Über den Autor: Karl-Heinz Vanheiden (Jahrgang 1948, verheiratet, zwei erwachsene Kinder) studierte in der ehemaligen DDR Physik, ist seit mehr als 30 Jahren in der christlichen Jugend- und Schulungsarbeit tätig und Autor mehrerer Bücher.
Inhalt
Inhalt Gott begegnen? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7
1. Was ist mit den Religionen? . . . . . . . . . . . . 9 Waren es Menschen, die die Götter erfunden haben? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11 Sind nicht alle Religionen im Grunde Vanheiden, Karl-Heinz: Gott begegnen. Der Schlüssel zu einem Leben, das sich lohnt ISBN-10: 3-89436-524-2 ISBN-13: 978-3-89436-524-0
gleich? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17 Ist das Christentum etwa die einzig richtige Religion? . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20 Warum sind die Christen sich selbst nicht einig?
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Früher erschienen unter dem Titel: »Ich – an Gott glauben?« © 1993 und 2006, Christliche Verlagsgesellschaft, Dillenburg Neu überarbeiteter und aktualisierter Text 2006. Satz: CV Dillenburg Coverfoto: www.istockphoto.com Umschlaggestaltung: Sven Gerhardt, Bad Endbach Druck: Ebner und Spiegel, Ulm Printed in Germany
2. Gott – den soll es wirklich geben? . . . . . . 26 Kann man Gott etwa beweisen? . . . . . . . . . 35 Kann Gott einen Stein schaffen, den er selbst nicht heben kann? . . . . . . . 42 Wenn es Gott gibt, wie kann er dann Leid und Unrecht zulassen? . . . . . . . . . . 43 5
3. Die Bibel – kein Märchenbuch? . . . . . . . . . 50 Ist die Bibel nicht schon lange überholt? . . . 51 Hat Gott die Bibel etwa diktiert? . . . . . . . . . 54 Widerspricht die Bibel nicht der
Gott begegnen?
GOTT
begegnen?
Wissenschaft? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 57 4. Mehr als ein guter Mensch? . . . . . . . . . . . . 61 Wer war Jesus überhaupt? . . . . . . . . . . . . . . 62 Jesus soll Gott sein? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68 Wurden die Geschichten über Jesus nicht von seinen Anhängern erfunden? . . . . . . 69 5. Glaube – kein Selbstbetrug? . . . . . . . . . . . 74 Wie kann ich denn sicher sein, dass das alles nicht bloß Einbildung ist? . . . . . . . . 76 Glauben – wie macht man das eigentlich? . . 79 Soll hier für eine bestimmte Gemeinde oder Kirche geworben werden? . . . . . . . . 83 Anmerkungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 86 Buchempfehlungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 90 ie Bibel – 1. Petrus 3,15 6
Soll man heute überhaupt noch von Gott reden? Viele meinen, dass es sich nicht einmal mehr lohnt, über ihn nachzudenken. Sie glauben einfach nicht, dass es ihn überhaupt gibt. Viele sind sich in Bezug auf Gott unsicher. Manche können zum Beispiel nicht verstehen, warum er so viele Dinge zulässt – wenn es ihn doch gibt. Andere würden gern an ihn glauben wollen, wenn sie nur könnten. Und wieder andere fürchten, so etwas ihrem wissenschaftlich geschulten Verstand nicht zumuten zu dürfen. Eigentlich gibt es nur wenige, die sich einigermaßen über Gott und die Bibel informiert haben und danach feststellen: Ich will damit nichts mehr zu tun haben. Die meisten aber wissen einfach nichts über ihn. Ihnen stehen Millionen gegenüber, die allen Ernstes glauben, dass es diesen Gott der Bibel wirklich gibt, und die behaupten, dass er ihr Leben verändert hat. Das sind Menschen aus allen Schichten, Völkern und Rassen. Deshalb meine ich, dass man wenigstens darüber einmal nachdenken sollte. 7
Genau aus diesem Grund habe ich dieses Buch geschrieben. Ich möchte jeden Leser herzlich dazu einladen, umzublättern und erst einmal weiterzulesen. Ich habe versucht, so einfach, ehrlich und sauber wie möglich, auf Argumente, die man immer wieder hört, einzugehen. Dabei ist mir natürlich bewusst, dass ich bei weitem nicht alle Fragen berühren konnte. Sollten Sie noch andere Fragen haben, wenden Sie sich einfach an einen überzeugten Christen in Ihrer Nähe ... Der Verfasser
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1 • Was ist mit den Religionen?
... Religionen? Manche meinen, man wäre nur deshalb Christ, weil man zufällig im christlichen Abendland und dazu noch in einer christlichen Familie aufgewachsen sei. Sie glauben, dass die Buddhisten, die Moslems und Hindus genauso überzeugt sind, dass sie Recht haben. Die Religionen seien doch nur verschiedene Wege zum gleichen Ziel! Es käme also nicht darauf an, zu welcher Religion man gehört! O.k., packen wir es an. Ich gehe davon aus, dass die Leser dieses Buches ehrliche Fragen haben. Und ich denke auch, dass sie mit mir darin übereinstimmen, wenn ich behaupte, dass Religion in unseren Breitengraden meist weiter nichts ist, als eine »Versicherung im Diesseits gegen Feuer im Jenseits«. Aber vielleicht müssten wir erst einmal klären, was wir unter Religion verstehen wollen. Wenn wir es mit Karl Marx halten, dann ist Religion »der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, der Geist geistloser Zustände. Sie ist das Opium des Volkes.« Leider gibt es keine allgemein anerkannte De9
finition für Religion. Man kann nur gewisse Aspekte und Auswirkungen festhalten, die in allen Religionen vorkommen: z.B. Gebete, Opfer, fromme Zeremonien. In jeder Religion gibt es eine bestimmte Anschauung von der Entstehung der Welt, von Ewigkeit, und es gibt eine tiefe Sehnsucht nach Erlösung. Ich schlage vor, dass wir Religion definieren als den Versuch des Menschen, mit den Mächten, von denen er die Welt kontrolliert glaubt, in Harmonie zu leben.1 Die nachfolgende Abbildung versucht, die wesentlichen Bestandteile einer Religion wiederzugeben. Die Philosophie (manche würden es lieber Theologie nennen) bildet die Grundlage. Die Erfahrung wird daraus abgeleitet und soll durch sie bestätigt werden. Dazu kommt noch die religiöse Gemeinschaft, die in irgendeiner Form immer vorhanden ist, und eine bestimmte Lebensweise. Religiöser Lebensstil
Wenn man diese vier Bestandteile miteinander vergleicht, kann man zu einer Beurteilung von Religionen kommen. Also: Stimmen die Erfahrungen mit der Lehre überein? Entspricht das Leben der Anhänger dieser Religion dem, was ihre Lehre voraussagt? Die Frage ist nun, wo die Lehre herkommt oder wer sich die Philosophie ausgedacht hat.
Waren es Menschen, die die Götter erfunden haben? Viele meinen, die Menschen früherer Zeiten hätten sich die Götter ausgedacht, weil sie sich bestimmte Naturereignisse nicht erklären konnten. Vielleicht ist das tatsächlich manchmal der Fall gewesen. Dazu möchte ich die folgende Geschichte erzählen:
Abbildung 1: Jede Religion gründet sich auf Glaubensgrundsätze. Zu ihrer Beurteilung muss geprüft werden, ob die Praxis mit dieser Basis übereinstimmt.
Es war am frühen Morgen, als der Himmel sich plötzlich verfinsterte. Eine schwere, dunkle Wolke hatte den Berg erfasst. Schon zuckten die ersten Blitze, und laute Donnerschläge ließen die Bewohner des Camps aus dem Schlaf auffahren. Erschrocken waren sie aus ihren Behausungen gestürzt und starrten nun zu dem Berg hinüber. Die Kinder fingen an zu weinen. Jetzt war da noch ein anderes Geräusch. Es klang wie der Ton einer fernen
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Religiöse Gemeinschaft Religiöse Erfahrung Die philosophisch-lehrmäßige Basis
Posaune, die aber ständig näher kam. Niemand wusste woher. Immer gewaltiger schwoll der Laut an und überschwemmte die ganze Ebene. Ein namenloser Schrecken breitete sich über dem Zeltlager in der Wüste aus. Einige Zeit später war dann der Befehl zum Aufbruch gekommen. Zitternd waren sie ihrem Anführer bis an den Fuß des Berges gefolgt. Dort hatte er sie Aufstellung nehmen lassen. Nun sahen sie, wie eine riesige Rauchwolke von dem Berg aufstieg. Dazu hörten sie ein dumpfes Grollen und spürten, wie der Boden unter ihren Füßen wankte. Voller Entsetzen stürzten viele zu Boden. Und wieder vernahmen sie den posaunenartigen, tiefen Ton. Er verstärkte sich immer mehr, wurde unerträglich laut. »Das ist das Ende«, dachten sie. Aber ihr Anführer hatte in das Dunkel hineingerufen und – Donnerschläge zur Antwort bekommen. Und auf einmal war er in die Finsternis und das Feuer hineingestiegen. »Ist er jetzt zu Gott gegangen?«, hatten einige Kinder gefragt. Und nicht nur sie fragten sich das. Doch er war zurückgekommen und hatte ihnen die Gesetze Gottes verkündet. Am nächsten Tag hatten sie einen Bund mit diesem unsichtbaren Gott geschlossen. Ein paar Tage später mussten die Ältesten sich mit auf den Weg zu dem majestätischen Wesen
machen, das sich dort in Dunkelheit und Feuer hüllte. Gleichwohl waren auch sie am Abend zurückgekommen, aber allein. Ihren Führer, Mose, hatten sie zurückgelassen. »Er sollte noch weiter zu Gott hinaufsteigen«, entschuldigten sie sich. Und dann erzählten sie, sie hätten Gott gesehen. »Unter seinen Füßen sah es aus wie Saphirplatten.« Aber Genaues konnten sie nicht sagen. Das war vor sechs Wochen gewesen. Inzwischen hatten sich alle an den Berg gewöhnt und an die dunklen Wolken, die ihn einhüllten. Zwar wagte keiner, ihn zu betreten. Aber die Frage wurde immer lauter: »Wo ist Mose? Wo ist unser Führer, der uns aus der Sklaverei befreit hat?« Niemand konnte das beantworten. Da gingen sie zu seinem Bruder. »Er redet mit Gott«, erwiderte der. »Schon vierzig Tage redet er mit Gott?« Die Menge um den Bruder wurde immer größer, ihre Haltung drohender. »Und wenn wir eines Tages seine Leiche finden?« »Doch, er redet mit Gott«, sagte Aaron, der Bruder. »Wo ist denn Gott?«, schrien einige. Stumm wies Aaron zum Berg. »Wir können ihn aber nicht sehen! Weshalb sollen wir dir glauben? Einen Gott, der unsichtbar ist, den gibt es überhaupt nicht.« Schließlich kam einer auf die Idee:
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»Los, mach du uns einen Gott!« Die Menge war von dem Gedanken wie elektrisiert: »Einen Gott, wie die Ägypter ihn haben!« Ihre Forderung wurde immer lauter. Eigentlich war es völlig absurd, was sie da wollten. Ein Gott kann doch nicht von Menschen gemacht werden. Und wenn, dann wäre das kein Gott, sondern ein Ding, eine Erfindung von Menschen. Aber sie konnten die Abwesenheit ihres Führers und die Ungewissheit über einen unsichtbaren Gott nicht länger ertragen. Endlich ermannte sich der Bruder des Führers: »Gut, dann bringt eure goldenen Ringe her!« Unverzüglich begannen viele der Männer, die Ringe von den Ohren ihrer Frauen und Kinder zu zerren. »Es ist wichtig«, sagten sie, »wir brauchen einen Gott!« Ein paar Monate zuvor erst hatten die ehemaligen Sklaven das Gold den Ägyptern abgeknöpft. Bald darauf war der »Gott« fertig. Aaron hatte das flüssige Gold in eine Form gegossen und die erkaltete Masse dann mit einem Stichel verziert. Als sie davon hörten, kamen die Menschen wieder zusammen. Sie freuten sich über den jungen Stier aus Gold, der da vor ihnen stand. »Das ist euer Gott, der euch aus der Sklaverei befreit hat«, sagte Aaron, erleichtert, dass das Volk den goldenen Gott akzeptierte. Und die Gunst der
Stunde nutzend, baute er gleich noch einen Altar vor dem Standbild und verkündigte: »Morgen ist ein Fest für Gott!« Das ganze Camp stand am nächsten Tag früh auf; sie schlachteten Tiere und opferten einige davon auf dem Altar. Jetzt wollten sie alle Widrigkeiten vergessen. Und sie feierten ein Fest mit Essen, Trinken, Tanzen, Singen und zweideutigen Späßen. Es wurde eine Orgie. Auf diese Weise begann der »Tanz um das goldene Kalb« ...
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Diese Geschichte hat sich vor etwa dreieinhalbtausend Jahren abgespielt. Sie steht in der Bibel. Dort kann man auch nachlesen, wie das Ganze ausgegangen ist.2 Warum ich das erzählt habe? Nun, ich finde, die Begebenheit zeigt, wie Menschen zu Göttern kommen. Immer wenn ihre Verbindung zu dem wahren Gott gestört wird, fangen sie an, sich Götter auszudenken. Sie verehren dann Bäume, Tiere, die Sonne, den Mond, oder sie lassen sich von Künstlern Götterstatuen anfertigen und bauen sogar große Tempel um sie herum. Manchmal verehren sie auch Menschen, die sie nach ihrem Tod in den Stand von Göttern oder Heiligen erhoben haben. Aber der Gott, der die Welt gemacht hat und
alles, was darin ist, der Herr von Himmel und Erde wohnt nicht in Tempeln, die Menschen gebaut haben und ist auch nicht auf den Opferdienst irgendeines Menschen angewiesen.3 Er ist unsichtbar, aber man kann ihn an seinen Wirkungen in der Schöpfung und im Leben des einzelnen Menschen erkennen. Hier wird manch einer prostestieren wollen. Ich weiß, vom Standpunkt des Lesers aus habe ich jetzt einige unbewiesene Behauptungen aufgestellt. Darauf gehe ich dann im nächsten Kapitel näher ein. Ich will nun noch kurz erklären, was ich meine: Die Israeliten, so hieß das aus Ägypten befreite Sklavenvolk, hatten Gott selbst noch nie gesehen. Ihr Führer, Mose, war es, der sie immer an den Gott ihrer Vorfahren erinnert hatte. Freilich hatte er im Namen dieses Gottes auch erstaunliche Dinge getan. So glaubten sie ihm schließlich. Auf seinen Befehl hin waren eine ganze Reihe von Katastrophen über Ägypten hereingebrochen. Jedesmal hatte Mose einen Tag vorher das Unheil angekündigt. Diese Katastrophen hatten ein solches Ausmaß erreicht, dass sie sich im ganzen vorderen Orient herumsprachen4 und auch in den Annalen der ägyptischen Geschichte festgehalten wurden. Zum Schluss war ein ganzes Heer der Ägypter umgekommen, als es die wegziehenden Israeliten verfolgen wollte.5
Wie gesagt, Gott selbst hatten sie nie gesehen, aber durch das, was er durch Mose tat, lernten sie ihn kennen. Doch dann war ihr Führer auf diesem Berg in der Wüste verschwunden. Sie wussten nicht, was mit ihm geschehen war. Das hatte sie derartig verunsichert, dass sie nun nach etwas Greifbarem Ausschau hielten, das sie Gott nennen konnten, so wie sie es auch von den Ägyptern her kannten. Natürlich wusste damals jeder, dass das kein richtiger Gott war. Aber das goldene Stierbild symbolisierte gewissermaßen Gott. Wenn Menschen so etwas tun, stellt sich nach kurzer Zeit das ein, was man in allen Religionen vorfinden kann: Sie beten nicht mehr zu Gott, sondern sie beten das Bild an. So wird aus Glauben Aberglauben.
Vor etlichen Jahren brachte George Harrison, einer der legendären Beatles, ein Lied heraus, das ihn bei vielen jungen Christen sofort Anklang finden ließ. Unter dem Titel »My sweet Lord« wurde es in der ganzen Welt bekannt. Viele dachten, Harrison sei jetzt Christ geworden. »Herr, ich möchte dich wirklich kennen lernen, ich möchte dich wirklich sehen, aber es braucht so lange«, lautet eine Passage
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Sind nicht alle Religionen im Grunde gleich?
in diesem Song. Doch beim Refrain wird einem plötzlich bewusst, worum es eigentlich geht. Harrison beginnt mit Halleluja, aber dann wechseln die Worte im Hintergrund über zu Hare Krishna, Hare Rama, Hare Vishnu, einem der Hauptgötter der Hindus, und seinen Manifestationen bzw. Inkarnationen. Auf diese raffinierte Weise vermittelt Harrison in Wirklichkeit eine ganz andere Botschaft, die im Grunde genommen heißt: Sind nicht Krishna und Christus gleich? Ich bin überzeugt, dass jeder Mensch ein heimliches Verlangen nach Gott in sich trägt. In allen Religionen finden wir nämlich eine tiefe Sehnsucht nach Erlösung. Der Mensch weiß, dass er nicht so ist, wie er eigentlich sein sollte. Die Religionen sagen ihm nun, was er tun muss, um erlöst zu werden und ewiges Leben zu bekommen. Die Juden sagen: Du musst die Gebote halten. Wenn du diese Dinge getan hast, wirst du leben. Die Moslems sagen: Du musst die fünf Pflichten erfüllen, das Glaubensbekenntnis sprechen, fünf Mal am Tag beten, Almosen geben, im Monat Ramadan fasten und eine Pilgerreise nach Mekka unternehmen. Die Hindus lehren, dass die Erlösung entweder durch Erkenntnis, durch Verehrung eines bestimmten Gottes oder durch die Befolgung zeremonieller Rituale kommen kann. Nur so werde man aus dem
scheinbar endlosen Zyklus von Geburt, Tod und Wiedergeburt erlöst. Jeder Hindu möchte genug gutes Karma erreichen, um aus dem Kreis der Wiedergeburten auszubrechen und die ewige Seligkeit erreichen zu können. Die Buddhisten erklären den Menschen die vier edlen Wahrheiten, die sich mit dem Leiden auseinandersetzen, und den achtfachen Pfad, durch den dann die Leiden aufgehoben werden sollen: die rechte Anschauung, die rechte Gesinnung, das rechte Reden, das rechte Handeln, das rechte Leben, das rechte Streben, das rechte Überdenken, das rechte Sichversenken. Irgendwie lehrt jede Religion einen Weg zur Erlösung. Das scheint tatsächlich bei allen gleich zu sein, also die Sehnsucht nach Erlösung, das leidenschaftliche Streben nach Verbindung mit der letzten Wirklichkeit, nach der Erlösung von sich selbst und seiner Gespaltenheit. Das Mittel, um diese Sehnsucht zu erfüllen, besteht immer in Gesetzen, Anleitungen, »Wandervorschriften«, kultischen Formen. In diesen Dingen unterscheiden sich die Religionen nun allerdings beträchtlich voneinander. Religion ist also die Bewegung vom Menschen hin zu Gott, von unten nach oben. Der Mensch versucht, mit Gott in Übereinstimmung zu kommen, er muss sich anstrengen und eine Menge Vorschriften erfüllen.
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Das würde ich niemals so sagen, obwohl ich weiß, dass sich das Christentum beträchtlich von anderen Religionen unterscheidet.
Ein Holländer namens Prost besuchte während seiner Indienreise das Haus eines Hindu und entdeckte dort zwei Bilder. Auf dem einen Bild turtelte Krishna, in einer Hängematte schwingend, voll Begehrlichkeit und Sinnlichkeit mit seiner Geliebten, um bei ihr seine Lust zu befriedigen. Auf dem anderen Bild war Jesus am Kreuz dargestellt, wie er in schwerer Agonie für die Erlösung der Menschen starb. Unter die Bilder hatte jemand voll Zynismus geschrieben: »Beide hängen.« Prost sagte: »Noch nie ist mir die Kluft zwischen Krishna und Christus deutlicher geworden.« Biblischer Glaube ist aber keine Religion. Das Wesen des christlichen Glaubens besteht gerade nicht in der Erfüllung bestimmter Vorschriften oder in einer komplizierten Philosophie, sondern in der guten Nachricht von einem einzigartigen Erlösungsweg durch eine Person: Jesus Christus. Was die Jünger von Jesus verbreiteten, hatte sich vor Augenzeugen in Jerusalem zugetragen. Es war nie als Religion gedacht. Es ist so, als erhielte ein Todkranker die Nachricht, dass es jetzt ein Mittel gäbe, mit dem er ganz sicher überleben könnte. Wenn er sich dieses Mittel aber nicht besorgte und es dann einnähme, sondern nur dessen Namen mit goldenen Buchstaben an die Wand schriebe, dann hätte er aus der Nachricht einen Kult gemacht. Schöne Nachricht!
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Das Wesen biblischen Glaubens ist das Gegenteil davon, es ist die Bewegung von Gott zum Menschen hin, von oben nach unten.
Heißt das nicht, das Christentum zu verteidigen? Tatsächlich stellen sich heute viele die folgende Frage:
Ist das Christentum etwa die einzig richtige Religion?
Anstatt auf die Nachricht zu reagieren und die Medizin einzunehmen, macht man eine Religion aus ihr. So ist leider auch das Christentum zu einer Religion entartet. Es hat sich von der ursprünglichen Offenbarung entfernt und aus der guten Nachricht einen Kult mit vielen feierlichen Zeremonien gemacht. Dadurch haben die Menschen angefangen, auf die Zeremonien und auf ihre eigene Frömmigkeit zu vertrauen, anstatt die gute Nachricht anzunehmen. Zum Beispiel sagt die Bibel nirgends, dass ein Mensch dadurch Christ wird, dass man ihm als Säugling den Kopf etwas befeuchtet und einige fromme Sprüche dazu sagt. Nirgends sagt die Bibel, dass ein Mensch einem anderen Menschen Ablass erteilen kann, oder dass man Vergebung der Sünden durch den Gang zum Abendmahl bekommt. Kann man bei einer Beerdigung einen Menschen wirklich als Christ ansprechen, der in seinem Leben, abgesehen von der Kirchensteuer, die ihm gleich vom Gehalt abgezogen wurde, nur vier Mal etwas mit der Kirche zu tun hatte? (Bei seiner Taufe, seiner Konfirmation, seiner Trauung und seiner Beerdigung. Mindestens zwei Mal davon geschah das nicht einmal freiwillig, sondern er wurde hingeschafft.) Ich denke, als Religion taugt das Christentum auch nicht mehr als die anderen Religionen.
Kann man als Christ denn so etwas sagen? Noch einmal: Ich rede nicht über das Christentum mit seinen vielen Entartungen und Unarten, nicht über die Institutionen Kirche oder Freikirche, nicht über irgendeine sich christlich gebende Sekte, sondern über biblisches Christsein. Mein Ausgangspunkt ist die Bibel, die ich als Wort Gottes betrachte. Und alles, was ich über den christlichen Glauben sage, muss anhand der Bibel überprüft werden. Eine in diesem Zusammenhang oft gestellte Frage will ich hier gleich mit beantworten:
Weil der christliche Glaube Religion geworden ist. Aus den schlichten Zusammenkünften einfacher Christen sind prunkvolle Gottesdienste mit komplizierten Zeremonien geworden. Aus einfachen Versammlungshäusern wurden prächtige Kirchen, aus kleinen örtlichen Gemeinden mächtige überregionale Organisationen. Solche Organisationen können gar nicht mehr nach christlichen Prinzipien funktionieren, weil von dem Augenblick an, wo eine christliche Gemeinde zu einer Organisation wird, auf einmal auch andere Faktoren eine Rolle spielen, z.B. Geld und Macht. Von daher ist es gar nicht so verwunderlich, dass
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Warum sind die Christen sich selbst nicht einig?
sich die Kirche nur allzu oft auf die Seite der Mächtigen stellte und im Namen der Religion auch Kriege führte. Es gibt aber noch eine andere Seite in der Geschichte der Christen. In den Kirchen waren nämlich immer auch solche Menschen vorhanden, die so leben wollten, wie sie es von ihrem Herrn und Meister gelernt hatten. Sie richteten sich nach der Bibel und nicht nach den Mächtigen ihrer Kirche. Von daher waren Konflikte vorprogrammiert. Viele dieser Menschen wollten die Kirche zu ihrem Ursprung zurückführen. Aber sie büßten das nur allzu oft mit Ausschluss oder sogar Verfolgung und dem Verlust des Lebens. Zur ersten großen Kirchenspaltung kam es bereits im Jahr 1054. Es ging dabei um bestimmte Formen des Gottesdienstes und Einzelheiten der Kirchenverwaltung. Man stritt sich um Kleinigkeiten, weil man das Wichtigste schon ein paar hundert Jahre vorher aus dem Auge verloren hatte. Man war schon Organisation geworden. Den eigentlichen Anlass für die Spaltung gaben dann die politischen Auseinandersetzungen.6 Ich gebe zu, dass diese Darstellung sehr vereinfacht ist. Aber die Tatsache, dass es heute so viele christliche Kirchen und Gruppen gibt, hängt nicht mit der Botschaft des christlichen Glaubens zusammen, sondern erstens damit, dass aus Ge-
meinden Organisationen wurden, und zweitens mit der Schwäche von Menschen. Manchmal haben einige Christen nämlich bestimmte Wahrheiten einseitig übertrieben und deshalb eine eigene Gruppe gegründet. Zum Teil ging es ihnen dabei aber nur um ihre Macht oder einfach ums Rechthaben. Was sich heute jedenfalls als Christentum etabliert hat, ist weit von den Ursprüngen entfernt. Wenn ich vom Christsein spreche, dann meine ich also nicht eine bestimmte christliche Gruppe, sondern ich meine Menschen, die so zu leben versuchen, wie es die Bibel ihnen sagt. Dass sie dabei nicht fehlerfrei sind, geht schon aus ihrem christlichen Selbstverständnis hervor. Ein Christ ist kein perfekter Mensch, sondern einer, der seine eigene Unvollkommenheit einsieht und die Vergebung durch Jesus Christus in Anspruch nimmt, wenn er schuldig geworden ist. Man kann also nicht unbedingt aus dem Verhalten eines Christen Rückschlüsse auf Christus ziehen. Natürlich sollte das so sein, aber ... Ich weiß, mit meinen Antworten rühre ich immer auch eine Menge Fragen auf und setze manches voraus, was ich später erst begründen kann. Jetzt möchte ich zunächst auf eine Frage von vorhin eingehen:
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