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Jessica Uttenweiler mit Nicola Vollkommer

Glaube, Lifestyle und der Sturm der Trends

Jessica Uttenweiler mit Nicola Vollkommer

Zeitgeistlich

Glaube, Lifestyle und der Sturm der Trends

Best.-Nr. 275037

ISBN 978-3-98963-037-6

Wenn nicht anders angegeben, wurde folgende Bibelübersetzung verwendet: Elberfelder Bibel 2006, © 2006 by SCM R.Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbH Witten/Holzgerlingen.

Außerdem wurden verwendet: Lutherbibel, revidierter Text 2017 © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart (LUT)

NeÜ bibel.heute, © 2010 Karl-Heinz Vanheiden und Christliche Verlagsgesellschaft (NeÜ)

1. Auflage

© 2025 Christliche Verlagsgesellschaft mbH Am Güterbahnhof 26 | 35683 Dillenburg info@cv-dillenburg.de

Satz und Umschlaggestaltung: Christliche Verlagsgesellschaft mbH

Druck: GGP Media GmbH, Pößneck

Printed in Germany

Wenn Sie Rechtschreib- oder Zeichensetzungsfehler entdeckt haben, können Sie uns gern kontaktieren: info@cv-dillenburg.de

10. Ein „soziales Evangelium“ –Sich für Gerechtigkeit und Gleichheit einsetzen: Auftrag der Christen? ...... 76

11. Von Dekonstruktion und Glaubenskrisen –Was ist mit unbeantworteten Fragen, Schicksalsschlägen oder Erschütterungen in meinem Gottesbild? .............. 82

12. „Christ-Fluencer“ –Ära und Einfluss der digitalen christlichen Welt ............................. 90

13. Eine Ode an die Produktivität –Vom Schaffen und Machen .......... 100 Nicola Vollkommer

14. Hier ist ein Platz für dich ........... 106

15. To-Do-Liste für müde Kämpfer oder kraftspendende Beziehung?

16.

Vorwort

Jessica Uttenweiler (geb. Vollkommer) kenne UND schätze ich – die Kombination ist ja nicht selbstverständlich :) – seit ca. 25 Jahren. Schon früh wurde ihre besondere Begabung erkennbar, Entwicklungen in der Gesellschaft und in der Gemeinde zu erkennen, dabei auch Fehlentwicklungen zu durchschauen und diese treffsicher auf den Punkt zu bringen – ohne zu verurteilen. Denn sie ist immer auch selbst-kritisch.

Jessica ist im Getümmel einer großen (Pastoren-)Familie aufgewachsen; mittlerweile steht sie als Ehefrau und Mutter mitten in einer fröhlich-bunten Kleinkinderfamilie und lebt neuerdings sogar mit ihrem Mann als „Zeltmacher-Missionare“ in Fernost …

Was sie in diesem Buch über die aktuellen Entwicklungen der Gesellschaft und die sie dominierenden Werte und Ansichten schreibt, sind also keine distanzierten akademischen Diagnosen aus dem Elfenbeinturm der Gelehrsamkeit. Vielmehr finden sich hellwache und bewährte Beobachtungen aus dem sturmumtosten Alltag einer aktiven Zeitgenossin.

Wer lieber belangloses BlaBla oder weichgespülten Wohlfühlbrei konsumieren will, sollte dieses Buch aus der Hand legen. Doch wer pointierte Überlegungen und messerscharfe Analysen zu aktuellen Entwicklungen mit ihren bisweilen abenteuerlichen Wendungen und Windungen sucht oder schätzt, ist genau richtig: Jessicas spitze Feder lässt so manche fromme „Bubble“ der christlichen Szenen heilsam platzen – ohne dabei geringschätzig oder pessimistisch zu (ver)urteilen oder zu belehren.

Als Maßstab der kritischen Auseinandersetzung wird einzig und allein die uneingeschränkte Autorität der Bibel als Gottes Wort herangezogen. Damit ist die Ausrichtung auf Jesus das Zentrum, der Ausgangspunkt und das Ziel aller „zeitgeistlichen“ Gedanken.

Jessica packt dabei sehr unterschiedliche, aber immer konkrete Fragen unserer Zeit an: Wie können wir Christen mit „Wokeness“ umgehen? Was können christliche Influencer bieten? Wie finde ich einen Weg zu meiner persönlichen Bibel-Zeit und Begegnung mit Jesus? Schönheit, Chillen oder Einheit – das sind Themen, die durch unsere christlichen Szenen und Herzen ziehen und Fragen aufwerfen.

Den Grundton hinter und zwischen allen Zeilen und Analysen bildet der Wunsch bzw. die Frage: Wie können wir heute fröhlich und lebendig und ansteckend unserem Retter und Heiland Jesus nachfolgen? Diese Ausrichtung erinnert mich an die Liedzeilen von Timo Langner: „Ich bin gemacht für diese Zeit, gemacht für diesen Ort, geformt von deiner Hand, geborn für diesen Kampf.“1

Damit wünsche ich dem Leser viel Freude beim Eintauchen in die pointierten Formulierungen und vor allem erhellenden Gedanken und ermutigenden Anstöße. Ich wünsche, dass die Lektüre dazu beiträgt, konkrete Fragen und Entwicklungen unserer Zeit im Licht der Bibel besser einordnen zu können und hilfreiche Leitlinien zu entdecken, wie wir leidenschaftlich für und mit Jesus in genau dieser Welt und in genau dieser Zeit leben können.

Gideon Maier – Patenonkel, langjähriger Jugendkreisleiter und Freund der Familie

1 Timo Langner: „Gemacht für diese Zeit“, in: „Wenn sonst nichts bliebe“; © 2021 Gerth Medien, Asslar.

1 Zeitgeist – wohin treten im Sumpf der heutigen Theologien?

Nicht überall, wo ‚Jesus‘ draufsteht, ist auch Jesus drin ... Das Evangelium muss Evangelium bleiben, wenn es nicht an Glaubwürdigkeit verlieren und Menschen radikal verändern soll.

Eine stylische Welcome-Lounge zum Ankommen mit Barista-Team im Church-CorporateLook. Konferenzen mit krassen Zeugnissen von ausgebrochener Erweckung, „Manifestationen“ und Heilungen. Zehn Gemeindewachstumsstrategien im Erdton-Workbook zum copy-undpasten. Interessengeleitete Kleingruppen – Treffpunkt Starbucks, beim lokalen Töpferkurs oder im Gym. Lobpreis untermalt von Moving Heads, Hintergrund-LEDs und Nebelmaschine, bei dem anschließend der leidenschaftliche Jugendpastor im T-Shirt mit V-Ausschnitt, aus dem Tattoos hervorragen, auf die Bühne springt und Stimmung macht.

Schon seit vielen Jahren beobachte ich die Erneuerungen und Bewegungen in Gemeinden, um hier und da ein bisschen Inspiration für unsere eigene Gemeindearbeit zu erhaschen. Bei einigen der genannten „Umbrüche“ war ich selbst dabei. Und mehr als jemals zuvor in meinem Leben fühle ich mich ganz schön verloren im Sumpf der umherschwirrenden „Transformationen“ unserer Zeit und frage mich: Woher weiß ich, welche neuen Hypes der christlichen Welt uns voranbringen und welche uns schaden? Welche neuen Trends „peppen“ unsere Gemeinden wirklich auf und machen sie für junge Erwachsene schmackhaft?

Welche bringen sie langfristig gesehen vom Weg ab? Oder anders formuliert: Was macht die wahre Identität der Gemeinde Jesu Christi aus, und was ist reiner Zeitgeist?

Johannes warnt uns in seinem Brief eindringlich: „Geliebte, glaubt nicht jedem Geist, sondern prüft die Geister, ob sie aus Gott sind!“ (1Jo 4,1). Dazu brauchen wir verlässliche Punkte, anhand derer wir die innerkirchlichen Umbrüche unserer Zeit prüfen können. Wer weiter im ersten Johannesbrief stöbert (Kapitel 1 und 2), kommt auf folgende vier Punkte, die uns dabei helfen, neue Trends anhand der Bibel zu hinterfragen und hinter die Kulissen einer Strömung zu blicken:

1. Die Lehre von Jesus Christus: Seine Göttlichkeit und Menschwerdung wird voll und ganz anerkannt und gepredigt. Er ist kein Wunsch-Jesus, der hingebogen werden kann, wie es passt (der politische Klimaaktivist, der Kumpel, der Maßregler und Einschüchterer seiner Umwelt, der Wohlhaben-Spender usw.), sondern er ist und bleibt, wie er sich schon vor Jahrtausenden in seinem Wort selbst vorgestellt hat.

2. Ein richtiges Verständnis von Sünde: Sünde wird thematisiert, benannt und ernst

genommen. Sünde ist kein harmloses Übel der irdischen Welt und nichts, womit leichtfertig umgegangen wird („Über Sünde kann man doch nicht predigen beim Gästegottesdienst!“, „Hölle ist nur eine Metapher für ein Leben ohne Gott“, „Sünde hin oder her – wir brauchen halt gerade diesen Bassisten, auch wenn er gerade ein Problem mit Drogen hat.“). Zugleich ist Sünde immer gepaart mit Gnade und Vergebung, beide gehen Hand in Hand.

3. Eine biblische Sicht von Gehorsam: Gottes Gebote müssen ernst genommen werden (Lobpreis leiten und dann ab in die Kiste mit der Freundin geht nicht; fleißig für Heilung beten, sich aber von niemandem ins Leben sprechen lassen) und sind durch Gottes Gnade nicht aufgehoben. Keine „billige Gnade“!

4. Eine biblische Sicht von Liebe: Bruderliebe, d. h. ein liebevoller Umgang untereinander in der Gemeinde, also ein Bedürfnis, Gottes Volk zu lieben, unabhängig von persönlichen Neigungen („Der hat was gegen mich“, „Der hat mich mehrfach verletzt“, „Mit dem kann ich wirklich gar nicht ...“), zugleich aber keine Weltliebe, d. h. eine klare Abgrenzung zu

dem, wie die Welt tickt (Gottesdienste als Disco-Imitat, Merchandising-Strategien zum Anwerben von Gottesdienstbesuchern).

Die große Schwierigkeit beim Prüfen der Geister ist, dass diese meist getarnt, manche auch gemischt daherkommen. Nicht in den Moving Heads selbst stecken die bösen Geister.

Folgendes Beispiel dazu: Das Streben nach medialer Exzellenz in vielen Gemeinden ist an und für sich ein Gewinn. Flyer eigens designt für bestimmte Zielgruppen sprechen mehr Menschen an, und ein aktuelles Insta-Profil der Jugendgruppe ist heutzutage ein Muss, um junge Menschen über ein Event zu informieren. Das Exzellenz-Streben wird aber dann gefährlich, wenn es vom Eigentlichen ablenkt und ihm eine zu hohe Priorität eingeräumt wird.

Ich höre auch gern packende Zeugnisse von Heilungen und anderen spektakulären Wundern. Kommt jedoch vor lauter Heilungsansatz zu kurz, dass der Gott der Bibel vor allem in seine Nachfolge und zu Gehorsam und Treue ruft, verwandelt sich die Heilung schnell in ein Spektakel, bei dem es letztlich weniger um Gottes Allmacht als vielmehr um die „Zeichen und Wunder“ geht, die Gott gerade durch „mich“ getan hat.

Der modernste Gottesdienst kann genauso „tot“ sein wie der traditionell-liturgischste. Die Dynamik der Kirche Jesu liegt in der Botschaft selbst, nicht in den Äußerlichkeiten. Nicht überall, wo „Jesus“ draufsteht, ist auch Jesus drin, und nicht überall, wo Gemeinde draufsteht, ist unbedingt Gemeinde Jesu drin. Das Evangelium muss Evangelium bleiben, wenn es nicht an Glaubwürdigkeit verlieren und Menschen radikal verändern soll. Wenn nicht alle Modernisierungsversuche und sonstige Transformationen der Kirche den genannten vier Punkten unterstellt sind, führen sie nicht zur biblischen Identität der Kirche Gottes. Die größte Herausforderung unserer Zeit wird es sein, den wahren Charakter der umherschwirrenden Geister zu erkennen und daraus sinnvolle Schlüsse zu ziehen.

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