Peter Hoover
Feuertaufe Das radikale Leben der Täufer – eine Provokation
Peter Hoover
Feuertaufe Das radikale Leben der Täufer – eine Provokation
Gewidmet dem Freund, der nie ein Buch schrieb, aber über den die Welt heute noch unzählige Bücher schreibt... Und Susan... Und den Geschwistern, mit denen ich mein Leben teile...
Titel der englischen Originalausgabe: »The Secret of the Strength. What would the Anabaptists tell this Generation?« Benchmark Press, Shippensburg, Pennsylvania, USA 1998. © für die deutsche, überarbeitete Fassung »Feuertaufe. Das radikale Leben der Täufer – eine Provokation« Down to Earth Verlag, Berlin 2006. www.down-to-earth.de Herausgeber Down to Earth Verlag Laubacher Str. 16 II 14197 Berlin
Tel: 030 - 822 79 62 Fax: 030 - 897 31 670 E-Mail: info@down-to-earth.de
ISBN 978-3-935992-23-7 Printed in Germany © Down to Earth 2006 Text: Übersetzung: Lektorat: Grafik/Satz: Coverfoto: Druck/Printer:
Peter Hoover Günther Matthia Kerstin Hack, Dorothea Hinske, Wolfgang Krauß, Ulrike Propach Michael Zimmermann – michaelzimmermann.com Michael Tewes Druckerei C. H. Beck, Nördlingen
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Im Internet www.down-to-earth.de www.dietaeufer.de Bibelzitate sind, wenn nicht anders erwähnt, der »Revidierten Elberfelder Übersetzung« entnommen. Nachdruck und Vervielfältigung auf Print- und elektronischen Medien – auch auszugsweise – nur mit Genehmigung des Verlags.
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis Vorwort der deutschen Herausgeberin .......................................................... 5 Ein mennonitisches Vorwort ................................................................................. 8 Ein katholisches Vorwort ...................................................................................... 12 Ein evangelisches Vorwort ................................................................................... 14 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 18. 19. 20. 21. 22. 23. 24. 25. 26.
Am Daumen aufgehängt ........................................................................... 16 Das Geheimnis ihrer Stärke ....................................................................... 20 Geburt im Gefängnis ................................................................................... 26 Wie alles anfing ............................................................................................... 31 Christus im Zentrum ..................................................................................... 36 Urteilsfindung .................................................................................................. 52 Die Lehre Christi .............................................................................................. 77 Das lebendige Wort ...................................................................................... 85 Das Leben finden ........................................................................................... 98 Taufe ................................................................................................................... 109 Verpflichtung .................................................................................................. 132 Abendmahl ...................................................................................................... 145 Gütergemeinschaft ..................................................................................... 161 Eine sichtbare Kirche .................................................................................. 186 Die Botschaft ................................................................................................. 200 Das Zeugnis .................................................................................................... 207 Der Friede Christi ......................................................................................... 220 Ethik und Lebensstil ................................................................................... 231 Bescheidenheit ............................................................................................. 241 Christliche Familie ....................................................................................... 248 Christlicher Dienst ....................................................................................... 258 Trotz schrecklicher Fehler ........................................................................ 264 Machtmissbrauch ........................................................................................ 277 Zu de Gmeysleid .......................................................................................... 291 An die »Außenstehenden« .................................................................... 295 Das letzte Kapitel ........................................................................................ 304
Literaturverzeichnis
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V1
Ein riskantes Buch
Vorwort der deutschen Herausgeberin In unserem Land wurden Hunderte, ja vielleicht Tausende Christen im Namen der Kirche und der Obrigkeit ermordet, enteignet und ihrer Kinder beraubt. Das war mir vor dem Lesen dieses Buches nicht bewusst. Ich bin kein Sensibelchen. Aber als ich die englische Ausgabe von »Feuertaufe« zum ersten Mal gelesen habe, musste ich immer wieder weinen. Und es hat mich tief berührt zu lesen, wie die Täufer die Nachfolge Jesu verstanden haben. Eine Reformation des Glaubens genügte ihnen nicht, sie wollten eine Reformation des Lebens. Trotz vieler Irrwege und Fehler, die der Autor nicht verschweigt, ist das Leben der frühen Täufer ein Vorbild und eine Herausforderung für mich und mein Leben. Dennoch empfinde ich es als Risiko, dieses Buch zu publizieren. »Feuertaufe« ist kein Buch, das man »einfach so« lesen kann. Es will und wird provozieren. Das radikale Leben der Täufer ist, wie der Untertitel andeutet, eine Provokation. »Provokation« bedeutet wörtlich »[etwas] hervorrufen«. Eine Provokation will zu einer Reaktion herausfordern. Häufig ist sie mit einer Regelverletzung verbunden. »Feuertaufe« ist so eine Provokation. Da schreibt ein Amerikaner, Nachkomme von Täufern, ohne Promotion, ja ganz ohne Hochschulstudium, über deutsche, Schweizer und europäische Kirchengeschichte und stellt vieles in einem anderen Licht dar, als wir es von der »offiziellen« Kirchengeschichtsschreibung gewohnt sind. Und er entschuldigt sich dafür nicht einmal, sondern nimmt sich die Freiheit, die Dinge aus der so ganz anderen Perspektive seiner Gemeinschaft zu schildern – einer Perspektive, geprägt vom Erbe seiner Täufer-Vorfahren. 5
Obwohl seine Sympathien eindeutig auf Seiten der Täufer liegen, ist seine Darstellung keineswegs einseitig – hier die guten Täufer, da die bösen Reformatoren und Katholiken, die sie verfolgten, folterten und umbrachten. Er kritisiert zwar offen das unchristliche Verhalten der Großkirchen gegenüber den Täufern, aber er prangert auch die Irrwege an, in die Teile der Täuferbewegung sich verrannten: Unausgewogene Lehre, Gesetzlichkeit und die Anmaßung mancher Täuferführer über das Gewissen anderer urteilen zu können.1 Gerade weil »Feuertaufe« kein schwarz-weißes Bild malt, ist es eine Aufforderung an die ehemals gegnerischen Kirchen ihrerseits, die Schwarz-Weiß-Malerei (»die bösen Wiedertäufer«) aufzugeben. Es will Mut machen, sich umfassend mit der Geschichte dieser reformatorischen Bewegung und auch der Historie eigener schuldhafter Verstrickung zu befassen. Das ist bisher nur vereinzelt geschehen. Bis heute hängen zum Beispiel die Käfige, in denen die Führer der Münsteraner Täuferbewegung gefoltert wurden, am Turm der katholischen Lamberti-Kirche. Bis heute werden in vielen evangelischen Landeskirchen Pfarrer auf das Augsburger Bekenntnis verpflichtet, das in vier Artikeln die Lehre der Täufer verdammt, insbesondere auch in Bezug auf ihre Gewaltfreiheit.2 Bis heute wird viel Schuld verschwiegen und verdeckt. Das Buch will hier im guten Sinne provozieren, Wege der Vergebung, der Versöhnung und eines neuen Miteinanders zu suchen. »Feuertaufe« wird aber auch Christen in den Freikirchen herausfordern - seien sie wie die Mennoniten direkte Nachfahren der Täufer oder wie viele andere freikirchliche Bewegungen indirekt von der täuferischen Tradition beeinflusst (zum Beispiel die Baptisten). Der englische Titel des Buches stellt die Frage nach dem »Geheimnis ihrer Stärke« (The Secret of the Strength). Tausende von Täufern bezahlten für ihre Über1 Wir haben die Übersetzung für die deutzeugungen mit dem Leben. Sie muss- sche Fassung in Rücksprache mit dem Autor intensiv für den deutschen Kontext bearbeiten sich nicht selbst vorwerfen, »dass tet. Zum Vergleich finden Sie die englische Originalfassung sowie weitere Texte über wir nicht mutiger bekannt, nicht treuer die Täufer unter: www.dietaeufer.de Für ergänzende, gerne auch kontrastierende gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht Quellen und und Texte sind wir dankbar. 2 In einem Grußwort zum Studientag brennender geliebt haben.« 3 Was gab ih- »Rechtmäßig Krieg führen oder sich widersetzen« im November 2005 weist Bischof nen die Kraft, Verfolgung, Enteig- Huber, Ratsvorsitzender der EKD auf die verhängnisvolle Wirkung der Aussagen des nung, Tod und Folter auszuhalten und Artikels 16 hin »für die nur um Vergebung gebeten werden kann.« schier menschenunmögliche Opfer auf 3 Stuttgarter Schuldbekenntnis zur Schuld der Kirche in Deutschland im Nationalsozisich zu nehmen? alismus, Oktober 1945. 6
Vorworte
Und nicht zuletzt ist »Feuertaufe« ein Buch für jeden – ob gläubig oder nicht – der sich die Frage nach lohnenswertem Leben stellt: Wofür lohnt es sich zu leben und zu sterben? Die Täufer und Täuferinnen hatten auf diese Frage eine Antwort gefunden. »Feuertaufe« ist eine Provokation. Provokation will Reaktion. Eine mögliche Reaktion wäre die Auseinandersetzung mit der Geschichte, das Eingeständnis eigener historischer Schuld und eine neue Hinwendung zu Christus. Was ich in »Feuertaufe« vom Glauben der Täufer las, hat in mir die Sehnsucht geweckt, so leidenschaftlich zu glauben und zu leben, wie sie es taten. So ist es mein ganz persönlicher Wunsch, dass dieses Buch die Leserinnen und Leser bewegt und in ihnen etwas von dem Leben weckt, das die Täufer erfahren hatten. Sie sind eingeladen, Ihre Gedanken und Erfahrungen mit uns zu teilen.
Kerstin Hack Verlegerin Down to Earth Verlag, Berlin
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V2
Atemberaubende Perspektiven Ein mennonitisches Vorwort
Dieses Buch wird dringend gebraucht. Denn es bringt – in verständlichem Deutsch und thematisch geordnet – eine Vielzahl von Stimmen der radikalen Reformation zu Gehör, die bisher nur Spezialisten zugänglich waren. Es sind die Stimmen derjenigen, die in der Reform der Kirche vor 500 Jahren weiter gehen wollten als die allgemein bekannten Reformatoren Luther, Zwingli und Calvin. Es sind die Stimmen derjenigen, die damals mundtot gemacht wurden. Zu Tausenden wurden sie umgebracht, eingesperrt oder vertrieben. Ihr Verbrechen und zugleich Zentrum ihrer Botschaft war: Die Kirche Christi sollte nur der Nachfolge Jesu verpflichtet sein. Sie sollte sich aus der bisherigen Bindung an Staat und Obrigkeit lösen und nicht an deren Gewalt beteiligen. Im Alltag der Nachfolger und Nachfolgerinnen Jesu sollte das Reich Gottes Gestalt gewinnen. Ich finde es atemberaubend, welche Perspektiven in ihren Texten aufscheinen. Hier wird eine Bewegung lebendig, die aus dem Geist des Evangeliums Alternativen entwarf zu Gewalt, wirtschaftlicher Ausbeutung und hierarchischen Strukturen in der damaligen Gesellschaft, und sogar zu ökologischen Fragen. Die Zeugnisse der radikalen Reformation werden in der heutigen Öffentlichkeit kaum zur Kenntnis genommen werden. Selbst im Theologiestudium an deutschsprachigen Universitäten kommen sie höchstens am Rande vor. Dialogprozesse zwischen Mennoniten und Lutheranern oder Katholiken erreichen kaum die kirchliche Basis. Reicht die Erklärung, dass eben die Sieger die Geschichte schreiben und niemand gerne an eigene Untaten erinnert werden will? 8
Vorworte
Wer sich den einzelnen Zeugnissen und der Bilanz der Hinrichtungen, Folterungen, Verstümmelungen, Verdammungen und Verbannungen aussetzt, wird Erschütterung kaum vermeiden können. Schon die wichtigste Voraussetzung zur Rezeption fehlt jedoch. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, sind die meisten täuferischen Schriften nicht in lesbarer Ausgabe vorhanden. Die letzte Quellensammlung in heutigem Deutsch ist Heinold Fasts 1962(!) erschienenes Bändchen »Der Linke Flügel der Reformation«. Selbst unter den Nachfahren der damaligen »Himmelsstürmer« sind ihre Schriften weitgehend unbekannt. Nur wenige deutsche Mennoniten haben je eine Schrift von Menno Simons, des Namensgebers ihrer Freikirche, gelesen. Etwas besser sieht es beim »Schleitheimer Bekenntnis« von 1527 aus. Es wird in Auszügen häufig in der Glaubensunterweisung für Jugendliche betrachtet. Im 2004 erschienenen neuen mennonitischen Gesangbuch ist es abgedruckt, wenngleich stark gekürzt. Die Distanz der heutigen deutschen Mennoniten zur eigenen Geschichte, ob sie seit Jahrhunderten hier ansässig oder erst jüngst aus der Ex-Sowjetunion eingewandert sind, hat komplexe Ursachen. Eine Ursache ist die seit der bürgerlichen Gleichberechtigung Anfang des 19. Jahrhunderts wachsende Anpassung an die Normen der Gesellschaft. Sie führte zum weitgehenden Verlust der nonkonformistischen täuferischen Identität und zur Aufgabe der pazifistischen Tradition. Mennoniten wollten nach Verfolgung und Diskriminierung endlich sein wie alle anderen. Sich wieder mit den radikalen Wurzeln ihrer Bewegung zu verbinden, könnte diese Anpassung stören und in einer auf Harmonie gestimmten Ökumene für unerwünscht scharfe Kanten sorgen. Zudem hatte sich die historisch wissenschaftliche Täuferforschung seit den 70er Jahren der sozialhistorischen Deutung verschrieben und theologische Fragen höchstens als Nebensache behandelt. Die »neuere Täuferforschung« brachte wichtige Fragestellungen des sozialhistorischen Kontexts ein. Doch ihre deterministischen Annahmen (die sozialhistorischen Umstände bestimmen die theologischen Inhalte) und deren holzschnittartig vereinfachende Rezeption unter mennonitischen Pastoren und Gemeindemitarbeitern ermutigten nicht zum Quellenstudium. Die gängige Formel des Antiklerikalismus als formale Klammer um alle täuferischen Richtungen relativierte alle anderen Fragestellungen. Ein konfessionelles Interesse an der 9
Täufergeschichte wurde als unwissenschaftlich und laienhaft abgetan. Die Deutungshoheit der sich zur Orthodoxie versteifenden »neueren Täuferforschung« behinderte die Auseinandersetzung mit der theologischen und sozialen Botschaft der Täufer. Folgerichtig gab es kein Interesse an der Herausgabe täuferischer Schriften in einer fürs »gemeine Volk« verständlichen Sprache. Wiederholte sich hier gleich einer Farce eine Frontstellung des 16. Jahrhunderts? Wie gesagt, dieses Buch wird dringend gebraucht! Endlich gibt es ein Lesebuch täuferischer Texte in heutigem Deutsch. Peter Hoover bringt Geschichten, Zeugnisse und theologische Texte aus den verstreuten Quellen zusammen und ordnet sie thematisch zu einem faszinierenden Puzzle. Dabei wird der Autor selbst Gesprächspartner von Menno, Sattler & Co. Er schildert die Begegnung mit verschiedenen täuferischen Gruppen auf seinem eigenen Lebensweg, der ihn aus konservativ mennonitischer Herkunft zu den Hutterern nach Süd-Minnesota und neuerdings nach Australien führte, wo er eine neue Lebensgemeinschaft gründet. Seit der Kindheit sieht Hoover sich herausgefordert durch die einstige Sprengkraft der täuferischen Botschaft. Seine radikalen Vorfahren brachten die Mächtigen ihrer Zeit zum Zittern. Die Nachfahren werden in den Medien vorgeführt als exotische Gruppen mit seltsamer Kleidung, Pferd und Wagen und einem überholten Glauben. Auch die deutschen Medien berichten vor allem über exotische Äußerlichkeiten wie die Kopftücher russlanddeutscher mennonitischer Frauen und die im Vergleich zum postmodern liberalen Kirchesein strenge Disziplin ihrer »fundamentalistischen« Gemeinden. Eine Autorin der ZEIT etwa sah sich von solch »unpolitischem« Glauben stärker provoziert als vom fundamentalistischen Islam.4 Hoover jedoch will die inhaltliche Provokation der Täuferbewegung neu entdecken. Nicht nur Mennoniten, sondern auch die Öffentlichkeit, Christen und Nichtchristen, sollen durch das täuferische Zeugnis in die Nachfolge Jesu eingeladen werden. Nach Tertullian sind die Märtyrer der Same der Kirche. Die meisten Autoren der Texte dieses Buches starben als Märtyrer, als Blutzeugen und Nachfolger Jesu Christi. Es ist an der Zeit, sich ihrer zu erinnern und ihre Botschaft aktuell werden zu lassen. In allen Konfessionen haben wir es nötig, uns herausfordern zu lassen und aufzubrechen zu einer Kirche der 4 DIE ZEIT, Nr. 31, 27.7.2006, S. 8, Isabel Nachfolge Jesu. Hoffmann, Jesu Parallelgesellschaft. 10
Vorworte
Ich bin dem Autor Peter Hoover im August 2005 in Minnesota begegnet. Ihn im Kreis seiner Familie und der dortigen hutterischen Gemeinschaft kennenzulernen, bekräftigte und beglaubigte für mich die Botschaft seines Buches. Die Gemeinschaft dort hat ihr lange nach außen verschlossenes Leben geöffnet. Menschen aus allen Richtungen kommen dazu, weil sie eine Alternative zur Vereinzelung und zum Gegeneinander unserer Gesellschaft leben wollen. Manche mögen es naiv nennen, aber mit Peter Hoover hoffe ich auf Gottes Leben spendenden und Gemeinschaft stiftenden Geist, auf dass er unsere Kirchen erneuere und neu gründe. Wolfgang Krauß Mitarbeiter des Deutschen Mennonitischen Friedenskomitees
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V3 Ein störend, verstörendes Buch Ein katholisches Vorwort
Dies ist ein störend, verstörendes Buch. Es erzählt eine alte, fast in Vergessenheit geratene (Kirchen-)Geschichte, es erzählt sie mit Leidenschaft, mit Betroffenheit und mit Bewunderung. Peter Hoover lässt die Täuferbewegung lebendig werden, er zeigt eindrücklich, dass wohl selten Christen so zahlreich, so radikal auf der Suche nach echter Nachfolge gewesen sind, wie damals. Die katholische Kirche des 16. Jahrhunderts hat diese Täuferbewegung blutig verfolgt, im Zusammenspiel mit den Obrigkeiten fast vernichtet und schwere Blutschuld auf sich geladen. Die katholische Kirche des beginnenden 21. Jahrhunderts hat endlich die Begegnung gesucht, mit den Nachfahren dieser Täuferbewegung. Sie beginnt langsam zu entdecken, welche Erinnerungen noch zu heilen sind, welche Schuld abzutragen und welcher ökumenische Schatz noch zu heben ist. Im Abschlussbericht5 des kürzlich beendeten Dialogprozesses zwischen Katholischer Kirche und Mennonitischer Weltkonferenz heißt es: (215) »Nachdem wir, die katholischen und die mennonitischen Mitglieder dieses Dialogs, diese fünf Jahre hindurch miteinander gearbeitet haben, möchten wir gemeinsam bezeugen, dass unsere Liebe zu Christus uns geeint und in unseren Diskussionen begleitet hat. Unser Dialog hat die gemeinsame Überzeugung gefestigt, dass es möglich ist, Versöhnung und Heilung der Erinnerungen zu erfahren. Daher bitten wir 5 »Called Together to be Peacemakers: Report of the International Dialogue between Gott, dass er uns seine Gnade zuteil the Catholic Church and the Mennonite World Conference«, veröffentlich im Inwerden lasse, um die vergangenen Be- formationsdienst des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, N.113 ziehungen zwischen Mennoniten und (2003/II/III). Im Internet unter www.mennoniten.de als pdf Dokument in Deutsch Katholiken zu heilen.« und Englisch verfügbar. 12
Vorworte
›Heilung der vergangenen Beziehungen‹ heißt zunächst, sich endlich kennen zu lernen. Der englische Titel von Peter Hoover`s Buch The Secret of their Strength benennt, wonach dabei zu fragen ist, nach dem »Geheimnis der Stärke« der vergessenen Brüder und Schwestern. Aus solcher Nachfrage kann gemeinsames Zeugnis wachsen: (196) »Wir glauben nicht nur, dass Versöhnung und Reinigung unserer geschichtlichen Erinnerungen in unseren Gemeinschaften weitergeführt werden müssen, sondern auch dass dieser Vorgang Katholiken und Mennoniten zu einer neuen Zusammenarbeit in der Bezeugung des Evangeliums vom Frieden führen kann.«
Der erste offizielle Dialog zwischen katholischer Kirche und Nachfahren der Täuferbewegung markiert eine ökumenische Zäsur. Ein neuer spannender Wegabschnitt des Volkes Gottes ist eröffnet. (215) »Gemeinsam beten wir, Gott möge diese neue Beziehung segnen, und der Heilige Geist möge uns erleuchten und beleben auf unserer gemeinsamen Reise auf dem Weg, der nach vorne führt.«
Auf diesem neuen Wegabschnitt, auf dieser ›Reise auf einem Weg, der nach vorne führt‹, bedarf es passender Reiselektüre. Peter Hoover`s Buch gehört da auf jeden Fall ins Gepäck! Thomas Nauerth Katholischer Theologe Mitglied des Internationalen Versöhnungsbundes
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V4 Die Entschiedenheit der Nachfolge Ein evangelisches Vorwort
Vor zehn Jahren haben in gemeinsamen Abendmahlsgottesdiensten die Arbeitsgemeinschaft Mennonitischer Gemeinden und die großen evangelischen Kirchenzusammenschlüsse in Deutschland erklärt: »Wir bitten vor Gott und vor dieser Gemeinde um ein weiteres wachsendes geschwisterliches Miteinander.« Dass zerstrittene und verfeindete Geschwister ihre Geschichte miteinander teilen, kommt selten vor. Zwischen europäischen Nachbarn wird das – endlich! – versucht: französisch-deutsche Schulbuchkommission. Auch zwischen den großen Volkskirchen und den »Taufgesinnten« sollte das vorangehen. Ich habe jedenfalls in meinem theologischen Studium von der leidvollen Geschichte der Täufer nur sehr pauschal Kenntnis genommen. Das kann ich jetzt nachholen. Dieses Buch erzählt die Geschichte der Täufer aus der Sicht eines heutigen Nachfahren. Als Christ in landeskirchlicher Tradition kann man diese Geschichte nur mit Entsetzen und voller Scham lesen. Besonders fassungslos hat mich gemacht, in diesem Erzählen zugleich die Stimme derer, die damals so grausam mundtot gemacht wurden, vielfältig und leicht verständlich vernehmen zu können: Warum hat man sie damals nicht gehört? Gewiss, ihre Stimme stiftet auch Unruhe, aber es ist eine heilsame Unruhe (Psalm 139, 21f). Der erklärte Wille zu vertiefter Geschwisterlichkeit muss auch die wechselseitige Frage einschließen: »Erkläre mir bitte deinen Weg und dein Verhalten. Ich verstehe nicht, wie du sie als Nachfolge gegenüber dem gleichen Herrn ansehen kannst, dem auch ich nachfolgen will.« Unter Geschwistern sollte man das Gespräch nicht verweigern. Es muss ja nicht im Gleichschritt enden. »Wir wollen nicht nachlassen, Schritte zur Einheit in versöhnter Verschiedenheit zu gehen«, heißt 14
Vorworte
es in der oben genannten Erklärung der Kirchen zur eucharistischen Gastbereitschaft. Mir scheint, dass die Täufer die provozierende Unruhe in der Christenheit zur Geltung gebracht haben, die so kennzeichnend für Jesu Ruf in die Nachfolge ist (Lukas 9,60). Zum Schluss meiner Lektüre hat mich aber auch Wehmut erfasst. Kann die Entschiedenheit der Nachfolge überhaupt Gestalt gewinnen in unseren pluralen, städtischen Großgesellschaften? Bleibt da etwas anderes als die Flucht, die der Verfasser am Ende so eindringlich als ein Grundmotiv durch die Jahrhunderte für den Weg seiner Vorfahren beschreibt? Paulus schreibt ja auch: »Fliehet den Götzendienst, fliehet die Hurerei!« (1. Korinther 10,14 und 6,18). Und ich gestehe, wenn ich in die modernen Tempel des Konsums gehe durch das überall sich spreizende Überangebot der Waren, die nur auf das Begehren abgestellt sind, nicht dem Bedarf dienen, dann packt mich Abscheu und Ekel und atme ich erst wieder auf, wenn ich unter freiem Himmel bin. Flucht in der Nachfolge Jesu? Oder: Einwandern in die Tempel der Gottlosigkeit, um sie aufzusprengen, wenn doch der Herr, dem wir folgen wollen, dazu erschienen ist, die Werke des Teufels zu zerstören? Der Verfasser bringt die Geschichte und die Stimmen der Täufer als Herausforderung und Provokation zu entschiedener Nachfolge zur Sprache. Mein Wunsch ist, dass wir mehr und mehr gemeinsam darauf hören und auch antworten. Christoph Demke Evangelischer Theologe Bischof im Ruhestand der Evang. Kirche der Kirchenprovinz Sachsen
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Am Daumen aufgehängt DIE SONNE scheint auf das Dorf Klundert6 in den Niederlanden. Das Grün der flachen Felder erstreckt sich, soweit das Auge reicht. Touristen besuchen den Ort und machen Fotos: Gärten voller Blumen und Gemüse. Die Wolken türmen sich hoch in den Himmel, so dass die Pappelalleen winzig erscheinen. Lange Kanäle durchschneiden die leuchtende Ebene, am Horizont verschmelzen Land und Meer. »Wir lieben den Frieden der Landschaft hier im nördlichen Brabant«, sagen die Touristen. Was die Touristen nicht wissen: das schmucke holländische Dorf Klundert steht auf blutgetränktem Boden. Hier wurde Täuferblut vergossen. Mitte des sechzehnten Jahrhunderts versammelten sich Täufer in Klundert. Sie stahlen sich aus den umliegenden Städten davon und trafen sich heimlich auf den Feldern, manchmal auch in den 6 MS (s. u.) nennt den Ort Neufahrt. Tieleman van Braght, Der blutige SchauHäusern von Elsken Deken oder Jan 7platz oder Märtyrerspiegel der Taufgesinnten Wehrlosen Christen, Aylmer, Pieters. Jan war »Diener am Wort«, Ontario,oder 1973, II, 451f. Weiter zitiert als MS. Eine 1660 zuerst auf niederländisch also Prediger der Täufergemeinde. erschienene Sammlung der Märtyrergeschichte von Jesus über die frühen Am 5. August 1572 trafen sich Christen bis in die Christus damalige Zeit. 1748/49 auf Deutsch in Ephrata, Pennsylknapp hundert Täufer im Haus von erstmals vania erschienen. Erste in Europa gedruckAusgabe, Pirmasens 1780. Teil II enthält Pieters in Klundert.7 Manche kamen te Geschichte und Zeugnisse der Täuferbeweaus Haarlem, andere aus Leyden oder gung des 16. Jahrhunderts. 16
Am Daumen aufgehängt
von anderen umliegenden Ortschaften. Während der Versammlung sollte ein junges Paar getraut werden, doch dazu kam es nicht mehr. Der Schultheiß saß mit seinem Gehilfen im Haus Gerrit Vorsters und trank. Da brachte man ihm Nachricht von der Täuferversammlung. Er schrie: »Wir wollen dieses Nest ausnehmen und den Haufen auf einmal ausrotten.« Zweimal sandte der Schultheiß jemanden zum Horchen. Erst am späten Abend meldeten die Lauscher, dass eine Versammlung im Gange sei. Man hörte predigen und sah den Lichtschein von Kerzen. Der Schultheiß und seine Männer stürmten das Haus schwer bewaffnet mit Pistolen, Hellebarden und Schwertern. Sie ergriffen jeden, den sie fassen konnten. Doch die Versammelten waren auf solche Fälle vorbereitet. Die meisten entkamen über die Treppe durch ein Loch im Dach oder durch einen Gang, der zu einer Lücke in der Mauer führte. Bei der Razzia wurden sechs Männer und einige Frauen gefangen genommen: Jan Pieters, der hinten wohnte, Pieter Guliker, ein Schneider, der vorne im Haus wohnte, Geleyn Cornelis, ein Schumacher aus Middelharnis bei Somerdijk, Arent Block von Zevenbergen, Cornelis de Gyselaar und der sechzehnjährige Lehrling des Schneiders. Die Gefangenen wurden zum Haus von Gerrit Vorster gebracht, dort gelang es den Frauen zu fliehen. Die Männer wurden in Fesseln gelegt und bewacht. Am nächsten Morgen besuchte Michael Gerrits dort seinen Vetter Cornelis de Gyselaar. Michael gehörte selbst zu den Täufern und wollte seine Freunde in ihrer Not aus dem Wort Gottes trösten. Umgehend ließ der Schultheiß auch ihn festnehmen. Der Besitz der Gefangenen wurde beschlagnahmt. Ihre Frauen mussten fliehen, ohne etwas mitnehmen zu können. Dann holte man den Schulmeister Pieter Claeß van der Linden, der mit den Gefangenen diskutieren sollte. In seinem Bericht schrieb er, ihr hauptsächlicher Irrtum habe darin bestanden, dass sie »die jungen Kindlein nicht taufen, dass sie nicht glauben können, dass Christus sein Fleisch und Blut von Maria angenommen habe, und dass sie sich für das kleine Häuflein und Gottes Auserwählte ausgeben, aber – dieses ausgenommen – sei ihr Leben und Wandel besser als der vieler anderer Menschen und sie suchten auch ihre Kinder in besserer Zucht und Gottesfurcht aufzuziehen als viele andere Leute. 17
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Er hätte einige ihrer Kinder in seiner Schule gehabt. Sie seien geschickter gewesen und hätten mehr gelernt, als die übrigen. Weshalb er und viele andere auch die große Verfolgung und den Verdruss, den man diesen Leuten antäte, sehr bejammerte ... « Bis zum Mittag des 7. August blieben die Gefangenen in Gerrit Vorsters Haus. Dann wurden sie zur Folter nach Breda gebracht. Der Schneider Pieter widerrief seinen Glauben und wurde deshalb »nur« geköpft. Die anderen, einschließlich seines Lehrlings, blieben standhaft. Einem Gefangenen wurden die Hände auf den Rücken gefesselt, dann wurde er daran hochgezogen und ausgepeitscht. Ein anderer wurde auf der Folterbank »grausam ausgespannt und gewunden und es wurde ihm, als er ausgestreckt lag, Urin in den Mund gegossen und auf den Leib gesprungen«. Am schlimmsten wurde Geleyn Cornelis behandelt. Man riss ihm die Kleider vom Leib und hängte ihn am rechten Daumen auf. Ein Gewicht wurde an seinem linken Fuß befestigt. Mit Kerzen wurde er unter den Armen versengt. Dann wurde er gegeißelt, bis selbst die beiden Bevollmächtigten des Herzogs von Alba es müde wurden und sich zur Seite setzten, um Karten zu spielen. Das taten sie über eine Stunde und ließen den inzwischen bewusstlosen Geleyn weiter am Daumen hängen. Dann forderten sie die Folterknechte auf: »Nehmt ihn noch mal ran. Er muss uns etwas verraten!« Zunächst hielten die Knechte Geleyn für tot. Sie schüttelten ihn, bis er wieder zu sich kam. Doch er weigerte sich zu widerrufen. Als erste wurden schließlich Geleyn Cornelis, Jan Pieters und der Lehrling verbrannt. Der Wind blies das Feuer von Geleyns Scheiterhaufen weg, so dass der Henker ihn mit einer Mistgabel in die Flammen stoßen musste. Als Cornelis de Gyselaar und Arent Block zum Scheiterhaufen geführt wurden, ließ Arent einen Brief fallen. Er hoffte, einer der Täufer in der Zuschauermenge würde ihn sehen und aufheben. Doch die Männer des Herzogs merkten es und schleppten die beiden ins Gefängnis zurück. Sie wurden erneut gefoltert, um aus ihnen die Namen anderer Täufer heraus zu pressen. Die beiden verrieten jedoch niemanden und widerriefen auch ihren Glauben nicht. Kurz danach starben Cornelis, sein Vetter Michael Gerrits und Arent Block auf dem Scheiterhaufen. 18
Am Daumen aufgeh채ngt
Seit 1571 gibt es in Klundert keine T채ufer mehr. Die Touristen kommen mit Sonnenbrillen und Bermudashorts. Es gef채llt ihnen in Nord-Brabant. Doch es gibt Vieles, das sie nicht wissen und das ihnen niemand erz채hlt.
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Das Geheimnis ihrer Stärke SO LANGE ich mich zurückerinnern kann, erzählte man mir die Geschichten der Täufer. Ich weiß noch, wie ich das erste Mal von Geleyn Cornelis hörte, der an seinem Daumen aufgehängt wurde. Ich ging damals noch nicht zur Schule. Es war an einem Sonntagabend im südlichen Ontario, Kanada, an dem wir zahlreiche Gäste hatten. Mein Vater war Prediger einer sehr konservativen Mennonitengemeinde. Wir saßen an unserem langen Küchentisch, eine Petroleumlampe beleuchtete die ernsten Gesichter: Frauen in dunklen Kleidern, mit großen weißen Kopfbedeckungen, Männer mit Hosenträgern und dem für unsere Gemeinschaft typischen runden Haarschnitt. Ich saß bei jemandem auf dem Schoß und einer der Gäste erzählte die Geschichte von Geleyn Cornelis. Ich konnte sie nie mehr vergessen und bis heute sehe ich mich durch das Leben meiner täuferischen Vorfahren herausgefordert. Sie fordern mich heraus durch die Kraft ihrer Überzeugungen, ihr Durchhaltevermögen in der Verfolgung und vor allem durch die Stärke der gesamten Täuferbewegung. Diese Bewegung begann in Zürich. Im Jahr 1525 wurde dort bei einem heimlichen Treffen eine Handvoll Erwachsener getauft. In den nächsten dreißig Jahren gewann die Bewegung trotz bitterer Verfolgung tausende, vielleicht sogar hunderttausende Anhänger. Überall entstanden neue täuferische 20
Das Geheimnis ihrer Stärke
Gemeinden. Am Palmsonntag 1525, nur zwei Monate nach seiner eigenen Taufe bei jenem heimlichen Treffen in Zürich, taufte Konrad Grebel, der zur Züricher Täuferbewegung gehörte, mehrere hundert Menschen im Flüsschen Sitter bei St. Gallen. Zehn Jahre später hatte die Bewegung überall im deutschsprachigen Raum und darüber hinaus Fuß gefasst. Die Täuferbewegung war zunächst eine städtische Bewegung. Ihre Geburtsstunde erlebte sie in Zürich und griff von dort schnell auf die größeren Städte Mitteleuropas über: Basel, Straßburg, Salzburg, Augsburg, Regensburg, Heidelberg, München, Speyer, Konstanz und Worms. Kurz darauf erreichte sie Aachen, Köln, Münster, Antwerpen, Gent, Rotterdam, Leyden, Utrecht, Amsterdam, Haarlem, Alkmaar, Leeuwarden, Emden, Hamburg, Lübeck, Danzig und sogar Königsberg in Ostpreußen. Selbst ganze Regionen und Länder wurden von der Bewegung erfasst: Schwaben, die Schweiz, Tirol, Württemberg, Bayern, die Kurpfalz, auch Hessen, Thüringen und Sachsen. Besonders in Süddeutschland hatte sich die Täuferbewegung flächendeckend ausgebreitet. Hier und da waren ganze Ortschaften geschlossen täuferisch geworden. In Mähren, im heutigen Tschechien, zählten sich schließlich an die 60.000 Menschen den Täufergemeinden zugehörig. In den Niederlanden, in Belgien, am Niederrhein, in Holstein, an der Ostsee bis nach Ostpreußen breitete sich die Bewegung wie ein Flächenbrand aus. Die Täufer nutzten jede Gelegenheit, das Evangelium zu verkündigen: in stillen Winkeln bei Laternenschein oder mitten in den Städten – sie bezeugten Jesus sogar bei ihren eigenen öffentlichen Hinrichtungen. Wo immer sie predigten, änderten Menschen ihr Leben. Christliche Gemeinschaften entstanden. Das Band der Liebe Christi vereinigte diese Gemeinden und ließ das Reich Gottes Gestalt gewinnen. War die Ausbreitung der Täuferbewegung günstigen Bedingungen zuzuschreiben? Wohl kaum. Zahllose Täufer wurden durch katholische wie evangelische Obrigkeiten ins Gefängnis geworfen, enteignet, vertrieben oder hingerichtet. Man trieb ihnen glühende Stäbe durch die Beine, schraubte ihnen die Zunge am Gaumen fest oder hackte ihnen die Finger ab. Manchen wurde Schießpulver in den Mund gestopft oder am Körper festgebunden und dann gezündet. Einige wurden geköpft, andere ertränkt, wieder andere lebendig 21
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begraben, die meisten starben auf dem Scheiterhaufen. Was war das Geheimnis ihrer Kraft? Eine ähnliche Frage stellte Delila ihrem Mann Simson in Kapitel 16 des Buches Richter, als sie das Geheimnis seiner Stärke ergründen wollte. Je mehr ich darüber nachdenke, um so mehr Parallelen sehe ich zwischen den Täufern und dieser biblischen Geschichte. Wie Simson hatten die Täufer anfangs Aufsehen erregende Erfolge – und wie er erlitten sie später ebenso spektakuläre Rückschläge. In ihrer Entstehungszeit waren die Täufer die einzige Friedenskirche, die einzige gewaltfreie Bewegung in einer von Gewalt erschütterten Zeit. Später jedoch kam es in ihren eigenen Reihen zu Zwietracht, Streit und Spaltung. Die Bewegung zerbrach in unzählige Splittergruppen. Zu Beginn waren die Täufer radikale, innovative Reformer, die sich durch tiefen Glauben und gelebte persönliche Überzeugung auszeichneten. Aber viele ließen sich später an überkommene Traditionen fesseln. In ihren Anfängen waren die Täufer frei, selbst wenn sie in Fesseln lagen. Heute erscheinen viele gefangen, selbst wenn sie äußerlich in Freiheit leben. Doch worin lag in den Anfängen das Geheimnis ihrer Kraft? Diese Frage stellte ich mir als Heranwachsender, umgeben von Pferden und Kutschen, schlichten Häusern und ernsthaften deutschsprachigen Mennoniten in Ontario immer wieder. War ihr Geheimnis die Rückkehr zur Heiligen Schrift? Nein, viele konnten damals im 16. Jahrhundert gar nicht lesen. Nur wenige besaßen selbst eine Bibel. Viele heutige Christen kennen die Bibel mindestens so gut, wenn nicht besser. Lag das Geheimnis ihrer Kraft in einer gesunden Gemeindestruktur und in der Unterordnung unter von Gott eingesetzte Gemeindeleiter? Nein, die Bewegung breitete sich aus, bevor sie überhaupt Gelegenheit hatte, Strukturen zu entwickeln. Die frühen Führungsgestalten hatten oft keine offizielle Position. Sie hatten das Vertrauen ihrer Gemeinden auf Grund ihres Vorbilds und ihrer Lehre. Die meisten von ihnen hatten wenig Erfahrung, waren sie doch erst zwanzig oder dreißig Jahre alt. Viele wurden umgebracht. Lag ihr Geheimnis darin, dass sie in einer Überlieferung verwurzelt waren, die jahrhundertelang von einer Generation zur nächsten weitergegeben worden war? Nein, denn die Täufer waren kaum in 22
Das Geheimnis ihrer Stärke
Traditionen verwurzelt. Sie hatten gerade erst die Sprengkraft des Evangeliums entdeckt und wenig Interesse an der Bewahrung bestehender Traditionen. Sie wollten falsche Traditionen zerstören. Es gibt keinen Beleg dafür, dass es Kontakte zwischen den Täufern und vorreformatorischen Bewegungen wie den Waldensern oder den Albigensern gab oder die Täufer von ihnen inspiriert wurden. Was also war das Geheimnis ihrer Kraft? War es die Rückkehr zur rechten Lehre und ihrer Anwendung? Nein, viele der frühen Leiter der Täufer hatten in Teilbereichen eine falsche Lehre: beispielsweise eine biblisch-theologisch unhaltbare Sicht der Menschwerdung Jesu (Inkarnation) oder fragwürdige Lehren über die Endzeit. Sie missverstanden lateinische Begriffe über die Trennung von anderen Christen, die ihren Glauben nicht mehr ernst nahmen (Gemeindedisziplin). Die einzelnen Täufergruppen hatten sehr unterschiedliche Vorstellungen darüber, wie bestimmte biblische Grundsätze in die Praxis umgesetzt werden sollten, etwa in der Frage der Beziehung der Christen zum Staat. Trotz all dieser theologischen Irrtümer und Schwächen gibt es genug Zeugnisse, wie der Geist Gottes mehr als ein Jahrhundert lang unter ihnen wirkte. Trotz aller offensichtlichen Schwächen und Bildungsdefizite, trotz des Mangels an erfahrenen Führungspersönlichkeiten, stabilen Gemeindestrukturen und einheitlichen Regeln, trotz fehlender Erfahrungen und stabilisierender Traditionen, trotz ihrer Irrtümer in der Lehre erschütterte die Täuferbewegung Europa so sehr, dass man sie wie die ersten Christen beschuldigte, die ganze Welt umzustürzen. Ich wuchs vier Jahrhunderte später auf. An langen Winterabenden erzählten die Eltern uns von den ersten Täufern. Wir hörten von ihnen im Geschichtsunterricht unserer mennonitischen Schule. Und wenn wir zum Gottesdienst in unsere schlichten Versammlungshäuser kamen, wurden sie uns als Vorbilder vor Augen gestellt. Sie faszinierten mich. Aber schon als Kind stellte ich mir die Frage, wieso die Vorfahren damals so viel bewegt hatten und wir heute so wenig. Bereits damals beschlich mich der Verdacht, dass die frühen Täufer um ein Geheimnis wussten, das wir nicht mehr kannten. Ich sehe einige Parallelen zwischen der Geschichte der Täufer und der Geschichte von Simson in Richter 13-16. Nachdem er seine Stärke verloren hatte, lebte Simson lange in Gefangenschaft. Doch 23
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langsam kehrte seine frühere Stärke zurück. Er konnte es in seinen Knochen spüren. Die Menschen um ihn herum nahmen die Veränderung noch nicht wahr. Tausende Schaulustige kamen zu einem Götzenfest, ihn zu sehen, auszulachen und zu verspotten: »Das ist der Mann, der die Füchse durch unsere Felder gejagt hat! Das ist der Mann, der Tausende mit einem Eselskinnbacken erschlagen und eigenhändig unsere Stadttore aus den Angeln gehoben hat! Schaut ihn euch an, blind ist er jetzt! Er weiß nicht, wer ihn herumführt! Schaut euch nur den komischen alten Kauz an!« Doch kaum hatten sie das gerufen, blieben ihnen die Worte im Hals stecken. Was ging hier vor? Warum strengte Simson sich so an? Warum stemmte er sich gegen die riesigen Säulen, bis seine Muskeln zum Bersten gespannt waren? Erstarrt vor Schreck sahen sie, dass unter seiner zurückgekehrten Stärke die Säulen des Tempels zerbrachen und das Dach einbrach. Als niemand mehr damit gerechnet hatte, war Simsons Stärke zurückgekommen. In seinem Tod bewirkte er mehr als mit allem, was er im Leben getan hatte. Und sein Name wird in Hebräer 11 unter den Namen der großen Glaubenshelden erwähnt. Ich sehe in Simsons Geschichte eine Parallele zur Täuferbewegung, auch wenn die Täufer keine physische Gewalt einsetzten, um ihre Ziele zu erreichen. Einst waren die Täufer wie Simson ein Schrecken für alle, die dem Volk die Freiheit rauben, es unterdrücken und unter ihre Herrschaft bringen wollten. Die Landesfürsten gaben Unsummen aus, um sie loszuwerden, und versuchten mit aller Gewalt, diese Bewegung einzudämmen. Sie fürchteten den Einfluss der Täufer mehr als die Macht fremder Heere. Das Lesen ihrer Schriften war bei Todesstrafe verboten. Doch dann wurde die Täuferbewegung kraftlos und schwach – wie Simson. Keiner fürchtet sie heute mehr. Heute kommen Tausende von Touristen und Schaulustigen, um einen Blick auf die Mennoniten, die Amischen und die Hutterer zu werfen – Nachkommen der Täuferbewegung im heutigen Kanada und in den USA. Manche kichern oder lachen über sie und zeigen auf ihre altmodischen Kleider und Sitten: »Schau dir diese komischen Vögel an.« Die wenigsten wissen, dass ihre Bewegung es einst wagte, dem Papst zu widerstehen – Luther, Zwingli und Calvin gleich mit dazu! Dass ihre Vorfahren noch auf dem Weg zum Scheiterhaufen Gott lobten und singend in den Tod gingen. Dass sie sich lieber die Finger abhacken 24
Das Geheimnis ihrer Stärke
oder die Zungen herausschneiden ließen, als ihren Glauben aufzugeben. Heute sind sie kaum mehr als eine Touristenattraktion, ein exotisches Fossil aus vergangener Zeit. Vielleicht aber steckt in der Täuferbewegung noch ein Funke Leben. Vielleicht beginnt sie ihre Stärke wieder zu entdecken. Manche spüren es schon: Neues Leben zeigt sich, neue Bewegung entsteht. Einzelne Menschen, ganze Familien schließen sich den bestehenden Gemeinschaften an. Neue Revolutionäre, Menschen, die die Bibel ganz neu verstehen und leben wollen, tauchen auf und versetzen die alten Gemeinschaften der Mennoniten, Amischen und Hutterer in eine heilsame Unruhe. Was würde geschehen, wenn suchende Menschen von außerhalb der Täufertradition und Nachkommen der damaligen Täufer anfingen, sich erneut mit der Täuferbewegung zu beschäftigen? Was würde geschehen, wenn sie das Geheimnis der frühen Täufer neu entdeckten? Wenn sie neu das Geheimnis ihrer Stärke wahrnehmen würden? Was würde geschehen, wenn die Nachkommen der Täufer die Ketten sprengten, die sie gefangen halten? Was würde geschehen, wenn die Muskeln anfingen, sich zu bewegen und die Säulen des Götzentempels ins Wanken gerieten? Was würde geschehen? Die frühen Täufer sollen selbst zu Wort kommen und uns helfen, Antwort auf diese Fragen zu finden.
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Geburt im Gefängnis IM JAHR 1637 wurde der alte Täuferprediger Hans Meyli von Horgerberg südlich des Zürichsees gefangen genommen. Nach 43 Wochen Haft im Rathaus von Oetenbach gelang ihm die Flucht. Die reformierte Obrigkeit schäumte vor Wut. Speziell eingesetzte »Täuferjäger« führten Razzien in verdächtigen Häusern durch und machten den Gläubigen das Leben schwer. Schließlich fanden die Täuferjäger heraus, wo die Meylis lebten und stürmten mit dreißig Mann das Haus. Schwer bewaffnet brachen sie durch die Türen. Als sie feststellten, dass Meyli ihnen wieder entkommen war, verwüsteten sie die Räume. Dann nahmen sie seine beiden Söhne, Hans und Martin, gefangen. Martin war schon verheiratet und so ergriffen die Täuferjäger auch seine Frau Anna und legten sie in Fesseln. Ihr vierzehn Wochen altes Kind nahmen sie ihr weg und gaben es an »rechtgläubige« reformierte Christen. Die Gefangenen wurden nach Zürich gebracht, dort verurteilt und inhaftiert. Den Männern nahm man die Kleider weg und kettete sie zwanzig Wochen am Steinboden fest. Man folterte sie mit Raupen und Spinnen. Sie bekamen gerade so viel zu essen und zu trinken, dass sie am Leben blieben. Doch die Gefangenen widerriefen ihren Glauben nicht. Nach einem Jahr entkamen die beiden Männer »mit unverletztem 8 Siehe Matthäus 7, 14. 26
Geburt im Gefängnis
Gewissen«. Nach zwei Jahren, am Karfreitag 1641, gelang auch Anna die Flucht und es gelang ihr, ihren Mann wieder zu finden. Sie flohen von einem Ort zum anderen, wurden jedoch verraten und so fiel Anna den Täuferjägern erneut in die Hände. Sie war schwanger. Trotzdem hielt man sie gefesselt, bis sie Wehen bekam. Erst für die Geburt löste man ihre Ketten und »durch Gottes Hilfe« gelang ihr schließlich die Flucht. Nachdem ihr Mann sie gefunden hatte, flohen sie über die Berge und durch den Schwarzwald nach Deutschland. Von dieser Frau, Anna Meyli, geborene Baer, stamme ich in der elften Generation ab. Als ich fünfzehn Jahre alt war, bekehrte ich mich und entschied mich, Jesus nachzufolgen. Ich wollte den »schmalen Weg«8 gehen, den Weg zum ewigen Leben, so wie Anna und andere Täufervorfahren es getan hatten. Aber ich wusste nicht recht, was genau dies für mich bedeuten würde. Wir lebten in einer dicht besiedelten Gegend im südlichen Ontario, Kanada. Hier lebten etwa fünfundzwanzig verschiedene Gruppierungen von Mennoniten, Hutterern und Amischen. Von »extrem liberal« bis »erzkonservativ« fanden sich in unserer Gegend alle Varianten des Täufertums. Sogar unsere örtliche hutterische Kolonie hatte sich in zwei Gruppen gespalten. Alle erhoben den Anspruch, legitime Erben der gemeinsamen täuferischen Vorfahren zu sein und auf deren schmalem Weg zu gehen. Die von allen Seiten erhobenen Ansprüche verwirrten mich. Innerhalb der Gemeinden kam es immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen. Man stritt sich endlos darüber ob Dinge wie Kettensägen, Krawatten, Ölöfen, Badewannenabflüsse, Kopftücher, Tür- und Schrankgriffe aus Chrom, Gartenstühle, Schlittschuhe, Wasserklosetts, Scheunen ohne Anstrich, Geräteschuppen mit Anstrich, Silodächer, Hydraulikzylinder, Motoren bei Getreidebindern, Halsbänder, Kleiderfalten, Kontaktlinsen und vieles mehr mit dem Glauben vereinbar sei. In den 1950er Jahren steckte die Gemeinde meiner Eltern in einer tiefen Krise. Sie war 1917 durch Abspaltung von einer anderen Gemeinde entstanden. Meine Eltern waren an der Gründung der Gemeinde, in der ich geboren wurde und in der ich aufwuchs, beteiligt gewesen. Als ich dreizehn Jahre alt war, gab es eine neue Krise und mein Vater wurde Ältester einer neuen Gemeinde. Nach zwei Jahren zerbrach auch diese Gruppe. Ich war nun Teenager und wir gehörten keiner Gemeinde mehr an. 27
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Meine Eltern waren inzwischen von drei anderen Gruppen exkommuniziert oder – wie wir es nannten – »in den Bann getan« worden und erfuhren viel Feindseligkeit. Meine sechsunddreißig leiblichen und angeheirateten Onkel und Tanten wohnten im Umkreis von fünfzehn Kilometern von uns. Alle lebten auf die hergebrachte Art und Weise, lehnten motorisierte Fahrzeuge ab, fuhren in Kutschen und trugen die dunkle, selbst genähte Kleidung. Aufgrund der Kontaktsperre, die die anderen Gemeinden über uns verhängt hatten, kannte ich die meisten meiner Cousins und Cousinen nicht, obwohl einige davon nur ein paar hundert Meter von uns lebten. Als mein Großvater starb, fuhr der Bote mit der Nachricht zwar an unserem Haus vorbei, hielt aber nicht an, um uns Bescheid zu geben. Der täuferische Glaube meiner Eltern geriet jedoch nicht ins Wanken. Irgendwo unter den vielen Nachkommen der Täufer musste es noch eine »wahre Gemeinde« geben. Sie suchten deshalb weiter nach einer Gruppe, in der sie ihren Überzeugungen gemäß leben konnten. So planten sie eine Reise in den Osten der USA zu Gruppen, die noch traditionell den »biblischen Glauben« lebten. Mein Vater stellte eine Liste von Gemeinden zusammen, deren Prediger keinen Telefonanschluss hatten, was für ihn ein Zeichen dafür war, dass sie noch in der Tradition verwurzelt waren. Doch wir hatten wenig Hoffnung, dass die Reise wirklich etwas bringen würde. Eine meiner Schwestern hatte Kontakt zu den Amischen. Ich dagegen verbrachte die langen Sonntage zuhause mit dem Studium der alten Täuferschriften. An einem kalten Winternachmittag des Jahres 1975 trat unverhofft ein Mann aus der Stadt in unseren Pferdestall. Sein Wagen war von der Straße abgekommen. Ich zog ihn mit unserem Gespann aus dem Graben und erhielt als Dankeschön fünfzehn Dollar. Später geschah das gleiche mit einem anderen Reisenden, der mir zehn Dollar gab. Von nun an freute ich mich auf Neuschnee. Mit dem so verdienten Geld kaufte ich mir die Vollständigen Werke von Menno Simons; das Große Geschichtbuch der Hutterischen Brüder; den Ausbund, das älteste Liederbuch der Täufer; die Artikel und Ordnungen der Christlichen Gemeinde 9 und andere täuferisch-mennonitische Bücher, die ich mir leisten konnte. Ein Freund unserer Familie, J. Winfield Fretz vom Conrad-Grebel-College, unterstützte meine Stu9 Siehe Literaturverzeichnis. dien. Er gab mir wichtige Bücher und 10 In Anlehnung an Jesaja 9,5. 28
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brachte mich in Kontakt zu mennonitischen Archiven in den USA und Kanada. Ein weiterer mennonitischer Professor, Frank H. Epp, wurde zum persönlichen Freund und zur Quelle großer Inspiration. Er ließ mich an seinen unveröffentlichten Manuskripten »arbeiten« und vermittelte mir eine Perspektive für die soziale Verantwortung der Täufer. Als ich fünfzehn Jahre alt war lernte ich einen gebürtigen Donauschwaben aus der jugoslawischen Vojvodina kennen. Er gehörte zur täuferischen Gruppe der Nazarener und war Ende des Zweiten Weltkriegs aus seiner Heimat vertrieben worden. Nun lebte er in Kitchener, Ontario. Er kannte die Geschichte der Täufer gut und besaß einen Schatz seltener unübersetzter Täuferschriften. Er war zwar kein Historiker, doch er verbrachte unzählige Stunden mit mir und forderte mich heraus, die Grenzen des bisherigen Wissens zu erweitern und mich in fremdes und aufregendes Gebiet vorzuwagen. Die Begegnung mit ihm und mit den Schriften süddeutscher und mährischer Täufer, die er mir zu lesen gab, ließ mich zum ersten Mal das Geheimnis erahnen. Ich begann zu spüren, welche Kraft hinter diesen Schriften steckte: die Kraft einer neuen Zeit, einer neuen Welt der Freiheit... in der wir sein Volk sein werden... und sein Reich des Friedens sich verwirklicht...10 Jenseits des Dunkels und der Verschwommenheit von vier Jahrhunderten, jenseits der gemeindlich-traditionellen, der wissenschaftlich historischen oder theologischen Interpretation begann für mich in den Berichten jener, die mit »leuchtenden Augen« in den Tod gingen, ein seltsames neues Licht aufzuscheinen. Mir dämmerte, dass dieses himmlische Licht wieder unsere Dunkelheit erleuchten wollte. Ein starker Wind würde sich erheben und die Wolken verscheuchen. Das Dunkel wäre wie weggeblasen und im Licht der Sonne würde ein neuer Weg zu erkennen sein. Dieser neue Weg wurde langwieriger und herausfordernder, als ich erwartet hatte. Er führte mich in Richtungen, die mir nie in den Sinn gekommen wären. Er führte mich heraus aus dem geschützten Raum meiner Herkunft, ohne dass ich genau wusste, wohin oder mit wem ich unterwegs sein würde. Er führte mich heraus aus dem für »sicher« gehaltenen Erbe, hinein in Unsicherheit und Einsamkeit und in die Verlassenheit des Kreuzes, die unsere Armut offenbart. Er führte mich heraus aus den vertrauten Traditionen der Kindheit, 29
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hinaus in eine Furcht erregende und unbekannte Welt, in der Herkunft nicht zählt. Er führte mich in Situationen, wo Entscheidungen schreckliche Folgen haben können. Er führte mich hinaus in eine Nacht, in der Hass und Ablehnung warten, Gegnerschaft aus Familie, Freundeskreis und gerade von Seiten frommer Christen. Er führte mich hinaus in eine Welt der Gewalt, der Schusswaffen, des Mordes, der Gefängnisse und der blutigen Folter, eine Welt des Verrats, des Terrors und des Todes. Ich hatte einen neuen Weg entdeckt. Es war der Weg, den die Frau gegangen war, die ihr Kind im Gefängnis zur Welt gebracht hatte.
11 Anm. d. dt. Herausgeber: Der kirchengeschichtliche Überblick ist im englischen Original viel ausführlicher. In Absprache mit dem Autor haben wir ihn in der deutschen Fassung gekürzt, da den meisten Lesern die Grundzüge der europäischen Kirchengeschichte bekannt sein dürften. Der interessierte Leser findet die vollständige englische Fassung unter www.lesbar. down-to-earth.de [Geschichte].
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»Die Wahrheit ist untödlich!« Letzte Worte Balthasar Hubmaiers auf dem Scheiterhaufen
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Wo finden sich Quellen und Literatur zur Täuferbewegung? Quellen und Literatur finden sich in den Bibliotheken der wissenschaftlich theologischen Seminare an den Universitäten – meist jedoch in geringer Auswahl. Im deutschsprachigen Raum sammelt die Mennonitische Forschungsstelle alle Literatur und Materialien zu täuferrelevanten Themen. Die Forschungsstelle wird getragen vom Mennonitischen Geschichtsverein. Besuche in Bibliothek und Archiv, sowie Beratung durch den Forschungsstellenleiter Gary Waltner nach Vereinbarung. Mennonitische Forschungsstelle, Weierhof, Am Hollerbunnen 2a, 67295 Bolanden, Telefon: 06352700519, Email: mennoforsch@t-online.de
Literaturverzeichnis Quellen zur Geschichte der Täufer – QGT In der Reihe »Quellen und Forschungen zur Reformationsgeschichte« (QuFRG), http://www.reformationsgeschichte.de/Kommissionen/taeufer.htm Bd. I, Herzogtum Württemberg; hg. von Gustav Bossert, Leipzig 1930 (QuFRG XIII). Bd. II, Markgraftum Brandenburg (Bayern I); hg. von Karl Schornbaum, Leipzig 1934 (QuFRG XVI). Bd. III, Glaubenszeugnisse oberdeutscher Taufgesinnter I; hg. von Lydia Müller, Leipzig 1938. (QuFRG XX). Bd. IV, Baden und Pfalz; hg. von Manfred Krebs, Gütersloh 1951. (QuFRG XXII). Bd. V, Bayern II, hg. von Karl Schornbaum, Gütersloh 1951. (QuFRG XXIII). Bd. VI, Hans Denck, Schriften. 1. Teil, Bibliographie hg. von Georg Baring, Gütersloh 1955; 2. Teil, Religiöse Schriften, hg. von Walter Fellmann, Gütersloh 1956; 3. Teil, Exegetische Schriften hg. von W. Fellmann, Gütersloh 1960 (QuFRG XXIV). Bd. VII, Elsaß I, Straßburg 1522-1532; bearbeitet von Manfred Krebs und Hans Georg Rott, Gütersloh 1959. (QuFRG XXVI). 320
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Zeitschriften Mennonitische Geschichtsblätter, hg. vom Mennonitischen Geschichtsverein seit 1936. Mennonitisches Jahrbuch (früher Christlicher Gemeindekalender), hg. von der Arbeitsgemeinschaft Mennonitischer Gemeinden in Deutschland (AMG) seit 1891. Mennonitica Helvetica, Bulletin des schweizerischen Vereins für Täufergeschichte, seit 1985. Die Brücke, Täuferisch-mennonitische Gemeindezeitschrift, seit 1986. Hg. Arbeitsgem. Mennonitischer Gemeinden in Deutschland, zweimonatlich.
Über Täufer und Mennoniten Blanke, Fritz, Brüder in Christo, Die Geschichte der ältesten Täufergemeinde (Zollikon 1525), Zürich 1955, Winterthur 2003. Brandsma, Jan Auke, Menno Simons von Witmarsum, Maxdorf 1983. Ev. Arbeitsgemeinschaft zur Betreuung der Kriegsdienstverweigerer (EAK), »Rechtmäßig Krieg führen« oder »sich widersetzen«? Die Ökumenische Dekade zur Überwindung von Gewalt und Artikel 16 der Confessio Augustana, Texte eines Studientages der EAK ..., Augsburg 11./12.11.2005. epd-dokumentation 52, Frankfurt a. M. 2005. www.ekd.de/eak/studientag/DokuCA1605-52_EAK.pdf 325
Geiser, Samuel H., Die Taufgesinnten Gemeinden im Rahmen der allgemeinen Kirchengeschichte, Courgenay 1971. Goertz, Hans Jürgen, (Hrsg.), Die Mennoniten, Stuttgart 1971. - ders., Die Täufer, Geschichte und Deutung, München 1980. - ders., Konrad Grebel, Kritiker des frommen Scheins, 1498-1526, Eine biografische Skizze, Bolanden/Hamburg 1998. - ders., Das schwierige Erbe der Mennoniten, Aufsätze und Reden, Leipzig 2002. Grünwald, Klaus (Hg. i. A. der Bischofskonferenz der Verein. Ev.-Luth. Kirche Deutschlands (VELKD), »...rechtmäßig Kriege führen...«, Luth. Stellungnahme zur Bedeutung von Art. 16 des Augsburger Bekenntnisses, Texte aus der velkd 134, Hannover 2005. Guderian, Hans, Die Täufer in Augsburg, Pfaffenhofen 1984. Hershberger, Guy. F., Das Täufertum, Erbe und Verpflichtung, Stuttgart 1963. Jecker, Hanspeter, Die Basler Täufer, Studien zur Vor- und Frühgeschichte, Basel 1982. - ders., Ketzer, Rebellen, Heilige, Das Basler Täufertum, von 1580 bis 1700, Liestal 1998. Kiwiet, Jan J., Pilgram Marbeck, Kassel 1958. Klassen, Peter P., Die Mennoniten in Paraguay, Bd. 1+2, BolandenWeierhof/Asuncion 1989/91. - ders., Die rußlanddeutschen Mennoniten in Brasilien, Bd. 1+2, Bolanden-Weierhof 1995/98. - ders., Die völkische Zeit in der Kolonie Fernheim, Chaco, Paraguay, 1933-1945, Ein Beitrag zur Geschichte der auslandsdeutschen Mennoniten während des Dritten Reiches, Bolanden-Weierhof 1990. Krahn, Cornelius, Menno Simons, Ein Beitrag zur Geschichte und Theologie der Taufgesinnten, North Newton 1982. Krajewski, Ekkehard, Leben und Sterben des Zürcher Täuferführers Felix Mantz, Kassel 1962. Krauß, Wolfgang, Niemanden zu sich hereinlassen? … Zur Tiefenstruktur mennonitischer Identität am Beginn des 3. Jahrtausends, in: Aufbrechen, Mennonitische Gemeinden im Verband seit 150 Jahren, Hg. Verband deutscher Mennonitengemeinden, Sinsheim 2005, S. 44-61. Lichdi, Diether Götz, Mennoniten im Dritten Reich, Dokumentation und Deutung, Weierhof 1977. - ders. (Hg.), Mennonite World Handbook, Mennonites in Global Witness, Carol Stream 1990. 326
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Internet www.dietaeufer.de Materialien, Buchtipps, Diskussionsforum. Arbeitsgemeinschaft Mennonitischer Gemeinden in Deutschland (AMG), K.d.ö.R. – www.mennoniten.de Auf der Netzseite der AMG finden sich grundsätzliche Infos, Adressen von Gemeinden und Organisationen und über die Links auch unzählige internationale Vernetzungen. Mennonews – www.mennonews.de Mennonews ist trotz des Titels ein deutschsprachiger Nachrichtendienst. Nachrichten, Debattenbeiträge und Termine. Auch E-Mail-Abo möglich. Global Anabaptist Mennonite Encyclopedia Online – www.gameo.org gameo enthält viele Artikel aus der Mennonite Encyclopedia (ME), außerdem werden aktuelle Stichworte eigens für gameo verfasst. Ziel ist ein aktuelles Nachschlagewerk, das sukzessive sämtliche ME-Artikel online enthält.
Orte täuferischen Wirkens (Auswahl) Alzey 74, 204, 216 Ansbach 46, 122, 270 Augsburg 21, 49, 62-63, 113, 134, 161, 166, 187, 198, 215, 220-222, 305 Frankenhausen 95, 178, 187 Flensburg 64, 65 Ingolstadt 57 Jena 95, 109 Konstanz 80, 111, 266-267 Köln 208, 245, 280, 289, 317 Königsberg (Bayern) 71, 134 Mönchengladbach 277, 280, 289 Münster 273-275 Nürnberg 57-58, 134, 167, 174, 186 Passau 37, 46-47, 98, 147, 183, 221-222 330
Regensburg 79, 87, 96, 266 Rottenburg 257 Schleitheim 257, 263 Schwäbisch Gmünd 52, 64, 218 St. Gallen 21, 56, 107, 109, 111-113, 162, 243, 305 Wasserburg 305 Wittenberg 109, 304 Worms 72-74, 220 Zürich 20-21, 26, 33, 36, 42, 62, 63, 65, 94, 110, 111, 132, 139, 140, 145-147, 159, 162, 163, 166, 174, 191, 206, 238, 264, 265, 304, 307, 308
Inmitten stürmischer Zeiten riskiert Felix Manz sein Leben �ür eine freie Kirche. Ein Buch, das wie »Feuertaufe« unter die Haut geht. Myron S. Augsburger Ich werde dich wieder sehen 176 Seiten
€ 16,80 [D] • sFr 24,80 ISBN 3-909131-09-3
Die faszinierende Lebensgeschichte von Felix Manz, einem Zeitgenossen und an�änglichen Mitarbeiter der Züricher Reformatoren um Zwingli. Er träumte von einer Kirche von Gläubigen, die vom Staat unbeeinflusst Jesus nachfolgen kann. Damit kam es unweigerlich zum Konflikt... Als Dozent �ür Theologie hat sich der Autor über Jahre hinweg mit der Geschichte der Täuferbewegung auseinandergesetzt. An vielen Stellen des Buches zitiert er aus den historischen Originaldokumenten. Aber er wusste, dass man Geschichte häufig besser versteht, wenn man sie nicht in einem trockenen Geschichtsbuch, sondern in einer lebendigen Erzählung liest.
Erhältlich in ihrer Buchhandlung oder bei folgenden Bezugsquellen: Down to Earth bei Chrismedia • Robert-Bosch-Str. 10 • 35460 Staufenberg Telefon 06406 - 8346-0 • Fax -125 • dte@chrismedia24.de • Online-Shop: www.down-to-earth.de CH: profimusic gmbh • Schwerzistrasse 17 • 6017 Ruswil Telefon 041 - 377 17 77 • info@profibooks.ch • Online-Shop: www.profibooks.ch
Down to Earth Verlag
Fünf Tage lang Arbeiten bis zum Umfallen, dann zwei Tage Erholung, bevor alles wieder von vorne losgeht. Ist das alles, was das Leben zu bieten hat? Kerstin Hack Swing – Lebe im Rhythmus der Schöpfung 144 Seiten
€ 12,80 [D] • sFr 29,80 ISBN 3-935992-24-6
Wie kann man die Woche so gestalten, dass man alle Arbeit schafft und noch genug Raum �ür Kreativität, Beziehungen, Ruhe und pures Leben findet? Dieses Buch gibt ausgehend von der Schöpfungsgeschichte Antworten – und zeigt Wege zu einem er�üllten und ausgewogenem Leben auf. Die sieben SWING Elemente: • Explosive Kreativität • Beruhigende Ordnung • Nachhaltige Produktivität • Gesunder Rhythmus • Sprudelndes Leben • Belebende Beziehungen • Kraftspendende Ruhe Swing – da �ängt das Leben an!
Erhältlich in ihrer Buchhandlung oder bei folgenden Bezugsquellen: Down to Earth bei Chrismedia • Robert-Bosch-Str. 10 • 35460 Staufenberg Telefon 06406 - 8346-0 • Fax -125 • dte@chrismedia24.de • Online-Shop: www.down-to-earth.de CH: profimusic gmbh • Schwerzistrasse 17 • 6017 Ruswil Telefon 041 - 377 17 77 • info@profibooks.ch • Online-Shop: www.profibooks.ch
Nur die wenigsten von uns können sagen, dass sie verstanden haben, was es bedeutet, Gottes gelieber Sohn, seine geliebte Tochter zu sein. Jack Winter Heimkommen zu Gottes Vaterliebe 4. Auflage • 208 Seiten
€ 12,80 [D] • sFr 29,80 ISBN 3-935992-07-6
Gottes Liebe erleben. Gott als Vater erfahren und verändert werden. Im Vertrauen zu ihm wachsen. Ein Buch, das berührt und verändert. Für alle, die sich wünschen, dass das Wissen, von Gott geliebt zu sein, vom Kopf ins Herz rutscht. Tief, bewegend, lebensnah! »Heimkommen« bringt Menschen, die es bisher schwer fanden, Gottes Liebe persönlich zu erleben, Gott nahe. Der Autor beschreibt seine reiche, persönliche Erfahrung, wie Gottes Vaterliebe ihn in der Tiefe seines Wesens ergriffen hat. Anhand der Geschichte des verlorenen Sohnes zeigt er die Eigenschaften des Vaters auf. Zwischen den einzelnen Kapiteln sind Lebensberichte von Menschen einge�ügt, die diese Wahrheiten erlebt haben.
Erhältlich in ihrer Buchhandlung oder bei folgenden Bezugsquellen: Down to Earth bei Chrismedia • Robert-Bosch-Str. 10 • 35460 Staufenberg Telefon 06406 - 8346-0 • Fax -125 • dte@chrismedia24.de • Online-Shop: www.down-to-earth.de CH: profimusic gmbh • Schwerzistrasse 17 • 6017 Ruswil Telefon 041 - 377 17 77 • info@profibooks.ch • Online-Shop: www.profibooks.ch
Die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Viele Schritte der Versöhnung liegen noch vor uns. Feuertaufe will nicht nur die Geschichte der Vergangenheit erzählen, sondern auch zu einem Weg in die Zukunft einladen. Auf der Homepage zu Feuertaufe werden wir Sie über aktuelle Entwicklungen im Versöhnungsprozess informieren.
www.dietaeufer.de
Feuertaufe Die Täuferbewegung begann 1525, inmitten der Reformation. Die Täufer wollten Jesus im Alltag nachfolgen, ihr Leben miteinander teilen, Menschen zum Glauben einladen und den Frieden Gottes gewaltfrei leben. Sie strebten nach einer vom Staat unabhängigen Kirche und trafen sich in Häusern oder im Freien. Sie tauften Erwachsene, die sich bewusst �ür den Glauben entschieden hatten. Auf diese »Vergehen« stand im 16. Jahrhundert die Todesstrafe. Innerhalb kurzer Zeit entstanden überall im deutschsprachigen Raum täuferische Gemeinden. Die etablierten Kirchen und Landes�ürsten sahen in ihnen jedoch eine Gefahr �ür die öffentliche Ordnung. So wurden sie blutig verfolgt und viele erlitten die »Feuertaufe« – den Tod auf dem Scheiterhaufen – oder andere Formen des Martyriums. Feuertaufe ist nicht nur ein Buch, sondern ... ... eine Herausforderung, Jesus nachzufolgen. ... eine Anfrage an die Kirchen, sich der Schuld an Verfolgung und Vernichtung der Täufer zu stellen und sie stärker als bisher aufzuarbeiten. ... ein Appell an die Nachkommen der Täufer und der Verfolger ein wertvolles Erbe gemeinsam neu zu entdecken. Peter Hoover, geb. 1960, wuchs in einer kanadischen Mennonitengemeinde auf. Er ist Lehrer und lebt in einer hutterischen Gemeinschaft. Seit seiner Jugend erforscht er die Geschichte seiner Täufervorfahren. Er ist mit Susan verheiratet und Vater von neun Kindern.