Ed Silvoso
Business ² Freundliche Übernahme – Gottes Potential im Beruf entfalten
Die Bibelzitate in diesem Buch sind der Übersetzung der »Hoffnung für Alle« von 1996 entnommen, wenn nicht anders angegeben. Die Bibelzitate aus der Elberfelder Bibel, Revidierte Fassung von 1985 sind mit Elb. gekennzeichnet. Die Bibelzitate aus der Luther Bibel, Revidierte Fassung von 1984 sind mit Luth. gekennzeichnet. Der Text des Buches folgt den Regeln der neuen deutschen Rechtschreibung. Die Bibelzitate sind der neuen Rechtschreibung angepasst. Titel der Englischen Originalausgabe: Anointed for Business © Copyright 2002 Ed Silvoso Originally published in the USA by Regal Books, a Division of Gospel Light publications, Inc. Ventura, CA 93006 U. S. A. All rights reserved.
© der deutschen Ausgabe 2003 Down to Earth Laubacher Str. 16 II D – 14197 Berlin www.down-to-earth.de Alle Rechte vorbehalten.
Layout/Cover:
Andreas Greußlich – art & com
Coverfoto:
Michael Tewes
Druck:
Buchdruckerei Johannes Krüger
Übersetzung:
Tina Pompe/Kerstin Hack
Printed in Germany ISBN 3-935992-13-0
Einführung Die gesellschaftlichen Zentren, die aus einer Mischung aus Business, Bildung und Politik bestehen, haben für unsere heutigen Großstädte die gleiche Bedeutung wie das Herz für den menschlichen Körper. Durch diese drei Arterien pulsiert das Leben einer Großstadt. Eine Stadt kann ohne diese Zentren ebenso wenig existieren, wie ein Körper ohne sein Herz überleben kann1 . Eine meiner frühesten Erinnerungen, ist die an den Marktplatz unserer Stadt. Ich wuchs in einem zweistöckigen Haus mit direktem Blick auf den zentralen Marktplatz der Stadt San Nicolas in Argentinien auf, die etwa 130.000 Einwohner hat. Wie in jeder spanisch geprägten Stadt war der Marktplatz oder die Plaza das Herzstück des gesellschaftlichen und kommerziellen Lebens. Das Plaza Hotel, umgeben von der katholischen Kathedrale und dem Polizeirevier, befand sich direkt in unserem Wohnblock. Im Osten grenzten der Gerichtshof, das National College und der Gesellschaftsclub, wo sich die Stadtväter häufig trafen, an unser Gebiet. Im Norden lagen die Zollgebäude, der italienische Club und die Wohnhäuser der führenden Anwälte und Politiker der Stadt. Im Westen lag die Nationalbank, weitere Familienresidenzen und ein äußerst beliebtes Restaurant, das zwischen den Hauptstoßzeiten durch Tische auf dem Gehsteig zum Straßencafé wurde. Das Rathaus lag nur drei Blocks entfernt, aber war durch sein volltönendes Glockenspiel nicht zu überhören, das rund um die Uhr alle Viertelstunde treu die Zeit verkündete. Die Plaza lag keilförmig zwischen dem Hafen und den beiden wichtigsten Straßen der Stadt, wo auch die meisten Geschäfte abgewickelt wurden. Sie war der absolute Nerv der Stadt, so dass sich alle wichtigen Ereignisse und Abläufe im Stadtgeschehen dort abspielten. Dort fanden auch die Militärparaden und politischen Kundgebungen 1
Anm. d. dt. Hrsg.: Das englische Wort »Marketplace« bedeutet einerseits »Marktplatz« im wörtlichen Sinne. Im übertragenen Sinn bedeutet es »Gesellschaft« oder »Geschäftswelt«. Der von Silvoso häufig verwendete Begriff »Marketplace Christian« bedeutet demzufolge nicht »Christ am Marktplatz«. Es handelt sich vielmehr um einen gesellschaftlich engagierten Christen in Politik, Wirtschaft, Bildung oder im sozialen Bereich. Je nach Kontext wurde es entsprechend übersetzt.
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statt. Samstag Abends konnte man schöne Mädchen und gut aussehende junge Männer bei ihrem sorgfältig abgestimmten Ritual des Liebeswerbens beobachten. Sie wurden dabei von den strengen Blicken sorgender Mütter verfolgt, die sich stets in der Nähe auf hielten, und ihrer Väter, die im Café saßen und so taten, als diskutierten sie über Sport und Politik. Dieser Teil der Stadt wurde El Centro (»das Zentrum«) genannt, weil alles um dieses »Zentrum« kreiste. Im Grunde genommen war es ein gesellschaftliches Zentrum in einem Mikrokosmos. Im Verlauf der Jahrhunderte haben die unterschiedlichen Kulturen der Welt jeweils ihre eigene Version eines solchen zentralen Platzes hervorgebracht, aber diese drei grundlegenden Komponenten, die ich auch auf der Plaza meiner Heimatstadt beobachten konnte, waren immer ein zentraler Bestandteil: Business, Bildung und Politik.
Gesellschaft und die Urgemeinde Die ersten Christen hatten ihren Dienst auf die Geschäftswelt ausgerichtet, da ihre Berufstätigkeit sie sonst regelmäßig dorthin führte. Während sie ihre Geschäfte abwickelten, war es für sie ganz selbstverständlich, das Evangelium allen weiterzugeben, denen sie dabei begegneten. Menschen aus der Geschäftswelt spielten eine große Rolle bei der Entwicklung, Etablierung und Erweiterung der Urgemeinde. Die meisten der Nachfolger Jesu standen sogar weiterhin voll in ihren Berufen, während sie gleichzeitig vollzeitig dem Reich Gottes dienten. Das war möglich, weil sie die Gesellschaft als ihren Gemeindebezirk und ihr Geschäft als ihre Kanzel betrachteten. Für sie war Zeugnisgeben keine gelegentliche, besondere Aktivität, sondern ihr Lebensstil. Die Apostelgeschichte berichtet von Gläubigen, die in allen Sparten der Gesellschaft von Jesus zu erzählten. Aber mehr noch: Sie erlebten auch Zeichen und Wunder. Tatsächlich fand nur eine einzige der vierzig außergewöhnlichen Manifestationen der Macht Gottes, von denen uns in der Apostelgeschichte berichtet wird, an einem religiösen Ort statt: Die Heilung des Gelähmten an der so genannten »Schönen Pforte« am Tempel (vgl. Apg. 3,1–11). Die meisten Wunder geschahen durch den Dienst von Menschen wie Paulus, Priszilla und Aquila, die sowohl Gottes Mitarbeiter als auch Geschäftsleute waren. Sie sind klassische Beispiele für Christen in der Geschäftswelt (vgl. Apg. 18,1–3).
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Generäle, nicht Gefreite Auch heutzutage sind Millionen von Menschen in den vollzeitlichen Dienst in allen Gesellschaftsbereichen berufen: Als Geschäftsleute, im Erziehungswesen und in der Regierung. Diese Männer und Frauen arbeiten als Börsenhändler, Anwälte, Unternehmer, Landwirte, Betriebswirte, Journalisten, Lehrer, Polizeibeamte, Klempner, Schichtleiter einer Fabrik, Empfangsdamen, Köche und vieles andere mehr. Manche von ihnen haben sehr einflussreiche Positionen in der Gesellschaft, während andere unbekannte Helden sind, deren Namen niemand kennt. Jeder Einzelne von ihnen ist von Gott berufen, das Reich Gottes im Herzen der Stadt zu etablieren. Und dennoch leiden Millionen von Männern und Frauen, die speziell für den Dienst in der Gesellschaft und in der Geschäftswelt berufen wurden, ständig an Minderwertigkeit. Sie betrachten sich selbst als Gläubige zweiter Klasse, wenn sie sich mit anderen vergleichen, die innerhalb der Gemeinde oder als Missionare dienen. Das sollte aber nicht der Fall sein. Unabhängig davon, welchen Beruf sie ausüben, sollten sich alle Christen, die ihren Platz an einer säkularen Arbeitsstelle einnehmen, darüber im Klaren sein, dass sie nicht dazu verurteilt sind, als ewige »Gefreite« in der Armee Gottes zu dienen, nur weil sie keine Bibelschule und kein theologisches Seminar besucht haben. Sie müssen erkennen, dass auch sie über das Potential verfügen, zu vollwertigen »Generälen« zu werden. Sie üben ihren Dienst lediglich im Herzen der Großstadt aus, nicht in einem religiösen Gebäude. Es ist äußerst wichtig, dass sie verstehen, dass es nicht nur »okay« ist, in der Geschäftswelt zu dienen, sondern dass Gott sie vielmehr genau dafür berufen und gesalbt hat. Mit »gesalbt« meine ich, dass sie vom Heiligen Geist erwählt und befähigt wurden, um einen speziellen Auftrag Gottes auszuführen. Wenn wir ihre Arbeit als »Dienst« bezeichnen, bedeutet das, dass sie mehr tun können, als nur Zeugnis zu geben. Sie haben das Potential, zuerst ihre Arbeitsstelle, und dann ganze Städte so radikal zu verändern wie es im ersten Jahrhundert geschah. Die meisten Christen in der Geschäftswelt haben bereits eine grobe Vorstellung davon, dass ihr Dienst für Gott und ihre Berufstätigkeit irgendetwas miteinander zu tun haben, aber sie wissen nicht genau was. Selbst wenn sie den Eindruck haben, »für den Dienst berufen zu sein«, haben sie Hemmungen, ihr säkulares Umfeld zu verlassen und in die »geistliche Welt« hinüber zu wechseln. Sie bekommen dann häufig zu
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hören, dass sie auf Grund von Unglauben zögern, oder noch schlimmer, dass sie an der Welt hängen. Das stürzt sie in Verwirrung, weil sie tief in ihrem Herzen spüren, dass sie ihren geistlichen Auftrag in der Geschäftswelt erfüllen sollen. Willkommen im Club! Deshalb können viele von Gottes Mitarbeitern in der Geschäftswelt nicht die Bestimmung erfüllen, die der Herr eigentlich für sie vorbereitet hat. Sie werden oft als unerfahren oder ungebildet verlacht. Dieser Vorbehalt ist nicht neu: Petrus und Johannes würden dazu nur sagen: »Willkommen im Club!« In der Apostelgeschichte werden diese Geschäftsleute, die Gottes Mitarbeiter geworden waren, nämlich von den Vertretern der religiösen Gruppierungen genau so bezeichnet. Das sollte aber niemals geschehen, weil eine geistliche Ausbildung keine Voraussetzung dafür ist, Gottes Mitarbeiter zu sein. Die Voraussetzung für den Dienst ist vielmehr die geistliche Prägung, die daher kommt, dass wir »mit Jesus [zusammen] gewesen« sind (vgl. Apg. 4,13; Elb.). Das verwandelte Jerusalem Diese Prägung befähigte die Apostel, die gute Nachricht innerhalb weniger Wochen in ganz Jerusalem bekannt zu machen und Tausende zum Herrn zu führen (vgl. Apg. 5,28; 6,7). Dadurch erlebte Jerusalem eine Transformation von Innen heraus: Den Armen und Witwen, zwei äußerst verletzlichen und schutzbedürftigen Gruppen, wurde effektiv geholfen (vgl. Apg. 6,1–7). Die Hungrigen wurden gespeist und die Kranken wurden geheilt (vgl. Apg. 2,45; 3,8). Das Evangelium hatte sogar einen positiven Einfluss auf den Hohen Rat, das wichtigste Machtorgan der Juden (vgl. Apg. 5,33–39). In der Halle Salomos geschahen regelmäßig Zeichen und Wunder. Dadurch war die neu entstehende Gemeinde bei allen Einwohnern geachtet (vgl. Apg. 5,12–15). Diese Bewegung war so dynamisch, dass letzten Endes sogar die Straßen und Treppen Jerusalems zu evangelistischen Schauplätzen wurden. Die Kranken warteten in langen Schlangen darauf, dass der heilende Schatten von Petrus auf sie fallen würde (vgl. Apg. 5,15). Sehr bald schon kamen große Menschenmengen aus der Umgebung deswegen nach Jerusalem (vgl. Apg. 5,16). Was für eine Verwandlung! Über die selbe Stadt hatte Jesus noch
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kurze Zeit zuvor bittere Tränen vergossen: Nun konnte er sich über sie freuen (vgl. Lk. 19,41–42)! Das hatte damit begonnen, dass an Pfingsten die Jünger den engen Obersaal verlassen hatten und ins Freie, mitten in das geschäftliche Zentrum der Stadt, getreten waren. An diesem Tag wurde aus dem Fischer Petrus der erste Menschenfischer. Sein Beispiel fand bald im gesamten römischen Reich Nachahmer. Diese Bewegung wurde nicht von Einzelnen, besonders klugen religiösen Menschen geleitet, sondern von vielen verschiedenen Berufstätigen: Fischern, Steuereinnehmern, Bauern und anderen. Drei Geschäftspartner Schon nach kurzer Zeit hatten diese leidenschaftlichen Prediger unzählige große und kleine Städte verwandelt. Dieser Prozess fand schließlich in Ephesus seinen Höhepunkt, wo es zu einem der dramatischsten Machtkämpfe kam, über den in der Apostelgeschichte berichtet wird (vgl. Apg. 19,1–13). Diese Stadt hatte eine dämonisch beeinflusste Wirtschaftsmacht und ein Handelszentrum, das eine regelrechte Festung des Bösen war. Sie erlebte jedoch eine radikale Verwandlung. Es ist kein Zufall, dass ausgerechnet Paulus, Aquila und Priszilla im Mittelpunkt dieser Bewegung Gottes standen. Da sie sowohl Diener Gottes als auch Geschäftsleute waren, waren sie in doppelter Weise mit der Stadt verbunden: Durch ihre Lehre waren sie mit der religiösen Gruppe verbunden, durch ihr Business als Zeltmacher auch mit der Geschäftswelt und dem Handel. Die Orte, an denen Jesu beruft Jesus selbst war ein anerkannter Handwerker. Für ihn war die Geschäftswelt vertrautes Terrain (vgl. Mk. 3,6). Er berief seine Jünger dort, nicht im Tempel. Keiner der Zwölf gehörte dem geistlichen Stand an oder war Leiter einer Synagoge. Auch Paulus, der später zu dieser Gruppe dazu stieß und selbst Rabbi war (vgl. Apg. 9,1–16), war mit der Geschäftswelt vertraut. In Ephesus war sein gewinnorientiertes Unternehmen groß genug, um seinen eigenen Lebensunterhalt und den seines Teams sicher zu stellen und sogar noch an die Armen abzugeben (vgl. Apg. 20,33–35). Sehr häufig waren auch die Ältesten der neu entstehenden Gemeinden führende Persönlichkeiten der Geschäftswelt, die sich auf dramati-
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sche Weise bekehrt hatten – wie zum Beispiel Dorkas, Lydia und Kornelius. Durch ihre einflussreiche Stellung in der Stadt konnten sie weitere Erweckungsbewegungen in Gang setzen, durch die viele Menschen gerettet wurden (vgl. Apg. 9,36–43; 10,1). Mehr als ein Laie Heute gilt im Allgemeinen, dass geistliche Leiter nur wenig Kontakt zu Menschen haben, die nicht an Jesus glauben, und schon gar nicht zu bekannten Persönlichkeiten. Die Gemeinde genießt gegenwärtig weder das Interesse noch den Respekt der Geschäftswelt. Sie wird vielmehr häufig als unwichtig und bedeutungslos abgetan und eher als sozialer Parasit betrachtet. Was diese Fehleinschätzung noch verschärft, ist die Tatsache, dass Gemeindeglieder, die auf Grund ihrer Stellung in der Geschäftswelt eine Stimme in der Stadt haben, sich oft selbst für geistliche Leiterschaft disqualifi zieren. Der häufigste Grund dafür, keine geistliche Verantwortung wahrzunehmen ist das Denken: »Ich bin kein Pastor – ich bin doch nur ein Laie.« Das gehört alles zu einem ausgefeilten satanischen Plan, mit dem er die Apostel, Propheten, Evangelisten, Pastoren und Lehrer und ein ganzes Heer von Jüngern, die bereits ihren Platz in der Gesellschaft einnehmen, unwirksam machen will. Gott hat einige Menschen zum Dienst in der Gemeinde berufen. Diese Berufung ist wertvoll. Pastoren und vollzeitige Diener Gottes sind das moderne Gegenstück zu den Priestern im Alten Testament, die ihren Dienst im Tempel ausübten 2. Sie spielen zweifellos eine wichtige Rolle in der geistlichen Leiterschaft. Ihre Aufgabe ist es, andere Christen durch ihr Vorbild und ihre biblische Lehre für den Dienst zu befähigen. Man kann ihre Bedeutung nicht genug schätzen. Ohne sie hätte das ganze Gebäude keinen Bestand. Ohne sie wären wir nicht die Gemeinde. Aber daneben gibt es Andere, deren Salbung im Bereich der Geschäftswelt liegt. Man kann sie mit den Königen, Offi ziellen und anderen Funktionsträger zur Zeit der Priester im Alten Testament vergleichen. Sowohl die Berufung, Gott in der Geschäftswelt zu dienen, als 2 Anm. d. dt. Hrsg.: Viele Christen vergessen, dass es im Neuen Testament nur noch einen Hohepriester gibt ( Jesus) und dass alle Christen Priester sind und schieben deshalb ihre geistliche Verantwortung schnell an die hauptberufl ichen Mitarbeiter der Gemeinde ab.
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auch die Berufung, ihm in einem traditionellen Gemeindekontext zu dienen, sind beide vollwertige und von einander abhängige Berufungen. Sie werden von unterschiedlichen Dienern Gottes wahrgenommen, die der gleichen Berufung Gottes folgen. Jeder ist von Gott berufen, egal ob er als Priester im Tempel oder als Verantwortlicher in der Gesellschaft agiert. Leider ist in der Vergangenheit der Dienst in der Gemeinde oft auf Kosten des Dienstes in der Welt besonders betont worden. Wir sollten endlich auch diejenigen als vollwertige Diener Gottes anerkennen, die ihm an ihrem Platz in der Geschäftswelt dienen. Es wird eine letzte, endzeitliche Erweckung geben, die von Joel prophezeit wurde und von der Petrus in Apostelgeschichte 2,17–21 spricht. Diese Erweckung wird sich nicht auf die vier Wände eines Gemeindegebäudes beschränken, sondern in der ganzen Stadt geschehen. Der Geist Gottes wird auf alles Fleisch ausgegossen werden.
Geistlicher Kampf im Aufsichtsrat Christen, die Gott in der Geschäftswelt dienen, müssen erkennen, dass der geistliche Kampf ein zentraler Bestandteil ihres Alltagslebens ist, egal ob sie sich dessen bewusst sind oder nicht. Satan und seine bösen Mächte versuchen ständig, das Leben und die Handlungsfähigkeit der Menschen innerhalb der Gemeinde zu zerstören. Noch intensiver versucht er das in der Geschäftswelt und Gesellschaft. Der extreme Widerstand, den manche Christen erleben, wenn sie Geschäfte abschließen, unterscheidet sich in den Augen Gottes in keiner Weise von dem, was Pastoren in der Seelsorge erleben, wenn sie für Menschen beten, die sich mit dem Gedanken an Selbstmord oder Scheidung beschäftigen. Satan hat in beiden Fällen ähnliche Absichten. Deshalb ist auch Gottes Lösungsansatz der Selbe: Diener Gottes, die das geistliche Schicksal eines Menschen oder einer Stadt verändern, indem sie in der Kraft des Heiligen Geistes Menschen befreien, die vom Teufel in die Enge getrieben werden. Wo sie das tun, ist dabei nebensächlich. Wenn Christen mit einer Berufung für die Geschäftswelt zu Gläubigen zweiter Klasse degradiert werden, verliert die Gemeinde automatisch ihre strategisch wichtigsten und effektivsten Kämpfer. Sie verliert diejenigen, die dem Hauptquartier und den Kontrollzentren Satans am nächsten sind. Wenn sie entsprechend trainiert werden, können sie
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die Systeme des Teufels, durch die er die Menschen in unseren Städten gefangen hält, im Herzen treffen (vgl. 2. Kor. 4,4; Eph. 6,12). Deshalb verwendet der Teufel so viel Energie darauf, Christen in der Businesswelt einzureden, sie seien ungeeignet und unfähig, und anderen in geistlichen Angelegenheiten unterlegen. Vier fatale falsche Überzeugungen Normalerweise ist es eine Kombination von vier grundlegenden falschen Überzeugungen, die den Ruf Gottes im Leben von Menschen zerstört, die für den Dienst in der Geschäftswelt berufen sind: 1. Gott will die Trennung zwischen Geistlichen und Laien. 2. Die Gemeinde ist vor allem berufen, innerhalb eines Gebäudes aktiv zu sein, das man häufig als »Kirche« bezeichnet. 3. Wer in der Geschäftswelt aktiv ist, kann nicht ebenso geistlich sein wie jemand in einem traditionellen Gemeindedienst. 4. Die wichtigste Aufgabe eines Christen in der Geschäftswelt besteht darin, Geld zur Unterstützung der Vision derer, die wirklich »im Dienst stehen« zur Verfügung zu stellen. Ich habe dieses Buch geschrieben, um solche unbiblischen Irrtümer zu entlarven. Ich will anhand der Bibel und der Geschichte aufzeigen, welch zentrale Aufgabe Christen in der Geschäftswelt haben. Es stimmt zwar, dass es zur Zeit des Alten Testaments eine Trennung zwischen Geistlichkeit und Laien gab, und dass die meisten geistlichen Aktivitäten im Tempel stattfanden3 ; aber Jesus hat im Neuen Bund diese alte Ordnung aufgelöst. Auch der Tempel aus der Apostelgeschichte darf nicht unbedingt mit der Gemeinde, wie wir sie heute kennen, gleichgesetzt werden. Wenn davon berichtet wird, dass die ersten Christen im Tempel zum Gebet zusammenkamen, bedeutet das lediglich, dass sie dort beteten, wo es allgemein üblich war. Im Neuen Testament wird das Priestertum der Leviten durch das allgemeine Priestertum aller Gläubigen 3 Anm. d. dt. Hrsg.: Selbst da gibt es viele Ausnahmen: Hirten, Regierungsbeamte, Mundschenke und andere, die die Geschichte von Nationen veränderten.
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ersetzt. Anders gesagt, jeder Christ ist ein Pastor und Diener Gottes. Deshalb sollte die Gemeinde heutzutage auch überall und täglich in der ganzen Stadt zum Ausdruck kommen, so wie es bei den ersten Christen war. Ihr Vorbild ist in Apostelgeschichte 2,42 beschrieben: »Diese ersten Christen ließen sich regelmäßig von den Aposteln unterrichten und lebten in brüderlicher Gemeinschaft, feierten das Abendmahl und beteten miteinander.« Heute befi nden sich viele Christen an strategisch wichtigen Positionen in Unternehmen, im Bildungswesen und in der Politik. Sie müssen wissen, dass sie dazu berufen sind, eine zentrale Rolle bei der Ausbreitung des Reiches Gottes auf dieser Erde zu spielen. Ohne ihre aktive Teilnahme und Leiterschaft werden sich unsere Städte nicht verändern, und wir werden den Missionsbefehl in unserer Generation nicht erfüllen können. Runter von der Zuschauerbank Oft gleicht der Dienst in einer Gemeinde einem Endspiel der Fußballweltmeisterschaft, das in die Verlängerung geht: Eine Handvoll Spieler, die dringend eine Ruhepause brauchen, rennen auf einem Spielfeld herum, während Hunderttausende von Zuschauern, denen etwas sportliche Betätigung gut täte, sie von ihren bequemen Sesseln aus beobachten. Die Spieler stehen in diesem Fall für die Pastoren oder vollzeitigen Diener Gottes, die noch das letzte bisschen Kraft einsetzen, und die Zuschauer stehen für all die Laien. Ihre Teilnahme an dem Spiel ist auf die untergeordnete Rolle beschränkt: Sie sollen das ganze Unterfangen vor allem fi nanziell ermöglichen. Diese unbiblische Kategorisierung der Gläubigen bringt innerhalb der Gemeinde ein Statusdenken nach erster und zweiter Klasse hervor. So eine Trennung dürfte es aber eigentlich überhaupt nicht geben, weil Jesus selbst keinerlei Elitedenken hatte. Auch wenn er zwölf Apostel auswählte und sie für spezifische Aufgaben salbte, war er niemals exklusiv, sondern immer offen für andere. Abgesehen von einigen Gelegenheiten, zu denen er allein mit den zwölf Jüngern über Dinge sprach, die nur für sie wichtig waren, sprach er immer zu allen und für alle. Wenn wir den Missionsbefehl erfüllen wollen, müssen wir dem Beispiel Jesu folgen und jede Klasseneinteilung aufheben. Niemand hat eine strategisch wichtigere Position in der Stadt als die Christen in der Geschäftswelt. Gott hat ihnen bereits die Autori-
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tät in Unternehmen, Schulen und Regierungskreisen anvertraut. Die Verheißung, dass »jedes Gebiet, in das ihr vordringt, ... euch [gehört]« (Jos. 1,3), gilt auch ihnen. Sie dringen täglich neu in alle Bereiche der Stadt vor! Der Herr lebt in ihrem Herzen. Der Heilige Geist erfüllt ihren Geist. Das Wort Gottes ist ihrem Denken. Jetzt müssen sie nur noch erkennen, dass sie gesalbt sind, um in der Fülle des Geistes zu dienen. Sobald das geschieht, können sie die geistliche Finsternis in unseren Städten zurückdrängen. Wenn Christen in der Geschäftswelt anfangen, gemäß ihrer Salbung zu leben, wird die ganze Welt die Stimme Gottes hören. Darum geht es in diesem Buch!
Zusammenfassung Die Gesellschaft mit all ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen – der Geschäftswelt, dem Bildungswesen und der Regierung – hat für unsere heutigen Großstädte die gleiche Bedeutung wie das Herz für den menschlichen Körper. Und dennoch leiden Millionen von Männern und Frauen, die spezifisch für den Dienst in der Gesellschaft berufen wurden, ständig unter Minderwertigkeit. Sie sehen sich selbst als Gläubige zweiter Klasse, wenn sie sich mit anderen vergleichen, die in einer Gemeinde oder als Missionare dienen. Aus diesem Grund können viele den Platz nicht ausfüllen, den der Herr für sie vorbereitet hat. Es ist jetzt endlich an der Zeit, die Menschen, die Gott in der Geschäftswelt dienen, als vollwertige Diener Gottes anzuerkennen. Nicht zuletzt deshalb, weil die letzte, endzeitliche Erweckung – die von Joel prophezeit wurde und von der Petrus in Apostelgeschichte 2,17–21 spricht – in der gesamten Stadt stattfi nden wird, und nicht nur in den vier Wänden eines Kirchen- oder Gemeindegebäudes.
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Bekenntnisse eines christlichen Geschäftsmanns »Eines Tages wirst du der Präsident von Argentinien!« behauptete mein Großvater zum x-ten Mal. Meine Onkel und Tanten bekräftigten diese Voraussage mit begeistertem Applaus und Jubelrufen. Ich bin in Argentinien geboren und als ältester Sohn einer italienischspanischen Familie aufgewachsen. Ich habe eine Schwester und alle meine Cousins auf der italienischen Seite sind mindestens zehn Jahre jünger als ich. Als männlicher Erbe des Familiennamens stand ich im Zentrum der überschwänglichen Bestätigung meiner Großeltern, Eltern, Onkel und Tanten. Für meine älteren Verwandten war ich il bambino di oro, der »Goldjunge«. Jeder hatte seine grandiosen Träume, die ich erfüllen sollte. Einige von ihnen, allen voran mein Großvater, erzählten mir immer wieder, dass ich dazu bestimmt sei, eines Tages an der Spitze Argentiniens zu stehen. Sie erinnerten mich immer wieder daran, dass der diensthabende Arzt im Augenblick meiner Geburt ausgerufen hatte: »Seht, der künftige Präsident!« Mein Vater war in der Politik, daher schien es natürlich, dass ich in seine Fußstapfen treten sollte. Ich habe ihn häufig vor großen Menschenmengen sprechen sehen. Er sprach mit einer dröhnenden Stimme aufrüttelnd und voller Leidenschaft über soziale Fragen. Er führte Demonstrationen von Arbeitern an, die freie Wahlen forderten; durch diese Wahlen kam schließlich Juan Peron an die Macht. Später arbeitete mein Vater mit Evita Peron zusammen, um den Armen zu helfen und die Bürgerrechte weiter zu fördern. Da ich in einem solchen Umfeld aufwuchs, war mit der Gedanke, eine politische Karriere zu machen nicht fremd. Es wurde sogar von mir erwartet. Auf der anderen Seite gab es noch den religiösen Teil meiner Familie, der behauptete, ich sei dafür geschaffen Papst zu werden. Sie erklärten mir immer wieder, dass ich, auch wenn ich wie jeder andere als Priester beginnen müsste, auf der Karriereleiter schnell nach oben kommen würde und der erste in Argentinien geborene Papst der Kirchengeschichte werden würde. Damals war ich Ministrant und aktiv
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in der katholischen Kirche engagiert; daher schien auch dieser Weg im Bereich des Möglichen. Schließlich gab es noch Verwandte, die darauf bestanden, dass ich in das Geschäftsleben einsteigen sollte. Einige von ihnen fügten dann stets mit einem leisen Lachen hinzu: »Und wenn du dann sehr reich bist, kannst du uns alle versorgen.« Ich hatte schon immer ein gutes Händchen für Zahlen gehabt. Ich war gut in der Schule und sehr erfolgreich beim Tauschgeschäft mit Figuritas, der argentinischen Version der Sammelbildchen. Und so hatte ich eine große Sammlung, was in der Welt der Kinder gleichbedeutend mit Reichtum und Erfolg war. Als sie mich so bei meinen Geschäften beobachteten, prophezeiten mir einige meiner Verwandten, dass ich es sicherlich bis in die Chefetagen der Businesswelt schaffen würde, um dort das große Geld zu machen. Damals wusste ich noch nicht, was ich später werden sollte, aber ich war mir sicher, dass ich den Weg in eine dieser drei Karrieren einschlagen würde. Als ganz junger Teenager bekehrte ich mich in einer protestantischen Gemeinde, und damit gab es plötzlich nur noch eine einzige Möglichkeit. Es war die beste Entscheidung meines Lebens, Jesus als meinen Erlöser anzunehmen. Aber die Bekehrung schloss automatisch die Möglichkeit aus, Präsident zu werden. Nach der damaligen argentinischen Verfassung konnte kein Nicht-Katholik das höchste politische Amt im Land bekleiden. Da ein Protestant auch nicht Papst werden kann, stand mir diese Möglichkeit ebenfalls nicht mehr offen. Mir blieb nur eine einzige Möglichkeit: Geschäftsmann zu werden. So wurde ich mit Anfang zwanzig der jüngste Krankenhausverwalter unserer Region. Ich trug die Verantwortung für eine komplett neue Einrichtung, in der 51 Ärzte Dienst taten. Da mir auf Grund meines Alters die ausreichende praktische Erfahrung fehlte, war ich mir sehr schmerzlich bewusst, wie dringend ich übernatürliche Hilfe nötig hatte. Daher wurde Gebet zum Rückgrat meiner alltäglichen Geschäfte. Je mehr ich betete, desto mehr erwies sich die Hand Gottes bei meiner Arbeit. Je mehr er eingriff, desto besser entwickelte sich jedes Projekt. Nachdem ich eine feindliche Übernahme erfolgreich abgewehrt hatte, vertrauten mir viele der Ärzte, die das miterlebt hatten, sogar die Verwaltung ihrer persönlichen Finanzen an. Wir investierten das Geld in eine Gemeinschaftsbank und ich erhielt einen Platz im Aufsichtsrat. Als zunehmend Geld in unseren Geschäftsbereich floss,
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gründeten wir ein Kreditinstitut. Nach relativ kurzer Zeit hatte ich also drei verschiedene Funktionen: Ich war Verwalter eines Krankenhauses, saß im Aufsichtsrat einer Bank und war Generaldirektor eines Kreditinstituts. Das war eine Herausforderung, um es vorsichtig zu formulieren. In der Geschäftswelt ist Korruption eine ständige Versuchung. In Argentinien ist das besonders schlimm. Steuerhinterziehung, gefälschte Buchführung und Verstöße gegen die Arbeitsgesetze waren die gängige Praxis. Aber ich ließ mich nicht davon abbringen, auf der Seite des Rechts zu bleiben. Zuerst waren meine Vorgesetzten skeptisch. Sie befürchteten, die Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren, wenn sie Steuern nicht länger hinterziehen oder auf fragwürdige Sonderwege verzichten würden. Als sie aber erkannten, wie gut wir bei der ganzen Sache abschnitten, wenn wir alles auf korrekte Weise abwickelten, wuchs ihr Vertrauen zu mir. Schließlich gaben sie mir völlig freie Hand, so zu handeln, wie ich es für richtig hielt. Solange wir Profit machten, störten sie sich nicht an meinen ungewöhnlichen Maßstäben.
Der Sessel für Jesus Ich liebte es zu handeln, zu kaufen, zu verkaufen und zu leihen. Ich stand ständig unter Druck, aber jedes Mal, wenn ich kurz vor dem Siedepunkt war, wandte ich mich an den Jesus-Sessel, wie ich ihn nannte. Das war ein Sessel, den ich einzig und allein für diesen Zweck in mein Büro gestellt hatte. Wenn mir alles zu viel war und ich mit den Dingen nicht mehr fertig wurde, schloss ich die Tür, kniete mich vor dem Sessel nieder und bat um göttliche Führung. Gott ging immer wieder darauf ein und sprach zu mir. Manchmal tat er das sehr leise. Bei anderen Gelegenheiten gab er mir sehr klare und eindeutige Anweisungen. Mehr als einmal bewirkte er als Antwort auf meine Gebete geschäftliche Wunder. Es war mir eine große Erleichterung und Sicherheit zu wissen, dass Jesus da war, und dass er mich für genau die Arbeit gesalbt hatte, die ich ausübte! Wenn ich bei meiner Arbeit war, genoss ich sie trotz des ständigen Stresses in vollen Zügen. In der Gemeinde war das nicht immer der Fall. Besonders schlimm war es, wenn ich bei Treffen oder in Gottesdiensten war, in denen es um den Ruf in den Dienst ging. Weshalb? Weil einige Gemeindeleiter es zwar gut meinten, aber danebenlagen. Sie sahen verächtlich auf meine Tätigkeit herab. Immer
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wieder fragten sie: »Wann wirst du endlich in den Dienst gehen? Du lebst nicht im Glauben, sondern im Schauen. Bei deiner Arbeit bist du ständig mit Sündern zusammen, mit Menschen, die trinken und rauchen. Du hast eine Berufung auf deinem Leben. Sei nicht so rebellisch. Lass all das hinter dir und gehe endlich in den Dienst!« Diese Kritik meiner geistlichen Leiter war für mich verwirrend und frustrierend. Sie war deshalb verwirrend, weil ich tief in meinem Herzen wusste, dass Gott bei meiner Arbeit genau so mit mir war, wie in der Gemeinde. Ich erlebte die Gegenwart Gottes an beiden Orten. An meiner Arbeitsstelle war es mein geistlicher Auftrag, Jesus zu bezeugen und bekannt zu machen. In der Gemeinde sollte ich lernen, ihn anbeten und andere in eine tiefere Beziehung zu Gott führen. Der hauptsächliche Unterschied bestand darin, dass ich bei meiner Arbeit ausschließlich vom sichtbaren Wirken Gottes abhängig war, z. B. von Wundern im Geschäft. Ich will damit sagen, dass ich seine Führung und sein übernatürliches Eingreifen unbedingt brauchte, um diesen Auftrag Gottes erfüllen zu können. Außerdem konnte ich es mir überhaupt nicht leisten, in meiner Arbeit auf geistliche Hilfe zu verzichten. Ich hätte keinen einzigen Tag an meiner Arbeitsstelle überstanden, wenn Gott mich nicht immer wieder mit seiner Kraft und Gegenwart erfüllt hätte. Ein weiterer Grund, weshalb ich glaubte, dass Gott mich noch weiter an meiner Arbeitsstelle haben wollte, war, dass ich der inoffi zielle Pastor meiner Arbeitskollegen und Geschäftspartner war. Ich betete häufig in verqualmten Zimmern mit ihnen oder auf Partys, wo ich ihren Angehörigen dienen konnte. Einige von ihnen kamen sogar zum Herrn! Jede einzelne dieser Gelegenheiten war ein wahres Wunder, besonders deshalb weil die meisten von ihnen fest im Katholizismus verankert waren. Sie waren in einer sozialen Schicht zu Hause, die weit über den meisten Leuten in meiner Gemeinde lag. Wie konnte dieser Dienst an meiner Arbeitsstelle so schlecht und minderwertig sein? fragte ich mich oft. Es war frustrierend, weil ich meine Gemeindeleiter respektierte. Ihre Anweisungen nicht zu befolgen, war in meinen Augen Rebellion. Ich war auch verunsichert, weil die selben Leiter keinen Augenblick zögerten, sich an mich zu wenden, wenn sie in Bereichen Hilfe brauchten, die Regierung, Finanzen oder Arbeitsverhältnisse betrafen. Wenn ich nun so befleckt war, weshalb wurden dann mein Geld und meine Dienste so oft in Anspruch genommen?
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Endlich im Dienst Ich habe eine wunderbare Ehefrau. Ruth und ich sind seit 33 Jahren verheiratet. Wir haben vier Kinder und sechs Enkel. Als wir heirateten trafen wir die Entscheidung, dass unser Leben und unser berufl icher Werdegang dem Herrn gehörten. Es war unser größter Wunsch, ihm von ganzem Herzen zu dienen. Schließlich führte mich der Herr an den Punkt, an dem ich meine berufl iche Karriere gegen den Dienst in der Gemeinde eintauschte. Ich erinnere mich noch genau an den Tag, an dem ich meine Kündigung einreichte. Meine Vorgesetzen wollten mich nicht gehen lassen und drängten mich immer wieder, ihnen den Preis fürs Bleiben zu nennen. Ich lehnte ganze Reihe sehr verlockender Gehaltserhöhungen erfolgreich ab und verließ mit Ruth die Stadt. Ich trat eine Pastorenstelle an, deren Gehalt 30 mal niedriger lag. Das geringere Einkommen störte uns nicht, obwohl wir gerade unser erstes Kind, Karina, bekommen hatten, was höhere Ausgaben mit sich brachte. Wir haben diesen Schritt nie bedauert, aber im Jahr 1999 wurde ich plötzlich mit einem wunden Punkt in meiner Seele konfrontiert. In einem späteren Kapitel dieses Buches werde ich näher darauf eingehen, wie es dazu kam. Ich stellte fest, dass Gott mir die gleiche Salbung für die Geschäftswelt wie für den Dienst innerhalb der Gemeinde gegeben hatte. Eine tiefe Schicht von Scham hatte dieses Wissen jedoch verdeckt. Durch die Neuentdeckung wurde mir klar: An dem Tag, an dem ich meine Kündigung einreichte, hatte ich nichts Schlechtes verlassen, um in den Dienst zu treten. Ich hatte bereits die ganze Zeit im Dienst gestanden! Sobald meine Augen dafür geöffnet waren, konnte ich endlich wieder ohne Schuldgefühle die Freude empfinden, die ich hatte, als ich gleichzeitig die Verantwortung für drei verschiedene Unternehmen trug. Zum ersten Mal seit mehr als dreißig Jahren verband ich damit weder Scham noch Weltlichkeit sondern genoss es einfach. Ich fühlte mich wie der verlorene Sohn, der von seinem Vater in die Arme geschlossen wurde und neue Kleider erhielt.
Salbung fürs Business? Seit dieser Zeit hat der Heilige Geist mir immer wieder Bibelstellen gezeigt und erklärt, die eindeutig belegen, dass es eine göttliche Salbung
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für die Geschäftswelt gibt. Dadurch habe ich auch viele andere Stellen in einem ganz neuen Licht gesehen. Sie zeigen, dass Menschen mit einer Berufung zum Dienst in der Geschäftswelt und Gesellschaft die Fülle des Heiligen Geistes und alle seine Gaben bereits empfangen haben. Durch sie wird das Reich Gottes in den Zentren unserer Städte aufgerichtet. Um dies tun zu können, sollen und dürfen sie diese Gaben genau so einzusetzen, wie die vollzeitlichen Geistlichen es hinter der Kanzel tun. Ganz praktisch bedeutet das, dass sie Geschäfte in der Kraft des Heiligen Geistes abwickeln und überall in der Stadt »Gemeinde« leben, so wie es auch die ersten Christen getan hatten (vgl. Apg. 2,42). Obwohl ich das in meiner Jugend nicht so hätte formulieren können, habe ich genau das an meinen Arbeitsstellen getan, weil ich für die Geschäftswelt gesalbt war!1 Für das Business gesalbt zu sein, bedeutet, dass Gott jemanden für den Dienst in der Gesellschaft aussondert. Wenn wir gesalbt sind, werden wir unseren Arbeitsplatz als Instrument für den Dienst nutzen, um die Geschäftswelt zu verändern. Wir tragen dazu bei, dass das Evangelium von allen Menschen in unserem Einflussbereich wahrgenommen wird. Das gleiche Prinzip gilt für jeden Bereich der Gesellschaft: Geschäftswelt, Bildung und Regierung. Salbung in der Bibel Salbung ist ein wichtiges biblisches Thema. Oft taucht es in Verbindung mit Öl auf, ein Symbol für den Heiligen Geist. Wenn jemand oder etwas mit Öl übergossen, eingerieben oder getränkt wurde, war das in der Bibel der Hinweis darauf, dass diese Person, der Gegenstand oder Ort für eine göttliche Absicht ausgesondert war (vgl. 1. Mo. 28,18). Wenn es einen Menschen betraf, wurde eine große Menge Öl über seinem Kopf ausgegossen. Damit brachte man zum Ausdruck, dass die gesamte Person mit allem, was zu ihr gehörte, für Gott ausgesondert war. Eine solche Salbung wurde für die vollständige Weihung auf Lebenszeit durchgeführt. Könige, Priester, Propheten und Orte wurden auf diese Weise als Ganzes für den göttlichen Dienst ausgesondert. 1 Anm. d. dt. Hrsg.: In einem Bericht aus der Stadt Cali wird geschildert, wie die Gemeinde Jesu in dieser Stadt wächst, seit die Christen aufgrund der Bedrohung durch die Guerilla gezwungen sind, ihren Glauben außerhalb der Kirchenmauern zu leben: In ihren Firmen, Arbeitsstätten, an öffentlichen Plätzen usw. Zu fi nden in der »Denkbar« bei www.down-to-earth.de.
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Nirgendwo in der ganzen Bibel können wir eine Teilzeit-Salbung oder die Salbung für den Teilzeit-Dienst fi nden. In den Psalmen fi nden wir das Bild von Öl, das über den Kopf Aarons in den Bart hinab und letzten Endes bis zum Saum seines Gewandes fl ießt (vgl. Ps. 133,1–3). Die Salbung wird an dieser Stelle mit dem Tau vom Berg Hermon verglichen, der auf den Berg Zion herunter strömt. Dieser Psalm beschreibt reiche, überströmende, einhüllende und verändernde Salbung. So eine Salbung möchte Gott seinen Mitarbeitern in der Geschäftswelt geben. Er will sie so stark mit dem Heiligen Geist salben, dass sie Menschen »die Augen öffnen, damit [sie] sich von der Finsternis dem Licht zuwenden und aus der Herrschaft des Teufels zu Gott kommen« (Apg. 26,18a). Die Salbung ist dazu da, Menschen und ihre Umgebung zu verändern und zu transformieren, »damit sie Vergebung der Sünden empfangen und ein Erbe unter denen, die durch den Glauben an [Gott] geheiligt sind« (Apg. 26,18b; Elb.). Gaben in der Geschäftswelt Die Verheißung Jesu, dass alle Gläubigen mit dem Heiligen Geist erfüllt werden, Dämonen austreiben, drohende Gefahren abwenden (Schlangen), böse Pläne und Anschläge überleben (heimlich vergiftete Getränke) und jede Krankheit heilen werden (vgl. Mk. 16,17–18), bezieht sich in erster Linie auf den Dienst in der Gesellschaft und in der Geschäftswelt. Dafür gibt es zwei Gründe. Erstens stehen diese Worte Jesu in direktem Zusammenhang mit dem Befehl: »Geht hin in die ganze Welt und predigt das Evangelium der ganzen Schöpfung« (Mk. 16,15; Elb.; Hervorhebung durch den Autor). Was Jesus hier beschreibt, ist auf jeden Fall ein Prozess, der von Innen nach Außen wirkt und sich rasch ausbreitet. Daher müssen wir die ganze Welt, die komplette Schöpfung in Bezug auf unseren Auftrag im Blick haben, nicht nur ein Kirchenoder Gemeindegebäude oder irgendeine Gruppe von Gläubigen. Zweitens werden nur Dämonen mit Selbstmordabsichten es wagen, sich in der Nähe von geisterfüllten, bibeltreuen Gemeindegottesdiensten aufzuhalten. Die meisten Dämonen verbringen den größten Teil ihrer Zeit in den Schaltzentralen unserer Städte, von wo aus die Geschäftswelt, das Bildungswesen und die Regierung kontrolliert werden – sofern sie noch nicht unter dem Einfluss des Evangeliums stehen.
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Genau dort brauchen wir die Kraft Gottes am dringendsten. Und wer befi ndet sich bereits an diesen strategisch günstigen Positionen an diesen Orten? Christen mit dem speziellen Auftrag, in der Geschäftswelt zu dienen! Strategien, durch die wir ganze Städte erreichen Seit ich die Bücher Dass Niemand verloren geht und Prayer Evangelism (Gebetsevangelisation) geschrieben habe, 2 hat sich das Team von Harvest Evangelism (die Organisation, die ich leite) weltweit intensiv an den unterschiedlichsten Initiativen zur Veränderung ganzer Städte beteiligt. Wir kooperieren mit den örtlichen Pastoren und trainieren und aktivieren sie, ihre Gemeindemitglieder zu motivieren. So wollen wir erreichen, dass für jeden Einwohner ihrer Stadt täglich persönlich gebetet wird. In den letzten zehn Jahren haben wir erstaunliche Fortschritte gemacht: Wir haben verschiedene Prototypen oder Muster entwickelt und in vielen Städten gewaltige Durchbrüche erzielt. Diese neuen Erkenntnisse über die Geschäftswelt haben den Initiativen zum Erreichen und Durchdringen ganzer Städte mehr Kraft verliehen, als alles bisher bekannte. An Orten, an denen die Bewegung zum Stillstand gekommen war, integrierten wir Geschäftsleute sowie Vertreter aus dem Bildungswesen und der Regierung in die Strategie. Das wirkte wie zusätzliche Düsenmotoren an einem stotternden und spuckenden Flugzeug. Aber der größte Segen war die Erneuerung und Erweckung im Leben der Christen aus der Geschäftswelt. Diese Männer und Frauen hatten schon immer den Wunsch, Außergewöhnliches für Gott zu vollbringen. Aber durch die alten Denkmuster waren diese Mitarbeiter Gottes eingeschränkt und zurückgehalten worden. Sie sahen sich mit ihrer Rolle in der Geschäftswelt als geistliche Kriegsgefangene, weil sie sich verzweifelt abmühten, in einer bösen Umgebung würdevoll zu überleben. Weil man ihnen beigebracht hatte, dass man in der Geschäftswelt die Fülle des Reiches Gottes nicht erfahren kann, hatten sie nie das Gefühl, dort Veränderung bewirken zu können. Ihre höchsten Träume bestanden darin, gute Zeugen zu sein und vielleicht einmal jemanden zu Jesus zu führen. Die Vorstellung, 2 Anm. d. dt. Hrsg.: Dass niemand verloren geht (That None Should Perish) ist bei Down to Earth erhältlich. Englischsprachige Auszüge beider Bücher sind unter www.harvestevan.org zu fi nden.
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das Reich Gottes könnte in ihrer Umgebung sichtbar werden und das Reich des Bösen entmachten, lag jenseits ihres Erwartungshorizontes. Sie gaben sich deshalb gezwungenermaßen damit zufrieden, in einer »bösen« Umgebung ein akzeptables Leben zu führen. Ein neues Paradigma Sobald man erkennt, welche Schlüsselrolle die Geschäftswelt in Gottes Plänen einnimmt, tritt ein neues Paradigma in Kraft. Christen in der Geschäftswelt können sehr schnell erkennen, dass ihre Aufgabe der von traditionellen Pastoren gleicht. Pastoren setzen die verwandelnde Kraft Gottes im Leben von Einzelnen und in Gruppen wie der Ehe und Familie frei. Business-Christen dienen den Menschen und Organisationen der Geschäftswelt. Plötzlich ist die Geschäftswelt nicht länger eine Festung des Teufels, die man am Besten meiden sollte, sondern Einsatzort für einen starken Dienst, von dem geistliche Transformation ausgeht. Um dies noch klarer zu verstehen, müssen wir sehen und uns damit beschäftigen, wie Jesus die Gesellschaft und seine Aufgabe darin sah. Im folgenden Kapitel werden wir uns näher mit dieser Frage befassen.
Zusammenfassung Als ich Anfang 20 war, füllte ich gleichzeitig drei unterschiedliche Positionen aus: Ich trug Verantwortung in der Krankenhausverwaltung, war im Aufsichtsrat einer Bank und Generaldirektor eines Kreditinstituts. Ich genoss meine Arbeit bis einige wohlmeinende, aber irregeleitete Gemeindeleiter verächtlich auf meine Tätigkeit herabsahen und fragten: »Wann wirst du endlich in den Dienst gehen?« Ich spürte bereits damals, dass meine Arbeit mein Dienst war. Aber es dauerte bis zum Jahr 1999, ehe ich erkannte, dass ich die gleiche Salbung für die Geschäftswelt hatte, die ich bisher nur als Prediger hinter einer Kanzel kannte.
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