Die Durchführung einer Veranstaltungse Vangelisation
„Wir
Spontane Flexibilität
Lachen ist erlaubt
Keine Ablenkungen, bitte!
Der Aufruf zur Entscheidung
Ja sagen – Das entscheidende Gebet
Forum: zur Gesprächsrunde einladen
Weitere Reaktionsmöglichkeiten
Bekehrung oder Neuanfang?
Über „weiterführende Angebote“ informieren
Den Abschluss schlank halten
Den Prediger ausfragen
TEIL 3
Skandalaufdecker
MUSS WEITERGEHEN
Die n achbereitung einer Veranstaltungse Vangelisation
Bereiche der Nacharbeit
TOOL: „Weiterwachsen“ – Ein Nacharbeitsentwurf
Taufen und taufen lassen
Gesuchte Seelsorge
Nachgehende Seelsorge
VORWORT
„Wie geht es Ihnen? Fühlen Sie sich gut?“ Vor mir stand ein chic angezogener Herr mittleren Alters. Er schien sich zu freuen, mich zu sehen, und wirkte gleichzeitig besorgt. „Danke. Alles gut bei mir. Und selbst?“
Es war der erste Abend einer groß angelegten Evangelisation im Congresszentrum in Wolfsburg. Zehn Gemeinden waren an der Vorbereitung und Durchführung beteiligt; während so einer Woche lernt man die unterschiedlichsten Christen kennen. Das ist bereichernd.
Am zweiten Evangelisationsabend stellte mir ein anderer seriöser Mann eine ähnliche Frage: „Ist alles in Ordnung bei dir? Bist du gesund?“
„Ja, danke!“
Ich dachte: „Das sind wirklich aufmerksame und nette Menschen hier in den Wolfsburger Kirchen und Gemeinden!“
Als sich am dritten Abend die Szene in ähnlicher Weise wiederholte, fand ich etwas heraus: Die besagten Herren waren Pastoren und Prediger aus verschiedenen Gemeinden. Diese waren eingeteilt worden, sich sicherheitshalber auf das jeweilige Thema des Abends vorzubereiten, falls ich aus irgendeinem Grund kurzfristig um- oder zumindest ausfallen würde. Somit waren sie gar nicht in erster Linie um mich besorgt gewesen, sondern hatten vielmehr sich selbst beruhigen wollen: „Der Evangelist ist fit und vorbereitet; ich kann mich entspannen.“
Die Veranstalter waren auf alle Eventualitäten vorbereitet. Das hat mich beeindruckt. Sie waren die Veranstaltungen gedanklich durchgegangen und hatten überlegt, wie es werden kann, was dazwischen kommen könnte und wie dann am besten zu reagieren sei.
Eine Evangelisation muss nicht in einem Congresszentrum durchgeführt werden. Und nicht jede wird von so vielen Gemeinden getragen. Es gibt Formate, die für Aufsehen sorgen, und andere, die eher bescheiden daherkommen. In jedem Fall aber muss einiges bedacht werden, wenn wir eine Veranstaltung ausrichten wollen, um Menschen in die Nachfolge von Jesus einzuladen.
Um die Organisation einer Veranstaltungsevangelisation geht es in diesem Buch. Um die grundsätzliche Herangehensweise und die Arbeit, die im Zusammenhang mit solch einem Event anfällt. Nicht zuletzt auch um die Freude, Gott dienen zu dürfen, Teil seines Unternehmens zu sein, das er mit Christus ins Leben gerufen hat, um Menschen zu erretten.
In mehr als 20 Jahren als Evangelist konnte ich einiges an Erfahrungen sammeln. Ein paar solcher Sammelobjekte habe ich dokumentiert und will sie gerne teilen. Mit Gemeinden, die das Evangelium vor Ort an die Öffentlichkeit bringen wollen; mit Christen, die glauben, dass der Glaube aus der Verkündigung kommt. Aus Erlebnissen sowohl positiver wie auch negativer Art lässt sich manche Lehre ziehen. Aus der Praxis für die Praxis.
EINLEITUNG
D IE V ERAN s TALTUNG AL s T EIL DE s G AN z EN
Ein Buch über Evangelisation dürfte in der christlichen Gemeinde keine großen Kontroversen auslösen. Evangelisation ist geboten. Das weiß jeder Gläubige. Der Missionsauftrag von Jesus ist eindeutig. Das Vorbild der Apostel nachahmenswert. Es geht um das ewige Leben, darum ist Evangelisation so zentral. Außerdem drängt die Zeit ...
Die Veranstaltung einordnen
Doch was ist Evangelisation? Allein eine Veranstaltung? Nein. Ich meine nicht einmal, dass die evangelistische Veranstaltung der vorrangigste aller Wege ist, Menschen für Jesus zu gewinnen. Umfragen haben ergeben, dass über 80 Prozent derer, die zum Glauben an Jesus kamen, durch authentisch lebende Christen überzeugt wurden.1 Durch Verwandte, Freunde ... Menschen finden durchaus ohne Veranstaltungen zu Jesus. Aber selten ohne Beziehungen. – In diesem Zusammenhang bemerkt der im Irak tätige Pastor J. Mack Stile mit einem Augenzwingern, man solle allein an den Kostenunterschied zwischen einer Tasse Kaffee und einem größeren Gemeindeprogramm denken.2
Aber schreibt nicht Paulus: „Also ist der Glaube aus der Verkündigung, die Verkündigung aber durch das Wort Christi“ (Römer 10,17)? Der Apostel macht zum einen klar: Aller Evangelisation soll die Bibel zugrunde liegen. Zum anderen: Die Gute Nachricht von Jesus Christus muss gewinnend vermittelt werden, damit bei Menschen Glaube geweckt wird. – Wer aber unter „Verkündigung“ allein die Predigt versteht, schießt zu kurz. Das griechische akouo heißt wörtlich: „das, was gehört wird“, also die Botschaft. Diese muss nicht zwangsläufig mittels eines Mikrofons vielen auf einmal
zu Gehör gebracht werden. – Da war zum Beispiel der Kämmerer aus Äthiopien. Mit der Jesaja-Schriftrolle auf dem Schoß hatte er Philippus gefragt, von wem in diesem Text die Rede sei. Sogleich fing Philippus (von Gottes Wort ausgehend) an „und begann ... ihm das Evangelium von Jesus zu verkündigen“ (Achtung: verkündigen; Apostelgeschichte 8,35). Die beiden führten ein Vier-Augen-Gespräch. Auch so geht Verkündigung: Evangelisation ohne Event.
Philippus war von Gott auf eine selten benutzte Straße (8,26) geschickt worden. Sein Auftrag war keine Massenkundgebung, obwohl es solche sehr wohl gegeben hatte – denken wir nur an die Pfingstpredigt von Petrus. Von Jesus reden kann und soll auf ganz unterschiedliche Weise geschehen. Das Naheliegendste sind offene und freundliche Gespräche mit Leuten, mit denen Gott uns zusammenführt. Die meisten kommen durch einen Familienangehörigen, eine Kleingruppe oder das Gespräch mit einem Bekannten im Anschluss an einen Gottesdienst zum Glauben: durch Christen, die über das Evangelium sprechen. Tut deshalb alles, um – unabhängig von Veranstaltungen – eine Kultur der Evangelisation in eurer Gemeinde zu etablieren! Im normalen Leben. Im Alltag. In den Häusern. Besucherfreundliche Events sind gut. Besser aber noch sind besucherfreundliche Christen.
Mancherorts können Veranstaltungen als Alibi dienen. Da lehnen sich Gemeindeleiter und -mitglieder zurück und sagen: „Wir evangelisieren doch regelmäßig!“ Weil die jährliche Aktion zuweilen das Einzige ist, das man unter Evangelisation versteht, können Veranstaltungen dem Anliegen von Jesus sogar schaden. Sie hinterlassen das Gefühl, nach dem Termin mit dem Evangelisieren fertig zu sein. Vorerst zumindest. Bis zum nächsten Event. In der Zwischenzeit aber wird vieles andere, das man aus Liebe zu Menschen unternehmen könnte, unterlassen.
Lasst Evangelisation nicht zur Aktion verkommen! Ordnet Veranstaltungen recht ein: in euer Arsenal von Evangelisation von Mensch zu Mensch, oder Kleingruppenevangelisation, auch
Straßenevangelisation, oder Online-Evangelisation, oder, oder ... Und dann setzt Veranstaltungen strategisch ein! Veranstaltungen gehören dazu. Ergänzend.
Veranstaltungen – besser als ihr Ruf „Sind Veranstaltungen heute überhaupt noch geeignet, Menschen mit dem Evangelium zu erreichen?“ Natürlich sind sie das! Vielleicht hat mancher Kritiker lange keine gute Evangelisationsveranstaltung mehr besucht, hat das Bild einer Veranstaltung abgespeichert, die er vor 30 Jahren erlebt hat. Halten Veranstalter an einem überholten Stil fest, was die Themenwahl betrifft oder die Form der musikalischen Darbietung, und wird ein unverständliches Vokabular benutzt oder eine längst überholte Technik eingesetzt, dann erinnert das an die Reste vom Manna in der Wüste, die die Israeliten konservieren wollten: Das wurmt und riecht altbacken.
Warum haben Christen inzwischen eine Aversion gegen Veranstaltungen entwickelt? Aus eben genannten Gründen: Entweder wegen der aus der Mode gekommenen Art, wie man sie hier und da noch erlebt.3 Mehr aber noch, weil man über Jahre hinweg allein auf die Karte „Veranstaltung“ gesetzt hat und inzwischen merkt, dass das falsch beziehungsweise zu einseitig war. Dann passiert, was immer passiert: Neigt sich das Boot zu der einen Seite, lehnen sich die Insassen affektiv zur anderen. Doch beides ist nicht die Mitte. Macht also nicht den Fehler, Evangelisation im persönlichen Rahmen und im Rahmen einer Veranstaltung gegeneinander auszuspielen!
Ich erlebe heute überwiegend Evangelisationen, die frisch und zeitgemäß sind, Veranstaltungen, die sich nicht verstecken müssen.
Wovon reden wir?
In diesem Buch thematisieren wir Evangelisation als Veranstaltung4 – ein Ereignis, zeitlich begrenzt und gut geplant.
„Evangelisation“ ist natürlich ein interner Begriff. Nach außen steht die Veranstaltung unter einem interessanten oder besser noch Nutzen versprechenden Motto. Dem ordnen wir eine Themenfolge zu. Inhalt jeder Predigt ist Christus, der am Kreuz stellvertretend für Sünder starb. Die ganze Veranstaltung ist eine Einladung an Menschen, die Rettung in Jesus Christus anzunehmen und ihm nachzufolgen, sprich: seine Jünger zu werden.
Es wird öffentlich zu der Veranstaltung eingeladen.
Als Prediger kann jemand aus den Reihen der eigenen Gemeinde eingesetzt werden. Meist jedoch wird ein externer Evangelist engagiert.
Veranstalter sind entweder einzelne Christen5 oder – was in der Regel der Fall ist – eine Kirche oder Gemeinde. Oder ein Zusammenschluss mehrerer Gemeinden, die sich mit der Zielsetzung der Veranstaltung identifizieren.
Vorteile von Veranstaltungen
Was sind die Effects eines Special-Events?
Die Intensität von Veranstaltungen
Eine Stärke der Evangelisationsveranstaltung ist ihre Intensität. Pro Abend wird umfassend über ein bedeutendes und aktuelles Thema gesprochen, und mit der wichtigsten Entscheidung verbunden, die ein Mensch treffen kann. Und das über mehrere Tage hinweg. – So wie die Sonne nicht blitzartig, sondern allmählich aufgeht, brauchen viele drei, vier oder mehr Veranstaltungen (beziehungsweise Kontakte zu Christen) hintereinander, bis die Botschaft zu ihnen durchdringt.6
Begegnungen auf Veranstaltungen
Bei einer Evangelisation begegnen sich am Glauben interessierte und im Glauben versierte Menschen. Man redet miteinander: Gespräche, die sich „zufällig“ ergeben – vor oder nach dem offiziellen Teil. Oder der bewusste Gang nach vorne, wenn jemand der Einladung zu einem Seelsorgeangebot folgen oder seine noch offenen Fragen an den Prediger richten kann.
Das Beste ist, dass Jesus Christus selbst seine Anwesenheit zusagt: „Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich in ihrer Mitte“ (Matthäus 18,20). Diese Tatsache hat den jungen Dwight Lyman Moody (1837–1899) beeindruckt. Er wurde später zu den größten Evangelisten des 19. Jahrhunderts gezählt. Als junger Mann ging Moody nach Chicago, um dort im Schuhladen seines Onkels zu arbeiten. Zu dieser Zeit sorgten geistliche Aufbrüche in der Stadt für einigen Wirbel. Davon mitgerissen schrieb er:
Es gibt hier eine große religiöse Erweckung. Ich gehe jeden Abend zu den Versammlungen, und ich habe große Freude daran. Es ist, als wäre Gott selbst zugegen.“7
Stellt euch vor, eure Nachbarn und Freunde könnten etwas Ähnliches erleben! Stellt euch vor, Menschen aus eurem Ort würden eine Woche (oder länger) Abend für Abend ihrem Alltag entfliehen und zu Jesus oder zumindest zu neuen Erkenntnissen und Einsichten kommen!
Das Gemeinschaftsgefühl auf Veranstaltungen
Ein weiteres Plus ist, dass Besucher und Beteiligte – wie bei jeder Veranstaltung – neue Kontakte knüpfen können. Es entsteht das Gefühl, Teil einer größeren Gemeinschaft zu sein.
Einige Jugendliche fuhren 2008 mit mir zum Christival8 nach Bremen. Meine Begleiter zeigten sich beeindruckt von der Menge an Altersgenossen, die sie dort antrafen. Beim Abschlussgottesdienst
auf der Bürgerweide wurden damals 20.000 Teilnehmer gezählt.
In ihrem Umfeld zu Hause kamen sich meine jungen Freunde als Christen eher ausgegrenzt vor. Manche hatten das Gefühl, die einzigen in ihrer Klasse, der Schule oder gar der ganzen Stadt zu sein, die es mit Jesus hielten. Bei dieser Megaveranstaltung merkte jeder: „Ich bin nicht allein; all diese vielen jungen Menschen hier glauben auch, was ich glaube.“ Und sie genossen es.
Ähnlich kann es Am-Glauben-Interessierten gehen. Auch schon bei viel kleineren Veranstaltungen.
Anschlussmöglichkeiten bei Veranstaltungen Veranstaltungen haben nicht zuletzt den Vorteil, dass die Leute wieder und wieder kommen können. Vielleicht schließen sie sich sogar der Gemeinde an und finden dort eine geistliche Heimat.
Veranstaltungen als Ergänzung
Eine Evangelisationsveranstaltung ersetzt andere kontinuierliche evangelistische Initiativen nicht. Aber diese Initiativen ersetzen auch keine Veranstaltung. Eine Synergie aus beidem – im Kleinen und Großen – ist eine großartige Basis für missionarische Arbeit.
Ich war einige Jahre hintereinander zu Evangelisationen in einer Gemeinde in Unterfranken. Die Mitglieder dort legen besonderen Wert darauf, ihre Freundschaften zu Nichtchristen zu pflegen. Herzlich. Uneigennützig. Vorbildlich. Unter anderem bieten dort einige erfahrene Leiter seit vielen Jahren Hauskreise an. Da geht es um die Bibel. Und da geht es in die Tiefe.
Einer der Hauskreisleiter sagte mir: „Vielleicht sind wir manchmal nicht zupackend genug. Dass wir den Menschen konkret anbieten, im Gebet Jesus ihr Leben anzuvertrauen, kommt bei uns selten vor.“ Also haben sie regelmäßig eine Veranstaltungsreihe organisiert. Die Wochen, die ich dort verbrachte, waren immer „Erntewochen“. – Persönliche, vorbereitende Evangelisation und Veranstaltungsevangelisation wirken am besten zusammen.
WA s pA ss IEREN k ANN
Wer darauf abzielt, dass wir sein YouTube-Video anklicken, der vergibt Titel wie: „Er weiß nicht, was gleich passiert!“ Auf dem Startbild ist ein junger Mann mit Basecap zu sehen, der ein Babykrokodil in Händen hält. Der Hintergrund erinnert an Florida. Was wird passieren? Etwas Lustiges? Oder Unheilvolles? Wir werden neugierig und lassen das Zehn-Sekunden-Filmchen laufen: Während der Junge mit dem hilflosen Reptil vor der Kamera posiert, kommt hinter seinem Rücken plötzlich ein ausgewachsenes Krokodil angelaufen. Wahrscheinlich die Mutter. Ob es zum Angriff kommt, erfahren wir nicht; der Filmer hat vor Schreck abgeschaltet …
Ich will euch als Gemeinde(n) neugierig auf Evangelisation machen: „Ihr ahnt ja nicht, was passieren kann!“ Geht auf die Playtaste! Das heißt erst einmal: Lest weiter! Dann aber organisiert selbst einladende Veranstaltungen, und erlebt mit, wie unvorstellbare Dinge geschehen: Geistlich Tote werden lebendig, in Sünde Gefangene werden frei. Manchmal ganze Familien. Bei alldem ahnen wir nicht, dass im Hintergrund noch viel mehr abläuft, weil da fast unbemerkt Gott am Werk ist.
Es würde ein eigenes Buch füllen, wollte ich von den vielen geistlichen Aufbrüchen berichten, die ich während und nach mancher Veranstaltungsevangelisation miterleben durfte.
Eine 44-Jährige im Kreis Siegen-Wittgenstein blieb nach meiner Predigt im Missionszelt zum Gespräch zurück. Sie hatte Schlimmes durchgemacht. So saßen wir im (damals) kalten Licht der Neonröhren zusammen. Ich hörte zu, fragte nach, gab Hinweise und Antworten und erklärte ihr noch einmal das Evangelium. Die Frau, die korpulent ihr Sommerkleid füllte, hatte die Botschaft von Jesus, dem Retter, verstanden und wollte nun sein Angebot annehmen. Also beteten wir zusammen. Nach dem Amen strahlte sie und sagte: „Mein Körpergewicht habe ich zwar immer noch, aber mein Herz ist jetzt leicht wie eine Feder.“
Eine pensionierte Lehrerin aus Niedersachsen arbeitete im Kirchencafé mit. Zu Beginn der Evangelisation sagte sie mir, dass sie mit „dem gekreuzigten Jesus“ nichts anzufangen wisse. Ich erklärte ihr, warum Jesus sterben musste. Sie bekehrte sich. Am nächsten Abend kam sie noch mal zu mir, um sich zu bedanken. Auch ihre Augen glänzten: „Seit gestern schwebe ich auf Wolke sieben.“
Allein die Erleichterung derer mitzuerleben, die Jesus als ihren Herrn und Retter kennengelernt haben, ist jede Anstrengung wert. In Svens Elternhaus spielte der Glaube früher keine Rolle. Durch einen Freund war er mehrfach auf Teenagerfreizeiten dabei, die ich damals geleitet habe, und wurde Christ. Im Münsterland, wo er zu Hause ist, schloss er sich einer Gemeinde an.
Dort war ich zu einer Evangelisation. Sven hatte während dieser Tage Urlaub und war in Norddeutschland unterwegs. Er bat jedoch seine Eltern, wenigstens an einem Abend hinzugehen. Fritz (67) und Margot (57) versprachen es. Gleich am ersten Abend waren sie da. Wahrscheinlich wollten sie es hinter sich bringen. Was nicht vorgesehen war: Am zweiten Abend kamen sie wieder. Sie folgten nach der Predigt meiner Einladung in eine Gesprächsrunde. Fritz stellte kritische Fragen, und wir diskutierten eine Stunde lang miteinander. Scharfsinnig denkende Leute sind das.
Am dritten Abend dasselbe Spiel; wieder sprachen wir nach der Predigt ausführlich miteinander. So ging es die ganze Woche. – Die Evangelisation ging am Sonntagvormittag mit einem Gottesdienst zu Ende. Nach der Predigt fragte ich, wer nach allem, was er nun gehört hatte, Jesus nachfolgen wolle. Kaum hatte ich aufgefordert, sich zu einem Bekenntnis von seinem Platz zu erheben, waren Fritz und Margot auch schon aufgestanden.
Hinterher sagte Fritz: „Herr Wäsch, da haben Sie etwas angerichtet.“
„Was meinen Sie?“
„Nach dem gestrigen Abend haben meine Frau und ich noch bis um 2:00 Uhr miteinander geredet. Danach sind wir in unserem Wohnzimmer auf unsere Knie gegangen, haben Jesus unsere Schuld bekannt und ihn in unser Leben gelassen.“
Als Sven davon erfuhr, konnte er es kaum glauben. Eine Woche später fuhr ich wieder hin und durfte Fritz und Margot nebst vier anderen taufen. – So etwas kann bei einer Veranstaltungsevangelisation passieren.
Und vieles mehr: Es kann passieren, dass Schwellenängste abgebaut werden, wenn Leute einmal eure Veranstaltungen besucht haben. Es kann passieren, dass die Gemeinschaft der Christen gestärkt wird, die während der Evangelisation an einem Strang ziehen. Es kann passieren, dass Evangelisation im persönlichen Bereich weitergeht, wenn die Veranstaltung vorbei ist ...
Neugierig geworden?
U ND WENN NI c HT s pA ss IERT ?
In meinen frühen Jahren als Evangelist ließ ich mich bei einem Vorbereitungstreffen zu einer unbedachten Bemerkung hinreißen. Ich sagte: „Ich habe noch nie eine Evangelisation erlebt, bei der sich niemand bekehrt hat.“ Das stimmte zu diesem Zeitpunkt. Ich war Gott dankbar, dass sich bei den Veranstaltungsevangelisationen, bei denen ich bis dahin mitwirken konnte, immer Einzelne –manchmal viele – zu einer Entscheidung für Jesus bekannt hatten. – Weil ich das gesagt hatte, waren die Gemeindeältesten und -mitglieder in der Vorbereitungsphase hochmotiviert. Dann kam die Evangelisation. Und niemand bekehrte sich. Welch eine Enttäuschung! Als mich einer der Ältesten an meine Feststellung vom Anfang erinnerte, hatte ich keine Erklärung. – Es war die vorerst letzte Evangelisation, die diese Gemeinde durchgeführt hat.
Nachdenklich stelle ich inzwischen fest, dass sich unsere Veranstaltungen oft nicht so auszahlen, wie wir es uns wünschen. Was, wenn scheinbar nichts passiert?
saat und Ernte …
In Minecraft ist der Anbau von Weizen wichtig, um daraus lebenswichtiges Brot herzustellen. In dem Videogame dauert es 31 Minuten, bis ein Weizenfeld vom Pflanzen des Samens gewachsen und erntereif ist. 31 Minuten – das stimmt nicht mit dem wirklichen Leben überein. Ackerbau ist kein Kinder- oder Videospiel. Wer nicht monatelang die mühsame, langwierige Arbeit eines Landwirtes leistet, der muss seine Früchte wohl oder übel auf dem Markt kaufen.
In der Evangelisation müssen – wie in der Agrarwirtschaft –eine Reihe von Voraussetzungen erfüllt sein, bevor geerntet werden kann. Der übliche Prozess sieht so aus:
Zuerst muss der Boden vorbereitet werden; die Erde wird aufgelockert. In „lockerer“, vertrauter Umgebung ist jeder Austausch einfacher. Herzensboden wird (vom Heiligen Geist geleitet) durch menschliche Beziehungen bereitet.
Als Nächstes steht die Aussaat an. Keine Ernte ohne Saat. Der Acker wird bestellt. Mithilfe einer Sämaschine werden die Samenkörner – Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Mais – in die Erde befördert. In der Evangelisation säen wir durch Gespräche und Verkündigung. Das Wort Gottes verhält sich wie Saatgut in einer Furche auf dem Feld.
Dann braucht der Bauer Geduld. Die Körner müssen jetzt bei möglichst günstigen Witterungsverhältnissen keimen und wachsen. Gott ist es, der Menschen öffnet und „der das Wachstum gibt“ (1. Korinther 3,6-7). Das ist ein Wunder, besonders in Fällen, wo es sich rasch vollzieht. Und doch braucht diese Phase ihre Zeit.
Zu guter Letzt freuen wir uns auf den Höhepunkt: Wir können ernten. Von Mitte Juni bis Ende August ist in unseren Breiten das
Getreide erntereif. Dann kann es mit dem Mähen und Dreschen losgehen.
Jesus lehrt in Markus 4,26-29, dass wir eine zeitliche Verzögerung zwischen dem Aussäen des Samens des Evangeliums und der Ernte einkalkulieren müssen. Jede Umkehr eines Menschen zu Jesus hat ihre Vorgeschichte, die sich über einen mehr oder weniger langen Zeitraum hinziehen kann.
Im Odenwald hatten wir anlässlich einer Jugendevangelisation unter anderem die Gelegenheit, mit einem kleinen Team die elfte Klasse an einem Gymnasium zu besuchen; im Religionsunterricht debattierten wir mit den Schülern der Oberstufe über den Glauben. Sebastian kam etwas zu spät. Er setzte sich neben seinen Freund Jonathan:
„Wer sind die?“
„Das sind Christen, die zu ihrem Glauben stehen. Ist interessant.“
Das war es wirklich. Eine Doppelstunde lang hatten wir einen tiefgründigen und fairen Austausch miteinander. Später gingen die Gespräche über Jesus noch auf dem Schulhof weiter.
In einem umgebauten Feuerwehrgerätehaus fanden abends die Evangelisationsveranstaltungen statt, zu denen wir auch am Ende des Unterrichts eingeladen hatten. Ich predigte an diesem Tag und schloss mit der Aufforderung: „Wer heute Abend ein Leben mit Jesus beginnen will, stehe jetzt von seinem Platz auf!“ Die Scheinwerfer blendeten mich, aber ich konnte im linken Block drei Jugendliche ausmachen, und im rechten Block erkannte ich Sebastian und Jonathan, die sich auch erhoben hatten.
Ich lud alle, die sich entschieden hatten, direkt zu einem Nachgespräch ein. In der Runde sollte jeder kurz sagen, warum er aufgestanden war. Sebastians Geschichte habe ich nie vergessen: „Vor drei Jahren bekam ich bei meiner Konfirmation eine Bibel geschenkt. So wie alle. Die meisten meiner Freude haben die gleich bei eBay verkauft. Ich hab darin gelesen. Beinahe jeden Tag. Gestern hab ich die Bibel zugeklappt und gesagt: ‚Gott, du musst
mir jemanden schicken, der mir das erklärt, was hier steht.‘ Als ich euch heute Morgen im Unterricht kennenlernte, dachte ich: ‚Besser kann es nicht kommen.‘ Und heute Abend habe ich verstanden, was Gott mir durch die Bibel sagen will.“
Sebastians Bekehrung hatte eine dreijährige Vorgeschichte. Durch das regelmäßige Lesen in der Bibel hatte Gott ihn auf unsere Begegnung vorbereitet. – Wir dürfen eine Evangelisation nicht isoliert von dem betrachten, was in einem Menschen bis dahin bereits vorgegangen ist. Es sind viele Impulse – etwa das Kennenlernen von Christen –, die wie kleine Mosaiksteine erst mit der Zeit ein Bild für den Betreffenden ergeben.
Christoph aus unserem früheren Jugendkreis hatte einen Nebenjob als Taxifahrer. Einmal war er in dieser Funktion in Dillenburg unterwegs. Aus einer Gastwirtschaft kam ein Mann gestürmt, sah das Taxi und rannte darauf zu. Er riss die Beifahrertür auf: „Bringen Sie mich schnell hier weg! Da drinnen ist einer, der will mich bekehren!“
„Nun mal sachte“, beruhigte Christoph den Mann. „Wo soll es denn hingehen?“
Der Fahrgast gab seine Adresse an, er wollte nach Hause gebracht werden. Unterwegs gab sich Christoph als Christ zu erkennen, und die beiden kamen in ein intensives Glaubensgespräch; vor der Haustür des Mannes ging es noch über eine Stunde lang weiter. –Seinen Taxameter (das Gerät, auf dem der Fahrpreis erfasst wird) hatte Christoph ausgeschaltet, sonst wäre es teuer geworden.
Christoph hat nie erfahren, wer derjenige in der Kneipe gewesen ist, der andere „bekehren“ wollte. Ein Christ. Bestimmt war dieser enttäuscht, als ihm der Mann davongelaufen war: „Schade, der ist nicht offen ...“ Dabei ahnte er nicht, dass Gott seinen nächsten Boten bereits draußen vor der Tür warten ließ. Christoph war es, der Fortsetzung machte.
Auch wenn nichts passiert, passiert etwas. Bei mancher Evangelisation säen wir. Das ist keine so schöne Arbeit wie zu ernten.
Psalm 126,5 bringt die Aussaat mit Tränen, die Ernte dagegen mit Jubel in Verbindung. Und doch muss das mühevolle Bestellen des Feldes sein, sonst kann es keine Frucht und keinen Jubel geben.
Wenn scheinbar nichts passiert, ist in vielen Gemeinden das Säen vor der Evangelisation vernachlässigt worden. Während der Evangelisation wird dies immerhin nachgeholt. Wir sollten statt enttäuscht geduldig sein.
Habt ihr eine wenig erfolgreiche Evangelisation erlebt? Seid ihr frustriert? Unwillkürlich fragt man sich als Evangelist oder veranstaltende Gemeinde, was man falsch gemacht hat, wenn keiner zum Glauben kam. Doch die wenigsten Menschen werden sofort auf der Stelle gerettet, wenn sie ein- oder zweimal das Evangelium erklärt bekommen. Ich erwähnte bereits Statistiken, aus denen hervorgeht, wie oft jemand im Durchschnitt die Gute Nachricht von Jesus hören muss beziehungsweise wie vielen ernsthaften Christen er begegnen muss, bevor er sich selbst mit dem Thema Bekehrung auseinandersetzt.
Von Tony Anthony habe ich gelernt, dass Evangelisation nicht das Gewinnen von Seelen bedeutet, sondern das Verkündigen der Botschaft von Jesus Christus. Das ist ein Unterschied. Anthony, selbst Evangelist in England, schreibt dazu:
Ich stelle fest, dass der Glaube, Evangelisation sei ‚seelengewinnen‘, viele Millionen Gemeindeleiter dazu veranlasst, mutlos zu werden und zu handeln wie beim Foulspiel im Fußball. sie ziehen die rote k arte und stoppen viele gute evangelistische Anstrengungen und projekte. Wenn sie sehen, dass eine Methode, das Evangelium zu predigen, nicht zu augenblicklicher Ernte von seelen in ihren Gemeinden führt, dann meinen sie, es sei ‚nicht richtig‘ oder ‚nicht von Gott‘.“9
Hört mit dem Verkündigen des Evangeliums nicht auf, wenn ihr kein unmittelbares Resultat seht! Als Menschen sind unsere Arbeiten lediglich das Auflockern des Bodens, das Düngen, das Aussäen des Samens und das Gießen. Ansonsten sind Kräfte am Werk, von denen wir Menschen wenig merken und wenig wissen. Wenn wir feststellen: „Niemand hat sich bekehrt“, sollten wir immer hinzufügen: „Soweit wir wissen, hat sich niemand bekehrt.“ Aber was wissen wir schon?
Das Wesentliche tut Gott. Er schafft das Wunder des Lebens. Wie schön, wenn wir Frucht sehen und ernten können. – Manchmal tun wir das. Manchmal andere. Doch das ist egal. Am Ende kommt doch alles in dieselbe Scheune.
Ein Bann auf Israel
Wir können allerdings nicht ausschließen, dass etwas im eigenen Lager den Sieg verhindert. So wie bei Josua ... Jericho war eingenommen. Nun meldeten Kundschafter, dass in der Nähe die kleine Stadt Ai liege. Für ihre Eroberung müsse man nicht das ganze Volk bemühen. Dreitausend Mann genügten völlig. Die Abteilung zog siegessicher aus ... und wurde geschlagen. Israel war entsetzt. Mutlosigkeit machte sich breit.
Josua warf sich mit den Ältesten Israels vor Gott nieder. Er blieb bis zum Abend im Staub liegen. Was war die Ursache für die Niederlage? Gott muss Josua sagen: „Israel hat sich versündigt, sie haben meinen Bund übertreten, den ich ihnen geboten habe“ (Josua 7,11). Vor dem Hintergrund von Gottes Heiligkeit muss Josua dem Volk kurz vor seinem Tod sogar sagen: „Ihr könnt dem HERRN nicht dienen“ (Josua 24,19).
Vielleicht liegt es nicht an der Verschlossenheit der Menschen oder daran, dass wir die falschen Methoden angewandt haben. Vielleicht erleben wir Niederlagen wegen unseres unheiligen Lebensstils. Habt ihr als Gemeindeleitung Gott schon einmal gefragt, was in den eigenen Reihen falsch läuft? Habt ihr vor ihm schon
einmal sinnbildlich im Staub gelegen? Nicht nur für fünf Minuten, sondern „bis zum Abend“ (Josua 7,6)?
Vielleicht müssen wir das Evangelium erst einmal auf uns selbst anwenden. Wer Sünde bei sich oder bei anderen in der Gemeinde erkannt hat, der bringe sie ans Licht! Ohne Rücksicht. Es gibt für Sünder nur einen Weg: aufrichtiges Bekennen vor Gott und wo nötig auch vor Menschen. Nehmt eine Kehrtwende vor! Gott wird euch vergeben und nach der Niederlage auch wieder Siege schenken.