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Stanley A. Ellisen

VON ADAM BIS MALEACHI

Das Alte Testament verstehen

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PROPHETEN

Stanley A. Ellisen

Von Adam bis Maleachi

Das Alte Testament verstehen

Best.-Nr. 271898

ISBN 978-3-86353-898-9

Christliche Verlagsgesellschaft Dillenburg

Titel des amerikanischen Originals: Knowing God’s Word

8. Auflage 2023

© 2005–2023 Christliche Verlagsgesellschaft Dillenburg www.cv-dillenburg.de

Übersetzung: Mitarbeiter der BAO Österreich Überarbeitung: Helmut Tillmanns, Wermelskirchen

Satz: Enns Schrift & Bild, Bielefeld Umschlaggestaltung: Christliche Verlagsgesellschaft Dillenburg Umschlagmotiv: © pixabay.com/Clker-Free-Vector-Images (Steintafeln,Sprechblase), OpenClipart-Vectors (Faust, Steinmauer, Herz, Kopf), mcmurryjulie (Weizen), everton_ribas (Krone), Mohamed_hassan(Feder)

Druck: GGP Media GmbH, Pößneck

Printed in Germany

Wenn Sie Rechtschreib- oder Zeichensetzungsfehler entdeckt haben, können Sie uns gerne kontaktieren: info@cv-dillenburg.de

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VORWORT

Wie gut kennst du das Alte Testament, die Heilige Schrift des Herrn Jesus und der Apostel? Für den Großteil der modernen Menschheit ist es ein Buch mit sieben Siegeln, und doch spricht es mächtig zu den Problemen unserer Zeit. Die Übersichten und Gliederungen dieses Buches dienen dazu, die unergründlichen Schätze der Schriften des Alten Testamentes zu erschließen und nutzbar zu machen. Wer den Schlüssel zum Alten Testament besitzt, hat die Verheißung wahren Erfolges (Jos 1,8).

Zwar sind viele ausgezeichnete Werke über das Alte Testament verfügbar, die sich mit Hintergrund und Entstehungsgeschichte befassen. Einfache Einführungen in Inhalt und Vorgeschichte zur persönlichen Anwendung dieser Bücher sind jedoch selten. Dieses Problem stellte sich mir vor fünfundzwanzig Jahren, als ich meine Lehrtätigkeit aufnahm. Seither habe ich einen Großteil meiner Arbeit der Aufgabe gewidmet, die Lücke zu schließen. Es war mir vergönnt, Studienunterlagen zu allen Büchern der Bibel herzustellen und im Laufe vieler Jahre zu verfeinern. Im Unterricht wurden sie einem gnadenlosen Härtetest unterzogen, bis ich sie in diesem Band zusammenfassen und der Öffentlichkeit vorlegen konnte. Am meisten liegt mir dabei die Verbreitung der zahlreichen Übersichten, Tabellen und Gliederungen am Herzen.

Die Besonderheiten dieses Buches sind vielfach. Jede der vier großen Gruppen alttestamentlicher Büchern wird in einer eigenen Einleitung vorgestellt, um den Leser mit der jeweiligen Literaturgestaltung vertraut zu machen. Darauf folgen Einleitungen und Übersichten zu den einzelnen Büchern mit einer straff gehaltenen Gliederung. Jede dieser Gliederungen ist auf einer Seite zusammengefasst, um Zusammenhänge und Aufbau möglichst klar herzustellen und dem Gedächtnis einzuprägen. Beigefügt sind zahlreiche Chronologien und geschichtliche Übersichten. Sie dienen dazu, die Personen und Ereignisse der Schrift ihrem außerbiblischen Umfeld zuzuordnen und die Wechselbeziehungen zwischen Weltgeschehen und biblischer Geschichte zu verdeutlichen. Abgeschlossen wird die Einführung durch eine Liste der »Besonderheiten« jedes einzelnen Bibelbuches, die dessen einzigartige Bedeutung und seine Einbindung in die übrige Bibel beleuchtet.

Meine besondere Dankbarkeit gilt zahlreichen Förderern und Kritikern. Ein großer Teil dieses Werkes stammt keineswegs aus eigener Feder, sondern ist die Frucht vieler Anregungen anderer Autoren. Geduldige Lehrer und noch geduldi-

gere Schüler haben sehr viel zur Entstehung dieses Bandes beigetragen. Den Geduldspreis jedoch hat meine Frau Evelyn verdient, der mein erster Dank gilt. Den Herausgebern von Thomas Nelson Publishers möchte ich hiermit meinen Dank für ihr langfristiges Interesse an diesem Projekt aussprechen. Vor allem die Ermutigung und Anregung von Herausgeber Ronald E. Pitkin (zuständig für Lehrbücher und Nachschlagewerke) war von unschätzbarem Wert. Unerlässlich war die minutiöse Detailarbeit von Marlene Patterson in der Redaktion. Ihr Verständnis für meine zeitintensive Lehrtätigkeit während der Arbeit an diesem Material ist mir in bleibender Erinnerung.

Salomo sagt: »Gottes Ehre ist es, eine Sache zu verbergen, die Ehre der Könige aber, eine Sache zu erforschen« (Spr 25,2). Es hat dem Herrn gefallen, uns in unserem Streben nach Wahrheit manches zu verbergen, um unsere Entdeckerfreude zu schüren. Mögen die vorliegenden Übersichten und Gliederungen dieses Streben nach Erkenntnis im Alten Testament unterstützen und Ausgangspunkt für viele praktische Anwendungen werden.

Portland, Oregon

E INFÜHRUNG

Richtlinien derBibelauslegung

roblem

Wie wahr ist die Bibel?

Welche Übersetzung der Bibel ist am besten geeignet?

Wie wörtlich sollen wir die Bibel auslegen?

Richtlinie

1.Bedenke: Die gesamte Bibel ist Wort Gottes und frei von Irrtümern, weil »gotteingehaucht«. »Dein Wort ist Wahrheit« – das gilt für alle Aussagen der Bibel.

2.Es ist ratsam, mehrere Übersetzungen miteinander zu vergleichen. Alle Lehr- und Auslegungsunterlagen müssen letztlich am griechischen bzw. hebräischen Grundtext gemessen werden. (Anm.: In unseren Zitaten verwenden wir die Revidierte Elberfelder Bibel)

3.Unser Ausgangspunkt ist immer die nächstliegende Bedeutung. Um diese zu finden, müssen wir die verwendete Formulierung im historischen Zusammenhang untersuchen. Zu beachten ist aber auch die gelegentliche Verwendung von bildhafter Sprache zur Übermittlung und Verdeutlichung einer wörtlichen Wahrheit.

4.Die Auslegung muss in den geschichtlichen Zusammenhang passen und konkrete Aussagen zum Thema des Abschnittes enthalten. Das ergibt sich aus der induktiven Methode des Bibelstudiums. Hüte dich davor, Verheißungen oder Befehle außerhalb ihres Zusammenhanges auszulegen.

Woran erkenne ich, ob meine Auslegung richtig ist?

Wie sind menschliche Schilderungen göttlicher Wahrheit zu verstehen!

Wie können wir biblische Wahrheiten auf unser Leben anwenden?

5.Jede Auslegung muss sich an den klaren Aussagen der übrigen Bibel messen. Das ist das deduktive Prinzip der »Stimmigkeit der Schrift« – die gesamte Schrift bildet ein einheitliches Gedankengebäude.

6.Beachte das Prinzip der »fortschreitenden Offenbarung«: Gott offenbarte in jeder Generation nur so viel von seiner Wahrheit, wie die Empfänger verstehen konnten. Kein einzelner Ausschnitt ist in sich allein vollständig.

7.Beachte das Prinzip der »Anpassung Gottes«: Gott hat sich der menschlichen Sprache bedient, nicht als eines »fehlerhaften Werkzeuges«, sondern als eines göttlich vorbereiteten Trägers der biblischen Botschaft. Oft sind göttliche Wahrheiten in das Gewand menschlicher Analogien gekleidet.

8.Lerne es, aus den Begebenheiten und Lehren des Textes Prinzipien abzuleiten. Ohne die fundierte Anwendung von Prinzipien auf das eigene Christsein verfehlt das Studium eines Textes sein eigentliches Ziel.

Der hebräische Kalender und die Zeitrechnung im Alten Testament

DAS HEBRÄISCHE JAHR

Der Kalender Israels gründet sich auf ein lunisolares Jahr (kombiniertes Mondund Sonnenjahr), wobei alle jährlichen Feste nach dem Neumond berechnet sind. Das heilige Jahr beginnt mit dem Neumond der Führjahrs-Tag-und-Nachtgleiche, dem Ersten des Monats Abib (Nach 600 v.Chr. »Nisan«). Heute beginnt der »bürgerliche« jüdische Kalender mit dem Neumond der Herbst-Tag-und-Nachtgleiche, dem 1. Tischri. Das jüdische Jahr hat 12 Monate von abwechselnd 30 und 29 Tagen. Das Mondjahr ist somit 354 Tage lang, etwa 11 1/4 Tage kürzer als das Sonnenjahr (365 Tage, 5 Std., 48 Min., 46 Sek.). Zum Ausgleich wird alle drei Jahre ein dreizehnter Monat (»Schaltmonat«) angehängt (eigentlich jedes 3.,6., 8., 11., 14., 17. und 19. Jahr eines 19-Jahre-Zyklus). Dadurch bleibt der Rhythmus des Sonnenjahres (und damit die Aussaat- und Erntezeit) erhalten. Die hebräische Zeitrechnung beginnt mit dem »Jahr der Schöpfung«, das Rabbi Jose ben Halafa (um 125 n.Chr.) mit dem Jahr 3760 vor unserer Zeitrechnung angab (siehe Louis Finkelstein: The Jews, Bd. II, S. 1786).

DER HEBRÄISCHE MONAT

In Israel beginnt jeder Monat mit dem Neumond und wird angekündigt durch Posaunen. Die Monate werden meist mit ihrer Zahl bezeichnet, nur vier haben Namen: Abib und Siw, die zwei ersten Monate im Frühjahr, sowie Etanim undBul, die zwei ersten im Herbst (7. und 8. Monat), nach dem Exil folgte man dem babylonischen Gebrauch und nannte den Abib »Nisan«; außerdem finden wir sechs weitere Namen: Siwan (3. Monat), Elul (6.), Tischri (7.), Kislew (9.), Schebat (11.) und Adar (12.). Im Talmud werden die folgenden Veränderungen und Ergänzungen angebracht: Ijjar (2.), Tammus (4.), Ab (5), Marcheschwan oder Cheschwan (8.) und Tebet (10.). Der Schaltmonat hieß Ve-Adar oder AdarII.

UMRECHNUNG

VON HEBRÄISCHEM UND GREGORIANISCHEM KALENDER

Unser Kalender stützt sich auf das Sonnenjahr und ist benannt nach Papst Gregor, der 1582 den julianischen Kalender revidierte. Dieser war 45 v.Chr. von Julius Cäsar eingeführt worden. Papst Gregor strich einfach das hundertjährige Schaltjahr der julianischen Zeitrechnung und ersetzte es durch ein 400-jähriges Schaltjahr. Somit wurde das julianische Jahr um 12 Minuten verkürzt. Weil das Mondjahr 11 1/4 Tage kürzer ist als das Sonnenjahr, fällt der Neumond auf unserem Kalender jedes Jahr 11 1/4 Tage zurück (bzw. läuft 19 Tage vor), weshalb sich der hebräische Monat gegenüber dem gregorianischen ständig verschiebt. Diese

Verschiebung ist aus nebenstehender Umrechnungstabelle für die Jahre 19831987 ersichtlich (American Jewish Year Book, 1983).

DIE PROBLEME BEI DER EXAKTEN UMRECHNUNG HEBRÄISCHER DATEN

Aus der Tabelle geht auch hervor, wie unmöglich es in der Praxis ist, biblische Daten auf unserem Kalender genau wiederzugeben. Gewöhnlich wird der jüdische Monat mit zwei unserer Monate gleichgesetzt (z.B. Nisan = März/April; Ijjar = April/Mai usw.). Damit ist der zeitliche Rahmen zwar ungefähr wiedergegeben, die Genauigkeit der biblischen Datumsangaben geht jedoch verloren. Darum haben wir in diesem Band einen anderen Weg beschritten: Der hebräische Monat wird einfach mit unserem Monat gleichgesetzt, also: Nisan = April; Ijjar = Mai usw. Das ist zwar astronomisch nicht genau, macht die biblischen Datumsangaben aber konkret und einprägsam.

HebräischerMonat(Tage)Entsprechung im gregorianischen Jahr vorexil.nachexil.Neumond19831984198519861987

1. (Abib)Nisan(30)1. Nisan 15. März 3. April 23. März 10. April 31. März

2. (Siw)Ijjar(29)1. Ijjar 13. April 2. Mai 21. April 9. Mai 29. April

3.Siwan(30)1. Siwan 13. Mai 1. Juni 21. Mai 8. Juni 29. Mai

4. Tammus(29)1. Tammus 11. Juni 30. Juni 19. Juni 7. Juli 27. Juni

5.Ab(30)1. Ab 11. Juli 30. Juli 19. Juli 6. Aug. 27. Juli

6.Elul(29)1. Elul 9. Aug. 28. Aug. 17. Aug. 4. Sept. 25. Aug.

7. (Etanim) Tischri(30)1. Tischri 8. Sept. 27. Sept. 16. Sept. 4. Okt. 24. Sept.

8. (Bul)Cheschwan(29)1. Cheschwan 7. Okt. 26. Okt. 15. Okt. 2. Nov. 23. Okt. 9.Kislew(30)1. Kislew 6. Nov. 25. Nov. 14. Nov. 2. Dez. 22. Nov.

10.Tebet(29)1. Tebet 6. Dez. 24. Dez. 13. Dez. 1. Jan. 22. Dez.

11.Schebat(30)1. Schebat 5. Jan. 23. Jan. 11. Jan. 31. Jan. 21. Jan.

12.Adar(29)1. Adar 3. Feb. 21. Feb. 9. Feb. 1. März 20. Feb. Adar II1. Adar II 4. März – 11. März – –

Die Bücherdes Alten Testaments

Anordnung in dergriechischen und deutschen Bibel – 39 Bücher

DIE GESCHICHTSBÜCHER17

DIE POETISCHEN BÜCHER(5)

DIE PROPHETISCHEN BÜCHER(17)

Die Mose-(5)1. bis 5. Mose bücher (12)Josua bis Ester

Spätere Geschichte

Weisheits-(3)Hiob, Sprüche, Prediger bücher(2)Psalmen, Hohelied

Lyrische Bücher

Große (5)Jesaja bis Daniel

Propheten(12)Hosea bis Maleachi

Kleine

Propheten

Chronologische Übersicht über das Alte Testament

Das Alte Testament ist fest in seinen geschichtlichen Rahmen eingebettet, 1.Mose beginnt mit der Urgeschichte, von der aus weltlichen Quellen keinerlei Daten vorliegen. Es enthält genaue Geschlechtstafeln mit umfassenden Geburtsund Todesangaben. Von Adam bis Joseph wird jedes Glied genauestens mit dem vorhergehenden in Verbindung gebracht, um ein exaktes Zeitschema zu erhalten. Auch die Zeit von Joseph bis Mose ist genau datiert: ee ese T (2Mo 12,41). Diese exakte Datierung erstreckt sich bis in die Regierungszeit Salomos (1Kö 6,1).

Unterschiedliche Zeittafeln

Dennoch gibt es eine Vielzahl biblischer Zeittafeln. Die bekannteste stammt von Erzbischof James Usher (1650), der die Schöpfung mit 4004 v.Chr. errechnete. Woher diese Unterschiede? Nun, es gibt mehrere exegetische Probleme, vor allem in 2. Mose 12,40, wo der Aufenthalt der Söhne Israel in Ägypten mit 430 Jahren angegeben wird. Der she eeh und die griechische LXX nämlich schließen in diesen 430 Jahren die Zeit der Erzväter mit ein. Rechnet man diese 215 Jahre von der Gesamtdauer von 430 Jahren ab, so erhält man für den Aufenthalt in Ägypten eine Dauer von 215 Jahren. Damit würde die Erschaffung Adams auf 4004 v.Chr. fallen, genau 4000 Jahre vor der Geburt Christi, so die Berechnung von James Usher.

Der hebräische Text spricht jedoch ausdrücklich von den 430 Jahren als der »Zeit, die sie in Ägypten zugebracht hatten«. Dazu passen auch die Annäherungswerte in 1. Mose 15,13.16 und Apostelgeschichte 7,6 sowie die Angabe in Galater 3,17 (die »Bestätigung des Bundes« wird in 1. Mose 46,3 erwähnt). Aufgrund dieser Überlegungen haben wir unsere Zeittafel auf eine streng wörtliche Auslegung des hebräischen Textes aufgebaut. Damit wollen wir andere Auslegungen nach Dynastien oder Lücken in den Geschlechtsregistern nicht ausschließen (z.B. die Sumerische Königsliste), doch müssen wir von der normalen, wörtlichen Auslegung ausgehen. Um einen Text zu verstehen, muss man ihn kennen. Jede Abweichung von der streng wörtlichen Bedeutung muss aus dem Zusammenhang ausreichend gerechtfertigt sein.

Anordnung in derhebräischen Bibel – 24 Bücher

DAS GESETZ

Die Bücher Mose1. Mose = »Im Anfang« – »Thora« (5)2. Mose=»Und dies sind die Namen«

3. Mose=»Und der HERR rief«

4. Mose=»Und der HERR redete«

5. Mose = »Dies sind die Worte«

DIE PROPHETEN

Vordere Propheten

Josua – »Nevi'im« (8)Richter

Samuel 1. Könige

Spätere Propheten

Jesaja

Jeremia

Hesekiel

Die 12 kleinen Propheten

DIE SCHRIFTEN

poetische Bücher

Hiob – »Kethubim« (11)Psalmen – »Buch der Loblieder«

Sprüche

Rollen

Hohelied (an Passah gelesen) (an Festen gelesen)Rut (an Pfingsten)

Klagelieder (am Gedenktag der Zerstörung Jerusalems)

Prediger (am Laubhüttenfest)

Ester (am Purimfest)

Geschichtsbücher

Daniel

Esra/Nehemia

Chroniken – »Worte der Tage«

Katholische und anglikanische Bibeln enthalten auch apokryphe Bücher (aus der griechischen LXX). Sie heißen dort »deuterokanonisch«. Es sind dies die Bücher Tobit, Judit, Weisheit Salomos, Jesus Sirach, Baruch, der Brief Jeremias, 1. und 2. Makkabäer und Zusätze zu den Büchern Ester und Daniel. In manchen Bibeln finden sich auch 1. Esra, das Gebet Manasses und 2. Esra (in der LXX nicht enthalten).

Genauere Untersuchungen finden sich in Martin Anstey: omance o Bie hronoo (ein Klassiker zu diesem Thema); Jack Finegan: anook o Biica hronoo Harold Hoehner: »Genealogy«, in cie Bie nccoeia Phillip Mauro: he hronoo o he Bie Kennet Kitchen: Ancien rien an he esamen

DIE

MOSEBÜCHER

Einleitung in die Mosebücher

Bezeichnung

Früher wurden statt Büchern Schriftrollen verwendet, deren Länge ausgerollt etwa 10 Meter betrug. Das reichte gerade aus, um die fünf Bücher Mose zu fassen. Die Juden nannten diese Bücher »Thora« (Lehre) oder »das Gesetz«. In der griechischen Übersetzung heißen sie »Pentateuch« (von ene = fünf und echos = Behälter, in denen die Rollen verwahrt wurden).

Verfasser

Die Urheberschaft dieser Bücher durch Mose war bei Juden wie Christen unangefochten, bis sie Baruch Spinoza 1671 infrage stellte. Seither pflegen moderne Gelehrte aus text- und sprachkritischen Gründen die Echtheit der Bücher abzustreiten. Doch innere wie äußere Beweise aus dem Alten und Neuen Testament weisen unzweideutig auf Mose als Autor hin. Die Verwendung bereits vorhandener Urkunden sowie direkter Offenbarungen von Gott widerspricht in keiner Weise dem Grundsatz der Inspiration, wurde doch die Auswahl dieser Materialien von Gott selbst überwacht. Wer die mosaische Verfasserschaft leugnet, stellt sich gegen das übereinstimmende Zeugnis der Schrift und untergräbt die Glaubwürdigkeit sowohl der Mosebücher als auch der ganzen Bibel. (Dieser Frage werden wir bei 1. Mose näher nachgehen.)

Die Bedeutung der Mosebücher

Der Wert dieser uralten Bücher ist unschätzbar. Sie sind von grundlegender Wichtigkeit für fünf große Bereiche:

A. osmisch erklären sie den Ursprung des Universums, denn sie stellen den einzigen alten Bericht über den »Urgrund des Seins« dar. »Der Erste Beweger, von Philosophen und Denkern aller Zeiten vergeblich gesucht, wird in den allerersten Worten eingeführt.«

B. Ethnisch umfassen die Mosebücher Entstehung und Verbreitung der drei großen Rassen der Menschheit: Indogermanen, Negroide und Mongolide.

C. Historisch sind sie die einzige Quelle, die die Abkunft der Menschheit lückenlos bis Adam zurückverfolgt. Sie erheben nicht den Anspruch, eine vollständige Geschichte der Völker zu enthalten, sondern beschränken sich bewusst auf das Walten Gottes in seinem Reichs- und Heilsplan. Dabei wird die Geschichte Israels an Abraham, dem die Bundesverheißung zuteil wurde, geknüpft.

D. Religiös sind sie die bedeutendsten Bücher der Menschheit, denn sie schildern Person und Wesen Gottes, die Erschaffung des Menschen und seinen Sündenfall sowie die Bundesschließungen und Heilsverheißungen Gottes.

E. Prophetisch enthalten die Mosebücher die Ansatzpunkte für alle wichtigen Themen der Bibel. Wie schon ihre Geschichtsdarstellung hat auch ihre Prophetie den Messias zum Mittelpunkt. Gemeinsam stellen sie eine wohlausgewogene Weltsicht dar, wobei ihre Geschichte in ihrer Prophetie Erfüllung findet.

. Einteilung der Mosebücher

A. NACH DEM WESEN GOTTES

1. MOSEGottes Hoheit über das All, den Menschen und die Völker

2. MOSEGottes Macht in Gericht und Erlösung

3. MOSEGottes Heiligkeit und sein heiliges Gesetz

4. MOSEGottes Güte und sein Ernst in der Züchtigung

5. MOSEGottes Treue zu seinen Verheißungen

B. NACH DEM PLAN GOTTES ZUR AUFRICHTUNG SEINER HERRSCHAFT

1. MOSENotwendigkeit und Vorgeschichte seiner Herrschaft

2. MOSEAufrichtung und Verfassungsgebung seiner Herrschaft

3. MOSEDie geistliche Ordnung seiner Herrschaft

4. MOSEDie politische Ordnung seiner Herrschaft

5. MOSEDie Neuordnung seiner Herrschaft für das Gelobte Land

DASERSTE BUCH MOSE

Einleitung

TITELUND AUTOR

A. B

1.Die Juden nennen es Bereschi nach dem ersten Wort m Anan .

2.Die Übersetzer der griechischen Septuaginta (LXX) nannten es enesis (Ursprünge), da es die Entstehung des Alls, des Menschen sowie der Völker zum Inhalt hat.

B. A AA

1.Bis ins 17. Jahrhundert war Mose einhellig als Autor der fünf Bücher des Pentateuch anerkannt.

2.Seit Baruch Spinoza 1671 Esra als Autor vorschlug, hat man eine Unzahl von abweichenden Theorien entworfen. Aufgrund verschiedener Gottesnamen, Stilrichtungen und Entwicklungsstufen des Gottesdienstes wurden mehrere Quellen rekonstruiert. Dazu haben vor allem die folgenden Forscher beigetragen.

a.Jean Astruc (1753) nahm aufgrund der Verwendung der Gottesnamen zwei Autoren an: den Elohisten (E) und den Jahwisten (J).

b. Johann Eichhorn (1780) stellte fest, dass mit den Gottesnamen auch der literarische Stil wechselte, wonach er ebenfalls zwei Autoren unterschied.

c.Alexander Geddes (bekannt gemacht durch W. M. de Wette, 1792) nahm mehrere Autoren an, jedoch einen Redaktor, der die verschiedenen Quellentexte zu einem Ganzen vereinte.

d. Hermann Hupfeld, Karl Graf und Abraham Kuenen (1853-69) unterschieden von E noch eine Priesterschrift (P). Als letztes Buch wäre 5.Mose entstanden (D, von der griechischen Bezeichnung Deuteronomie).

e.Julius Wellhausen (1876) stellte die klassische Urkundenhypothese mit der Reihenfolge J-E-D-Pauf.

3. Heute ist die Urkundenhypothese Wellhausens, der die Entstehung des Pentateuch erst im Exil oder später ansetzte, weithin verworfen, die Vierquellentheorie jedoch nicht.

Folgende Reihenfolge der vier Quellen wird nach wie vor angenommen:

a.J – der Jahwist schrieb im Südreich um 950 v.Chr.

b.E – der Elohist schrieb im Nordreich um 850 v.Chr.

c.D – Deuteronomium wurde um 650 v.Chr. abgefasst, kurz vor Josia.

d.P– die Priesterschrift entstand aus alten mosaischen Traditionen nach dem Exil um 525 v.Chr.

4.Wer die Urheberschaft Moses abstreitet, untergräbt weitere wichtige Lehren.

a. Er stellt die göttliche Inspiration infrage, da dann die Bücher Mose nur religiöses Machwerk sind statt direkte Worte Moses, des Propheten Gottes.

b.Er bestreitet die historische Glaubwürdigkeit der Berichte und Gesetze, da die Texte den Anstrich der Urkundenfälschung erhalten. Es handelt sich somit um fromme Mythen eines religiösen Kultes anstatt um beglaubigte Tatsachenberichte.

C. ARGUMENTE FÜR DIE VERFASSERSCHAFTMOSES

1.Mose ist zweifelsfrei der größte Gelehrte des Altertums und erhebt selbst den Anspruch, auf direkten Befehl Gottes zu schreiben (2Mo 17,14; 34,27; 5Mo 31,9.24; vgl. Apg 7,22). Kein anderer antiker Autor weist dieselben Voraussetzungen auf wie er.

2.Ihr Inhalt sowie der altertümliche Stil und Ausdruck setzt die Mosebücher gegen das übrige Alte Testament ab. Die fünf Bücher Moses bilden eine Einheit, beseelt von der gleichen Denk- und Schreibweise.

3.Jesus selbst und das Neue Testament schreiben diese fünf Bücher, das »Gesetz«, einhellig Mose zu (Joh 1,17; 5,46-47; 7,19; Röm 10,5.19).

4.Archäologische Funde bezeugen eine rege literarische Tätigkeit bereits vor der Zeit Moses (mindestens seit Abraham).

5.Die jüdische Tradition hat bis in die Neuzeit fast einhellig Mose als Autor bezeichnet.

6.Die Verwendung und Auswertung älterer Urkunden durch Mose steht nicht im Widerspruch zur göttlichen Offenbarung, da auch andere biblische Autoren sich auf außerbiblische Schriften berufen (z.B. Lk 1,1-3).

D geitlie Uel

A. DATIERUNG – ca. 1443 v.Chr.

1.Zwar hätte Mose dieses Buch bereits während seines vierzigjährigen Aufenthalts in Midian schreiben können, doch ist fraglich, ob er damals die menschliche Motivation und die göttliche Inspiration zur Abfassung dieses Monumentalwerkes hatte. Wahrscheinlicher ist eine Datierung nach der Beauftragung am brennenden Dornbusch.

2.Am ehesten ist eine Abfassungszeit zu Anfang der Wüstenwanderung anzunehmen, als er Israel die Grundtatsachen der göttlichen Wahrheit und Gottes Bundesplan für das Volk nahebringen wollte.

B. ZEITSPANNE VON 1. MOSE – 2369 Jahre

1.1. Mose reicht von der Erschaffung des Alls und des Menschen bis zum Tod Josephs.

2.Die Zeit seit Adams Erschaffung lässt sich aus dem Text als genau 2369 Jahre errechnen, wenn wir von der normalen Bedeutung der masoretischen Texte ausgehen. (Siehe Chronologie von 1. Mose.)

C.

GEOGRAPHISCHES

UMFELD VON 1. MOSE

1.1. Mose reicht vom Zweistromland Mesopotamien, der »Wiege der Menschheit«, bis zum Niltal, der Wiege des hebräischen Volkes.

2.Dieses Gebiet wird nach seiner Form der »fruchtbare Halbmond« genannt. In ihm laufen drei Kontinente zusammen, hier liegt der »Nabel der Welt«.

D. RELIGIÖSES UMFELD

1.Religion – das Verhältnis der Menschen zu Gott – ist für 1. Mose besonders wichtig. Vor der Sintflut scheint der Monotheismus (Glaube an einen Gott) vorherrschend gewesen zu sein. Selbstüberhebung und Auflehnung führten zu den Gerichten der Sintflut und der Zerstreuung wegen des Turmbaus zu Babel. Zur Zeit Abrahams hatte der Götzendienst sowohl in Chaldäa als auch in Ägypten allgemein Einzug gehalten. Das spätere Gericht Gottes über Ägypten erging ausdrücklich wegen des Götzendienstes.

2.Die religiöse Entwicklung von 1. Mose 1,11 zeigt anschaulich die unausweichlichen Folgen der Sünde, die alles durchtränkt und verdirbt, was in ihren Machtbereich gerät. Loslösung von Gott und Eigensucht beginnen im Herzen und erstrecken sich bald auf die Ehe, Familie, Nachkommen und die gesamte Gesellschaft. In der Sintflut musste Gott fast das gesamte Menschengeschlecht vernichten, um es zu erhalten.

3.In der Geschichte von Abraham und seiner Segenslinie wird Gottes Heilsplan als Lösung des Sündenproblems vorgestellt. Aus einer Welt voller Götzendienst (Jos 24,2) erwählte sich Gott Abraham, den Mann des Glaubens, um ihm Gnade zu erweisen und mit ihm einen Bund, durch den sein Heilsplan verwirklicht werden sollte, zu schließen.

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