Inhaltsverzeichnis
Vorwort 11
1 Sind wir ohne Religion nicht besser dran ? 19
2 Steht der christliche Glaube nicht im Widerspruch zu Diversität ? 43
3 Behauptest du ernsthaft, es gäbe nur einen » richtigen « Glauben ? 63
4 Verleitet Religion zu unmoralischem Handeln ? 81
5 Verursacht Religion nicht zwangsläufig Gewalt ? 105
6 Wie kannst du die Bibel nur wörtlich nehmen ? 135
7 Hat die Wissenschaft den christlichen Glauben nicht schon längst widerlegt ? 157
8 Unterdrückt der christliche Glaube Frauen ? 191
9 Ist christlicher Glaube nicht homophob ? 223
10 Rechtfertigt die Bibel nicht Sklaverei ? 257
11 Wie kann ein liebender Gott so viel Leid zulassen ? 285
12 Wie kann ein liebender Gott Menschen in die Hölle schicken ? 307
Danksagungen 329
Vorwort
1971 hatte der Beatles-Star John Lennon einen Traum. Er verschloss seine Augen vor den atheistischen Regimen seiner Zeit und träumte von einer weltweiten Gemeinschaft ohne Himmel, ohne Hölle, ohne Ländergrenzen, ohne Besitz, » ohne etwas, wofür es sich zu töten oder sterben lohnt « – und » ohne Religion «. Diesen Traum gibt es immer noch. Zur Eröffnung der Olympischen Winterspiele 2018 in Südkorea wurde » Imagine « ehrfürchtig gesungen. Obwohl das Lied eine antireligiöse Pille verschreibt, die nur ein winziger Teil der Welt geschluckt hat, wird es allgemein als Hymne der Einheit trotz ideologischer Unterschiede anerkannt. Während seine Akkorde in Pyeongchang ertönten, winkte die Schwester des obersten Führers Nordkoreas – eines Staates, der es » ohne Religion « versucht hat und trotzdem viel fand, wofür es sich zu töten oder sterben lohnt – den Volksmassen.
Acht Jahre vor der Veröffentlichung von » Imagine « teilte ein anderer Prophet einen anderen Traum. Er träumte davon, dass » in Alabama irgendwann [ ] kleine schwarze Jungen und Mädchen die Hände von kleinen weißen Jungen und Mädchen halten – als Brüder und Schwestern «1. In der Vision des Pastors Dr. Martin Luther King erwuchsen Friede und Brüderlichkeit jedoch nicht aus der Abwendung vom Glau-
1 Übersetzt nach Martin Luther King Jr., » I Have a Dream «. ( Die Rede wurde am 28. August 1963 auf dem Marsch auf Washington für Arbeit und Freiheit gehalten : https ://usa.usembassy.de/ etexts/soc/traum.htm. )
ben, sondern durch dessen Ausübung. King träumte : » Jedes Tal soll erhöht und jeder Berg und Hügel erniedrigt werden ! Und das Unebene soll zur Ebene werden und das Hügelige zur Talebene ! Und die Herrlichkeit des HERRN wird sich offenbaren « ( Jesaja 40,4 ).
Wer hatte recht ?
Während John Lennon träumte, sprachen auch noch andere Propheten. Religionssoziologen sagten voraus, dass die globale Moderne die Säkularisierung vorantreiben würde. In einer zunehmend gebildeten, fortschrittlichen und wissenschaftlichen Welt würde religiöser Glaube immer weiter zurückweichen. Was in Westeuropa bereits geschehen war, würde sich auch in der übrigen Welt zeigen. Es gab nur ein Problem mit dieser sogenannten Säkularisierungsthese : Sie trat nicht ein.
In Westeuropa und Nordamerika ist die Zahl der Menschen, die sich als religiös bezeichnen würden, zwar zurückgegangen. Aber global gesehen ist Religion nicht nur nicht untergegangen – Soziologen prophezeien mittlerweile sogar eine zunehmend religiöse Welt.2 Auch wenn Zahlen nicht das ganze Bild vermitteln : Momentan geht man davon aus, dass das Christentum 2060 immer noch das größte globale Glaubenssystem sein wird, sein Anteil wird von 31 auf 32 Prozent der Weltbevölkerung leicht steigen.3 Der Islam wird signifikant wachsen, von 24 auf 31 Prozent. Der Hinduismus wird leicht zurückgehen, von 15 auf 14 Prozent. Und der Buddhismus soll von sieben auf fünf Prozent sinken. Das Judentum wird konstant bei 0,2 Prozent bleiben. Außerdem soll bis
2 Vgl. Pew Research Center, » The Future of World Religions : Population Growth Projections, 2010-2050 «, 02.04.2015, http://www. pewforum.org/2015/04/02/religious-projections-2010-2050/.
3 Vgl. Pew Research Center, » Projected Change in Global Population, 2015-2060 «, 31.03.2017, http://www.pewforum. org/2017/04/05/the-changing-global-religious-landscape/pf_1704-05_projectionsupdate_changepopulation640px/.
2060 der Prozentsatz der Menschen, die sich als Atheisten, Agnostiker oder » ohne Konfession « bezeichnen, von 16 auf 13 Prozent sinken. Ja, sinken.4 Diejenigen unter uns, die mit der Säkularisierungsthese aufgewachsen sind, sind jetzt wahrscheinlich überrascht – positiv oder eben nicht. Was geht da vor sich ?
Ein Teil der Antwort liegt in der Verbindung zwischen Theologie und Biologie : Muslime, Christen, Hinduisten und Juden bekommen mehr Kinder.5 60 Prozent derjenigen, die sich als konfessionslos bezeichnen, leben in China. Dort werden die Geburtenraten bewusst kontrolliert. Aber selbst innerhalb der USA korreliert Religiosität mit den Geburtenraten.6 Das ist natürlich erst mal beruhigend für säkulare Menschen, die sich von Gläubigen lieber beim Kinderkriegen ausstechen lassen als beim Denken. Doch der vermutete Zusammenhang zwischen Bildung und Säkularisierung ist dürftig. Auch wenn sich das gerade bei den jüngeren Generationen ändert, sind Juden und Christen immer noch die am besten ausgebildeten Gruppen mit dem geringsten Bildungsunterschied zwischen Männern und Frauen.7 In den Vereinigten Staaten wenden sich Namenschristen mit höhe-
4 Vgl. Pew Research Center, » Size and Projected Growth of Major Religious Groups, 2015-2060 «, 03.04.2017, http://www.pewforum.org/2017/04/05/the-changing-global-religious-landscape/ pf-04-05-2017_-projectionsupdate-00-07/.
5 Die globalen Fertilitätsraten sind wie folgt : Muslime ( 3,1 ), Christen ( 2,7 ), Hindus ( 2,4 ), Juden ( 2,3 ), Konfessionslose ( 1,7 ), Buddhisten ( 1,6 ). Vgl. Pew Research Center, » Total Fertility Rate by Religion, 2010-2015 «, 26.03.2015, http://www.pewforum. org/2015/04/02/religious-projections-2010-2050/pf_15-04-02_ projectionsoverview_totalfertility_640px/.
6 Vgl. z. B. Sarah Hayford ; S. Philip Morgan, » Religiosity and Fertility in the United States : The Role of Fertility Intentions «, in : Social Forces 86, no. 3 ( 2008 ), 1163–88.
7 Vgl. Pew Research Center, » Religion and Education around the World «, 13.12.2016, http://www.pewforum.org/2016/12/13/religion-and-education-around-the-world/.
rem Bildungsgrad zwar mit größerer Wahrscheinlichkeit von ihrer Religion ab, trotzdem sind bekennende Christen aus höheren Bildungsschichten oft ebenso religiös wie Christen mit weniger Schulbindung. Tatsächlich sind hochgebildete Christen sogar die wahrscheinlicheren wöchentlichen Kirchgänger.8
Hinzu kommt, dass sich zwar viele Amerikaner von ihrer Religion abwenden – das gleiche Spiel funktioniert jedoch auch andersherum. Eine neue Studie zeigt, dass fast 40 Prozent der Amerikaner, die ohne Religion aufwachsen, als Erwachsene religiös werden ( meistens christlich ). Gleichzeitig wenden sich nur 20 Prozent derer, die protestantisch aufwachsen, von ihrem Glauben ab.9 Wenn sich dieser Trend fortsetzt, ist es doppelt so wahrscheinlich, dass meine säkularen Freunde Kinder aufziehen, die Christen werden, als dass ich Kinder aufziehe, die zu keiner Religion gehören.10 Die Qualität der religiösen Überzeugungen, die Menschen heute haben, kann dabei nicht einfach mit dem Slogan » Leben und leben lassen « abgetan werden. In Nordamerika überholen Vollblutchristen gerade die Anhänger der liberalen Theologie, was teilweise den gläubigen Migranten geschuldet ist.11
8 Vgl. Pew Research Center, » In America, Does More Education Equal Less Religion ? «, 26.04.2017, http://www.pewforum. org/2017/04/26/in-america-does-more-education-equal-less-religion/.
9 Vgl. Pew Reseach Center, » One-in-Five U.S. Adults Were Raised in Interreligious Homes «, 26.10.2016, http://www.pewforum. org/2016/10/26/one-in-five-u-s-adults-were-raised-in-interfaithhomes/.
10 Pew Research Center, » Religious Switching and Intermarriage «, 12.05.2015, http://www.pewforum.org/2015/05/12/chapter-2-religious-switching-and-intermarriage/.
11 Pew Research Center, » The Changing Religious Composition of the U.S. «, in : Americas’s Changing Religious Landscape, 12.05.2015, http://www.pewforum.org/2015/05/12/chapter-1-thechanging-religious-composition-of-the-u-s/.
Doch der wohl größte Schock für das säkulare System ist China, ein Land, das mit aller Kraft versucht hat, ohne Religion auszukommen. Verhaltene Prognosen schätzten den Anteil der Christen in China 2010 auf über 68 Millionen, also auf mehr als fünf Prozent der Bevölkerung.12 Weil sich das Christentum so schnell verbreitet, gehen Experten davon aus, dass in China bis 2030 mehr Christen leben könnten als in den USA. Bis 2050 könnte China ein mehrheitlich christliches Land sein.13
Fenggang Yang, ein führender Religionssoziologe Chinas, ist der Meinung, dass wir einen Paradigmenwechsel ähnlich einer wissenschaftlichen Revolution brauchen, um auf das Versagen der Säkularisierungsthese zu reagieren.14
Viele akademische Diskurse beruhen auf der Annahme, dass Religion letztlich unter der sengenden Hitze der Modernisierung verkümmern wird. Der säkulare Humanismus wird als allgemeiner Konsens betrachtet. Aber dieser Ansatz ist brüchig geworden. Es ist an der Zeit, aufzuwachen und uns einzugestehen, dass Lennons Traum eine Illusion war. Schlimmer noch, eine Illusion, die auf westlichen weißen Vorurteilen beruhte und der die Annahme zugrunde lag, dass der Rest der Welt dem Vorbild Westeuropas folgen würde. Die zentrale Frage für die nächste Generation ist nicht » Wie schnell wird Religion aussterben ? «, sondern » Wer macht das Rennen : Christentum oder Islam ? «.
12 Pew Research Center Global Religious Survey 2010, zit. nach : Eleanor Albert, » Christianity in China «, 09.03.2018, https ://www. cfr.org/backgrounder/christianity-china.
13 Vgl. Antonia Blumberg, » China on Track to Become World’s Largest Christian Country by 2025, Experts Say «, 22.04.2014, http://www.huffingtonpost.com/2014/04/22/china-largest-christian-country_n_5191910.html.
14 Vgl. Fenggang Yang, » Agentgetriebene Säkularisierung und chinesische Experimente mit multiplen Modernitäten «, in : Peter Berger, Altäre der Moderne. Religion in pluralistischen Gesellschaften, Frankfurt am Main 2015, 177–200, hier : 181.
Für viele Menschen ist das ein beunruhigender Gedanke. Tiefe religiöse Überzeugungen machen uns Angst. Wir denken an Extremismus und Gewalt, das Ende der Meinungsfreiheit und die Unterdrückung von Frauen. In einigen Teilen der Welt hat das Wiederaufleben des traditionellen Islams diese unschönen Früchte hervorgebracht. Aber viele, die im säkularisierten Westen aufgewachsen sind, haben auch moralische und intellektuelle Einwände gegen ein biblisches Christentum : Was ist mit der Wissenschaft, dem Leid und der Sexualität ? Was ist mit den Kreuzzügen ? Wie kann man sagen, dass es nur einen wahren Glauben gibt ? Wie kann man nur die Bibel wörtlich nehmen ? Rechtfertigt sie nicht Sklaverei ? Wie kann ein liebender Gott Menschen in die Hölle schicken ? Wenn du dich von diesen Fragen angesprochen fühlst, dann ist dieses Buch genau das Richtige für dich. Ich spüre das Gewicht dieser Fragen. Wenn ich dir selbstgefällige, vereinfachende Antworten gebe, dann habe ich mein Ziel verfehlt. Ich habe mich jahrzehntelang mit brillanten Freunden auseinandergesetzt, die das Christentum aus grundsätzlichen Überlegungen verwerfen. Aber ich habe auch jahrelang mit christlichen Professoren im Spektrum von Physik bis Philosophie zusammengearbeitet, die an führenden säkularen Universitäten lehren. Einige dieser Professoren sind mit dem Christentum aufgewachsen. Andere sind später mit dem christlichen Glauben in Berührung gekommen. Bei allen hat der Glaube kritischen Recherchen standgehalten. Und alle sind jetzt umso mehr davon überzeugt, dass der christliche Glaube so nah wie nur irgend möglich an die Wahrheit herankommt und unsere größte Hoffnung für die Welt ist. Mein Ziel mit diesem Buch ist es, wichtige Fragen durch die Brille dieser Freunde genauer zu betrachten und dich mit hineinzunehmen.
Wir neigen zu Fehlinterpretationen, wenn wir uns Dinge aus der Distanz anschauen. Sieh dir den Nachthimmel an : Du wirst ziemlich viel Dunkelheit sehen. Aber wenn du ein Tele-
skop auf die dunkelste Stelle richtest, wirst du plötzlich Millionen von Galaxien entdecken. John Lennon hat von einer Welt ohne Religion geträumt, » ohne etwas, wofür es sich zu töten oder sterben lohnt «. Während Martin Luther King in den dunklen Nachthimmel der Rassentrennung blickte, predigte er die gegensätzliche Überzeugung : » Es gibt Dinge, die so teuer, so kostbar, so ewig gültig sind, dass sie es wert sind, für sie zu sterben. Und ich behaupte, dass ein Mann, der für nichts zu sterben gewillt ist, nicht verdient zu leben. «15
15 Übersetzt nach : Martin Luther King Jr., Rede auf einer Freiheitskundgebung, Detroit, Michigan, 23. Juni 1963, Stanford University ( Website ), Abruf am 27. August 2018, https ://kinginstitute. stanford.edu/king-papers/documents/address-freedom-rally-cobo-hall.
1
Sind wir ohne Religion nicht besser dran ?
Die meisten Studienanfänger an der Uni versuchen, sich anzupassen. Ich stach heraus. Meine Kommilitonen in meinem Hauptfach Englisch waren ziemlich cool. Einige waren Models, andere spielten in Filmen mit. Ich tat nichts von alledem. Trotzdem war es nicht meine fehlende Kameraerfahrung, die mich von den anderen unterschied : Ich tauchte mit einem knapp acht Zentimeter langen Holzkreuz um den Hals an der Uni auf.
Ein Typ hielt das für Ironie. Es war der Beginn einer ungewöhnlichen Freundschaft. Er mochte Drogen. Ich mochte Jesus. Wir beide liebten Bücher. Ich hätte deutlich glaubwürdiger dagestanden, wenn ich zugegeben hätte, dass ich mich heimlich in eine ganze Reihe Mädchen verliebt hatte. Aber das tat ich nicht. Ich hoffte immer noch, dass ich diese Phase hinter mir lassen würde.1 Vorerst war ich lediglich eine von mehreren sich an der Bibel festklammernden Sonderlingen neben meinen irritierten, säkularisierten und ab und an empörten Kommilitonen.
Die christliche Studentengruppe in Cambridge war größer und deutlich aktiver, als die meisten Leute annahmen. Wir klopften an die Zimmertüren der Wohnheime, um Evangelien zu verteilen und um über Jesus zu diskutieren. Trotzdem hätten die meisten Beobachter der Szene in Cambridge um die Jahrtausendwende darauf gewettet, dass derartige
1 Zu diesem Puzzleteil kommen wir im neunten Kapitel : » Ist der christliche Glaube homophob ? «.
Gruppen irgendwann für immer verschwinden würden : Tiefer christlicher Glaube war an einer Eliteuniversität schlicht nicht länger überlebensfähig.
Die Narrative der Neuen Atheisten
Seitdem haben sich die sogenannten Neuen Atheisten einen Strohmann über den Glauben zurechtgebastelt, der ihm jede Glaubwürdigkeit nehmen will. 2004 veröffentlichte
Sam Harris Das Ende des Glaubens : Religion, Terror und das Licht der Vernunft und schloss daran 2006 mit Brief an ein christliches Land : Eine Abrechnung mit dem religiösen Fundamentalismus an. Im selben Jahr brachte Richard Dawkins Der Gotteswahn auf den Markt, ein Buch, das 51 Wochen lang auf der Bestsellerliste der New York Times verzeichnet war. 2008 veröffentlichte der mittlerweile verstorbene Christopher Hitchens Der Herr ist kein Hirte : Wie Religion die Welt vergiftet, ein Kraftakt der Neuen Atheisten. Diese rhetorisch begnadeten Männer predigten leidenschaftlich ihre Überzeugung, dass das Christentum weder glaubwürdig noch erstrebenswert sei. Dawkins verhöhnte einen Glauben, der von der Wissenschaft widerlegt sei. Hitchens ließ den ohnehin schon trudelnden Ballon derjenigen platzen, die noch glaubten, das Christentum wäre eine Antriebskraft für das Gute.
Von diesen Triumphen beflügelt, beanspruchten die Atheisten kühn für sich die moralische und intellektuelle Überlegenheit – selbst wenn sie dafür Grenzen überschreiten mussten. In dem berühmten TED-Talk-Beitrag » Atheismus 2.0 « sprach sich der Gründer der School of Life, Alain de Botton, für eine neue Art des Atheismus aus, der die Vorteile von Religion beibehalten soll, jedoch ohne die Nachteile des Glaubens. Er schwärmte von der Tradition schwarzer amerikanischer Prediger und den enthusiastischen Reaktionen der Gemeindeglieder : » Danke, Jesus, danke, Christus, danke, mein Retter. « Anstatt diese Begeisterung aufzugeben, schlug de Botton vor, dass säkulare Zuhörer auf atheistische Predig-
ten mit einer Lobenshymne auf ihre Helden reagieren sollten : » Danke, Plato, danke, Shakespeare, danke, Jane Austen ! «2 Man fragt sich da natürlich, was Shakespeare wohl davon halten würde, zu einer atheistischen Ikone erhoben zu werden, denn seine Welt war grundlegend vom Christentum geprägt. Bei Jane Austen wäre die Antwort noch eindeutig : Als Frau mit einem tiefen, eindeutigen und beständigen Glauben an Jesus wäre sie wohl zutiefst entsetzt gewesen.3
Ähnliches ereignete sich auch 2016 auf der Reason Rally, die Atheisten, Agnostiker und » Konfessionslose « mobilisieren sollte. Zahlreiche Sprecher zitierten dort Martin Luther Kings Marsch auf Washington – als ob eine das Christentum verachtende Kundgebung einem der mächtigsten christlichen Prediger in der Geschichte Amerikas gefallen hätte. Im gleichen Jahr stieß ich auf einen Artikel in der Atlantic, der zu erklären versprach, » [ w ]arum die Briten bessere Kindergeschichten erzählen «4. Als eine in Amerika lebende Britin las ich den Text äußerst gespannt, um dann nur festzustellen, dass amerikanische Kindergeschichten angeblich deshalb weniger spannend sind, weil sich in ihnen mehr christliche Gedanken finden. Die Autorin führte dann Der Herr der Ringe und Die Chroniken von Narnia als Beispiele für heidnisch geprägte Geschichten an, vernachlässigte dabei allerdings völlig, dass Tolkien und Lewis überzeugte Christen waren, die ihre Geschichten auf dem Wahrheitsanspruch von Jesu Tod und Auferstehung aufbauten. Auch die Autorin J. K. Rowling wurde dem guten alten britischen Heidentum zugeordnet. Diese
2 Alain de Botton, » Atheism 2.0 «, Juli 2011, https ://www.ted.com/ talks/alain_de_botton_atheism_2_0.
3 Vgl. Rebecca McLaughlin, » Jane Austen’s Answer to Atheism 2.0 «, 22.01.2018, https ://www.thegospelcoalition.org/article/jane-austens-answer-atheism-2-0/.
4 Colleen Gilliard, » Why the British Tell Better Children’s Stories «, 06.01.206, https ://www.theatlantic.com/entertainment/ archive/2016/01/why-the-british-tell-better-childrens-stories/422859/.
hatte sich jedoch entschieden, bis zur Veröffentlichung des letzten Harry-Potter-Buches nichts von ihrem zerbrechlichen christlichen Glauben zu offenbaren – eben wegen des christlichen Einflusses, der in den Büchern zu finden war : Sie fürchtete, dass sie sonst zu viel von der Handlung vorwegnehmen würde.5 Dieser Trend setzt sich bis heute fort. In einem seltsamen Akt der Vereinnahmung wurden 2018 die zahlreichen christlichen Bezüge in der Filmfassung von Madeleine L’Engles Das Zeiträtsel gestrichen.
In der Zwischenzeit haben brillante skeptische Geschichtenerzähler uns in ihren Bann gezogen. Der Streamingdienst Hulu hat den dystopischen Roman The Handmaid’s Tale – Der Report der Magd von Margaret Atwood ( 1985 ) als Drama neu adaptiert. Neuengland wird dabei von einer pseudochristlichen Sekte, den Söhnen Jakobs, regiert. Die Bankkonten von Frauen werden gesperrt. Frauen dürfen nicht mehr lesen oder arbeiten. Diejenigen, die nach einer nuklearen Katastrophe noch fruchtbar sind, werden männlichen » Kommandanten « zugeteilt, die sie in einer monatlichen Zeremonie zu schwängern versuchen – angeblich nach dem Vorbild Abrahams, der die Magd seiner Ehefrau Sara schwängerte. Atwood stellt sich ein unterdrückerisches, angeblich christliches Regime vor, teilweise von der Islamischen Revolution 1980 im Iran inspiriert.
In meinem eigenen Geburtsland wiederum lädt die SciFi-Kultserie Doctor Who die Zuschauer auf eine bewegende, witzige und tiefgründige Reise ein. Der Doktor weist viele zutiefst christliche Züge auf und Doctor Who gehört zu meinen Lieblingsserien, aber ihre antichristliche Botschaft ist kaum zu übersehen.6 » Weinende Engel « ernähren sich von
5 Vgl. Jonathan Petre, » J. K. Rowling : › Christianity Inspired Harry Potter ‹ «, 20.10.2007, http://www.telegraph.co.uk/culture/books/ fictionreviews/3668658/J-K-Rowling-Christianity-inspired-Harry-Potter.html.
6 Vgl. Rebecca McLaughlin, » How the Hero of › Doctor Who ‹ Is—
den Lebensjahren der Menschen. » Kopflose Mönche « werden vom Glauben gesteuert : Durch ihre Enthauptung sind sie buchstäblich kopflos geworden. Die Kirche des 51. Jahrhunderts ist eine reine Militäroperation. Die Liste solcher faszinierenden Geschichten, Shows und Lieder, die uns dazu auffordern, die Religion zu verwerfen, ist lang und wir haben vergessen, wie viel von dem kulturellen Kapital, das wir als universell ansehen, vom Christentum geprägt wurde. Bis zu einem gewissen Grad haben wir Christen uns natürlich unser eigenes Grab geschaufelt. Die Kulturkriege führten dazu, dass viele Gläubige den Bezug zu ihrem Erbe verloren ; Christen wie Atheisten gehen gleichermaßen davon aus, dass das Säkulare normativ ist. Aber Christen haben die Universitäten erfunden und die meisten der Eliteschulen weltweit gegründet, um Gott damit die Ehre zu geben. Und trotzdem wird das Studium als eine Bedrohung für den Glauben gesehen. Christen haben die Wissenschaft erfunden, trotzdem wird die Wissenschaft als Widerspruch zum Christentum gesehen.7 Christen haben einige der besten Geschichten der Welt erzählt. Aber wenn die Geschichten zu gut sind, zu mitreißend oder zu fantastisch, dann gehen wir davon aus, dass die Autoren unmöglich diesem Glauben anhängen können, der angeblich solche Geschichten im Keim erstickt. Welche Konsequenzen hat all dies für die Studenten von heute ?
Die aufstrebende Generation der » Konfessionslosen « In der bisher umfangreichsten Studie unter Studienanfängern an Universitäten in den USA ( 2016 ) gaben 30,9 Prozent and Is Not—Like Jesus «, 12.01.2018, https ://www.thegospelcoalition.org/article/hero-doctor-not-like-jesus/. 7 Wir werden uns die christlichen Ursprünge der Wissenschaft im siebten Kapitel » Hat die Wissenschaft den christlichen Glauben nicht schon längst widerlegt ? « genauer ansehen.
an, keine religiöse Zugehörigkeit zu besitzen. Das stellt einen drastischen Anstieg um zehn Prozent seit 2006 dar.8 Diese Gruppe lässt sich weiter unterteilen in Studienanfänger, die » ohne Konfession « angaben ( 16 Prozent ), die sich als agnostisch bezeichnen ( 8,5 Prozent ) oder sich dem Atheismus zuordnen ( 6,4 Prozent ). Obwohl der Anteil der nicht religiösen Bevölkerung stark zugenommen hat, ist das keine Ausrede, die Universitäten dem Säkularismus zu überlassen. 69 Prozent der College-Studenten in den USA bezeichnen sich immer noch als religiös, 60,2 Prozent davon als Christen. Natürlich ist ein Kreuzchen auf einem Umfragezettel noch kein Beweis für einen lebendigen Glauben. Aber wenn sich mehr Studenten als Baptisten bezeichnen statt als Atheisten, dann müssen wir die übertriebenen Behauptungen der Säkularisierung mit Vorsicht behandeln. Die sinkende Zahl derer, die sich einer Religion zugehörig fühlen, ist dabei kein Nebenprodukt steigender Diversität : In Amerika ist der Atheismus unter weißen Männern übermäßig stark vertreten ; Frauen und farbige Studenten sind mit höherer Wahrscheinlichkeit religiös.9 Entsprechend bezeichnen sich an historisch » schwarzen « Universitäten 85,2 Prozent der Studenten als Christen und nur 11,2 Prozent als agnostisch, atheistisch oder konfessionslos.10 Dennoch wächst der Anteil an nicht religiösen Studenten in den USA – und zwar schnell. Wachen die Studenten von heute also endlich auf und erkennen, dass wir keine Religion mehr brauchen ?
8 Vgl. Kevin Eagan u. a., The American Freshman : National Norms 2016, Los Angeles 2017, 38, https ://heri.ucla.edu/monographs/ TheAmericanFreshman2016.pdf.
9 68 Prozent der selbsternannten Atheisten in den USA sind Männer, 78 Prozent sind weiß – im Vergleich zu 66 Prozent der Allgemeinbevölkerung. Vgl. Michael Lipka, » 10 Facts about Atheists «, 01.06.2016, http://www.pewresearch.org/facttank/2016/06/01/10-facts-about-atheists/.
10 Vgl. Eagan u. a., The American Freshman, 38.
Auf empirischer Ebene scheint die Antwort » Nein « zu lauten.
Religion : Eine Wunder-Droge ?
2016 verfassten Tyler VanderWeel, Professor an der Harvard School of Public Health, und der Journalist John Siniff einen Kommentar für die USA Today mit dem Titel » Religion könnte eine Wunder-Droge sein «11. Der Artikel beginnt mit den Worten : » Wenn jemand einen Zaubertrank brauen könnte, der die physische und psychische Gesundheit von Millionen von Amerikanern verbessern würde – und das ohne persönliche Kosten : Wie viel würde unsere Gesellschaft dafür geben ? « Die Autoren arbeiten anschließend die Vorteile für die geistige und körperliche Gesundheit heraus, die mit regelmäßiger Teilnahme an religiösen Veranstaltungen verbunden sind – für die meisten Amerikaner bedeutet dies den Besuch einer Kirche. Das Ganze geht so weit, dass die Sterblichkeitsrate über einen Zeitraum von 15 Jahren um 20 bis 30 Prozent sinken könnte. Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass regelmäßige Gottesdienstbesucher optimistischer sind, seltener an Depression leiden, mit geringerer Wahrscheinlichkeit Suizid begehen, mehr Sinn in ihrem Leben sehen, sich seltener scheiden lassen und über ein höheres Maß an Selbstdisziplin verfügen.12 Natürlich müssen wir nur die Zeitung aufschlagen, um zu sehen, dass religiöse Überzeugungen Schaden anrichten
11 Tyler VanderWeele ; John Siniff, » Religion May Be a Miracle Drug «, 28.10.2016, https ://www.usatoday.com/story/opinion/2016/10/28/religion-church-attendance-mortality-column/92676964/.
12 Für eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Literatur über den Effekt von religiöser Teilhabe auf die geistige und körperliche Gesundheit Vgl. Tyler VanderWeele : » Religion and Health. A Synthesis «, in : Michael J. Balboni ; John R. Peteet ( Hrsg. ), Spirituality and Religion within the Culture of Medicine : From Evidence to Practice, New York 2017.
können. Aber zu sagen, Religion sei schlecht, ist wie zu sagen » Betäubungsmittel sind schlecht « – ohne dabei zwischen Kokain und lebenserhaltender Medizin zu unterscheiden. Im Allgemeinen scheint sich Religionsausübung positiv auf unsere Gesundheit und unser Glücksempfinden auszuwirken. Im Umkehrschluss sagen diese Befunde, dass der Trend zur Säkularisierung eine Krise der öffentlichen Gesundheit in Amerika darstellt.13
Warum ist Religionsausübung so mächtig ?
Die Macht der Beziehungen
Ein Teil der Antwort lautet : Beziehungen. Religion fördert Beziehungen und Beziehungen sind wichtig. Der Direktor der Grant-Studie zur Erwachsenenentwicklung, einer 75 Jahre andauernden Studie über das Wohlbefinden, fasst seine Ergebnisse wie folgt zusammen :
» Gute Beziehungen machen uns glücklicher und gesünder. Punkt. «14 Während der gesamten Studie erwarteten die Studienteilnehmer, dass ihr Glück von Ruhm, Reichtum oder Erfolg abhängen würde. Aber in Wirklichkeit waren die glücklichsten und gesündesten Menschen diejenigen, die den Beziehungen zu ihren Familien, Freunden und ihrem Umfeld einen Vorrang gegeben hatten.
Wahrscheinlich brauchen wir nicht einmal eine 75 Jahre dauernde Studie, um uns überzeugen zu lassen, dass Einsamkeit schädlich sein kann. Unsere individualistische Gesell-
13 VanderWeele fasst seine Forschung wie folgt zusammen : » Die Relevanz eines bestimmten Faktors für die Gesundheit der Bevölkerung bestimmt man oft anhand der Verbreitung und Stärke der entsprechenden Auswirkungen. Demnach ist religiöse Partizipation, wie in diesem Paper gezeigt, ein mächtiger sozialer Faktor für die Gesundheit. « VanderWeele, » Religion and Health «, 357.
14 Robert Waldinger, » What Makes a Good Life ? Lessons from the Longest Study on Happiness «, November 2015, https ://www.ted. com/talks/robert_waldinger_what_makes_a_good_life_lessons_ from_the_longest_study_on_happiness.
schaft lehrt uns, Wahlmöglichkeiten über Verbindlichkeit zu stellen. Wir wollen uns nicht festlegen, weil wir Angst davor haben, etwas zu verpassen. Genau dadurch verpassen wir aber die Dinge, die am wichtigsten sind. Aber : Kann die Wirkung von Gemeinschaft wirklich den gesamten Einfluss von Religion erklären ? Würde man nicht ähnliche Ergebnisse erzielen, wenn man einmal in der Woche in den örtlichen Golfklub ginge und dort ein gemeinsames Interesse mit einer festen Gruppe teilte ? Scheinbar nicht. Unterstützung durch die Gemeinschaft allein scheint weniger als 30 Prozent des positiven Effektes von Religionsausübung auszumachen.15 Was also spielt noch eine Rolle ?
Sieben biblische Prinzipien und ihr Nutzen
Ich möchte im Folgenden sieben auf den ersten Blick wenig einleuchtende biblische Gebote untersuchen und zeigen, wie sie zu den Erkenntnissen der modernen Psychologie passen. Die Liste ist nicht vollständig und ich behaupte auch nicht, dass der christliche Glaube ein Monopol auf diese Prinzipien hat – oder dass positive Auswirkungen auf Gesundheit und Glück als Lackmustest für die Wahrheit herhalten können. Aber da dieses Kapitel den Titel » Sind wir ohne Religion nicht besser dran ? « trägt, erscheint es mir logisch, einige Grundsätze der größten Religion der Welt zu untersuchen, um zu sehen, wie sich diese auf unser Wohlergehen auswirken.
Geben ist wirklich seliger als Nehmen
In unserer auf Profit ausgerichteten Kultur erscheint die biblische Forderung, Christen sollen anderen dienen und geben, fehl am Platz zu sein. Die Behauptung » Geben ist seliger als Nehmen « ( Apostelgeschichte 20,35 ) geht unserer individua-
15 Vgl. z. B. Shanshan Li u. a., » Association of Religious Service Attendance with Mortality among Women «, in : JAMA Internal Medicine 176, no. 6 ( 2016 ), 777–85.
lisierten, erfolgsorientierten Denkweise gegen den Strich. Aber immer mehr Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass uns Freigiebigkeit guttut. Und ehrenamtliches Engagement hat einen positiven Einfluss auf unsere körperliche und geistliche Gesundheit.16 Sich aktiv um andere zu kümmern, bringt oft mehr physische und psychologische Vorteile mit sich, als selbst umsorgt zu werden.17 Anderen am Arbeitsplatz zu helfen, scheint die eigene berufliche Zufriedenheit zu verbessern.18 Und finanzielle Großzügigkeit zahlt sich auf einer psychologischen Ebene aus.19
Viele nicht religiöse Menschen dienen und geben von ganzem Herzen, während viele Christen ein egozentrisches Leben führen. Doch der Atheist und Sozialpsychologe Jonathan Haidt beobachtet : Umfragen zeigen schon lange, dass Anhänger einer Religion in den Vereinigten Staaten glücklicher und gesünder sind, länger leben und großzügiger für wohltätige Zwecke spenden und mehr für andere da sind als säkulare Menschen. [ … ] Religiös Gläubige geben mehr Geld als sä-
16 Für eine Zusammenfassung dieser Forschung Vgl. Caroline E. Jenkinson u. a., » Is Volunteering a Public Health Intervention ? A Systematic Review and Meta-Analysis of the Health and Survival of Volunteers «, in : BMC Public Health 13 ( 2013 ), 773. Vgl. auch Donald P. Moynihan ; Thomas DeLeire ; Kohei Enami, » Volunteering Makes You Happier, but Why You Volunteer Also Matters : Other-Oriented Motivations and Cumulative Life-Satisfaction «, November 2017, https ://www.lafollette.wisc.edu/images/publications/working papers/Moynihan-2017-004-volunteering.pdf.
17 Vgl. z. B. Susan Brown u. a., » Providing Social Support May Be More Beneficial Than Receiving It : Results from a Prospective Study of Mortality «, in : Psychological Science 14, no. 4 ( 2003 ), 320–27.
18 Donald P. Moynihan ; Thomas DeLeire ; Kohei Enami, » A Life Worth Living : Evidence on the Relationship between Prosocial Motivation, Career Choice, and Happiness «, in : American Review of Public Administration 4, no. 3 ( 2015 ), 311–26.
19 Vgl. z. B. Lara B. Aknin u. a., » Prosocial Spending and Well-Being : Cross-Cultural Evidence for a Psychological Universal «, in : Journal of Personality and Social Psychology 104, no. 4 ( April 2013 ), 635–52.
kulare Menschen an säkulare Wohltätigkeitsorganisationen und an ihre Nachbarn. Sie geben auch mehr von ihrer Zeit und spenden mehr Blut.20
Kein Christ wird dem radikalen Vorbild Jesu gerecht, der sein Leben gab, um seine Feinde zu retten. Zu viele Kirchen fördern ein selbstbezogenes Christentum, das die ethischen Grundsätze des Neuen Testaments ignoriert. Aber selbst das schwache Echo Christi im Leben der Christen scheint sich auszuzahlen – sowohl für die Gesellschaft als auch für den Einzelnen.
Geldliebe enttäuscht
Für diejenigen unter uns, die mit einem kapitalistischen Ernährungsplan aufgewachsen sind, ist die Kritik der Bibel am Wohlstand schwer zu schlucken. Jesus lehrte, dass es für einen Reichen schwerer ist, in das Reich Gottes einzugehen, als dass ein Kamel durch ein Nadelöhr schlüpft ( Matthäus 19,23–24 ; Markus 10,25 ; Lukas 18,24–25 ). Der Apostel Paulus nannte die Geldliebe die » Wurzel alles Bösen « ( 1. Timotheus 6,10 ). Doch zumindest in den USA regiert die Geldliebe immer noch. In der Umfrage The American Freshman aus dem Jahr 2016 gaben 82,3 Prozent der Studienanfänger an, dass » finanziell gut abgesichert sein « ein » unverzichtbares « oder » sehr wichtiges « Lebensziel sei.21 Dies entspricht einem Anstieg von fast zehn Prozent im letzten Jahrzehnt und hat
20 Jonathan Haidt, » Moral Psychology and the Misunderstanding of Religion «, 21.09.2007, https ://www.edge.org/conversation/jonathan_haidt-moral-psychology-and-the-misunderstanding-of-religion. Haidt warnt : » Man kann sich bei diesen Themen nicht an den Neuen Atheisten orientieren. Die Neuen Atheisten diskutieren die Literatur voreingenommen und kommen zu dem Schluss, es gebe keine guten Belege für irgendwelche Vorzüge außer den Gesundheitseffekten von Religion. « 21 Eagan u. a., American Freshman, 47.