Andrea Specht
Reisen
Impulse, Neuland zu entdecken
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Andrea Specht: Reisen – Impulse, Neuland zu entdecken Impulsheft Nr. 56 © 2012 Down to Earth Laubacher Str. 16 II 14197 Berlin
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Gestaltung: www.michaelzimmermann.com Fotos: photocase.com - o-zero (11), 3format (13), suze (15), .marqs (19), IS2 (25), zettberlin (29); Andrea Specht (2, 5, 7, 9, 23, 27); Kerstin Hack (17, 21) Lektorat: Kerstin Hack Druck: Müller Fotosatz & Druck GmbH, Selbitz Printed in Germany ISBN: 978-3-86270-723-2; ISBN eBook: 978-3-86270-724-9
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Zitate stammen aus der Zitate-Sammlung »Gut gesagt«, Down to Earth Verlag, 2008.
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Reisen –
Impulse, Neuland zu entdecken
Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den schickt er in die weite Welt. —Joseph Freiherr von Eichendorff Wer Urlaub macht, reist noch lange nicht. Urlaub richtet sich auf das Bedürfnis nach Erholung. Das können zwei Wochen Faulenzen auf dem eigenen Balkon sein. Oder ein Liegestuhl auf einer Karibikinsel mit einem guten Buch, um Abstand vom Alltag zu gewinnen. Reisen hingegen bedeutet, Neuland zu erschließen. Sich aufzumachen, bereichern zu lassen und zu entdecken. Je nach eigenem Bedürfnis kann das völlig unterschiedlich aussehen: Brauche ich Abstand, suche ich Anregung, reizen mich Herausforderungen? Zielt die Reise auf Metropole oder Abgeschiedenheit, exotisch oder heimisch, Kulturschätze oder Naturwunder, Gletscherberge oder Pazifikinsel? Wohnen und Alltag teilen bei einer Familie oder Mitarbeit in einem Projekt vor Ort? Oder einer gute Mischung aus allem? 3
Reisen beginnt, wo ich in einen Dialog trete mit dem mir Unbekannten. Es bedeutet, einen Schritt aus dem Vertrauten herauszutreten. Die Komfortzone zu verlassen und die eigene kulturelle Prägung in offenen Händen zu halten. Mit Abenteuerlust, Freude an Begegnung und Gelassenheit im Gepäck. Am prägendsten geschieht dieser Dialog natürlich durch die Begegnung mit Einheimischen. Auf meinen vielen Reisen hatte ich oft das große Glück, bei Einheimischen zu wohnen und mit ihnen zu reisen. Oder nach einer Bekanntschaft zum Essen in ihr Haus eingeladen zu werden. Durch diese Innenperspektive haben sich mir Welten geöffnet – und Herzen. Nicht zuletzt mein eigenes. Ich wünsche dir, dass sich dir ebenso beim Lesen und Reisen neue Welten auftun,
—Andrea Specht 4
Tipps zur Anwendung Das Heft ist eingeteilt in sieben Kapitel. Du kannst es in einem Stück durchlesen oder dir an jedem Tag der Woche ein anderes Kapitel vornehmen. n Die Kapitel teilen sich in einen praktischen Teil vor der Reise, Tipps und Reflektionen für den Zeitraum der Reise und ein Kapitel zur Rückkehr. n Am Ende einiger Kapitel findest du praktische Tipps und Fragen. Setze um, was dir hilfreich erscheint. Probiere Neues. n Wenn du nicht allein verreist, sprich mit den Mitreisenden über die Fragen und Themen. Um euch über die Reise klar zu werden und vor der Reise einen gemeinsamen Erfahrungsschatz anzueignen. n Das Heft ist so handlich, dass du es gut auf die Reise mitnehmen kannst. Einige Punkte entfalten ihre tiefere Bedeutung und Anwendung möglicherweise erst in der konkreten Situation. n
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Reisevorbereitung
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Wer gut planen will, muss auch den Zufall kalkulieren. —Wolfgang Schulze Gedanken und Sinne sind auf der Reise frei, wenn vor der Abreise alle wichtigen Arbeitsvorgänge abgeschlossen sind. Wenn du Absprachen getroffen und (Schlüssel-)Übergaben gemacht hast. Und du weißt, du musst nicht verfügbar sein. Deshalb gehört zur Reisevorbereitung, Vorsorge für eine unbeschwerte Abwesenheit zu treffen. Das gilt für die Arbeit, wie für Haustier, Briefkasten und Wohnung. Du entscheidest, wie viel du im Urlaub schon verplanen möchtest. Je nachdem, was Reisen für dich bedeutet. Gehört für dich zum Reisen die Freiheit, alles spontan zu beschließen? Oder klopfst du gern im Vorfeld alles fest, um dich vor Ort nicht mehr kümmern zu müssen? Manchen reichen Eckpfeiler, andere buchen schon vorab die Eintrittskarten oder eine Rundreise mit festgelegten Zielen und einer Reiseleitung. 6
Lies dich ein, sprich mit Leuten, die bereits vor Ort waren. Sieh dir die Niederschlagsverteilung an – du willst sicher nicht im Monsun nach Indien! Kläre Organisatorisches frühzeitig: Brauchst du Impfungen? Ist ein Visum notwendig? Infos: www.auswaertiges-amt.de Bedenke, was dir bei einer Krise Sicherheit geben würde: etwa Medikamente, Telefonnummern von Botschaft oder ADAC oder auch ein Gebet oder eine Liste deiner Stärken. Die wichtigste Regel bleibt: Egal wie gut du planst – es kommt immer anders. Nebel schiebt sich vor das Panorama. Baugerüste verhängen die bedeutende Sehenswürdigkeit. Streiks, Krankheit, Stromausfälle – schon ist die perfekte Kalkulation durcheinandergewirbelt. Vorstellungen mit Spontaneität und Gelassenheit abzupolstern ist eine große Reisetugend. Gepaart mit der Offenheit, der unverhofften Situation etwas abzugewinnen – nicht zuletzt eine erzählenswerte Geschichte. 7
Abseits der ausgetretenen Pfade
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Alle Reisen haben eine heimliche Bestimmung, die der Reisende nicht ahnt. —Martin Buber Dein Reiseführer kann dir einen guten Überblick geben über die »offiziellen« Sehenswürdigkeiten eines Ortes: Bauwerke, die der Stadt einen Namen gemacht haben. Naturwunder und Aussichtspunkte, die man gesehen haben muss. Perspektiven, Objekte, Museen, Historisches. Diese haben vermutlich zu deiner Entscheidung beigetragen, an diesen Ort zu reisen. Doch nimm dir die Zeit, dich auch auf das alltägliche Besondere einzulassen. Atme das Andersartige, genieße die Düfte, das ungewohnte Straßenbild, die andere Vegetation. Was macht das Leben an diesem Ort einzigartig? Wenn ich in einer anderen Stadt bin, finde ich gerne heraus, wo die Einheimischen ausgehen, was sie in ihrer Freizeit machen. Lass dich treiben auf dem Markt. Setze dich auf eine Parkbank und beobachte. 14
Bring in Erfahrung, was lokale Spezialitäten sind. Lass dir empfehlen, wo man sie am authentischsten bekommt. Unversehens schlitterst du in das Abenteuer Sprache, weil Einheimische fernab der Touristenrestaurants keine mehrsprachige Speisekarte haben. Mit kreativem Wohlwollen entspinnen sich Begegnungen. Hände, Mimik, der sprachkundige Neffe oder andere Hilfsmittel werden zu Rate gezogen. Dabei lernt man die Menschen und Gepflogenheiten fern der Boulevards und Touristenmeilen kennen. Meist viel authentischer. Tipp: Nimm einen Bus und fahre bis zur Endstation. Steige dort aus. Erkundige dich vorher, ob es Viertel gibt, die du besser meiden solltest. Lass dich durch ruhige Vororte schaukeln, Gegenden, wo das Studentenleben vibriert, vorbei an Fabrikgeländen und Parks. Staune und genieße den vielschichtigen Charakter der Stadt mit offenen Sinnen. 15
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5 r. N 6
Reisen Man reist ja nicht, um anzukommen, sondern um zu reisen. —Johann Wolfgang von Goethe
Reisen bedeutet, entdecken, staunen, erleben. Mit offenen Sinnen Neuland erkunden. Andersartigkeit atmen, schmecken und genießen. Reisen bedeutet, in einen Dialog zu treten. Sich auf eine andere Welt einzulassen. Auf kulturelle Prägungen und Konventionen, die die eigene Kultur in Frage stellen. So sind Reisen auch immer eine Reise zu sich selbst. Ideal für alle, die von einer Reise mehr als Urlaub erwarten. Das Wichtigste in Kürze
ISBN 978-3-86270-723-2
9 783862 707232