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Auch du, kleiner Mensch, bist groĂ&#x;


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ines der Hauptfeste der Christenheit erzählt von der Kleinheit Gottes und von der Größe des Menschen. Es erzählt von einem kleinen Kind von Flüchtlingen, in dem Gott zu uns gekommen sei. Es deutet den Weg Gottes zu uns Menschen als den Abstieg eines Großen zu den kleinen Empfängern seiner Liebe. Und es schildert unser eigenes Wachstum so, dass es von der Geburt dieses Kindes in uns selbst spricht, von einem Anfang aus Gott, der weiterträgt und weiterwirkt über die Jahre und weit hinaus über unser irdisches Dasein. Es fällt uns dabei auch ein, dass Jesus die Zielgestalt des Menschen in einer besonderen Form von Kindlichkeit gesehen hat. Wir sollen, sagt er, werden wie die Kinder. So wehrlos, so vertrauend. So empfangend, ohne geben zu können. Wenn er vom „Kind“ redet, meint er ja nicht dessen angebliche Unschuld, die es nicht gibt. Er meint nicht rührende Einfalt, sondern er meint: Hier ist ein Wesen, das ganz auf die Sorge anderer angewiesen ist. Er meint: Das Reifste, das in einem Menschenleben gedeihen kann, ist eine Wehrlosigkeit, die sich ganz auf die Sorge Gottes verlässt. Der reife Mensch ist der, der seinen Stolz und seine Selbständigkeit ohne Bedauern weglegt und sich der Sorge Gottes anvertraut. Wenn wir wissen wollen, was vor Gott groß und was vor ihm klein ist, dann ist es gut, wenn wir 74


unsere Maßstäbe beiseite tun und fragen: In welchen Dingen bedarf ich der Sorge Gottes? Und wir werden die Dinge gefunden haben, die in Gottes Augen auf alle Fälle groß sind. Denn das Bild des vollkommenen Menschen ist das Kind, das der helfenden Aufmerksamkeit Gottes bedarf und das ebendies begriffen hat. In einigen Völkern gibt es ein Sprichwort, das mit immer wieder ein wenig anderen Worten sagt: „Kostbare Essenzen bewahrt man in kleinen Gefäßen.“ Wenn also ein Gefäß klein ist, ist über seinen Wert erst dann zu reden, wenn man weiß, was es enthält. Und das ist in der Seele des Menschen das Kind, das Christus ist. Und wir denken an das andere Hauptfest der Christenheit, an Ostern. Das sagt: Bei dem, was jetzt in dir ist, wird es nicht bleiben. Wenn das Kind Gottes, der Christus in dir, seinen Weg über die Grenzen deines Lebens hinausgeht in eine unbekannte, andere Welt, dann wirst du dabei nicht verloren gehen. Du wirst dich selbst behalten. „Wir tragen hier das Bild des irdischen Menschen. Dort werden wir das Bild des himmlischen tragen. Denn das Vergangene wird dem Künftigen weichen“, sagt Paulus. Das Ende unseres kleinen Lebens begegnet uns also nicht mit dem Gesicht der Angst, sondern als 75


ein Anfang, der voll ist von Lebendigkeit und Schönheit. Und so möchte ich noch eine Weile vor der Almscheuer sitzen, der leeren, und über die Täler und Hügel dieser Erde und über die Niederungen und Höhen meines eigenen Lebens hinschauen und Gott danken dafür, dass mein kleines Leben in seinen Augen so kostbar ist und dass es so kostbar und so groß sein wird.

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