KAPITEL 1–9
DIE BEIDEN FRAUEN: WELTLICHE
WEISHEIT VS. GÖTTLICHE WEISHEIT
KAPITEL 1
VERS 1
«[Dies sind die] Sprüche Salomos, des Sohnes Davids, des Königs von Israel …»
Salomo war der Sohn von David, dem König von Israel. David war vierzig Jahre lang König, zwischen 1004 v. Chr. und 965 v. Chr. In den ersten sieben Jahren seiner Herrschaft herrschte er über Juda, danach auch über die übrigen Stämme Israels. Sein Sohn Salomo regierte Israel von 965 v. Chr. bis 928 v. Chr. Die folgenden Verse sind seine Gedanken (Sprüche) und Redewendungen, die Moral betreffend. Wir sollen sie studieren, um Weisheit zu erlangen (Spr 10,1; 22,17; 24,23; 25,1; 2Sam 5,1-5; 1Kö 5,10-14; 2Chr 1,7-12; Pred 1,1; 12,9).
VERS 2
«die dazu dienen, dass man Weisheit und Unterweisung5 erkenne und verständige Reden verstehe …»
Die Sprüche lehren dich die wichtigen Lektionen des Lebens und die Norm der göttlichen Gerechtigkeit – damit du sie verstehst, verinnerlichst und anwendest. Wenn du die Tiefe und den Sinn einer jeden Sache erkennst, wirst du als rechtschaffener und ehrfürchtiger Mensch leben (Spr 3,13-14; 4,1; 15,33; 5Mo 4,5-8.35-36; Ps 119,73; Kol 2,3).
VERS 3
«dass man Unterweisung empfange, die einsichtig macht, Gerechtigkeit, Recht und Aufrichtigkeit …»
Du sollst lernen, in jeder Situation die richtigen Schlüsse zu ziehen und diese effektiv anzuwenden. Du sollst integer und gerecht handeln. Das Wort Gottes gebietet es und dadurch schaffst du eine angenehme Atmosphäre um dich herum (Spr 2,1; 19,20; 2Chr 1,7-12; Eph 4,29; 1Tim 4,12-13).
VERS 4
«damit den Unverständigen Klugheit verliehen werde, den jungen Männern Erkenntnis und Besonnenheit.»
Das Ziel dieser Sprüche ist, der Jugend Verstand, Schlagfertigkeit und Ausgewogenheit zu vermitteln. Ein unerfahrener,
5 «παιδεία», BDAG, 748. Das Wort «מוסר», das in der Septuaginta (griechische Übersetzung des Alten Testaments) übersetzt wird mit Anleitung zu einem verantwortungsvollen Leben, verantwortungsbewusster Erziehung, Ausbildung und Unterweisung – in unserem Sprachgebrauch vor allem durch Disziplin, Korrektur. Von diesem Wort kommt der Begriff «Pädagogik». Siehe dazu auch Delitzsch & Keil: Kommentar zum Alten Testament. Vol. 6. Die Sprüche, Der Prediger, Das Hohelied (Grand Rapids, MI: Eerdmans, 1993), S. 53–56.
argloser Mensch wägt die Folgen seines Handelns nicht ab. Diese Sprüche unterweisen die (jungen) Menschen, das Böse in all seinen Formen und um jeden Preis zu meiden und sich für das Gute zu entscheiden, damit ihr Leben von der Bestimmung erfüllt wird, die Gott für sie hat, und die viel Frucht bringt (Spr 1,22.32; 2,10-12; 3,21; 7,7; 8,5; 9,4.6.16; 14,15.18; 15,5; 19,25; 21,11; 22,3; 27,12; Ps 19,8; 116,6; 119,130; 1Thess 5,22; 1Tim 4,6-8).
VERS 5
«Wer weise ist, der hört darauf und vermehrt seine Kenntnisse, und wer verständig ist, eignet sich weise Lebensführung an …»
VERS 6
«damit er den Spruch und die bildliche Rede verstehe, die Worte der Weisen und ihre Rätsel.»
Die Sprüche sind nicht nur für die unerfahrene Jugend nützlich, sondern auch für die älteren Menschen. Denn der Weise weiss, dass er mehr Weisheit braucht. Er wird «sein Ohr neigen», um zuzuhören und sich Wissen anzueignen, das ihm mehr Verstand und Weisheit gibt. Und er sucht bei einem Menschen, der von Gottes Geist geleitet ist, gerne einen weisen Rat (Spr 9,9; 12,1; 14,6; 19,27; 20,18; 25,12; 4Mo 12,8; Ps 49,5; 78,2; Pred 12,11; Hes 17,2; Dan 8,23).
Mit anderen Worten, in den ersten sechs Versen zeigt König Salomo fünf Schritte auf, die ein Mensch geht, wenn er die Weisheitssprüche lernt und anwendet:6
6 Dan Phillips. God’s Wisdom in Proverbs. (The Woodlands, TX: kress, 2011), S. 35. Phillips unterteilt die Liste in sieben Vorteile (Nutzen).
a) Weisheit und Unterweisung kennen
b) die Sprüche des Verstandes erkennen
c) Unterweisung in weisem Verhalten, Rechtschaffenheit, Gerechtigkeit und Integrität annehmen
d) den Naiven Verständnis, der Jugend Wissen und Besonnenheit geben
e) Sprüche und Redensarten sowie die Worte der Weisen und ihre Rätsel verstehen
DIE GOTTESFURCHT IST EINE NOTWENDIGE
TUGEND, UM DAS WORT GOTTES ZU ERKENNEN UND ZU VERSTEHEN
VERS 7
«Die Furcht des HERRN ist der Anfang der Erkenntnis; nur Toren verachten Weisheit und Zucht!»
Das Buch der Sprüche enthält eine Fülle von Gedanken und Anleitungen, wie du deinen Nächsten behandeln sollst. Die Anwendung der Verse bedeutet, dem Freund und Nachbarn sowie sich selbst Gutes zu tun. Allerdings gibt es eine Bedingung für eine segensreiche Anwendung: den Glauben an Gott. Die Furcht des Herrn (Ehrfurcht) ist die Grundlage für die Erkenntnis der Weisheit Gottes. Die Gottesfurcht ist die Ehre, die der Mensch dem Schöpfer aus dem Glauben an seine Existenz und aus dem Wissen um seine Heiligkeit, Gerechtigkeit, Souveränität, Integrität, Weisheit, Gnade, Barmherzigkeit und Liebe entgegenbringt, wie sie in der Heiligen Schrift gelehrt werden. Die Gottesfurcht vertieft sich im Herzen des Gläubigen
durch die Verinnerlichung des Preises, den Gott bezahlt hat, um die Menschen vom Fluch der Sünde zu erlösen: den Opfertod von Jesus Christus am Kreuz von Golgatha. Die Furcht des Herrn lässt den Menschen demütig werden und weckt in ihm das wachsende Verlangen, Gott in Gedanken und Taten zu ehren, dem Schöpfer zu gehorchen und sich vom Bösen in all seinen Formen abzuwenden (Spr 1,29; 2,4-6; 3,7; 8,18; 9,10; 10,27; 14,26-27; 15,5.16.32-33; 16,6; 19,23; 22,4; 23,9; 24,21; 30,2-6; 31,30; 1Mo 4,10; Hi 28,28; Ps 34,11; 42,1-2; 111,10; Pred 12,13; Jes 53; Joh 3,16; 8,19.42; Apg 9,31; 1Thess 2,12-16; 5,22).
Der unverständige Narr hingegen leugnet die Existenz Gottes. Er verspottet und verachtet alles, was in den Augen Gottes heilig, ehrlich, unschuldig und würdig ist. Er ist nicht daran interessiert, die Erkenntnis Gottes und seine Weisheit zu erlangen (Spr 3,7; 14,2).
DIE GOTTESFURCHT ZEIGT SICH DARIN, DASS MAN
EINEN GUTEN UMGANG WÄHLT UND SICH VON
EINEM SCHLECHTEN ABWENDET
VERS 8
«Höre, mein Sohn, auf die Unterweisung deines Vaters, und verwirf nicht die Lehre deiner Mutter!»
Lieber Sohn und liebe Tochter, die Art und Weise, wie ihr die Gottesfurcht zum Ausdruck bringt, ist der Respekt vor euren Eltern, denn ihr steht unter ihrer Verantwortung. Wenn ihr die Autorität nicht respektiert, die eure Augen sehen, wie wollt ihr dann die Autorität (Gott) respektieren, die ihr nicht seht?
Hört genau auf die Lehre und Zurechtweisung von Vater und Mutter (Spr 4,1; 6,20; 23,22; 2Mo 20,12).
VERS 9
«Denn sie sind ein schöner Kranz für dein Haupt und ein Schmuck um deinen Hals.»
Zweifellos werden die Lehren und Anweisungen deiner Eltern wie eine Krone des Segens auf deinem Haupt und schön wie kostbarer Schmuck um deinen Hals sein (Spr 3,21-22; 4,1-9; 1Mo 41,42; Ps 73,6; Dan 5,7.16.29).
NEGATIVER GRUPPENDRUCK (V. 10-19)
VERS 10
«Mein Sohn, wenn dich Sünder überreden wollen, so willige nicht ein …»
Wenn kriminelle Menschen versuchen, dich zu bösen Handlungen zu verleiten, dann hör nicht auf sie und halte dich von ihnen fern. Mach nicht gemeinsame Sache mit ihnen. Pass auf, dass du nicht in Versuchung gerätst, die Weisheit der Welt anzunehmen, die zu Tod und Verlust führt (Spr 16,29; 1Mo 39,7-10; 5Mo 13,8; Ps 1,1; 50,17-18; 1Kor 15,33; Eph 5,11; Jak 4,8).
VERS 11
«wenn sie sagen: Komm mit uns, wir wollen auf Blut lauern, wir wollen dem Unschuldigen ohne Ursache nachstellen!»
Sie werden versuchen, dich zu überreden und zu bösen Taten zu verleiten: «Mach mit, wir werden Spass haben und die Tat
geniessen und von ihr profitieren. Wir werden einem Unschuldigen, der nichts von unserer List weiss, eine Falle stellen» (Spr 1,18; 2,12-19; 5,1-6; 6,24; 7,5; 12,6; 5Mo 19,10; Ps 10,8; Jer 5,26).
VERS 12
«Wir wollen sie verschlingen wie das Totenreich die Lebendigen, als sänken sie unversehrt ins Grab.»
Die Gottlosen werden die Unschuldigen attackieren und verschlingen, wie die Grube des Todes alle verschlingt, die in sie hinabsteigen. Und es wird keine Spur hinterlassen (1Mo 37,35; Hi 7,9; Ps 124,3; 143,3; Jes 14,11; 38,18; Jer 38,6-13; Dan 6,16-17).
VERS 13
«Wir wollen allerlei kostbares Gut gewinnen und unsere Häuser mit Raub füllen.»
Wir werden viele Schätze finden und unser Haus mit fremdem Eigentum und geraubtem Geld füllen (Spr 3,14-16; 16,16; Hi 28,12-19).
VERS 14
«Schliess dich uns auf gut Glück an, lass uns gemeinsame Kasse führen!»
Verknüpf deine Zukunft mit der unsrigen, wir werden in allen Belangen gleichberechtigte Partner sein.
VERS 15
«Mein Sohn, geh nicht mit ihnen auf dem Weg, halte deinen Fuss zurück von ihrem Pfad!»
Mein Sohn, wenn diese bösen Menschen versuchen, dich in ihren Reihen aufzunehmen, schliess dich ihnen nicht an und
halte dich nicht in ihrer Nähe auf (Spr 2,18; 4,14.27; 7,25; Ps 1,16; 119,101.114-115; 1Kor 15,33; Jak 1,15).
VERS 16
«Denn ihre Füsse laufen zum Bösen und eilen, um Blut zu vergiessen.»
Denn sie eilen von einer Ungerechtigkeit zur nächsten und töten ohne Rücksicht auf Verluste diejenigen, die ihnen in die Quere kommen, obwohl diese ihnen keinen Schaden zugefügt haben (Spr 6,17-18; Jes 59,7; Röm 3,15).
VERS 17
«Denn vergeblich wird das Netz ausgespannt vor den Augen aller Vögel …»
VERS 18
«sie aber lauern auf ihr eigenes Blut und stellen ihrem eigenen Leben nach.»
Der Vogel sieht das Netz und die darauf verstreuten Samen. Er meint, dass vom Netz keine Gefahr ausgeht. Und in seinem Verlangen, von den Samen zu fressen, fliegt er zum Netz und wird darin gefangen. Der Vogel versteht nicht, dass dies eine Falle für ihn ist. So sind auch die bösen Narren. Sie sind so erpicht darauf, eine böse Tat zu begehen, dass sie die Falle, die sich um sie herum bildet, nicht erkennen. Sie sehen nicht, dass sie selbst in die aufgestellte Falle tappen werden7 (Spr 1,11; 6,5; 7,23; 11,19; 29,6; Ps 35,8; Pred 9,12; Jes 17,14; 51,20; Jer 5,26).
7 S.L Gordon. (1992). Proverbs. Tel Aviv. Gallil. S. 10.
VERS 19
«So geht es allen, die nach (ungerechtem) Gewinn trachten: er kostet seinen Besitzern das Leben!»
Das ist das Schicksal derjenigen, die auf unfaire Art und Weise reich werden wollen, zum Beispiel durch Habgier, Mord, Diebstahl usw. Schliesslich werden ihnen die eigenen Verbrechen schaden (Spr 15,27; 28,16; Hi 8,13; Ps 9,16; Jes 17,14).
WAS SÜNDER VERLIEREN, WENN SIE DIE WEISHEIT GOTTES, DIE ZUR ERLÖSUNG UND ZUM EWIGEN LEBEN FÜHRT, ABLEHNEN
VERS 20
«Die Weisheit ruft draussen laut, öffentlich lässt sie ihre Stimme hören …»
Die Weisheit Gottes, die auf der ewigen Rettung basiert, ruft laut, sei es durch ein Lied oder durch ein ermutigendes Wort, überall, wo Menschen sind – auf den Strassen und Märkten –, damit sie hören (Spr 3,15-18; 8; 9,1-12; Ps 19; Jes 42,2; 52,12; 59,14; Jer 5,1; Mt 28,18-20; Joh 7,37; Apg 1,8; Röm 10,14-17).
VERS 21
«auf den Plätzen, im ärgsten Strassenlärm schreit sie, an den Pforten der Stadttore hält sie ihre Reden.»
Die Weisheit Gottes – das Evangelium der Erlösung und der Vergebung der Sünden – «ruft» überall im öffentlichen Leben und proklamiert (Spr 31,23; Rut 4,11; 1Kö 22,10; 2Kö 7,1; Hi 29,7; Jes 22,2).