommen ist, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben“ (1Kor 2,9). Dein Vater liebt dich, weit mehr als ein zukünftiger Ehepartner es je könnte.

Gott hat dich absichtlich erschaffen

Der Gott, der dich liebt, hat dich auch erschafen. Er hat dich geformt – deinen Körper, deine Persönlichkeit, jede Zelle in dir – und er kennt dich durch und durch (Ps 139,14.15). Du bist kein Zufall. Du wurdest in Liebe und ganz bewusst erschafen. Aber warum hat Gott mich gemacht und was will er von mir? Viele beginnen, sich diese Frage ernsthafter zu stellen, wenn sie ihr Studium oder ihre Ausbildung beginnen. Ich weiß noch, wie ich damals schlechter schlafen konnte, als ich im zweiten Studienjahr an der Wake Forest University mein Hauptfach angeben musste. Es fühlte sich so an, als müsste ich mich entscheiden, was ich für den Rest meines Lebens tun würde – fünfzig Jahre lang oder sogar mehr. Ich saß da und starrte auf die

drei Möglichkeiten: Lehramt, BWL oder Christliche Studien. Damals schien es, Lehramt würde mich glücklich machen, BWL würde meinen Vater glücklich machen, und Christliche Studien würden Gott glücklich machen. Letztendlich wählte ich BWL. Aber genau in diesem Jahr, mitten in all den Vorbereitungen für meine Zukunft, machte Gott mir klar, warum ich erschafen wurde und wie ich den Rest meines Lebens nach seinem Willen leben sollte, egal, ob als Lehrer, als Kundenbetreuer oder als Pastor – und unabhängig davon, ob ich jemals heiraten würde.

Jeder einzelne Mensch auf diesem Planeten sagt etwas über Gott aus. Der Schöpfer und Erhalter des Universums hat jeden von uns gemacht und uns, so wie alle anderen sieben Milliarden Menschen auf dem Planeten, mit einem Lebenssinn erfüllt. Die meisten Menschen haben Schwierigkeiten damit, zu glauben, wir wären von und für jemanden erschafen worden, der größer ist als wir selbst. Wir werden in einer viel kleineren Welt erzogen; in einer Welt, die auf uns ausgerichtet ist und die nur soweit reicht, wie man sehen kann. Aber Gott hat dich und mich für so viel mehr als Ehe, Karriere oder was auch immer wir anstreben, erschafen. Wenn wir das nicht verstehen, verschwenden wir sehr wahrscheinlich unser Leben, laufen in die falsche Richtung, verfolgen armselige Träume und dienen kleinen Götzen. Je früher wir jedoch die größte Frage unseres Lebens beantworten, desto besser werden wir die kleinen beantworten – zum Beispiel die Frage nach dem passenden Studium, dem geeigneten Arbeitsplatz und dem richtigen Ehepartner. Viele wollen Gott gerade nah genug an sich heranlassen, um gerettet zu werden, aber wollen ihn weit genug auf Distanz halten, um in Ruhe das tun zu können, was sie wollen. Aber wir müssen den Mut haben, zu fragen, warum Gott uns überhaupt gemacht hat. Um diese Frage zu beantworten, fangen wir am besten am Anfang an. „Am Anfang schuf Gott …“ (1Mo 1,1). Die Bibel beginnt nicht mit Adam. Sie beginnt mit Gott. Gott ist der Autor, der Maler, der Schöpfer in dieser Geschichte – in der Geschichte eines jeden Menschen. Also

1. Liebe sucht dich

warum hat Gott dich erschafen? „Und Gott sprach: Lasst uns Menschen machen in unserem Bild, nach unserem Gleichnis ... und Gott schuf den Menschen in seinem Bild, im Bild Gottes schuf er ihn; als Mann und Frau schuf er sie” (1Mo 1,26.27). Warum hat Gott dich erschafen? Er wiederholt sich dreimal, um es ganz deutlich zu machen. Er erschuf dich in seinem Bild, in seinem Gleichnis – um auszusehen wie er. Warum macht jemand etwas in seinem eigenen Bild – ein Gemälde, eine Statue, ein Instagram-Foto?2 Warum erschafen wir Dinge, die jemand anderen abbilden – unsere Eltern, unsere besten Freunde, unsere Lieblingssportler oder -künstler? Weil wir sie anschauen wollen und weil wir wollen, dass auch andere sie anschauen. Warum hat Gott dich erschafen? Diese Frage ist unendlich viel wichtiger als die Frage, wen wir einmal heiraten werden (oder ob wir überhaupt heiraten werden). Die kürzeste Antwort ist: Um anderen ein bisschen etwas davon zu zeigen, wer Gott ist. Um zu bezeugen, welche Liebe wir durch ihn erfahren haben. Wir sind sieben Milliarden Instagram-Fotos von Gott.

Liebe, die zu gut ist, um sie nicht mit anderen zu teilen

Im Bild Gottes geschafen zu sein, heißt, dass wir dafür leben, atmende Abbilder von ihm und seiner Herrlichkeit zu sein – seiner Schönheit, seiner Wahrhaftigkeit, seiner Barmherzigkeit, seiner Gerechtigkeit, seiner Liebe (Jes 43,7). Wir wurden ganz bewusst gestaltet und gemacht, für einen bestimmten Zweck. Darum ist das wichtigste, was wir auf dieser Erde tun können, uns ganz der Aufgabe hinzugeben, der Welt durch unser ganzes Leben zu erzählen, dass Gott wahrhaftiger, größer und erfüllender ist, als wir es in unseren kühnsten Träumen erahnen könnten – egal, ob wir von der erfolg-

2 John Piper hat mir den ersten Anstoß zu diesem Gedanken gegeben in seiner Predigt „Why Did God Create the World?“, 22. September 2012, Desiring God Webseite, http:// www.desiringgod.org/messages/why-did-god-create-the-world.

reichsten Karriere, dem größtem Ruhm oder der glücklichsten Ehe träumen.

Aber wie leben wir für Gott und seine Ehre? Wir machen Gott nicht herrlich und fügen auch nichts zu seiner Herrlichkeit hinzu. Wir richten einfach unsere ganze Aufmerksamkeit auf ihn und seine Herrlichkeit – auf die Schönheit, die wir sehen können, wo wir auch hinschauen, die grenzenlose Macht und die überragende Weisheit, über die wir in der Bibel lesen, auf seine erstaunliche Gnade und Barmherzigkeit, die wir durch seine Liebe empfangen. Folgende Worte von John Piper haben mir die Augen geöfnet: „Gott wird am meisten in uns verherrlicht, wenn wir unsere tiefste Zufriedenheit in ihm fnden!“3 Gottes Eigenschaften – seine vollkommene Heiligkeit, seine absolute Gerechtigkeit, seine nie endende Liebe – werden in mir und in meinem Leben mehr und mehr sichtbar, wenn er und seine Liebe mein Ein und Alles werden. Wenn wir mit unserem Leben zeigen, dass er unser größter Schatz ist, wird er allmählich so großartig und herrlich für uns, wie er wirklich ist. Gott hat uns gemacht, um uns seine Herrlichkeit zu zeigen, und indem er uns mehr von sich selbst zeigt, möchte er uns zu den glücklichsten Menschen machen, die je gelebt haben. Ich verstand: Je größer und herrlicher Gott in meinem Herzen ist, desto größer und herrlicher wird er durch mein Leben dargestellt, und desto mehr erfülle ich den Zweck, zu dem ich geschafen worden bin.

Was ist Gottes Wille für dein Leben (und für deine zukünftige Ehe)?

„Ob ihr nun esst oder trinkt oder irgendetwas tut, tut alles zur Ehre Gottes“ (1Kor 10,31). In absolut allem, was du tust – ob du nach dem Training deinen Protein-Shake trinkst oder dein Lieblingsgetränk bei Starbucks –, tu es zur Ehre Gottes. Was bedeutet das? Paulus fährt fort und sagt, dass er versucht, sich „in allen Dingen allen gefällig [zu] mache[n], indem [er] nicht [seinen] Vorteil such[t], son-

3 John Piper, Desiring God: Meditations of a Christian Hedonist, rev. ed. (Colorado Springs: Multnomah, 2011), 288.

1. Liebe sucht dich dern den der Vielen, damit sie errettet werden“ (1Kor 10,33). Iss und trink, arbeite und genieße, date und heirate auf eine Art und Weise, die danach strebt, die Welt für Jesus zu gewinnen. Erzähle ihnen von der überwältigenden, lebensverändernden Liebe, die du gefunden hast. Was immer du tust, tu es, um etwas davon zu zeigen, was Gott für dich getan hat und wie viel du ihm bedeutest. Tu nichts, um es einfach nur getan zu haben oder um dazuzugehören und dem Drehbuch, das diese Welt für dein Leben hat, zu entsprechen. Lass dein ganzes Leben – dein Warten, dein Daten, dein Verlangen – auf das Ziel ausgerichtet sein, das Gott für dich erdacht hat, als er dich erschuf, als er dich mit viel Liebe im Bauch deiner Mutter bildete (Ps 139,13). Baue dein Leben auf seine Liebe und mach seine Ehre zu deinem Lebensziel.

Ein schlechter Tausch und größere Liebe

Aber „alle haben gesündigt und erreichen nicht die Herrlichkeit Gottes“ (Röm 3,23). Keiner von uns erreicht seine Herrlichkeit. Das betrift nicht nur unsere Vergangenheit, sondern auch unser Heute, jeden Tag unseres Lebens. Es betrift dich, mich und jeden, den du kennst – ohne Ausnahme. Paulus sagt, wir „haben die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes vertauscht mit einem Bild, das dem vergänglichen Menschen, den Vögeln und vierfüßigen und kriechenden Tieren gleicht“ (Röm 1,23). Anstatt als Ebenbild Gottes zu leben, wenden wir unseren Blick von ihm ab und richten unser Herz auf andere Dinge. Wir tauschen den unendlichen Wert des Unsichtbaren für ein paar Minuten mit Dingen, die wir sehen können. Wir sind in Sünde geboren und wir lieben die Sünde (Ps 51,7; Joh 3,19). Und „der Lohn der Sünde ist der Tod“ (Röm 6,23). Nicht eine Verwarnung, nicht irgendwelche Unannehmlichkeiten in diesem Leben, nicht „weniger gute Gaben von Gott“. Tod. Unerträglicher Schmerz und großes Leid, weit weg von Gott und seiner Gnade, ein Zustand der Trostlosigkeit, der niemals endet. Genau das haben wir

verdient, dafür, dass wir Gottes Liebe und sein Ziel mit uns mit Füßen getreten haben, dafür, dass wir den Pfad der Freude, den er uns bereitet hat, ausgeschlagen haben.

Wie hat Gott auf unsere Sünde reagiert – darauf, dass wir seine Ehre gegen unsere eingetauscht haben, dass wir auf Ehe oder Geld oder irgendetwas anderes, wovon wir uns Glück erhoften, vertraut haben anstatt auf ihn? Er „wurde Fleisch und wohnte unter uns und wir haben seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit als eines Eingeborenen vom Vater voller Gnade und Wahrheit“ (Joh 1,14). Gott kam in Jesus Christus und in all seiner Herrlichkeit, um die zu retten, die seine Ehre beschmutzt haben, und um sie wieder zu lebenden, atmenden und glaubenden Ebenbildern seines Reichtums und seiner Schönheit zu machen. Du wurdest zur Herrlichkeit geschafen und du wurdest zur Herrlichkeit gerettet.

Ein Himmel ohne Gott

Diese Wahrheit packte mich das erste Mal in demselben Jahr, in dem ich mich entschied, BWL im Hauptfach zu studieren, und sie veränderte meine komplette Sichtweise auf meine Träume, mein Studium, die Möglichkeit einer Ehe, und den Rest meines Lebens. Mir wurde klar, dass das Evangelium eine Geschichte für mich ist, aber keine Geschichte, in der es um mich geht. In dieser frohen Botschaft – der Botschaft, die mich vor der Hölle rettete und mir den Himmel verhieß – ging es nicht darum, dass Gott mich einfach nur glücklich macht, abseits von ihm und seiner Herrlichkeit, sondern darum, dass er mich jetzt und für immer mit sich selbst erfüllt. Er liebte mich genug, um sich selbst mir zu geben. Ich strich mir folgenden Abschnitt an und ich kehre immer wieder zu ihm zurück und lese ihn:

Christus starb nicht, um Sündern zu vergeben, die weiterhin alles andere höher schätzen, als Gott zu erkennen und sich an

1. Liebe sucht dich

ihm zu erfreuen. Und die Menschen, die im Himmel auch ohne Christus glücklich wären, werden nicht da sein. Das Evangelium ist nicht der Weg, der Menschen in den Himmel führt, es ist der Weg, der Menschen zu Gott führt.4

Warum hat Gott dich gerettet? Nicht nur, damit du der Hölle entfiehen oder dem Gefühl von Schuld und Reue entkommen kannst, nicht einmal, um dich in den Himmel zu holen. Gott rettete dich für Gott. Die Bibel sagt, Gott liebte dich, erwählte dich, rettete dich und machte dich zu seinem Eigentum „zum Preise der Herrlichkeit seiner Gnade“ (Eph 1,6). Paulus fährt fort und sagt, dass der, „der alles wirkt nach dem Rat seines Willens“, ein unendliches und ewig währendes Erbe für dich bereithält, „zum Preise seiner Herrlichkeit“ (Eph 1,12). „[I]n dem auch ihr, nachdem ihr gehört habt das Wort der Wahrheit, das Evangelium eures Heils – in dem ihr auch, nachdem ihr geglaubt habt, versiegelt worden seid mit dem heiligen Geist der Verheißung, der das Unterpfand unseres Erbes ist, zur Erlösung des erworbenen Besitzes, zum Preise seiner Herrlichkeit“ (V. 13–14). Gerettet, um Gottes Herrlichkeit darzustellen. Gesegnet, um die Erfüllung, die ein Mensch in Gott haben kann, darzustellen. Bewahrt, um Gottes unendlichen Wert darzustellen. Und weil er dich liebt.

Seine Liebe für dich ist anders, als jede Liebe, die du erfahren hast. Du wirst sie niemals völlig verstehen oder erfassen. Aber durch seine Gnade und Stärke, wirst du immer mehr davon erkennen und erfahren. Paulus betet, „dass [du] in Liebe gewurzelt und gegründet [bist], damit [du] völlig zu erfassen vermagst mit allen Heiligen, welches die Breite und Länge und Höhe und Tiefe sei, und zu erkennen die die Erkenntnis übersteigende Liebe des Christus, damit du erfüllt sein mögest zu der ganzen Fülle Gottes“ (Eph 3,17–19). Du wirst eine Ewigkeit damit verbringen, diese Liebe zu entdecken, ihre Breite und Länge und Höhe und Tiefe zu erkunden. Der Grund, warum

4 John Piper, God Is the Gospel: Meditations on God’s Love as the Gift of Himself (Wheaton, IL: Crossway, 2005), 47.

du geschafen wurdest, stand schon vor deiner Geburt fest und wird seine Erfüllung in der Ewigkeit fnden. Gott wollte dir eine ewige Freude schenken, die auch noch da ist, wenn deine zukünftige Ehe eine süße, aber blasse Erinnerung sein wird, Jahrhunderte später. Kannst du jetzt schon zur Ehre Gottes leben, der dich rettet und dich so sehr liebt?

2. SINGLE, ERFÜLLT UND AUSGESANDT

Fast zwei Jahre lang verbrachte ich jede Woche einige Stunden mit Will. Will arbeitete als Freiwilliger an der Essenstheke, wo ich während meiner Schulzeit nebenher arbeitete. Er war Afroamerikaner und doppelt so alt wie ich. Er hatte drei Töchter und war schon Großvater. Und Will war ein trockener Alkoholiker, der noch mit dem Entzug zu kämpfen hatte. Zwei Jahre lang ging ich in ein wenige Minuten von zuhause entferntes Reha-Zentrum, das auf Alkoholabhängigkeit spezialisiert war. Es war zwar keine christliche Klinik, aber ich erhielt die Erlaubnis, einmal die Woche für alle Interessierten Bibelarbeiten in einer der Konferenzhallen durchzuführen. Ich, als Noch-nicht-Verheirateter, hatte massig Zeit und Energie, die ich einsetzen konnte. Ich war 22, als ich das erste Mal betend die 19th Avenue entlanglief. Manchmal kamen vier oder fünf Leute; für gewöhnlich aber nur einer, und manchmal tauchte auch niemand auf. Jede Woche ging ich durch die Hallen der Klinik und versuchte, einige zu motivieren, mit mir für eine Stunde zu lesen. Die meisten von ihnen waren zwanzig oder dreißig Jahre älter als ich. Für gewöhnlich grüßten sie mich mit einem herzlichen Lächeln und einem freundlichen „Hallo, Pfarrer.“

Eines Tages traf ich Will. Seine Großmutter hat ihn die biblische Botschaft gelehrt – gut genug, dass er sich an den einen oder ande-

ren Vers noch erinnern konnte. Will kam fast jede Woche, sogar als er die Behandlung in der Klinik abgeschlossen hatte. Jede Woche ging ich durch die Gänge und suchte nach weiteren Teilnehmern, aber in den meisten Wochen waren es nur Will und ich, die sorgfältig das Johannesevangelium lasen. Manche Wochen klappte es besser mit seiner Rehabilitation, und manche schlechter, aber ich durfte seinen Glauben wachsen und lebendig werden sehen, indem wir immer wieder zusammen die Bibel aufschlugen. Eines Tages zog ich dann in eine andere Nachbarschaft und ging in eine andere Gemeinde. Ich verlor den Kontakt zu Will, aber bis heute kann ich mir keinen besseren Ort vorstellen, an dem ich all die Mittwochnachmittage hätte verbringen können, als in dieser Klinik, zusammen mit Will, wo ich ihm mehr von Jesus erzählen durfte. Kaum jemand wusste von den Nachmittagen, die ich in dieser Klinik verbrachte und an denen ich manchmal einfach nur alleine dasaß, fünfzehn oder zwanzig Minuten lang, bevor ich aufgab und heimging. Doch an diesen Mittwochen zwischen 14:30 und 16:00 Uhr lehrte mich Gott eine Menge über mich selbst und über den Auftrag, den wir in dieser Welt haben. Vor allem lehrte er mich, dass für seine Ehre zu leben nicht bedeutet, dass ich den größten Dienst aufbaue oder so viele Menschen wie möglich für ihn gewinne, sondern, dass ich den Menschen um mich herum treu von meinem König erzähle, wohin er mich auch führt. Ja, eigentlich sind es oft die kleinen, stillen, ungesehenen Dinge, die wir für ihn tun, die seine Ehre besonders hell leuchten lassen. Mit Menschen wie Will.

Autorität, Klarheit und Dringlichkeit

Wir wurden gerettet, um in die Welt hinauszugehen – ob ledig oder verheiratet – zur Ehre Jesu, um ihn als Herrn und Retter und als unseren größten Schatz bekannt zu machen. Erlösung ist die Rettung vor dem sicheren Tod, aber sie hat nicht nur mit Rettung zu tun, sondern auch mit einem Auftrag, weil wir nicht gerettet wurden, um

2. Single, erfüllt und ausgesandt gerettet zu sein, sondern um ausgesandt zu werden. Aber wie leben wir ganz individuell nach Gottes Willen für unser Leben? Als Jesus auf der Erde das letzte Mal zu seinen Jüngern sprach, sandte er sie in die Welt, um diese zu verändern:

„Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf der Erde. Geht nun hin und macht alle Nationen zu Jüngern und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu bewahren, was ich euch geboten habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters“ (Mt 28,18–20).

Wir nennen das den Missionsbefehl (im Engl. „den großen Auftrag“), wegen seiner Autorität, seiner Klarheit und seiner Dringlichkeit. Wenn der Präsident deines Landes dich heute anrufen würde und dich bitten würde, all deinen Nachbarn eine Nachricht zu überbringen, würdest du es tun? Was, wenn er dich vor einer seltenen und äußerst ansteckenden, tödlichen Krankheit warnen würde, die sich in deiner Stadt verbreitet? Und was, wenn es ein paar einfache, aber entscheidende Dinge gäbe, die man tun müsste, um eine Ansteckung zu vermeiden (z. B. vermeide Meeresfrüchte, trinke Kokosmilch und iss Maoam). Der Präsident hat sich entschlossen, dich anzurufen, dir die Instruktionen mitzuteilen, mit denen du Hunderte deiner Nachbarn retten kannst und ohne die sie sterben würden (Autorität, Klarheit und Dringlichkeit). Als Christen haben wir einen Auftrag, bei dem es um Leben und Tod geht, und der von einer unendlich viel höheren Autorität kommt als von dem Präsidenten. Jesus Christus – der Sohn Gottes, wunderbarer Ratgeber, allmächtiger Gott, König der Könige, Herr der Herren – hat uns mit dieser Mission betraut. Er besitzt alle Gewalt im Himmel und auf der Erde. Und unser Befehl ist klar: „Geht nun hin und macht alle Nationen zu Jüngern und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu bewahren, was ich euch geboten habe“. Und es stand nie mehr auf dem Spiel. Am Ende ihres kurzen Lebens hier auf der Erde, werden einige die Worte hören:

„Kommt her, Gesegnete meines Vaters, erbt das Reich, das euch bereitet ist von Grundlegung der Welt an“ (Mt 25,34). Andere werden hören: „Geht von mir, Verfuchte, in das ewige Feuer, das dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist“ (Mt 25,41). Die Welt wird immer nur aus Gnade gerettet werden. Aber sie muss zuerst davon hören. Paulus sagt dasselbe mit anderen Worten:

„Denn ‚jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden’. Doch wie sollen sie den anrufen, an den sie noch nicht glauben? Und wie sollen sie an den glauben, von dem sie noch nichts gehört haben? Und wie sollen sie von ihm hören, wenn es ihnen keiner sagt? Aber wie soll die Botschaft gepredigt werden, wenn niemand den Auftrag dazu bekommen hat?“ (Röm 10,13–15).

Und doch sind es so wenige Arbeiter. Warum? Weil wir die überragende Autorität Jesu Christi wie die Autorität eines Sportlehrers oder eines Kaufhaus-Polizisten auf einem Segway behandeln. Weil wir mit der lebensrettenden, alles entscheidenden Botschaft des Evangeliums umgehen, als enthielte sie nur ein paar Tipps für ein gesünderes und erfolgreicheres Leben. Weil wir statt die einfache Anweisung Jesu – andere das zu lehren, was er gesagt hat – zu befolgen, lieber nur gute Nachbarn, gute Arbeitnehmer und, so Gott will, eines Tages auch gute Ehepartner und Eltern sein wollen. Wie David Platt es ausdrückt: „Wir leben ein ehrbares Leben in ehrbaren Häusern mit ehrbaren Jobs und ehrbaren Familien als ehrbare Bürger.“5 Wir berauben das Evangelium und die Bibel ihrer Autorität, ihrer Klarheit und ihrer Dringlichkeit, um sie an unsere kleinen, schönen Lebensträume und Prioritäten anzupassen und das ernste Christenleben hinauszuschieben, bis auf die Zeit, in der wir unsere Ehe und Familie haben. Wir lieben Jesus, nehmen ihn als Herrn an und lesen seine Worte – und dann werden wir abgelenkt und lassen uns Zeit. Anstatt zu tun, was uns aufgetragen wird, tun wir das, was

5 David Platt, Radical: Taking Back Your Faith from the American Dream (Colorado Springs: Multnomah, 2010), 105. Deutsche Übersetzung: Keine Kompromisse: Jesus nachfolgen – um jeden Preis (Meinersen: Frontiers Deutschland e. V., 2017).

2. Single, erfüllt und ausgesandt sich gut und natürlich anfühlt. Anstatt Jesus nachzufolgen, passen wir uns an. Wir delegieren die Evangelisation an Vollzeit-Missionare und suchen nach freier Zeit für ein Hilfsprojekt, das wir in Jesu Namen durchführen können.

Satan hat es auf dich abgesehen

Wir haben einen Feind in dieser Arbeit. Satan, der in dieser und durch diese Welt wirkt, wird alles tun, was er kann, um uns abzulenken und davon abzuhalten, das zu tun, wozu Gott uns gerettet und ausgesandt hat, indem er uns davon überzeugt, unser Leben mit wertlosen Dingen zu vergeuden. Du musst wissen, dass das Single-Sein einige besondere Gefahren birgt – insbesondere ungewolltes Single-Sein. Er redet uns ein, wir wären nicht begabt oder unsere Gaben wären für den Dienst nicht zu gebrauchen. Er isoliert uns von den Menschen um uns herum – von denen, die uns ermutigen und uns in unserer Nachfolge Jesu herausfordern können, und von denen, die uns brauchen. Er lenkt uns ab, indem er uns davon überzeugt, unsere Energie in Schule, Arbeit oder Unterhaltung zu stecken. Doch Gottes Absicht ist es, dich, deinen Glauben, deine Zeit und dein Single-Sein auf tiefgreifende Art und Weise zu gebrauchen, hier und jetzt, so wie du bist. Du musst nicht auf die wichtigste Aufgabe deines Lebens warten.

Paulus – ein unverheirateter Mann, der den Großteil des Neuen Testaments schrieb – schreibt: „Das sage ich aber aus Nachsicht und nicht als Befehl. Denn ich wollte, alle Menschen wären wie ich; aber jeder hat seine eigene Gnadengabe von Gott, der eine so, der andere so. Ich sage aber den Ledigen und den Witwen: Es ist gut für sie, wenn sie bleiben wie ich“ (1Kor 7,6–8; SCH2000). Beim Lesen dieses Textes könntest du zu dem Schluss kommen, dass es zwei Kategorien von Christen gibt: Die, die als Single leben, dienen und sterben, und die, die heiraten müssen. Paulus besingt das Single-Sein förmlich und

zählt die geistlichen Vorteile auf, die ein Alleinstehender hat. Das Leben als Single kann (relativ) frei von Beziehungsängsten (V. 32) und weltlicher Ablenkung (V. 33), und dafür ofen für Anbetung, Hingabe und Dienst (V. 35) sein. Darum, schlussfolgert Paulus: Verzichte auf eine Hochzeit und genieße deine „ungeteilte Hingabe an den Herrn“. Die meisten sagen: „Ich wünsch dir viel Kraft, Paulus …, aber ich werde heiraten“. Ich habe das getan. Vielleicht überwältigt uns die Versuchung und wir brauchen einen Gott verherrlichenden Weg, um unser Verlangen zu stillen (V. 2). Vielleicht ist es glasklar für uns, dass wir jemanden brauchen, der uns hilft, Gottes Berufung für unser Leben zu folgen. Oder es ist glasklar für andere. Vielleicht wollen wir Kinder und realisieren, dass wir dabei etwas Hilfe brauchen. Vielleicht haben wir auch einfach nur einen unsagbar tiefen Wunsch nach einem liebenden, hingegebenen Gefährten. Obwohl es zunächst danach aussieht, als gäbe es nur zwei Kategorien, werden wir schnell verstehen, dass es in der Praxis drei Kategorien gibt: die Singles, die Verheirateten und die Noch-nicht-Verheirateten. Doch, wie jeder Single weiß, führt der Wunsch nach einer Ehe nicht automatisch zu einer Ehe. Manche nehmen keinen Ruf zum Single-Sein wahr und bleiben dennoch allein. Diese noch nicht verheirateten Männer und Frauen haben mit ihren eigenen speziellen Fragen, Herausforderungen und Versuchungen zu kämpfen. Satan wartet nur auf Möglichkeiten, uns zu entmutigen und möchte, dass wir uns unreif oder unvollständig fühlen – wie ein Nachwuchsspieler, der noch nicht am richtigen Spiel teilnehmen darf. Aber wenn Jesus Christus für dich gestorben ist und seinen Geist gesandt hat, um in dir Wohnung zu machen, dann gibt es absolut keinen Grund für dich, dich wie ein Nachwuchsspieler zu fühlen. Die Ehe ist in keiner Weise eine Bedingung, um ein bedeutsames und fruchtbringendes Christenleben führen zu können. Ansonsten hätten Paulus und Jesus den Kürzeren gezogen.

2. Single, erfüllt und ausgesandt

Voll ausgerüstet und die Welt steht offen

Die vielleicht größte Versuchung des Single-Seins besteht darin, zu meinen, dass Ehe unsere unbefriedigten Bedürfnisse stillen, unser Leben organisieren und unsere Gaben freischalten würde. Paulus versteht die Ehe sicher nicht als die Lösung, vielmehr sieht er darin einen Plan B für das christliche Leben und den Dienst, der seine ganz eigenen Probleme mit sich bringt. Heirate, wenn du musst, aber sei gewarnt, dass es nicht einfacher wird, Jesus nachzufolgen, wenn du in dieser gefallenen Welt mit einem anderen Sünder zusammenkommst. Während Ehe Freude bringt, weiterhilft und in gewissen Bereichen auch eine Erleichterung ist, vermehren sich unsere Ablenkungen auch gleichzeitig um ein Vielfaches, da wir nun auch für eine andere Person und für ihre Bedürfnisse, ihre Träume und ihr Wachstum verantwortlich sind. Es ist eine hohe Berufung und eine gute Berufung, doch sie ist auch herausfordernd und hält uns von allerlei anderen guten Dingen ab.

Wenn Gott dich in eine Ehe führt, wirst du so eine Zeit, wie die, in der du jetzt bist, nie wieder haben. Eine Singlephase ist nicht die „untere Liga“ des Christenlebens. Sie hat das Potenzial, eine einzigartige Lebensphase zu werden, die durch ungeteilte Hingabe an Christus geprägt ist und in der du deinen Dienst völlig ungehindert ausüben kannst. Mit Gottes Geist in dir und einem leeren Terminkalender hat Gott dir die Mittel gegeben, um eine bleibende Veränderung in seinem Königreich zu bewirken. Du bist komplett ausgestattet mit jeder geistlichen Segnung in der Himmelswelt (Eph 1,3) und die Welt steht dir ofen.

Aber wo gehe ich hin und was soll ich tun? Ich kann das nicht für jeden beantworten, aber im Folgenden sind fünf Lektionen aufgelistet, die dir helfen können, die Welt zu verändern (oder zumindest einen kleinen Teil davon), solange du noch nicht verheiratet bist. Mit Gottes Hilfe und Führung hast du die Freiheit, dich selbst, deine Zeit, deine Ressourcen, deine Jugend, deine Flexibilität, was Beziehun-

gen betrift, und deine Dienste zu investieren, um unglaublich viel Frucht zu bringen – um als Single, erfüllt und ausgesandt zu leben.

1. Sei dir bewusst, dass wahre Größe oftmals wie Schwäche aussieht.

Als Jesus seinen Jüngern endlich enthüllte, was für eine Art König er war – und ihnen damit erklärte, was wahrhaftige, absolute, bleibende Größe ist – sagte er zu ihnen: „Der Sohn des Menschen wird in die Hände der Menschen überliefert, und sie werden ihn töten; und nachdem er getötet worden ist, wird er nach drei Tagen auferstehen“ (Mk 9,31). Wie reagierten sie? Sie gingen weg und stritten darüber, wer unter ihnen der Größte sei – der Chef unter den sonst vergessenen, unbedeutenden Fischern (Mk 9,31). Anstatt Jesus dabei zuzuhören, wie er über seinen Tod spricht und wahre Größe neu defniert, indem er erklärt, dass sie in Selbstaufopferung besteht –darin, dass man seine Bedürfnisse aus Liebe zum Nächsten zurückstellt –, kämpfen sie darum, der Erste zu sein. Jesus sagt, dass der Größte nicht so groß aussieht. Vielmehr nimmt wahre Größe oft die Gestalt von Schwäche, Selbstaufgabe, Verlust und sogar von Tod an.

Anstatt Größe durch Selbstaufopferung anzustreben, ertappe ich mich meistens selbst dabei, wie ich von Gott erwarte, dass er mein Leben etwas angenehmer, meine Beziehungen etwas einfacher, meinen Dienst etwas fruchtbringender und meine Bestätigung etwas regelmäßiger macht. Doch stattdessen sagt er: „[W]er irgend unter euch groß werden will, soll euer Diener sein; und wer irgend unter euch der Erste sein will, soll der Knecht aller sein“ (Mk 10,43.44). Die, die in diesem Leben Diener sind, werden im nächsten Leben regieren. Die Sklaven dieses Lebens werden für immer Könige sein. Wahre Größe ist nicht das, was auf unserer Lieblingswebseite in Großbuchstaben steht. Nein, sie wird in den kleinen Details des Lebens von anderen sichtbar, in einem Leben wie dem von Will. Wenn wir wahrer Größe nachstreben, müssen wir uns selbst den kleinen,

2. Single, erfüllt und ausgesandt banalen, leicht zu übersehenden Bedürfnissen derer hingeben, die um uns herum sind.

2. Nimm die Menschen wahr, die Gott in dein Umfeld gestellt hat. Gott hat dich auf diesen Planeten und in deine Nachbarschaft gestellt, damit du und all die Menschen in deinem Leben ihn suchen. Das ist Gottes Leitlinie für deinen Campus, dein Wohnhaus, deine Nachbarschaft – wo immer du auch lebst, studierst oder arbeitest. Paulus sagt, dass Gott „aus einem Blut jede Nation der Menschen gemacht [hat], damit sie auf dem ganzen Erdboden wohnen, und […] festgesetzte Zeiten und die Grenzen ihrer Wohnung bestimmt, damit sie Gott suchen, ob sie ihn wohl ertasten und fnden möchten“ (Apg 17,26.27).

Gott hat festgelegt, wo wir heute wohnen – unser spezielles Zuhause in unserer bestimmten Nachbarschaft in unserer besonderen Stadt – damit wir ihn suchen und anderen dabei helfen, dasselbe zu tun. Es ist nicht zu schwer für Gott, uns und ein kurzes Gespräch mit einem Fremden im Fitness-Studio oder in einem Café zu gebrauchen, um ihn zu bekehren. Doch die vorderste Front beim Jüngermachen sind Freundschaften und Freundschaften erfordern geteilte Interessen, Hobbys oder den gleichen Wohnraum – ein Ort, an dem sich Wege kreuzen. Selbst der ständig reisende Apostel Paulus fand Zeit für diese auf Beziehung aufbauende, persönliche Evangelisation und Jüngerschaft (1Thess 2,8). Ich hielt Bibelarbeiten in dieser speziellen Klinik, weil sie drei Straßen von meinem Zuhause entfernt war. Nimm die Menschen wahr, die Gott in dein Leben gestellt hat, egal, wie er sie in dein Leben gestellt hat, und tu, was du kannst, um sie zu ermutigen, Jesus zu suchen.

3. Übe dich in Selbstlosigkeit, solange du noch ledig bist.

„Tut nichts aus Selbstsucht oder nichtigem Ehrgeiz, sondern in Demut achte einer den anderen höher als sich selbst. Jeder schaue nicht auf

das Seine, sondern jeder auf das des anderen“ (Phil 2,3-4; SCH2000). Das wird in einer Ehe nur noch schwieriger werden, also übe es jetzt. Wir sollten an ein paar Menschen oder Familien denken, für die wir unser Leben hingeben könnten, solange wir noch ledig sind. Im Moment erwartet niemand von dir, für andere Verantwortung zu übernehmen und sie zu versorgen – niemand, außer Gott. Lasst uns auf die Bedürfnisse anderer achten, besonders auf die Bedürfnisse von Gemeindemitgliedern, und überlegen, wie wir etwas beitragen können. Es kann Geld oder Essen sein, oder einfach nur Zeit und Energie. Vielleicht ganz besonders Zeit und Energie.‬‬‬‬‬‬‬‬

Uns wurde viel geschenkt, egal, wie hoch unser Gehalt ist. Das sollen wir weise und freigebig nutzen, für die Bedürfnisse anderer. Du bist nur für eine Person fnanziell verantwortlich. Natürlich solltest du für spezielle Dinge sparen, aber während du wartest, suche nach Möglichkeiten, wie du andere unterstützen kannst. Solange du noch nicht Lebensmittel für fünf Personen, Essen für zwei Personen und unendlich viele Windeln bezahlen musst, mache deinen Finanzplan zum Segen für andere und entwickle aufopfernde Einstellungen und Gewohnheiten; gib dich schon jetzt für andere hin. Diese Gewohnheiten werden für deine zukünftige Ehe unglaublich hilfreich sein und Jesus bis dahin wunderschön durch dich hindurch scheinen lassen.

4. Sag Ja zur Spontanität.

Es ist einfach Tatsache – Ehe tötet Spontanität, nicht komplett, aber doch sehr umfassend. Eine deiner größten Gaben, die du als Single besitzt, ist dein Ja. Ja zu irgendeinem Telefonat. Ja zu einem Kafee. Ja zur Hilfe bei einem Umzug. Ja, um für einen Kranken da zu sein. Ja zu einem Filmabend oder irgendeinem besonderen Event in der Stadt. Du hast die unglaubliche Freiheit, Ja zu sagen, wo verheiratete Paare keine Wahl haben. Wenn der Ehepartner noch gar nicht da ist, kannst du ihn nicht mit selbstlosen, spontanen Entscheidungen ver-

2. Single, erfüllt und ausgesandt letzen, die du trifst, um anderen zu helfen. Wenn du heiratest, wirst du diese Freiheit nicht mehr haben. Sei bereit, Ja zu sagen, und sei ein Segen für andere, auch wenn du dich nicht immer danach fühlst.

5. Tu radikale, zeitintensive Dinge für Gott.

Genauso wie du die Freiheit hast, Ja zu spontanen Dingen zu sagen, bist du auch frei, Ja zu sagen zu Dingen, die mehr von dir verlangen, als eine verheiratete Person je leisten könnte. Träume von größeren, kostspieligeren Dingen. Starte ein tägliches Gebetstrefen oder regelmäßige Missionseinsätze. Beginne eine Jüngerschaftsbeziehung mit einem Mentor und sei selbst ein Mentor für jüngere Männer oder Frauen. Organisiere ein neues, christuszentriertes Gemeinschaftsprojekt oder einen Dienst. Mache alles von dem oben Genannten. Du wärst überrascht, wozu du und deine noch nicht verheirateten Freunde, mit Gottes Geist in euch und dem Entschluss, euer Single-Sein sinnvoll zu investieren, in der Lage wärt, besonders wenn ihr zusammenarbeitet. Seid radikal, aber nicht leichtsinnig. Es geht nicht darum, dich völlig zu verausgaben, also trif deine Entscheidungen im Gebet und im Austausch mit Menschen, die dich lieben und dir ein ehrliches Feedback geben.

Ich hielt Bibelarbeiten in dem nahegelegenen Reha-Zentrum. Als ich noch nicht verheiratet war, baute ich außerdem noch eine Jüngerschaftsbeziehung mit einigen Schülern auf und startete eine Kleingruppe mit Männern und Frauen aus unserer Gemeinde, die das College bereits abgeschlossen hatten. Ich ging auf Missionsreisen in die Dominikanische Republik, nach Indien und Äthiopien. Zusammen mit anderen startete ich einen Unterrichtskurs für Englisch als Zweitsprache und einen Dienst unter Flüchtlingen, die in der Nähe unserer Gemeinde wohnten. In diesem Jahr für Gottes Ehre zu leben, könnte für dich bedeuten, ein Jahr lang als Aushilfslehrer an einer christlichen Schule in Südkorea zu arbeiten. Es könnte auch bedeuten, in der Sonntagsschule mit zwei oder drei schwer behinderten

Schülern zu arbeiten. Wir haben Freunde, die das tun, und Gottes Schönheit kommt durch beide Aktivitäten wunderbar zum Ausdruck. Wie kannst du deine Gaben gebrauchen, um etwas Radikales oder Zeitintensives zu tun, um anderen von Jesus zu erzählen?

Von Gott gesandt in eine Welt voller Ablenkung

Unsere Mission ist klar, aber dennoch verfehlen wir sie manchmal. Wir sind so abgelenkt von den Dingen, die es sonst noch zu sehen und zu tun gibt. Paulus mag recht gehabt haben, als er darüber sprach, wie frei der Single von Sorgen und Ablenkungen ist, aber in einer Welt voller iPhones, iPads, und voller Dinge, die ich will, werden wir sicherlich keine Probleme damit haben, zu wenig unterhalten zu werden. Wenn du so bist wie ich, wirst du dich sogar nach Unterhaltung sehnen und ständig wieder in die alten Muster zurückfallen, egal, ob es das Anschauen der Sportschau, Netfix, Training, leckeres Essen, Social Media oder das neueste Computerspiel ist. Wir nennen es entspannen, aber zu oft scheint, riecht und klingt es mehr danach, dass wir unser Single-Sein verschwenden – jedenfalls war das bei mir manchmal der Fall. Alles, was ich gerade erwähnt habe, kann zu Gottes Ehre getan werden; es kann aber auch eine gefährliche Ablenkung von einem Leben zu Gottes Ehre sein. Wenn wir wissen, dass unser Umgang mit dem Smartphone, der Spielekonsole oder dem Laufband nicht zu Gottes Ehre ist, müssen wir davon lassen. Im nächsten Kapitel werden wir uns diese Ablenkungen genauer anschauen – die Dinge, die Gott gemacht hat, um uns noch mehr Freude an ihm zu geben, aber die uns stattdessen, traurigerweise, oft von ihm wegführen und auch von der wichtigen Aufgabe, zu der er uns berufen hat.

Im Leben geht es nicht in erster Linie um Liebe und Ehe. Daher müssen wir unser Leben und unser Dating-Verhalten auf ein höheres Ziel ausrichten.

Viele von euch sind mit der Annahme aufgewachsen, dass die Ehe alle eure Bedürfnisse stillen und Gottes Bestimmung für euch offenbaren würde. Gott hat jedoch weit mehr mit dir vor als nur deine zukünftige Ehe. In Noch nicht verheiratet plädiere ich nicht dafür, dass du dich in einer Ecke verkriechst und darauf wartest, dass Gott dir „den Richtigen“ oder „die Richtige“ vorbei bringt. Ich will dich vielmehr ermutigen, dass du dein Leben und dein Dating-Verhalten hier und jetzt auf ein höheres Ziel ausrichtest.

Als Nachfolger Jesu strebst du nicht danach, den perfekten Ehepartner zu finden, sondern du strebst nach Gott. Die Liebesgeschichte, in der du eine Hauptrolle spielen wirst, wird vermutlich anders verlaufen als die, die du für dich selbst geschrieben hättest. Das liegt daran, dass Gott dich liebt, dich kennt und einfach der bessere Autor ist. Ich habe dieses Buch geschrieben, um dir zu helfen, wahre Hoffnung, Freude und Bestimmung in deinem Leben als Noch-nicht-Verheiratete(r) zu finden.

Marshall Segal (MDiv, Bethlehem College & Seminary) ist Autor und Redaktionsleiter bei desiringGod.org.

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