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#go(o) d news vernünftig glauben 3

Impressum

Daniel Facius / Berthold Schwarz (Hg.)

#Go(o)d News 3

Vernünftig glauben

Bestell-Nr. 271859

ISBN 978-3-86353-859-0

Wenn nicht anders angegeben, wurde aus der Lutherbibel 2017 (©Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart) zitiert. Darüber hinaus wurde folgende Bibelübersetzung verwendet: bibel.heute, Neue Evangelistische Übersetzung, © 2010 Karl-Heinz Vanheiden und Christliche Verlagsgesellschaft Dillenburg. (NeÜ)

1. Auflage 2022

© 2022, Christliche Verlagsgesellschaft mbH Dillenburg www.cv-dillenburg.de

Cover, Satz und Layout: CV Dillenburg

Bildquelle (Umschlag und Innenteil): Freepik.com

Druck: ARKA, Cieszyn

Printed in Poland

Wenn Sie Rechtschreib- oder Zeichensetzungsfehler entdeckt haben, können Sie uns gerne kontaktieren: info@cv-dillenburg.de

Daniel Facius: Wieso soll man der Bibel glauben?

Tobias Wagner: Was wissen wir wirklich über Jesus?

Christoph Lang: Ist das Christentum intolerant und diskriminierend?

Friedhelm Jung: Gott und Leid – wie passt das zusammen?

Berthold

Kurzbiographien

Berthold Schwarz: Clive Staples Lewis (1898-1963)

Michael Kotsch: Karl Heim (1874-1958)

Seibel: Arthur Ernest Wilder-Smith

Michael Kotsch: John Warwick

Karl-Heinz Vanheiden: Norman L. Geisler (1932-2019)

Thomas

Daniel Facius: Francis Schaeffer (1912-1984) ..........105

Daniel Facius: Josh McDowell (geb. 1939)

Vorwort

Mit dem dritten Band der auf fünf Bände angelegten Good-News-Reihe möchten die Herausgeber und Autoren der zehn Artikel auf die Vernünftigkeit des Glaubens und auf den Zusammenhang zwischen Glauben und Denken hinweisen.

Die heute verbreitete Auffassung, dass derjenige, der an Gott glaubt, das Denken ausschalten muss, sonst kann er nicht gläubig sein, ist falsch. Richtig ist: Wer biblisch glauben will, der wird denken. Er wird nachdenken und nachfragen und gründlich und genau überlegen, was wahr ist, was stimmig ist, was zutrifft. Er wird logische und plausible Schlussfolgerungen ziehen, vorhandene Argumente prüfen und abwägen, und auch kritische Anfragen ernstnehmen. Richtig ist ebenfalls: Wer an Gott glaubt, der darf denken und der will sehr gerne (nach-)denken, auch deshalb, weil das Denken ein wunderbares Geschenk Gottes an seine einzigartig geschaffenen Menschen ist.

Allerdings ist auch klar, dass es heute nicht mehr selbstverständlich ist, den inneren Zusammenhang von Vernunft und Glauben zu erfassen. Strikt dagegen steht der scheinbar unumkehrbare Wechsel in der Weltanschauung, den u.a. Immanuel Kant eingeleitet hat, wenn er das vernünftige Weltwissen vom Gottesglauben getrennt halten wollte. Aber es ist ein Fehlschluss, zu meinen, dass Kant den Gottesglauben und Gott außerhalb des Denkens verortet haben wollte, quasi in einen vernunftlosen Raum. Kant hat zunächst einmal lediglich betont, dass Gottes Existenz oder Nicht-Existenz nicht durch „vernünftige Beweise“ nachgewiesen werden

kann, weder durch erfahrungsbezogene Nachweise noch durch solche der reinen Vernunft. Dadurch wird jedoch nicht Gott eingeschränkt, sondern lediglich die menschlichen Möglichkeiten, ihn in den Griff zu bekommen oder ihn irgendwie zu orten. Solche Vorstellungen werden radikal beschnitten. Und das ist bis zu einem gewissen Grad auch gut so. Der Prophet Jesaja drückt das in Kap. 45,15 folgendermaßen aus: „Fürwahr, du bist ein verborgener Gott, du Gott Israels, der Heiland.“ Oder ähnlich der Apostel Paulus: Gott „wohnt in einem Licht, zu dem niemand kommen kann, den kein Mensch gesehen hat, noch sehen kann“ (1Tim 6,16). Vom Menschen zu Gott zu gelangen, mit welchen menschlichen Mitteln auch immer, das funktioniert einfach nicht. Wir Menschen können und sollen dennoch vernünftig und nachvollziehbar über Gott reden, uns über Gott Gedanken machen und darüber sprechen. Doch wir können weder mit der Vernunft noch mit unseren Erfahrungen das Wesen Gottes ergreifen oder begreifen. Vielmehr ermöglichen Vernunft und Glauben gemeinsam den Zugang zum Ganzen der Wirklichkeit. Glaube ist daher keineswegs ein vom Wesen her irrationales Gefühl oder eine Stimmung. Und die Vernunft kann aus sich heraus nicht sagen, wozu der Mensch überhaupt existiert. Der Glaube allerdings weiß und erkennt den Sinn der Wirklichkeit. Zusammen mit der von Gott geschenkten Vernunft erfasst der Glaube die Ganzheitlichkeit aller Dinge, die existieren, und vermag ihren Sinn zu finden: „Durch den Glauben erkennen wir, dass die Welt durch Gottes Wort geschaffen ist, dass alles, was man sieht, aus nichts geworden ist“ (Hebr 11,3).

Es gibt viele angeblich vernünftige Einwände gegen den christlichen Glauben. Die in diesem Buch vorgestellten Verteidiger des christlichen Glaubens waren sich

bewusst, dass die rein rationale Argumentation, mit der gegen solche Einwände vorgegangen wird, kaum zur Bekehrung eines Ungläubigen oder Atheisten führen wird. Dennoch hielten sie alle apologetische Arbeit für zentral. C. S. Lewis beispielsweise sah sich als Wegbereiter für die Verkündigung des Evangeliums, als jemand, der durch seine Veröffentlichungen das Klima schuf, in dem Glaube (an Gott und Christus) wachsen kann – und überhaupt erst verständlich wird. Somit finden sich in diesem Buch erneut viele bereichernde „Gute Nachrichten“, die erklären, wieso es vernünftig ist zu glauben, und warum der Glaube nicht gegen die Vernunft ist, sondern mit ihr zusammen die Weltwirklichkeit erfasst. In den Beiträgen werden existentielle Fragen gestellt und mit Hilfe der von Gott offenbarten Gedanken in der Bibel beantwortet; beispielsweise die Fragen, ob unsere naturwissenschaftlich geprägte Welt überhaupt noch Platz für Gott hat, ob es unterschiedliche Wahrheiten gibt, wer Jesus gewesen ist, welche Bedeutung die Weltreligionen haben, wie der christliche Glaube und die Naturwissenschaften zusammenwirken oder wie das Leid in der Welt erklärt werden kann. Zur Beantwortung dieser und vieler anderer Fragen braucht es jeweils beides, Glaube und Vernunft sowie biblische Erkenntnisse durch das Wort Gottes. Denn Glaube ist nicht unvernünftig und die Vernunft allein kann die Sinnhaftigkeit des Weltganzen nicht erfassen. Deshalb: Wer glaubt, darf gerne denken und sich mithilfe von Gottes Wort den Ratschluss Gottes erklären lassen.

In diesem Sinn wünschen wir allen Lesern Freude beim Lesen – und Nachdenken.

1. Gibt es überhaupt Wahrheit?

RON KUBSCH

1. Steine im Schuh

Gregory Koukl hat einmal gesagt, es gehe bei der Verteidigung des christlichen Glaubens nicht darum, dass Menschen sich bekehren, sondern darum, ihnen „Steine in den Schuh“ zu legen. Er warnt davor, Gespräche über den Glauben so zu führen wie ein Verkäufer, der schnell einen Abschluss erzielen will. Das Sinnbild soll darüber hinaus noch etwas anderes unterstreichen: Menschen, die in einer postmodernen Kultur aufwachsen, können oft gar nicht verstehen, worum es in Glaubensfragen geht. Die Art und Weise, wie sie denken, verbietet es ihnen, dem gekreuzigten König Jesus nachzufolgen. Insofern sei wichtig, nicht nur zu hinterfragen, was Menschen denken, sondern auch, wie sie denken.

Gibt es überhaupt Wahrheit?

Wir müssen uns also auch mit der Methode des Denkens beschäftigen. Wenn uns das gelingt, dann helfen wir, wertvolle Prozesse anzustoßen. Denn die Steine, die wir Menschen dann in den Schuh legen, irritieren und drücken. Sie stören gewohnte Gedankengänge und bringen unsere Gesprächspartner und Freunde dazu, ihre Denkgewohnheiten einmal selbst unter die Lupe zu nehmen.

2. Gibt es Wahrheit?

Gelegentlich stellte auch Jesus Christus seinen Kritikern Fragen, die dafür da waren, sie aus ihren gewohnten Denkwegen herauszuführen. Er wollte ihnen klar machen, dass sie in einer grundlegenden Weise umdenken müssen, wenn sie seine Botschaft verstehen wollen (vgl. z. B. Lk 20,24; Mk 2,9). Wir sind daher gut beraten, wenn wir bei evangelistischen Gesprächen zeigen, dass Menschen, die den christlichen Glauben verstehen wollen, die Denkwege ihrer postmodernen Kultur verlassen müssen. Das gilt besonders für die Art und Weise, wie viele Menschen heute „Wahrheit“ verstehen. Einflussreiche Gelehrte des 20. und 21. Jahrhunderts haben nämlich die Überzeugung verbreitet, dass der Glaube an eine Wahrheit nicht nur intellektuell unredlich, sondern auch gefährlich sei. Wir hören: Es gibt keine Wahrheit, die für alle Menschen gleichermaßen gültig ist. Der Glaube an eine Wahrheit führt nur in den Terror. Wir müssen lernen, verschiedene Wahrheiten nebeneinander stehenzulassen. Wolfgang Welsch, der renommierteste Philosoph der Postmoderne in Deutschland, sagte einmal: Die Nicht-Existenz einer Metaregel, eines obersten

Gibt es überhaupt Wahrheit?

Prinzips, eines Gottes, eines Königs, eines Jüngsten Gerichtes usw. macht das Herz des Postmodernismus aus.

3. Hindu und Christ?

Vor vielen Jahren führte ich am Rande einer Großveranstaltung ein Gespräch mit einem Mann, dessen Namen ich vergessen habe. Er hatte sehr lange Haare und eine Hautfarbe wie ein Sonnenanbeter. Vor allem war er ein leidenschaftlicher Liebhaber östlicher Religionen. Als ich ihm von meinem eigenen Glauben erzählte, hörte er sehr aufmerksam zu. Und am Ende sagte er, dass er auch an Jesus von Nazareth glaubt. Ich konnte mich darüber allerdings nicht freuen. Denn er meinte, der christliche Glaube sei neben vielen anderen, etwa dem Hinduismus, auch noch zu haben. Als ich ihm versuchte zu erklären, dass es nicht möglich ist, Hindu und Christ gleichzeitig zu sein, verstand er die Welt nicht mehr. Er war es gewohnt zu meinen, das Leben sei reicher und interessanter, wenn wir Wahrheiten, die nicht zueinander passen, einfach nebeneinander stehenlassen.

4. Ist Wahrheit immer relativ?

Es wimmelt in unserer Kultur von „Wahrheiten“, die nicht zueinander passen. Viele Menschen sind sogar davon überzeugt, dass deswegen Wahrheit immer relativ sei. Wer hat diese Diskussionen noch nicht erlebt? Ein Beispiel: Rolf, der noch nicht so lange dabei ist, sagt: „Wer gibt uns eigentlich das Recht, zu behaupten, das Christentum sei besser als andere Religionen? Ich denke, der Kern der Lehre Jesu ist die Liebe – und das trifft

Gibt es überhaupt Wahrheit?

doch auf alle Religionen zu. Es kann ja nicht unsere Aufgabe sein, anderen Menschen vorzuschreiben, wie oder was sie zu glauben haben!“ Die übrigen Gesprächsteilnehmer sind meist eingeschüchtert und wissen nicht, was sie antworten sollen.

Aber was macht Rolf hier eigentlich? Er behauptet, keine Religion dürfe einen unüberbietbaren Wahrheitsanspruch stellen. Jede Glaubensrichtung enthalte wahrheitsgemäße Aspekte. Im Kern sei ihre Botschaft die Liebe und genau darauf komme es an.

5. Die Erzählung vom Elefanten

Es ist ungefähr so wie bei der Erzählung von dem Elefanten und den sechs blinden Männern. Die Männer stehen um den Elefanten herum und betasten ihn. Einer berührt den Bauch, der andere das Ohr und wieder ein anderer seine Rute. Aber keiner dieser Männer findet heraus, was sie da eigentlich betasten. So ähnlich sei das im Blick auf Gott. Ein wenig wissen wir von Gott. Aber das, was wir wissen, reiche nicht aus, um einen Wahrheitsanspruch zu formulieren. Letztlich tappen wir alle im Dunkeln.

Natürlich hat diese Erzählung einen Haken: Zum einen wird sie aus der Perspektive von jemandem erzählt, der genau weiß, dass der Elefant ein Elefant ist. Damit die Story überhaupt Sinn ergibt, muss der Erzähler eine präzise und klare Vorstellung von dem Elefanten haben. So ähnlich ist das auch bei Rolf. Einerseits behauptet er, dass alle Wahrheitsansprüche, besonders die religiösen, relativ sind. Zugleich präsentiert er selbst eine Art „Superreligion“. Er gibt vor, genauestens zu wissen, worum

Gibt es überhaupt Wahrheit?

es Gott geht. Und er legt eine Vorstellung von Liebe vor, die natürlich wahr sein muss. Man nennt so etwas auch selbstwidersprüchliche Sichtweise. Wenn es stimmt, was Rolf behauptet, dann ist es notwendig falsch. Denn er nimmt für sich in Anspruch, was seiner Meinung nach niemand sonst vermag. Er hat eine große Wahrheit, die nicht nur für ihn selbst, sondern für alle Menschen gilt, gefunden.

6. Als Sokrates den Wahrheitsrelativismus widerlegt hat

Um rund 400 vor Christus hat der griechische Philosoph Sokrates nachgewiesen, dass ein solcher Wahrheitsrelativismus falsch sein muss. Er traf auf dem Marktplatz von Athen einige Anhänger des Philosophen Protagoras. Dieser hatte ein großes Werk mit dem Titel Die Wahrheit verfasst, das uns leider nicht überliefert ist. Von ihm stammt der berühmte Satz: „Der Mensch ist das Maß aller Dinge.“ In Platons Schrift Theaitetos versteht Sokrates diesen Satz so, dass jeder Mensch seine eigene Wahrheit habe. Und er verwickelt den Protagorasschüler Theodorus in ein Gespräch, um ihm dabei zu helfen zu erkennen, dass er mit seinem Glauben an eine immer nur relative Wahrheit falschliegen muss. Sokrates sagt: „Wie also? Sollten wir vielleicht sagen, dass dein Glaube für dich wahr ist, aber nicht für die unzählbar vielen Leute? Was denkst du?“

Der entscheidende Punkt ist, dass die relativistische Position, die durch diese These „Jeder Mensch hat seine eigene Wahrheit“ veranschaulicht wird, auch für

Gibt es überhaupt Wahrheit?

denjenigen gelten muss, der diese Behauptung aufstellt. Der Relativismus wird jedoch wie eine bedingungslose und universelle Wahrheit vorgebracht. Damit steht er im Widerspruch zu seinem eigenen – wie die Philosophen sagen – propositionalen Gehalt.

7. Wenn ein Elefant spricht

Es gibt an der Erzählung von dem Elefanten und den sechs Männern übrigens noch einen zweiten Haken. Obwohl das Gleichnis die menschliche Unfähigkeit, Gott von sich aus zu erkennen, gut beschreibt, klammert es die Frage aus, was denn passiert, wenn der Elefant spricht. Was, wenn er den blinden Männern sagt: „Diese wandähnliche Struktur ist meine Bauchseite. Bei dem Fächer handelt es sich um mein Ohr. Und das, was du da in der Hand hältst, ist kein Seil, das ist mein Schwanz .“ Würde man dann den sechs Männern dafür, dass sie seine Aussagen ignoriert haben, Großherzigkeit und Zurückhaltung in Erkenntnisfragen bescheinigen?

8. Gott hat uns nicht im Dunkeln gelassen

Ich glaube nicht. Und genau hier sticht eine Besonderheit des christlichen Glaubens heraus. Nach dem Zeugnis der Bibel ist Gott selbst wahr (vgl. z. B. Jer 10,10 u. 1Joh 5,6.20). Seine Wahrheit ist die Festigkeit und Verlässlichkeit, mit der er zu seinem Wort steht. Dieser Gott lässt uns nicht verloren im Dunkeln tappen, er hat zu uns Menschen gesprochen. Gott und sein Wort haben Bestand. Wer sein

Gibt es überhaupt Wahrheit?

Leben auf dem aufbaut, was Gott sagt, der baut nicht auf Sand, sondern auf Felsen und kann deshalb die Stürme des Lebens überstehen (vgl. Mt 7,24–27).

9. Jesus ist die Wahrheit

Jesus Christus bezeugt diese Wahrheit Gottes und sagt sogar von sich selbst, dass er die Wahrheit ist (Joh 14,6 LU): „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.“ Wer auf ihn hört und ihm folgt, der „ist aus der Wahrheit“, sagt Jesus (Joh 18,37).

Ist es bisher deutlich geworden? Dieser Selbstanspruch von Christus ist mit der Denkweise unserer Kultur, die auf radikale Vielfalt abzielt, nicht vereinbar. Die Botschaft der Bibel ist für das postmoderne Wirklichkeitsverständnis eine Provokation. Sie sagt, es gibt einen lebendigen Gott. Dieser Gott hat sich uns Menschen verstehbar und ein für alle Mal verbindlich offenbart. Dieser Gott wird eines Tages Rechenschaft von uns fordern. In einem postmodernen „Denkklima“ sind diese Botschaften nicht verstehbar. Also müssen wir uns mit diesem Bezugsrahmen beschäftigen, mit dem Wie des Denkens.

10. Das Annehmen dieser Wahrheit führt in die Freiheit

Diese Aufgabe lohnt sich. Denn wenn wir die Worte, die von Gott kommen, hören, verstehen und tun, dann befreit und verändert uns die Wahrheit dieser Worte. Wer

Gibt es überhaupt Wahrheit?

auf Gottes Stimme hört, der wandelt in der Wahrheit, dessen Leben kommt in die Wahrheit. Wer auf Gott hört, der ist ein wahrer Mensch, da er die Eigentlichkeit seiner Bestimmung lebt. Weil die Wahrheit „Jesus“ ist (vgl. Eph 4,21), gilt es, ihr zu gehorchen (vgl. Gal 5,7). Das Annehmen und Bleiben in dieser Wahrheit führt in die Freiheit und zum Leben (vgl. Joh 8,31–32). Wer Jesus Christus nachfolgt, ordnet „andere Wahrheiten“ sowie die eigenen Wünsche den Worten und Absichten Gottes unter (vgl. Mt 16,24), und verwirklicht sich doch zugleich im höchsten Maße selbst. Da er so lebt, wie er leben soll, lebt er wirklich.

Clive Staples Lewis (1898-1963)

BERTHOLD SCHWARZ

„Ich verlange von niemandem, sich für das Christentum zu entscheiden, wenn für seinen Verstand alle Beweise dagegensprechen.“ Nach diesem Grundsatz wirkte und handelte Lewis in allen seinen Büchern und Vorträgen, die den christlichen Glauben plausibel darlegten. Dadurch gelang es ihm, Bedenken und Schwierigkeiten seiner Zeitgenossen zu erkennen, zu verstehen und zu beantworten, die gewöhnliche Menschen bezüglich des christlichen Glaubens haben, und zu zeigen, dass dieser Glaube die Kraft hat, Dinge zu erklären und die tiefsten Sehnsüchte des menschlichen Herzen zu befriedigen.

Mit seiner Herausforderung des Denkens schwamm Lewis gegen den Strom des allgemeinen geistigen Klimas seiner Zeit, das alles als relativ ansah. Für ihn war jedoch nicht wichtig, was die Leute hören wollten, sondern welche Botschaft er als Christ zu verkünden verpflichtet war. Auf eine angenehme und verständnisvolle Weise war er auf Konfrontation aus. Trotzdem überschätzte Lewis seinen Einfluss als Apologet nicht. Er war sich bewusst, dass die rein rationale Argumentation, mit der er vorging, kaum zur Bekehrung eines Ungläubigen führen würde. Und doch hielt er die Arbeit eines Apologeten für äußerst wichtig. Er sah sich als Wegbereiter für die Verkündigung

des Evangeliums, als jemand, der das Klima schuf, in dem Glaube wachsen kann.

So hatte er es ja selbst erfahren als er im Jahr 1929 als rationalistischer Atheist zum Glauben an Gott kam. Zunächst glaubte er noch nicht an Christus. Es war nur eine Bekehrung zum Theisten. In seiner Autobiografie „Überrascht von Freude” schreibt er sehr eindrücklich darüber. Später begriff er, wie zentral der Glaube an Christus war. Seine Apologetik rechnet daher damit, dass ungläubige Hörer gelegentlich schrittweise Erkenntnisgewinne „mitnehmen“, bis sie zum Vertrauen zu Christus durchbrechen.

Als Apologet für das Christentum beschränkte sich C. S. Lewis nicht auf eine logische Verteidigung des Glaubens, sondern fand z.B. mit den „Narnia-Chroniken“ oder Gedanken zu Trauer- und Leiderfahrungen geeignete literarische Mittel, um die Mauer zwischen dem Denken des modernen Menschen und dem Christentum zu überwinden.

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