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Weil singt ... der Himmel

Musik in der Gemeinde Gottes im 21. Jahrhundert

Gemeindemusik Alt und jung

gehaltvoll

Ehre Gottes vielfältig von Herzen

freudig

Gott ist da! Königslieder schriftgemäß

Thomas Hammer, Kai Müller, Marco Vedder (Hg.)

Weil der Himmel singt ... Musik in der Gemeinde Gottes im 21. Jahrhundert

Best.-Nr. 271825

ISBN 978-3-86353-825-5

Christliche Verlagsgesellschaft Dillenburg

Wenn nicht anders angegeben, wurde folgende Bibelübersetzung verwendet:

Elberfelder Bibel 2006, © 2006 by SCM R. Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbH Witten/Holzgerlingen. (ELB)

Weiter wurde verwendet: bibel.heute, Neue Evangelistische Übersetzung, © 2010 Karl-Heinz Vanheiden und Christliche Verlagsgesellschaft Dillenburg. (NeÜ)

Darüber hinaus wurden verwendet: Neues Leben Bibel (NLB) und Zürcher Bibel (ZÜ).

1. Auflage

© 2022 Christliche Verlagsgesellschaft Dillenburg www.cv-dillenburg.de

Satz und Umschlaggestaltung: Christliche Verlagsgesellschaft Dillenburg

Druck: GGP Media GmbH, Pößneck Printed in Germany

Wenn Sie Rechtschreib- oder Zeichensetzungsfehler entdeckt haben, können Sie uns gerne kontaktieren: info@cv-dillenburg.de

8. Der kulturelle Einfluss auf Gemeindemusik

9. Asante sana Jesu

Hauptteil II: Der Mensch als Individuum mit Geist, Seele und Leib – Wirkung und Bewertung von Musik

10. Prägung und Neigung

11. Das Wort Gottes als Maßstab

12.

13. Zur Kritik an den Königsliedern

14. Der Herr Jesus – unser Freund?

15. Einander Segen zusingen?

16. Wirkungen von Instrumentalmusik aus empirischwissenschaftlicher Sicht

17. „Steile Thesen“ zur Wirkung von Instrumentalmusik aus wissenschaftlicher Sicht

18. Das fühlt sich gut an –Gemeindegesang und Emotionen

19. Verunreinigung durch Lieder – wie funktioniert das?

Hauptteil III: Der Mensch in der Gemeinde –gemeinsam singen und spielen zur Ehre Gottes

20. Musiker und Sänger –wie wichtig ist die „zweite Geige“?

21. „Nur das Beste für den Herrn“ oder „Es reicht schon“?

22. Der Einsatz von Instrumenten

23. Geistesleitung und Organisation: Freunde oder Gegner?

24. Alt und Jung beten gemeinsam an

25. Liedauswahl im Gottesdienst: spontan oder geplant?

26. Und wenn man sich (immer noch) nicht einig ist?

Vorwort

„Das Wort des Christus wohne reichlich in euch; in aller Weisheit lehrt und ermahnt euch gegenseitig mit Psalmen, Lobliedern und geistlichen Liedern, singt Gott in euren Herzen in Gnade!“ (Kol 3,16)

Wort Gottes, Lieder, singen – und das reichlich, in Weisheit und Gnade. Wie gut geht es uns doch! Vielfältig, gehaltvoll, gleichzeitig still im Herzen und laut füreinander. Welch einen Schatz hat der Schöpfer uns mit der Gabe der Musikalität im Zusammenhang mit seinem Wort und seiner Gemeinde gemacht!

Gemeinde und Musik – das war das Themengebiet, das wir uns als Autorengemeinschaft bei einem Treffen vorgenommen hatten. Immer wieder hatten wir als Musiker und verantwortliche Gemeindemitarbeiter erlebt, wie dieses Thema Spannungen unter Geschwistern hervorgerufen hat. Manche der Debatten hielten wir für wichtig, andere aber waren leider auch oft geprägt von Missverständnissen und Gerüchten. Manche Literatur zum Thema Musik erschien uns zu sehr von der Meinung eines einzelnen Autors mit seiner speziellen Erfahrung bestimmt zu sein. Oder sie richtete sich vornehmlich gegen etwas, ohne ausreichende Betonung der konstruktiven Möglichkeiten. Und die meisten schrieben über etwas, was Musik-Labels betraf und sich auf Bühnen abspielte – unser Interesse hingegen galt dem, was in den Veranstaltungen christlicher Gemeinden geschieht bzw. geschehen kann.

Wir legen nun die Ergebnisse unseres gemeinsamen Nachdenkens in der Hoffnung vor, dass sie Gemeinden und insbesondere

Mitarbeitern an den unterschiedlichen Orten zur Versachlichung von Diskussionen verhelfen und zu einem angemessenen Gebrauch von Musik in ihrem Gemeindeleben ermutigen.

Wir danken zunächst unseren zehn Mitautoren (Details hinten im Buch), dass sie sich trotz voller Terminkalender die Zeit zur Erarbeitung ihrer speziellen Beiträge genommen haben. Der Leser findet so eine interessante Mischung aus gründlichen Bibelarbeiten, rechercheintensiven Hintergrundaufsätzen und Praxisartikeln aus der Gemeindearbeit. Wir danken außerdem Vincent Mair für die Sichtung der vorhandenen Literatur zum Thema und der Christlichen Verlagsgesellschaft für die Begleitung des Projektes. Der wichtigste Dank geht natürlich an unseren großen Gott – denn sowohl Gemeinde als auch Musik sind seine Erfindungen, und wir sind von Herzen froh über beides!

Thomas Hammer, Kai Müller und Marco Vedder Im August 2022

Einleitung

Ausgewogen, sachlich, biblisch, gemeindetauglich – das waren einige der Attribute, die wir als Autorengemeinschaft seit Anfang dieses Buchprojektes für unerlässlich hielten. „Biblisch“ war klar – ohne unsere Grundlage, das Wort Gottes, ist jeder Orientierungsversuch zum Scheitern verurteilt. „Gemeindetauglich“ zeigt unser Hauptanliegen. Uns geht es nicht darum, die Frage „Christliche Rockmusik – ja oder nein?“ zu klären. Uns geht es darum, den Gebrauch von Musik im praktischen Gemeindeleben zu beleuchten und zu fördern. „Sachlich“ war unserer Meinung nach auch selbstverständlich für alles, was wert ist, aufgeschrieben zu werden. Als aber dann das Wort „ausgewogen“ im Gespräch auftauchte, sorgte das für Erheiterung: Der Begriff war in so gut wie jeder Abhandlung zum Thema Musik aufgetaucht, die wir gelesen hatten – ziemlich jeder Autor nimmt „Ausgewogenheit“ für sich in Anspruch. Sollten wir all dem noch ein weiteres „ausgewogen“ hinzufügen, und wie sollte unsere Ausgewogenheit aussehen?

Wir beschlossen, zum einen durch die Auswahl der Schreiber (es sind dann dreizehn geworden) allzu große Einseitigkeiten auszuschließen. Einige von uns haben das studiert, worüber sie schreiben. Viele machen selbst Musik in ihren Gemeinden. Andere haben hier eher mitgearbeitet, weil sie ihre Bibel kennen und viele Jahre Erfahrung in der praktischen Gemeindearbeit haben. So hoffen wir, mit diesem Buch biblische Beobachtungen, wissenschaftliche Erkenntnisse, Freude an der Musik und Erdung im Gemeindealltag zusammenzubringen.

Dabei wollen wir dem Leser das eigene Denken und Entscheiden nicht abnehmen. Vielmehr möchten wir unsere Leser mit

hineinnehmen in unser Nachdenken über Musik: die wünschenswerte Vielfalt, aber auch über mögliche Grenzen dafür, was Gottes Volk mit Musik ausdrücken soll. Und vermutlich wird jeder sowohl beim Thema Vielfalt als auch bei der Frage nach den Grenzen Bereicherung und Orientierung für sein eigenes Musizieren oder der Nutzung von Musik in seiner Gemeinde finden.

Weil der Himmel singt ... ist folgendermaßen aufgebaut:

Hauptteil I: Der Mensch als kreatives Geschöpf –Erkenntnisse aus Bibel, Geschichte und Kulturerleben

Der erste Hauptteil beginnt ganz allgemein mit uns als Menschen, die Musik machen, und zieht dann nacheinander Erkenntnisse aus der Bibel, der Geschichte und dem Erleben verschiedener Kulturen zum weiteren Nachdenken heran. Nach einem persönlichen Einstieg eines leidenschaftlichen Liederbuch-Sammlers über Lieder im Alltag weist in Kapitel 2 ein erfahrener Chorleiter darauf hin, wie entscheidend wichtig unser Herz für Gott bei allem Musizieren ist. Mit einem gründlichen, aber kompakten Abriss der Rolle von Musik im Alten Testament zeigt dann ein Theologe die Bandbreite ihrer damaligen Nutzung auf – und macht auch deutlich, wozu Gottes Wort hier nichts sagt. Kapitel 4 und 5 stellen das neutestamentliche Gegenstück dazu dar: Zunächst geht es um konkrete Anweisungen an die Gemeinden, dann wird eine Vielzahl von wichtigen Passagen nach Inspiration und Leitlinien für heutige Gemeindemusik untersucht.

Die beiden folgenden Kapitel beschäftigen sich mit der Geschichte der Musik. Dass sich Musik immer schon verändert und weiterentwickelt hat, ist nichts Neues – aber wie ist Veränderung

damals geschehen, wie wurde sie aufgenommen? Und dann speziell für den christlichen Bereich: Wie kommt es, dass geistliches Liedgut manchmal identitätsstiftend und manchmal konflikttreibend wahrgenommen wurde? Der Blick in die Geschichte von einem Autor und einer Autorin, die sich damit nicht erst seit Kurzem beschäftigen, rückt manche unserer heutigen Beobachtungen in eine weitere Perspektive.

Den Einfluss der Kultur schließlich erkundet ein auf den Philippinen aufgewachsener HNO-Arzt. Können Schallwellen böse oder gut sein, ist Musik eine universelle Sprache, und gibt es Erfahrungen aus der Mission dazu? Den Schluss dieses Abschnitts bilden die Überlegungen einer langjährigen Tansania-Missionarin, die sich über die Vielfalt afrikanischen Singens in den dortigen Gemeinden (meistens zumindest) freut und gespannt darauf ist, wie wir das einmal alle gemeinsam vor Gottes Thron tun werden.

Hauptteil II: Der Mensch als Individuum mit Geist, Seele und Leib – Wirkung und Bewertung von Musik

Nach diesem Einblick in die großen Zusammenhänge widmet sich der zweite Hauptteil nun konkreter der Interaktion von Musik und Mensch. Wie wirkt Musik auf Geist, Seele und Leib? Und mit welchen Kriterien beurteilen wir als Christen das, was wir singen wollen? Letzteres geschieht landläufig sehr häufig aufgrund von Neigungen und Prägungen. Also fragen wir zunächst nach der Tauglichkeit von beidem zur Beurteilung von Musik. Dann beschäftigen wir uns mit unserem Hauptmaßstab: dem Wort Gottes. Wie können wir es konkret auf unsere Fragestellung anwenden, welche Kriterien bietet es uns beim Schreiben oder Beurteilen von Liedern? Den eher

grundsätzlichen Überlegungen schließen sich einige kürzere Kapitel mit konkreten theologischen Fragen an, die in den letzten Jahren in christlichen Gemeinden für Diskussionen gesorgt haben.

Im weiteren Verlauf dieses Hauptteils denken wir mit den Lesern über die oft weniger gut fassbaren Elemente und Wirkungen von Musik nach. Ausführlich und gut belegt findet sich dort zunächst eine Zusammenstellung der aktuellen empirisch-wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Wirkung von Instrumentalmusik auf Körper und Seele des Menschen. Im folgenden Kapitel werden dann einige „steile Thesen“ aus ärztlicher Perspektive geprüft, die sich in christlichen Kreisen hartnäckig halten. Ein Bibellehrer und Gemeindeältester schließt sich dann mit einigen Überlegungen zu der Rolle von Emotionen bei Musik in der Gemeinde an. Wo besteht die Gefahr, dass mit Musik manipuliert wird? Wie können wir andererseits Musik zur Freude und Ermutigung von Menschen nutzen und mit ihr auch unsere Gefühle Gott gegenüber ausdrücken? Den Abschluss dieses Teils bildet eine Untersuchung eines Ältesten zu einer speziellen Frage, die zwar wohl nicht sehr viele Gemeinden beschäftigt, diese aber dafür umso intensiver: Kann man sich durch das Singen von Liedern in irgendeiner Weise „verunreinigen“?

Hauptteil III: Der Mensch in der Gemeinde –gemeinsam singen und spielen zur Ehre Gottes

Der dritte und letzte Hauptteil beschäftigt sich dann mit konkreten Aspekten der Musikpraxis in der Gemeinde. Zunächst die Frage nach unserer Absicht beim Musizieren: Geht es uns wirklich um Gottes Ehre? Und merkt man es unserer Musik auch an, dass wir bereit sind, die „zweite Geige“ zu spielen? Dass das gleichzeitig nicht

heißt, zweitklassige Musik zu machen, sondern wir vielmehr für Gott auch in diesem Bereich das uns Bestmögliche geben sollen, beschreibt das darauffolgende Kapitel. Ein Schlagzeuger, der von Anfang an auch leise zu spielen gelernt hatte („Laut kann jeder ...“), schreibt anschließend genau darüber: Wie können Instrumente im Gemeindeleben nicht provozierend, sondern unterstützend und mit angenehmer Lautstärke eingesetzt werden?

Den Schluss dieses letzten Teils bilden Beiträge von Ältesten aus vier Gemeinden, die sich in den letzten Jahren viele Gedanken über die Gestaltung und Inhalte ihrer Veranstaltungen gemacht haben. Der erste schreibt über die Spannung zwischen „Geistesleitung und Organisation“, besonders im Hinblick auf die Feier des Abendmahls und die damit verbundene Anbetung Gottes. Der zweite gibt Gedankenanstöße, wie eine Mehrgenerationen-Gemeinde gemeinsam zur Ehre Gottes singen und anbeten kann. Der dritte gibt den Lesern Anteil an den Überlegungen, die sie als Mitarbeiter bei den geplanten und ungeplanten Teilen ihrer gemeinsamen Zeiten des Gotteslobes bewegen. Und der vierte lässt uns hineinschauen in ihren Umgang als Leiter mit den unterschiedlich geprägten Geschwistern in ihrer Gemeinde: Wie kommt man zu einer Einigung, wenn es so unterschiedliche Auffassungen gibt?

Unser Buch endet mit einer kurzen Vorstellung der Autoren –und einer Einladung. Denn eins ist sicher: Mit unseren Ergebnissen ist längst nicht alles gesagt. Wir werden Fragen und Aspekte übersehen haben. Nicht jeder Vorschlag wird (und muss) jedem gefallen, nicht jede Antwort oder Lösung passt für jede Gemeinde. Es wird künftig neue Entwicklungen geben, die wiederum neue Reaktionen erfordern. Bis wir einmal das „neue Lied“ aus Offenbarung 5 miteinander anstimmen, werden wir immer wieder über unser Singen nachdenken. Dazu laden wir ein.

Hauptteil I:

Der Mensch als kreatives Geschöpf –Erkenntnisse aus Bibel, Geschichte und Kulturerleben

Gemeindemusik Alt und jung

gehaltvoll

ist da! Königslieder schriftgemäß freudig

Ehre Gottes vielfältig von Herzen Gott

1.

Gott ist da! – Lieder im Alltag

Seit Tagen lähmt mich eine Schreibblockade. Ich stehe gerade unter Termindruck. In meinem Gehirn suchen Wörter und Sätze eine Struktur, um einen harmonischen Einklang zu finden.

Am frühen Morgen sitze ich mit einer Tasse Tee und meiner aufgeschlagenen Bibel in meiner Lieblingsecke und lese nach einer speziellen Art meine Bibel. Mein Bibelleseplan gibt Psalm 81 an. Ich lese die ersten fünf Verse:

„Dem Vorsänger, nach der Gittit. Von Asaph.

Jubelt Gott, unsere Stärke! Jauchzt dem Gott Jakobs!

Erhebt Gesang und lasst das Tamburin ertönen, die liebliche Laute samt der Harfe!

Stoßt am Neumond in die Posaune, am Vollmond zum Tag unseres Festes!

Denn eine Satzung für Israel ist es, eine Verordnung des Gottes Jakobs.“

Mir ist, als ob sich der Himmel öffnet. Mein Herz hüpft. Mein Mund jubelt. Die Blockade löst sich in null Komma nichts auf, und laut singe ich: „Gott ist da! Gott ist da! Er, der immer ist und war ...“

Und etwas wie die beschriebene Szene wiederholt sich immer und immer wieder in den unterschiedlichen Facetten in meinem Leben.

Ich liebe Liederbücher. Meine Sammelleidenschaft füllt mehrere Regalbretter an den Wänden meines Büros. Dazu gehören Gesangbücher unterschiedlicher Denominationen aus den letzten Jahrzehnten und einzelne sogar aus dem 18. Jahrhundert.

Vor wenigen Tagen erreichte mich eine Mail mit der Bitte, dem Absender ein bestimmtes Lied zu kopieren und zuzusenden.

Lieder gehören zum Christsein und Gemeindeleben irgendwie ohne Zweifel dazu. Mein Leben wäre ohne Lieder kaum vorstellbar. Lieder sind Zeitzeugen. Die Dichter haben mitten im Leben erfahren: So ist Gott! Gott ist da!

Von den Liederdichtern können wir uns inspirieren und unseren Horizont über die Majestät und Größe Gottes weiten lassen.

Mir werden verschiedene Punkte ganz neu bewusst:

• Singen macht mich innerlich froh und befreit mich.

• Singen will ich, auch wenn mir der Liedtext nicht vollständig einfällt (mein Tipp an dich: Sing einfach weiter, wenn du im Liedtext stockst oder dir die weiteren Wörter nicht einfallen. Du wirst überrascht sein, wie du selbst Worte findest ...).

• Singen macht mir die ganze Tragweite meines Menschseins bewusst. Es stimmt: Mit meiner Stimme kann ich sowohl segnen als auch fluchen, die Wahrheit sagen oder lügen ... Dennoch lässt sich Gott mein schwaches, unvollkommenes Lallen gefallen.

• Singen will ich mit meinem Verstand (1Kor 14,15, vgl. V. 26).

Dabei mache ich mir deutlich, dass mein kleines Denkvermögen, das auch durch menschliche, sinnliche, sündige, gar teuflische Gedanken geprägt sein kann, niemals die Allmacht Gottes erfassen kann. Dennoch ist mein erneuerter Verstand durch den

Heiligen Geist befähigt, den Reichtum, die Höhen und die Tiefen Gottes zu beschreiben und ihm Anbetung zu bringen.

• Singen möchte ich mit dem Geist (1Kor 14,15, vgl. V. 26). Singen, selbst wenn mir die Worte fehlen und ich sprachlos bin. Das kann unter Umständen in zweierlei Hinsicht sein:

• Meine Sündhaftigkeit und Verlorenheit zwingt mich in Reue und Buße auf die Knie und ich flehe den Herrn um Liebe, Vergebung und Erbarmen an. Manchmal ist es aber auch die Anbetungswürdigkeit Gottes. Sie erhebt meine Seele aus dem Staub und öffnet mir die Türen zum Himmel, zum Thron Gottes. Mein Sinn soll sich in Ehrfurcht und Heiligkeit neigen vor dem Herrn, meinem Gott.

• Beim Singen muss mein Herz dabei sein, mein Gefühl, meine Seele und mein Verstand. Mal überwiegt das eine, mal das andere.

Gerne möchte ich dich einladen, spontan deine Gedanken hier zu notieren, wie es dir mit dem „Singen“ geht und was es in dir bewirkt.

Tatsächlich: Wenn ich meine Bibel in der Mitte aufschlage, entdecke ich eine Liebesgeschichte.

Der hebräische Titel, der dort in Kapitel 1,1 genannt wird, bedeutet „Lied der Lieder“ im Sinne von „das höchste, schönste oder beste Lied“. Heute würde man dieses Lied als die Nummer 1 der Charts oder der Top Ten bezeichnen. Man könnte auch sagen, dass es das Beste der 1005 Lieder (1Kö 5,12) ist, die Salomo gedichtet hat.

Nicht nur schöne, anbetungswürdige, tröstliche, erbauliche, lehrmäßige Lieder haben ihren Platz in der Bibel und in unseren Liederbüchern.

David stimmt über den Tod von Saul und Jonathan ein Klagelied an, das sich sogar in einem außerbiblischen Buch „Jaschar“ befand (nachzulesen in 2. Samuel 1,17ff.).

So ist Gott! Gott ist da! Lassen wir uns schließlich von Paulus ermutigen. In Kolosser 3,16-17 schreibt er:

„Das Wort des Christus wohne reichlich in euch; in aller Weisheit lehrt und ermahnt euch gegenseitig! Mit Psalmen, Lobliedern und geistlichen Liedern singt Gott in euren Herzen in Gnade! Und alles, was ihr tut, im Wort oder im Werk, alles tut im Namen des Herrn Jesus, und sagt Gott, dem Vater, Dank durch ihn!“

Mit dem Herzen

Alle Bereiche unseres Glaubenslebens basieren auf dem, was Gott in unserem Wesen und Sein durch seinen Kreuzestod verändert hat. Er hat ein Gott fernes Herz erneuert und sein Wesen darin wohnen lassen (Eph 3,17). Es ist nicht das Organ Herz, sondern unser innerstes Wesen, das als Herz bezeichnet wird – nun gehört es Gott (Röm 10,10). Daher wird für uns die Beziehung zu Gott und jegliches Handeln für ihn zur Herzenssache. Mit wahrhaftigen Herzen kommen wir in Gottes Gegenwart (Hebr 10,22). Jeglicher Dienst wird für Gott wohlgefällig, wenn er von Herzen kommt (Kol 2,23); und Gott selbst stellt unser Herz auf den Prüfstand, um zu erkennen, ob es Gott wohlgefällig ist (1Thes 2,4). Unser Herz ist der Motor für alles –auch im Bereich der Musik. So muss es uns nicht wundern, dass Gott nicht als Erstes Methoden und Mittel hinterfragt, sondern Wert auf unser Herz legt. Das beginnt schon im Alten Testament. Jeder, der „willigen Herzens“ war, trug seinen Teil zum Gottesdienst und den Opfern im Tempel bei. Der Gehorsam gegenüber dem Gesetz war auf das „von ganzem Herzen und von ganzer Seele“ gegründet. Eine biblische Aussage soll uns hier Leitfaden sein, die sowohl im Alten als auch im Neuen Testament steht – Jesaja 29,13 und Markus 7,6: „Ihr Heuchler! Auf euch trifft genau zu, was Jesaja geweissagt hat“, gab Jesus zur Antwort. „So steht es nämlich geschrieben: ‚Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, aber sein Herz ist weit von mir

weg. Ihr Dienst an mir ist ohne Wert, denn ihre Lehren haben sich Menschen erdacht.‘“ (NeÜ)

Es gibt ein wirklich ernst zu nehmendes Problem, das das Neue Testament so häufig anspricht. Und das ist dein und mein Herz. Wir gewinnen sehr stark den Eindruck, dass unserem Herrn kaum etwas wichtiger ist als die richtige Herzenseinstellung. Er kritisiert nicht die Art und Weise des Gottesdienstes oder die Art des Gotteslobes. Er bemängelt die Hingabe an Gott. Es ist nicht ganz klar, ob das „Ehren mit den Lippen“ nun ein Gebet oder ein Reden über Gott oder ein Lied meint. Fakt ist, dass irgendwie Lob Gottes ausgedrückt wurde, und das ist ja wirklich gut! Der Fehler war aber, dass sie es nicht wirklich so meinten. Da ist keine innere Beteiligung – keine Beziehung zu Gott – vorhanden. Sie ehren Gott, weil man es eben so macht, nicht, weil sie meinen, was sie sagen oder singen. Wenn das Herz „weit fort“ ist, ist keine Beziehung zu Gott vorhanden. Ihr Gottesdienst hatte gut funktioniert, sie nahmen die äußeren Vorgaben des Alten Testamentes ernst, alles war gut organisiert, und trotzdem war es ohne Wert! Denn sie legten Wert auf das, was Menschen sich erdacht hatten. Wichtig war nicht mehr, was Gott wichtig ist, sondern das, was Menschen wichtig war. Die Art und Weise oder Form unseres Gottesdienstes und der dazu passenden Musik darf sich nie allein auf die Ideen und Sichtweisen von Menschen gründen. Natürlich ist es wichtig, dem Ganzen eine Struktur und auch Beständigkeit durch Traditionen zu geben. Wo aber die Traditionen und die menschlichen Überlegungen – so gut und gesegnet sie auch sind und waren – alleiniger Maßstab sind, haben wir Gottes Maßstab verpasst. Das Wichtigste müssen die Herzenshaltung und der Inhalt bleiben – egal, in welcher äußeren Form sich dies ausdrückt. Und wenn eine Form nicht mehr zum Inhalt passt, sollte eine neue gefunden oder zur alten zurückgekehrt werden.

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