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er wachsen will, muss schrumpfen
Franziskanische Spiritualität Die franziskanische Spiritualität ist nie etwas bloß Abstraktes gewesen. Das Leben, das Franziskus im Evangelium gefunden hat, war schlicht und einfach ein Lebensstil. Es war die in Raum und Zeit fortgesetzte Inkarnation. Es war das Ernstnehmen des Geistes Gottes in der Gegenwart. Und es ging darum, mehr Jesus zu sein als Jesus bloß anzubeten. Das Franziskanertum in seiner besten Form hat nichts mit Worten und nicht einmal etwas mit Ethik zu tun. Es ist Fleisch – nacktes Fleisch. Es kann und will seine Begrenztheiten gar nicht leugnen, will seine Wunden gar nicht verdecken. Franziskus hat das „Armut“ genannt. Ganz Fleisch werden (31)
Auch Gott macht sich klein Die große Lüge besteht darin, Erlösung sei ohne Fleischwerdung, ohne Verleiblichung möglich. Für den Christen steckt die Macht immer in der Ohnmacht, so wie Gott in einem hilflosen Säugling gesteckt hat. Es kann sein, dass wir das Spirituelle lieber ohne das Leibhaftige hätten, das Kosmische ohne das Konkrete. Aber damit das Wort geliebt und geteilt werden kann, müssen wir seine Verleiblichung wagen. Sie ist immer konkret und alltäglich. Nur im
Konkreten und Alltäglichen verbirgt sich Gott vollkommen und offenbart er sich vollkommen. Körper, Seele und Geist integrieren (41)
Die Macht der Ohnmacht Jesus lädt uns ein, nicht an der Macht, sondern an der Ohnmacht dieser Welt teilzunehmen. Das ist für Christen der absolut notwendige Ausgangspunkt. Die Logik dieser Welt wird das nie begreifen. Aber sehen Sie sich an, wie das geschieht, wenn jemand sich völlig ändert. Das fängt immer in Ohnmacht an. Napoleon hat rückblickend gesagt, die Macht verändere im Grund überhaupt nichts; sie könne höchstens alles ein bisschen anders anordnen. Eine wirkliche Änderung kann letztlich und in Fülle nur durch ein Leben aus dem Geist, und zwar aus dem Geist Gottes, herbeigeführt werden. Veränderung braucht Schweigen (71)
Die wahre Macht liegt ganz unten Bill Wilson und seine Bewegung der Anonymen Alkoholiker haben uns deutlich vor Augen geführt, dass wahre innere Stärke darin besteht, Macht nicht mehr zu suchen, nicht mehr zu brauchen und nicht mehr zu missbrauchen. Die wahre Macht liegt nicht ganz oben, sondern ganz unten. Nur wer zugibt, dass er machtlos ist, verfügt über die einzige Macht, die in der Welt oder in der Kirche etwas bewirken kann. Der Ort des Bruchs ist der Ort der größten Stärke (27) 10
Falsche Heimat Die Christen von heute fühlen sich in einer Welt daheim, von der Jesus zu uns gesagt hat, wir sollten uns in ihr nicht daheim fühlen. Schlimmer noch: Sie fühlen sich in einer Welt daheim, in der Mädchen magersüchtig werden und Burschen meinen, sie müssten in der Spitzenmannschaft Fußball spielen, und alle andern nehmen sich die Reichen zum Maßstab, die Berühmtheiten, die Stars, die Trend und Image bestimmen. Genau besehen, ist unser Prinzip „Wettbewerb“ lediglich ein anderes Wort für „Macht über andere“. Sooft man eine Gesellschaft einrichtet, die sich nach den Kriterien von Macht und Erfolg bemisst, braucht man Menschen, die machtlos und erfolglos sind. Das allerdings ist die überwältigende Mehrheit unserer Bevölkerung. Die meisten Menschen in unserer Gesellschaft sind von Anfang an auf die Verliererseite gestellt. Wahres Sehen (62)
Die Narren sind die reifen Gläubigen Wenn jemand Gottes Anliegen verficht, ist er innerlich frei – er kann über sich selbst lachen, kann Bloßstellungen und Misserfolge hinnehmen, geht es doch gar nicht um ihn selbst und sein Ansehen. Der reife Gläubige wirkt vermutlich eher wie ein heiliger Narr als wie ein Wohltäter oder „Heiliger“. Verwundet heimkommen (28)
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